Eine Seite für Hildburghausen

Frühe Neuzeit

mit Reformation, Religionsfrieden (bis 1580)

1480
Ernst von Sachsen, ab 1485 alleiniger Landesherr und Kurfürst, zieht von Coburg aus ins Heilige Land.

Um 1480
Ein Ausbau der „St.-Marien-Kirche“ in Roth erfolgt in spätgotischer Zeit. Urkundlich ist Roth 1144 erstmals erwähnt worden, aber der an der Ostseite des Gleichbergmassivs gelegene Ort ist wohl sehr viel älter. Das Kirchenschiff wird an den Altarraum und an die Sakristei angebaut. Das Langhaus ist 11,9 Meter mal 8,5 Meter. Die ältesten Teile von Chorraum und Sakristei sind vor 1250 erbaut worden, die ältesten Holzteile im Kirchturm stammen aus dem Jahr 1376.

1480
Die alte im Kirchenschiff aufgestellte Bronzeglocke der einstigen Kapelle „St. Nikolaus“ in Gleicherwiesen stammt noch aus dem 14. Jahrhundert aus katholischer Zeit. – Zum Geläut gehören heute die große Bronzeglocke aus dem Jahr 1480 und eine Eisenhartgussglocke aus dem Jahr 1955.

1483
Die älteste Bronzeglocke der Kirche in Wiedersbach, die mit „St. Johannes der Täufer“ (24. Juni) und „St. Blasius“ (3. Februar) ein Doppelpatrozinium hat, stammt aus diesem Jahr. Neben der Jahreszahl in Mönchsschrift trägt sie den Namen JOHANNES BAPTISTA (Johannes der Täufer), die zweite aus dem Jahr 1507 den Text „johannes und blasius patron dises gotzhaus regina heys ych peter Koreiß gos mych anno domini XVc und ym VII. jare“. Zum Geläut gehören zwei Eisenhartgussglocken aus dem Jahr 1952, die Ersatz sind für zwei im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte Bronzeglocken.


In der Stiftskirche Römhild ist an der nördlichen Chorwand mit dem Gedenkgemälde für Heinrich Kipkorn aus dem Jahr 1482 spätgotische Tafelmalerei erhalten. Bis zur Restaurierung 1865 – 1867 hat es sich an der Taufkapelle befunden. Maria im Ährenkleid befindet sich zwischen den Heiligen Katharina, Erasmus, Barbara und Wolfgang. Zu ihren Füßen knien der verstorbene Augustinerpater in brauner Kutte und weißem Übergewand. In der linken Ecke kniet der Stifter Heinrich Kipkorn, die kleinfigurige Frau rechts ist vermutlich dessen Ehefrau. 

14. Mai 1484
Auf Vermittlung Gräfin Margarethas von Henneberg-Schleusingen, geb. Margaretha von Braunschweig, erteilt Papst Sixtus IV. die Genehmigung für den Kirchenbau in Themar. Am 03.05.1488 kommt es zur Grundsteinlegung.

Der Stadtrat stiftet neben dem bereits vorhandenen St.-Bartholomäus-Altar noch einen Marien-Altar. Man bemüht sich, einen weltlichen Vikar zu bekommen, um sich von der Bevormundung Veßras zu befreien. Es dauert jedoch bis 1514, ehe die zugehörige Pfarrei mit Unterstützung der Landesherrschaft von Veßra selbstständig wird.

20. Mai 1484
Berthold IV. von Henneberg-Aschach-Römhild (1441/42 – 21.12.1504, Aschaffenburg) wird Erzbischof und Kurfürst in Mainz.

Der bedeutende Reichsreformer ist bemüht, in der Reichsverfassung die Macht der Stände zu festigen. Ab 1486 ist er Führer der Reichskanzlei und unterstützt im gleichen Jahr die Wahl Maximilians I., genannt „der letzte Ritter“ (Sohn von Kaiser Friedrich III.), als römisch-deutscher König, ab 1508 wird er zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gekrönt. Dadurch gerät er in Widerspruch zu Kaiser Friedrich III. und erreicht 1495 die Einsetzung des Reichskammergerichts sowie die Ausrufung des „Ewigen Landfriedens“. Er führt den „Gemeinen Pfennig“ als Reichssteuer ein und setzt ein Reichsregiment ein. Auf seine Initiative hin findet jährlich ein Reichstag statt. Berthold kann nicht alle seine Reformwerke verwirklichen, teilweise auch nur in Ansätzen. Zudem ist er Förderer der Mainzer Universität.

Von Zeitgenossen erhält er den Beinamen: Des Kaisers rechte Hand und der Fürsten helles Auge!“ Er nutzt seine Macht im Reich zur Durchsetzung der Interessen der Fürsten. Im Mainzer Dom befindet sich sein von Hans Backoffen gestaltetes Grabdenkmal.

1484

Die Ritter zu Heßberg lassen die Chorturmkirche „St. Marien“ in Adelhausen, wenige hundert Meter von der heutigen Landesgrenze zu Bayern, erbauen. Der Chorraum und das Kreuzgewölbe stammen vermutlich aus der Vorgängerkirche, der Turm (vier Meter im Quadrat) ist oktogonförmig. Das gotische Gotteshaus gilt als „steinernes Juwel“ der Bau- bzw. Kunstgeschichte in der Region. Der den Turm tragende Chor hat das Maß 3,6 Meter im Quadrat, das Kirchenhaus ist 10,7 Meter lang und 7,5 Meter breit. Die naturgefärbten Steinarten der unverputzt gebliebenen Kirche geben ihr einen ganz besonderen optischen Reiz. An der Südseite sind sogar noch Reste einer Sonnenuhr zu entdecken. Die Kantsteine an Kirchenhaus und Turm haben noch vom mittelalterlichen Bauen herrührende Zangenlöcher. Ein Kantstein an der Südseite trägt ein Steinmetzzeichen, und an der Westseite ist links neben dem Eingang eine lateinische Bauinschrift zu sehen. Sie nennt das Jahr 1484 als Entstehungsjahr, aber einzelne Bauteile könnten noch aus einer viel älteren Vorgängerkirche stammen. Die mächtige Altarplatte (Mensa) weist noch die Weihekreuze aus vorreformatorischer Zeit auf.


Fresken in der Kirche „St. Marien“ in Adelhausen (Ausschnitt)


In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind bei Restaurierungsarbeiten Fresken aus der Entstehungszeit der Kirche über der Kanzel und dem Chorbogen entdeckt worden. Es handelt sich um weibliche Nothelfer-Darstellungen und auch um eine Marienfigur mit dem Jesuskind. Die Darstellungen und Einbauten stammen aus der Renaissancezeit. Die Kirche hat zwei Bronzeglocken, die kleine ist etwa um 1484 gegossen worden, die zweite 1764 in Coburg. Sie trägt den Namen von Ernst Friedrich III. Carl Herzog von Sachsen-Hildburghausen (1727 – 1780, Regierungszeit: 1745 – 1780) und den des Heßberger Kirchenpatrons. 


Die Kirche „St. Marien“ in Adelhausen mit geschmücktem Osterbrunnen.
Foto: Gudrun Salier 

1484
Die Kirche in Wiedersbach wird als Kapelle des Johanniterordens von Schleusingen erbaut und 1601 erweitert. Der Sandsteinaltar in der Mitte der Kapelle stammt aus der Zeit, der erhellt wird von zwei Spitzbogenfenstern.


Die „Nordkapelle“ oder „Henneberger Kapelle“ in Kloster Veßra, die Margareta von Henneberg 1485 ausmalen ließ. Die Fresken sind noch deutlich zu erkennen. Hinter dem niedrigen Triumphbogen vor der romanischen Apsis thront Christus in der Mandorla mit Schwert und Lilie als Weltenrichter, zu seinen Seiten sind Johannes der Täufer und Maria. Sie bitten für die Seelen der Auferstandenen, die aus den offenen Gräbern auffahren und im flammenumzüngeltenHöllenschlund versinken. 

1488
Baubeginn der St.-Bartholomäus-Kirche in Themar. Am 03.05. legt Antonius König, Chorherr des Prämonstratenser-Kloster Veßra und Themarer Pfarrer, den Grundstein.
Die ältesten Glocken der Stadtkirche werden 1488 und 1507 gegossen. Die Stahlglocke von 1957 ist Ersatz für die im Krieg zu Rüstungszwecken abgelieferte Glocke.


Ende 15. Jahrhundert

In Sachsendorf (heute: Sachsenbrunn, 1317 erstmals 1317 urkundlich erwähnt) wird auf den Grundmauern einer älteren Kapelle eine spätgotische erbaut. Die Vorgängerkirche ist Wallfahrtskapelle auf dem Weg zur Itzquelle in Stelzen gewesen. Reste dieser einst von einem Bischof geweihten Kapelle sind am Kreuzgewölbe des Chors mit den kehlprofilierten Rippen und dem Schlussstein des Baumeisters zu sehen, in den Chorfenstern, dem spitzbogigenTriumphbogen und am Schweifbogenfenster in der Nordwand des Langhauses.

15. Jahrhundert

In vorreformatorischer Zeit kann kaum von einem geordneten Schulwesen in der Region gesprochen werden.

Um ihren Lebensunterhalt zu fristen, müssen die Lehrer zur Sommerzeit landwirtschaftliche Arbeiten verrichten, die Schüler werden in unzureichenden Räumlichkeiten unterrichtet. Die nachreformatorischen Visitationsakten in Hildburghausen berichten beispielsweise, dass die Lehrer eine jährliche Besoldung durch die Pfarrkirche in Höhe von 17 Gulden erreichen, dazu das Schulgeld der Schüler. Davon muss auch noch der Kantor bezahlt werden.


1489
Die St.-Veits-Kirche auf dem sagenumwobenen Irmelsberg bei Crock wird geweiht.


Im 2006 erschienenen Band „Die Kirchen im Landkreis Hildburghausen“ wird das Gotteshaus beschreibt Pfarrer Joachim Neubert die Kirche:

Trotz einer wechselvollen Baugeschichte hat sie eine klare, einheitliche Baustruktur im spätgotischen Stil. Ihr Grundriss: Im Osten ein relativ großer ca. zehn Meter langer Chorraum, dessen Ecken abgeschrägt sind mit vier Spitzbogenfenstern. An den Ecken treten insgesamt sechs Strebepfeiler mit Satteldach- bzw. Pultdachabschlüssen hervor. Auch das alte Dachgesims mit Kehlprofil ist deutlich zu erkennen. Die Sakristei steht an der Südseite dort, wo der Chor und das Schiff verbunden sind. Das Kirchenschiff mit seinen vier Spitzbogenfenstern auf der Südseite ist kaum größer als der Chor. Daran schließt sich der Turm an der Westseite an. Er bildet das Treppenhaus zu den Emporen und den Aufgang zum Geläut und ist in vier Etagen geteilt. Turm und Dach sind mit Schiefer verschlagen, der Turm wurde zum letzten Mal im Jahr 2003 zu großen Teilen erneuert … An seinem Dachfuß verjüngt er sich und schwingt sich zu einer achteckigen, erneut ansetzenden Schweifhaube, um von dort noch einmal senkrecht nach oben zu streben und den spitz auslaufenden Turmaufsatz zu bilden. Die Turmzier wird durch eine Wetterfahne und den Knopf gebildet.

Der spätgotische achteckige Taufstein in der Kirche zu Crock
 

1488 – 1505
Die dreischiffige spätgotische Eisfelder Stadtkirche, eine Hallenkirche, wird erbaut, sie wird dem hl. Nikolaus geweiht, seit der Reformation der Dreifaltigkeit. 1601, 1632, 1641, 1945 wird sie stark zerstört. Der Würzburger Dompropst Kilian von Bibra veranlasst den Bau. Der 14 Meter lange und 8 Meter breite Chor der Kirche wird erbaut, dem sich das 25 Meter lange und 18,5 Meter breite Langhaus anfügt.
Die Kirche gilt als eines der imposantesten sakralen Bauwerke der Spätgotik in Südthüringen.


Kilian von Bibra (um 1425 – 1494) ist Doktor des kanonischen Rechts, Dompropst und Generalvikar in Würzburg, Stellvertreter des Erzbischofs Rudolf II. von Scherenberg. Im höheren Alter ist er Berater von Kaiser Maximilian I.

1490

Die Kirche in Unterneubrunn/Ernstthal wird fertig gestellt. Die Jahreszahl ist über dem Sakramentshäuschen im Chorraum zu sehen. Sie wird dem heiligen Jakobus geweiht, dem Schutzpatron der Pilger und Fuhrleute. In der Region sind der Erzbergbau und der Hüttenbetrieb immer mehr gewachsen. Aber auch Fachleute aus dem Erzgebirge siedeln hier. Die beiden Nürnberger Kaufleute Georg Holzpuger (Holzschuher) und Ulrich Erker unterstützen wesentlich den Kirchenbau.

Ende 15. Jahrhundert

An Stelle der heutigen Stadtkirche Heldburg, des erstmals 837 und 838 erwähnten und am 2. Dezember 1394 zur Stadt erhobenen Ortes (1423 erhält die Stadt das Hildburghäuser Recht) steht eine kleine Kirche, vom Friedhof umgeben und zum Schutz der Bürger mit Gaden umwehrt. Sie genügt dem kleinen sich entwickelnden Städtchen nicht mehr, zudem ist sie baufällig geworden. 1502 ist mit dem Bau der neuen und repräsentativen Kirche an der Westseite des Marktplatzes begonnen worden. Der Friedhof der Vorgängerkirche wird an den Stadtrand verlegt.

1491
Die Kapelle „St. Wolfgang“ an der Wegekreuzung in Oberrod – zwischen Heckengereuth, Waldau und Wiedersbach – wird in einem Testament erwähnt, eine Katharina Schneiderin aus Schleusingen hat die Kapelle in ihrem Testament bedacht. Die gotischen Baumerkmale lassen vermuten, dass das Gotteshaus durchaus über 100 Jahre älter sein könnte. Sie hat einen quadratischen Grundriss von nur sechs mal sechs Meter und zwei Etagen sowie ein Satteldach. Das Untergeschoss ist der Altarraum gewesen. Darauf sitzt ein achteckiger und spitz auslaufender Dachreiter mit Arkaden und Turmzier und eine aufgesetzte Henne, der aus der Zeit des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts stammt. Dendrologische Untersuchungen der Hölzer des Dachstuhles haben ergeben, dass das Holz im Winter 1860/61 geschlagen worden ist. Unterhalb der Arkaden befindet sich eine mechanische Uhr. Die kleine Bronzeglocke stammt aus dem Jahr 1763. Sie ist von J. A. Mayer, Coburg, gegossen worden. Das Kirchenschiff ist nicht mehr vorhanden, da das Kirchlein vor allem im 20. Jahrhundert zweckentfremdet genutzt worden ist, so auch für Schlachtfeste. Im ehemaligen Chorraum ist noch ein entsprechender Querbalken für Hausschlachtungen zu sehen. – Ihr Aussehen vermittelt den Eindruck ähnlicher mittelalterlicher oder spätmittelalterlicher Vorgängerkirchen kleiner Ansiedlungen in der Region.

