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Der Schlossgarten

Von Marie L. M. Fischer, Hildburghausen

Zwischen bewaldeten Höhen liegt im Oberen Werratal das Städtchen Hildburghausen, das in den ersten Jahrhunderten der geschichtlichen Erschließung dieser Gegend schon genannt wird und 1323/24 Stadtrecht und Mauer bekam. Auf dem erhöhten rechten Ufer gruppiert es seine Häuser und Straßen um die uralte Burg, das heutige Rathaus. Die Werra, die am Süd- und Westrangen dahinfloss, und der doppelte Wallgraben, der die freien Seiten bespülte, schützten die Mauer mit ihren 28 Türmen und die Stadt dahinter. Heute ist der Talgrund rechts vom Fluss von den Anlagen des Schlossparks eingenommen, und die Werra berührt die Hänge im Süden nicht mehr. Die Mauer ist zum Teil gefallen, von den Türmen stehen nur noch einige und diese meist ohne die ehemalige Bekrönung. Die Gräben sind ausgefüllt und Gärten oder Bauplätze geworden, und ungehemmt dehnt sich die Stadt nach allen Richtungen aus.


Der kaiserliche Geograf Johann Baptista Homan (1664-1724) fertigte den Plan der Hoch-Fürstlichen Residenzstadt Hildburghausen.
(Beim Betrachten der Karte: oben=Süden, unten=Norden, links=Westen, rechts=Osten)


Ein Blick auf den Plan von Hildburghausen lehrt, dass der im Süden gelegene Schlossgarten, auch Irrgarten genannt, nicht mit der Entstehung der Stadt zu tun haben kann. Denn diese weist mit ihren krummen Straßen, ihren unsymmetrischen Plätzen, ihrer noch heute durch Alleen gekennzeichneten ehemaligen Mauerumgrenzung in unregelmäßiger Linienführung auf ein sehr hohes Alter und eine Entwicklung zurück, wie sie Zufall, Zweckmäßigkeit und Terrain ergeben haben. Der Irrgarten aber und das im Südwesten in den Stadtring einbezogene Schloss verraten eine Anlage nach vorher ausgearbeiteten Plan, der allerdings während der Ausführung der Schlossbauten mehrfache Veränderung und Erweiterung erfahren hat. Der Park ist nur ein letzter Rest des einstigen Schlossgartens, und aus dieser Tatsache ergibt sich die Notwendigkeit, bei seiner Besprechung ihn im Rahmen des Ganzen zu betrachten. Aber er ist der charakteristische Teil. Der über Entstehung und Wandlung auch dem Aufschluss zu geben vermag, der seine Geschichte nicht urkundenmäßig kennt.

Als im Jahre 1680 die sieben Söhne Herzog Ernsts des Frommen von Sachsen-Gotha sich in ihr Erbe teilten, fielen dem sechsten, Herzog Ernst dem IV. , die Ämter Hildburghausen, Heldburg, Veilsdorf, Eisfeld und die Hälfte von Schalkau zu. Die natürliche Folge war, dass er sich in seinem Ländchen niederließ. Zunächst wählte er mit seiner jungen Gemahlin, Sophie Henriette von Waldeck, die Burgen von Eisfeld und Heldburg als Wohnsitz, entschied sich aber 1684 endgültig für Hildburghausen, wo ihm zunächst ein Teil des Rathauses zur Verfügung gestellt wurde.

Die Stadt überließ ihm teils unentgeltlich, teils gegen geringe Vergütung Grund und Boden zum Bauplatz für ein Schloss mit Nebengebäuden und zur Anlage von Nutz- und Lustgärten. Die ganze Talbreite südlich von der Stadt wurde von der Stadtmauer an bis an den Abhang des Stadtberges für Werke der Gartenkunst umgearbeitet.

Nach dem sorgfältig ausgeführten Stadtplan des Bauschreibers Biler aus Saalfeld von 1682 zog sich der Rangen im Westen bis zum Unteren Tor auch im Süden hin, so dass die Stadtmauer nicht bis zur Talsohle reichte. Nur die Südostecke unter der Kirche ragte weiter in das Tal hinab. Dieser Teil, damals schon „an den Palisaden“ genannt, steht auf Holzfüßen und mag bereits bei Anlage des östlichen Stadtgrabens schon so geschützt worden sein, um den Riesendruck der uralten Lorenzkirche stand zu halten. Das Treppchen an der Kirche führte zu den Gärten, Wiesen und Äckern im Tal hinunter.

Etwa in der Mitte der Südseite lag innerhalb der Stadtmauer die Stadtmühle, die damals Christian Neumann gehörte. Das Abwasser des Feuerteichs ergoss sich dort südwestlich den Rangen hinunter zur Werra, die in Richtung auf der Südweststrecke der Stadt das Tal durchfloss.

Dieses Gebiet, die Tecken oder Daeken, war wie das Werratal abwärts auch sehr sumpfig, ja, man fürchtete die giftigen Ausdünstungen geradezu als Krankheitserreger. Zwecks Trockenlegung wurden deshalb drei Wasserarme für den vorhandenen einzigen gegraben und dabei, dem Zeitgeschmack huldigend, die gerade Linie und der rechte Winkel bevorzugt. So war der Anfang zur Nachbildung bedeutender Anlagen im französischen Geschmack Ludwig XIV. gemacht worden, wie solche noch in Herrenhausen/Hannover und Veitshöchheim/Würzburg erhalten sind. Diese Bodenbewegung erforderte viele, zum Teil ausländische Arbeitskräfte und verschlang ungeheure Summen. Man bedachte allerdings nicht, dass durch die Verlängerung des Flussbettes das Gefälle schwächer und durch die Verteilung der Wassermenge auf drei Gräben die Gewalt der Strömung geringer wurde, was sich für die Folgezeit als böser Mangel kundtat.

Das Schloss wurde im Südwesten der Stadt errichtet und schneidet dort die alte Stadtmauer. Östlich davon wurde der Boden bis zur Stadtmauer abgetragen und eingeebnet. Damals mag der sogenannte Absatz vom Schloss bis zum Treppchen zum Schutz und der Stütze der Stadtmauer, der durch das Abgraben der Grund genommen wurde, vorgesetzt worden sein. Dieser Absatz besteht, soweit sein Inneres bekannt ist, aus rechtwinklig vorgesetzten Tonnengewölben wie unter dem Erfurter Dom und der Altenburger Schlosskirche und ist nach der Talseite zu durch eine zweite Mauer abgeschlossen. Die einzelnen Bogen sind durch einen Quergang verbunden. Darunter sind die Eingänge zu geheimnisvollen unterirdischen Gängen und Gewölben unter der Stadt und zur alten Kanalisation der Schlossgasse. In der Nähe der alten Stadtmühle ist auch ein Tor mit verschüttetem Gang auf diese Weise verdeckt und der Benützung entzogen worden. Vielleicht hat dieser Absatz oder einer der ehemals vorgesetzten den verdeckten Gang enthalten, der vom Schloss zur Lorenzkirche geführt haben soll.

Die Hildburghäuser Ackerbürger haben den Vorzug der Residenz teuer erkauft. Viele Leute gaben Haus und Hof, Äcker, Wiesen und Gärten her und mussten manchmal schwer kämpfen, zu einem Erlass oder zur Bezahlung für Besitztum und gewohnten Erwerb zu kommen. Die Akten nennen an Besitzern von Häusern und Scheunen: Färber Martin Wippler, Kammeragent Johann Göllitzer, Schuster Johann Thoma, Jörg Kirschenpfad, Jörg Zeitig, Michael Bauer, Schuster Nikol Graßmann, Metzger Hans Wilk, Küchenschreiber Johann Christoph Leuthäuser, Stadtschulz Krüger, Italiener Wieser, Hans Nikol Otto, Bürgermeister Pentzold, Reitschmied Valtin Reiß, Weinschenk Otto, Seiler Bräutigam, Hofschlachter Völlert, Geheimrat Heinrich Niclas Panzerbieter, Regierungs- und Kammerpräsident, Witwe Florentina Albertina Cyprian, Bäckermeister Michael Hermann, Böttcher Andreas Wilhelm Lützelberger, Schmied Hans Georg Seidlein, Leineweber Georg Hanf; dazu Besitzer von Grundstücken: Johann Röder, Frau Hofrat Jost geb. von Berlichingen, Hans Georg Gänßhalß, Johann Rink des Rats, Weinhändler Simon Dietzer des Rats, Gastwirt im Roten Roß, Wilhelm Rinck, Hans Bauer, Pfarrer Arnold, Pfarrer Johann Georg Röder, Weißgerber Johann Stephan Kühner des Rats, Posthalter Johann Michael Bauer, die Witwe des Ratsverwandten Johann Habermann, Hans Georg Bau, Pankraz Arnold, Fritz Michael Bauer, Johann Lützelberger, Johann Nikol Amberg, Johann Peter und Hans Veil (Feil), Hans Gerbig, stud. jur. Johann Christoph Letz, Schuster Hans Wilk, Pfarrerswitwe Anna Martha Faber, Hofschuster Hans Kirschenpfad, Frau Margarete Habermann, Botenmeister Erdmann Ernst Rosenfeld, Leutnant Barthels, Pfarrer Wilck, Metzger Johann Wilck, Gastwirt Johann Michael Bähr im Goldnen Lamm, Peter Hen, Hans Georg Kob, Anna Magdalena Wilck, Ottos Erben, Buchdrucker Pentzold, Adjunkt Caroli, Frau Heubner. Außerdem wurde die Stadtmühle für die Wasserkünste im Schlosspark angekauft.

