Eine Seite für Hildburghausen

Deutsche Demokratische Republik


1949 – 1990


6. November 1949

Das Geläut (drei Glocken) der Marisfelder Kirche „St. Mauritius“ ist zur Kirchweih wieder hörbar. Trotz Zuführung zur Kriegswirtschaft des Dritten Reiches werden die Glocken nicht vernichtet.

Herbst 1949
Ein Bürger aus Adelhausen entdeckt auf dem Hamburger „Glockenfriedhof“ die 1764 in Coburg gegossene große Glocke seiner heimatlichen Kirche. Die für die Kriegswirtschaft bestimmte Glocke ist zurückgeführt worden und bei einer „Glocken-Wiedereinbringungsfeier“ im altehrwürdigen Gotteshaus geweiht worden.

1950
In Heldburg gibt man den Menschen des katholischen Bekenntnisses die Möglichkeit, ihre Gottesdienste in der Gottesackerkirche St. Leonhard zu feiern. Wenig später pachtet die Kirchengemeinde das Haus am Schuhmarkt 138, das spätere Pfarrhaus. Hinter dem Marktplatz ist dann eine kleine Kapelle mit 60 Sitzplätzen eingerichtet worden.


1950
In Gießübel wird oberhalb der Kirche das „Martin-Luther-Haus“ für die Kirchgemeinde erbaut, das auch als Winterkirche genutzt wird.

1950

Vier Gussstahlglocken kommen für die zu Kriegszwecken abgelieferten Bronzeglocken in das Geläut der „St.-Marien-Kirche“ in Roth, sie tragen die Inschriften „Frieden“, „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“.
Auch die Glocken des Geläuts der „St.-Marien-Kirche“, heute zum Kirchspiel Bedheim gehörend, haben eine ähnliche Vergangenheit, auch wenn sie zu den historisch ältesten gehört haben. Die kleinere Bronzeglocke von 1484 (74 Zentimeter im Durchmesser) wird im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Die 1920 aus Gussstahl ergänzte erhält die Aufschrift „1920 – IN EISERNER ZEIT DEM FRIEDEN GEWEIHT“. Der Frieden hat nicht lange gehalten, die größere Glocke aus der Zeit um 1500 und mit 89 Zentimeter im Durchmesser wird 1942 abgeliefert. Auf der neu gegossenen steht: 1942 IM KRIEGE ABGELIEFERT; 1949 GESPRUNGEN HEIMGEKEHRT, 1950 NEU GEGOSSEN.“

1950 – 1969

Rudolf Karl Ludwig Schumann ist Superintendent in Hildburghausen.

1950 – 1977
Ferdinand Carl ist Pfarrer für das gesamte Kirchspiel Hellingen, mit den Filialkirchen Poppenhausen und Käßlitz, wo er vorher tätig gewesen ist. Von 1978 bis 1986 ist Pfarrer Jürgen Fritsch, Rieth, Vakanzverwalter. Jürgen Fritsch ist Kreisrat im ersten Kreistag Hildburghausen nach 1990 für die SPD.

1950 – 1990

Bis zum Zusammenbruch der DDR liegt Bad Colberg wie alle Gemeinden des Heldburger Unterlands im Sperrgebiet.


Die Kurklinik
in Bad Colberg ist als Sanatorium für Mitarbeiter des Ministeriums des Innern der DDR genutzt worden. Im Jahr 1974 ist eine magnesiumhaltige Calcium-Sulfat-Thermalquelle in 920 Meter Tiefe erbohrt, anschließend ist eine Trinkhalle sowie ein Schwimmbad erbaut worden. 1976/77 folgt der Bau einer Sporthalle, 1978/79 die Fertigstellung zweier Wohnhäuser für das Personal sowie ein Einfamilienhaus für den leitenden Arzt. Ab 1984 trägt das Sanatorium des Ministeriums des Innern den Namen „Dr. Kurt Fischer“.
Der Kommunist Fischer (1900 – 1950) ist Mitglied der KPD und KPdSU, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Auslandsspion des sowjetischen Geheimdienstes GRU, in China ist er zeitweise militärischer Berater von Mao Zedong. In der SBZ wird er u. a. sächsischer Innenminister und nach Gründung der DDR Chef der Deutschen Volkspolizei. Er wird mit dem frühen Tod des ehemaligen Dresdner Oberbürgermeisters und Ministerpräsidenten Sachsens, dem ehemaligen Sozialdemokraten Rudolf Friedrich (1892 – 1947), in Zusammenhang gebracht. Untersuchungen haben bislang keine eindeutigen Ergebnisse gebracht. Dr. h.c. Kurt Fischer ist 1950 bei einem Kuraufenthalt in Bad Colberg im Alter von fünfzig Jahren verstorben.

1951
Der heute etwa 100 Einwohner zählende Ort Einsiedel (1974/75 Eingemeindung nach Heubach, heute zu Masserberg gehörend) erhält die Genehmigung, den von Georg II. Herzog von Sachsen-Meiningen 1906/07 gestifteten hölzernen Glockenturm im norwegischen Stil einzulegen und eine kleine Bergkapelle zu errichten. Dabei ist der Glockenturm nachgebaut worden, und neben der alten Glocke hängt dort inzwischen eine zweite in Eisen. Das gepflegte Bauwerk, das inzwischen von einem Verein betreut wird, ist eine Zierde der Region geworden, aber auch ein Ort der Ruhe und für Wanderer und Spaziergänger zur Besinnung.

Die „Bergkapelle“ in Einsiedel
Foto: Bernhard Großmann, 2005

 

24. Januar 1952
Die Christliche Studentenverbindung CStV UNITAS Hildburghausen zu Wuppertal wird gegründet. Die UNITAS besteht seit 1899 am Technikum in Hildburghausen und hat seit 1952 seinen Sitz in Wuppertal. Der Wahlspruch lautet: „In Treue fest!“, die drei Prinzipien „Religio“ (Religion), „Scientia“ (Wissenschaft), „Amicitia“ (Freundschaft).

Juli 1952
Die katholische Kirchengemeinde Hildburghausen erwirbt im Tausch von Familie Schüerholz das Gebäude in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 16, der einstigen Schloßgasse, das spätere Caritas-Heim. Das Haus steht unmittelbar auf dem Grund eines vorreformatorischen Pfarrhauses westlich der Christuskirche an der Stadtmauer bzw. oberhalb des einstigen Abhangs. Zur Residenzzeit ist es als Gästehaus des Schlosses erbaut worden.


Mitte 1952
In Eisfeld kommt es zu Verhandlungen mit staatlichen Stellen der DDR wegen eines Kirchenneubaus für eine katholische Kirche, weil die baufällige Notkirche kaum noch mehr genutzt werden kann. Der Kirchenneubau beginnt acht Jahre später am 29.03.1960.

31. Oktober 1952

Zum Reformationsfest wird Richard Braungardt (1922 – 2000), der spätere Kirchenmusikdirektor, in sein Amt als Kantor der Stadtkantorei Hildburghausen eingeführt. Der Kirchenmusiker ist gleichzeitig als Musiklehrer an der Geschwister-Scholl-Oberschule tätig und leitet den Jugendchor. Die beiden Kirchenmusiker Arthur Hilpert und Wilhelm Steufefeld werden in den Ruhestand verabschiedet. Mit der Gründung der Stadtkantorei, hervorgegangen aus den Kirchenchören der Stadt, entwickelt sich in den folgenden Jahrzehnten ein leistungsfähiger Klangkörper. Nach Braungardts Flucht im Januar 1961 in die Bundesrepublik wird der spätere Kirchenmusikdirektor Volker Koch auf Empfehlung von Prof. Rudolf Mauersberger, Dresden, nach Hildburghausen berufen. Die Stadtkantorei gestaltet die Gottesdienste aus, gibt A-capella-Konzerte, widmet sich der geistlichen Musik sowie dem Volkslied und dem Madrigal, Glanzpunkte des Schaffens sind die Aufführungen von Oratorien.

1953

Nach den wichtigsten Sicherungsarbeiten der Christuskirche in Hildburghausen nimmt Landesbischof D. Dr. Moritz Mitzenheim die Weihe vor.
Die Christus- und Apostelkirchgemeinden werden vereint. Seit den dreißiger Jahren wird die Vereinigung bereits diskutiert.

Herbst 1954

Wegen der 1952 gegründeten militärisch gesicherten Sperrzone bekommt Kaplan Alfred Viering keinen Zuzug in Eisfeld.

1954
Das Glockengeläut der Kirche „St. Cyriakus“ in Gellershausen ist im Laufe der Zeit ersetzt worden, weil Glocken gesprungen sind oder man sie für die Rüstung eingezogen hat.

April/Mai 1955

In der DDR werden die ersten Jugendweihen durchgeführt.

Die Jugendweihe zur Unterstützung der kommunistischen Erziehung der Schuljugend der DDR (vorwiegend 8. Klasse) wird eingeführt. Die SED knüpft, wie sie selbst argumentiert, an die Traditionen der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung an (besonders in der Weimarer Republik von der SPD gepflegt), die die Jugendweihe als Gegenstück zur evangelischen Konfirmation und der katholischen Kommunion entwickelt hat. Ab 1958 wird die Jugendweihe durch die eingesetzten Maßnahmen der Regierung von Walter Ulbricht quasi zur Zwangsveranstaltung. Zwischen Staat und Kirche bahnt sich damit ein unversöhnlicher Kampf an. Jugendliche und deren Eltern, die die Jugendweihe ablehnen, werden teils in ihrer Entwicklung eingeschränkt, z. B. vom Besuch der Erweiterten Oberschule ausgeschlossen.


1955
In der Kirche „St. Peter und Paul“ in Gerhardtsgereuth werden umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen. So wird der Triumphbogen zugemauert, und der dahinter liegende Raum wird als Gemeinderaum ausgebaut, der zugleich als Winterkirche genutzt wird. Die Kanzel mit ihrem kelchähnlichen Fuß wird wieder an der Südseite vor dem Triumphbogen drei Stufen höher freistehend platziert. 


Der Blick zu Triumphbogen, Altar und Kanzel vermittelt in der sanierten Kirche
Peter und Paul“ in Gerhardtsgereuth einen lichten Eindruck.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

22. Oktober 1955
Auf dem Friedhof Hinternah wird die neue Trauerhalle von Pfarrer Sins geweiht.

1956

Landesbischof Dr. Moritz Mitzenheim weiht in Leimrieth zwei neue Glocken. 
Es handelt sich um zwei Gussstahlglocken als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Bronzeglocken.

19. Dezember 1956
Per Dekret wird per 01.01.1957 die katholische Seelsorgestelle Eisfeld zu einer Pfarrei erhoben. Kuratos Hugo Popp wird Pfarrer von St. Elisabeth in Eisfeld. Die Kuratie Schalkau wird nach Eisfeld eingegliedert (Kaplan Georg Klingborn, der im August 1958 zum Kuratus von Schalkau ernannt wird), am 16.03.1966 kommt sie in die Pfarrei Sonneberg. Pfarrer Karl Hoffmann versieht vom 01.05.1957 – 14.07.1965 in Eisfeld seinen Dienst.

19. Mai 1957
Die selbstständige Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hildburghausen-Eisfeld (40 und 38 Mitglieder) und Ehrenberg als Station wird gegründet.


15. Juli 1957

Eröffnung des Caritas Altenheimes „St. Laurentius“. Alte und Gebrechliche werden von den Barmherzigen Schwestern betreut.