1492

Die „Oberkirche“ am Ausgang von Themar, nahe der heutigen B 89 (Friedhof, spätere Johanniskirche) wird in einer Urkunde von Fritz von Bibra erwähnt. Er stiftet eine Messe, deren „HEWPTHERN“ die 14 Nothelfer sind. – Das tatsächliche Alter der Kirche ist nicht bekannt, denn von ihr gibt es nur spärliche Informationen.

1492
In Crock wird eine Vikarei für vierzehn eingepfarrte Dörfer gestiftet und vom Würzburger Fürstbischof Rudolph II. von Scherenberg (um 1401 – 1495, Regierungszeit ab 1466) bestätigt.

1493
Gleicherwiesen, eine frühere Tochterkirche von Gleichamberg, wird eine Pfarrkirche, die sie auch bis ins 19. Jahrhundert bleibt, ehe sie wieder an Gleichamberg kommt. Das heute in Privatbesitz befindliche alte Pfarrhaus neben der Kirche „St. Nikolaus“ erinnert an die Selbstständigkeit der Gemeinde. Im Haus befindet sich der renovierte Gemeinderaum.

1495

Die größere der beiden Glocken in Schlechtsart stammt aus vorreformatorischer Zeit, aus dem Jahr 1495. Die kleinere ist im Ersten Weltkrieg für Kriegszwecke eingeschmolzen worden. Die wiederbeschaffte Glocke muss im Zweiten Weltkrieg den gleichen zerstörerischen Weg gehen. 1976 wird mit privaten Spendenmitteln eine zweite Glocke beschafft.

1496

In einer Kastenrechnung wird erstmals die Ottilienkapelle auf dem Questenberg bei Hildburghausen erwähnt (auch Attelsberg genannt, heute: Häselriether Berg). Sie muss schon länger bestanden haben. Der unbewiesenen Sage nach soll es ein Heiligtum für den slawischen Donnergott gewesen sein, später eine Wallfahrtskapelle, die aber mit der Reformation ihre Bedeutung verloren hat. Stationen haben die in Hildburghausen befindliche Nikolauskapelle und das Siechenhaus (etwa in Höhe des heutigen Bahnübergangs am Wallrabser Kreuz) gebildet.
In der Rechnung heißt es: „1 fl. Hat Oswald Roßteutscher seliger beschieden für die St. Ottilienkapelle uff den Questenberg.“ – Eine Bleistiftzeichnung um 1690 ist bekannt, auf der sie als Ruine zu sehen ist. Anfang des 19. Jahrhunderts sind im Schrifttum noch Steinreste der Ottilienkapelle erwähnt worden, die u. a. zum Hausbau am Markt in Hildburghausen (heute: Apotheke am Markt, früher u. a. Kaufhaus von Amberg) verwendet worden sind. Der genaue Standort ist unbekannt.

1496
Die in Hildburghausen gelegene und dem Kloster Veßra gehörende Mönchhofstatt (1388 abgebrannter Veßraer Mönchshof, nach Neuaufbau auch „das neue Haus“ und später „alte Münze“ genannt) geht für 110 Gulden nebst ewigen Zinsen und Land am Römersbach vom Veßraer Abt Petrus in städtisches Eigentum über (Hof des ehemaligen Brunnquellschen Hauses, heute: Obere Marktstraße 44).


1497

Der Chorturm der dem heiligen Mauritius geweihte Marisfelder Kirche wird errichtet.

1497
Die Gottesackerkirche „St. Leonhard“ in Heldburg, die Heldburger nennen sie schlicht „Kapelle“, wird erwähnt. Ihr genaues Alter ist unbekannt. Um die Kapelle ist nach der Reformation 1533 der Friedhof angelegt worden. Der heilige Leonhard von Limoges, benannt nach dem fränkischen Adelssohn, der am Hof der Merowinger und später als Eremit gelebt hat, ist der Schutzpatron der Gefangenen und der Haustiere, besonders aber der Pferde. Die Kapelle zu dieser Zeit ist weitaus kleiner als das Kirchlein heute, sie hat die Größe des heutigen Chorraums gehabt. Erst zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert ist das Langhaus dazu gekommen. Der breit angelegte Spitzbogen als Verbindung zum Altarraum macht es kenntlich. – An der Südseite der Kirche befindet sich der Gedenkstein für den verstorbenen Sohn des Superintendenten Dr. Johann Gerhard.


Die Gottesackerkirche „St. Leonhard“ in Heldburg


1496 und 1498
Die große Marisfelder „Laurenzer“-Glocke ist 1498 gegossen worden. Auf ihr stehen die Namen der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie die Inschrift „Christe cum tua pace. Mauritius Patronus. A. Dom. MCCCCLXXXXVIII“ („Christus sei mit deinem Frieden. Mauritius ist der Patron dieser Kirche. 1498“).


Die große Glocke der Kirche „St. Mauritius“ in Marisfeld, gegossen im Jahr 1498, „Laurenzer“ genannt. 

Der reiche Sagenschatz des Landkreises Hildburghausen hält auch eine Sage zur Marisfelder Laurenzer-Glocke bereit:

Einst hütete ein Hirt bei der Laurenze seine Herde. Da bemerkte er einen metallenen Gegenstand, der aus dem Weideland hervor sah. Wahrscheinlich hatte ihn ein Wildschwein bloßgewühlt. Der Hirt grub weiter und legte zu seinem Erstaunen eine Glocke frei. Es war die uralte Turmglocke der Laurentius-Kapelle. Sowohl die Gemeinde Schmeheim als auch die Gemeinde Marisfeld wollten sich die Glocke aneignen. Um allem Streit aus dem Wege zu gehen, kam man darin überein, die Glocke auf einen Wagen zu laden und durch ein blindes Pferd fortziehen zu lassen. Der Gemeinde sollte die Glocke gehören, nach der das blinde Pferd ungefähr die Richtung nehmen würde. Man führte es einige Male im Kreis herum, und dann konnte es seinen entscheidenden Weg gehen. Da es aus Marisfeld stammte, lief es naturgemäß nach dem Dorf Marisfeld, dem die Glocke fortan gehörte.“


Aus dem Jahr 1496 stammt die zweite Glocke der „St.-Mauritius-Kirche“ Marisfeld mit einer lateinischen Inschrift: „Ave Maria gratia plena. A. D. MCCCCLXXXXVI (Sei gegrüßt Maria voll göttlicher Gnade 1496). – Die kleinste, zwischen 1350 und 1380 gegossene Glocke, im Geläut ist ein Nachguss. Bei der Auslagerung zum Einschmelzen für Kriegszwecke ist diese historisch wertvolle Glocke beschädigt worden, aber erhalten geblieben. Sie steht heute im Glockenmuseum in Apolda. Die Glocke trägt nicht das Jahr ihrer Entstehung, wohl aber Ornamente, die als Tierkreiszeichen gedeutet worden sind.


1498

Die Vorgängerkirche der heutigen Kirche „St. Johannes der Täufer“ (Johanniskirche) in Schleusingen, Baubeginn voraussichtlich 1483, wird als dreischiffige gewölbte Hallenkirche geweiht. Aus dieser Zeit sind heute noch der Kirchturm mit kreuzgewölbter Sakristei (Untergeschoss) und die Ägidienkapelle erhalten. 1608 wird der Turm um zwei Stockwerke erhöht und misst jetzt 44 Meter, Baumeister sind Sebastian Schott und Siegmund Werner. Das zweite Turmgeschoss ist in reiner Gotik erbaut, die beiden Obergeschosse mit dreiteiligem gotischem Maßwerk, aber mit gedrückten Spitzbogen und Ovalfenstern. Der obere Bereich ist von einem Viereck in ein Achteck umgestaltet worden.

1498

Die Kirche „St. Johannes der Täufer“ in Haina bekommt für den weiteren Ausbau Ablass gewährt. Am nördlichen Triumphbogenpfeiler ist die Jahreszahl 1497 nachzuweisen. Die Altarhalle besitzt ein gotisches Sterngewölbe. Auch das in jüngster Zeit freigelegte mittelalterliche Fresko, das sogenannte „Weihnachtsfresko“, stammt aus der Zeit. Es zeigt vorn Maria, dhainter Joseph und auf der rechten Seite die Mutter Marias, Anna, rechts Annas Mann Joachim. Auf dem Schoß Annas ist stehend das Jesuskind zu sehen.

1499
Die den Aposteln Petrus und Paulus geweihte an noch vorhandenen Bauteilen nachweisbare romanische Kapelle von Gerhardtsgereuth wird erwähnt, beispielsweise am rundbogigen inzwischen zugemauerten Triumphbogen. Das Gotteshaus hat es aber weitaus früher gegeben.


1499
Das Kloster Veilsdorf erwirbt durch Tausch mit der Pfarrei Hildburghausen ein Drittel des Schackendorfer Zehnten.


1499
Der kleine Ort Hirschendorf, der in dieser Zeit wegen des über dem Berg liegenden Hinterrod auch „Vorderrod“ genannt worden ist, hat eine dem heiligen Lorenz (Laurentius: 10. August) geweihte Kapelle.

Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert
Kloster Veßra ist wegen widerstrebender Interessen und Kampf um seinen Besitz in Konflikte mit Grundherren und Städten verwickelt.

Themar befreit sich beispielsweise zwischen 1509 – 1514 von der Bevormundung des Klosters Veßra. Zersetzungserscheinungen sind sichtbar. Die hohen kulturellen Leistungen (Baukunst, Bildhauerei, im Bildungsbereich, Schreib- und Malkunst, wissenschaftliche Betätigung) sind vergangen. Verweltlichung, Sittenverfall, erschreckend niedriger Bildungsstand und schwindende Wirtschaftskraft lassen die Bedeutung des Klosters sinken.
1498 führt die Stadt Themar Klage über die miserable Amtsführung ihres Pfarrers, eines Veßraer Mönchs. Viele der Mönche führen inzwischen ein sehr „weltliches“ Leben und haben mit ihren Köchinnen Kinder.

Um 1500

In der Kilian-Kirche Bedheim werden barocke Malereien im Gewölbe und an der Nordseite des Altarraums angebracht, die Bekehrungsgeschichte des Saulus zum Paulus vor Damaskus (Apostelgeschichte 9).
Karl Ruß schreibt zu Bedheim: Vor der Reformation, d. h. zur katholischen Zeit, stand auf dem Platz an der Linde wahrscheinlich eine Kreuzigungsgruppe. Es war offenbar der alte Dorfplatz, auf dem in ältesten Zeiten das Dorfgericht – das Thing – abgehalten wurde. Als die Christianisierung begann, wählte man solche Plätze zur Verehrung Christi aus. Es besteht wohl keine Frage, dass wohl hier eine Kreuzigungsgruppe … gestanden hat, deshalb trägt er jetzt noch den Namen „Kreuzer“. Mit Kreuzung kann das Wort nichts zu tun haben, denn die neue Straße nach Hildburghausen wurde erst viel später angelegt. Vielmehr war hier ein wichtiger Verehrungsort eines Prozessionsweges, der von Roth, wo die der heiligen Maria geweihte Kapelle stand, nach Eishausen führte. Von Roth ging der Weg, das sehen wir aus alten Flurnamen, über den heimatlichen Weg (verstümmelt aus „heiliger Weg“) über die Marter (hier wieder eine Betstation) zum Kreuzer in Bedheim; von hier setzte sich der Weg fort über die Walläcker (Wallfahrtsäcker) und den Hüpfsteig (benannt nach der Hüpfprozession, wo die Wallfahrer zur Strafe zwei Schritte vorwärts und einen rückwärts machen mussten), über das Kappele (hier war wieder eine Kapelle) und über das Kreuz (hinter Stressenhausen) vermutlich nach Eishausen zur Wallfahrtskirche. Wahrscheinlich wurden an Stelle der Kreuzigungsgruppe am Kreuzer, als diese in der Reformation entfernt wurden, zwei Linden gepflanzt, von denen eine heute noch steht und deren Alter man auf fast 500 Jahre veranschlagen kann. Leider ist 1935 die andere Linde plötzlich umgefallen.“
(Nach Karl Ruß: Chronik von Bedheim Gemeinde Gleichamberg. – Feuerwehr- und Heimatverein e.V. und Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen, 2005, S. 46 f.)

Um 1500
In Zeilfeld wird der Chorraum mit Fresken ausgemalt. Sie enthalten die Oswald-Legende und die Passion Jesu Christi. Gegen 1524/25, in der Zeit des Bauernkrieges, wird das Altarsockelwerk auf den Altar aufgebracht. Künstler ist der berühmte fränkische Holzschnitzer Hans Nussbaum.

1502

Weihe der einschiffigen St.-Bartholomäus-Kirche in Themar mit eingezogenem, polygonal geschlossenem Chor und sechsgeschossigem Turm an der Südseite.

Bartholomäusfigur in der Stadtkirche Themar, um 1900 

In der Sakristei sind heute noch Reste der Vorgängerkirche, der ehemaligen „Unterkirche“, feststellbar. Das Geläut ist aus vorreformatorischer Zeit. Die große Glocke aus dem Jahr 1957, eine Stahlglocke, Ersatz für eine für die Kriegswirtschaft abgelieferte. Die beiden umlaufenden Emporen stammen aus dem Jahr 1541 und sind mit Heiligenfiguren und geschnitzten Köpfen, sogenannten Bartmannsköpfen, versehen.

In Themar wird die Vikarei des hl. Sebastian erwähnt.


Die „St.-Bartholomäus-Kirche“ in Themar vermittelt auch im 21. Jahrhundert eindrucksvoll die Erhabenheit spätmittelalterlicher Kultur.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1502
Mit der Gründung der Universität Wittenberg wird die Pfarrei Eisfeld dem Allerheiligenstift in Wittenberg inkorporiert (angegliedert). Pfarrer ist Dr. Ulrich v. Dienstädt († 1524) als Kantor der Vierte der Stiftsherren der Wittenberger Schlosskirche.

1502

Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen gründet das Barfüßerkloster in Schleusingen.

