Eine Seite für Hildburghausen

100 Jahre Dorfzeitung

 

  

 

Rühmlich, christlich, auch tröstlich ist,

Dass man zu keiner Zeit vergisst

Der alten lieben Vorfahren,

Die vor uns im Leben waren.

(Grabmal eines Ritters von Steinen in Neckarsteinach) 

 

Die Literaturgeschichte unseres Volkes macht uns wiederholt mit hochherzigen Männern bekannt, die geistig hervorragende Personen und aufstrebende Talente um sich sammelten und zu fruchtbarem Wirken anregten. Ihre Wohnstätten sind so zu Sammelpunkten geworden, von denen leuchtende und segenbringende Strahlen ausgingen. Eine solche geweihte Stätte war vor hundert und etlichen Jahren die Oberpfarrei in Rodach, einem kleinen Städtchen bei Coburg, und deren Seele der aus einer alteingesessenen, braven Bürger- und Bürgermeisterfamilie stammenden Superintendent Christian Hohnbaum (1747 – 1825). Er war ein gewissenhafter Seelsorger, geistvoller, doch volkstümlicher Prediger und Schriftsteller, wie auch sinniger Dichter. Als ihm 1907 ein Denkmal in seiner Vaterstadt gesetzt wurde, sagte der dortige Oberpfarrer und Festredner von ihm: „Er war zwar kein Heros des Geistes von weltgeschichtlicher Bedeutung, doch ein Mann, der, durch Freundschaftsbande mit Fürsten und dem Thron und mit Königen im Reich der Kunst verbunden, oft genug maßgebend und anregend war.“ (Vergl. die Biographie von seinem Urenkel, dem Oberstudienrat Dr. Heinrich Stürenburg und den Aufsatz desselben „Aus dem alten Hildburghausen“). Von den in der Rodacher Oberpfarrei verkehrenden Personen sind außer den Hildburghäuser und Coburger Fürstlichkeiten besonders erwähnenswert der reichbegabte, aber unglückliche Kupferstecher Karl Barth aus Hildburghausen, der talentvolle, aber nach und nach verkommene Komponist Joh. Ludwig Böhner aus Töttelstedt bei Gotha, der Romantiker de la Motte Fouqué, der Dichter der Undine, der von Pestalozzi begeisterte jugendliche Schulrat Dr. K. Ludwig Nonne aus Hildburghausen, der hochherzige Freiherr Christian Truchseß von Wetzhausen, dessen Schloss Bettenburg bei Hofheim ebenfalls ein Sammelpunkt hervorragender Geister war (vergl. das vortreffliche, vielfach ausgenützte Büchlein Dr. Karl Kühners, Gatten eines Urenkels von Hohnbaum: „Dichter, Patriarch und Ritter“, Frankfurt a. M. 1869“), der besonders vom weiblichen Geschlecht hoch verehrte geniale und humoristische Dichter Jean Paul Fr. Richter, der beliebte niederdeutsche Dichter und Homerübersetzer Joh. Heinr. Voß, der durch den Freischütz, den Oberon und die Pretiosa weltberühmt gewordene Komponist Karl Maria von Weber, der einige Jahre in Hildburghausen gelebt hatte u. a. m.

Deshalb konnte bei der Einweihung des Denkmals der Festdichter Wilhelm H a u s m a n n mit Recht singen:

Es wuchs aus kleinem Keime                                       Stets waren ernstes Wissen

Ein „Hoher Baum“ hervor                                                            Und froher Scherz ihm Gast,

Und reckt die mächt’gen Äste                                      In seinem Schatten hielten

Zum Himmelszelt empor –                                          Die Musen freudig Rast.

In dem Kreis der genannten Männer war man von dem Gedanken begeistert, das Volk, dessen Freiheit von äußerer Knechtschaft eben schwer errungen war, durch Aufklärung über die Zeitverhältnisse zu geistiger Freiheit zu erheben und zu diesem Zweck ein Volksblatt zu gründen. Die Freunde hatten 100 Gulden zusammengeschossen, aber der Unternehmer war noch nicht gefunden. Nonne wurde wiederholt aufgefordert, wies aber das Unternehmen monatelang von sich. Doch im Januar des Jahres 1818 kehrte er nach einem scharfen Ritt von Rodach um Mitternacht heim, und bei Anbruch des Tages (am 27.) ging der Eröffnungsaufsatz in die Druckerei. Er lautete:

Lieber Herr Schulz,

es erscheint eine Dorfzeitung. Seine Gemeinde habe sich schon oft beschwert, daß es für die Leute in der Stadt eine Menge Zeitungen gebe, für die Bauern keine; er solle der Gemeinde mitteilen, daß von jetzt ab eine Dorfzeitung herauskomme, die von Steuern nichts (konnte leider in der Folge nicht eingehalten werden), vom Feldbau wenig, von den Ereignissen in der Welt so viel als einem Bauern nötig, aber – neue und alte Geschichten, gute und schlechte Verse, viel Ernst und noch mehr Spaß enthalten soll. Alle Sonnabend  werde ein Blatt erscheinen, das soll der Schulz mit in das Wirtshaus nehmen und vorlesen. Die neue Zeitung wurde auf ein niedliches Quartblatt von grauem Löschpapier gedruckt und kostete vierteljährlich 30 Kreuzer, also nicht eine Mark. Die Größe der Auflage mag der Anzahl der Dörfer des ehemaligen Herzogtums Hildburghausen (höchstens 100) entsprochen haben.

Ehe wir aber das Blatt in seiner ersten Gestalt charakterisieren, müssen wir einige Nachrichten über die Person des Gründers geben. Ludwig  N o n n e, Sohn des Herzogl. Rates Friedr. Ludw. Nonne, geb. 6. Dezember 1785, das jüngste von drei Kindern, verlor schon im zarten Alter seinen Vater und wurde im Haus eines Verwandten in Coburg erzogen, wo er das Gymnasium besuchte. Darauf studierte er in Jena Theologie und lieferte schon damals Beiträge für die „Allgemeine Literaturzeitung“. Herausgegeben von Prof. Dr. Eichstädt, ein damals rühmlichst bekanntes Blatt. Nach vollendetem Studium kehrte er in seine Vaterstadt Hildburghausen zurück, wo er schon im Alter von 25 Jahren an die Spitze des Schulwesens gestellt wurde. Im Jahr 1808 gründete er eine Privatschule, die noch jetzt unter dem Namen „Nonnesches Institut“ in Blüte steht. Nachdem er die Lehrmethode des Vaters der neueren Pädagogik in der Schweiz gründlich kennen gelernt hatte, hielt er 1810 einen sog. außerordentlichen Kurs mit allen Lehrern des Herzogtums, in dem er sie in den Anschauungsunterricht, in die Lautiermethode und in die wichtigsten Grundsätze Pestalozzis überhaupt einführte. Eine Wiederholung dieses Kursus wurde 1827 vorgenommen, nachdem der größte Teil des Herzogtums Hildburghausen mit Meiningen vereinigt war. All dies geschah ohne gedruckten Lehrplan, ohne viele Reskripte und Instruktionen durch das lebendige Wort und persönliche Einwirkung. Denn der junge Schulrat war als reitender Schulinspektor in dem jetzt weit ausgedehnten Herzogtum eine bekannte Person geworden. Schon 1819 auch zum Hofprediger ernannt, trat er nach Vereinigung der Konsistorien der beiden seitherigen Herzogtümer als erster geistlicher Rat mit dem Titel Ober-Konsistorialrat an die Spitze des gesamten Kirchen- und Schulwesens. Zugleich war er Ephorus der Diözese Hildburghausen, Oberpfarrer dieser Stadt und Direktor des Lehrerseminars, eine Fülle von Ämtern, wie sie wohl kaum sonst ein Beamter allein auf seinen Schultern getragen hat. In der hiesigen Loge Karl zum Rautenkranz hat er vom Jahr 1820 bis zu seinem Tod das Amt eines Meisters vom Stuhl bekleidet. Außerdem wurde er 1847 zum Abgeordneten des Landtags, 1848 zum Mitglied des deutschen Parlaments gewählt. Aus seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist das „Reformationsbüchlein“ als eine mustergültige Schöpfung bis auf diesen Tag zu erachten. Als Gatten und Familienvater wurde ihm das Leben zwar angenehm, aber nicht ganz leicht gemacht. Denn seine Gattin Friederike geb. Bechmann (gest. 1842) schenkte ihm 14 Kinder, von denen drei frühzeitig starben. Seine Mutter Johanna war Erzieherin der fürstlichen Kinder, u. a. der nachmaligen Königin Therese von Bayern gewesen, die ihr pietätvoll ein noch wohlerhaltenes Denkmal auf dem hiesigen Friedhof setzte. Zum 25-jährigen Jubelfest unserer Zeitung wie nach seinem Tod (14. Juli 1854) finden wir seinen Lebensgang von seinem Schwiegersohn Dr. C. Kühner (Direktor der Musterschule zu Frankfurt a. M.) sehr anziehend beschrieben (Jahrgang 1854, Nr. 154).