Juli 1957

Die Bezirksleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands protestiert wegen des Verfalls historisch wertvoller Bausubstanz im Kloster Veßra. 1963 beginnen einige denkmalpflegerische Sicherungsarbeiten an der Kirche.

1957

Die volkstümlich benannte „Preußenempore“ in der Lengfelder Kirche wird wieder entfernt und das Spitzbogenfenster restauriert. Ein farbiges Glasfenster zeigt das Bild des auferstandenen Jesus, als Zeichen der Königsherrschaft ist über ihm eine Krone dargestellt. Der Taufstein stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

1958

Die Kirchgemeinde Schönbrunn verkauft wegen Geldnot das kulturgeschichtlich wertvolle Predigt- und Epistelpult mit einem integrierten Taufbecken aus der Rokokozeit an die Kirchgemeinde Hildburghausen. Es steht heute in der Christuskirche.

1958

Oberkirchenrat Köhler nimmt nach Innenausmalung die Einweihung der Christuskirche in Hildburghausen vor.

1958

In der „Friedenskirche“ in Veilsdorf wird die Aufschrift „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33) angebracht. Die Friedhofskirche dient vorwiegend als Andachtsraum bei Trauerfeiern. Hier wird auch der Gefallenen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts gedacht.

Kirche „St. Veit“ – „Friedenskirche“ in Veilsdorf.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

21. Oktober 1958
Die Einreise des Bischofs Josef Stangl (1907 – 1979) zur Firmspendung u. a. nach Hildburghausen und Eisfeld wird von den DDR-Organen nicht genehmigt. In Vertretung kommt der Magdeburger Weihbischof Dr. Friedrich Maria Rintelen.
Nachdem ab 1958 kein Bischof aus der Bundesrepublik Deutschland in die DDR einreisen darf, wird mit dem Dekret vom 14.10.1959 des Würzburger Bischofs J. Stangl ein Generalvikar für den südthüringischen Teil der Diözese Würzburg in Meiningen ernannt.

1959

In der „St.-Marien-Kirche“ in Simmershausen sind Veränderungen im Kirchenschiff vorgenommen worden, so der Einbau eines Gemeinderaumes als Winterkirche unter der Orgelempore. 1971 ist es zur Neubeschieferung des Kirchturms gekommen.

Ende 50er Jahre

In der Schweickershäuser Kirche wird an Stelle des einstigen „Herrenstandes“, also dem Kirchensitz der Adeligen, eine „Winterkirche“ eingerichtet, d. h., es wird ein Raum geschaffen, in dem auch im Winter Gottesdienst gehalten werden kann. Das hat sich notwendig gemacht, da es im SED-Regime untersagt ist, in einem öffentlichen Gebäude kirchliche Veranstaltungen abzuhalten (Christenlehre, Konfirmandenunterricht o. ä.). 1972 wird in die Winterkirche eine Gasheizung eingebaut.



Die wiederaufgebaute St.-Andreas-Kirche in Ummerstadt.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1960
Die katholische Gemeinde Schleusingen richtet in der Neumarkstraße 12 eine Kirche ein.

1960
Eine der großen Renovierungen der „Kreuzkirche“ in Schleusingen geschieht, auch wenn überhaupt viele Dinge in den Jahren 1937/38 und nach dem Krieg auf den Weg gebracht worden sind.
Pfarrer i. R. Martin Hoffmann, Schleusingen-Waldau, schreibt dazu 2005 im Band “Die Kirchen im Landkreis Hildburghausen“:
Während die südlich gelegene Längswand im unteren Bereich sechs Kreisfenster besitzt, wobei das vordere 1960 zugemauert wurde, enthält die nördlich am Friedhofsweg gelegene Längswand infolge der dort befindlichen Seiteneingangstür nur fünf Kreisfenster. Bei diesen Rundfenstern handelt es sich überwiegend um eine Farbglasgestaltung aus den 1937/38 mit Motiven sowie alt- und neutestamentlichen Bibelworten, die auf die Kindersegnung Jesu hinweisen sowie zwei moderne Bleiglasausführungen ehemals zerstörter Fenster bilden dabei eine Ausnahme.
Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgten mehrere Umbauten an der Kirche, besonders in deren Innenbereich. So wurde erst in jenem letzten Jahrzehnt ein Altarraum mit den Maßen 6 Meter Breite und 3,5 Meter Tiefe bzw. Länge an das Kirchenschiff angebaut, wobei die in der ehemaligen Ostwand vorhandenen Fenster verschwanden oder bis heute von außen erkennbar zugemauert wurden. Die in dem Altarraum neu entstandenen drei Spitzfenster im Osten enthalten mit einer bleiverglasten Farbgestaltung der Firma Didden & Busch, Berlin 1894, Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Jesu und sind allesamt Stiftungen Schleusinger Familien. Der Sockelbereich des kleinen Altarraums, in dessen Mitte ein Steinaltar steht, ist an den drei Seiten vollständig mit Epitaphien ausgekleidet. An der Nordseite führt eine Tür in die ebenfalls später angebaute kleine Sakristei. Insgesamt befinden sich im Kirchenraum 16 Epitaphien. Im Eingangsbereich enthält der Steinfußboden drei Grabplatten mit Kreuzen. Auch an der Außenwand der Nordseite am Weg zum Friedhof sind noch drei verwitterte Epitaphien zu sehen.
Das bei den umfassenden Renovierungsarbeiten in den Jahren 1937/38 entfernte vordere Seitengestühl fand erst 1953 in der Chorkapelle der St.-Johannis-Kirche Verwendung. Auf den bis 1937 vorhandenen Mittelgang wurde durch Zusammenrücken der rechten und linken Bankreihen verzichtet. Der vormals südlich zwischen Altarraum und Kirchenschiff über eine Treppe erreichbare erhöhte Kanzel fand als Pultkanzel, auf dem früheren Schalldeckel stehend, gegenüber an der nördlichen Seite ihren heutigen Platz.
Die Ende des 19. Jahrhunderts erneuerten Emporen werden samt der Kasten-Balken-Decke des Kirchenschiffes von je fünf schlanken rechteckigen Holzsäulen gestützt. Die gesamte Holzausstattung einschließlich des Gestühls ist derzeit farblich in verschiedenen Grautönen gehalten, lediglich die mit vielen runden Säulen durchbrochene Emporenbrüstung zeigt noch andere farbliche Nuancen. […] Bei der letzten größeren Innenrenovierung im Jahre 1960 wurde das Kruzifix mit dem vermutlich ebenfalls aus der Einfirstkirche stammenden lebensgroßen Korpus im spitzbogigen Übergang von Kirchenschiff und Altarraum an Ketten hängend angebracht und zieht den Blick des in die Kirche kommenden Betrachters auf sich. Zugleich schuf die Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher (1913 – 2000) aus Greiz eine lebensgroße Frauengestalt, gehauen aus einem Zypressenstamm. „Die getröstete Wartende“, mit verhärmten Zügen im Gesicht und den Blick auf Christus gerichtet, bildet zusammen mit letzten Worten eines Widerstandskämpfers auf einem Gobelin sowie einer Vitrine mit zwei Büchern, die die Namen von Opfern beider Kriege enthalten, eine Mahn- und Gedächtnisstätte im vorderen rechten Kirchenraum. Die bis dahin an den Seitenwänden angebrachten riesigen Gefallenentafeln aus Eichenholz wurden durch diese künstlerische Gestaltung ersetzt …

St.-Johannis-Kirche Schleusingen“, 2005

Im Zusammenhang mit der Herausgabe des Buches „Die Kirchen des Landkreises Hildburghausen“ im Jahr 2005 ist im Schuljahr 2004/05 an den Schulen des Landkreises Hildburghausen ein Zeichen- und Malwettbewerb organisiert worden, der von Marianne Didschuneit, Fachlehrerin für Kunst am Hennebergischen Gymnasium „Georg Ernst“, angeleitet worden ist. In drei Altersklassen sind die besten „jungen“ Künstler ermittelt worden, in der Gruppe „5. bis 9. Klasse“ hat Susann Wohlmann aus Schleusingen den Wettbewerb mit ihrer Arbeit “St.-Johannis-Kirche Schleusingen“ gewonnen. Ihr Bild ist in dem Ausstattungsband gedruckt worden.

9. Oktober 1960
Die Pfarrkirche „St. Elisabeth“ in Eisfeld wird von Weihbischof Dr. Rintelen aus Magdeburg geweiht.
Der Flachbau ist zwanzig Meter lang und acht Meter breit. Über dem Haupteingang ist ein großes vergoldetes Kreuz auf weinrotem Untergrund. Links daneben ist die heilige Elisabeth von Thüringen, die einstige Landgräfin (1207 – 1231, Namenstag: 19. November) zu sehen, die in der Hand drei Kronen trägt, sie hat in ihrem Leben die dreifache Krone der Heiligkeit im Jungfrauen, im Ehe- und Witwenstand getragen. Darunter befindet sich ein Rosenstock, der von den Feierlichkeiten zur Gründung des Bistums Erfurt am 18. September 1994 nach Eisfeld gebracht worden ist. Der Rosenstock soll aber auch an das „Rosenwunder“ erinnern, das Sinnbild der Nächstenliebe. Elisabeth wird auch im Protestantismus verehrt.

Katholische Kirche „St. Elisabeth“ in Eisfeld

1961
Kulturhistorisch bedeutsam ist die Entdeckung der Wand- und Deckenfresken des Kreuzrippengewölbes aus der Zeit der Spätrenaissance in der Kirche „St. Johannes der Täufer“ und „St. Blasius“ in Wiedersbach. Es findet sich auch die Jahreszahl 1617. Die Fresken zeigen die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes einschließlich ihrer Symbole. Nördlich ist das heilige Abendmahl zu sehen, an der Ostwand Mose mit den Gebotstafeln und dem Stab und südlich Martin Luther und der Reformator Philipp Melanchthon. Vermutlich ist es beim Einbau der beiden Emporen der inzwischen teils beschädigten Gemälde 1720/21 zum Übermalen gekommen.
Besondere Anziehungspunkte der Kirche sind aber auch das attraktive Buntglasfenster mit dem Jesuskopf aus dem 19. Jahrhundert, der 1618 gesetzte Taufstein mit dem Kelchbecken oder die Kanzel neben dem Triumphbogen auf der Nordseite mit dem symbolisierten Palmenstamm.

1961 freigelegtes Deckenfresko der Kirche „St. Johannes der Täufer“ und
St. Blasius“ in Wiedersbach.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1962
Vor dem Kirchgemeindehaus in Fehrenbach wird ein heute verkleideter stählerner Glockenstuhl errichtet, in der die drei stählernen Glocken und die bronzene Glocke vom Dachtürmchen untergebracht sind und zum Gottesdienst und kirchlichen Anlässen läuten.

1962

Bei Renovierungsarbeiten der Waldauer Kirche werden im Altarraum der Vorgängerkirche (s. 1575) Fresken entdeckt, die neben Weihekreuzen, und Christus als Weltenrichter zeigen, die Apostel Andreas und Paulus sowie die Reste eines bildlichen Höllenrachens.

1962 – 1992

Heinz Richard Blümlein (* 1927) ist Pfarrer der evang.-luth. Kirche in Heldburg, das bis Ende 1989 Grenzsperrgebiet der DDR gewesen ist.