Wie weit die Anlagen etwa 1696 gediehen waren, berichtet Paul Hönn in seiner Sachsen-Coburgischen Historia von 1700:

S. 243: „An den Gebäuden in der Stadt H. ist vornehmlich das anno 1685. Den 27. Maji / durch Legung eines Grundsteins angefangene nunmehro aber meistenteils ausgebauete Fürstl. Residenz=Schloss in Beobachtung zu ziehen / massen solches Gebäude nicht allein nach der neuesten Architectur ganz regulair durch und durch von gehauenen Steinen – – sondern auch sonsten an einem so lustigen Ort erbauet / daß man daraus einen sehr anmutigen Prospect auf die durch den Wiesengrund vorbeifließende Werra / gegen über situirte Berge / und in dieser Gegend liegende Dörffer haben kan.“ S. 248: „Unten an dem Schloß gegen Mittag zwischen der Werra ist der Schloß=Garten angelegt / wovon der eine Theil mit dreyen steinernen erhabenen Absätzen bis an die Mauer der Stadt errichtet / der andere aber nächst diesen unten auf der Ebene angerichtet / und mit einem ziemlich breiten Wassergraben / worauf sich viele wilde Endten nehren / umbgeben / jener aber mit Zäunen / Bethen / schönen Alléen und frembden Gewächsen / Pomeranzen= und Citronen=Bäumen etc. ausgezieret / und dieser mit lauter Küchen=Gewächsen angefüllet / an vorermeldten obern Theile ist nächst dem Gärtner=Haus auch eine feine Grotte zu sehen / in welcher das auf allen Seiten herausspringende Wasser ein angenehmes Brausen und Kühle verursacht. – – Weiter hinaus liegt in dem Feld ein Fasanen=Haus und Garten.“

In welcher Weise das Ganze unter den ersten drei Herzögen angelegt oder mindestens geplant war, ist aus den vier Tafeln des Homanschen Atlasses von 1720 ersichtlich, von denen eine dieser Arbeit beigefügt ist (Abb. 3). Die Verbindung des hochgelegenen Schlosses (Nr. A des Plans) mit den Gartenanlagen in der Ebene wurde durch eine Rampe hergestellt, die rechts und links vom Altan, zu den Stiegen mit einer Grotte führten (Nr. E des Plans), so angelegt war, dass das südliche Schlossportal die Mitte beherrschte. Das östliche Gegenstück dazu bildete eine leicht ansteigende Fläche vor dem mit einem Türmchen gekrönten Gartenhaus (D) unterhalb der Lorenzkirche, der jetzigen Stadt- oder Christuskirche. Dazwischen war der Orangenplatz (F) mit zwei Springbrunnen. Nördlich von diesem zogen sich, von Spalieren verkleidet, die schon erwähnten Absätze vor der Stadtmauer hin (B) am Ende, von denen das am Gartenhaus etwa 1740 erbaut worden ist. Eine Wasserkunst mit Grotte und Kaskaden (C) war in der Mitte davor angelegt. In der Ausdehnung vom Gartenhaus bis über das Schloss hinaus lag südlich davon der langgestreckte Prunkpark: Er war ringsum von einem Kanal und Alleen umgeben und an der Süd- und Westseite von einem zweiten Wasserarm , der von ihrem Lauf weit nach links  abgeleiteten Werra. Jenseits des Flusses erstreckte sich der von geraden Alleen durchzogene Tiergarten mit der Eremitage und dem Pilar (Säule, d. Verf.) bis an den Abhang des Stadtberges, während östlich vom Kanal rechts der Werra ein Baumgarten angepflanzt war, in dessen Südostecke das Ballhaus (K) stand, das heutige Theatergebäude.
 



Auszug: "Prospect von dem Ballhauß" - (heutiges Stadttheater)

Dieses ganze Gartengebiet vom Friedhof an über die Werra bis zum Stadtberg wieder hinunter zur Werra war eingezäunt. Die niedrige Mauer, die dem Gitter zur Grundlage diente, und die beiden kugelgeschmückten Torpfosten am Osteingang von der Coburger Straße her, nach dem Mittelweg des Irrgartens gerichtet, waren noch in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu sehen, bis dieser Gottesacker- und Baumgarten zur Bebauung freigegeben wurden. Der andere Haupteingang am Römhilder Tor ist schon früher gefallen.

In der ganzen Anlage zeigt sich die Freude an der gebundenen Linienführung, wie sie durch Zirkel und Lineal geschaffen wird, am deutlichsten jedoch in der Ausgestaltung des Gartens auf der künstlichen Insel zwischen den Kanalarmen. Die Haupteinteilung zeigt strenge Symmetrie in Längs- und Querrichtung, die aber in der Anordnung der Einzelteile mehr oder weniger außer Acht gelassen wird. Zwei Durchblicke in Nordsüdrichtung vom Schlossaltan und von den Kaskaden zum Pilar und ein solcher in Ostwestrichtung ohne betonten Ziel- und Ausgangspunkt waren freigehalten worden, der übrige Teil war durch Taxus- oder Laubwände (Taxus = Eibe, d. Verf.) teils mit ausgeschnittenen Fenstern in abgeschlossene Räume zerlegt.

Sechs Brücken mit verschließbaren Toren in der Mitte schufen den Zugang zur Insel von der äußeren Allee her; je zwei lagen sich gegenüber, und zwar führten zwei auf den Lang-, eine auf den Schmalseiten über den Kanal, auf dem gern gerudert wurde. 22 größere und kleinere steingefasste Wasserbecken mit Figuren und Springbrunnen waren über die 51/8 ha große Fläche der rechteckigen Insel verteilt, deren Umfang etwa 1 km beträgt.


Grundriss des Hochfürstlichen Lustgartens Hildburghausen nach einem Kupferstich von Homan 1720/21

Vom Schloss aus gelangte man zu einer großen Fontäne zwischen Teppichbeeten (Nr. 3 des Plans) und Baumreihen mit Rankenwerk im Hintergrund (Nr. 15); die Fontäne (5) gegenüber den Kaskaden (C) war auch von Teppichbeeten umgeben, denen sich Laubengänge anschlossen. Zwischen diesen beiden Stücken lag am Nordrand das Naturtheater mit erhöhtem Bühnenraum (4).

Das Bolingrin (7), die Malliebahn (25), die Maschine zum Ringelrennen (23) und das Rad der Aventiure (22) luden zum fröhlichen Spiel ein, das Lusthaus zwischen den acht Alleen (1) und das im Irrgarten (14) und die vielen Bänke allenthalben zu geruhsamem Verweilen. Zu geistreicher oder sentimentaler Unterhaltung regten die Darstellungen Äsopscher Fabeln an: Tierstreit (2), Affenkönig (19), Affe und seine Jungen (11), Affe und Katze (17), Wolf und Kranich (10), Fuchs und Kranich (13), Fuchs und Rabe (12), Pfau und Krähen (18), Eule und Vögel (9); als Plastiken von Stein bildeten sie den Mittelpunkt einzelner Parkräume. Eine Spielerei war der Schneckenberg (6). In der Südostecke endlich war die Menagerie (24) untergebracht, eine kleine Anlage, die vorwiegend Ziergeflügel Aufenthalt geboten zu haben scheint. Die dichten grünen Wände, die die einzelnen Abteilungen umgrenzten und durchzogen, schufen heimliche Winkel und Irrgänge auch in anderen Teilen als dem im Südwesten angelegten Labyrinth. Die hellen Steinfiguren und vielen Hermen hoben sich leuchtend von dem dunklen Hintergrund ab, Pyramiden und Kugelbäumchen milderten die Strenge der Linien. Nur in der Mittelallee und an wenigen anderen Stellen gestattete man den Baumkronen einigermaßen freie Entwicklung. Bis auf wenig bewachsenen Raum wurde der Boden von jedem vorwitzig hervorsprossenden Pflänzchen sorgfältig sauber gehalten.



  Plan vom Schlossgarten Hildburghausen, Kupferstich von Homan um 1720.
Sammlung Sabine Rühle von Lilienstern.



Auszug: "Die Fabel vom Affen und der Katz" (17)


Auszug: "Die Fabel vom Wolff und Kranich" (10)



Auszug: "Die Fabel vom Fuchs und Raaben" (12)


Auszug: "Die Fabel der Aff ein König" (19)


Auszug: "Die Fabel von der Eul und Vögel" (9)


Auszug: "Die Fabel von dem Affen und seinem Jungen" (11)


Auszug: "Die Fabel vom Fuchs und Kranich" (13)


Auszug: "Prospect der Eremitage"


Auszug: "Das Hochfürstliche Schloß gegen der Stadt"

Dass ungeheure Arbeitsleistungen zur Schaffung und Erhaltung einer solchen Anlage nötig waren, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Homan hat es nicht versäumt, neben den müßig einherstolzierenden, sich den Hof machenden Herren und Damen und den spielenden Kindern seine Bilder auch mit Gärtnerburschen zu beleben, die mit ihren Gartengeräten allenthalben der peinlichen Ordnung und Sauberkeit aufhelfen. Ob es aber damals trotz aller Sorgfalt gelungen war, den Boden im ganzen Jahr einigermaßen trocken zu halten, mag dahingestellt sein; es sei denn, dass die Überlieferung, der Park sei auf einen Rost gestellt, mehr als ein bloßes Gerede war. Aber selbst heutzutage sind noch feuchte Stellen im Park, die schnell sumpfig werden, wenn es geregnet hat, und im Frühjahr langsam austrocknen.
 