War nun auch der alte Nonne bis 1845, in welchem Jahr sein Sohn Johannes die Redaktion mit übernahm, die Seele des Blattes gewesen, so zeichnete doch seit 1828 der Buchhändler F. G. Kesselring als verantwortlicher Herausgeber.

Von den Mitarbeitern der ältesten Zeit sind vor allem der würdige Superintendent Christian Hohnbaum, der Patriarch, dessen Sohn Karl Hohnbaum, Obermedizinalrat der hiesigen Stadt (1780 – 1855), der Hofprediger Heinrich Kühner, Pfarrer in Eishausen (1760 – 1825), Konrad Friedrich Kühner, Pfarrer in Bedheim (1793 – 1838), Hermann Kühner, Sohn des eben genannten, seit 1838 gleichfalls Pfarrer in Bedheim (vorher Hauslehrer beim alten Nonne, Helfer in der Redaktion, Lehrer am Seminar) zu nennen. Von diesen gilt der Ausspruch des Gründers: „Die besten und liebsten Aufsätze sind mir aus stillen Pfarrhäusern zugegangen.“ Außer Matthias Claudius und Joh. Peter Hebel waren damals nur wenige echt volkstümliche Schriftsteller in unserem deutschen Vaterland zu finden.

Gehen wir nun auf den Inhalt der neuen Volksschrift etwas näher ein. Da der damalige Bauer außer Bibel und Gesangbuch kaum ein Erzeugnis der Literatur in seiner Wohnung hatte, so legte das Blatt den Schwerpunkt auf unterhaltende und gleichzeitig belehrende Aufsätze in der Art Hebels. Von diesen sind gar manche aus der Feder Hohnbaums oder Nonnes mit

 

 

oder ohne Quellenangabe in andere Zeitungen und in Jugendschriften übergegangen. Die durch Bilder und originelle Vergleiche aus dem Landleben belebte Schreibweise wich von der geschraubten und gelehrt scheinenden der damaligen Schriftsteller angenehm und wohltuend ab. Erdichtete Personen- und Ortsnamen (der Bauer Hansmichel, die Schulzen-Avemargt, das zurückgebliebene Dorf Flachsenfingen usw.) haben damals gewiß erheiternd gewirkt. Auch dramatische Anklänge waren zu finden, indem manche Belehrungen in der Form von Gesprächen gegeben waren. Selbst Holzschnitte fehlten nicht, sogar ein lebhaft bemaltes Bild des Wunderdoktors Eisenbart, der in Hannöverisch-Münden begraben liegt, durfte die Dorfzeitungsgemeinde erfreuen. Denn als eine zusammenhängende Gemeinde betrachteten sich die Leser, und da sie wiederholt ersucht worden waren, nicht nur Leser, sondern auch Schreiber zu sein, so brachten manche Schulzen, auch aus dem benachbarten Bayern, ihre Klagen hier an und baten um Abhilfe. Der Pädagoge auf dem Redaktionssessel nannte dieses Verfahren seine Schreiblesemethode. Auf dem Dorf mußte er sich die ehrende Bezeichnung „Gevatter“ gefallen lassen.

Über all diesen belehrenden Aufsätzen sind aber die politischen Nachrichten nicht zu kurz gekommen. Nonne erfand dafür den in pietätvoller Weise bis heute beibehaltenen Titel „Welthändel“.

In einer Zuschrift aus dem Leserkreis hieß es: „Mit gesteigerter Ungeduld wird jedes Blatt der Dorfzeitung erwartet, seitdem sie erklärt hat, daß sie sich zur Besprechung über inländische Angelegenheiten hergeben dürfe und gern hergebe.“ Mit großer Freude wird aus der engeren Heimat berichtet, daß am 18. März 1818 „das mit der größter Freisinnigkeit verfaßte Grundgesetz für das Herzogtum Hildburghausen unterzeichnet worden sei“. Ein Jahr darauf, als am 9. Februar 1819 der Landtag feierlich eröffnet worden war, wird geschrieben, „daß jeder Bauer ihn in sein Morgen- und Abendgebet einschließen dürfe, denn er bedürfe des Segens von oben“. Auch der politischen Fortschritte in entfernteren Teilen des Vaterlandes wird gern gedacht, so daß die Leibeigenschaft im Staat Frankfurt a. M. aufgehoben sei, und daß der Kurfürst von Hessen die Zöpfe abgeschafft habe. Viel ist von den demagogischen Umtrieben die Rede und in Verbindung damit von dem russischen Staatsrat und Schriftsteller v. Kotzebue wie von dem unglückseligen Studenten Karl Sand. Gerühmt werden die Staaten, die zuerst Verfassungen gegeben haben, wie neben unserem alten Herzogtum: Bayern, Baden, Weimar, Nassau, und den Verhandlungen der Landtage in den sächsischen Kleinstaaten wird alle Aufmerksamkeit gewidmet.