1962

In Schleusingerneundorf wird der Betsaal für etwa 40 Personen von der Evangelischen Kirchgemeinde erneuert und modernisiert. Die kleine Orgel mit einem Manual wird vom Orgelbaumeister Herbert Löbling, Erfurt, 1983 erbaut. Teile der vorherigen Orgel sind vom Orgelbaumeister Gustav Kühn, Schleusingen, 1964 in die neue Orgel in Altendambach eingebaut worden. – Der große Wandteppich hinter dem Altar zeigt mit sieben Sternen, sieben Leuchtern, vierundzwanzig Kronen und einer regenbogenfarbenen stilisierten Sonne biblische Symbolik aus der Offenbarung des Johannes. Der Teppich ist 1962 von den kirchlichen Werkstätten der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen in der Predigerkirche Erfurt gekauft worden.

Der Betsaal in Schleusingerneundorf mit Altar, Lesepult, Taufgestell und Orgel.
Im Hintergrund der Wandteppich mit Motiven aus der Offenbarung des Johannes.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1963
Am Friedhof Schlechtsart wird eine Leichenhalle erbaut. Die Staatsmacht der DDR untersagt das Anbringen eines Kreuzes.

1963 – 1964
In der Georg-Neumark-Straße 12 in Schleusingen befindet sich die katholische Filialgemeinde Schleusingen. Im Zeitraum wird das Haus als Kirche und Pfarrhaus umgebaut und am 4. Advent 1964 ist der Kapellenraum von Rat Paul Ute eingesegnet worden.
Die Weihe des Altars hat am 16. November 1966 Weihbischof Hugo Aufderbeck vorgenommen.
Mit der Namensgebung „Mariä Himmelfahrt“ bezieht sich auf die Geschichte und die Traditionen der Schleusinger Geschichte, wie sie in unsere Zeit überkommen sind.

Die Katholische Kirche „Mariä Himmelfahrt“ in Schleusingen mit dem Altar und dem Wandgemälde des Künstlers Dr. Georg Nawroth/Görlitz.

 

Der evangelische Pfarrer Joachim Neubert beschreibt in „Die Kirchen des Landkreises Hildburghausen“:
Die Kirche besteht aus zwei im rechten Winkel zueinander stehenden Räumen und umfasst den gesamten Bereich im Erdgeschoss des Hauses. Einer der Räume lässt sich durch eine Faltwand als Gemeinderaum abtrennen. Im äußeren Winkel an der Südwand steht, um zwei Stufen erhöht, der steinerne Altar. Dahinter befindet sich das im Jahr 1964 durch den Künstler Dr. Georg Nawroth aus Görlitz geschaffene Altarbild. Es handelt sich um ein Fresko, das auf den beiden Wänden im rechten Winkel aufeinander hin angeordnet ist. Das Bild an der Westwand der Kapelle zeigt die Gottesmutter Maria als Mondsichelmadonna (Offenbarung 12,1) mit Jesu auf ihrem Arm. Sie ist sozusagen als selbst Erlöste die, die an der Erlösung für das auf sie vom Paradiesesbaum her zuschreitende Gottesvolk mitwirkt. Der Weg führt durch Maria zu Jesus schließlich zum geöffneten Himmel des Vaters. Das andere Bild zeigt, wie Maria an diesem Heilsweg mitwirkt. Er führt von der Verkündigung und der Flucht zum Kreuzestod des Herrn. Damit erlangt Maria unter dem Kreuz die Würde geistiger Mutterschaft aller Erlösten – Signum magnum. Zwischen den Bildern befindet sich auf einem Marmorschaft das Tabernakel.
Der Kirchenraum ist relativ licht durch die schlichten z. T. farbigen Bleiglasfenster und bietet etwa siebzig Personen auf Stühlen bzw. Kirchenbänken Platz. Zum Inventar der Kirche gehören außer dem Altar weiterhi ein moderner Beichtstuhl im Eingangsbereich, ein hölzerner Ambo und die Orgel auf der Nordseite. Sie wurde im Jahr 1986 von Orgelbaumeister Herbert Löbling aus Erfurt erbaut.

1964
Die Bücherbestände in der Fürstenloge der Christuskirche werden gesichert und nach Sachgebieten geordnet. Darunter befinden sich Lutherausgaben des 16. und 17. sowie Inkunabeln aus dem 15. Jahrhundert.

1964
In das Geläut mit vier Glocken der Kirche in Sachsenbrunn kommt die kleinste, die „Kinderglocke“, die zum Kindergottesdienst läutet.
Alle Glocken sind nach den beiden Weltkriegen des Jahrhunderts wiederbeschafft worden, weil die Originalglocken für Kriegszwecke eingeschmolzen worden sind. Neu angeschafft hat man die große „Sonntagsglocke“ (1921), die zweite „Gebetsglocke“ (1960), die dritte „Taufglocke“ (1921).

7. Dezember 1964
Die erste Etage des Caritas Altenheimes „St. Laurentius“ in der Bachstraße in Hildburghausen wird als Pflegestation (6 Zimmer mit Teeküche, Bad und Toiletten) umgebaut und am 01.02.1965 mit 15 Pflegeplätzen eröffnet.

1964
Die Ingenieurverbindung HILDBURGIA zu Coburg wird 1964 am damaligen Staatlichen Polytechnikum Coburg (seit 2011: Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Coburg) gegründet. Der Name „Hildburgia“ geht auf den Gründungsverband, den „Verband ehemaliger Studierender Hildburghausens“ (VEStH), und die ehemalige Studienstätte Hildburghausen zurück. Studentisches Brauchtum und das studentische Zusammenleben werden gepflegt.




1964
In der Kirche in Altendambach wird die auf der nördlichen Empore befindliche Orgel von Orgelbaumeister Gustav Kühn aus Schleusingen in Neubau unter Verwendung von Teilen der Orgel aus Schleusingerneundorf errichtet.

Die Kirche in Altendambach.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

Januar 1965
Das spätgotische Dorfkirchlein in Billmuthausen wird im Auftrag der DDR-Behörden von der Firma Brachmann, Bad Colberg, bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen. – Zur Grenzsicherung der DDR ist das Dorf 1978 von den SED-Machthabern geschleift worden. Die letzte Familie muss am 01.09.1978 das Dorf verlassen. Am 04.12.1978 wird der Vollzug der „Grenzmaßnahme Billmuthausen“ an das Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR gemeldet, die Abrisskollektive werden prämiert.



Das historische Dorfkirchlein in Billmuthausen vor 1965

1965
Die Kirche Hinternah wird gründlich renoviert, dabei werden die Emporen entfernt (nach 1962), ausgenommen die Orgelempore. Die unbrauchbar gewordene Orgel wird durch eine neue von der Firma Gustav Kühn aus Schleusingen gefertigte ersetzt. Sie steht auf der Empore gegenüber dem Altarraum.

1965
Die neue Orgel in der „St.-Andreas-Kirche“ in Ummerstadt wird von der Gothaer Orgelbaufirma Böhm erbaut. In dieser Zeit kommt es zu sichtlichen Veränderungen durch Wiederherstellung und Anpassung an den ursprünglichen romanischen Baustil der 1945 zerstörten Kirche: Flachdecke des Kirchenhauses, Gesatltung der neuen Kanzel, die Aufstellung des neuen Taufsteins.

1965/66
An der ehemaligen Stiftskirche in Römhild werden Bauschäden beseitigt, zudem werden umfangreiche Restaurierungen vorgenommen. (s. auch 1865 – 1867)



Die ehemalige Stiftskirche „St. Marien und St. Johannis“ in Römhild.

Foto: Bernhard Großmann, 2005

Sechziger Jahre
Die Einwohner der Gemeinde Ehrenberg sichern in freiwilligen Arbeitseinsätzen die Ruine der Wallfahrtskirche „St. Ottilien“ und schaffen ein gepflegtes Umfeld. Die Kapelle ist ein beliebtes Spaziergangs- bzw. Wanderziel nahe der B 89 zwischen Hildburghausen und Themar.

Pfingsten 1967

In Hirschbach wird der 200. Jahrestag des Bestehens der Kirche gefeiert. Zuvor kommt es zu Renovierungsarbeiten. So ist eine Empore durch eine Holzwand vom Kirchenschiff abgetrennt worden, um einen heizbaren Raum als Winterkirche und für den Christenlehreunterricht zu gewinnen. Wertvolle barocke Teile eines Kanzelaltars mit Figuren und Zierwerk sind entfernt worden und lagern auf dem Kirchenboden. Sie warten auf eine sachgerechte künstlerische Einordnung, Restaurierung und eine entsprechende liturgische Würdigung für eine neue Bestimmung. 
 

Die Kirche an der B 247 zwischen Schleusingen und Suhl.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1967
Die Kriegsschäden an der Kirche in Schwarzbach, verursacht durch US-amerikanische Granattreffer, werden beseitigt. Es kommt zu einer grundlegenden Sanierung der Kirche, eine weitere erfolgt 1990.


Kirche in Schwarzbach.

Foto: Bernhard Großmann

1967/68
In die Katholische Kirche „Heilig Kreuz“ in Römhild wird die Kopie eines aus dem Jahr 1905 stammenden Werkes des berühmten fränkischen Holzschnitzers Tilman Riemenschneiders saniert. Es ist vermutlich von dem Würzburger Künstler M. Schiestl geschaffen worden. Von ihm stammen an der Ostseite die Hauptfiguren über dem Altar. Zu sehen sind der Gekreuzigte mit Maria und dem Jünger Johannes (19,25 ff.). Die beiden Altarflügel hängen an der Nordwand und zeigen die Geburt Christi, die Flucht, Grablegung sowie die Auferstehung. Auf der südlichen Triumphbogenwand befindet sich Maria und an der Nordwand Joseph mit dem Christuskind. Modern gestaltet sind der Kreuzweg an der Südseite sowie der Tabernakel an der nördlichen Wand des Triumphbogens. Er hat die Gestalt einer Sonne und enthält das Ewige Licht. Der Beichtstuhl, Altar und Ambo stammen aus jüngerer Zeit, die Orgel ist 1972 von den Gebrüdern Jehmlich aus Dresden erbaut worden.

1968 – 1972

In der Zeit wird die barocke Ausmalung der Kilian-Kirche in Bedheim fachgerecht vorgenommen, ebenso die verzierte Kanzel, die Emporen mit dem Adelsstand auf der Südseite und die holzgeschnitzten Figuren.

1969

Die Christuskirche Hildburghausen befindet sich in einem derart desolaten Zustand, dass der Gemeindekirchenrat – vor allem wegen fehlender finanzieller Mittel – in Erwägung zieht, das Gotteshaus als Kunstmagazin zu nutzen oder es zum Abriss freizugeben.

Woche vor Pfingsten 1969

Der erste ökumenische Gottesdienst Hildburghausens wird in der Apostelkirche gefeiert.

Juni 1969

Superintendent Schumann von Hildburghausen schreibt für die Leiterin der Diakonie der Superintendentur, Schwester Hertha Kölling, ein Zeugnis. Sie hat die Stelle 1946 mit aufgebaut und betreut. In dem Schreiben werden die wesentlichen Etappen der Entwicklung der Diakonie eindrucksvoll dargestellt.


