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Der Aufenthalt von Carl Ditters von Dittersdorf am Hildburghäuser Hof

Ingward Ullrich 

Carl Ditters von Dittersdorf wurde am 2. November 1739 in Wien als Sohn eines k. u. k. Hof- und Theaterstickers geboren. Mit sieben Jahren erhielt er Violinunterricht bei dem Geiger Joseph Ziegler in Wien. Seine Erziehung führte ihn schließlich in zwei Richtungen. Mit zwölf Jahren kam er an den Wiener Hof als Page des kaiserlichen Generalfeldmarschalls und Generalfeldzeugmeisters der Kaiserin Maria Theresia, Prinz Joseph Maria Friedrich Wilhelm Hollandinus von Sachsen-Hildburghausen. 

Prinz Joseph Maria von Sachsen-Hildburghausen (* 05.10.1702, Erbach – † 04.01.1787, Hildburghausen) ist der dritte und jüngste Sohn von Herzog Ernst (Benignus) von Sachsen-Hildburghausen. Da er nach dem Primogeniturrecht eine spätere Regentschaft nicht antreten konnte, schlug er eine militärische Laufbahn ein. Er kam 1719 an den Wiener Hof, war dort Zögling von Graf Heinrich von Seckendorf und durchlief die militärische Laufbahn vom Volontär über einen Obristleutnant bis zum Generalfeldmarschall (1741), gewann eine Reihe von Schlachten (Parma, Krotzkau), musste aber auch als Befehlshaber der Reichsarmee im Siebenjährigen Krieg in der Schlacht von Roßbach (1757) in der Nähe von Merseburg gegen die Preußen eine vernichtende Niederlage hinnehmen. (Der „Alte Fritz“ spottet über den „Hilperhäuser Narren mit seiner „Reißausarmee“.) Nach dieser Niederlage zog er sich ins Privatleben zurück. 1769 setzte ihn Kaiser Joseph II. gemeinsam mit der Herzogin Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen und dem Prinzen Friedrich Wilhelm Eugen von Sachsen-Hildburghausen als Kommissar der Debit- und Administrationskommission zur Sanierung der Finanzen des Fürstentums Sachsen-Hildburghausen ein. Nach dem Tod seines Großneffen, Herzog Ernst Friedrich III. Carl, übernahm er von 1780 – 84(87) die Regentschaft für dessen unmündigen Sohn, den Erbprinzen Friedrich, den späteren Herzog von Sachsen-Hildburghausen und ab 1826 Herzog von Sachsen-Altenburg. Prinz Joseph Maria galt als Förderer der Künste, besonders der Musik. 

In der Hofhaltung von Prinz Joseph in Wien wurde Dittersdorf zum Höfling erzogen. Er erwarb eine vielseitige Allgemeinbildung, lernte Fremdsprachen und erlangte sogar Kenntnisse in der Jagd- und Forstwirtschaft. Zum anderen ließ der Prinz dem jungen, musikalisch außerordentlich begabten Dittersdorf eine vorzügliche Ausbildung im Violinspiel durch den italienischen Geiger Giuseppe Trani und durch Joseph Bonno und Christoph Willibald Gluck in Komposition angedeihen. Als zehnjähriger Knabe wirkte Dittersdorf schon im Orchester der Benediktinerkirche und später zehn Jahre als Geiger in der Privatkapelle des Hildburghäuser Prinzen, der ältesten des Wiener Adels. 

Als Achtzehnjähriger musizierte Dittersdorf im Winter 1757/58 am Hildburghäuser Hof. Im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) war Prinz Joseph das Kommando über die Reichsarmee übertragen worden. Seine etwa 14 Musiker zählende Kapelle musste mit in den Krieg ziehen. Auf dem Rückzug nach der verlorenen Schlacht bei Roßbach am 7. November 1757, in der übrigens auch der Vater von Carl Maria von Weber als Leutnant der Kurpfälzischen Garde auf der Seite der Österreicher kämpfte und verwundet wurde, gelangte die „Bagage und Suite“ des Prinzen über Rudolstadt und Saalfeld nach einem beschwerlichen Marsch über den Thüringer Wald in die Hildburghäuser Residenz, wo man den ganzen Winter verblieb. 

Hier machte Dittersdorf die Bekanntschaft mit Anton Schweitzer. Dittersdorf und sein älterer Bruder, der ebenfalls der Privatkapelle des Prinzen Joseph angehörte, hatten enge Kontakte mit der Hildburghäuser Hofkapelle und pflegten besonders das Quartettspiel mit dem jungen Schweitzer. Dittersdorf schreibt über den Hildburghäuser Aufenthalt „... Alle Woche wurde hier einmal Konzert auf dem herzoglichen Schlosse gegeben, bei welchem wir jedesmal erscheinen mußten. Mit der herzoglichen Kapelle lebten wir in enger Freundschaft. Unter anderen war daselbst ein junger Mensch, der ... bei den herzoglichen Musikern die Bratsche spielte. Da ich mit ihm im gleichen Alter war, so kamen wir täglich zusammen ...“ Später sollen Dittersdorfs Kompositionen in Hildburghausen sehr viel gespielt worden sein.  

1761 wurde die Kapelle von Prinz Joseph aufgelöst. Dittersdorf erhielt eine Stelle im Wiener Hofopernorchester. Mit Gluck machte er eine Reise nach Italien, wo er als Violinvirtuose große Triumphe feierte. Nach Anstellung bei mehreren Dienstherren wirkt er von 1769 bis 1795 als Kapellmeister beim Grafen Philipp Gotthard Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau, auf dessen Schloss Johannesberg bei Jauernig/Schlesien. Auf Fürsprache seines Brotherrn erhielt Ditters – so sein bürgerlicher Name – 1773 das Adelsprädikat „von Dittersdorf“

Bedingt durch Krankheit (Arthritis), aber auch durch Schulden und nicht ganz korrekte Grundstücksgeschäfte, geriet Dittersdorf in eine bedrängte Lage. Er starb in Armut auf dem Gut Neuhof (Novy Dvur/Südböhmen) seines Verehrers und Gönners Baron Ignaz Freiherr von Stillfried-Ratenicz am 24. Oktober 1799. 

Als Komponist war Carl Ditters von Dittersdorf Schöpfer einer überaus großen Anzahl musikalischer Werke. Er schuf etwa 40 Opern (sein „Doktor und Apotheker“ hat sich bis heute erhalten), mehrere Oratorien, Messen und Kantaten, über 100 Sinfonien, zahlreiche Solokonzerte, 12 Streichquintette, 6 Streichquartette, Sonaten und Klaviermusiken.  

Nach: Ingward Ullrich: Hildburghäuser Musiker. Reihe: Schriften zur Geschichte der Stadt Hildburghausen, Band 4. – Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen 2003 – 3-86180-129-9

 

 Carl Ditters von Dittersdorf



Die österreichische Post emittierte am 24. Oktober 1974 zum 175. Todestag des  Komponisten Carl Ditters von Dittersdorf (1739 - 1799) das abgebildete Postwertzeichen, hier auf einem FDC (First Day Cover) des Postamts 1010 mit Ersttagsstempel

Lernen ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, gefährlich.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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