Wenn auch die Dorfzeitung sehr mutig war, und mit Beziehung auf einen vorliegenden Fall sogar das Bibelwort Micha 7, 4 zitierte, so hatte dies doch seine Grenzen, nachdem die Zensur eingesetzt worden war. Hierüber äußerte sich Nonne: „Die Dorfzeitung hatte auch seither einen Zensor, der sehr streng war, das eigene Gewissen. Doch muß manches Späßchen jetzt wegbleiben, da es mißdeutet werden könnte.“ Sehr kräftig trat die Zeitung nach wie vor gegen konfessionelle Engherzigkeit auf und nahm die Juden oft in Schutz, wenn sie schuldlos angegriffen wurden. „Sie sollen in jeder Beziehung gleichberechtigt werden, aber auch ein Handwerk lernen und veraltete Gebräuche weglassen.“ Sehr wohltuend berührt die stets bewiesene Anhänglichkeit an das wettinische Fürstenhaus, besonders auch an die nach Altenburg verzogene ursprünglich Hildburghäuser Familie. Breiteren Spielraum als die Politik nehmen die Belehrungen über zeitgemäße Fortschritte in der Lebenshaltung und über die Beseitigung aller Mißbräuche ein. So tritt unser Blatt schon in den ersten Jahren seines Bestehens lebhaft ein für die Impfung, für den Kartoffelbau (mit Empfehlung geeigneter Sorten), für Blitzableiter, für Fortbildungsschulen, für Gründung von Sparkassen, für Versicherungen gegen Hagel, für die Fütterung der Vögel im Winter (Fink und Spatz halten humoristische Reden an die Bauern mit Empfehlungen ihrer Tugenden), gegen den Aberglauben, die Kartenschlägerei, gegen übertriebene Titulaturen und Höflichkeitserweisungen, gegen die Schädlichkeit des Ordens der Jesuiten u. dergl. m. Auch befürwortet es schon im ersten Jahr des Bestehens, daß auch die evangelischen Kirchen wie die katholischen tagsüber offen stehen möchten, „damit jeder zu jeder Zeit, wo ihn das Herz treibt, an geweihter Stätte beten könne“. Auch wird damals schon die Anlegung von Ortschroniken empfohlen. Anderseits wendet sich die Zeitung gegen die auch jetzt oft sehr lästige Klavierseuche, gegen die immer noch nicht ganz ausgestorbenen Leichenschmäuse, auch Sterbekirmessen genannt, und gegen die unflätigen Verse auf Töpfen und auf Schüsseln. Doch macht sie nicht den Fehler, alte und unsittliche Gebräuche nur zu verurteilen, sondern sie will auch bessere an deren Stelle setzen. So werden z. B. als Schlüsselverschen angeboten:

            Können Mädchen kochen, braten,

            Kommen Freier ungeladen. –

            Merke, daß du Gott erst dankst,

            Eh‘ du in die Schüssel langst. –

Zu Sammlungen bei Brandschäden und sonstigen Unglücksfällen wurde schon 1818 und 1822 angeregt, und mancher Laubtaler, Krontaler und Louisdor kam dadurch den Abgebrannten in Herbsleben bei Gotha und in Eisfeld zugute. Diese Spenden wurden in dem „Gotteskasten“ gebucht. Bald stellten sich auch Behörden ein, die amtliche Bekanntmachungen aufgenommen haben wollten, zuerst die Vogteiämter. Von Privatpersonen kamen nach und nach Anzeigen von Verkäufen von Häusern, Pferden, Büchern, sehr viele Lotterieanzeigen, Stellengesuche, auch schon Danksagungen an Ärzte zur Aufnahme.

Deshalb gab die Redaktion zum halbjährigen Geburtstag in ihrer humoristischen Weise zu erkennen: „Die Dorfzeitung wird alle Sonnabend verschenkt an jeden, der ihr 30 Kr. schenkt. Für Dinge, die den Nutzen des einzelnen angehen, will sie einen Beiwagen (Beiblatt) anlegen. Wer darauf fahren will, bezahlt etwas.“ Die Zeile kostete 3, bald darauf 3 ½ Kreuzer, d. i. einen Silbergroschen oder zehn Pfennige nach jetzigem Münzfuß. „So oft Gepäck genug da ist, geht eine Fuhre ab.“ Für die öfteren Anfragen von Landwirten wird ein „ökonomischer Kasten“ mit Belehrungen über landwirtschaftliche Maschinen, Hagelschlag, Wildschaden u. dergl. angelegt. Sehr nützlich für die Leser aus den einfacheren Lebenskreisen war die kurze Erklärung der Fremdwörter, wie Zensor = Schriftbeschauer, Zivilliste = Einkommen der Fürsten, Traktat = Vertrag u. dergl. Auch die Belehrungen in Gesprächsform haben sich gewiß als recht anregend und wirksam erwiesen. Wohl angebracht dürfte auch jetzt noch der den Vätern erteilte Wink sein, erst mit dem Kopf des Söhnleins Rücksprache zu nehmen, ehe sie ihn zum Studium bestimmen. – Schon im März 1820 konnte der Verleger sagen, daß die Zeitung sich in den meisten Gegenden Deutschlands verbreitet habe.

Eine Erweiterung erfuhr sie durch die Zuführung einer Beilage zur Unterhaltung. Doch hören wir die humoristische Ankündigung durch die Redaktion selbst (31. März 1832): „Anno 1818, als die Dorfzeitungsgemeinde zuerst zusammenkam, war die Zeitung mit den Welthändeln immer bald zu Ende und konnte noch allerhand erbauliche Geschichten erzählen und dies und das besprechen pro und noch mehr contra. Heut zu Jahr und vorzüglich nach dem heißen Sommer 1830 (Pariser Julirevolution) reicht der Platz nicht mehr hier, wenn auch nur das Notwendigste erzählt werden soll, was jeder Schulze wissen muß. Deswegen kommt’s zu keinem vernünftigen Gespräch mehr, und mancher sehnt sich doch nach einem vertraulichen Gespräch aus der guten, alten Zeit. Deswegen gedenken wir, wie neben der Wirtsstube noch ein Cabinet für ein paar gute Freunde ist, neben dem großen Dorfzeitungssaal ein stilleres Stübchen „Der Dorfzeitungsgemeinde geheimes Plauderstübchen“ anzulegen und meinen das so:

Neben dem Saal, wo die Dorfzeitung wöchentlich zweimal vorgelesen wird, kommt von den Lesern, wer Lust hat, alle vier bis sechs Wochen in dem geheimen Plauderstübchen zusammen und bringt an heiteren Geschichten mit, was er gesammelt hat. Den Herrn Zensor ziehen wir in das Geheimnis und geben ihm freien Eintritt.“ Ohne Bild gesprochen, erschien alle vier Wochen am Montag (bis 1869) ein Extraheftchen unter dem obengenannten Titel mit geschichtlichen, oft humoristischen Erzählungen, mit kurzen, nicht politischen Nachrichten, Anekdoten usw. Der Preis betrug für das ganze Jahr 1 Gulden (= 1,75 Mk.). Es wurde vorausgesetzt, daß jeder Leser des Hauptblattes auch das Plauderstübchen mithalte. Unter den Aufsätzen aus der alten sächsischen Geschichte befinden sich wertvolle Beiträge für die Landeskunde der sächsischen Herzogtümer. Was man anderwärts „Briefkasten“ nannte, wurde in der sogen. „Plaudertasche“ untergebracht. So rückte allmählich die Zeit des silbernen Jubelfestes heran, dessen Festnummer mit folgenden Worten eingeleitet wurde:

„Mit Gunst, ihr Nachbarn laßt euch sagen:                Die meisten von euch noch Kinder waren,

Ein Jubeljahr beginnt zu tagen.                                    Da kam zum erstenmal heraus aufs Land

An Lichtmeß war’s vor 25 Jahren                                Eine muntre Freundin, Dorfzeitung genannt.“

Der Glückwunsch eines der ältesten Freunde begann mit den Worten:

„Glück auf denn zum silbernen Jubeljahr,

Das Wort bleibt frei und deutsch und wahr.“

Wie schon gesagt, legte der vielbeschäftigte Begründer im Jahr 1845 die Redaktion ganz in die Hände seines Sohnes Johannes nieder. Wir können aber diesen ersten Abschnitt unserer Geschichte nicht verlassen, ohne ein Urteil wiederzugeben, das mit Serenus (nicht zu verwechseln mit Serenissimus) in der Zeitschrift „Thuringia“ zu lesen war: „Die Dorfzeitung ist ein ausgezeichnetes Blatt Deutschlands, gewährt einen Überblick über die Welthändel und trifft dabei stets den Nagel auf den Kopf. Sie ist etwas mokant (spöttisch, d. Verf.), sonst aber treffenden Inhalts.“ Gehen wir nun zu dem folgenden Abschnitt über, in dem wir mit dem nunmehrigen Schriftleiter beginnen. 