Auszug aus dem Zeugnis

über die Arbeit der Kreisstelle Hildburghausen 1946 – 1969
1945, Im Jahre des Zusammenbruches nach dem 2. Weltkrieg, der so viele schwerste Erschütterungen über die Menschen gebracht hat, begann sie hier ihren Dienst zunächst als Gemeindeschwester im Zusammenwirken mit der Diakonisse Marie Knorr. Eine wichtige Aufgabe war es damals unter ihrer maßgeblichen Beteiligung die Schaffung und Einrichtung eines Feierabendheimes, wie es 1946 in der „Else-Köhler-Stiftung“ zustande kam … In Verbindung mit dem Caritasverband organisierte sie 1947 die beiden ersten Kinderspeisungen. 1948 konnten zusammen 320 Kinder für 6 Wochen gespeist werden. Eine Schumacherwerkstatt für Reparaturen wurde von ihr in unserem Ev. Gemeindeheim eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde eine Kinderlandverschickung auf Superintendenturebene durchgeführt, eine Kinderheimverschickung schloß sich an. Auf gleicher Ebene wurden für Speisungszwecke die Erntedankfestspenden organisiert. 1949 fanden 2 Kinderspeisungen mit je 100 Kindern für 8 Wochen statt, ähnliche Speisungen Ende des Jahres in 3 Ortsteilen. In diesem Jahr wurden wurden erstmals die die Alten zur Speisung gerufen, eine Einrichtung, die mehrmals im Jahr wiedrholt, bis zu 100 Teilnehmern umfassend, bis 1966 regelmäßig durchgehalten wurde … Viel Kraft wurde von ihr laufend auf die Verschickung von Gemeindegliedern von den Alten und Einsamen über Frauen und Mütter bis zu den Kindern verwendet. Am Ort wurden Müttererholungen durchgeführt, bei denen Schwester Herthas Garten vortreffliche Dienste leistete. Bei vielfältigen Rüstzeiten und Tagungen jeglicher Art lagen die Leibsorge, die Quartierbeschaffung, sowie die diakonische Betreuung bei Schw. Hertha und ihren Mitarbeiterinnen in bewährten Händen … Regelmäßig wurden von ihr die Blinden, die Gehörlosen, Gehörgeschädigten sowie die Alten zusammengerufen … Haus- und Krankenbesuche gemacht, Hauspflege und Spritzenkuren durchgeführt.

Vielfach wurden von ihr die Auflösungen der Haushalte bei Übersiedlungen nach dem Westen oder ins Feierabendheim durchgeführt. Schließlich seien noch 3 von ihr in der Adventszeit zum Besten des diakonischen Dienstes in der Kirchgemeinde durchgeführten großen Basare erwähnt. … Ein überaus vielschichtiges Aufgabengebiet ist von Schwester Hertha in all diesen Jahren mit großem innerlichen Schwung und viel Hingabe bewältigt worden. Immer hat sie auf neue Wege des diakonischen Dienstes gesonnen und dann ihre Ziele mit aller Energie und Konsequenz verfolt. Ihre besondere Fähigkeit, Menschen, Mitarbeiterinnen heranzuziehen, für das Werk zu begeistern und jeder einzelnen eine den Kräften entsprechende Aufgabe zu stellen, kam ihr sehr zu statten, dabei ist sie in der Arbeit stets vorangegangen. Mit ihrem ausgesprochenen Organisationstalent verband sich – das spürte man immer – das zum Helfen brennende Herz. In der Superintendentur haben wir dieser Mitarbeiterin viel zu danken.

Schwester Hertha Kölling schreibt 1996 in der Erinnerung:

„… eine schöne Zeit war es rückblickend für mich, an die ich gerne zurückdenke. Durch den Krieg war ich nach 5 Jahren glücklicher Ehe Witwe geworden, hatte 2 Jungen im Alter von 3 Monaten und 4 Jahren, war dankbar, daß ich meine Berufsausbildung hinter mir hatte und nach dem Tod meines Mannes die Tätigkeit wieder aufnehmen konnte.
Als Flüchtling aus Berlin fand ich Unterschlupf im Großelternhaus, damals Geschw.-Scholl-Str. 55 in Hildburghausen.
Im Hause selbst hatte ich meine Dienststelle vom Hilfswerk mit 2 x wöchentlichen Sprechstunden, mit einem Monatsgehalt von 60,- Mark. Diakon Prenzler, Eisenach, hatte mich angestellt. Von da aus gingen dann all meine Aktivitäten. Es gäbe da viel zu erzählen, was sich da alles abspielte. Einen Helferstab von 30 Frauen (ehrenamtlich) waren über die Stadt verteilt, die in ihrem Bereich mit Krankheiten, Todesfällen, Geburten und sonstigem konfrontiert wurden und mir berichteten. Von Eisenach kamen dann die Zuwendungen von Geld für Notfälle und Textilspenden, die wir bei Nacht und Nebel aus Eisenach holten.
Eine Helferin, Fräulein Gildemeister, auch Flüchtling, mit einer abgeschlossenen Lehre, übernahm die Kassenführung, später Herr Gleim und Frau Tschorn.
Ein Freundeskreis für meine Tätigkeit entstand in Form von Geldbeträgen, der von Helferinnen kassiert wurde. Einmal im Monat trafen wir uns mit unserem Theologen, der uns eine kurze Andacht hielt und danach wurden alle Aktivitäten besprochen.
Gartenfeste und kleine Fahrten waren in dem Kreis immer willkommen. Frau Annemarie Scheller wirkte besonders umsichtig im Küchenbereich. Es gäbe dazu manches zu berichten …
Die großen Schwierigkeiten, die immer wieder sichtbar wurden (die Stellung Kirche und Staat) waren oft kaum zu verkraften, aber immer fand ich Menschen in den Behörden und Ämtern, mit denen ich laufend zu tun hatte, die mir halfen, die Schwierigkeiten zu überbrücken.
Persönlich wurden meine Jungen auch Opfer dieser Situation, als es zur Ausbildung in Schule und Beruf kam. Dankbar bin ich, daß es ordentliche Familienväter geworden sind und wissen, mit wieviel Schwierigkeiten ihre Mutter zu kämpfen hatte …“

1970 – 1984
Bis 01.03.1984 ist Hans-Dietrich Bettmann Superintendent von Hildburghausen. Bis zum 13.04.1985 ist das Amt vakant. Die Amtsgeschäfte führen der Oberpfarrer 
Joachim Rilke, Gleichamberg, und der Gemeindekirchenrat.

Superintendent Bettmann führt auch in der Zeit die Verwaltung der Kreisstelle für Diakonie bis 1986 in der Schleusinger Straße 19 (zwei Jahre über Beginn seines Ruhestands hinaus), seine Frau Christa Bettmann ist Leiterin der Kreisstelle.

1970
Bei Renovierungsareiten im Altarraum und im Langhaus der „Dreifaltigkeitskirche“ in Hindfeld werden spätmittelalterliche und barocke Malereien freigelegt.

1971/72
Bei Renovierungsarbeiten in der Kirche „St. Antonius“ in Eicha im Chorraum werden Reste der Bemalung der einst berühmten Wallfahrtskirche vermutlich aus dem 12. Jahrhundert entdeckt. Die Bildnisse sind zur Sicherung für nachfolgende Generationen wieder übermalt worden.


1972
Hauptkirche in Hildburghausen wird die Apostelkirche, weil die Christuskirche wegen Bauschäden und eingeworfener Fenster nicht mehr benutzt werden kann.

1972 – 1979

Die Kirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ in Gießübel wird fachgerecht restauriert und ausgemalt. Hervorzuheben ist die Emporenbemalung mit dem so benannten „Gießübler Marmor“.

20. Juli 1973

Ein Dekret der römischen Bischofskongregation ernennt den Titularbischof des Amtes Erfurt zum Apostolischen Administrator der Bistümer Fulda und Würzburg. Das ist ein kirchenpolitischer Schachzug gewesen, denn es wird verhindert, dass die in der DDR liegenden Gebiete der Diözesen Fulda, Paderborn und Osnabrück kirchenrechtlich abgetrennt worden sind. Seit dieser Zeit gehören die Gemeinden im Kreis Hildburghausen zum Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen. Zuständig ist Bischof Hugo Aufderbeck.

10. September 1972

Wiedereinweihung der Stadtkirche „St. Bartholomäus“ in Themar nach umfangreicher Rekonstruktion und Restaurierung.

26. Oktober 1973
† Elise Pampe, Hildburghausen (Dr. med.) – * 06.11.1893, Schleswig
Lungenfachärztin, Synodale, Förderin der Kirchgemeinde
Das evangelische Gemeindeheim in der Oberen Allee trägt ihren Namen.

1974

Die kirchlichen Veranstaltungen zur 650-Jahrfeier der Stadt Hildburghausen finden in der Apostelkirche statt, in der es 1977 zu Renovierungsarbeiten und Umbauarbeiten kommt (Umgestaltung des Altarraumes, Plattenverlegung, neuer Altar, Kreuz, Malerarbeiten).

1974
Die Kirchgemeinde Brattendorf kauft eine Orgel mit fünfregistrigem Manual und angehängtem Pedal und lässt sie auf der Empore gegenüber dem Altar von der Gothaer Firma Rudolf Böhm erbauen.

 

4. Advent 1974



Pfarrer Jürgen Fritsch beim Festgottesdienst am 4. Advent 1974
in der „Michaelskirche“ in Schweickershausen,
links Bischof Dr. Ingo Braecklein aus Eisenach,
rechts Superintendent Hans-Dietrich Bettmann aus Hildburghausen.
Nach der Friedlichen Revolution bringt sich der in Rieth wohnende Jürgen Fritsch
auch in die Kommunalpolitik ein, er wird Kreisrat der SPD.

In der von Reinhold Albert verfassten Festschrift zur Wiedereinweihung der „Michaelskirche“ Schweickershausen am 15. Januar 1995 schreibt der Autor unter der Überschrift „Die Kirche muß im Dorf bleiben!“:
Der bauliche Zustand der Kirche ließ in den 60er und Anfang der 70er Jahre unseres Jahrhunderts zu wünschen übrig. Bei einer Baubegehung vertrat der zuständige Kirchenbaumeister gar die Aussfassung, daß die Kirche aus baupolizeilichen Gründen gesperrt werden müsse, da die Landeskirche weder Geld noch Leute habe, sie zu renovieren. Der gegenwärtige Pfarrer von Schweickershausen, Jürgen Fritsch, er ist weiter für Rieth und Gompertshausen zuständig, erinnert sich: „Als ich 1971 kam, war hier fast keine Fensterscheibe mehr ganz. Unaufhörlich drang Wasser durch das Dach und verursachte immense Schäden.“
Da aber traten die Schweickershäuser in Aktion, angeführt von ihrem tüchtigen Dorfschmied Robert Rügheimer. Keinesfalls wollten sie es hinnehmen, daß das Gotteshaus zur Ruine erklärt wird. Unter dem Motto „Die Kirche muß im Dorf bleiben“ taten sich einige junge Männer zusammen und begannen das Kircheninnere in vielen freiwilligen Arbeitsstunden wieder instandzusetzen. Mit eigener Hände Arbeit, ja selbst mit eigenen Geldmitteln schafften sie es, daß die schöne Schweickershäuser Kirche wieder sauber und benutzbar wurde. Nach Feierabend arbeiteten die Ortsbürger oft bis spät in die Nacht in der Kirche. Das alte Gestühl wurde neu gestrichen, der Putz abgehackt. Es wurde neu verputzt und gemalt, un dies alles mit lediglich 1500 Mark, die an Spenden aus der kleingewordenen Kirchengemeinde eingingen. Am 4. Adventssonntag 1974 wurde die Kirche nach erfolgter Innenrenovierung durch Landesbischof Dr. Ingo Braecklein in Anwesenheit zahlreicher Gläubiger, auch aus den umliegenden Orten, eingeweiht. Die Kirche erhielt den Namen des Erzengels Michael.


