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Die kleinste unter den sächsischen Residenzen

Rudolf Armin Human

“Die kleinste unter den sächsischen Residenzen, aber nicht die letzte in gehaltvoller Würde”

Im Jahre 2000 mag es manchen vielleicht wie ein Märchen aus alter Zeit anmuten, dass das einst so kleine Hildburghausen einmal auch prunkvolle und hochbedeutsame Residenz gewesen. Und doch bestand hier 142 Jahre lang, nämlich von 1684 bis 1826 derartiger Fürstenhof. Bei einstiger Anrichtung drückende Last der Bürgerschaft wie des kleinen Landes, in weiterem Verlauf durch ungemessenen Hof- und Militärprunk Ursache fast allgemeinen Bankrotts, andererseits aber die Stätte, von der Intelligenz und feinere Sitte in Stadt und Land ausging, die kleinste unter den sächsischen Residenzen, aber nicht die letzte in gehaltvoller Würde. Gedenken wir da nur des von Herzog Ernst I. anno 1714 begründeten Gymnasium academicum, im Grunde wohl ein Luxusartikel für Hof- und Militärdienst, für eine Universität zu wenig, für eine Schule zu viel, der Tendenz nach aber doch eine Ritterakademie, die deutsches Wesen und Realwissenschaft pflegen wollte und immerhin weithin anregend wirkte; oder der von Ernst Friedrich III. Karl begründeten stattlichen Schlossbibliothek und des Naturalienkabinetts mit mancher beachtenswerten Spezialität; oder des Hoftheaters und der davon ausgehenden Pflege von Poesie und Musik, der Begründung des Seminars und des Gymnasiums Fridericianum in Herzogin Charlottes Glanzepoche; oder jener Reihe bedeutender Männer, die der kleinen Stadt das Gepräge einer akademischen Stätte und weithin leuchtenden Namen gaben: letztlich war es doch immer der Hof, von dem die Anregung dazu ausging, dass die Stadt vor anderen als Stadt der Bildung galt! 

                                              Dr. jur. et phil. Armin Human

  Nach: Rudolf Armin Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. (II. Teil). In: Schriften des Vereins für Sachsen-Meiningische Geschichte und Landeskunde. Heft 65. – Hildburghausen, 1912.

Aus: Hans-Jürgen Salier und Bastian Salier: Hildburghäuser Lesebuch. – Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen, 1999, S. 128

Wahrheiten, die man ganz besonders ungern hat, hat man besonders nötig.
Jean de la Bruyère
1645 – 1696
französisch-moralistischer Schriftsteller)
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