Stadtansicht um 1750. Holzschnitt (Ausschnitt). Aus: Grobe "Ein Gang durch die Geschichte der Stadt Hildburghausen". Im Vordergrund der Schlosspark.
Sammlung Hans-Jürgen-Salier


Wenn auch ohne weiteres zugegeben werden muss, dass Homans Ansichten nicht in allen Teilen der Wirklichkeit entsprochen haben (er stellt beispielsweise die Stadt mit geraden Straßen, die Südfront des Schlosses symmetrisch und den Westflügel ausgebaut dar; Plan und Ansicht der Menagerie sind völlig verschieden voneinander), so ist es doch falsch, die ganze Ausgestaltung als bloße Wunschbilder anzusehen. Homan verhandelte 1720 mit Hofgärtner Prager, der die Platten prüfte, und es ist wohl anzunehmen, dass Prager nach Möglichkeit genau arbeitete. Schon der noch heute geläufige Name Irrgarten erinnert an das einst in der Südwestecke angepflanzte Labyrinth aus lebenden Hecken. Der alte Theaterhügel ist vorhanden und ließ bis vor wenigen Jahren im Frühjahr die bei Homan eingezeichnete Form mit den vorspringenden Ecken noch erkennen; die kümmerlichen Taxusstöcke darauf dürften aber wohl ihr Dasein einer späteren Zeit verdanken. Beim Bau der Ostbrücke (1928) fanden sich Überreste alter Brückenpfeiler aus Eichenholz an derselben Stelle. Ausgrabungen, die 1924 vor der Errichtung des 95er Denkmals gemacht wurden, legten die Grundmauern und Trümmer der Menagerie frei, die bis dahin den Kern für den Hügel der Südostecke gebildet hatten, ohne dass noch jemand etwas davon wusste. Danach hatte die Menagerie einen achteckigen Mittelbau aus Backstein, dessen Kuppeldach mit aufgesetzter Laterne mit Biberschwanz- und anderen kunstvollen Ziegeln bedeckt war. Er enthielt einen Saal mit Pilastern und Stuckkapitälen, gleich denen in der Neustädter Kirchen, dickem Stuckbelag und weiß-blauen Plättchen an den Wänden, die denen in Schloss Belvedere/Weimar in Art und Bemalung gleichen. Die Erinnerung daran hat sich lange im Volksmund unter dem Namen “Marmorbad“ erhalten. An diesen Mittelbau schlossen sich rechts und links, einen Innenhof begrenzend, einfachere Räume an, deren Fußbodenbelag aus großen Backsteinfliesen bestand und deren Bedachung aus Schiefer. Die beiden dort gefundenen Sandsteinkronen mögen über den Türen der größeren, nördlich abschließenden Gebäude gewesen sein, die Sandsteinwulste von den Bassinbrüstungen herrühren und der Torso der Steinfigur von einer der vielen im Park. Diese gefundenen Gegenstände sind dem Städtischen Museum übergeben worden. Ein weiterer Beweis dafür, dass Hildburghausen sich eines französischen Gartens rühmen konnte, sind Andeutungen desselben auf Bildern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und des Brandplanes von 1779. Aber auf diesem ist nur die Brücke vor dem Schloss eingezeichnet und nicht die Kaskaden und die zwei unteren Absätze. Stattdessen stellt das eine einen dreiteiligen Vorbau mit Seitenabschluss dar, wo einst die Wasserkunst war. An diesem Teil des Absatzes ist die Mauer aus behauenen Quadersteinen hergestellt, während sie im Übrigen aus Bruchstein besteht bis auf einige Stellen, die wohl einmal ausgebessert worden sind. Nach einer Vermessung des Baumeisters A. Köhler im Jahre 1752 waren von 17 ¾ Acker Flächengehalt 1 ¼ Acker 9 Ruten Küchenland; die zwei großen Lustplätze und der Fasanerieplatz hielten 2 5/8 Acker 2 Ruten, die anderen Plätze waren mit Irrgängen bestellt. Diese Aufzeichnung gibt keine vollkommen klare Übersicht, obgleich sie sich Homans Bildern anschließt.



Auszug: "Die Cascade in der Orangie"

Aber die Ausstattung der Orangerie berichten Inventarien aus den Jahren 1720, 1735 und 1737. Danach war sie 1720 besetzt mit: 253 Pomeranzenbäumen, 39 Lorbeerbäumen 82 Zypressen, 28 Myrthen, 33 Aloen, 10 Olivenbäumen, 102 Buchsbäumen, 14 verschiedenfarbigen Jasminen, 7 Oleandern, 13 Korallenbäumen, 8 Granatbäumen, 1 Christusdorn, 5 Passionsblumen, 1 Zitronen-Melisse, 3 großen Pimpinellen, 12 Feigenbäumen, 18 Ledum palustre, 2 spanischen Ginstern, 1 Nachtschattenstrauch, 1 Keuschbaum, 1 französischen Tamariske, 2 Geisblattsträucher, 2 Jacobäen, 1 Weinstrauch, 1 Yucca, 3 Stechpalmen, 13 Katzenkrautpflanzen, 55 Rosmarin, 5 Feigenkakteen, 2 goldgelben Salbeipflanzen, 1 Geranium triste, 1 Johannisbrotbäumlein, 1 italienischen Bärenklau, 26 anderen Pflanzen, deren Namen verstümmelt und nicht genau zu bestimmen sind (Stecha Citryna, Agrifolium, Retmy Arabica, Cerus, Stangen Viol), im ganzen 755 Pflanzen in Kübeln oder Scherben; dazu 75 Scherben allerhand rare indianische Gewächse, 100 Scherben seltene Nelken, 82 Scherben Aurikeln, 10 Scherben Hyazinthen, 12 Scherben Ranunkeln, 4 Scherben Alpenveilchen und zwei Kästchen Anemonen. Die Pflanzensammlung war 1735 vermehrt um 1 Flieder, 18 Levkojen, 24 gelbe Nachtviolen und etliche andere Arten von unbestimmbaren Namen; jedoch ist die Gesamtzahl der angeführten Pflanzen bedeutend geringer, ohne dass der Grund dafür aus diesen Akten erkennbar ist. (Die Namen der Pflanzen sind durch den letzten Weimarer Oberhofgärtner, dann Staatlichen Thüringer Garteninspektor Sckell, Weimar, übersetzt worden.)

Das Garten- oder Orangeriehaus, das 1735 in seinem Obergeschoss die Wohnungen des Obergärtners Prager und seines Gesellen, des Gärtners Simon und des Fasanenjägers enthielt, war mit der Südfront nach dem Ostarm des Kanals gerichtet. Bilder von 1760 stellen es mit einem Obergeschoss und schlichtem Satteldach dar. Nachdem es 1779 mit der Kirche innerhalb der Stadtmauer und 100 Häusern der Stadt dem großen Brand zum Opfer gefallen war, wurde es nach 1789 an derselben Stelle wieder erbaut. Seine Lage zeigt, mit welch feinem Schönheitssinn unsere Vorfahren sich in die gegebenen Verhältnisse zu schicken wussten. Noch heute entzückt es mit der darüber ragenden Kirche das Auge des Spaziergängers und wird oft mit seinem vom Kanal wiedergegebenen Spiegelbild fotografiert und gemalt.

Durch diese großartigen Anlagen, die, nach Homans Darstellung zu urteilen, auch das Maß jener verschwenderischen Zeit übertrafen, und durch die Gründungen an anderen Orten des Ländchens erwuchsen große Schulden für das kleine Herzogtum Sachsen-Hildburghausen.

Besonders Herzog Ernst Friedrich I. (1715 – 1724) kannte nicht Maß noch Ziel und ließ sein Land tief in Schulden zurück, nachdem er die durch Heirat erworbene Grafschaft Cuylenburg, die ihm jährlich 30000 fl. einbrachte, an die Generalstaaten um 80000 fl. verkauft hatte. Eine kleine Besserung brachte die Zeit der Vormundschaftsregierung der Herzogin-Witwe Sophie Albertine, aber unter Ernst Friedrich II. (1728 – 1745) ging es wieder abwärts. Dem Anlauf zur Gesundung der Verhältnisse der Herzogin-Witwe Karoline folgte unter Ernst Friedrich III. Carl (1748 bis 1780) ein so bedeutender Niedergang, dass 1769 eine Kaiserliche Debitkommission eingesetzt wurde, der die Hildburghäuser Prinzen Joseph und Eugen und die Herzogin-Witwe Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen angehörten. Sie sollten Mittel und Wege finden, das überschuldete Ländchen vor dem letzten zu bewahren. Alle Geldangelegenheiten gingen durch ihre Hand und unterstanden ihren Entschließungen. Die gepflogenen Verhandlungen erstreckten sich 1772 auch auf die Fürstlichen Gärten. Ein mit Vorschlägen ausgearbeitetes Schriftstück von 78 Blatt Umfang in Folio gibt wertvolle Aufschlüsse. Danach umfasste der Fürstliche Schlossgarten damals folgende 10 Stücke: „1.) den eigentlichen Schloßgarten, so vom Canal umschlossen ist. 2.) den Platz zwischen der Werra und Canal von dem Garten Haus an, vor dem Ballhaus vorbey biß an die ehemalige Herrschaftliche Mühle. 3.) den jetzigen Orange-Platz vor dem Schloß bis zum Garten Haus, hinter welchem 4.) der sogenannte Absaz vor der Stadtmauer. 5.) das Blumen Gärtlein hinter dem Gartenhauß. 6.) den Gottes Acker Garten. 7.) den Baumgarten und Wießfleck an Ballhaus, an welchen der Cammerdiener Schmidt und Ballmeister Ursinus, so wie die Stall Leute unten am Fisch Haus einige Flecke urbar gemacht. 8.) den Bürgermeister Bärs Garten (hinter dem Ballhaus), welcher ebenfalls zum Schloß gehöret hätte, und wiederum wegen Verschließung des Gartens zurück zu erkaufen nötig ist. 9.) den Thier Garten. 10.) den Kraut Acker hinter dem Thier Garten, wovon 14 schmale Beethe zu Erdäpfel und Krautland für die Herrschaft employiret werden. Von den übrigen aber ein Theil an den Reitschmidt verpachtet, und das andere welches nochmal so viel, als das Herrschaftl. seye der Herr Oberjägermeister gratis benutzet.“ Das alte Orangenhaus sollte wieder etwas veränderten Bestand an Kübel- und Topfpflanzen aufnehmen, nämlich: 175 Orangenb., 85 Lorbeerb., 2 Kokosb., 3 Oleander, 4 Buchsb., 12 Laurus Tinus, 34 Myrthen, 6 Feigenb., 3 Granatb., 3 Jasmin, 8 Zypressen, 2 Ginster, 5 Olivenb., 11 Katzenkrautpfl., 4 gefüllte Nastorzien, 4 Geranien, 6 Korallen-Kirschb., 8 Passionsblumen, 10 Gnavatium, Rosmarin, Levkojen und Nelken. Es wir eines Glashauses und Treibhauses mit zwei Öfen gedacht und der Statuen im Lustgarten und der Blumentöpfe en fayance. Das Schriftstück „Einrichtung der Fürstlichen Gärten zu Hildburghausen und Seidingstadt betr.“ sagt: Da die „allgemein eingerissene Confusion sich auch auf die Fürstlichen Gärten erstreckt, – – – so erfordert die Nothdurft umsomehr, daß nun eine endliche und entscheidende Resolution gefasset und also ein ganzes gemachet werde, als die bisherige Einrichtung derer Gärten weder Ordnung noch Nuzen hat und folglich, wenn dem Uebel nicht aus dem Grunde abgeholfen werden sollte, die Cammer alle Jahr einen erklecklichen Aufwand umsonst und vergeblich machen müßte.“ Einige der zur Verbesserung gemachten Vorschläge sind: 1.) „die Arbeiten am Lustgarten sind zu limitiren“. 2.) die Bestreitung der Kosten für den Fürstlichen Schlossgarten „sind von kays. Commission zu fourniren“, und der Ertrag soll lediglich der Fürstlichen Hofhaltung zugute kommen. Bisher hatten „die Gärten geliefert, was bei Hof consumiret wurde; es waren aber keine revenüen vorhanden, da man nicht wußte; wohin das übrige gekommen war“. „An die Hoftafel sind zu liefern: Obst, Salate, Erdäpfel, Spargel, Kraut, Bohnen, Zwiebeln, Petersilie, Kerbel, allerhand Kräuter und Bouillonwurzeln. 3.) – finden wir in Ansehung der Unterhaltung des Hofgartens kein dienlicher Auskunfts Mittel als den Weg der Verpachtung. Es ist jedoch hierbey die Conservation der Orangerie und der Bosquets etwas, das schwerlich einer Verpachtung susceptible scheinet.“ Der Blumengarten hinter dem Gartenhaus, der Absatz und der Orange-Platz mögen an den Hofgärtner, die übrigen Teile separat verpachtet werden.