Die „Michaelskirche“ in Schweickershausen.

Foto: Bernhard Großmann, 2005

1974 – 1982
Die Kirche „St. Marien“ Simmershausen wird einer gründlichen Innenrestaurierung unterzogen, wie wir das Gotteshaus noch heute weitesgehend vorfinden. Die Restauratoren Manfred und Rolf Möller aus Rohr und Dillstädt nehmen sich dieser Aufgabe mit großen Eigenleistungen der Kirchgemeinde an.
Bei der Innenrestaurierung der Marienkirche wird an der Ostwand ein bisher zugemauertes schlichtes Sakramentshaus gefunden. Darin hat sich ein Paar Schuhe befunden. Nach Besichtigung ist der vorherige Zustand wieder hergestellt worden. – Am 17. Sonntag nach Trinitatis 1982, also genau 100 Jahre nach Weihe des Kirchenschiffes, weiht der Thüringische Landesbischof Dr. Werner Leich die Kirche. „Gott allein die Ehre“ steht über dem Eingangsportal.

1974
Günter Stammberger beschreibt einige Teile der „St.-Nikolaus-Kirche“ in Pfersdorf, in der er als Pfarrer von 1974 bis 1996 tätig gewesen ist und die Filialkirchen Leimrieth und Zeilfeld betreut hat:

Eine Besonderheit ist die romanische Sakristei, die 1974 – 1978 in ihrem bedrohten Bauzustand gesichert und gründlich restauriert wurde, Dabei wurden ein sogenanntes Sakramentshäuschen und ein sehr altes Fenster aus vorreformatorischer Zeit freigelegt. Nach einem alten Inventarverzeichnis befand sich früher ein „Steinerner Tisch = Altar in der Sakristei der Pfersdorfer Kirche und belegt damit, dass dieser altehrwürdige Raum mit seinem rippenförmigen Kreuzgewölbe die erste Kirche (Kapelle) des Ortes gewesen sein muss. Erwähnenswert auch die einmanualige kleine, aber sehr wohl klingende Orgel, die 1716 Meister Caspar Schippel, Hildburghausen, baute. Sie kann als die älteste Orgel des Landkreises Hildburghausen gelten und wurde im Jahre 2000 einer gründlichen Restaurierung unterzogen.

Sehenswert im Kircheninnern sind noch die Kanzel mit farbigen Bildern in der Brüstung von den vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) sowie der Kreuzigungsszene und der Taufstein, beide aus Stein, und dem 16. Jahrhundert zuzuordnen. 1962 war die letzte Innenrenovierung des Gotteshauses, in den Jahren 1988 bis 1991 wurde die Kirche einer sehr umfassenden Außenrenovierung mit Neuverputzung und farblicher Gestaltung unterzogen. Das Pfersdorfer Gotteshaus ist vom Dorffriedhof umgeben, den eine 1578 schon bezeugte mächtige Trockenmauer umschließt. 1612, sechs Jahre vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurde das Pfersdorfer Gotteshaus „Pfarrkirche“. Vorher war es, zusammen mit Leimrieth, Tochtergemeinde der fünf Kilometer entfernten Stadt Hildburghausen. Der Coburger Herzog Johann Casimir ließ als Landesherr im selben Jahr auch das Pfarrhaus erbauen, in welchem etwa anderthalb Jahrhunderte später der Pfarrersohn Friedrich Gregor Lautensack geboren wurde. Er war später als promovierter Jurist, dazu geadelt, und als Königlich-Polnischer, zeitweise als Herzoglich Hildburghäuser Hof- und Justizrat einer der tüchtigsten Diplomaten am ehemaligen Wiener Kaiserhof.


Kirche „St. Nikolaus“ in Pfersdorf
Foto: Bernhard Großmann, 2005

7. März 1975
Wegen der Abnahme der Mitgliederzahl der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Hildburghausen-Eisfeld wird die Selbstständigkeit aufgegeben. Man schließt sich der Gemeinde Meiningen an. Ein Wiederanschluss an Sonneberg ist nicht sinnvoll gewesen, weil das Gebiet zu DDR-Zeiten zeitweise im Grenzsperrgebiet gelegen hat.

1975
Gründung des „Agrarhistorischen Museums des Bezirkes Suhl“ in Kloster Veßra.

1975
Die beiden Autoren und Pfarrer Heinrich Hildebrandt und Klaus Kellermann beschreiben in ihrem Band „Kirchen im Thüringer Wald“ (1975) voller Begeisterung die Innenausstattung der Kirche zu Waldau:
Die ganze Schönheit der Waldauer Kirche zeigt sich in ihrem Inneren. Durch den gotischen Spitzbogen hindurch sieht man auf den ins helle Licht gerückten Altar mit dem dahinterstehenden hohen Kruzifix. Es ist der Rest einer ganzen Gruppe geschnitzter Figuren aus der Werkstatt des Bildhauers Conrad Bastheimer aus Salzungen und entstand 1662 für die Waldauer Kirche. Der aus der alten Kapelle erhaltene Altarraum und die Sakristei haben Kreuzgewölbe. Fresken aus katholischer Zeit wurden 1962 freigelegt. Hervorstechend in Stellung und Ausführung ist die Kanzel mit der Darstellung Johannes des Täufers, der Evangelisten, Paulus und des triumphierenden Christus. Welche Kunstfertigkeit und Glaubenstiefe spricht aus diesem Werk des Schleusinger Bildhauers und Tischlers Helk, der die Kanzel 1719 lieferte! Schalldeckel und Kanzel bilden eine untrennbare Einheit für die gesamte Aussage des Werkes. Äußerlich setzt sich der sechseckige Grundriß der Kanzeln in den Feldern des Schalldeckels fort, um über dem Sockel beim auferstandenen Christus zu münden. Johannes der Täufer, mit Kleid aus Kamelhaaren und ledernem Gürtel, trägt die Kanzel. Sein erhobener Finger deutet über die Apostel zum auferstandenen Herrn, der mit dem Siegesfähnlein über allem steht. Die Kanzel zeigt sich mit leuchtenden Fahnen ihrer ursprünglichen Bemalung.
Zu dem tiefen Eindruck, den der Besuch der Waldauer Kirche hinterlässt, trägt die Renovierung 1962 bei, durch die das Kruzifix seinen Platz wieder am Altar fand, der in den Chorraum zurückversetzt wurde. Von den freigelegten Fresken ist die mächtige Christophorus-Figur am Besten erhalten. Unwillkürlich denkt man an die Worte:

Wie schwer ist doch die heilige Last,

die du auf deinen Schultern hast!
Wir schreiten durch des Zeiten Fluß,
gebeugt wie ein Christophorus.
Was uns beglückt und hebt und hält:
Wir tragen Christus in die Welt.

1976
Die Christuskirche Hildburghausen wird wegen Bauschäden geschlossen. 
Ein (vorerst) letzter Gottesdienst in ihr ist 1974 zum 650-jährigen Stadtjubiläum gefeiert worden.

1976/77
Die Kirche „St. Jakobus“ in Schönbrunn wird restauriert und farblich von dem Restaurator Kurt Thümmler neu gestaltet. 1990 werden das Obergeschoss, das Dach und der Turm neu beschiefert und der Turmknopf neu aufgesetzt.

Die Kirche „St. Jakobus“ in Schönbrunn (Gemeinde Schleusegrund).
Foto: Bernhard Großmann, 2005

4. August 1977
† Moritz Mitzenheim (Dr. theol.), Eisenach
(* 17.08.1891, Hildburghausen)
Theologe, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Thüringens, Ehrenbürger von Hildburghausen

11. August 1978
Der Vorsitzende des Rates des Kreises Hildburghausen, Werner Asmus, bestätigt den „Ablaufplan“ für die endgültige Zerstörung der Ortschaft Billmuthausen.
Die Angehörigen der Toten auf dem kleinen Friedhof, auf dem auch die Kirche gestanden hat, verweigern die Exhumierung gegenüber den DDR-Staatsorganen.

23. Januar 1979
Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hildburghausen wird Zweiggemeinde der Gemeinde Meiningen, deren Mitglied sie in den folgenden Jahrzehnten bleibt.

Herbst 1979
Die Kirche „St. Maria Magdalena“ in Milz wird nach einer großen Spendenaktion und wieder ihrer Bestimmung übergeben. Immerhin hat die Gemeinde eine Summe von 40.000 DDR-Mark aufgebracht.


Die „St.-Maria-Magdalena-Kirche“ in Milz.

Foto: Bernhard Großmann, 2005

1979/1980
Die Orgel der ehemaligen Römhilder Stiftskirche wird umfänglich restauriert.

1. September 1980
Pfarrer Johannes Ziegner übernimmt die Pfarrei in Crock. In seinem Tagebuch schildert er den erbärmlichen Zustand, in dem sich eine der schönsten Kirchen im Südthüringer Raum befunden hat, die „St.-Veit-Kirche“: „In der Crocker Kirche stehen auf dem Fußboden Schüsseln, die das vo
m Dach durchtropfende Regenwasser auffangen", notiert er im Tagebuch. Er bemerkt weiter, dass er argwöhnisch von der Staatssicherheit beobachtet worden sei, wie er ein blühendes Gemeindeleben aufgebaut und die Kirche ins Bewusstsein seiner Mitbürger gebracht hat und das Gotteshaus mit erheblichen privaten Spendenmitteln saniert worden sei. Dass die Arbeiten 1985 und damit vier Jahre vor dem 500. Jahrestag der Veitskirche so abgeschlossen worden sind, sei auch eine Lieferung von Kupfernägeln für die Schieferdachplatten zu verdanken, die die Partnergemeinde Buttenhausen auf der Schwäbischen Alb schenkte.


Bergkirche“ in Masserberg.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1980
Die Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher, eine der bedeutendsten Kirchen- und Sakralkünstlerinnen der DDR, erschafft die Holzplastik hinter dem Altar der „Bergkirche“ in Masserberg. Christus segnet mit ausgebreiteten Armen die Gemeinde und weist zugleich auf den Gekreuzigten hin.

Bergkirche in Masserberg.

Die Künstlerin Elly-Viola Nahmmacher (1913 – 2000) ist 1975 aus dem Verband Bildender Künstler der DDR ausgeschlossen worden. 1977 hat sie für den Pfarrer Oskar Brüsewitz (1929 – 1976) die Grabstele „Feuerapokalypse“ für den Friedhof in Rippicha aufgestellt hat. Das Denkmal ist von der Staatssicherheit „aufgekauft“ worden. Brüsewitz hat sich öffentlich selbst verbrannt, er gilt als das „Fanal von Zeitz“ gegen die SED-Diktatur.

1981
Der Geraer Künstler und Restaurator Kurt Thümmler regte bei der Ausgestaltung des Kircheninneren der „St.-Oswald-Kirche“ in Schnett an, das Gotteshaus mit Ornamenten der traditionellen Schnetter Truhenmalkunst zu versehen. Die Ausgestaltung wird von den Einwohnern selbst vorgenommen. Die Kirche erhält danach den Beinamen „Blumenkirche“.