1503
Infulierung (Ausstattung mit bischöflichen Insignien) des Abtes Peter („abbas infulatus“) im Prämonstratenser-Kloster Veßra. Während seiner Regierungszeit kommt es zu einer bedeutenden Bautätigkeit.

1504
Der erhöhte Chorraum der an der von Hildburghausen nach Römhild bzw. ins Heldburger Unterland führenden Straße liegenden Leimriether Kirche stammt aus der Zeit. Die Kirche hat einen Diakon aus Hildburghausen, ab 1612 ist sie ein Filial von Pfersdorf. Der den Turm tragende Chor hat die Abmessungen von 5,9 Meter x 4,2 Meter. Das Langhaus ist 8,4 Meter lang und 6,6 Meter breit.


Kirche „St. Valentin“ („Lutherkirchlein“) in Leimrieth (Nordseite)

Foto: Hans-Jürgen Salier

1506
Die Pfersdorfer Dreiergeläute, eines der ältesten in der Region, hat bis zum Zweiten Weltkrieg bestanden: 1. Goreis-Glocke von 1506, 2. Bronzeglocke von Lotter 1889, 3. Bronzeglocke von C. A. Ulrich 1888. Die Glocken von Lotter und Ulrich (2. und 3. Glocke) fielen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer und wurden durch zwei Stahlglocken ersetzt. Die wertvolle „Goreis-Glocke“ trägt (teilweise in Abkürzung) die Inschrift: „ave maria gracia + anno dni [domint] – 1506 – gos mich peter goreis. maria m[a]delena sant niclas patron dises gotz havs.“ („Sei gegrüßt. Maria voller Gnaden und Maria Magdalena, St. Niklas [Nikolaus] [für] dieses Gotteshaus“).

Peter Goreis (auch: Gareis) goss zwischen 1490 und 1510 seine Glocken in Augsburg und später in Schleusingen. In unserer Gegend stammen einige Glocken von ihm.

1507
Im Jungfern-Bau der Veste Heldburg befinden sich Reste eines alten sakralen Bauwerks – möglicherweise aus dem 12. Jahrhundert. 


Teilansicht Veste Heldburg.
Foto: Bernhard Großmann, 2005 

Zwei schlanke Rundbogenfenster in romanischer Bauweise, später sind sie zugemauert worden, deuten darauf hin. Die alte Burgkapelle dient vermutlich der Burgbesatzung und den Gästen für kirchliche Handlungen. Im Tonnengewölbe befinden sich Fresken, die Lucas Cranach d. Ä. (um 1472 – 1553), zumindest aber seiner Werkstatt, zugeschrieben werden. Der Meister soll sich um 1507 auf der Veste aufgehalten und während seiner Coburger Zeit zur Ausgestaltung der Fränkischen Leuchte beigetragen haben. Zu sehen sind Figuren mit Heiligenschein, symbolische Abzeichen und Schriftbänder an dünnen Ästen schlanker Bäume, die auf die Vierzehn Nothelfer hindeuten.


Deckenfresken (Ausschnitt) aus der Schlosskirche der Veste Heldburg,
die Lucas Cranach d. Ä. bzw. seiner Werkstatt zugeschrieben werden.

1507 – 1510
Gruftkapelle in Römhild entsteht, vermutlich mit Werken aus der Erzgießer-Werkstatt des Bronzegießers Peter Vischer d. Ä., Nürnberg, oder durch ihn beeinflusst. Die Kunstwerke machen die Stadt im Laufe der Geschichte auch international bekannt.

25. April 1507

Elisabeth Gräfin von Henneberg-Römhild, geborene Markgräfin von Brandenburg, verstirbt im Alter von 33 Jahren. Ihr Gemahl, Graf Hermann VIII., gibt den heute in der Stiftskirche Römhild zu bewundernden Sarkophag (vor 1510) in Auftrag.


Grabmal (Bronze-Deckplatte des Sarkophags)
Hermann VIII. Graf von Henneberg-Römhild und Gemahlin Elisabeth von Brandenburg
in der Stiftskirche zu Römhild


Foto: Ines Schwamm

1510
Martin Luther ist auf der Reise nach Rom auf der alten Handelsstraße Hamburg – Venedig und besucht vermutlich die Stadt Eisfeld.

Um 1510 – 1525
Vom Bamberger Meister Hans Nußbaum bzw. aus seiner Werkstatt stammt der spätgotische dreiflügelige Marienaltar in der St.-Bartholomäus-Kirche Themar. Er stellt Maria mit dem Kind, den stehenden mit seiner Lanze den Drachen tötenden Erzengel Michael und den hl. Bartholomäus (Schutzpatron der Kirche und der Tuchmacher-, Gerber- und Flößerstadt) sowie auf den Seitenflügeln Szenen aus Marias Leben dar: Ankündigung der Jesu-Geburt, Geburt des Herrn, Anbetung der drei Weisen, Beweinung der Maria durch die Apostel. Auf den Rückseiten der Seitenflügel finden sich Tafelgemälde mit weiblichen Heiligen: Barbara, Margaretha, Katharina. Auf der Predella (Stufe oder Tritt, hier: in der bildenden Kunst eine Gemälde oder eine Schnitzerei unterhalb des Altarbildes) des Altars ist die heilige Sippe zu sehen. Der Altar ist den großen fränkischen Schnitzaltären zuzuordnen. Der Überlieferung nach bewahrt das Kunstwerk am schrecklichen Gallustag (16. Oktober 1634) die Kirche vor der Vernichtung. – Der Bildschnitzer Nußbaum wird vermutlich wegen seiner Beteiligung am Bauernkrieg hingerichtet.

Eine Sage erzählt, dass nicht ein italienischer Offizier bei der Vernichtung des Gotteshauses innehielt, sondern der gefürchtete Reitergeneral höchstpersönlich: 

Isolani solle mit der Brandfackel in der Hand nach der Kirche geeilt sein, um sie als Gotteshaus der Ketzer anzuzünden. Da strahlte ihm, strotzend in reicher Vergoldung und Farbenpracht, der hohe kunstvolle Flügelschrein des Altars entgegen … Der fanatisch katholische Isolani löschte alsbald die Fackel, befahl die Kirche zu schonen und dem Feuer, das die Stadt verzehre, soviel wie möglich Einhalt zu tun. Er selbst aber warf sich in gläubiger Andacht vor dem Altar auf die Knie und betete. So übte hier die überwältigende Macht gläubiger und frommer Kunst in der Tat ein Wunder und errettete das schöne, auch sonst mit Bilderzier reichgeschmückte Gotteshaus.



1511
Der Name in Bezug zur Kirche wird in Grub in diesem Jahr bezeugt, während die Ortschaft bereits 1317 im hennebergischen Urbarium genannt wird. Es soll sich um ein Schriftstück in Zusammenhang mit der dem heiligen Jakob geweihten Kapelle handeln. Genaueres ist nicht überliefert.

6. Oktober 1513
Der Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra (1495 – 1519) weiht die Vorgängerkirche der heutigen Weitersrodaer Dorf-Gottesstube (1792 Neubau).

Lorenz (1459 – 1519) ist bis 1472 Schüler der Klosterschule des Klosters Veßra gewesen, er ist Anhänger sowie Förderer des Humanismus und dem Reformator Martin Luther und dem Bildschnitzer Tilman Riemenschneider vertraut und freundschaftlich verbunden. 1518, ein Jahr vor seinem Tod, trifft er auf der Festung Marienberg zu Würzburg mit Luther zusammen.

Aus dem Vorgängerbau in Weitersroda ist noch der meisterlich als aufgebrochene Blume stilisierte Taufstein (1624) vorhanden.

1514
An der Kirche „St. Marien“ in Simmershausen findet sich eine Inschrift mit der Jahreszahl 1514. Es ist davon auszugehen, dass der untere Teil des Turms, der vom Chor getragen wird, aus jener Zeit stammt. Er ist 4 Meter lang und 4,5 Meter breit.
Vor der Reformation ist die Kirche eine Tochterkirche von Bedheim, die 1523 von Eucharius von Heßberg gestiftet und begabt wird.

1516

Für die Kirche „St. Marien“ in Poppenhausen (heute: Ortsteil von Hellingen) wird erstmals ein Pfarrer erwähnt.

1516

In einem Erbbuch des Amtes Heldburg ist zur Pfarrei zu lesen:
Westhausen, die Pfarrei, hat der hochgelehrte Herr und Doktor Henningus Gode, Domherr zu Erfurt aus kraft meiner gnädigsten Herren inne, und zu der Zeit mit Herrn Johanns Pfister, jetzigen Conventor (Angehöriger eines katholischen Ordens, d. Verf.) besetzt. Sein jährliches Einkommen beträgt 155 Gulden. Der jetzige Conventor gibt jährlich von der Pfarre zu Pension 62 Gulden und muss halten einen Kaplan, dem gibt er jährlich vier Gulden.“

Johann Werner Krauß schreibt 1750:
Das war die leidige böse Gewohnheit im Papsttum, dass die Domherren die vornehmsten Pfarreien in den Städten und anderswo an sich zogen, hielten darauf ihre Conventores oder Pächter, die ihnen jährlich eine gewisse Pension davon geben mussten. Sie selbst aber bekümmerten sich nicht um die Amtsverrichtungen. Ja manchmal hat denjenigen Ort, davon er Pfarrbesoldung genossen, sein Lebtag mit keinem Auge gesehen. Dergleichen Conventores gab es damals an anderen hiesigen Orten mehr, als zu Stressenhausen, Westhausen, Hildburghausen etc. Sie wurden auch Vicegerentes und Pfarrverweser genennet.“

1517

Die selbstständige Parreikirche Bürden (heute: Ortsteil von Hildburghausen) wird von den Veilsdorfer Mönchen vereinnahmt. 1528 werden die Mönche jedoch endgültig durch die Reformation verdrängt.

Die reiche Sagenwelt des Landkreises Hildburghausen hat der Gleicherwiesener Lehrer Eckhard Witter (* 1944) in der literarischen Sammlung die „Sagen des Landkreises Hildburghausen“, erschienen im Verlag Frankenschwelle Hans J. Salier, in vier Bänden der Nachwelt bewahrt. Im Band 1, S. 47: „Das Achtläuten“ schreibt er einen Text nach mündlicher Überlieferung:

Bürden

Groß war der Landbesitz der Mönche zu Veßra. Fast in jedem Dorf besaßen sie einige Äcker und Wälder, aus denen sie Nutzen und Gewinn zogen. Von besonderer Bedeutung waren die Fischteiche zwischen Hildburghausen und Eisfeld, bekam man doch aus ihnen die Fastenspeise, den begehrten Fisch.
Alljährlich zum Fischzug im Herbst, aber auch zu den notwendigen Arbeiten an Dämmen und zulaufenden Bächen zogen die Veßraer Mönche dorthin. Fischgarn und Werkzeuge führten sie in großen Packen mit sich. Am Ufer der Teiche legten sie die Lasten ab und errichteten Hütten, die ihnen für einige Wochen als Unterkünfte dienten. Jede Kleinigkeit, die man vergessen hatte, musste aus dem fernen Veßra geholt werden. Dies wie auch die schwere Arbeit war ihnen eine rechte Bürde.

Daher wurden einzelne Mönche zu ständigen Aufsehern bestellt, feste Häuser für sie errichtet und Klosterbauern dort angesiedelt. Sie kamen gern, denn hier boten ihnen nicht nur Feld und Wald Nahrung, sondern auch der Fischfang und der Verkauf der Fische auf den Märkten zu Eisfeld und Hildburghausen brachten manche klingende Münze.
Nach den Bürden der Mönche erhielt das hier entstandene Dorf seinen Namen.

Sprachwissenschaftler leiten den Dorfnamen Bürden aus dem lateinischen „burida“ ab, das soviel wie „zu den Gebäuden, zu den Häusern“ heißt.

Bauern bringen ihrem Grundherrn Abgaben
(zeitgenössischer Holzschnitt)
 

1517
An Stelle einer Vorgängerkapelle erbaut in Schwarzbach eine süddeutsche Bauhütte auf den Grundmauern einer kleinen gotischen Wallfahrtskapelle aus dem 13. Jahrhundert die Kirche, die 1580 schon wieder erweitert und ergänzt wird. Der Chor ist 3,5 Meter lang und 3,4 Meter breit, das Langhaus 10,4 Meter lang und 5,5 Meter breit. Auf dem Chor ist ein Turm aufgesetzt, an der Südseite eine kleine Sakristei angebaut. In den Folgejahrhunderten kommt es immer wieder zu Erweiterungen.

Herbst 1518

Martin Luther befindet sich auf der Reise nach Augsburg zum Verhör vor dem päpstlichen Gesandten Cajetan. Der Reformator macht in Heubach und Eisfeld Station.

Spätmittelalterliche Kirchen in der Stadt Hildburghausen

Neben der St.-Lorenz-Kirche, der Vorgängerin der heutigen Christuskirche, sind folgende Kirchen bekannt:

. Feldkirche (auch Jerusalems- oder Heilig-Kreuz-Kirche) an der Straße nach Wiedersbach;

. die Kapelle Unserer lieben Frau auf dem Baumgarten (Kapellplatz, Kapellenstieg, Kapellbrunnen);

. St.-Niklas-Kapelle vor dem Unteren Tor in Richtung Wallrabs (wird 1497 in einer Heiligenmeister-Rechnung erwähnt, ist aber wahrscheinlich viel älter. Zu ihr führt von der Werrabrücke in der heutigen Friedrich-Rückert-Straße ein steinerner Weg, an dessen Anfang die Martersäule steht.

. St.-Ottilien-Kapelle auf dem Questenberg (Häselriether Berg) ist im Mittelalter ein weithin bekannter Wallfahrtsort.

Die Wallfahrt zu Ostern geht vermutlich von der St.-Lorenz-Kirche aus und führt am Marterstock über den Steg der Werra und von dort zur St.-Niklas-Kapelle und nach Wallrabs zum Glockenbrunnen und weiter zum Questenberg.

An der Werrabrücke steht das sogenannte Marterle, eine Kreuzigungsgruppe mit dem Bildnis der beiden Bischöfe Burchard (mit Mitra) und Kilian (mit Schwert), in der Mitte der gekreuzigte Christus. Das Sühnekreuz ist vermutlich Teil eines Kreuzweges
Einige Quellen sagen auch aus, der Bildstock sei ein Sühnezeichen für eine verlorene Fehde, als Apel von Vitzthum auch mit einem Fähnlein Hildburghäuser gegen den Würzburger Bischof gezogen sei. Das Original ist abgetragen worden und steht im Stadtmuseum Alte Post. An der Brücke ist eine Nachbildung aufgestellt worden.
Bei Johann Werner Krauß heißt es 1753: „In alten Rechnungen lieset man, daß anno 1497 die heiligen Meister S. Niclauskirchen von dem Siech-Haus, in der Stiege wegen sich berechnet haben. Vielleicht ist es der Steinerne Weg, der von der Brücke bis ans Siech-Hauß gehet, bey dessen Anfang auch eine Marter Seule stehet.“


Die originale Kreuzigungsgruppe an der Werra
in der heutigen Friedrich-Rückert-Straße im Mai 1984.
Sie steht inzwischen im Stadtmuseum, am Standort befindet sich ein Duplikat.
 