Unter dem 17.4.1772 wurden die Vorschläge von dem Reichsbeauftragten, dem späteren Prinz-Regenten Joseph mit der nachdrücklichen Bemerkung genehmigt, „den Garten (zu) verpachten oder mit möglicher Oeconomie und Sparsamkeit zu administriren.“

Wenige Jahre danach, 1779, brach großes Unglück über die Stadt herein, als ein Drittel aller Häuser einem furchtbaren Feuer zum Opfer fiel, und im Jahr danach starb der Landesfürst, Erst Friedrich III. Carl. Der Kaiserliche Schuldenverweser, Prinz Joseph, übernahm in Vormundschaft für seinen Urgroßneffen, Herzog Friedrich, die Verwaltung des Landes bis zu seinem Tod 1787. Bereits zwei Jahre zuvor hatte sich Herzog Friedrich mit Prinzessin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, einer Schwester der Königin Luise von Preußen, vermählt. Neues Leben zog mit dem jungen Herzogspaar in der Residenz ein, schöngeistige Interessen erfüllten die Jugend, und an Stelle der steifen Hofetikette trat der Drang nach Befreiung von äußerem Zwang und Einengung. Zwang war auch der Natur durch die kunstvollen Gartenanlagen angetan worden. Deshalb fand man keine Freude mehr an den steifen Hecken und beschnittenen Bäumchen, die nicht wachsen durften, wie sie wollten. Der französische Stil Ludwigs XIV. hatte sich überlebt. Doch noch konnte sich Hildburghausen nicht der neuen Mode anpassen; die Lage war drückend, die Schulden waren nicht getilgt. Trotzdem versuchte man seine Wünsche zur Verwirklichung zu bringen. Denn 1786 wurde Hofgärtner Ferrier vorstellig, dass das vor Jahren niedergelegte Ananashäuschen im Schlossgarten wiederhergestellt und um drei Fenster vergrößert würde.

Indessen hatten Rousseaus Ideen der Menschheit wie ein Evangelium in den Ohren geklungen: „Erfreue Dich an der Natur, wie sie aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen ist! Mit Deinen plumpen Händen zerstörst Du nur; darum lasse wachsen, was und wie es will.“

Diese neuen Grundsätze wurden auf die Gartenkunst übertragen. In den Parks wollte man Natur sehen, Baum- und Buschgruppen über Rasenflächen verteilt, Wäldchen und Lichtungen in schöner Abwechslung. Die Hand des Gärtners sollte nicht mehr tyrannisch, sondern nur in unaufdringlicher Weise nachhelfend wirken; die Bäume sollten sich in individueller Entwicklung zu voller Pracht entfalten dürfen, die verschiedenen Arten wie zufällig angeflogen zwischen einander stehen und Farbenbilder schaffen, an denen die Wildnis reich ist. Ein frischgrüner Rasen, wie er im immer feuchten Klima Englands gedeiht, sollte dazwischen aufleuchten. Man sollte Wege gehen, die nicht mit Zirkel und Lineal vorgezeichnet waren, sondern durch häufige unerwartete Wendungen dauernd Überraschungen schufen. Ein still träumender See in natürlicher, unregelmäßiger Form, in dem sich überhängende Baumriesen spiegelte, lockte mehr als die kunstvollen gefassten Bassins mit hochspringendem Wasserstrahl und aus den Fluten auftragenden Steinfiguren. Der Stein sollte als Fels in das Parkbild einbezogen werden und ein übermütiger Bergbach sich über ihn zu Tal stürzen. Man sollte sich in Parks ergehen können, die zu jeder Zeit des Jahres durch ihre intimen Reize entzückten.

In Hildburghausen wurden seit 1787 bestimmte Pläne verfolgt, als die Hofgarten-Verwaltung 500 lange Stangen (vermutlich zu Baumpfählen) anforderte „Behuf einer im Schloßgarten vorzunehmenden englischen Anlage“. Die Antwort auf das Schreiben war ein hartes Nein, die Begründung dafür: zu hohe Kosten. Der Hinweis auf die zum Pflanzen ungünstige Jahreszeit sollte vielleicht ein wenig über die Enttäuschung weghelfen. Der Wunsch zur Neugestaltung des Lustgartens scheint aber nicht nur einer Zeit- und Modelaune entsprungen zu sein. Die Jahre waren nicht spurlos an den Kunstanlagen vorüber gegangen; das nötige Geld, sie instand zu halten, konnte nicht bewilligt werden. Der Überrest der im Südosten gefundenen Steinfigur mag das beweisen. 1788 erhielt Hofgärtner Ferriér auf Antrag Kümmelmann die Erlaubnis, die „Heegen (Hecken) abzuwerfen, damit sie nicht noch ganz verderben“. Damit sind die lebenden Wände aus Taxus oder Buche gemeint, die den Park in viele einzelne, in sich abgeschlossene Teile zerlegten, Ein Riss vom Südostviertel, den Ferriér damals einreichte, war bisher nicht auffindbar. Es wäre interessant, gerade diese Pläne kennenzulernen und daraus Schlüsse auf das Übrige zu ziehen. Eben so wenig war festzustellen, wohin all das Bildwerk kam, als es im Schlosspark überflüssig wurde. Nur eine der schön gestalteten Steinbänke steht am Nordwesthang des Stadtberges an einem Weg unterhalb von Lorbachs Berggarten, einige fanden auf dem freien Platz im Osten Aufstellung. Vielleicht stammen auch die Steinfiguren aus dem Nonnespark aus dem Schlossgarten.

Ein zweiter Ansturm 1792 erfuhr ebenso eine Ablehnung, aber dann führte stete Beharrlichkeit doch zum gewünschten Ziel: die Residenz Hildburghausen bekam ihren Englischen Garten.

Da die gewünschten edlen und ausländischen Bäume der hohen Kosten wegen von der Kaiserlichen Kommission nicht bewilligt wurden, behalf man sich einstweilen mit wilden Bäumen. Man fand sich damit ab, da diese Bäume keine erheblichen Kosten verursacht hatten. Als die Fürstliche Kammer erklärte, kein Geld für eine englische Parkanlage zu haben, versicherte Herzog Friedrich dem Hofmarschallamt, dass er die Erhaltung und die Verschönerung nicht ins Große ausdehnen wollte, und erbat eine verfügbare Summe von 200 fl. fr. jährlich. Einige Überraschung bereitete es, dass gerade der südöstliche Teil umgestaltet werden sollte, wo das ehemalige Fasaneriegebäude inzwischen als Bad eingerichtet worden war. Die Kastanienbäume, die dort angepflanzt worden waren, entwickelten sich so üppig, dass bereits nach wenigen Jahren, als Herzogin Charlotte bat, die Gräserei unter den Bäumen nicht wie in anderen Jahren mit zu versteigern, der Wert des dort wachsenden Grases durch den Schatten auf die Hälfte des Normalwertes zurückgegangen war. Heute gedeiht fast nichts dort.

Eine Veränderung erfuhr auch die Anlage zwischen Kanal und Stadtmauer. Der Orangenplatz war inzwischen Esplanade geworden. Als 1793 die Linden, die dort standen, in die Allee verpflanzt werden sollten, und zwar 4 Schuh von der Kanalmauer, deren Unterhaltung sehr kostspielig war, fürchtete man, dass sie durch die starke Bewurzelung Schaden leiden würde. Weitere Linden wurden 1796 aus dem Hellinger Wald für die Allee geliefert, obgleich die Herzogin feine Obstbäume für 36 fl. fr. vorgezogen hätte.

Auf dem Absatz stand eine chinesische Hütte, die besonders der jungen Herzogin ein lieber Aufenthalt war. 1792 war die Treppe durch die Witterung stark beschädigt, und es bestand Gefahr durch Betreten derselben. Die Kammer hatte aber bereits eine eine Reparatur veranlasst. Als aber durch die Baukommission des Geheimen Kammerrats von Feuchtersleben die Haltbarkeit des ganzen Gebäudes angezweifelt wurde, verweigerte die Debitkommission die Erlaubnis zur Wiederherstellung desselben.