1981
Während der Zeit des Agrarhistorischen Museums des Bezirkes Suhl in Kloster Veßra beginnt die Rekonstruktion der Torkirche „St. Erhard“. Der Direktor des Hennebergischen Museums, Thomas Witter, schreibt zur Gebäudenutzung ab Mitte des 15. Jahrhunderts:
Eine Stiftung ermöglichte eine Einwölbung und Ausmalung des Chores sowie die Verbesserung der „Ausschmückung“. Mit der Einführung der Reformation wurde sehr schnell mit der Umgestaltung des Gebäudes begonnen, das fortan in den Quellen als Knechtshaus genannt wird. So wurde die Höhe des ehemaligen Sakralraumes durch das Einziehen einer Holzdecke etwa halbiert. Im Erdgeschoss wurden auf der Hofseite neue Fenster eingebrochen.
Teile des Gebäudes wurden als Lager, aber auch als Wohnstätte für Knechte und Stallungen genutzt. Eine Zeit lang war es auch Wohnung des Wiesenknechts und Torwärters und im 18. Jahrhundert wurde es zum Wirtshaus, z. T. sogar mit einer Kegelbahn, umfunktioniert. Bis 1915 fanden die örtliche Schule sowie der Lehrer hier Unterkunft, nach 1945 war es Neubauernhof. Mit dem Einzug des Museums in das Kloster im Jahr 1975 waren hier neben der Nutzung als Wohnhaus mehrere Jahre Funktionsräume des Museums untergebracht, bis 1981 die Rekonstruktion des Gebäudes begann. Im Bereich der Torkirche wurden ausnahmslos sämtliche späteren Einbauten beseitigt und die zu Tage tretenden Befunde reichten aus, auch die alten Wandöffnungen in den ursprünglichen Formen wieder herzustellen. An der Nordseite des Gebäudes finden sich sehr hoch unter der Decke drei kleine spitzbogige Schlitzfenster, die die Wehrhaftigkeit der Außenmauer nicht beeinträchtigten. Die übrigen Wände sind ebenfalls von lanzettförmigen schmalen, aber verhältnismäßig hohen Fenstern durchbrochen. Seit Abschluss der Rekonstruktion des Gebäudes verfügt das Museum über einen attraktiven Konzert- und Vortragsraum. Eine moderne Orgel wurde im Jahr 1993 von Orgelbaumeister Norbert Speerschneider aus Weimar eingebaut. Der ehemalige Scheunenraum im Erdgeschoss, die Tenne, sowie die beidseitig dieser gelegenen Bansen erhielten ein keramisches Pflaster und sind als Stellflächen für museale Objekte genutzt. Hier befindet sich die Ausstellung „Ländlicher Transport und Verkehr im 19. und frühen 20. Jahrhundert“.

1982
InBischofrod, zum Zeitpunkt Kreis Suhl-Land, baut Pfarrer Bernd Winkelmann mit Freunden im Pfarrhaus das Evangelische Einkehrhaus Bischofrod auf, in dem neue Formen der Gemeindearbeit in modernen Gottesdiensten und neuen Gemeindegruppen entstehen, politisch engagierte Basisgruppen, eine Erneuerungsbewegung, die bereits in den sechziger und siebziger Jahren in Teilen der Kirche und Gemeinden in der DDR zu bemerken ist.


Bernd Winkelmann schreibt in seiner Schrift „Friedliche Revolution 1989/90 – Das Wirken christlicher Basisgruppen“ (S. 10 f.) zu den Anfängen und den Zielen:

Zu den alternativ orientierten Zentren gehörte auch das Evangelische Einkehrhaus Bischofrod, das meine Frau und ich mit unseren Freunden Hilmar und Karla Fahr im südthüringischen Dorf Bischofrod ab 1981 aufbauten. Dort versuchten wir, mit unseren Gästen in thematischen Freizeiten und Seminaren, die ökologischen Fragen, die Gerechtigkeits- und Friedensfragen in die Möglichkeiten eines erneuerten Lebensstiles und einer neuen Wertorientierung umzusetzen. Aus dem ganzen südlichen Teil der DDR kamen Umwelt- und Friedensgruppen zu uns, und wir wurden oft in Gruppen und Gemeinden zu Vorträgen und Seminaren eingeladen. Von den Sicherheitskräften des DDR-Staates wurden wir von Anfang als ‚subversives, staatsfeindliches‘ Unternehmen eingestuft. Nur durch den wiederholten persönlichen Einsatz von Propst Dr. Falcke und Bischof Demke konnten die angedrohte Schließung des Hauses und meine ‚Entfernung aus Bischofrod‘ verhindert werden.

Wir arbeiteten eng mit dem „Ökumenischen Arbeitskreis für Umweltfragen“ in Suhl zusammen, den Pfarrer Schwennicke 1980 gegründet hatte und der für ein entstehendes oppositionelles Wirken im Suhler Raum von besonderer Bedeutung war. Ihm gehörten teilweise bis zu 30 Personen an, Christen und Nichtchristen, Menschen, die sich ökologisch engagieren wollten, aber es außerhalb der Kirche nicht konnten. Sie arbeiteten in verschiedenen Arbeitsgruppen, z. B. in den Grupen „Alternative Energie“, „Alternative Ernährung“, „Ökologischer Gartenbau“. Es wurden Umwelttage und Ausstellungen in der Region vorbereitet und durchgeführt sowie Eingaben an staatliche Stellen verfasst, so 1985 eine zum XI. Parteitag der SED mit grundlegenden Anfragen an die Umweltpolitik der DDR. Das brachte ihr massive Auseinandersetzung mit Staatsvertretern ein: Vorladungen Einzelner in den Betrieben mit der Maßgabe, die „staatsfeindliche Tätigkeit in der Umweltgruppe“ einzustellen. Später erfuhren wir, dass bis zu drei IM unter uns waren und interne Dinge innerhalb von Stunden der Stasi zugetragen hatten.

Wir hielten engen Kontakt mit ähnlichen Gruppen der Region, mit dem „Gesprächskreis für Frieden und Umwelt“ um Jugenddiakon Ulrich Töpfer in Meiningen, mit der „Umweltgruppe Schmalkalden“ um Gudrun Sickert, mit dem Ökologischen Arbeitskreis“ um Bodo Busch in Ilmenau. Es gab Treffs und gemeinsame Seminare (meist in Bischofrod) und eine gute Zusammenarbeit in der Vorbereitung und Durchführung von Umwelttagen, Ausstellungen, Schreiben von Eingaben u. ä.



Schwerter zu Pflugscharen“. Das Symbol der Friedensbewegung in der DDR.


Die DDR-Friedensbewegung hat eine beinahe dreitausendjährige Vision der Bibel als Motiv aufgegriffen. – Die Sowjetunion hatte am 4. Dezember 1959 den Vereinten Nationen eine Bronzeskulptur des Künstlers Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch mit diesem biblischen Motiv als Zeichen der „friedlichen Koexistenz“ geschenkt, die im Garten des UNO-Hauptquartiers in New York aufgestellt worden ist.
Die DDR verbot dieses Symbol der Friedensbewegung bzw. die Träger hatten Nachteile zu erwarten, weil es die Wehrbereitschaft der Jugend der hochgerüsteten DDR unterlaufen hätte.

30. Juli 1983
Der evangelische Kindergarten Emma-Scheller-Stiftung Hildburghausen begeht das 150. Jubiläum seines Bestehens.

19. September 1984

Der katholische Pfarrer Karl Rügamer, seit 1965 ist er in Eisfeld tätig, nimmt Abschied und kehrt in seine fränkische Heimat zurück (am 01.04. ist er Dekan des Dekanats Meiningen). Eisfeld wird seelsorgerisch wieder von Hildburghausen betreut und wird Filialgemeinde.


Blick in die katholische Kirche „St. Elisabeth“ in Eisfeld.

1984/85
Die Kirche „St. Oswald“ in Zeilfeld steht im Mittelpunkt von Kunsthistorikern, sind doch im Altarraum 32 spätmittelalterliche Fresken freigelegt worden.
Günter Stammberger schreibt auch über die optische Wirkung der Fresken im Zusammenspiel mit der Innenausstattung der Kirche:
Zum Thema haben sie in drei, am Altarraum umherlaufenden ‘Bildbändern‘, die Passionsgeschichte Jesu Christi, eine Jakobslegende und Abbildung einiger Heiligen aus der Reihe der „14 Nothelfer“. Nicht alle Fresken konnten gerettet werden, doch ist diese nun wieder anschaubare ‚Bilderbibel‘ des Spätmittelalters beeindruckend. Die Entstehungszeit der Bilder datierten Fachleute auf die Jahre 1480 bis 1520. Der einst so nüchtern wirkende Zeilfelder Altarraum hat durch diese Freilegungen, bei denen auch ein spätgotischer Sakramentsschrein zum Vorschein kam, ein buntes Aussehen erhalten. Erst jetzt das auf einen schlichten Steinaltar stehende „Altar-Sockel-Werk“ (um 1523/24 entstanden und dem Bamberger Künstler Nussbaum zugeschrieben) so recht zur Geltung. Dieser Schrein wurde in den letzten Jahrzehnten einer zweimaligen gründlichen Restaurierung und Feuchtigkeitssicherung unterzogen. Er zeigt Christus und die Apostel beim Abendmahl. Die Figuren (Halbreliefs) zeigen eindrucksvolle Gesichter mit reicher Vergoldung. Hinzu kommen die vier Bilder an den Türen (innen und außen), das Altarsockelwerk ist verschließbar. Diese zeigen Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons, des heiligen Oswald (5. August) von England.
Die Schönheit des Altarraums in Zeilfeld wird ergänzt vom Kirchenschiff, das eine Mischung der Formen von Barock und Klassizismus darstellt. Im Kirchenhaus selbst ruhen die beiden Emporen auf kräftig geschnitzten Säulen, die in ihrer Verzierung griechische Kunstformen aufweisen, eine Seltenheit in unserer Gegend. Die Emporenfelder sind mit Bibelsprüchen ausgemalt. Mit einem verzierten Schalldeckel versehen ist die Kanzel, die in der Brüstung geschnitzte Figuren der vier Evangelisten trägt. Gestützt wird sie von der fast lebensgroßen Figur Johannes des Täufers, dem eine Taufvorrichtung beigegeben ist. Das Zeilfelder Kirchenschiff hat an der Westseite die durch Orgelbaumeister Johann Christian Dotzauer aus Hildburghausen erbaute zweimanualige große Orgel mit herrlichem Barockprospekt.


Fresken in der Kirche „St. Oswald“ in Zeilfeld.

Foto: Benrhard Großmann, 2005

14. April 1985
Dr. Hanspeter Wulff-Woesten wird in sein Amt als Superintendent in Hildburghausen eingeführt.

6. Dezember 1985

Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des Pädagogen und Kirchenmannes Dr. Carl Ludwig Nonne.
Die Festschrift verfasst Schulrat Horst Büchner. Die Leistungen Nonnes als Theologe und Oberkonsistorialrat bleiben in der Kulturbund-Schrift weitgehend ausgespart.
Die evangelische Kirchgemeinde ehrt die Persönlichkeit und das Werk Nonnes umfassend.

Ab März 1986

Die Kreisstelle für Diakonie ist geleitet worden von Superintendent KR Dr. Hanspeter Wulff-Woesten, Pastorin Hermien Günther (im Sommer 1987 verzogen), Diakoniepfarrer Günter Stammberger. Nach H. Günther führen Oberpfarrer Rilke und Eva Thiel die Arbeit weiter (Schwerpunkte: Besuchsdienste und Vermittlungsaufgaben).