Das Benediktiner-Kloster Veilsdorf unterhält am Kapellenbrunnen in Hildburghausen eine Herberge für erkrankte Fremde. Die Mönche geben wahrscheinlich auch die Anregung zum Bau des städtischen Aussätzigenhauses sowie für ein Irrenhaus gegenüber der St.-Niklas-Kapelle nahe des heutigen Bahnhofs.
Die Kirchen der Stadt Hildburghausen sind zumeist Stiftungen der Bürger (Geld, Grundstück, Naturalien). Es bilden sich auch kirchliche Brüderschaften heraus: Corpus Christi (auch Gesellschaft der Engelmess genannt), St. Sebastian, Bruderschaft der Stadt.

1518
Wenige Monate nach Veröffentlichung von Luthers Thesen in Wittenberg (31.10.1517) predigt in Coburg, der Hauptstadt der fränkischen Ortslande in Sachsen, der evangelische Priester Balthasar Düring († 1529). Düring hat einen entscheidenden Einfluss auf die gesamte Entwicklung der Reformation in der Pflege Coburg.



Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 gehen die entscheidenden Impulse für die Durchsetzung der Reformation in den ernestinischen Ländern von der Universität Wittenberg aus. Die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon nehmen auf die Einführung und Durchsetzung der Reformation einen direkten Einfluss, vor allem auch bei der Besetzung der Pfarrstellen.
Nachdem die Leipziger Universität an die Albertiner gefallen ist, wird 1502 die Wittenberger gegründet, die für die Ernestiner 1547 verloren geht. Am 15.08.1557 erhält die Universität Jena von Kaiser Ferdinand I. die Stiftungsurkunde. Jena ist fortan die Landesuniversität.


Ansichtskarte anlässlich des Jubiläums „900 Jahre Henneberger Land 1096 – 1996“ – Gemeinschaftsausgabe des Naturhistorischen Museums „Schloss Bertholdsburg“ und des Fremdenverkehrsvereins Schleusingen. – Schleusingen, 1996

Beginn 16. Jahrhundert
Zwischen der Johanniterkommende und dem Grafen von Henneberg-Schleusingen kommt es zu Auseinandersetzungen, die bis hin zur Androhung des Banns des Komturs Johann Wilhelm von Bodemann führen. Entschiedener Gegner der evangelischen Lehre ist beispielsweise der Komtur Baier, der den Pfarrer Wolfgang Schmidt in Wiedersbach wegen der Verbreitung der evangelischen Lehre anzeigt.

Karl Zeitel schreibt in Die Reformation im Henneberger Land, 1994, S. 41:
Den Bauernkrieg hatten die Orden in Schleusingen unbeschädigt überstanden. Die Haltung der Kommende zur Reformation scheint sich bald geändert zu haben, denn 1531 oder 1541 gratuliert Melanchthon dem Franz Ittig, der in Wittenberg studiert hat, zum Antritt des Lehramtes in Schleusingen und läßt dabei den Komtur und andere Freunde grüßen.“

Zum Franziskanerkloster in Schleusingen schreibt Zeitel auf S. 41 f.:
Zur Verbesserung der Seelsorge war 1502 zusätzlich ein Franziskanerkloster in Schleusingen gegründet worden. Am ersten Adventsonntag desselben Jahres waren dort die Mönche feierlich eingeführt worden. Dadurch kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Johannitern und Franziskanern, bis Abt Peter von Veßra und der Komtur Jakob Genßlin am Freitag nach Martini 1507 einen Vergleich stifteten.

Im Jahr 1529 sollten die Priester Lukas Vogel, der Leibarzt der Gräfin Anastasia, und Johannes Werner, der den Dienst in der Schloßkapelle versah, auf Veranlassung des Guardian und Vizeguardian des Klosters in ein anderes Kloster versetzt werden. Die Gräfin setzte sich daraufhin für ein Bleiben ein. Der Provinzial der Franziskaner, Augustin Alveld, der einige Jahre zuvor gegen Luther geschrieben hatte, schrieb auf diese Intervention hin dem Grafen sehr gehässige und respektwidrige Briefe und drohte, die Brüder insgesamt in ein anderes Kloster zu versetzen. In seiner Antwort brachte Graf Wilhelm deutlich seine Unzufriedenheit mit dem Kloster zum Ausdruck. Das Kloster sei zu stark besetzt, während es doch nur sechs Priester und zwei Laienbrüder aufnehmen sollte, dazu würden die Auswürflinge des ganzen Ordens nach Schleusingen geschickt, die zum Predigen ungeschickt, alt und unvermöglich seien. Außerdem forderte Wilhelm, dem Lukas Vogel einen Entlaßbrief zu geben, da er die Kutte bereits abgelegt habe! In den Sterbensläuften könne er dem gemeinen Wesen besser als Arzt denn in der Kutte dienen. Außerdem war Wilhelm diesem Schreiben zufolge der Meinung, „wer da bleiben wolle, der bleib, welcher nit bleiben wolle, der fahr hin, wo er wolle“. Dieser markante Satz Wilhelms von Henneberg bringt in aller wünschenswerten Deutlichkeit die Haltung des Grafen gegenüber den Mönchen und Nonnen in seinem Herrschaftsbereich zum Ausdruck. Hatte er diese Einstellung bereits vor der Reformation praktiziert, wie das Beispiel aus dem Kloster Trostadt zeigt, so jetzt erst recht, nachdem vielfach die Mönche selbst ihren Stand verließen und Wilhelm nach den gegensätzlichen theologischen Gutachten der hennebergischen Ordenspersonen und dem Martin Luthers offensichtlich selbst nicht mehr von der Richtigkeit des Mönchslebens überzeugt war.

Die Glocke von Neukirchen

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges stand noch an der Grenze zwischen Lindenau und Autenhausen das Dorf Neukirchen.

Im Verlauf des Krieges kamen die Schweden auch in die Gegend von Neukirchen. Sie plünderten und raubten im Dorfe. Dann brannten sie die Häuser an und ließen keinen Stein auf dem anderen. Einige Plünderer stürzten in die Kirche, um die Wertgegenstände mitgehen zu heißen. Sie fanden aber nicht genug. Deshalb warfen sie die Glocke vom Turm herab, um sie mitzunehmen. Durch den schweren Fall war die Glocke ein beträchtliches Stück in die Erde gesunken. Sie wieder auszugraben, bereitete den Achweden zu viel Mühe. So blieb die Glocke liegen. Bald wucherten Unkraut und Gras über sie, und nichts war mehr vorhanden, was an die Glocke erinnerte.

Lange Zeit danach hütete der Lindenauer Schweinhehirt an diesem Ort. Dabei stieß der Eber auf die Glocke. Dem Hirten war das verwunderlich, und schnell hatte sich der seltsame Fund herumgesprochen. Die Glocke wurde ausgegraben und fand einen Platz auf dem Lindenauer Kirchturm. An das Auffinden erinnerte der Spruch:

„Der Eber hat mich aufgespürt,
der Esel hat mich heimgeführt.“

Das Feld, auf dem die Glocke gefunden wurde, heißt heute noch Neukirchen.

Die von der Kapelle in Neukirchen stammende 60 Zentimeter im Durchmesser große und 146 Kilogramm schwere Bronzeglocke ist Ende des 15. Jahrhunderts (in manchen Quellen auch 14. Jahrhundert) gegossen worden und mit den Namen in Majuskelschrift versehen der vier Apostel Lukas, Markus, Matthäus und Johannes sowie den Heiligen Drei Königen Kaspar, Melchior und Balthasar. Zwischen den Worten finden sich kleine Medaillons, Rosetten und Kreuze mit umgekehrtem Zinnfries. Sie ist am 30. September 1918 abgenommen worden und kommt Ende Dezember wieder zurück. Sie wird dann für 657 Reichsmark an die Glockengießerfirma Schilling & Söhne, Apolda, verkauft worden.

1520
Kurfürst Friedrich III., Philipp von Hessen und Herzog Johann (der Beständige), maßgebliche Förderer und Verteidiger der Reformation, besuchen mit großem Gefolge (364 Pferde) Stadt und Veste Heldburg.

1520
Die fränkische Ritterschaft, zu der auch Wilhelm Graf von Henneberg-Schleusingen gehört, bietet Martin Luther Schutz an.

1520
Neubau der Milzer Kirche als rechteckiger Saalbau mit Flachdecke durch Hans und Valentin Schwarz.

1520

Die älteste Glocke des Geläuts der St.-Kilian-Kirche in Westhausen ist eine Bronzeglocke, die zwei weiteren sind Eisenhartgussglocken aus dem Jahr 1952, weil die originalen Glocken der Rüstung zum Opfer gefallen sind.

16. bis 20. April 1521
Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen besucht Luther in seiner Herberge während des Reichstags in Worms.

Der Graf sympathisiert mit Luther und seinen Lehren. Vermutlich nutzt er die Reformation, um den Einfluss Würzburgs auf seinem Territorium zurückzudrängen und mit allem Machtwillen und den Winkelzügen der Politik, mit scheinbarer Toleranz und gleichzeitiger Verschlagenheit sowie kaum zu überbietender Brutalität seine Machtposition zu festigen.

Wilhelm IV. sieht sich an die 1523 auf dem Reichstag zu Worms gefassten Beschlüsse zu gebunden und verweigert zunächst die Einführung der Reformation in seinem Territorium.

9. April 1521
In Westhausen wird erster evangelischer Pfarrer der Magister Jodocus Mörlinus (Mörlin, auch Morlin), er ist Professor für Philosophie in Wittenberg gewesen und ein enger Vertrauter Martin Luthers und Philipp Melanchthons. Drei Jahrzehnte führt er die evangelische Gemeinde mit Wort und Sakrament. – Kurfürst Friedrich der Weise ist sicherlich sehr daran gelegen, im Süden seines Landes, unmittelbar an der Würzburger Einflusssphäre, einen protestantischen Prediger zu haben, zu dem auch dort die Gläubigen in Scharen kommen, bei denen die katholische Messe noch nicht abgeschafft worden ist.

Hierzu ist noch zu bemerken, dass Westhausen seit 1502 der Universität Wittenberg inkorporiert (einverleibt) gewesen ist. Die von Kurfürst Friedrich der Weise gestiftete Universität ist von ihm mit Besitztümern ausgestattet worden, darunter hat sich auch Westhausen befunden, damit die Professoren ausreichend Einkommen hatten. Die Wittenberger Universität hat also die Pfarrdienste in Westhausen vergeben und behielt sich die Abgaben vor. Diese „Pensionen“ musste auch Mörlin an Wittenberg zahlen. Manche Jahre konnte er den Betrag nicht abliefern, die Schulden sind ihm bei der Visitation 1528 erlassen worden. Der Landbesitz des Pfarrguts belief sich auf ca. 20 Hektar, also weitaus mehr als die Bauern besaßen.

Martin Luther hat dem verarmten Magister Mörlin empfohlen, den im schwäbischen Feldkirchen Geborenen, das Pfarramt im coburgischen Westhausen anzutreten. Mörlin hat in Freiburg und Wittenberg studiert. Seit 1518 bekleidet er eine Stelle am kurz vorher eingerichteten Wittenberger Pädagogium. Hier erteilt er in den drei alten Sprachen den Anfängerunterricht. Die sozialen Verhältnisse Mörlins bessern sich in seiner Westhäuser Zeit wesentlich. Luther sagt bei einer Tischrede im August 1540: „Morels vater freyett aus lieb ein arm schön kindt und hatt nicht das brott im haus; nuhn bescherrt im Gott eine gutte pfarr und hatt im feine kinder gben, denn Gott gedenckt: Es ist mein ordinatio; ich muß im gnug geben.“

Magister Jodocus Mörlin hatte vier Söhne: D. Joachimus Mörlinus ist Geistlicher in Wittenberg, Eisleben, Wollin, Arnstadt, Göttingen, Schleusingen, Königsberg in Preußen und Braunschweig, er ist am 13.05.1571 gestorben als Bischof im Samland; D. Maximilianus Mörlinus ist Prediger in Pegau, Zeitz, Schalkau, Hofprediger in Coburg und dort Generalsuperintendent. Er ist 1584 gestorben und hinterlässt 12 Söhne. Der dritte Sohn von Jodocus M. ist Magister, dann Diakon in Coburg und dann Pfarrer in Hildburghausen († 1604), der vierte Sohn ist Schulmeister in Westhausen und übernimmt einen Bauernhof.

1521
In Bedheim wird der erste evangelische Pfarrer, Otto Truckenbrod, von Philipp von Heßberg angestellt.

1523
Die Ritterschaft im Ritterort Rhön-Saale-Werra steht der Reformation sehr aufgeschlossen gegenüber. So werden zwischen 1522 und 1524 die ersten evangelischen Gottesdienste in würzburgischen Städten wie Neustadt, Münnerstadt und in einigen Landorten gehalten.

September 1523
Die Pfarrstelle Wiedersbach liegt auf hennebergischem Gebiet, sie ist aber ein Lehen der Pfarrei mit Filialen in den kursächsischen Orten Oberneubrunn, Unterneubrunn und Gießübel. Der Pfarrer Wolfgang Schmidt verbreitet die evangelische Lehre. Es ist überliefert, dass er in Wiedersbach den Gottesdienst nach päpstlichen Zeremonien vollzieht, auf kursächsischem Gebiet nach dortiger Ordnung. Graf Wilhelm gestattet diese Ausnahme.

1524
Düring führt die von Herzog Johann (der Beständige) genehmigte evangelische Kirchenordnung ein.
Erster evangelischer Pfarrer in Hildburghausen ist Magister Johann Birnstil. Er schafft in der St.-Lorenz-Kirche die katholische Messe ab.Ohne größere Einflussnahme von außen entwickelt sich in Hildburghausen – wie in vielen anderen Orten der Region – die Reformation selbsttätig.

1524

Einführung der neuen lutherischen Gottesdienstordnung durch Kurfürst Friedrich III. (der Weise).