1806 scheint das Jahr zu sein, in dem die hie und da begonnenen Arbeiten im Park ernstlich vollendet wurden. Hofgärtner Ferriér kam diesmal erfolgreich um die Abgabe von 80 Fuhren Sand oder Kies ein, um die Wege im Irrgarten, den er herstellen lassen wollte, anzulegen. Nach seinem Kontrakt standen ihm jährlich 40 Fuder Kies zu; er hatte aber seit 6 Jahren keinen bekommen können. Auch die Bitte um die Abgabe von 6 – 12 Röhren vom Bauhof zur Herstellung des ganz verfallenen kleinen Wasserfalls im Irrgarten fand Gewährung.

Den Durchblick vom Schlossaltan, dessen Grotte ausgemauert worden war, auf den die Szenerie lieblich abschließenden Höhenzug streifte nunmehr eine breite Rasenfläche mit Beeten, die rechts und links mit geraden parallelen Wegen abgegrenzt war. Weiter seitlich waren Baumgruppen und Buschwerk kulissenartig vorgeschoben, die übrige Fläche der Insel hainartig mit Aussparung weniger Lichtungen bepflanzt und von gewundenen Wegen durchzogen. Nur am Nordrand führte eine gerade Lindenallee am Kanal entlang. Auf dem einstigen Theaterhügel standen Fichten, denen sich nach Osten zu Kiefern anschlossen, während im Südwesten ein mächtiger Lebensbaum sich entfaltete; schöne Kastaniengruppen waren im Südosten angepflanzt; zwei stattliche Eichen wuchsen rechts und links von dem Rasenrechteck heran. Außerdem trugen Birken, Hainbuchen, Silber- und Zitterpappeln, Rüstern, Maßholder, Erlen, Weiden, tatarischer Ahorn, Weißdornbäume, kanadische Pappeln, Lebensbäume, Weimutskiefer, gelbe Rosskastanie, Corneliuskirsche und manches andere einheimische und ausländische Baum- und Strauchwerk zur Belebung des Landschaftsbildes bei. An der Stelle des einstigen Pilars im Tiergarten stand nunmehr ein schöner Birnbaum auf erhöhter Baumscheibe mit Strauch und Bank. An die Eremitage erinnert nur noch ein ausgesparter Bogen unterhalb der ehemaligen Puppenfabrik, jetzigen Jugendherberge, in der Nähe des alten Kellers.

Das Schumannsche Staats=, Post= und Zeitungs=Lexikon von 1814 berichtet über Hildburghausen u. a. nur das: „Dieses ganz regelmäßige und schön erbaute Schloß – ist – auf der Rückseite von einem großen Garten umgeben, den ein aus der Werra abgeleiteter Kanal umschließt. – Auf der mittäglichen (Seite liegt) (Süden, d. Verf.) der Lustgarten mit der Fontäne, uns an letzteren stößt die Orangerie; rechts von der Straße steht das Ballhaus, zu welchem Alleen führen.“

Ein bedeutende Erweiterung erlangte der Lustgarten durch die Anfügung des Gartens zwischen den Werraarmen unterhalb des Irrgartens und der Straße vorm Unteren Tor, durch den Kümmelmannsgarten. Das ist der Platz, auf dem jetzt die Post steht, und der Garten dahinter. Am 1.II.1792 hatte ihn Herzog Friedrich von Hofrat Kümmelmann aus seinen Schatullmitteln gekauft und seiner jungen Gemahlin geschenkt. Diese vererbte ihn an Prinz Georg (1818). Am 16. April 1820 kaufte Herzog Friedrich ihn für 4000 fl. rh.; um ihn den Staatsgütern einzuverleiben. Durch diesen Inselgarten wurde auch ein geschwungener, daher natürlich wirkender Wasserlauf in die englische Anlage einbezogen, während der südliche gerade ist. Im „neuen Garten an der unteren Chaussee“ stand ein schönes langgestrecktes Gartenhaus mit Säulenvorbau. Der Lindenhügel, der heute noch dort ist, ist damals sicher schon vorhanden gewesen.

An eine Verlegung des Werrabettes und des Kanals machte man sich nicht heran und ließ also etwas bestehen, was sich aus der Zeit strengster Gebundenheit in die der erwachenden Freiheit hinübergerettet hatte und den Eindruck der Stilwidrigkeit erwecken konnte, wenn nicht auch im Park einige gerade Wege erhalten geblieben wären.

Denn der Kanal war immer ein Schmerzenskind gewesen und hatte viele Kosten verursacht und Arbeitskräfte beansprucht. Er hatte gemauerte Uferwände. Bei Anpflanzung der lebenden Hecken fand man diese Mauern noch. Seinen Zufluss empfing der Kanal unterirdisch an der Südostecke von Osten her; ein nach Westen gerichteter Ablauf an der Nordwestecke war ebenfalls unterirdisch. Um die Strömung nach Wunsch und Notwendigkeit zu regeln, wurde die gleich vor dem Unteren Tor liegende Neue Mühle vom Hof erworben. Auch durch Zuleitung vom Feuerteichwasser über die alte Stadtmühle hoffte man besseren Durchlauf zu erzielen. Aber alle Mittel versagten: der Kanal versumpfte, und üble Ausdünstungen machten den Aufenthalt in seiner Nähe nicht mehr angenehm. Deshalb wurde er alle sechs Jahre durch Fröner ausgehoben.

Unter dem alten Hofgärtner Joh. Christian Kern hatte die Debitkommission 1774 eine solche Aushebung oder, wie man sagte, Ausführung des Kanals beschlossen. Welche Ursachen diese Arbeit verzögerten, ist nicht gesagt. Kern starb 1779, und bei Anstellung seines Nachfolgers Karl Ludwig Schmidt wurde dafür besonders ein tüchtiger Gärtner beansprucht. Aber erst unter dem nächsten, Joh. Zacharias Ferrier, wurde 1784 der Kontakt mit dem Teichgräber Rößler aus Holzhausen abgeschlossen. Dieser hatte die Kosten auf 562 fl. 2 ggr. Berechnet; die Materialien vom Gerüst waren nicht inbegriffen. Nun drängte man zur Erledigung dieser Arbeit, damit sie bis Mai 85 fertig sein sollte. Durch den hineingeschwemmten Brandschutt war die Fischerei im Kanal gehemmt. Im oberen seichten Teil waren im Winter 1777/78 die Fische aufgefroren, so dass die Fürstl. Kammer nicht mehr wagte, ihn im Herbst stark zu besetzen, aber die nur mögliche Frühjahrsbesetzung entsprach den Prinzipien nicht. Daher nun diese Eile.

Bei jeder Reinigung spielte die Kostenfrage eine große Rolle. Man hoffte, dass sich die Arbeit zum Teil selbst bezahlt, wenn man den Schlamm als Düngemittel verkaufte oder den Fuhrleuten als Entgelt überließ, wenn er nicht gerade zur Auffüllung der eigenen Gärten nötig war. Es waren immer große Mengen, die aus dem 20 m breiten 1 km langen Kanal herausgeholt wurden. 1738 war diese Ausgabe durch einen freiwilligen Landesbeitrag gedeckt worden. Das Amt Eisfeld gab 104 fl. fr., Heldburg 184 fl. fr., das Gericht Hildburghausen und Eisfeld übernahmen die restliche 50 Ruten durch Frondienst. 1755 hatte man nicht an diese Regelung gedacht und die Kammerkasse belastet. 1784 aber war vor allem von Heldburg nichts zu erwarten, da dort mehrere Missernten aufeinander gefolgt waren. Hildburghausen und Eisfeld hatten durch die vielen Fronfuhren, die der Brand 1779 und der Wiederaufbau in den folgenden Jahren für die Stadt Hildburghausen erfordert hatte, schon reichlich Hilfe geleistet.

1819 fuhren die Fröner 3669 Fuhren Schlammerde weg, 1833 sogar rund 6000. 1823 versuchte man nochmals durch kräftige Zuleitung der Werra der üppig wuchernden Wasserpflanzen Herr zu werden, aber auch vergeblich. Dann begann der Verlandungsprozess.


Luisendenkmal im Schlosspark.

Alles das hinderte aber nicht daran, dass der neu angelegte Park ein beliebter Tummelplatz für Alt und Jung war. Das war der Ort, der geweiht wurde durch den Aufenthalt der unvergesslichen Königin Luise von Preußen, von der Dr. Ludwig Sickler, der damalige Gymnasialdirektor, in seinem Nekrolog am Luisendenkmal singt:

„Freundliche Nymphen der Flur und des Tales sprossende Blumen!

Kinder des Hains umher, trauliche Lüfte der Au!

-         -     -    -     -     -     -     -    -    -    -    -    -    -    -    - 

Oft hat sie euch besucht in der Morgenröte der Jugend,

Wallend am Schesterarm, hier oft verhallte ihr Laut.

Oft hat ihr Blick hier geruht, umflossen vom Lichte des Himmels. –

Denn mehrmals hat Königin Luise, als Besuch ihrer Schwester, der Herzogin Charlotte, frohe Tage hier verlebt. Hildburghausen war ein Treffprunkt auch mit Schwester Frederike, der späteren Königin von Hannover, und Schwester Therese, der Fürstin von Thurn und Taxis. Ihnen gesellte sich Jean Paul, Legationsrat des Herzogs von Hildburghausen und begeistert gelesener Dichter, dessen Briefe manches über das Hofleben seiner Zeit ausplauderten. Und der in seinem „Titan“ den Fürstinnen ein dauerndes Denkmal setzte.