21. Juli 1986

Begehung der katholische Kirche St. Leopold zur Bestandsaufnahme für die Sanierung. Das Bischöfliche Bauamt Würzburg wird um Genehmigung ersucht. Die Sanierung erfolgt im Zeitraum 1987 – 1992.

1986 oder 1987

Beginn der grundhaften Sanierung der Christuskirche, als Anschubfinanzierung dient die Osterkollekte der Thüringer Kirchgemeinden.

2. September 1986

Mit dem Tod des katholischen Pfarrers Josef Neugebauer, der die Pfarrei Heldburg seit 1948 fast vier Jahrzehnte geführt hat, kommt Heldburg wieder zur Kirchengemeinde Hildburghausen.

1987

Das Bestehen der Schwesternstation im Caritasheim „St. Laurentius“ wird beendet. Die beiden Ordensschwestern werden am 23.09. verabschiedet. Die Heimleitung kommt in weltliche Hände und wird von Elke Witzel geführt.

3. März 1988

Der Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen, Dr. Werner Leich, fordert von Erich Honecker die Aufnahme eines Dialogs zwischen SED und Gesellschaft sowie den Beginn einer Reformpolitik.

1988

Seit dem Zeitpunkt bis in die Gegenwart ist die „St.-Nikolaus-Kirche“ in Gleicherwiesen von engagierten Pfarrern und Gemeindemitgliedern restauriert und gepflegt worden. Zudem wird der Kirchenvorplatz gestaltet.

13. November 1988

Amtseinführung des katholischen Pfarrers Franz-Xaver Stubenitzky als Pfarrer der Gesamtgemeinde Hildburghausen, Eisfeld und Heldburg auf (15.10.1988 Ernennung durch Bischof Dr. Joachim Wanke). Sein Amtsvorgänger Günter Fahrig (Amtszeit: 01.071984 – 22.08.1988) ist plötzlich verstorben.


Der 1952 in Heiligenstadt geborene Stubenitzky (Priesterweihe 1978) wirkt bis 2004 verdienstvoll in Hildburghausen. – Als Pfarrer in Steinbach im Eichsfeld verleiht ihm Papst Benedikt XVI. am 19.01.2013 den Ehrentitel „Monsignore“ („Kaplan seiner Heiligkeit“).

Die barocke Orgel der „St.-Magdalenen-Kirche“ in Milz, 1713 – 1716 von Nikolaus Seeber aus Römhild geschaffen, ist 1988 von der Firma Schönefeld aus Stadtilm restauriert worden.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

Dezember 1988
Der von den Bürgern Maroldsweisachs finanzierte Kronleuchter für die Kirche in Käßlitz wird außerhalb der Sperrzone, in Weitersroda, übergeben. Nach Grenzöffnung geben einige Kirchenchöre Thüringens und die Kantorei Maroldsweisach ein Konzert in der Kirche.

1988

Pfarrer Joachim Neubert, der Herausgeber des Bandes „Die Kirchen im Landkreis Hildburghausen“, 2006, S. 44, schreibt zur Ausstattung des Kircheninnern der St.-Katharina-Kirche in Bürden:


Die im Chorraum vorfindliche Jahreszahl 14()93 verrät den ersten Umbau der Kirche. Aus dieser Zeit stammt die an den Chorraum angebaute Sakristei mit ihrem rippenlosen Kreuzgewölbe. Auch das Langhaus wird wohl erst Ende des 15. Jahrhunderts gebaut sein. Den spätgotischen Baustil lassen die im Chor befindlichen Spitzbogenfenster ebenso wie der Triumphbogen erkennen. Dem aufmerksamen Betrachter kann sich das gotische Sakramentshäuschen an der Nordwand nicht entziehen. An seiner Unterseite befinden sich zwei Wappen mit Querbalken, Rosen (Heßberger Herren) und steigendem Wolf. Bei der Öffnung des bis dahin vermauerten Sakramentshäuschens anlässlich der letzten Renovierung im Jahr 1988 machte man einen interessanten Fund. Eingemauert in die Nische offenbarten sich menschliche Knochen. Untersuchungen ergaben, dass es sich um einen Mann aus dem Saale-Unstrut-Gebiet handelt, der vermutlich im 17. Jahrhundert ermordet wurde. Der Hintergrund dieser schrecklichen Tat bleibt allerdings im geschichtlichen Dunkel. Die Knochen wurden noch 1989 auf dem Gelände neben der Kirche beigesetzt.“


25. Juni 1989
Pfarrer Johannes Ziegner, Pfarrer von 1980 – 1994 in Crock, der sich auch in der Friedlichen Revolution sehr engagiert, hält den Festvortrag zur 500-Jahrfeier der Kirche „St. Veit“ auf dem Irmelsberg. Zum Ereignis erscheint eine Broschur von Ziegner zur Heimatgeschichte, die Spenden zur Broschüre werden für die Sanierung der Orgel verwendet, die 1997 vom Orgelbaumeister Christian Müller aus Hildburghausen restauriert und in Teilen erneuert wird.

1. Januar 1989

Die Kirchenkreise Schleusingen und Suhl werden zum Kirchenkreis „Henneberger Land“ zusammengelegt. Die Superintendentur Schleusingen wird aufgehoben. Das Kreiskirchenamt, das sich bis 2001 in Suhl befunden hat, ist 2002 als Kirchliches Verwaltungsamt nach Erfurt gezogen.

1989 – 1994

Im Zeitraum wird die 1614 gemeinsam mit Schleusingerneundorf und Silbach erbaute Kirche in Hinternah umfassend saniert in der Farbgebung aufgefrischt, außerdem werden Drainagearbeiten an der Nordseite durchgeführt. Glanzpunkt der Arbeiten ist die Renovierung der aus der Kapelle auf dem Einfirst stammende Kreuzigungsgruppe aus einer unbekannten fränkischen Schnitzerschule (ausgehendes 15. Jahrhundert) der sogenannten Riemenschneiderzeit mit der lebensgroßen Darstellung des Gekreuzigten und Mutter Maria und Johannes an der Seite.



Die Kirche in Hinternah nach der Sanierung in den Jahren 1989 bis 1994.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

 

Die Figurengruppe in der Kirche Hinternah (Gemeinde Nahetal-Waldau)
mit dem Gekreuzigten, mit Maria (links) und Johannes (rechts).
Die Arbeit stammt aus einer unbekannten fränkischen Schnitzerschule,
vermutlich aus der Zeit Ende des 15. Jahrhunderts.

Foto: Bernhard Großmann, 2005

 Die „Dorfgottesstube“ des 1992 nach Hildburghausen eingemeindeten Dorfes Weitersroda wird 1989 außen und 1995 innen saniert.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

8. Juli 1989
Das Marisfelder Flurstück „Teufelsloch“ ist als Deponie des Kreises und der Stadt Suhl vorgesehen. Die Bürger protestieren. In der Marisfelder Kirche kommt es zu einem Umweltgottesdienst, eine Bürgerinitiative ist gegründet worden. 1992 wird das „Teufelsloch“ vom Thüringer Umweltministerium als Naturschutzgebiet anerkannt.

Der Pfarrer und Bürgerrechtler Bernd Winkelmann („Einkehrhaus“ Bischofrod) schreibt: „Zum Umweltgottesdienst in Marisfeld am 8. Juli 1989 kamen ca. 200 Besucher, neben dem Gemeindekirchenrat und mutigen Dorfbewohnern viele Mitglieder und Freunde der Umweltgruppen aus Suhl, Meiningen und Schmalkalden. Als wir mit einer Gruppe aus Bischofrod in Marisfeld eintrafen, empfingen uns auch etwa 20 Mitarbeiter der Staatssicherheit in einem so auffälligen Zivil, dass sie als solche erkannt werden sollten. Ein Hubschrauber flog über die Dörfer. Im Nachhinein erfuhren wir, dass in den Wäldern eine Hundertschaft von Bereitschaftspolizei bereitgehalten wurde und dass im ganzen Kreis Staatsfunktionäre und Sicherheitsleute in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden waren. In den Verhandlungen zuvor und im Gottesdienst hatten wir Deckung durch Vertreter der Kirchenleitung: Superintendent Wulff-Woesten aus Hildburghausen, Superintendent Kretschmann aus Suhl und durch Oberkirchenrat und späteren Bischof Roland Hoffmann, der als Vertreter der Kirchenleitung eine ermutigende Rede hielt. Ich predigte über den biblischen Schöpfungsauftrag und über eine notwendige Demokratisierung der staatlichen Umweltpolitik. Anschließend wurde eine von vielen Teilnehmern unterschriebene Eingabe gegen die Mülldeponie verlesen und verteilt. Das ganze Ereignis wirkte auf uns und in der Bevölkerung schon wie ein kleiner Sieg.“

(Aus: Winkelmann, Bernd: Friedliche Revolution 1989/90. Das Wirken christlicher Basisgruppen. Salier Verlag, Leipzig und Hildburghausen, 2009, S. 25 f.)

Pfarrer Bernd Winkelmann vor dem Gelände der geplanten Mülldeponie Teufelsloch, Frühjahr 1990
© Bernd Winkelmann und Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen, 2009

6. – 8. September 1989
Die Eisfelder Dreifaltigkeitskirche wird von Ausreisewilligen aus Sonneberg besetzt.

1989
Der achteckige Turm mit Schweifkuppel der katholischen Kirche „St. Leopold“ in Hildburghausen wird saniert.
Im Turm hängt eine Bronzeglocke aus der Hugenottenzeit mit einem Durchmesser von 90 cm. Sie trägt die Aufschrift „Joh. Heinr. Greulich in Hildburghausen gos mich Ao. 1729“, Fries von Engelköpfen mit Ranken, in der Mitte: E. F. in einer Kartusche unter der Herzogskrone: CHRISTIADAS AES SCRUM CHRISTI AD ROSTRA VOCABIS ADMONITOS CLARO NEC SINE MENTE SONO. – LONGIUS UT PURIS ONERENT IPSI AETHERA VOTIS QUEIS DEDUCATUR LAETIOR INDE DEUS (Christen sollst heiliges Erz zu Christo Kanzel du rufen, welche mit hellem Klang nicht ohne Sinn du ermahnst. Werden mit reinen Gelübden sie selbst die Lüfte erfüllen, der dann herab nun geführt, freudiger, weil hier der Gott); am unteren Rand befinden sich ein Blümchenfries und Monogramme und der Text: UNIVERSA TERRA PERCREBUIT SONITUS EORUM ET AD FINES USQUE ORBIS HABITATI EORUM PERSONUIT RUMOR (Römerbrief X, v. 18. (Über die ganze Erde hat schon ihr Schall sich verbreitet, und es erklang das Gerücht bis zu den Grenzen der Welt)


Katholische Kirche „St. Leopold“ Hildburghausen, die ehemalige Hugenottenkirche.

Foto: Bernhard Großmann, 2005

12./13. September 1989
Das Neue Forum tritt in Thüringen mit dem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit. Am 13.09. bildet sich in der Illegalität im Raum Suhl eine Gruppe aus dem Arbeitskreis Gesellschaftliche Erneuerung, die sich im Wesentlichen aus dem evangelischen Pfarrkonvent des Kirchenkreises Henneberger Land und Teilnehmern der Ökumenischen Umweltgruppe Suhl zusammensetzt. Kirchliche Veranstaltungen zur gegenwärtigen politischen Situation werden geplant und veranstaltet. – Der Gruppe gehören auch Bürger des Stadt und des Kreises Hildburghausen an.