[Seit 1. Januar 1886 wird die „Dorfzeitung“ in der ihr gehörenden Druckerei gesetzt und gedruckt] 

Johannes  N o n n e, ältester Sohn des Konsistorialrats, geb. 11. Juni 1821, der das Gymnasium in Hildburghausen besucht und in Jena Theologie studiert, auch bereits einigemal die Kanzel bestiegen hatte, übernahm die Redaktion selbständig und behielt sie fast 45 Jahre lang. Da er aber auch Leiter der Kesselring‘schen Buchhandlung wurde, so kann es nicht wunder nehmen, daß er die Redaktion tageweise mit einige befreundeten Herren teilte. Als solche kommen besonders Laurich und Wölfing in Betracht.

Albert  L a u r i c h, geboren in Frauenprießnitz, besuchte das Gymnasium in Weimar, studierte in Jena die Rechtswissenschaft und trat dann in den Thurn und Taxisschen Postdienst, in dem er bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand Postmeister in hiesiger Stadt war. Nach seinem am 8. April 1892 erfolgten Tod konnte von ihm in seinem Nekrolog gesagt werden: „Die Dorfzeitung widmet ihm das dankbarste Andenken. Durch geschäftlichen und persönlichen Verkehr ihr nahe getreten, wurde er jahrzehntelang ihr Mitarbeiter, schrieb eines ihrer sechs wöchentlichen Blätter und bewährte sich schnell als ein geborener Dorfzeitungsschreiber. In und über seinen Artikeln schwebte ein anmutender Hauch ungesuchten Humors. Augenleiden nötigten ihn, die Arbeit aufzugeben. Nach seinem Rücktritt erfreute er die Leser durch Reisebeschreibungen aus der Schweiz, Tirol und Italien. Er hat nie Langeweile gehabt, wie er freudig bekannte.“

Ernst Balthasar  W ö l f i n g, geb. 1806 in Behrungen bei Römhild, erst Diakonus in hiesiger Stadt, später Oberpfarrer, Superintendent und Kirchenrat, als welcher er am 25. Mai 1876 starb. „Als einer der ältesten und treuesten Mitarbeiter hat er der Zeitung nahezu 40 Jahre lang seine Gabe edel populärer Schreibweise gewidmet, sie im Anfang der vierziger Jahre fast allein geschrieben und seit 1854 als Miteigentümer (er war der Schwiegersohn des Gründers) und Mitredakteur an den Bestrebungen und Erfolgen derselben teil genommen. Namentlich hat er viel über den Gustav-Adolf-Verein veröffentlicht, dessen Versammlungen er regelmäßig besuchte.“ Sehr anerkannt wurden seine volkstümlichen Lebensbeschreibungen von Melanchthon und Justus Jonas.

[Die 1898 erbaute Druckerei in der heutigen Geschwister-Scholl-Straße, die 2008 einer Brandstiftung zum Opfer fiel, war im Besitz der „Dorfzeitung“]

Joh. Nonne hatte es verstanden, sich eine Reihe hochgebildeter Mitarbeiter aus dem Kreis der Staatsbeamten, Geistlichen und Lehrer zu sichern. Fast alle deckt jetzt der grüne Rasen. Sie verdienen es aber, daß sie an dem Jubeltag der Zeitung den älteren Lesern in das Gedächtnis zurückgerufen, den jüngeren bekannt gemacht werden. Wir wollen die alphabetische Reihe einhalten, beginnen also mit

Plato  A h r e n s, Kupferstecher und Zeichenlehrer an allen Schulen Hildburghausens, Begründer einer Handwerkerschule, er schrieb u. a. viele Reisebilder.

Dr. Karl  B a u m b a c h, aus der Residenzstadt Meiningen stammend, Landrat von Sonneberg und später Bürgermeister von Danzig. Als deutsch-freisinniger Reichstagsabgeordneter schrieb er viele Artikel zu den Reichstagswahlen und über die Verhandlungen im Reichstag selbst.

Hans  B r o m m e, wie Baumbach ein Meininger Stadtkind, doch aus ganz anderem Holz geschnitzt. Als Sohn eines Sekretärs diente er als Einjährig-Freiwilliger, zog aber dann als gelernter Lohgerber, da in ihm der starke Bildungs- und Wandertrieb seiner Familie lebte, mit dem Felleisen auf dem Rücken zwanzig Jahre lang in die weite Welt, besonders in das östliche Europa, errichtete 1858 eine Lederhandlung in Meiningen, zog sich 1880 vom Geschäft zurück und privatisierte in Dresden. Er war ein selbstgemachter Mann, in vielen Gebieten des politischen und sozialen Lebens wohl beschlagen. Noch 1887 schrieb er aus Venedig. Der Dorfzeitungsgemeinde war er unter dem Decknamen „Der Vielgereiste“ wohl bekannt. Joh. Nonne stand jahrzehntelang mit ihm in Korrespondenz, ohne ihn je gesehen zu haben.

Wilhelm  F ü ß l e i n, der Ältere, Pfarrer in Haina bei Römhild, schrieb unter dem Namen Dr. Verus hauptsächlich über Kirchen- und Schulangelegenheiten sowie über sittliche Zustände des Volkes.

Alwin  G r a f   aus Schalkau. Geh. Justizrat, Landgerichtsrat am Landgericht in Meiningen, „sehr geschätzter, treuer Mitarbeiter und lieber Freund“. Im Jahr 1912 konnte er zum letztenmal am Geburtstag des Herzogs Georg einen herzlichen Glückwunsch verfassen. Er starb bald darauf in hohem Alter nach langem Leiden. Er konnte sich der besonderen Wertschätzung seines Landesherrn erfreuen, der mit dem gesprächigen, scharf satirisch angelegten Juristen oft im Herrenberg bei Meiningen spazieren ging.

Dr. Ludwig  G r o b e, Professor am Gymnasium in Hildburghausen, später am Realgymnasium in Meiningen, wo er im besten Mannesalter starb. Er schrieb Reisebeschreibungen, Besprechungen über Musikaufführungen, Aufsätze über Landeskunde und verfaßte sinnige Gedichte ernster wie heiterer Art.