Der Kurfürst fördert die Reformation maßgeblich und beschützt Luther, schließt sich aber selbst der Reformation nicht an.

Ab 1524/25
Der Reformator Dr. Nikolaus Kindt (* 1490, Hildburghausen – † 1549, Eisfeld), Kanoniker am Würzburger Münster und zum evangelischen Glauben übergetreten, betreut in 24 Jahren die Pfarrei Eisfeld mit 20 Filialdörfern, die Pfarreien Stelzen, Wiedersbach und Hildburghausen. Er ist Teilnehmer der 1. Kirchenvisitation in den fränkischen Ortlanden (1528/29), in Königsberg in Franken, Heldburg, Hildburghausen, Rodach, Eisfeld, Neustadt an der Heide (Neustadt b. Coburg), Sonneberg, Schalkau und Coburg.

 

 Stelzen mit der Marienkirche und dem Bleßberg.
Zeichnung von Wilhelm Scheibe, 1907
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1525
Der Bauernkrieg hat im Wesentlichen nur auf die Randgebiete der Pflege Coburg Einfluss. In Henneberg-Römhild, Henneberg-Schleusingen und in würzburgischen Gebieten kommt es zum offenen Aufruhr. Der Landesherr der Pflege, Herzog Johann (der Beständige), der nach dem Tod seines Bruders, des Kurfürsten Friedrich III. (der Weise), am 05.05.1525 selbst die Kurfürstenwürde erhält, ist Anhänger und Verteidiger der Reformation sowie Beschützer Luthers. Die sächsische Stadt Hildburghausen wird nicht in den Bauernkrieg einbezogen. Es ist anzunehmen, dass sich einzelne Bürger dem 20.000 Mann mächtigen und bei Münnerstadt formierten Bildhäuser Bauernhaufen oder dem Werrahaufen anschließen. Der Haufen Florian Geyers dringt bis in das Heldburger Gebiet ein. – Im Mai werden Schlösser und Herrensitze in Reurieth, Bedheim, Gleichamberg, Gompertshausen, Milz, Streufdorf geplündert oder in Brand gesetzt. Kloster Trostadt wird eingenommen. Zerstört worden ist das Kloster nicht, wie immer wieder in heimatkundlichen Schriften zu lesen ist.



Kloster Trostadt im Jahr 2005. Blickpunkt ist der schieferverschlagene Dachreiter,
der aus dem 18. Jahrhundert stammt. Hier hängt eine kleine 1715 bei Johann Mayer in Coburg gegossene Bronzeglocke im Durchmesser von 47 Zentimeter
mit einem Rankenfries und Engelsköpfen.
Foto: Hans-Jürgen Salier

Kloster Veilsdorf wird – bis auf die Kirche – niedergebrannt.
Der letzte Veilsdorfer Abt Zollner (auch: Zolner) wird aus Sicherheitsgründen auf die Veste Heldburg verbracht. Das Kloster wird säkularisiert (verweltlicht). Es entsteht eine fürstliche Domäne.

Die hennebergische Burg Straufhain wird genommen, in Brand gesetzt und zerstört. 

Pfarrer Joachim Neubert, Mitautor des Bandes „Die Kirchen im Landkreis Hildburghausen“, 2006, S. 306, zum Kloster Veilsdorf und zur Kirche „St. Michael“:
Seit 1446 wurde es ein Mönchskloster, weil das weibliche Regiment im Kloster angeblich zu einem wirtschaftlichen Verfall geführt haben soll. Im Auf und Ab der folgenden Jahre und Jahrzehnte kam es schließlich im Zeitalter der Reformation auch zu Auseinandersetzungen mit Bauern, die das Kloster niederbrannten, das anschließend aufgelöst wurde. Ebenfalls durch einen Brand verschwand im Jahr 1570 schließlich die Kirche des Klosters. Das Kloster entsprach mit seinen verschiedenen Gebäuden und seiner Außenmauer sowie der Klosterkirche den Voraussetzungen der Benediktinerklöster im Land, die sich in Mitteldeutschland seit dem 8. Jahrhundert ausbreiteten. Nachweislich hat es einen Kreuzgang, Schlafsäle und mehrere Wirtschaftsgebäude, darunter eine Mühle, gegeben. Die Kirche war zunächst ein lang gezogener romanischer Bau mit einer östlichen Apsis und einer dem heiligen Michael geweihten Krypta sowie einer Vorhalle. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde nach Verfall und Zerstörung die Kirche durch den letzten Abt, Johann Zolner, im gotischen Stil noch einmal erneuert und mit einem Turm versehen. Die Benediktinerklöster waren im Mittelalter von herausragender gesellschaftlicher Bedeutung. So schreibt der Weimarer Generalsuperintendent und Geschichtsphilosoph Johann Gottfried Herder: „Daß in den Zeiten der allgemeinen Unsicherheit Tempel und Klöster die heiligen Freistätten auch des stillen Fleißes und Handels, des Ackerbaus, der Künste und des Gewerbes gewesen“ sind.
Man sollte das Leben in einem Kloster nicht idealisieren oder vorschnell abwerten. Die Mönche und Nonnen lebten nach der Regel des Benediktinerordens, dessen Leitsatz „ora et labora“„bete und arbeite“ sehr bekannt geworden ist. Nach einer Probezeit legten sie ein Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Gastfreundschaft, Bildung und Fleiß galten als selbstverständlich: „Müßggang ist ein Feind der Seele“. Die Blüte und der wirtschaftliche Erfolg stießen allerdings nicht selten auf Neid, der durch die Regelung von Abgaben manchmal noch gefördert wurde. Möglicherweise führte dies auch in Veilsdorf zur gewaltsamen Zerstörung des Klosters. Ironie der Geschichte: Die Ideale der aufständischen Bauern, dass das allen gehören soll entsprechend des biblischen Leitverses aus der Apostelgeschichte „omnia communia“ (vgl. auch das Wort „Kommunismus“) war auch ein in den Regeln der Benediktinerklöster verankertes Leitbild.


Ruine der Burg Straufhain
Foto: Ines Schwamm  

Im Frühjahr 1525 sind die Insassen, Schrifttum und Wertgegenstände der benachbarten Klöster Veßra und Trostadt aus Sicherheitsgründen nach Schleusingen sowie auf die Bertholdsburg gebracht worden.


Das Amtshaus von Kloster Veilsdorf. Die Reste des ehemaligen Klosters. Die Abbruchsteine werden später teilweise zum Bau der Porzellan-Manufaktur unter Friedrich Wilhelm Eugen Prinz von Sachsen-Hildburghausen (1730 – 1795), Bruder des regierenden Herzogs Ernst Friedrich III. von Sachsen-Hildburghausen genutzt. Der Prinz hat als Generalmajor in holländischen und dänischen Diensten gestanden, 1758 pachtet er für die Errichtung der Porzellan-Manufaktur das fürstliche Kammergut und ehemalige Kloster Veilsdorf.

2. Mai 1525
Schleusingen wird von aufständischen Bauern belagert. Wilhelm IV. von Henneberg-Schleusingen verhandelt mit ihnen und schwört am 03.05. bei Meiningen auf die Zwölf Artikel der Bauern, um Schaden vom Land abzuwenden und um Vorteile gegenüber dem Fürstbischof von Würzburg zu erlangen. Nach der Niederlage bricht er das Bündnis und zieht mit seiner Streitmacht gegen die Bauernhaufen.

3. Juni 1525
Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen und Johann Kurfürst von Sachsen schlagen bei Meiningen und Dreißigacker den Werrahaufen der aufständischen Bauern nieder. Der streng katholisch erzogene Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen lässt die durch den Bauernkrieg in Mitleidenschaft gezogenen Klöster nicht wieder aufbauen. Das Vermögen wird entschädigungslos eingezogen.
Der Würzburger Fürstbischof Konrad von Thüngen (in vielen Quellen fälschlicherweise als „von Thüringen“ bezeichnet) unternimmt mit Beteiligung von Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen einen zweimonatigen Strafzug in die Region, dem etwa 300 Menschen zum Opfer fallen. Tausende werden gemartert, verstümmelt und geblendet.

30. Mai 1525
Nach der Entscheidungsschlacht des Bauernkrieges bei Frankenhausen und der Niederlage der Bauern um den Prediger Thomas Müntzer (15.05.1525) zieht Kurfürst Johann in das Eisenacher Gebiet, um es zu „befrieden“, von dort nach dem vom Bildhäuser Haufen besetzten Meiningen (7.000 Aufständische). Nach Eroberung am 05.06. zieht er mit dem Heer und 800 Wagen über Hildburghausen nach Coburg. Er wählt fünfzig auf die Veste geflüchtete Ritter und entsendet sie dem Bischof von Bamberg zur Hilfe. In Coburg hält Kurfürst Johann vom 10. bis 13.06. ein blutiges Strafgericht gegen aufrührerische Bauern der Pflege Coburg ab.

 Der briefliche Bericht des berühmten Ritters Götz von Berlichingen erwähnt u. a. Franz von Sickingen, den Truchsess Georg sowie den Erzbischof von Mainz.
Franz von Sickingen (1481 – 1523) schloss sich der Reformation an und war politischer und militärischer Führer des Adelsaufstandes 1522/23. Georg II. Truchsess von Waldburg (1488 – 1531) war Heerführer des Schwäbischen Bundes und schlug 1525 die Bauern.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

30. November 1525
Luther regt Kirchenvisitationen im Kurfürstentum zur systematischen und konsequenten Einführung der Reformation im Kurfürstentum an.


Das Kurfürstentum Sachsen – Das Land der Reformation 

Jahresende 1525
Kurfürst Johann, so berichtet Georg Spalatin (1484 – 1545), fordert die Priester auf, sich ihrer Huren zu enthalten, das Evangelium rein zu verbreiten und die Sakramente nach der Einsetzung Christi darzureichen.

Februar 1527
Kurfürstliches Mandat gegen die Wiedertäufer in der Pflege Coburg, Verfolgung und harte Strafbestimmungen gegen die „Schwärmer“, wie die Wiedertäufer genannt werden.

6. Dezember 1527

† Hans Huth (auch: Hut), an den Folgen eines Feuers während seiner Gefangenschaft in Augsburg
(* um 1490, Haina bei Römhild)

Kirchner, Branntweinbrenner, Buchhändler, Prediger, Wiedertäufer
Er ist einer der ausgeprägten Persönlichkeiten der frühen Täuferbewegung, der vor allem in Bayern, Schwaben, Franken und Österreich wirkt.
Anfangs ist er von 1517 – 1521 bei den Herren von Bibra als Küster tätig, später zieht er als Buchhändler und Buchbinder in Thüringen und Franken durchs Land. Er gerät unter den Einfluss von Thomas Müntzer und wird 1526 in Augsburg zum widerstandslosen Täufertum bekehrt. 

1527
Graf Wilhelm setzt im bis 1544 katholisch gebliebenen Stift Schmalkalden (Stadt und Stadtkirche werden nach dem Bauernkrieg evangelisch) den Prediger Jacob Hartmann ein, der 1546 in Oberstadt als evangelischer Pfarrer nachzuweisen ist.

1528
In Reurieth überschneiden sich kursächsische und hennebergische sowie weltliche und kirchliche Rechte. In der Visitationsakte heißt es: „Reurit. Die Pfarr ist des Closters Veßera lehenn, und liegt uff Sechsischem Grund und Obrigkeit.“
Die sächsischen Gemeindeglieder werden nach Ebenhards ausgepfarrt, das 1540 eine eigenständige Pfarrei geworden ist.

1528
Nikolaus Jacoff (Jacob), letzter katholischer Pfarrer in Häselrieth, wird abgesetzt und gewaltsam vertrieben. Er soll in der kirchlichen Lehre ungeschickt gewesen sein und ein unordentliches Leben geführt haben. Sein Stellvertreter Johann Stapf wird erster evangelischer Pfarrer, dann bis 1547 Michael Förster. Die Pfarrstelle wird danach zumeist mit ehemaligen Hildburghäuser Vikaren und Konrektoren besetzt.
 

1528
Der deutsche Humanist, Reformator und Luthergefährte Philipp Melanchthon setzt sich in einem Brief an den Stadtrat Hildburghausen für den Studenten Heinrich Sell (latinisiert: Sellanus) ein. S. wird nach dem Studium Rektor der Lateinschule (1535 – 1550). Neben ihm sind ein Supremus (Konrektor), ein Kantor und ein Pädagogus (Organista, Infimus – Unterster der Hierarchie) tätig. Der Humanist führt mit seinen Schülern Schuldramen auf.


Der Reformator Philipp Melanchthon nach einem Gemälde von Lukas Cranach d. J. (1515 – 1586), Stahlstich von Carl Mayer’s Kunstanstalt zu Nürnberg. Das Originalgemälde befindet sich im Städelmuseum in Frankfurt/Main.
Der Maler ist bemüht, ein Problem der Porträtmalerei aufzulösen, nämlich das Äußere einer Person lebensvoll abzubilden und auch gleichzeitig sein geistiges Leben zu überliefern. Er weist auf den Kontrast der etwas unordentlich erscheinenden physischen Erscheinung des Reformators hin und fügt in das dargestellte fiktive Buch Texte von ihm ein, die im Stich gegenüber dem Gemälde wiederum reduziert sind. Die Motive des Gemäldes und des Stichs unterscheiden sich wegen der Abbildungsgröße des Stahlstiches.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1528
Die Visitationsakten für Lindenau sagen aus, dass es noch eine weitere Kirche gegeben hat, die südöstlich des Ortes in Richtung Autenhausen gestanden habe. Heute erinnert die Flurbezeichnung „Neukirchen“ daran. Sie liegt gegenüber der Saline Friedrichshall, auf einer Uferterrasse westlich der Kreck. Lange Zeit sollen dort noch Trümmer gesehen worden sein, und auch ihre Glocke sei wieder gefunden worden, die in das Geläut der Vorgängerkirche der „St.-Matthäus-Kirche“ gekommen sei. Um sie ranken sich auch Sagen, so „Die Glocke von Neukirchen“. – Es wird vermutet, dass es eine größere Wegekapelle gewesen sei, so wie sie im fränkischen Bayern zu finden sind. Auch ihr Patrozinium ist nicht bekannt.