Großen Schmerz bereitete die Nachricht vom Leiden und Sterben der geliebten und verehrten Luise, Königin von Preußen, und sobald nach der Notzeit unter Napoleon wieder ein wenig Hoffnung erwachte, wurde der Gedanke erwogen, der Vollendeten ein Erinnerungszeichen zu schaffen. 1815 errichtete ihr das Herzogshaus als erstes ein Denkmal in dem Park, wo sie gerne geweilt hatte. Es wurde mitten auf dem Rasenplatz dem Schloss gegenüber auf einem kleinen Hügel, um den ein kreisförmig angelegter Weg führte, aufgestellt und entspricht in seiner schlichten Form dem anspruchsvollen Wesen der leidgeprüften hohen Frau. Dr. Sickler hat dazu Worte gefunden, die seiner Trauer innigen Ausdruck verliehen. Ob aber außer diesem Denkmal auch andere Erinnerungszeichen, wie sie jene empfindsame Zeit in solchen Anlagen schuf, aufgestellt waren, ist nicht bekannt.

Gern tummelten sich die Prinzen und Prinzessinnen mit ihren Gespielen in dem sich immer schöner entwickelnden Lustgarten, und frohes Lachen und Jauchzen verriet ihre Gegenwart, auch wenn sie durch das dichte Gebüsch den Blicken verborgen blieben. Die Herren und Damen vom Hof und ihre Gäste fanden Erholung und Erquickung in seinen schattigen Wegen. Bis zum Jahr 1826 dauerte das fröhliche Treiben, das nur vorübergehend durch den Tod der schönen und geliebten Herzogin Charlotte (1818) gestört wurde. Im November 1826 verließ Herzog Friedrich mit einem Teil seiner Familie und seinem Hofstaat sein Erbland und siedelte in sein neues Herzogtum, Sachsen-Altenburg, über. Damit war die Geschichte des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen, die 146 Jahre umfasst, abgeschlossen. Das Land wurde Sachsen-Meiningen angegliedert, und die Erinnerung an einstige Selbstständigkeit lebte weiter in der neuen Bezeichnung Sachsen-Meiningen und Hildburghausen. Zwar wohnten Prinz Georg und Prinzessin Marie, bei deren Einzug die neu angelegte Straße am Stadtberg der Öffentlichkeit übergeben wurde, und ihr zu Ehren den Namen Marienstraße erhielt, noch bis 1829 und Herzogin Paul von Württemberg, die einstige Prinzessin Charlotte von Hildburghausen, bis zu ihrem Tod 1847 in der verwaisten Residenz, aber für Hildburghausen waren doch ganz andere Zeiten gekommen.

Eine geradezu beängstigende Veränderung, die sich auf allen Gebieten des gesellschaftlichen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens der Stadt äußerte, war eingetreten. Es galt, sich völlig umzustellen, um die Lücke in Einnahme und Beschäftigung auszufüllen. Schweren Zeiten sah das noch anderthalb Jahrhunderte zuvor unbedeutende und unbekannte Ackerbaustädtchen entgegen, das durch den berauschenden Glanz üppigen und geistvollen Hoflebens sich beinahe Weltruhm erworben hatte.

Wohl hatten die Bewohner manchmal unter dem Druck der schweren Steuerlasten zusammenzubrechen gefürchtet; aber unter Herzog Friedrich war es besser geworden, und voller Trauer hatte man einem geliebten Landesvater nachgeblickt.

Nun bestand nur die Aussicht, bei gelegentlichen Besuchen der neuen Herrschaft vorübergehend das gewohnte Leben erwachen zu sehen. Aber das war ein recht schwacher Ersatz für das Verlorene. Hofgärtner Johann Michael Ferrier sprach in einem Bericht nach Meiningen die Befürchtung aus, dass die freundliche Umgebung der Stadt verwildern würde, wenn die Hofgärtnerei ganz einginge; er war aber nicht ganz ohne Hoffnung, weil man ihm berichtet hatte, der neue Herr, Herzog Bernhard Erich Freund von Sachsen-Meiningen, hätte sich bereits für die Unterhaltung der Anlagen ausgesprochen. Er rechnete praktisch und schlug zur Verminderung der Ausgaben vor, die Frucht- und Gemüsetreiberei einzuschränken, die Ananastreiberei und den Gemüsebau ganz aufzugeben und die eine Hälfte des Glashauses als kaltes Haus zu benützen; das Orangen- und halbe Glashaus wären zur Überwinterung ausreichend. Für die zukünftige Ausnützung der vorhandenen Gemüsegärten; nämlich: Absatz mit Blumengarten, Ballhausgarten, Gottesackergarten, Tiergarten und das Feld am Tiergarten, empfahl er: 1. Verpachtung der letzten drei; 2. Anlegung einer Baumschule im Ballhausgarten für Kern- und Steinobst, Maulbeerbäume zur Seidenraupenzucht, für die aber auch der am Thüringer Wald gedeihende tatarische Ahorn Ersatz zu bieten vermochte, schön blühende Sträucher und anderes mehr, weil in diesem Garten die Bäume durch den vorhandenen Lattenzaun vor Hasenfraß geschützt waren. Das Ausschneiden und veredeln wollte Ferrier selbst besorgen, da ihm durch die vorgeschlagenen Einschränkungen in Zukunft genügend Zeit bleiben würde. Er hat als Ausgleich für seine Einbuße durch den eingegangenen Gemüsebau um die Gräserei im Irrgarten, wie der ganze Park seit 1806 schon genannt wurde, und die Benützung des Absatzes, soweit dieser nicht zur Blumenzucht nötig wäre. Unter dem 7. April 1827 genehmigte Herzog Bernhard Erich Freund die vorgetragenen Pläne. Am 8. März 1830 wurden Ferrier und seiner Schwester auch die Auslagen für die von ihrem Vater Zacharias Ferrier gekaufte Ananaszucht mit 140 fl. rh. ersetzt.

Nachdem der Kostenaufwand für die Unterhaltung der Herrschaftlichen Gärten während der Jahre 1828 – 1831 auf durchschnittlich 1023 fl. 32 ½ Kreuzer berechnet worden war, wurde am 1. April 1831 ein neuer Pachtvertrag auf drei Jahre mit Ferrier geschlossen, der folgende Verpflichtungen erhielt:  1. Ferrier übernimmt die Reinhaltung der Anlagen und Spazierwege im Irrgarten, auf der Esplanade, dem Altan und in den Alleen; die Erhaltung der Blumenbeete; die Lieferung des Zimmerschmuckes bei Anwesenheit der Herrschaft.  2. Er sorgt in der Obstbaumschule im Ballhausgarten für die Rekrutierung der Baumlinien an den Chausseen und für Kernstämme.  3. Über die Maulbeerbaumschule, die er zu erhalten hat, führt er getrennte Rechnung.  4. Reparaturen an Gebäuden und Umzäunungen übernimmt die Herrschaftliche Kasse.  5. Die Gartengeräte werden Ferrier überlassen und sind nach Ablauf der Pachtzeit im gleichen Zustand zurückzugeben.  6. Bei Anwesenheit der Herrschaft liefert F. das Gemüse an die Hoftafel zum Marktpreis.  7. Er hat die Nutznießung des Ertrages an Obst vom Absatz-, Gottesacker- und Ballhausgarten und erhält 500 fl. rh. jährlich.

Als Ferrier 1838 gestorben war, kam die Witwe um Besetzung seines Postens durch einen ihrer Söhne ein, die bereits unter ihrem Vater mitgearbeitet hatten. Stattdessen wurde der Hofgärtner Rink in Altenburg der Nachfolger des letzten Hildburghäuser Hofgärtners mit nur 250 fl. Gehalt. Dass diese Sparsamkeit das angängige Maß überschritt, zeigte sich, als Reparaturen und Neubeschaffung von Orangekübeln nötig wurden, Rink nicht bezahlen konnte. Nach einigem Hin und Her wurden endlich die Kosten auf die Hofkasse übernommen.

Der ehemalige Orangeplatz war mit mehreren Reihen Kastanien angepflanzt worden, und auf dem Mauerrand des Absatzes standen in Kübeln fremde Gewächse. Die Anpflanzungen im Irrgarten entwickelten sich von Jahr zu Jahr schöner und üppiger. Bilder von etwa 1830 zeigen den Park schon als dichten Hain, aus dem nur noch der freie Platz mit dem Luisendenkmal und Blumenbeeten herausleuchtete, Eine einzige Brücke ermöglichte den Zugang, wenn man es nicht vorzog, durch den versumpften teils verlandeten Kanal zu waten.

Dieser bot allen Versuchen trotz, ihn als breiten Graben mit klarem Wasser zu erhalten. 1857 wurde ein neuer Durchlass aus der Werra geschaffen, 1863 unterhalb des Ballhauses bzw. Theaters ein Damm aufgerichtet. Offene Gräben, an der Südostecke von Süden, an der Nordwestecke mit Brücke an der alten Stelle, vermittelten nunmehr die Anbindung mit der Werra. Die Allee zwischen Werra und Kanal, die Seufzerallee und der Philosophenweg, verödete, weil sie nur noch an ihrem nordwestlichen Ende zugänglich war. Aber die Bäume an den Rändern beider Wasserläufe vereinigten ihre mächtigen Kronen zu einem schattigen Laubdach; einige auch vermochten der Last nicht standzuhalten und neigten ihre Stämme nach dem Wasserspiegel.

Pflege und Anlage der Schlossgärten lagen den jeweiligen Hofgärtnern ob. Von denen sind zu nennen: Kunstgärtner Georg Becher aus Hundsheim 1698 – 1714; Ober- und Kunstgärtner Zacharias Prager, † 1736 ; Küchengärtner Daniel Debus; Lustgärtner Daniel Wirt, † 1734; Hof- und Lustgärtner Daniel Simon, † 1769; Hof- und Lustgärtner Martin Steiner aus Salzburg, † 1763; Hofgärtner Joh. Christian Kern, † 1779; Hofgärtner Karl Ludwig Schmidt aus Dresden 1780 – 1782; Hof- und Lustgärtner Johann Zacharias Ferrière aus Karlsruhe 1782 – 1809; Hofgärtner Michael Ferrière, † 1838; Hofgärtner Rinck aus Altenburg, Hof- und Kunstgärtner Georg Ferrière, † 1858. Außerdem werden noch genannt: Anton Revelle vor 1724, Niklas Saar aus Metz vor 1745, Christian Wendland um 1750, Hofgärtner Melchior Simon, † 1783; Kunst- und Pachtgärtner Carl Brodt, † 1789; Hofgärtner und -verwalter Jakob Schreiber, 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts; Gartenknecht Wolf Popp 1751 bis 1806. – Mehrere der Hofgärtner waren zugleich Pächter.

