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As gett net töller zu, wie in der Welt

Johannes Schneyer


Gett hahr, wenn euch die Zeit lang wörd,
ich will euch was erzehl!
Ihr hatts vielleicht noch net gehört,
was Schnakisch meiner Seele! -

Verwichen war's, am Wochenmarkt,
wer's hört, der glebbt's wohl kaum,
schickt mich mei Fra nei uf'n Markt
mit Käs un junge Taub'm. - 

Wos thut mer net der Fra zu lieb,
mer denkt halt, söll so sei,
's is' besser wie uf's Kreuz e Hieb,
du gehst halt sachte nei.

Mei Fra muss doch bei alledam
unmöglich ha gekönnt,
denn's Marktgehn is' ihr bisle Lab'm,
da springt se wie e Kind! 

Die Weiber ohne Unterschied,
Gotts Himmelsacrament,
wenn's ergend was zu glotzen gitt,
da senn se bei der Händ. - 

Nun kurz, ich häng mei Kütze auf
un mach mich auf den Wag,
un kaum war ich den Stadtbarg 'nauf,
da föllt m'r wos ins Ag. 

Uff allen Thörmen in der Stodt
war'n Tücher aufgehängt,
von allen Farben blah und roth,
mit Grün a untermengt. 

Was dös bedeut söll wusst ich net,
dös Ding war mir net klar,
erst dacht ich gar e Farber hett
da ausgehängt sei Waar.

Was hört m'r für narrisch Zeug,
wos gitts jetzt net für Narr'n
So bald de nei kömmst, fregst du
gleich,
da wärst des schö derfahrn. - 

Un drinne erst, da ho ich g'stutzt
über so narr'sche Schwänz,
die Häuser hatten se geputzt
mit Blumen und mit Kränz. - 

Da hausen gleich beim Ochsenmarkt,
da war, wie ich vernumme,
e Werthschaft un a Menschenwark,
mer wusst net durchzukumme. - 

A Mannla, den ich angeredt,
der hatt mer's offerirt,
das heut e fremme Königin
die Straß hier durch passirt. 

Wenn dös is, dacht ich gleich bei mir,
du bist nu emal da,
ä Königin is ach e Mensch,
doch siehst den Kram mit a. -

Nu warn da, dös war zu toll,
für die sich's gar net passt,
un Alles war gerappelt voll,
fürnahme Leut a Last. 

Wenn unner Herrgott selber käm,
ich sag' nar, wenn's geschäh,
da glebb ich, von den großen Harrn,
da ließ sich Kenner seh! 

Wenn Unner ener uf'n Land
en Spaß die Kermes macht,
da hest's gleich, es is doch e Schand,
da wärd's en noch verdacht.

Die aber in der Stodt da dinn,
und wenn se senn wie's Vieh,
und machen lauter dumme Strech,
da guckt keh mensch drüm hie. - 

Die Mädle, dös war doch das Schönst',
die hamm m'r nu gefall'n,
die war'n gar prächtig aufgeschwänzt,
die war'n mer's Liebst von all'n. 

Ich hatt nu mei Betrachtung so
racht gut ä Stunner zwee,
un wenn ich's nahm söll, nix darvoh,
als rachte müde Bee. 

Drüm dacht ich ah, blei wer de bist,
ich will dich gar net seh,
es is ja grad, als wenn m'r müsst
un därft net anig geh! 

Die musst net denk, m'r is ihr Narr
un stellt sich acht Tag hie;
meintwagen kann se durchgefahr,
ich guck nu net drüm hie. 

Un in dan größten Arger he!
Wie sich's doch manchmal schickt,
ich war schö Will'ns, wollt anig geh,
da kam se agerückt. - 

Dan Haushalt un die Wühlerei,
dös stellt ihr euch net für;
A Jeder wollt dar ärschte sei
un wollt se venerir. 

Ä Geistlicher, ä schöner Mah,
von Wuchs net allzugroß,
dar trat nu an d'n Wagen na
un legt sei Predig loos. 

Drauf warn zwee Jumfern von Geburt
geputzt in weißen Kleed,
un jede hatt' en grüne Gurt,
gewiss drei Vertel breet.

Die machten da ihr Cumplement
un hamm sich tief verbeugt,
un ihr nu nachher mit d'r Hend
a Kissen überreicht. 

So lang die G’schichte hat gewahrt,
so lang konnt mar se seh,
dann aber, sie kunnt's kaum derwart,
da hieß nu schä Adje!

Nu hamm die Leut' wie wahre Narr'n,
so hätt ich mr's net geschatzt,
die Bündel Blume, wie sie warn,
ihr an den Kopf geplatzt. 

Nu sagt m'r nar, ha ich net racht?
Trägt's denn dar Müh nar aus?
Die war kaum ob'n rei gefahr'n,
da fuhr se unten naus. 

Ja richtig, dass ich's net vergaß,
dös war ärscht 's Allertöllst,
ich ha mich werklich, ohne Spaß,
fer Lachen ball gewelzt. - 

Die Staatsharrn un dös große Zeug,
die hätt ihr nar söllt seh
in ihrer Pracht, die hatten Euch
verdammte Liweree. -

Die Röck mit Gold ganz ausgestickt
un hinten druf die quar
en fatzen Schlüssel drauf geflickt,
so hednslang ungefahr! 

Sünst ham se so die Fasenacht
in allerlei Manier
beim Tanzen solche Strech gemacht,
un grad so kam mer's für. - 

Die uff'm Mark in großer Pracht
un hüm un drüm e Reih,
die ham dös Kraut ärscht fett gemacht
mit ihrer Spielerei. -

War in Gesicht racht haarig war
von dane gleich vorndra,
die hatten nuch zu ihre Haar
a Quarband extra dra. 

A Fahne hatt'n se aufgepflanzt,
sie machtens, groß un klee,
mit Sabel un Gewehr verschanzt,
als wenn's in Krieg söllt geh! 

Die Musik hat en Marsch gespielt
un sie ham präsentirt,
die Königin is durchgefahrn,
hat's kaum geästemirt. 

Verlasst euch ja uff Försten net,
dan Spruch niemals vergasst,
denn es is um en trüben Wind,
da sen se dagewasst. 

Da machen se a Wasen draus
als wär's ä extra Frah,
un wenn ich's sag söll, sieht se aus,
wie anre Weiber ah. - 

Die Welt is wahrlich net gescheidt,
wenn mr's bei Licht betracht;
das mr mit so en Weiberleut
so gräulich Wasen macht. 

Dös Schlimmste hat ich doch dervoh
von dare ganzen Schmier'n,
nu nahm ich erst den Drack zu Loh,
un musst ärscht nuch hausier'n. - 

Spricht euch mei Liedle net racht ah,
so macht m'r kenne Flausen;
ich bin ja nar ä Bauersmah
un zwar von – Stressenhausen.

Nach: Salier, Hans-Jürgen und Bastian Salier: Hildburghäuser Lesebuch. – Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen, 1999, S. 122 ff.


 

Wahrheiten, die man ganz besonders ungern hat, hat man besonders nötig.
Jean de la Bruyère
1645 – 1696
französisch-moralistischer Schriftsteller)
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