Eine Seite für Hildburghausen

1848er Revolution

„Das Volk – das war ein Schaf“

Literarische Splitter aus der Zeit der 1848er Revolution 

Zusammengestellt von Hans-Jürgen Salier 

Anton Bömly, der am Hildburghäuser Theater wirkende Schauspieldirektor, unterzeichnet nach vielen Bedenken des Magistrats der Stadt Hildburghausen, vor allem ob es in der Zeit der politischen Spannungen ratsam sei, Theatervorstellungen aufzuführen, nach Hinterlegung einer beträchtlichen Kaution, am 28. April 1848, einen Vertrag. Bömly mit seiner etwa 20 Personen zählenden Schauspieltruppe nutzt die Theaterbühne – nach sehr vielen Querelen und polizeilichen Verfügungen des Magistrats – und lässt mit der Aufführung anspruchsvoller Stücke in Hildburghausen das Theater zur Tribüne des freiheitlichen Geistes von 1848 werden.

Die Aufführung des Schauspiels „Der Wirrwarr“ von August von Kotzebue erhält in Trauer, Wut und Entsetzen über die vor dem Berliner Schloss auf Befehl des Prinzen Wilhelm von Preußen, genannt “Kartätschenprinz”, umgekommenen 150 Demonstranten, auch als Märzgefallene bezeichnet, eine inhaltliche Wendung. 

Meyers Mitarbeiter, der Schriftsteller und radikale Demokrat Dr. Friedrich Hofmann, schreibt einen Prolog:

„Es war einmal ein Prinz von Preußen;
frech, soldatisch keck und trotzig, stellt er sich
dem neuen Sonnenaufgang gegenüber,
verachtlich zu dem Volke niederblickend,
das jubelnd grüßte das erwachte Licht. 

Rein muss die Hand sein, die das Zepter führt!
Der Bürgermörder ist des Throns unfähig!
Und auch der Mann im purpurnen Gewand,
der bleich und zitternd vor dem Volke stand,
soll Deutschlands Kaiserkrone nicht beflecken!“ 


Am 8. Mai 1849 schreibt Dr. Friedrich Hofmann:

„An die lieben deutschen Landsleute und Kameraden:

Das Volk rüstet, und sein Parlament lässt es ohne Wehrgesetz der festgegliederten Phalanx der verschworenen Fürsten gegenüber. Das darf nicht länger so bleiben. Das Volk will kämpfen, aber nicht um preußisch-schleswigische Gladiatorenspiele aufzuführen: das Volk will auch siegen. Auch wir, Herr König von Potsdam, wollen, dass der Revolution in Deutschland ein Ziel gesetzt werde, deren Anstifter und Führer Sie sind. Schritte des Friedens hat das Parlament bis auf diese Minute zum Übermaß getan: der Friedensbruch ist ein Fürstenwerk. Das deutsche Volk muss dastehen, wie seine gekrönten Gegner, gerüstet, aber auch geordnet.“ 

Der Schriftsteller Ludwig Köhler klagt: 

„Die teuren Farben sind verschollen,
Die blanke Waffe brach entzwei,
Und dumpf nur wie Gewitter grollen
Die Herzen in der Sklaverei.“ 

Der Kupferstecher und Schriftsteller Carl Barth resümiert für sich und sein Vaterland: 

„Je klarer mein Überblick über Deutschland und die Welt wird, desto trauriger und trostloser ist diese Anschauung. Politik treibe ich nicht mehr, leider treibt sie mich zum Hass, den ich früher nur dem Namen nach gekannt. Sonst wars mein höchster Stolz, ein Deutscher zu sein, jetzt sehe ich's für meine größte Schmach und Schande an.“ 

Carl Joseph Meyer geißelt die Ergebnisse der Revolution: 

„Ein Gott zerbrach dem Volke seine Fesseln –
Das Volk – das war ein Schaf;
Es ließ die Könige in ihren Sesseln,
Setzt selber sich daneben in die Nesseln,
Und blieb ein Sklav!“

Die Entdeckung, dass es so einfach nicht ist, wie man gedacht hat, ist als Gewinn anzusehen.
(Carl Friedrich von Weizsäcker
1912 – 2007
deutscher Physiker, Philosoph und Friedensforscher)
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