Dr. August  H e n n e b e r g e r, Professor am Gymnasium in Meiningen, trefflicher Lehrer der Literaturgeschichte, ein hochgebildeter Mann mit humoristisch-satirischer Ader. In seinem Nekrolog lesen wir: „Eine große Anzahl von Schülern trägt sein Andenken in dankbarem Herzen fort“, was Verfasser dieses bezeugen kann. Er starb leider im besten Mannesalter, am 9. August 1866 an den Folgen einer ansteckenden Krankheit, die er sich durch teilnehmende Besuche im Lazarett in Grimmenthal zugezogen hatte. Von ihm stammen viele höchst sachverständig und anziehend geschriebene Aufsätze über Uhland, Rückert, Jean Paul, Joh. Peter Uz (Briefwechsel mit Grötzner in Römhild), meist mit A. H. unterzeichnet.

Dr. Friedrich  H o f m a n n, geb. 1813 als Sohn armer Eltern in Coburg, lebte als Mitarbeiter des Bibliographischen Instituts von 1841 bis 1858 in Hildburghausen, siedelte dann nach Leipzig über, wo er seit 1861 Redakteur der „Gartenlaube“, später Ehrenredakteur war. Hofmann war ein sehr fruchtbarer Dichter und Schriftsteller. Die Dorfzeitung verdankt ihm viele gediegene Aufsätze und sinnige Betrachtungen zum Jahreswechsel und anderen Festtagen, wie auch viele ernste und scherzhafte Gedichte. Außerdem war er der Herausgeber des sog. „Weihnachtsbaumes“, eines alljährlich zur Weihnachtszeit erscheinenden Büchleins, aus dessen Ertrag vielen armen Kindern eine willkommene Festfreude bereitet wurde. Von seinen größeren humoristischen Gedichten seien hier die Coburger Quakbrünnle, die Eselsjagd, der verwunschene Engländer und die Nacht im Walfisch rühmend erwähnt. Im Jahrgang 1873, Nr. 143, findet sich zu seinem 60. Geburtstag der Lebensgang des Ehrenbürgers von Coburg, des ehemaligen Hirtenknaben. Erst als er 1888 gestorben war, erfuhr die Dorfzeitungsgemeinde, wer eigentlich „Der Alte“ war. In Nr. 197 dieses Jahrgangs heißt es: „Die Dorfzeitung betrauert in ihm einen ihrer ältesten und treuesten Mitarbeiter, der unsere Leser mit unzähligen durch Geist und Humor gleich ausgezeichneten Artikeln erfreut hat. Sein Andenken wird bei uns allzeit in Ehren bleiben.“ Die so beliebt gewordene Unterschrift wurde mit dem unbestimmten Artikel, also „ein Alter“, später zuweilen von anderen angenommen.

Woldemar  K o s t, Superintendent in Heldburg. Von ihm heißt es: „Die Dorfzeitung verdankt ihm manchen wertvollen Aufsatz über kirchliche Erscheinungen.“

K r u g, Schultheiß in Obermaßfeld, landwirtschaftlicher Mitarbeiter. Seine gediegenen Arbeiten wurden allseitig hochgeschätzt.

Dr. Karl  K ü h n e r, Direktor der Musterschule in Frankfurt a. M., Verfasser sehr wertvoller geschichtlicher und literarischer Aufsätze, schon mehrfach erwähnt.

Ernst  O p f e r m a n n, Lehrer in Poppenwind, 1842 – 1906, zuletzt in Brattendorf im Ruhestand lebend, schrieb ansprechende Erzählungen aus der engeren Heimat. Er ist auch Verfasser der eben erst unter den Schriften über Meininger Geschichte und Landeskunde erschienenen „Chronik von Poppenwind“.

Dr. med. Heinrich  R ü c k e r t, Physikus in Camburg a. S., zuletzt praktischer Arzt in seinem Heimatort Schweina bei Bad Liebenstein. Über ihn schreibt unsere Zeitung: „Die Dorfzeitung verdankt ihm eine Reihe vortrefflicher Aufsätze, die von dem ungewöhnlich reichen Wissen, dem praktischen Blick und vor allem von dem wahrhaft humanen Geist des Verfassers ehrendes Zeugnis geben. Wir erinnern an die Aufsätze: Der kalte Trunk, Mißbrauch der Zerstreuung, Viehfütterung und Kindesnahrung, Die Arbeitszeit in den Fabriken, Freizügigkeit und Ammenwesen, Die Schutzpockenimpfung, und an den letzten: Gefühlsverweichlichung. Trotz unheilbar siechen Körpers wartete Dr. Rückert seines schweren Berufs bis zuletzt und suchte seine reichen Erfahrungen auch durch die Presse für das Volk zu verwerten.“ Mehrere Nachrufe aus Schweina und dem benachbarten Steinbach bedauern den frühen Heimgang dieses in jeder Beziehung trefflichen Mannes aufrichtig und tief. Er starb 1865 im Alter von kaum 36 Jahren.

Dr. jur. Eduard  R ü c k e r t, Rechtsanwalt, zuletzt Landgerichtspräsident, längere Jahre Mitglied des Reichstags und Präsident des meiningischen Landtags. Von ihm stammen viele Aufrufe zu Wahlen, treffliche Abhandlungen über Reichs- und Landesgesetze, über Vereinswesen und andere soziale Probleme, ingleichen auch viele Berichte aus dem Reichstag. Seine Lebenszeit reichte von 1822 – 1880. Daß er die schwierige Angelegenheit der meiningischen Domänen zu einem gütlichen und allseits befriedigenden Abschluß gebracht hat, sichert ihm in der Geschichte unseres Herzogtums einen ehrenvollen Platz. Trotz der auf ihm lastenden Bürde amtlicher und politischer Arbeiten fand er doch noch Zeit zu literarischer Tätigkeit. Von einer wertvollen dichterischen Begabung zeugt das auch im Meininger Hoftheater aufgeführte Festspiel: Im Judenbacher Dorfwirtshaus.

S c h w e r t, Superintendent in Waltershausen, langjähriger Mitarbeiter. Er hat eine Reise nach Palästina gemacht und über diese Reisebilder geschrieben.

Dr. Berthold  S i g i s m u n d   in Rudolstadt, Volksdichter, Sammler von Sagen, Märchen und Verfasser heimatkundlicher Aufsätze.

Dr. Johannes  S i e b e l i s, Schwiegersohn des Gründers, Professor am Gymnasium hier, Verfasser wertvoller, viele Jahrzehnte hindurch benutzter Lehrbücher für den griechischen und lateinischen Sprachunterricht, schrieb unter dem Namen Dr. Sincerus viele Aufsätze ethischen, historischen und literarischen Inhalts.

Richard  V ö l k e l, Pfarrer in Öchsen (Sachs.-Weimar), schrieb u. a. Die „Umschau in Thüringen“, wurde „Der liebe Alte“ genannt, als er 1907 im Alter von 68 Jahren starb.

Johannes  S t a n g e n b e r g e r  aus Römhild, besuchte das hiesige Seminar und wurde dann u. a. in Schalkau als Lehrer angestellt. In den Jahren 1848 und 1849 trat er mit einem wahren Feuereifer und nicht immer mit gewählten Worten für die Verbesserung der Besoldungen der Lehrer und für die Hebung des Lehrerstandes ein. Zur Strafe wurde er von dem schönen Städtchen in das ganz unbedeutende Dörfchen Tultewitz bei Camburg a. S. versetzt. Als Stangenberger seinem Berliner Freund, dem bekannten Pädagogen Diesterweg, von dieser Strafversetzung Mitteilung machte, antwortete dieser sehr witzig: „Das hast Du nun für Deinen Witz zu dulden.“ Später war St. Inhaber einer Töchterschule in Hamburg. In seinem Nachruf vom Jahr 1881 heißt es: „Stangenberger, ein begabter Mann, war wie ein edler Wein, der in seiner Jugend im Faß stark rumorte, aber sich bald klärte und hell wurde. In dieser abgeklärten Zeit hat er der Dorfzeitung manchen wertvollen Beitrag geliefert.“

Armin  T e n n e r  aus Eisfeld, in Cincinnati ansässig, schrieb viele Berichte über amerikanische Zustände. Später kehrte er wieder in seine Vaterstadt zurück.