1528
Schaffung einer einheitlichen Schulaufsichtsbehörde. Hildburghausen gehört zur Superintendentur Eisfeld. In der Region gibt es vier Superintendenturen (Eisfeld, Coburg, Königsberg/Franken, Heldburg), die zu den ersten in Deutschland gehören.
Vikar Andreas Menser [in einigen Quellen auch Meuser], Anhänger der Wiedertäufer, predigt in Hildburghausen u. a. gegen den evangelischen Pfarrer Birnstil. M. bringt sehr viel Unruhe in die Bevölkerung, verteilt eine Wiedertäuferschrift und trägt zur Spaltung der Kirchgemeinde bei. Der Bürgermeister Oswald Gotwald schlägt mit einer Karbatsche (Riemenpeitsche) auf den Wiedertäufer ein und verhindert die Verbreitung aufrührerischer Schriften. Menser wird des Landes verwiesen.
Birnstil wird in seine Heimatstadt Coburg versetzt und wirkt bei der 2. Generalvisitation im Jahr 1535 mit.

Die Städtebürger besitzen einen relativen Wohlstand. Strenge auf Ordnung und Sicherheit fixierte Gesetze und das stabile Zunftwesen verhindern Unruhen oder Aufstände.

1528
Bis zur Reformation wird die Schule in Hildburghausen Ratsschule genannt, weil der Rat das Vorschlagsrecht bei der Lehrereinstellung hat. Im Visitationsprotokoll heißt es:
„So ein Schulmeister aufgenommen werden soll, daß ein Rath solchs mit Wißen des verordneten Superattendenten und Ires Pfarrers fürnehmen. Auch soll der Schulmeister kein Cantor aufnemen außer Wißen und Willen des Rath und Ires Pfarrers, uff daß sein Geschicklichkeit zuvor gehöret werde.“

Landschulen in der Reformationszeit
„Weiter gab es auch schon Dorfschulen an den Pfarrkirchen, wie z.B. bei uns in Bedheim, eine solche zur Unterweisung der Kinder im Lesen und Schreiben durch den Pfarrer bestand, dann unterbrochen und erst 1535 wieder fortgeführt wurde. Die Pfarrer aber zogen sich im niedern Klerus, dem Küster- und Kirchnerstand, Lehrermaterial selbst heran oder auf ‚Schriefscholen‘ oder auch lateinischen Schulen der Städte. Vorgebildete dienten mit ihrer Bildung dem Unterricht in den deutschen Schulen auch auf dem Land, mit den sog. Tafelbüchlein, Fibeln, worin das Alphabet, Vaterunser, der Glaube und die Gebote standen. Nach solchen Tafelbüchlein (Täfelchen von Holz mit Wachs überzogen) gestaltete dann auch Luther sein Enchiridion, der Kinder Handbüchlein, den kleinen Katechismus, in dem das 1., das ABC-Täfelein, das ABC und Syllabierübungen befaßte, das 2. das Vaterunser und den Glauben, das 3. Dankgebete und Sprüche; die Volksschule aber, die als planmäßig geordnete Anstalt mit täglich zwei oder mehr Stunden Unterricht allen Kindern des Volkes offen stand, wurde durch Dr. Martin Luther begründet, als er durch seine Sendschreiben an den christlichen Adel deutscher Nation und an die Ratsherren aller Stände deutschen Landes zur Anrichtung von Schulen aufrief und durch seine Katechismen wie durch seine Bibelübersetzung nicht nur religiös-sittliche Bildung auf nationaler Grundlage anbahnte, sondern auch durch seine Lehre vom allgemeinen Priestertum allgemeine Schulpflicht und mit der Volksbildung wahren Staatssozialismus verbreitete. Mit hohem Ernst im Geiste Luthers banden dann die Generalvisitationen Pfarrern und Küstern hart ein, Schule zu halten ... Indes ging es der Denkträgheit und Herzenshärtigkeit der Massen entsprechend doch nur langsam vorwärts, da die Gemeinden nur mit Widerstreben in die Anstellung von Küstern willigten, weil jeder Einzelne je nach Vermögen mit Umgangsbrot und Hausgroschen zum Unterhalt derselben beisteuern und Schulgeld ... zahlen sollte. Wie sich aber a. 1532 in 738 Ortschaften Thüringens nur 25 Kirchner als Schulmeister fanden, so wird es Jahrzehnte darnach auch noch nicht viel anders gewesen sein, da die Eltern immer mehr ihre Kinder nur widerwillig von der Arbeit hergaben, Viehhüten ihnen mehr galt als Schulbesuch und die Kinder selbst auch durch strenge Züchtigungen so von der Schule abgeschreckt wurden, daß besonders im Sommer oft kein Kind zur Schule kam.“

(Human: Chronik der Landdiözese Hildburghausen. 1922, S. 93 f.)

1528
Die Visitation macht es offensichtlich, dass der hochgelehrte Magister Jodocus Mörlin, der mit Luther und Melanchthon eng verbundene Wittenberger Professor als Pfarrer mit seinem Lebenswandel in Kritik gestanden hat und ihm die Absetzung angedroht worden ist.

In den Visitationsakten heißt es: „Obwohl das Pfarr-Volk ihm seiner Lehre halben das Zeugnis gab, dass er in Predigung des göttlichen Worts allen Fleiß zue, und sie an ihm keinen Mangel hätten so beschwerten sie sich doch,, dass er sich den Trunk überwinden und bekriegen ließ. Darauf ist ihm der Bescheid gegeben worden, sich solch seines Saufens und Trinkens zu mäßigen, und in dem Fall ein erbarlich züchtig Leben zu führen. Wo nit, sollt ihm kein ander Straf fürstehen, denn dass er der Pfarr entsetzet werden soll. Wie ihm denn auch jetzt fürgestanden wäre, wo er nit als ein Maister und Glied der Universität Wittenberg sonderlich bedacht wäre. Denn wiewohl es nicht ohne, dass er seiner Person halb gelehrt und geschickt genug sein möchte, so wolle sich doch das ärgerlich Leben mit dem Saufen, wie ers gepflogen, ferner nicht leiden.“

Mörlin änderte sein Verhalten und hat in späteren Visitationsberichten nur noch lobende Erwähnung gefunden.

1528
Die Kirchgemeinde Rieth bekennt sich zum evangelischen Glauben. Pfarrer ist M. Mülner.

1528
Die „Jakobuskirche“ in Hütten-Neubrunn (Unterneubrunn, heute: Schleusegrund) ist eine Filialkirche von Wiedersbach und gehört zur Superintendentur Eisfeld.

1528
Ein dem der heiligen Katharina geweihtes Kirchlein, vermutlich eine Wegekapelle, wird in Kolberg (Bad Colberg), zwischen Ummerstadt und Heldburg gelegen, und von Coburg 15 Kilometer entfernt, erwähnt. Die Siedlung wird von der Pfarrei Ummerstadt betreut.

Die Visitationsakten von 1528 geben Auskunft darüber, dass anlässlich der Kirchenvisitation Ende 1528 die Dorfgemeinschaft den „Zehnten“ nicht nach Heldburg, sondern nach Ummerstadt geben will. Dem wird widersprochen, dafür sollen dem Pfarrer in Ummerstadt zu Michaelis (29. September) zwölf Pfennige gezahlt werden. Dafür soll der Geistliche viermal jährlich das Abendmahl in Kolberg feiern und in jeder Woche ein- oder zweimal das Evangelium predigen.
1528 ist in der Kapelle auch eine kleine aus Silber bestehende Figur des heiligen Leonhard vorhanden, die aber im Zuge der Reformation entfernt worden ist. Der fränkische Adelssohn (Gedenktag: 6. November) gilt als „Kettenheiliger“. In Bayern wird er als Nothelfer verehrt und hat den Beinamen „bayerischer Herrgott“. Er wird von Bauern, Fuhrleuten, Schmieden, Schlossern, Obsthändlern und Bergleuten angerufen, aber auch als Helfer von Wöchnerinnen.

Nach 1528
Auch Ummerstadt schließt sich der Reformation an. Die „Unterkirche“ (Stadtkirche „St. Bartholomäus“) in Ummerstadt ist zur Pfarrei erhoben worden und die „St.-Andreas-Kirche“ auf dem Berg wird Filialkirche, ein Diakon verwaltet sie. Die Stadtkirche, die weiter ausgebaut wird, hat Tochtergemeinden in Colberg, Billmuthausen und Erlebach.

16. November 1528 bis 16. Februar 1529
Erste kursächsische Kirchenvisitationen in den fränkischen Ortslanden nach dem landesherrlichen Mandat vom 06.09., am 14.12.1528 in Hildburghausen.

Sofort nach Einführung der Reformation bzw. nach dem Bauernkrieg ordnet der Kurfürst an, die Pfarreien und die Kirchgemeinden zu überprüfen. Hierfür werden vor allem Geistliche und Juristen eingesetzt. Für die Stabilisierung der Macht ist es in jener Phase außerordentlich wichtig, eine Umstrukturierung der Kirche vorzunehmen und sie in Teilen neu zu organisieren. Damit steigt die Macht des Landesherrn. Der Aufbau eines moderneren Staatstyps sowie die endgültige Loslösung von der römischen Papstkirche können weiter voranschreiten.

Zu den Visitationen werden die Patronatsherren, die Vertreter der Gemeinden und die Geistlichen selbst vorgeladen.
Die Visitationen werden direkt von Luther und Melanchthon beeinflusst. Die Stadt Hildburghausen holt sich bei beiden Reformatoren in Kirchen- und Schulangelegenheiten oft Rat.
Weltliche Visitatoren sind Ritter Hans v. Sternberg zu Callenberg, Kastner Paulus Bader und geistliche Visitatoren, der in Hildburghausen geborene Nikolaus Kindt und Balthasar Düring.

Ziel der Visitationen ist nicht die Einführung der Reformation, sondern ihre inhaltliche und materielle Ausgestaltung: Eignung der Pfarrer für den evangelischen Gottesdienst, Festlegen auf die Wittenberger Lehre, Überprüfung der Lebensweise der Geistlichen, Kontrolle der Ordnung und des Kirchenvermögens, Reduzierung des kirchlichen Gebäudebestandes und Überprüfung der Bausubstanz, Auflistung von Orden und Bruderschaften.

Direkten Einfluss übt die Visitation auf die Organisierung des Schulwesens aus. Schulmeister und Pfarrer erhalten u. a. erhebliche finanzielle Zulagen.
Bei der Rechenschaftslegung über christliches Leben spielen die 18 Artikel des Visitationsbuches eine wichtige Rolle.
Die katholische Bruderschaft Corpus Christi in Hildburghausen besitzt z. B. ein Kapital von ansehnlichen 1.129 Gulden.

Bedeutende Missstände, größere geistliche und sittliche Verfehlungen werden in Hildburghausen nicht festgestellt.

Die vermutlich älteste Kirche der Stadt, die Feldkirche an der Straße nach Wiedersbach, befindet sich in einem ruinösen Zustand. Dem Rat und den Kastenmeistern wird der Abriss empfohlen.

19. Februar 1529
Brief der Visitatoren an Luther und Melanchthon mit der Bitte um einen Geistlichen für Hildburghausen. Es wird Bezug genommen auf die Grenzlage zur benachbarten Grafschaft Henneberg. Sie wird vermutlich genutzt, um den Grafen Wilhelm von Henneberg anzuregen, ebenfalls die Reformation in seinem Land einzuführen.
Angesehen, daß dye stat Hilpurghausen ein ansehnlicher Fleck ist ... auch daß die stat gar an der grentz gegen der Hennebergischen Herschaft gelegen und hoch von noten sein wil, einen gelerten und verstendigen man, der auch eines guten wandels und lebens were, dahin zuverordnen.“ 

1529
Auf Martin Luthers Empfehlung kommt Magister Johannes Weybringer nach Hildburghausen. Auf der Schrift Der Prophet Daniel Deutsch bringt Luther 1529 für Weybringer eine Widmung an: „M Johanni Weybringer Suo hospiti M Luther“ 

Die Schrift befindet sich im Besitz der Kirchgemeinde Hildburghausen. 

Martin Luther bemüht sich persönlich um einen Pfarrer in Hildburghausen. Er schreibt an die Visitatoren H. v. Sternberg, N. Kindt, J. Bader:

Gnad und Fried in Christo, Gestrenger, Vester, Würdigen, lieben Herren; Ich habe in Abwesen M. Philippi (Philipp Melanchthon, d. Verf.), so mit unsern gnädigsten Herren gen Speier auff den Reichstag gezogen, Euer Schrifft und Begehr gelesen, eines Pfarrers halben gen Hildburghausen zu fordern. Weiln aber der Both nicht hat mögen hier harren, habe ich in der Eyle nicht mögen mich erkundigen, welcher der tüglichste dazu wäre, weilen deren etzliche auff dem Land sind. Ich habe wohl M. Johann Froschel oder Michael Stiefel, so itzt nicht ferne von uns, gedacht darumb anzusprechen, weiß aber nicht, was ich erheben werde. Doch soll es an müglichem Fleiß nicht ermangeln, ob ich der einen, oder sonst einen Geschickten könnte auffbringen, welchen ich noch vor Ostern zu Euch gen Coburg schicken will mit Gottes Hülffe, den ihr alsdann zu versuchen oder anzunehmen habt. Es will allenthalben an Leuten gebrechen und was sich hie zu Wittenberg etwas erhalten kann, lässet sich ungern von dannen bringen. Euch zu dienen bin ich willig und bereit. Hiermit Gott befohlen, Amen. Montags nach Oculi 1529. Martinus Luther.“
(Nach Hönn: Sachsen-Coburgische Historia in zweyen Büchern. 1700)

Nach der Reformation „erfolgte 1528 durch die churfürstlich Verordneten Ritter Hans von Sternberg zu Kallenberg, Dr. Nicol. Kindt zu Eisfeld, M. Balthasar Düring, Prediger zu Coburg und Paulus Bader, Kastner daselbst“ die erste evangelische Generalsvisitation … „Fernere Visitationen 1535 und 1546 zur Anhörung der Mängel und Gebrechen des Herrn Pfarrers. Auch der anderen gemeiner Stadt bestellten Kirchen- und Schuldiener.“

Nach einer Anordnung des Bischofs von Würzburg mußten die kirchlichen Hauptstücke einmal in der Woche vom Pfarrer der Gemeinde vorgetragen werden. – Auch ein Teil der Gerichtsbarkeit wurde von den Geistlichen der Stadt ausgeübt … So gab es kleine bis mittlere Bußen bei Verfehlungen, wie z.B. Nichteinhaltung des Abendmahles und der Kirchgänge, Übertretung der vorgeschriebenen Essen- und Trinkvorlagen bei Kindtaufen, Hochzeiten und Begräbnissen … Härter waren die Strafen bei unehelichen Kindern, Streit mit dem Nachbarn, Diebstahl und Ehebruch. Diese Vergehen wurden vor dem Sendgericht abgeurteilt, das der Bischof und später sein Archidiakon einmal im Jahr in jedem Sprengel abhielt. Strafen waren hohe Kirchenbußen, Ausweisung und Bann.“

Nach: Wulff-Woesten, Hanspeter: Große Zeit in kleiner Stadt – Geschichte und Geschichten um die Christuskirche Hildburghausen. 1993; S. 60

Es gehen Gerüchte um, dass Weybringer eine Ehefrau entführt habe und mit ihr zusammen lebe. Luther bestätigt, dass W. in Wittenberg rechtmäßig getraut worden sei. Die üblen Nachreden bleiben, vor allem weil er ein resoluter Prediger ist und kompromisslos straft.