Die Schlossgärten waren nach dem Wegzug nicht mehr abgeschlossen, und Einheimische und Fremde ergingen sich gerne dort im Park nahe der Stadt. Als aber Hildburghausen durch den Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 aus seiner beschaulichen Ruhe aufgeschreckt wurde, da fand sich auch für Schloss und Gärten bald wieder eine neuerliche Verwendung.

Nachdem der Preußengegner; Herzog Bernhard Erich Freund, um seinem Land die Selbstständigkeit zu bewahren, zu Gunsten seines Sohnes Georg von der Regierung zurückgetreten war, wurde Militär nach Hildburghausen verlegt. Damit begann wieder ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Irrgartens.

1867 wurde das Schloss geräumt, umgebaut und als Kaserne für das 2. Bataillon des 6. Thüringer Infanterieregiments Nr. 95 eingerichtet. Der Schlossaltan wurde eingelegt, und die 20 Steinfiguren aus dem Königsberger Schloss, die seit 1711 dort gestanden hatten, wurden entfernt. Man veräußerte sie und stellte sie in einen Berggarten; dann wurden sie z. T. nach Leipzig verkauft. Zwei davon bewachen nunmehr den Eingang des Berggartens am Stadtberg, der Frau Geimecke gehörte. Die Kastanienallee  zwischen Rampe und Gartenhaus, die einst Orangenplatz, dann Esplanade gewesen war, wurde Turn- und Fechtplatz und mit dem nötigen Geräten bestellt, die Kanalwiesen wurden Schießbahn. Der breite Rasenplatz im Irrgarten schien geeignet für Marsch- und Paradeübungen; deshalb wurde das Luisendenkmal nach Osten verschoben. Nun sprosste auf dem Boden des Exerzierplatzes, der mehrfach aufgefüllt wurde, nur noch während der Manöverübungen ein wenig Unkraut von unbesieglicher Lebenskraft. Aber die Übungen lockten Alt und Jung an, und wieder spielten Kinder im Irrgarten, in dessen Südostecke unter den Kastanien ein rechteckiger Platz angelegt war, und Erwachsene suchten ihn ebenso gern auf. Dann wurden an der Südostecke zwei einfache Holzbrücken gebaut, die über den Irrgarten die Seufzerallee mit der Theaterstraße verbanden.


Hildburghausen – Partie am Irrgarten
Die Verlandung des Kanals stellte an der Ostseite des Kanals am Neuem Technikum zu allen Zeiten ein Problem dar, das nur mit dem Ausheben des Schlamms des gesamten Kanals gelöst werden konnte.
Verlag Reinicke & Rubin, Magdeburg, 1906


Neues Technikum
An der Südseite des Schlossparks (östlich und westlich) befanden sich zu unterschiedlichen Zeiten mehr oder weniger aufwändig gestaltete Holzbauten für das Wassergeflügel.
Kolorierte Ansichtskarte von Trinks & Co. G.m.b.H., Leipzig. Um 1910, postalisch 1920 gelaufen.


Blick von der „Sachsenburg“, heute Sitz der Stadtverwaltung, auf das Neue Technikum (Maschinenbau- und Elektrotechnikerschule) und den Schlosspark mit dem Kanal.
Kolorierte Ansichtskarte Verlag Ottmar Zieher, München, um 1904 (postalisch nicht gelaufen)
 
 

Der Kanal war immer mehr verlandet, nur noch die Westseite hatte sich in alter Breite erhalten; an den anderen Seiten floss ein schmaler Bach träge dahin. Eine üppige Sumpfflora entschädigte das Auge für die störenden Unannehmlichkeiten. 1888 wurde der Kanal dadurch entlastet, dass die Kanalisation der Schlossgasse statt dahin bei der Herrschaftsmühle zur Werra geleitet wurde. Als er aber 1890 mit den Alleen und einigen Gärten in Stadtbesitz überging, machte es sich die Stadtverwaltung zur Aufgabe, dem Übel gründlich abzuhelfen. 1896 wurde das Kanalbett ausgehoben auf 13 m Sohle und 16 1/2 m Wasserspiegelbreite und erhielt bis zur Höhe abgeschrägte Böschung. An der Stelle des offenen Zuflusses wurde ein unterirdischer mit Schleuse gebaut, ebenso am Ablauf. Die alte Brücke beim Schloss wurde abgerissen und eine neue Eisenkonstruktion errichtet.

Am 22. September desselben Jahres wurde die Schleuse geöffnet, und der Kanal füllte sich mit klarem Wasser. Bald ertönten dort kräftige Ruderschläge, Boote und Doppelgrönländer konnten am neuen Bootshaus, das in der Nähe des einstigen erbaut war, gemietet werden, und von den stets besetzten Bänken der Seufzerallee schauten die Hildburghäuser diesem neuen Sport zu. Das Vergnügen dauerte aber nur kurze Zeit, denn bereits 1898 machte sich die Wasserpest breit, und wieder begann der Kampf um die Erhaltung des Kanals. Aber dem Schlittschuhlaufen, das 1819 dort verboten worden war, gab man sich nun gern hin und tut es noch heutigentags in jedem günstigen Winter.

Indessen hatte sich die Umgebung des Irrgartens bedeutend verändert. Im Ballhaus- und Gottesackergarten war eine neue Villenkolonie entstanden. Im Gartenhaus, das in Privatbesitz übergegangen war, waren im Orangenraum, der später der Schlossbibliothek und endlich dem Katasteramt eingeräumt werden war, durch Einziehen einer Decke zwei Stockwerke entstanden; die abfallende Grasfläche davor wurde aufgeschüttet und eingeebnet. Der Absatzgarten war aufgeteilt und an die Hausanlieger verkauft worden. So blieb der Irrgarten, der seit langem als Wiese verpachtete Tiergarten, der schon 1806 Kanalwiese genannt wurde, und die Kastanienallee mit Rampe allein übrig von der einstigen großartigen Anlage.


Die Helenenstraße 1906. Sie wurde nach Einweihung des Neuen Technikums 1896, nach der Freifrau von Heldburg (Schauspielerin Ellen Franz [1839 – 1923]) benannt. Der regierende Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen war mit ihr in dritter Ehe verheiratet (morganistische Ehe). Der Platz vor dem Stadttheater wurde „Helenenplatz“ benannt.
Verlag Reinicke & Rubin, Magdeburg, ungelaufene Ansichtskarte
  

Seitdem jene gründliche Arbeit am Kanal vollendet war, führte nur noch eine Brücke auf die Insel. Mancher Selbstversorger bedauerte das, weil er den Abkürzungsweg durch den Irrgarten nicht mehr benützen konnte, um in seinen Krautacker zu gelangen. Aber die Vogelliebhaber erfreuten sich an dem Nisteifer der Vögel und dem immer schöner werdenden Konzert der gefiederten Sänger im geschützten Irrgarten, der nicht länger ein gefährliches Stelldichein für sämtliche Katzen aus der östlichen Nachbarschaft war. Als aber 1911 Frau Kommerzienrat Nonne zum Gedächtnis ihres verstorbenen Gatten eine Brücke stiftete, wurde dieses Geschenk doch freudig und dankbar angenommen. Sie wurde in Beton ausgeführt, im Süden in der Nähe der ersten Ostbrücke aufgerichtet.



Die als Denk- und Mahnmal erbaute Gedächtnisbrücke am Technikum Hildburghausen.


 Lothar Franzke („Malerix“), Coburg, einer der führenden Mitglieder der Ingenieurverbindung HILDBURGIA, forschte zur Geschichte des Technikums Hildburghausen und zu den Studentenverbindungen. Er leistete damit Außerordentliches zur Geschichte der Stadt Hildburghausen. 2003 verausgabte er im Eigenverlag der Ingenieurverbindung HILDBURGIA eine umfassende Broschur „75 Jahre Gedächtnisbrücke am Technikum Hildburghausen“.
Pfingsten 1928 wurde die Gedächtnisbrücke gegenüber dem Neuen Technikum als Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Studenten und Dozenten feierlich geweiht.


 Die Gedächtnisbrücke zwischen Technikum in der Helenenstraße und dem Schlosspark. Der Brückenkopf der Technikumseite ist das Denkmal, der Brückenkopf des Schlossparks das Mahnmal.
Die Architektur und die Geschichte der Gedächtnisbrücke wird auf dieser Homepage in einem umfassenden Kapitel dargestellt. Es sei darauf hingewiesen, dass die heutigen Reliefs, Inschriften und Symbole nicht in jedem Fall dem Original entsprechen, da sie den Ideologien des Nationalsozialismus und des real existierenden Sozialismus in der DDR teils widersprachen. Zu welcher Zeit welche Änderungen vorgenommen wurden, ist heute nicht in jedem Falle nachvollziehbar. 
 

Nachdem 1914 der Weltkrieg ausgebrochen war, verödeten die Militärübungsplätze, bis dort die Jugend sich zu Turnen Sport und Spiel einfand, weil die Turnhallen als Lazarette belegt waren. Daraus leitete man schließlich ein Unrecht ab und strebte sogar danach, den ganzen Irrgarten in einen Sportplatz umzuwandeln, nicht bedenkend, dass es der Jugend weniger schwer wird, einen etwas entlegenen Platz zu erreichen, als dem Alter und dass, wenn Hildburghausen Sommerfrische oder Luftkurort werden will, es seinen Gästen auch einen angenehmen Aufenthalt innerhalb der Stadt bieten muss. Das war durch den alten Park viel leichter zu erreichen, als durch neue Anlagen. Das Knallen der Fuß- und Faustbälle und die Begeisterungsäußerungen der Sportler aber, die vom Morgen bis zum Abend bis in die entlegensten Teile des Irrgartens dröhnten, machten den Aufenthalt dort nicht immer angenehm.