Karl  W i e g a n d, langjähriger Lehrer an der Stadtschule in Meiningen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, lieferte viele, oft humoristische Berichte aus der Residenz, er starb im Jahr 1909 im hohen Alter.

W i t t m a n n, Direktor der hiesigen Landwirtschaftsschule, schrieb über Ackerbau, Viehzucht und Fortbildung der Landwirte.

Über manche andere Mitarbeiter vermögen wir leider nichts Näheres zu sagen, da uns die Quellen im Stich ließen. Über viele noch lebende müssen wir aus leicht begreiflichen Gründen leider Stillschweigen bewahren.

Was das   Ä u ß e r e   unserer Zeitung betrifft, so erschien sie vom 1. Oktober 1870 an fünfmal wöchentlich für den Preis von 42 Kr. (1,20 Mk.) vierteljährlich, und vom 1. Oktober 1875 an sechsmal wöchentlich. Vom 1. Januar 1886 an erhielt sie ein weitaus größeres Format, auch wurde sie von da ab in ihrer eigenen Druckerei gesetzt und gedruckt.

Im Johannes Nonnes Redaktionszeit fällt das fünfzigjährige Jubelfest. Zu dieser „goldenen Hochzeit“ schrieb Dr. Karl Kühner: „Unser Blatt ist nicht Lokalblatt, nicht Parteiblatt, sondern ein Blatt für das Volk und deshalb nicht gegen die Fürsten. Ein vollständiges Exemplar von Anfang bis zu Ende enthält eine hübsche Übersicht aller wichtigen Ereignisse dieser Zeit, eine Menge interessanter Erscheinungen im wirtschaftlichen und sozialen Leben und hält uns einen Spiegel vor dessen, was wir waren und sind.“

Es mögen nun einige Mitteilungen aus dem   L e s e r k r e i s   folgen, „der sich durch halb Europa und über das Meer erstreckte“, 1854. Noch im Jahr 1885 geben sich einige Leute an, die unser Blatt vom Anfang, also von 1818 an, gelesen haben. Ein bayrischer Geistlicher, der nicht auf dem Standpunkt der Dorfzeitung stand, schrieb 1873: „Sie ist unter allen Thüringer Zeitungen die schmackhafteste und geistreichste und als Mund des Thüringer Volkes für einen Thüringer fast unentbehrlich.“ Über den Postmeister Helm, Senior aller Postmeister im Deutschen Reich, schrieb die Redaktion 1877, „daß er der älteste Leser der Zeitung ist, die er von ihrem ersten Blatt an, also ein halbes Jahrhundert gefördert und befördert hat. In Hinblick auf seine 90 Jahre ein Beweis, wie gesund das Lesen der Dorfzeitung ist“. 1913 las der im 90. Jahr stehende Oberförster August Grob wie vor 70 Jahren unser Blatt. 1823 geboren, hat er die Freuden und Leiden eines meiningischen Forstbeamten, der mit einem Gehalt von 350 Gulden eine zwölfköpfige Familie ernährte, reichlich gekostet. Auf der Forstakademie in Dreißigacker ausgebildet, war er längere Jahre als Oberförster in Schweickershausen angestellt und starb im Ruhestand in Milbitz (Schwarzb.-Rudolstadt) am 21. Mai 1914, fast 93 Jahre alt.

Der berühmteste aller Leser ist Fürst Bismarck gewesen. In einer Antwort auf übersandte Nummern heißt es: „Seine Durchlaucht hat auch in früheren Jahren Ihr Blatt stets mit Freude gelesen. In vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr ergebener Chrysander.“

Mit einer Bekanntgebung vom Jahr 1889, Nr. 178 legt Johannes Nonne die Redaktion nieder, die ihm vor 45 Jahren übertragen war. Hören wir ihn selbst: „Diese Jahre umfassen die Thronbesteigung des Königs Friedrich Wilhelm IV., die Errichtung der zweiten französischen Republik, den Zusammentritt des deutschen Parlaments, das tolle Jahr 1848, die Zeit Wilhelms I. und Bismarcks, die Befreiung Schleswig-Holsteins, die Gründung des neuen Deutschen Reichs. Diese gewaltigen deutschen Taten mit schlichtem Wort begleiten zu dürfen, war eine große Erhebung, für die der Unterzeichnete dem Schicksal, das sie ich hat erleben lassen dankbar sein wird bis ans Ende seines Lebens. Wenn er heute von dem Kreis der Leser Abschied nimmt, so gedenkt er herzlich der unentwegten Treue derselben und dankt noch einmal öffentlich den vielen Mitarbeitern, die ihn mit ihren Beiträgen erfreut und unterstützt und ihn in der Lösung seiner Aufgabe, an dem Wohl des Volks mitzuarbeiten, gefördert haben. Das letztere ist ja die schönste Aufgabe eines Volksblattes, das nicht bloß ein Neuigkeits- und Unterhaltungsblatt sein soll und will. Was in den bösen Zeiten schlankweg zu sagen nicht erlaubt war, das mußte doch dem Witz und Humor gestattet sein. Ridendo dicere verum (die Wahrheit lachend zu sagen), eine nützliche Waffe, die ihre Wirkung selten versagte. Nachsichtige Leser mögen urteilen, ob der Dorfzeitung die Aufgabe gelungen ist, oder ob sie ihren Beruf verfehlt hat.“

Zu seinem 75. Geburtstag (11. Juni 1896) konnte von ihm gesagt werden: „Es gibt wohl wenige Namen, die im Thüringer Land so bekannt sind und so liebe Erinnerungen wecken wie gerade dieser, dank einer schriftstellerischen Tätigkeit von stark ausgeprägter Eigenart, bei der Geist und Gemüt, Ernst und Humor in glücklichem Bund zusammengewirkt haben.“ Sein Nekrolog vom 18. Mai 1897 sagt mit Recht von ihm: „Er leitet das Blatt im Sinn eines gesunden, besonnenen Fortschrittes und mit mutigem und zugleich klugem Eintreten für die Rechte des Volks, insbesondere auch für das Vaterlandes Einheit und Stärke, jederzeit mit treffendem Witz und Humor, womöglich mit geistreicher Satire in wahrhaft volkstümlicher und ansprechender Darstellung. Als er die Redaktion niederlegte, konnte er es tun im frohen Bewußtsein, die Zeitung durch gute und böse Tage sicher geführt und ihr ihre Eigenart erhalten zu haben. Zielbewußtes Streben, nimmer müde Tätigkeit haben sein Leben ausgefüllt, eine seltene Bescheidenheit zierte den Mann auf den das Wort des Psalmisten anzuwenden ist: „Unser Leben währet 70 Jahre usw.“

Wir wenden uns nun dem dritten Teil unserer Geschichte zu. Im Jahr 1889 war Ernst Siebelis, Sohn des Professors Dr. Joh. Siebelis (Dr. Sincerus), Enkel des Gründers bis kurz vor seinem am 19. Februar 1915 erfolgten Tod als Geschäftsleiter eingetreten. Unter ihm wurde 1898 die neue große Druckerei erbaut. „Gerechtigkeit und Wohlwollen dem Personal gegenüber“ wird ihm von der Schriftleitung, der Geschäftsleitung und der Druckerei nachgerühmt. Sein Name bleibt fest mit der Dorfzeitung verbunden. (Jahrgang 1915, Nr. 44).