Hans v. Sternberg schreibt 1530 klagend:
„Wie Ir denn viel hie sind, die (Bürger H., d. Verf.) wollten, wir wären schon all gestorben, oder sonst auf dem Galgen, auf daß man alles in den gemeinen Casten gebracht hätt und man unser loß würde, ob sie schon in einem ganzen Jahr kein Evangelium oder Gottes Wort würden horen. So sicher und kunstreich sind ihrer etlich! das erste Jahr wolten sie mich vor Lieb fressen, nun aber, da ich mit der Zeit ihre Sünd und Boßheit erlernet hab und zuweilen nach Gelegenheit des Worts Gottes solche straff und nicht gut heiß, damit mach ich mir ungnädige Leut, wie die Wahrheit alzeit thut.“

(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. 1886 und 1999, S. 394)

Nach acht Jahren (1537) geht Weybringer nach Meeder, dann nach Schalkau, er stirbt 1572.
Zu Weybringers Zeiten wirken in der Stadt fünf Geistliche: ein Pfarrer, ein Prediger, zwei Vikare, ein Kaplan. Eingepfarrt sind die Gemeinden Leimrieth, Pfersdorf, Ebenhards. Die Pfarrei Veilsdorf ist ein Lehen der Stadtkirche Hildburghausen.

1529
Nachdem auf dem 2. Speyerer Reichstag die Beschlüsse von 1526 zur freien Ausbreitung des Glaubens aufgehoben werden, erheben die evangelischen Stände Protest und bilden ein Schutzbündnis gegen die katholischen Mächte.
In der Johanniskirche Rodach (heute: Bad Rodach, Oberfranken) treffen sich vom 06. – 08.06.1529 Abgeordnete Kursachsens, Brandenburg-Ansbachs, Hessens sowie der Freien Reichsstädte Straßburg, Nürnberg und Ulm zur Beratung eines Bündnisses zur Verteidigung des lutherischen Glaubens. Die Rodacher Artikel sind später für die Schwabacher Artikel und den Schmalkaldischen Bund Ausgangspunkt.

15. April 1530
Martin Luther und Kurfürst Johann ziehen mit großem Gefolge, von Wittenberg kommend, in Coburg (200 Personen/300 Pferde) am Karfreitag ein. Am 24.04. begibt sich Luther in Begleitung des Magisters Veit Dietrich auf die Veste, wo er bis 04.10. zur Zeit des Reichstages in Augsburg Schutz findet (wichtige Bibelübersetzungen, 26 Schriften, Fabeldichtungen).
Der Reichstag bringt jedoch keine Einigung zwischen Katholiken und Protestanten.

Ob der Reformator Martin Luther während seines Aufenthalts auf der Veste Coburg in Leimrieth (heute: Stadtteil von Hildburghausen) gepredigt hat, wie oft im lokalen Schrifttum zu lesen ist, kann durch nichts bestätigt werden. Die dem heiligen Valentin 1524 geweihte Kirche wird im Volksmund auch „Lutherkirchlein“ genannt. Mit Luthers Predigt in Leimrieth hat sich auch schon Dr. Human beschäftigt. Die Forschungen zu diesem Thema sind bis heute noch nicht abgeschlossen.

Georg Ernst Graf von Henneberg-Schleusingen trifft auf dem Augsburger Reichstag mit den Reformatoren Philipp Melanchthon, Justus Jonas und Georg Spalatin zusammen, damit festigt sich seine protestantische Einstellung.

Justus Jonas der Ältere – im Cranach-Stammbuch 1543
(aus der Cranachwerkstatt [Lucas Cranach der Ältere])
 

25. Juni 1530
In der ehemaligen Stiftskirche von Römhild befindet sich ein Bild des Malers Johann Schnabel zur Verlesung der Augsburgischen Konfession vor Kaiser Karl V. und dem Reichstag. An diesem Tag wird zum ersten Male das evangelische Bekenntnis laut in deutscher Sprache gesprochen. Das Bild hat anfangs in der Schlosskirche gehangen.

4. Oktober 1530
Nach Eintreffen des Kurfürsten (01.10.) reist der Reformator Luther wieder von Coburg nach Wittenberg zurück.

1530
Die Kirche von Dingsleben wird eine Pfarrkirche. Der Ort ist erstmals 799 oder 800 als „Tingesleia“ in einer Urkunde von Emhild, der Äbtissin einer Benediktinerniederlassung in Milz erwähnt worden. Ursprünglich hat die Kirche zum Kloster Veßra gehört und ist seit dem 14. Jahrhundert eine Filialkirche von Reurieth geworden. Die Kirche hat sich am Dorfende am heutigen Friedhof befunden und ist im Dreißigjährigen Krieg mit dem Dorf zerstört worden. Die neue Kirche ist dann mitten im Dorf errichtet worden.

Der spätgotische Taufstein von Dingsleben,  er stammt noch aus der alten Kirche. 

Um 1530
Thomas von Heßberg hält auf eigene Kosten einen evangelischen Pfarrer in Weitersroda. Hingegen will das Kloster in Veilsdorf evangelische Messen in Bürden und Weitersroda verhindern.

27. Mai 1531
Nach dem Augsburger Reichstagsabschied (1530), der die Protestanten zur Rückkehr in die katholische Kirche fordert, wird in Schmalkalden zur Abwehr der Reichsexekution und zur Verteidigung des evangelischen Glaubens die Bundesurkunde für den Schmalkaldischen Bund geschlossen. Führer des Bundes sind Kurfürst Johann (der Beständige) – nach seinem Tod am 16.08.1532 sein Sohn Johann Friedrich (der Großmütige), Landgraf Philipp von Hessen. Bei Gründung gehören dazu, die Herzöge von Braunschweig-Grubenhagen und Braunschweig-Lüneburg, die Grafen von Anhalt-Bernburg und Mansfeld, ferner elf Städte. 1536 treten die meisten protestantischen Reichsstände bei.
Der Schmalkaldische Bund wird zum Zentrum der antihabsburgischen Kräfte im Reich.

1531
Am Balken der dritten Empore der Kirche in Sachsendorf (Sachsenbrunn) ist die Jahreszahl vermerkt, die auf eine umfangreichere Bautätigkeit verweist.
Aus der Zeit stammt auch die beeindruckende geschnitzte Kreuzigungsgruppe an der Triumphbogenoberwand, die der Werkstatt des Bildschnitzers Tilman Riemenschneider zugerechnet wird.

Lehfeldt/Voss beschreiben in ihrem Werk die Kreuzigungsgruppe oberhalb des Triumphbogens in der Kirche zu Sachsenbrunn.
Die Köpfe sind ausdrucksvoll, der Schmerz der Maria und des Johannes auch in der Bewegung ausgedrückt; Maria, welche das Taschentuch mit beiden Händen zu den Augen führt, ist verzweifelter, Johannes schmerzlich ergeben, mit über der Brust zusammengelegten Händen. Verhältnismässig stark sind die Unterpartien des Gesichtes modellirt; Johannes erinnert in Schnitt und Lockenfülle an die würzburger Schule Riemenschneiders. Christus ist sehr mager gebildet, mit Betonung der angeschwollenen Adern der Arme. Maria ist überlang. Die Hände sind gut gebildet. Die Falten sind tief geschnitten, Farben und Vergoldungen sind gut erhalten, wenn auch ganz bestaubt. Die Gruppe ist wohl um 1650 in die jetzige rechteckige Umrahmung gebracht, welche mit einigen Ranken gemalt, auf einem Consolgesims ruht, aber so flach vortritt, dass die Seitenfiguren noch auf eigenen Consolen stehen. Auf dem Rahmengesims halten zwei aus Brettern im Umriss geschnittene Engelsfiguren das Rautenwappen; ihre Bemalung ist ziemlich vergangen.

Nach dieser Beschreibung der beiden Kunsthistoriker muss dem heutigen Betrachter nicht erklärt werden, dass diese Kreuzigungsgruppe auch knapp 500 Jahre nach Ihrer Erschaffung stilsicher und vorbildlich restauriert worden ist.
 

1532
Kurfürst Johann Friedrich erlässt am Montag nach Palmsonntag eine neue Verordnung gegen die Wiedertäufer. 

1. Juni 1532
Kurfürst Johann Friedrich erlässt eine Instruktion zur Sequestrierung des Klosterbesitzes. Klosterliegenschaften werden verkauft oder in Kammergüter umgewandelt. Aus den Klosterherrschaften entstehen kursächsische Ämter, z. B. Mönchröden, Sonnefeld (kommt 1735 an Hildburghausen), Veilsdorf kommt zum Amt Hildburghausen. 

Nach 1533
Die Henneberger bringen in der Auseinandersetzung mit Bamberg ihr Hauskloster Veßra unter ihre Landesherrschaft. In geistlicher Beziehung untersteht es dem Bischof von Würzburg. 

1534
Zum Bestand des Klosters Trostadt gehören die Kirche, das Dormitorium, das Refektorium, die alte Kemenate und die neue Propstei, Scheunen und Stallungen. Von den Gebäuden sind nur noch Reste oder nach der Säkularisierung in Scheunen umgewandelte Gebäude geblieben. In der „Turmscheune“ sind noch Reste der Klosterkirche feststellbar.

1534/35
2. Generalvisitation. Zur Vereinheitlichung der Gottesdienstordnung (nach der Coburger Kirchenordnung) wird verfügt: „Der Kirchen Ceremonien halb ist verordent worden, daß sich der Pfarrer zu Hilperhausen in seiner Pfarr-Kirchen nach der Kirchen-Ordnung zu Coburg, als der Hauptstadt des Orts Landes zu Francken zu halten.“
Im Zusammenhang mit der Visitation ergeht an Hildburghausen 1534 der Befehl zur Vereinheitlichung der Gottesdienstordnung: „Der Kirchen Ceremonien halb ist verordnet worden, daß sich der Pfarrer von Hilperhausen in seiner Pfarr-Kirchen nach der Kirchen-Ordnung zu Coburg, als der Hauptstadt des Orts Landes zu Francken zu halten."

1535
Der Friedhof um die St.-Lorenz-Kirche in Hildburghausen wird nach der 2. Kirchenvisitation aufgehoben, ein neuer wird östlich (außerhalb) der Stadtmauer, heutige Coburger Straße (besteht bis 1820), angelegt. Vermutlich am Standort des späteren Orangeriegebäudes (heute: Stadtverwaltung) befindet sich vor Verlegung des Friedhofs das Beinhaus.

1536
Am Montag nach Palmsonntag erlässt Kurfürst Johann Friedrich wiederum eine Verordnung gegen die Wiedertäufer.
  

1537
In Heldburg, seit 1522 wird in der noch im Bau befindlichen Kirche evangelischer Gottesdienst gehalten. Der erste evangelische Superintendent, Friedrich Schwalbe, spendet bei Vollendung des Kirchenbaus einen Taufstein aus Sandstein. 

1539
Gottesdienste werden im ganzen Land nach der u. a. von Justus Jonas erarbeiteten sächsischen Agende gehalten. Nach der Einführung der Reformation in Henneberg im Jahr 1544 findet sie in Henneberg-Römhild Eingang.  

1. Januar 1539
Die
Hennebergische Landesordnung tritt in Kraft.
Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen versucht, sein Land weiter zu stabilisieren und lässt vom hennebergischen Kanzler Dr. Johann Gemel, von 1535 – 1540 in gräflichen Diensten stehend, die
„Hennebergische Landesordnung“, einer Verfassung ähnlich, verfassen. Die Rechtsquelle hat in weiten Teilen sehr lange Geltungsdauer und wird erst nach 361 Jahren am 1. Januar 1900 außer Kraft gesetzt.
Die nachfolgende Abbildung zeigt Blatt 1/Seite 1 der insgesamt handgeschriebenen Landesordnung.

         (Sammlung Hans-Jürgen Salier)


Auf der Rückseite des Blattes 228, also Seite 456, befindet sich
die abgebildete handgezeichnete Wappendarstellung.
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

1539
Marisfeld wird kirchlich eine selbstständige evangelische Parochie (Pfarrkirche) mit Filialen in Dillstädt (bis 1706) und in Schmeheim. Bisher kommen die Geistlichen aus dem Kloster Veßra. Erster Pfarrer ist Valentin Gleim, ein ehemaliger Veßraer Mönch, der von 1543 bis 1555 das Evangelium lehrt und predigt.
1559 übernehmen die Herren Marschalk von Ostheim die Patronatsrechte und -pflichten in Marisfeld. 

7. August 1539
Martin Luther soll Pfarrer Jodocus Mörlinus in Westhausen „zu seinem Caplan“ gemacht haben. Er hat ihn also wegen seiner hervorragenden Prediger-Fähigkeiten mit der Aufgabe betraut, ihn auf der Kanzel zu vertreten, „wenn er ist schwach gewesen“.
Zum Reformator und Weggefährten Johannes Bugenhagen (1485 – 1558) hat Luther geurteilt: „Habet Achtung auf diesen Magistrum, wird jemand, nach meinem Tode in der Lehre treu und standhafftig bleiben, so wird es dieser Mann thun …“ – Die theologische Doktorpromotion legt der sechsundzwanzigjährige Mörlin am 10.09.1540 unter den Auspizien (Schirmherrschaft) ab. Luther sah in Mörlin einen wichtigen Hoffnungsträger der Reformation.

1541
Der Turm der St.-Lorenz-Kirche in Hildburghausen wird um ein Stockwerk erhöht. 

1542
Die verschuldete Grafschaft Henneberg kann den Finanzhaushalt etwas stabilisieren. Wilhelm IV. tauscht mit dem Vertrag vom 14.02.1542 das bei Schweinfurt gelegene Amt Mainberg (heute: Ortsteil von Schonungen) gegen das finanziell schwächere Schloss und Amt Meiningen einschließlich einiger Dörfer ein. Dabei wird auch das Reichsvogteiamt Schweinfurt aufgegeben. Bereits 1541 wird vertraglich festgelegt, dass bei Veräußerung Meiningens durch die Henneberger Würzburg das Vorkaufsrecht habe. Bei Erlöschen von Henneberg-Schleusingen sollen Schloss und Amt Meiningen an Würzburg zurückfallen.
Mit dem Tausch wird Meiningen dem streng katholischen Einfluss Würzburgs entzogen. 