Kriegerdenkmal der 95er 1914/1918, das zu DDR-Zeiten geschleift wurde.




Noch störender wurde das, als der Park, der schon zwei Erinnerungszeichen Platz gewährt hatte, durch Errichtung des 95er Denkmals ein Ort stiller Beschaulichkeit und wehmütigen Gedenkens für viele werden sollte. Nach langen Besprechungen hatte sich der Verband ehemaliger 95er für den kleinen Hügel in der Südostecke des Irrgartens entschieden, unter dem die Überreste des Teils verbrannten, teils eingestürzten „Marmorbades“ ruhten. In treuer Aufopferung leisteten die Kameraden der Gefallenen nach vollbrachtem Tagewerk die Vorarbeiten zum Denkmalbau, türmten den neuen Hügel und bahnten die umgelegten Wege. Dann errichtete Bildhauer Borzel nach dem Entwurf Blechschmidts das stimmungsvolle rote Sandsteindenkmal, das eine abgestumpfte, mit ruhendem Adler gekrönte Säule darstellt und Reliefs und Innenschriften an den Seiten trägt.  Am 29. August 1924 konnte diese Erinnerungsstätte in Gegenwart einer großen Zahl Angehöriger und Befreundeter der mehr als tausend für Heimat und Vaterland Gefallenen geweiht werden. Nun haben sich die 95er wieder einen Platz geschaffen, der ihnen aus ihrer Dienstzeit vertraut ist und Treffpunkt bleiben soll. Am 7. Juli 1928 fand gelegentlich des Regimentsappells Feldgottesdienst und Fahnenweihe im Irrgarten statt; zwar nicht am Denkmal selbst, aber unter der großen Eiche am einstigen Exerzierplatz sammelte sich die ernste Schar der Tausende zu weihevoller Gedenkstunde und ebenso am 22. August 1937.

Dort unter der Eiche war auch am 18. Juni 1921 eine Gedächtnisfeier für Carl Maria von Weber gehalten worden, der insofern für die Geschichte Hildburghausens eine Bedeutung hat, als er in unserer Stadt systematisch die erste Grundlage für die spätere hohe Entwicklung seinen musikalischen Könnens erhielt. Wie einst die alten Germanen sich unter ehrwürdigen Bäumen zu ernster Weihestunde sammelten, so tun es hier ihre Nachkommen in unserer Zeit.


Projekt des staatlichen Garteninspektors Otto Sckell 1927.

Unterdessen hatte man sich auch an höherer Stelle des nunmehr Staatlich Thüringischen Irrgartens erinnert und wollte ihm wieder ein seiner einstigen Bedeutung entsprechend würdiges Aussehen geben. Nach dem beigegebenen Projekt (Abb.4) des staatlichen Garteninspektors Otto Sckell in Weimar wurde der recht verwahrloste Park in einzelnen Teilen umgearbeitet. Nachdem 1927 im Frühjahr das ganze Sportplatzgebiet umgeackert und wieder urbar gemacht war, wurden unter seiner Anleitung Wege angelegt und Koniferengruppen dort gepflanzt. Doch konnte aus Geldmangel der Plan noch nicht völlig ausgeführt werden, wie ihn das Bild zeigt. Bald bedeckte sich der länger als ein halbes Jahrhundert kahl gewesene Platz unter der pflegenden Hand eines Heßberger Gärtners mit einer grünen Rasendecke. Die zwei Eichen rechts und links und die etwas zurückgetretenen gemischten Baum- und Strauchgruppen, aus denen das Luisendenkmal hervorleuchtet, geben eine schöne Umrahmung dazu. Die Trauereschen am Eingang aber mit ihren breit ausladenden Ästen und tief hängenden Zweigen sind eine stimmungsvolle Einführung in den Gedächtnispark, zu dem sich der Irrgarten immer mehr umgestaltet.


Die Helenenstraße im Jahr 1928, als die Gedächtnisbrücke geweiht wurde.


Denn auch die Lehrer und Schüler des Technikums und ihre Alten Herren haben ihn gewählt, um ihren gefallenen Brüdern ein Ehrenmal zu setzen. Das ist die Gedächtnisbrücke an der Ostseite des Technikums gegenüber, die am ersten Pfingstfeiertage geweiht und dem Schutz der Stadt übergeben worden ist. Sie weist mit ihrem reichen Bildwerk auf ihre Bestimmung hin und überspannte, ein im Sommer mit Blumen geschmückter Bogen, den Kanal, das schöne Spiegelbild der Kirche durchschneidend. 

Nun hat der Irrgarten wieder zwei Zugänge, und die Möglichkeit, mit einem Spaziergang auf der Seufzerallee, Charlotten- und Helenenstraße – alles Namen jener entschwundenen Zeit – auch einen Bummel durch den Irrgarten zu verbinden, ist gegeben. Schon wird der alte Lustpark wieder lieber aufgesucht, und wenn erst die anderen Verbesserungen an Wegführung und teils überaltertem Baum- und Buschbestand vollendet sind, dann kann Hildburghausen von neuem Stolz sein auf eine Parkanlage, wie sie nicht jede Stadt in ihrer Größe und wirtschaftlichen Bedeutung aufzuweisen hat.

Auf dem Kanal schwimmen stolze Schwäne und flinke Enten mit ihrem Nachwuchs. Am Ufer des Irrgartens wurden niedliche Häuschen aufgestellt, die dem Geflügel Nist- und Aufenthaltsort sein sollen. Aber die Kahnfahrt ist noch nicht wieder entstanden.

Auch die neueste Zeit hat den alten Irrgarten nicht entbehren können. Nachdem man sich zuvor bemüht hatte, durch die Promenadenkonzerte die Bewohner Stadt dorthin zu rufen, begnügte man sich in den letzten Jahren nicht mehr damit. […] .

Manche andere Feierstunde findet statt, wo einst unsere 95er ihre Paraden bei hohen politischen Festen abgehalten haben. Er ist somit voll zu seinem Recht und seiner Bestimmung gekommen. […].

So ist also der Irrgarten ein Bild für die Geschichte von Hildburghausen während der letzten Jahrhunderte. Die beiden Eichen haben vielleicht schon am linken Ufer der Werra gestanden, als sie ihre Fluten noch etwa diagonal durch das Rechteck wälzte; die Gestalt und die Umgrenzung von Kanal und Randalleen  sind die Überreste der Uranlage zu Beginn der Hofzeit, die Wegführung und die Bepflanzung aber ein Beweis für die Sehnsucht nach unverfälschter Natur zum Schluss derselben. Endlich erzählen die Denkmäler mancherlei: das älteste vom frohen Aufenthalt der Königin Luise in Hildburghausen während der Hofzeit; die Nonnebrücke vom stillen Wirken des letzten Gliedes einer Familie , deren Name über ein Jahrhundert im Wirtschafts- und Geistesleben einen hellen Klang weit über die Grenzen von Stadt und Land hinaus gehabt hat; das 95er Ehrenmal von der ehemaligen Garnison und schwerer Zeit für Reich und Ort und die Gedächtnisbrücke vom Aufblühen des Technikums nach der Notzeit, in die Hildburghausen durch die Übersiedlung des Meyerschen Bibliographischen Institut nach Leipzig gekommen war.


Ab Mitte der fünfziger Jahre herrschte auf dem Kanal ein reger Bootsbetrieb. Die Stadt unterhielt einen Gondelbetrieb. Zudem hatte die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) dort einen Kutter des Typs K 10 für die Seesportausbildung von Jugendlichen stationiert. Der Buchhändler Max Dinkler baute die Gruppe auf und leitete ab Ende der fünfziger Jahre die Ausbildung.
Fotograf: Rudolf Meffert, provisorische handkopierte Postkarte, ungelaufen  

Möge sich auch nun Freude und Interesse der Hildburghäuser an ihren schönen Park ständig vermehren, dann wird er das werden, wozu die Vorbedingungen gegeben sind: ein freundlicher Ort zu Ruhe und Erholung, zur Befreiung von des Tages kleinlicher Last und Mühe und zur Erhebung durch Natur uns Gedächtnis an große Menschen und Zeiten.

Benutztes Material

  1. Akten des Thüringer Staatarchivs.
  2. Pläne:

              von Biler 1682.

               von Homan 1724 – 46.

               vom Brand der Stadt Hildburghausen 1779.

               von Schick 1811.

von der Landesaufnahme 1880.

               von Sckell 1926.

  1.  Bilder:

von Homan 1724 – 46.

von 1760.

von Keßler etwa 1830.

von Röhrig etwa 1840.

von Kleist etwa 1813 – 20.

Andere unbezeichnete aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

  1. Sachsen-Coburgische Historia von Paul Hönn 1700.
  2. Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen von August Schumann 1814.
  3. Chronik von Hildburghausen von Dr. Human 1886 und 1908.
  4. Die Herzoge von Sachsen-Altenburg ehemals von Hildburghausen von Heinrich Ferdinand Schoeppl 1917. 

Anmerkung

Der Textbeitrag wurde der neuen Rechtschreibung weitestgehend angepasst. Quellen wurden im Original zitiert.
Aus: Fischer, L. M.: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 1938 (Band 2).

In: Jahrbücher 1937 und 1938 des HFGV, Bände 1 und 2 (Reprint 2001). Herausgeber: Hennebergisch-Fränkischer Geschichtsverein Kloster Veßra, Meiningen/Münnerstadt und  Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen (Hans-Jürgen Salier), S. 89 ff.

Der Aufsatz von Marie L. M. Fischer wurde durch Bildmaterial aus den Sammlungen von Sabine Rühle v. Lilienstern, Ines Schwamm und Hans-Jürgen Salier ergänzt.

Lernen ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, gefährlich.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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