Vernetzungsgottesdienst Umweltgruppen in der Kirche Bischofrod.
 Bernd Winkelmann und Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen, 2009

Um 25. September 1989
Die ersten Aufrufe des Neuen Forums tauchen in Südthüringen auf. Sie sind meist doppelseitig mit Schreibmaschine beschrieben und werden unter der Hand weitergegeben.
Am 27.09.1989 beschließt der Kirchenkreis Henneberger Land, den Aufruf zu vervielfältigen und in den Kirchgemeinden zu verteilen.

Stadtkirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“, Eisfeld.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

Oktober bis Dezember 1989
Die Friedensgebete in den Kirchen der DDR entwickeln sich zu Veranstaltungen des gewaltlosen Widerstands gegen das SED-Regime. Mehr und mehr Bürger beteiligen sich und fordern Demokratie, freie Wahlen, Reisefreiheit und grundlegende Reformen für die DDR.

1. November 1989
Nach dem Friedensgebet in der Apostelkirche Hildburghausen formiert sich ein mächtiger Demonstrationszug, angeführt von den Vertretern der evangelischen und der katholischen Kirche, durch die Stadt zum Markt und zum Stasigebäude.


Die Apostelkirche in der Schleusinger Kirche wird zum Zentrum des Widerstandes gegen das SED-Regime in Hildburghausen. Hier versammeln sich meist donnerstags die Bürger zu Friedensgebeten und anschließend oft zu Schweigemärschen, Demonstrationen oder Lichterketten. Hier werden auch die Informationen der Bürgerrechtsgruppen mitgeteilt.


4. November 1989
Superintendent Dr. Hanspeter Wulff-Woesten verliest in der überfüllten Themarer Bartholomäus-Kirche das Gedicht „Grünes Band – Hoffnung für unser Land“, das in der Zeit der Friedlichen Revolution ein Zeichen der Opposition gegen das SED-Regime im Kreis Hildburghausen wird, vor allem Symbol des gewaltlosen Widerstands.

9. November 1989

Nach einem Bittgottesdienst in der Apostelkirche in Hildburghausen formieren sich 2.500 Bürger zu einem Schweigemarsch durch die Stadt.

9. November 1989

Täglich ist von Generalmajor Lange (20.01.1935 – 30.01.1990, Suizid), Chef der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit Suhl, an das Ministerium für Staatssicherheit ein zusammenfassender Situationsbericht zu Aktivitäten von kirchlichen Kräften und Vertretern des Neuen Forums sowie Erkenntnisse aus öffentlichen Diskussionen im Bezirk verfasst worden.
In der Apostelkirche Hildburghausen fand am 09.11.89 von 19.00 bis 21.00 Uhr eine als Bittgottesdienst deklarierte Veranstaltung statt. Sie wurde von dem Pfarrer
Wolf, Jürgen
wh.: Hildburghausen, Leninstr. 6
organisiert. An ihr nahmen ca. 1000 Personen aller Alterskategorien aus Hildburghausen und den umliegenden Ortschaften teil.
In 15 Diskussionsbeiträgen wurde auf die gegenwärtige politische Lage in der DDR und dem Kreis Hildburghausen eingegangen. Weiterhin wurden Vorschläge zur personellen Besetzung von Führungskräften der Alternativbewegung im Kreis unterbreitet, ohne dass eine Abstimmung hierüber erfolgte. Zum Sprecher des „Neuen Forums“ wurde der Schmidt, Eckardt wh.: Hildburghausen, Straße der Jugend 24 Energetiker im VEB Kombinat für Landtechnik Suhl, Sitz Hildburghausen vorgeschlagen.
Nach Abschlus der kirchlichen Veranstaltung formierten sich die Teilnehmer zu einer genehmigten Demonstration, die durch den Superintendenten Wulff-Woesten und Pfarrer Wolf angeführt wurde.
Es wurden brennende Kerzen und ein Transparent in der Größe von 4,00 m x 1,50 m mit der Losung „Ohne Gewalt für Demokratie“ mitgeführt. Auf weiteren Plakaten war u. a. zu lesen:
- Bald ist sie nicht mehr da, die Rente fürs ZK
- Mindestrente fürs ZK
- Weg mit der führenden Rolle der SED
- Stasi in die Volkswirtschaft
- Stasi in die Produktion
- Weg mit der Sperrzone
- Demokratie statt Diktatur.
Beim Vorbeimarsch am Objekt der Kreisdienststelle des MfS erklangen vereinzelt Sprechchöre „Stasi in die Volkswirtschaft“. Außerdem wurden ca. 30 brennende Kerzen auf den Fensterbänken der Kreisdienststelle abgestellt.
Während der anschließenden Kundgebung auf dem Marx-Engels-Platz übergab Pfarrer Wolf an den Bürgermeister der Stadt Hildburghausen einen Brief, der inhaltlich den Teilnehmern verlesen wurde. Der Brief enthält Forderungen wie:
- Zulassung „Neues Forum“
- Zulassung weiterer Bürgerinitiativen und Alternativbewegung und Parteien
- Fortsetzung des Dialogs durch alle gesellschaftlichen Kräfte, auch durch die SED
- Zuverfügungstellung geeigneter Räumlichkeiten für die Tätigkeit aller Initiativgruppen.

Im Anschluss daran ergriff der Vorsitzende des Rates des Kreises Hildburghausen, Gen. Johannes Müller, das Wort und erklärte sich bereit, mit Vertretern aller Initiativgruppen am Wochenende im Rat des Kreises den Dialog fortzusetzen. In seiner Rede ging er auf die ersten Ergebnisse der 10. Tagung des ZK der SED ein, wofür er Beifall erhielt. Auch der Bürgermeister erhielt für seine Ausführungen zu kommunalpolitischen Problemen Zustimmung.
Zum Abschlus des Meetings äußerte sich der Superintendent Wulff-Woesten zustimmend für die auf dem 10. ZK-Plenum getroffenen offenen Konzeptionen. Er betonte weiterhin die positiven Einflüsse der Kirche auf den gegenwärtigen Reformprozess in der DDR, wobei er besonders die Verdienste von Dr. Werner Leich hervorhob. Seiner Auffassung nach sollte als künftiger Volkskammerpräsident kein SED-Mitglied fungieren.
Entsprechend der Aufforderung durch den Superintendenten löste sich die Versammlung friedlich auf.

Lange, Generalmajor

9. März 1990
Der aus Breslau stammende und in Eisfeld und Hildburghausen tätige Rechtsanwalt Paul Thierse stirbt. Th. ist vor der Machtübernahme Hitlers Mitglied der katholischen Zentrumspartei. Nach der Vertreibung ist er in der SBZ und in der DDR aktiv in der CDU als Leitungsmitglied und als Kreistagsabgeordneter tätig. Zudem ist er in Eisfeld Mitglied des Pfarrgemeinderates und Synodale.


Sein Sohn ist der 1943 geborene SPD-Politiker Wolfgang Thierse. An der Erweiterten Oberschule „Geschwister Scholl“ in Hildburghausen hat er sein Abitur abgelegt. Von 1998 – 2005 ist er Präsident des Deutschen Bundestages, von 2005 – 2013 Vizepräsident. Zudem ist er langjähriges hinzugewähltes Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).


16. April 1990
Nach 23 Jahren ist der Ostermontag in der DDR wieder ein Feiertag, der Karfreitag ist 1990 noch ein Arbeitstag.

1990
Öffnen der Gruft der Grabstätte von Herzogin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen auf dem Zentralfriedhof. Es soll ermittelt werden, ob die Tragfähigkeit für den Kandelaber gesichert ist. Zudem soll untersucht werden, ob die Aussage nach literarischer Überlieferung stimmt, dass die Särge aus dem Schloss in die Gruft überführt worden sind. Es wird festgestellt, dass die Särge der Herzogin Charlotte und des Kindes des Geheimrats von Schwartzkopf (Auguste, 1807 – 13.08.1819) sichtbar vorhanden sind, die weiteren Kammern sind leer gewesen. Es ist anzunehmen, dass die weiteren im Schloss befindlichen Särge nach der letzten ernestinischen Landesteilung 1826 nach Altenburg überführt worden sind.

1990/91
Die Orgel in der heutigen „Christuskirche“ in Waffenrod-Hinterrod wird stillgelegt. Mit dem Pfeifenverkauf ist ein Erlös für das neue Orgelpositiv erzielt worden, das der Orgelbaumeister Schönefeld aus Stadtilm 1991 nahe dem Altar erschaffen hat. Der Prospekt ist erhalten geblieben. Altar, Taufgestell und Lesepult sind bei der Innenraumsanierung dunkelblau und grau mit stilisierter Marmorbemalung versehen worden. Die beiden Turmglocken bekommen ein elektrisches Läutwerk (1991). Nur die kleine Bronzeglocke mit der Inschrift „Lasst Euch versöhnen mit Gott“ (2. Korinther 5,20) stammt aus dem Erbauungsjahr 1928, die große Stahlglocke mit der Inschrift „Kommt, es ist alles bereit!“ (Lukas 14,17) aus dem Jahr 1957 ist Ersatz für eine der Kriegswirtschaft eingeschmolzene.

Ab 1990
Mit dem Fall von Grenze und Todesstreifen tangiert die „Rhönwallfahrt“ zwischen Simmershausen/Rhön auch den Landkreis Hildburghausen. Hier werden gute Zeichen der ökumenischen Verbundenheit zwischen den katholischen und evangelischen Christen deutlich. Von Simmershausen zieht die Wallfahrt über Ostheim v. d. Rhön, Stockheim nach Mellrichstadt. Hier wird eine Heilige Messe gefeiert. Dann geht es weiter nach Hendungen mit einer Andacht mit Rast und weiter an der Bildeiche vorbei nach Gollmuthausen, durch das Grabfeld über Ottelmannshausen, Herbstadt mit Rast und Eyershausen, Alsleben und Sternberg. Es folgt am nächsten Tag der Aufstieg zur Ursula-Kapelle, dicht an der bayerisch-thüringischen Landesgrenze, zur Heiligen Messe, nach Albingshausen im Landkreis Hildburghausen, Rieth und Hellingen meist zur Rast, weiter über Poppenhausen, Dürrenried, Lechenroth und Oberelldorf nach Seßlach zur Andacht in der Kirche und Rast. Es folgt dann der letzte Abschnitt über Neusses an den Eichen und Rossach nach Altenbanz.

1990
Das Agrarhistorische Museum in Kloster Veßra wird umbenannt in Hennebergisches Museum Kloster Veßra für regionale Geschichte und Volkskunde. Forschungs- und Ausstellungstätigkeit: Geschichte des Prämonstratenser-Chorherrnstifts, des Henneberger Landes und der Volkskunde zwischen Rennsteig, Grabfeld und Rhön.

11. Oktober 1989
In der Dreifaltigkeitskirche in Eisfeld tritt der weltberühmte Leipziger Thomanerchor auf. Das Konzert wird von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften und Spitzeln observiert.



Es ist ein eigener grillenhafter Zug, dass wir durch Schweigen das Geschehene für uns und andere zu vernichten glauben!
(Johann Wolfgang von Goethe
1749 – 1832
deutscher Dichter, Naturwissenschaftler, Staatsmann)
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