Nachdem hat Ernst Nonne, wieder ein Träger des alten Familiennamens, die Geschäftsleitung übernommen.

Als erste und verantwortliche Redakteure wirkten noch neben und nach Joh. Nonne seit 1885:

Dr. phil. Veit von Ried aus Jena,

Gustav Sonnefeld aus Hildburghausen, der leider schon 1897 einem langjährigen Leiden erlag,

Paul von Petrovics seit 1. August 1895.

Als zweiter Schriftleiter und Mitarbeiter waren tätig:

Moritz Lilie, 1897 bis zu seinem 1904 erfolgten Tod,

Otto Ludwig, 1904 – 1907, gestorben 1910, und

Otto Breitbarth, „geborener Journalist, von 1907 bis zu seinem schon am 7. Juli 1914 eingetretenen Ende, er ist nur 40 Jahre alt geworden und hat mit außerordentlichem Eifer treue Dienste geleistet“.

Zurzeit wirkt Walter Meiberg-Weilshäuser (seit 1914) als zweiter Schriftleiter.

Von den sonstigen Mitarbeitern waren einige schon unter Joh. Nonne tätig, andere sind neu hinzugetreten.

Als ersten nach dem Alphabet und zugleich einen der bedeutendsten nennen wir Dr. Berbig, Pfarrer in Neustadt bei Coburg, der das Visitationswerk vom Jahr 1528, den Aufenthalt Luthers auf der Feste Coburg und andere wertvolle, die fränkische Heimat betreffende Aufsätze geschrieben hat. Er starb schon 1912 im 46. Jahr seines Lebens.

Wilhelm Frenkel, Superintendent im Großherzogtum Sachsen, schrieb über kirchliche Altertümer, religiöse und kulturgeschichtliche Fragen.

Gustav Gehring, Amtsrichter, zuletzt Amtsanwalt hier, Hauptmann der Landwehr, mancher Aufsatz über Kolonialpolitik stammt aus seiner Feder. Er starb den Heldentod in Flandern.

Christian Hanft in Erfurt, zuerst Lehrer im Herzogtum S. Meiningen, später Generalagent im Versicherungswesen, sehr tätig für Thüringer Heimatpflege, schrieb heimatkundliche Aufsätze.

Dr. Ludwig Hertel, Professor am Gymnasium Georgianum hier, starb schon 1910, ein stiller, sehr verdienstvoller Gelehrter, „einer der besten wissenschaftlichen Mitarbeiter“, er schrieb mundartliche, heimatkundliche und landesgeschichtliche Aufsätze.

Seminarlehrer Mitzenheim, dessen volkstümliche, belehrende Abhandlungen über Obst- und Gartenbau immer sehr gern gelesen werden.

Direktor Gaul, Leiter der hiesigen landwirtschaftlichen Winterschule, weiteren Kreisen bekannt durch seine vortrefflichen Abhandlungen über landwirtschaftliche Fragen.

Hofrat Klinghammer, Rechtsanwalt in Rudolstadt, Meister in der Darstellung scherzhafter Gespräche in Rudolstädter Mundart, mit einem goldenen Humor begabt, schrieb viele heitere, aber auch manche ernste, tiefempfundene Gedichte.

Heinrich Schaeffer, Oberpostsekretär in Weimar, Meistersinger und Gemeindedichter der Gemeinde Gabelbach, deren Leben er in allen Tonarten besingt. Von ihm stammt neuerdings „Das lustige Fliegerbuch“. Neben vielen humoristischen Gedichten in hochdeutscher wie in mundartlicher Sprechweise verfaßte er auch manche wohlgelungene ernste Verse.

Gern überliefern wir auch hier die Namen einiger besonders verdienstvoller Männer aus der Zahl der geschäftlichen Mitarbeiter:

Alwin Stein, geb. 1840, gest. 1893,

August Ackermann, geb. 1852, gest. 1910,

August König, geb. 1859, gest. 1915

            „Die Zeitung wird ihrer gern in Dankbarkeit und Verehrung gedenken.“

Während ihres dritten Lebensabschnittes hat sich die Zeitung um das   S o n n t a g s b l a t t und die   L a n d w i r t s c h a f t l i c h e   B e i l a g e, beide wöchentlich einmal erscheinend, und um die monatlich herauskommenden   B l ä t t e r   f ü r   O b s t-  u n d   G a r t e n b a u   vermehrt. Das Sonntagsblatt enthält Erzählungen aus dem deutschen Volksleben, Humoresken, Naturschilderungen usw. und künstlerische Abbildungen, die Landwirtschaftliche Beilage Aufsätze und Nachrichten über Ackerbau, Viehzucht, landwirtschaftliches Vereinswesen von wissenschaftlichen Landwirten wie von erfahrenen Praktikern.

Das Bedürfnis der Neuzeit nach einer schnellen und umfassenden Berichterstattung über Politik, Verkehr und Tagesneuigkeiten hat natürlich nach und nach einen größeren Umfang des Blattes veranlaßt. Es erschienen daher bis zur Kriegszeit fast regelmäßig zwei bis drei Beiwagen außer den eben genannten besonderen Beiblättern. Wenn wir die hauptsächlichsten einzelnen Teile des Inhalts, soweit dies nicht schon gelegentlich der Mitarbeiter geschehen ist, aufführen wollen, so gehen wir nach pädagogischer Methode vom Nahen zum Entfernten, indem wir zuerst von Hildburghausen reden.

Unser Blatt ist kein Lokalblatt, wir haben dafür keinen Raum für die kleinen, nur die hiesige Stadt angehenden Bekanntmachungen über Geschäfte und Vergnügen. Es gibt aber auch örtliche Vorkommnisse auf geistigem und gesellschaftlichem Gebiet, die weitere Kreise angehen. Unsere Stadt nennt sich gern die Stadt der Schulen; und in der Tat bilden Stadtschule, Fortbildungsschulen für Knaben und Mädchen, Seminar, Gymnasium, Technikum, Töchterschule (Nonnesches Institut), Landwirtschaftsschule für ein Städtchen von 7000 – 8000 Einwohnern eine stattliche Anzahl von Bildungsstätten. Allen diesen erweist unsere Zeitung je nach Bedürfnis und Umständen ihre Aufmerksamkeit, der Stadtschule von der Zuckertüte für die Schulanfänger an bis zum Kochherd für die reiferen Mädchen. Sie spricht von den Vorzügen der Steilschrift gegenüber der Schrägschrift, vom biblischen Geschichtsunterricht und von mancher anderen methodischen Sache. Die Frage, ob Gymnasialbildung der Realschulbildung vorzuziehen sei, wird manche Spalte gewidmet. Für die Notwendigkeit der Landwirtschaftsschule, für die Hebung und den Ausbau des Technikums, für die Vereinigung seiner alten Herren, sogar für die Karnevalia tritt sie oft und gern ein. Auch für die Verbesserung des Einkommens der Volksschullehrer wie für deren Hebung in gesellschaftlicher Beziehung und für ihre Fortbildung durch Universitätsprofessoren hat sie manche Lanze gebrochen. Es liegt nahe, von der Schule zur Kirche überzugehen. Das von der Neuzeit geforderte Verhältnis zwischen Kirche und Schule, zwischen Schulunterricht und Konfirmandenunterricht, der Wegfall der geistlichen Schulaufsicht u. dergl. waren bis vor wenigen Jahren viel umstrittene Fragen. Alle künstlerischen Bestrebungen in unserer Stadt, insbesondere die Betätigung der Musikkunst durch heimische Kräfte, wurden jederzeit gern unterstützt und gefördert. Dies galt sowohl der gesamten Meininger Kapelle wie einzelnen ihrer Künstler, die bei uns oft ein volles Haus fanden. Auch der Gesangbuchsfrage müssen wir gedenken. Schon in alter Zeit hat die Dorfzeitung auf dem Standpunkt gestanden, daß in unserm so sehr zersplitterten Thüringer- und Frankenland ein einheitliches Gesangbuch durchaus nötig sei. Ferner ist sie dafür eingetreten, daß man nicht aus übertriebener Ängstlichkeit das Glockenläuten durch die Schulknaben verbieten solle. Wer unseres Volksstammes Sitte kennt und würdigt, kann ein solches Verbot nicht gut heißen. Aus diesem Grund und wegen der Bekanntschaft mit den alteingesessenen Personen hat die Dorfzeitung schon in früherer Zeit den Gedanken verfochten, daß auch die obersten Stellen in Staat und Kirche mit Meiningern besetzt würden. An begabten und erprobten Kräften hat es uns ja glücklicherweise nie gefehlt. Hervorragende Männer, die aus den Thüringer Staaten kommen, sind von uns immer besonders gern anerkannt worden, wie sich das gebührt. Auch die Künstler aller Art, die in unserer Heimat wirkten, sind stets rühmend genannt worden. So hat unser Blatt in den siebziger und achtziger Jahren die Meininger Hofschauspieler auf ihren Triumphzügen durch halb Europa mit lebhafter Teilnahme begleitet und sich ihrer Erfolge aufrichtig gefreut.

Noch einige sonstige Zustände und Ereignisse, die zu öfteren Berichten und Erörterungen Anlaß gaben, wollen wir wenigstens erwähnen: Würdige Feier vaterländischer Feste, doch Verurteilung der Festseuche, Reinhaltung der deutschen Sprache (schon 1899 ein hübsches Gedicht gegen den nunmehr verschollenen Gruß: Adieu), Bekämpfung der Schundliteratur, Bestrebungen Raiffeisens und seiner wackeren Anhänger (Pfarrer Sell in Stepfershausen), Beförderung der Pferdezucht, der Geflügel- und Kaninchenzucht (lange vor Ausbruch des Krieges); Erhaltung, aber Veredelung der Lichtstuben, Schonung der schönen Landschaftsbilder in Anknüpfung an die Gleichberge, Begünstigung der Temperenz (Mäßigung, bes. beim Alkoholgenuss, d. Verf.), wenn auch nicht der Abstinenz, Duldsamkeit gegen Andersgläubige, doch Kampf gegen ultramontane Unduldsamkeit und Herrschsucht.

Selbstverständlich sind stets ausführliche Berichte über die Wahlen zum Reichstag erfolgt wie über die Tätigkeit der Landtage und Synoden in Thüringen. In politischer Hinsicht hat unser Blatt von jeher im allgemeinen auf nationalliberalem Boden gestanden, doch stets den Grundsatz befolgt: audiatur et altera pars (auch die Gegner sollen gehört werden).

Von der Gegenwart schweifte der Blick öfter in die Vergangenheit und haftete besonders gern an dem früher Hildburghäusischen, jetzt Altenburgischen Fürstenhaus. Die Anhänglichkeit an das Fürstenhaus war ein altes Herkommen und übertrug sich auch auf die Meininger Familie und besonders auf den hochverehrten Herzog Georg II., von dessen Wohlergehen wie von seinen Reisen und Unternehmungen gern berichtet wurde, wie auch auf seine Söhne, unseren regierenden Herzog Bernhard und die Prinzen Friedrich und Ernst. Von diesen hat sich besonders Prinz Ernst oft in unserer Stadt aufgehalten, hat von hier aus Besuche in die anderen Hauptorte des Kreises unternommen und sich durch seine Leutseligkeit die Herzen aller Menschen erworben.

So sind wir denn unvermerkt auf die Kriegszeit gekommen, durch die wir wie viele andere Zeitungen in die größten Schwierigkeiten versetzt worden sind. Denn von unseren Beamten und Arbeitern sind gar viele zum Heeresdienst einberufen worden, manche von ihnen haben Auszeichnungen erworben und vier haben den Tod für das Vaterland erlitten. Auch unter dem Papiermangel haben stark zu leiden. Gleichwohl haben wir es nicht an Übersichten, Tagebüchern, Berichten von der Front und an Feldpostbriefen heimischer Feldgrauer fehlen lassen. In vielen Exemplaren wird unsere Zeitung in das Feld gesandt.

Einer der uns befreundeten Landsleute im Feld hat uns geschrieben: „Nach meiner Meinung gründet sich die Beliebtheit der Dorfzeitung nicht nur auf eine alte, liebe Gewohnheit der Thüringer, sondern auch auf die kurze Zusammenfassung des Politischen und auf den Umstand, daß sie aus allen Teilen Thüringens Nachrichten bringt.“

So hat sich denn unsere Zeitung ein volles Jahrhundert hindurch in guten und bösen Zeiten aus dem bescheidensten Blättchen für kaum hundert Ortschaften des kleinen Herzogtums Hildburghausen zu einem von Deutschen aller Erdteile gern gelesenen, auf der Höhe der Bildung stehenden und gleichwohl volkstümlichen Blatt, den Bedürfnissen der Zeit entsprechend und doch in treuer Anhänglichkeit an die berechtigte Eigenart entwickelt. Die schwere Not der Zeit gebietet uns zwar jetzt in mancher Beziehung einen Stillstand. Doch wenn erst unsre unvergleichlichen Heere uns einen allseitigen und ehrenvollen Frieden erkämpft haben, so hoffen wir, die Bahn eines gesunden Fortschrittes wieder recht kräftig zu betreten und unserem Ziel, an der Erstarkung, der Freiheit und der Gesittung unseres Volkes mitzuwirken, immer näher zu kommen, zum Wohl unseres Volkes und zum Segen des deutschen Vaterlandes. Das walte Gott!

                                                                                                                      Dr. R. 

Anmerkungen

Bei der Texterfassung wurde die Originalschreibweise beibehalten, lediglich einzelne Satzfehler wurden korrigiert. Die Bildunterschriften wurden von Ines Schwamm und Hans-Jürgen Salier verfasst.

Wenn Wahlen irgendwas verändern würden, dann wären sie doch schon längst verboten.
(Ein Manchmal-Zweifler an der gegenwärtig praktizierten Demokratie, 2015)
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