1542
In Eisfeld wird über den Galgenberg der in Richtung Coburg führenden Straße ein neuer Friedhof angelegt und die Gottesackerkapelle „St. Salvator“ erbaut, „20 Schuh im Geviert“. Knapp einhundert Jahre später muss der Gottesacker wegen der hohen Sterblichkeit im Dreißigjährigen Krieg erweitert werden und 1661 die Kirche. Ihr wird ein kleiner Chorraum hinzugefügt, und auch der Hauptraum ist erweitert worden. Hier haben sich auch einige Epitaphien befunden, die später in der Trinitatiskirche im Stadtzentrum aufgestellt worden sind. Hervorzuheben ist die Gedenkplatte für die Reformatoren Justus Jonas und Nicolaus Kindt.
(s. auch 9. Oktober 1555) 


 Die Ruine der alten Friedhofskapelle – „Gottesackerkirche St. Salvator“ in Eisfeld. Hauptschmuck ist die Gedenktafel von 1565 für die Reformatoren Justus Jonas und Nicolaus Kindt über der Tür der Westfront (heute ist dort ein Duplikat angebracht.
Foto: Bernhard Großmann, 2005 

7. Januar 1543
Mit Vertrag tritt Wilhelm Graf von Henneberg-Schleusingen die Regierung an seinen Sohn Georg Ernst ab. Eigentlicher Inhaber der Grafschaft bzw. des Lehens bleibt jedoch Wilhelm bis zu seinem Tod 1559.

20. August 1543
Eheschließungsfeierlichkeiten des Grafen Georg Ernst und Elisabeth d. J. von Braunschweig-Lüneburg. In der Eheverabredung ist der Übertritt des Grafen zur evangelischen Konfession festgelegt.

September 1543 bis 1547/48
Wilhelm IV. und Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen beauftragen Luthers Mitarbeiter und Mitstreiter Dr. Johann Forster (1496 – 1558) mit der Einführung der Reformation in ihrem Land. Der Reformator, zuletzt Probst an der St.-Lorenz-Kirche in Nürnberg, kann sich auf die Landstände berufen, die auf die Freigabe der Reformation drängen.


Dr. Johann Forster (1496 – 1558) – Hennebergischer Reformator
Nach dem Holzschnitt in Reusners Contrafakturbuch, 1587  

6. Februar 1544
Erster von Luther in Wittenberg ordinierter Pfarrer in Henneberg-Schleusingen ist M. Mauritius Caroli, er wird nach 1545 nach Meiningen versetzt.

1544
Graf Wilhelm IV. und dessen Sohn Georg Ernst führen die Reformation ein. Als Generalsuperintendent (bis 1546) organisiert Johann Forster turnusmäßig Visitationen.
Am 25.01. erhält das Grafenpaar das heilige Abendmahl (katholisch und lutherisch).

10. Juni 1544
Reichstagsabschied zu Speyer. Es werden u. a. Rechtsgrundlagen für reformatorische Maßnahmen festgelegt, die auch in der Grafschaft Henneberg-Schleusingen zum Tragen kommen. 


Der Chronist Cyriacus Spangenberg, der 1552 mit Graf Wilhelm IV. von Henneberg-Schleusingen und dessen Sohn, dem damals regierenden Grafen Georg Ernst, Kontakte hat, schreibt in seiner 1599 verlegten Hennebergischen Chronica: „Anno 1544 ließ Fürst Wilhelm geschehen, daß sein Sohn Fürst Georg Ernst die Augsburgische Konfession annahm, sich zu derselbigen begab und dazu bekannte.“
 

29. Juni 1544 (Peter und Paul)
Allgemeine Kirchenvisitation in der Grafschaft Henneberg-Schleusingen mit etwa 100 Pfarr- und Kaplanstellen. Das Reformationswerk konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:
-     Reformation von Lehre und Gottesdienst mit seinen äußeren Aspekten (z. B. Bücherei und Ornat);
-      Visitation, Prüfung und Ordination der Geistlichen;
-     „ökonomisch-finanzielle Reformation“ (Einkünfte, Inventar, Immobilien. Instandhaltung);
-     Kirchenzucht und Ehegesetzgebung.
-     In der Visitationsinstruktion heißt es, dass überall im Land Schulen eingerichtet und von den Pfarrern beaufsichtigt werden sollen.

Vor der Reformation gibt es in allen hennebergischen Städten Schulen. Auf den Dörfern versehen zumeist die Kirchner den Unterricht. Insgesamt befindet sich aber das Schulwesen in einem desolaten Zustand.

1544 – 1573
Henneberg-Schleusingen wandelt das Kloster Veßra in eine Domäne um. (Die Klosterkirche wird im 18. Jahrhundert Domänenscheune). Die Mönche dürfen im Kloster verbleiben und können den Abt wählen. Der katholische Kultus ist jedoch ab 1545 untersagt. 

Nach Säkularisation (1544 – 1573) wird Veßra landesherrliche Domäne, kommt nach dem Aussterben der Linie 1583 an Wettin, 1718 an die kursächsische Linie und 1815 an Preußen. 

1544/45
Mit der zeitgleichen Einführung der Reformation in den Grafschaften Henneberg-Schleusingen und Römhild-Schwarza werden vor allem die Landesherren von den Bürgern gedrängt, Andersgläubige des Landes zu verweisen.
Im Turmknopf der Kirche in Schwarza findet sich der Hinweis, dass „Graf Albrecht 1545 diese Kirche und Gotteshaus erstmals nach der Augsburger Konfession reformiert und die abgöttische Messe und päpstliche Greuel abgetan habe“.

1544
Graf Wilhelm IV. und dessen Sohn Georg Ernst (Mitregent seit 1543) führen in der Grafschaft Henneberg-Schleusingen, zu der auch die heutigen Hildburghäuser Ortsteile Gerhardtsgereuth und Neuendambach gehören, die Reformation ein.

Besondere Verdienste erwirbt sich der Reformator Dr. Johann Forster (1496 – 1558) in der Zeit von Okt. 1543 bis 1547/48. Er ist ein enger Freund und Mitarbeiter Luthers. F. kann sich auf die Landstände berufen, die auf die Freigabe der Reformation drängen. Als Generalsuperintendent (bis 1546) organisiert er turnusmäßig Visitationen.


Pfarrer Karl Zeitel (* 1947), Urspringen (ehemalige Enklave Ostheim v. d. Rhön), widmet seine Forschungsarbeit
dem 450-jährigen Jubiläum der Reformation im Henneberger Land.
Das Werk ist erschienen als Sonderveröffentlichung des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins Nr. 5, verlegt 1994 im Verlag Frankenschwelle Hans J. Salier.
Das Titelbild: Entsprechend der Reformationsordnung aus einem Messgewand umgearbeitetes Altarantependium aus der Stiftskirche Römhild, ca. 1556 (Ausschnitt) 

1544
Die Kirche in Waldau erhält einen eigenen Pfarrer. Die Kirche in katholischer Zeit ist von der Schleusinger Komturei des Johanniterordens betreut worden. 

1544

Die Kirche in Henfstädt wird erstmals als Tochterkirche von Leutersdorf erwähnt. Sie ist aber wesentlich älter, lassen sich doch am Bauwerk frühgotische Baumerkmale, also ca. 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, nachweisen. Sie ist als Kirchenburg mit Gaden angelegt.

Eine Besonderheit der Kirche in Henfstädt ist der steinerne Altar.
Er weist eventuell darauf hin, dass der Raum der Sakristei einer der ältesten Teile
der ursprünglich selbstständigen Kapelle überhaupt ist.

1545
Magister Adam Rüdiger, Arnstadt, wird erster evangelischer Prediger in Römhild, er gilt als eigentlicher Reformator von Stadt und Land Römhild. Von dem bedeutenden deutschen Reformator sowie Luthers Freund und Mitarbeiter Johannes Bugenhagen (1485 – 1558) in Wittenberg 1545 wird er ordiniert und von Johann Forster berufen.

1545 – 1547
Die Fürstgrafen von Henneberg halten sich aus dem Schmalkaldischen Bund bzw. aus dem Schmalkaldischen Krieg (Religionskrieg Kaiser Karls V. gegen den Schmalkaldischen Bund) heraus. Lediglich Wilhelms Sohn Christoph ist Mitglied des Bundes. Nur allgemein darf in den Kirchen für die Fürsten des Bundes gebetet werden.

9. April 1545
In einem Revers des Franziskanerklosters Schleusingen wird deutlich, dass der Konvent nicht zur Reformation des Klosters bereit ist, da er u. a. nicht von den Ordens-Zeremonien Abstand nehmen will. Ostern findet der letzte katholische Gottesdienst im Franziskaner-Kloster statt. Bereits 1544 ist der evangelische Gottesdienst im Schloss und in der Pfarrei eingeführt worden. Das Kloster wird aufgelöst, und der Konvent darf seine fahrende Habe mitnehmen. Der katholische Gottesdienst wird in der Grafschaft untersagt. Das Gebäude der Franziskaner wird ab 1560 als Schule genutzt.

1545
Die von Graf Berthold IV. gestiftete Johanniterkommende in Schleusingen stellt sich nicht gegen die Einführung der Reformation. Die Kommende besitzt das Patronatsrecht über einige Pfarreien. Bis zur Säkularisierung werden die dem Orden belassenen Güter von einem Administrator verwaltet.

23. August 1545
Zur Weihe des Würzburger Fürstbischofs Melchior Zobel von Giebelstadt (1505 – 1558, ermordet) wird u. a. der Abt von Veßra wegen seines Luthertums nicht eingeladen.

1546
2. Visitation der hennebergischen Pfarrorte, zumindest aber in den Amtsorten.
Wegen des Widerspruchs zwischen der öffentlichen Kirchenzucht und der öffentlichen Rechtsprechung sowie der immer wieder verletzten Maßstäbe der evangelischen Kirche kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Forster sowie weiteren Reformatoren und den Grafen von Henneberg. Sie beklagen das unmoralische Leben einiger Geistlicher und weltlicher Amtsträger, vor allem verurteilen sie das Konkubinat der noch katholischen Geistlichen, die Trunksucht und den insgesamt unzüchtigen Lebenswandel des Klerus.

1546
Graf Berthold der Grafschaft Römhild-Schwarza beruft den Prediger M. Adam Rüdiger nach Römhild, auch zur Stabilisierung der Reformation in Ostheim v. d. Rhön trägt er maßgeblich bei. 
Karl Zeitel schreibt in „Die Reformation im Henneberger Land“, S. 137:
Der eigentliche Reformator von Stadt und Land Römhild wurde M. Adam Rüdiger. Das Wittenberger Ordiniertenbuch berichtet über die Ordination des ersten evangelischen Predigers von Römhild, Magister Adam Rüdiger aus Arnstadt: ‚[Ordiniert] feria quarta post Oculi [= 12. März] 1545 per D. Pomeranum [Bugenhagen], berufen von Doctor Forster von Schleusingen zum Predigtambt.‘ Demnach hat vermutlich Forster in einer Art Amtshilfe die Berufung auf die Prädikatur nach Römhild besorgt. Adam Rüdiger war der letzte katholische Pfarrer in Hermannsfeld gewesen. Er hatte sich noch vor der Einführung der Reformation in Henneberg-Schleusingen dieser zugewandt, 1540 die Pfarrstelle Hermannsfeld verlassen und sich 1543 zum Studium, jedenfalls der Theologie, an der Universität Wittenberg eingeschrieben.“
Zunächst war Rüdiger offiziell nur Prädikant. Unter mansfeldischer Herrschaft allerdings wird er dann schon 1553 vom Römhilder Amtmann auch als ‚Superattendent‘ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist deshalb aufschlußreich, weil sie den Beginn der evangelischen Kirchenorganisation, zumindest im Amt Römhild, bezeichnet. Am 30. Januar 1554 berichten Kaplan, Senior und Kapitel des Stiftes ihrer Patronin, Gräfin Katharina in Schwarza, daß am letzten Montag die mansfeldischen Räte ihnen die Ernennung des Predigers Rüdiger in Römhild zum Landessuperintendenten und Stiftsdekan angezeigt hätten. Damit war der offizielle Schritt zur Aufrichtung eines gemeinsamen evangelischen Kirchenwesens in der Herrschaft Römhild vollzogen.“
 

1546 – 1547
Schmalkaldischer Krieg – Religionskrieg Kaiser Karls V. gegen den Schmalkaldischen Bund. Die Henneberger verhalten sich im Schmalkaldischen Krieg neutral. 

1547 bis Anfang 1548
Der Reformator Johann Forster beendet sein Wirken in Henneberg-Schleusingen. Im Februar 1548 wird in Merseburg beschlossen, dass er dort eine Stellung einnimmt. Er hält aber weiterhin, vor allem beratend, Kontakt mit der Grafschaft Henneberg-Schleusingen. 

24. April 1547
Mit der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe und der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes sowie dem kaiserlichen Heer Karls V. unter Führung des Herzogs Alba und Unterstützung von Moritz von Sachsen ist das Schicksal des Bundes besiegelt, und es kommt zu weitreichenden politischen Konsequenzen. Die Ernestiner verlieren nach der „Wittenberger Kapitulation“ ihre Kurfürstenwürde und beträchtlichen Landbesitz.

1547
Der Landesherr, Herzog Johann Ernst, gibt die Veste Coburg als Residenz auf, die Hofhaltung wird in die Stadt Coburg am Standort eines ehemaligen Klosters verlegt („Ehrenburg“).

 
1548
M. Bartholomäus Wolffhart aus Göttingen wird zum Superintendenten der Grafschaft Henneberg-Schleusingen berufen.

7. August 1548
† Georg Rhaw, Wittenberg
(* 1488, Eisfeld).Thomaskantor und Leiter des Thomanerchors in Leipzig, Theoretiker und Tonkünstler, Buchdrucker. Begeisterter Anhänger der Reformation und Freund Luthers. 

Er zieht durch die sächsischen Lande und ist u. a. Schulmeister in Hildburghausen, 1523 kommt er wieder nach Wittenberg, dort gibt es eine Offizin Gruneberg-Rhaw. 1525 ist er als Buchdrucker und Verleger tätig, einer der bedeutendsten von reformatorischer Literatur (u. a. Luther, Spalatin, Melanchthon); druckt die Confessio Augustana, Flugschriften, Gesangbücher, musikalische Werke. 

1548/49
Graf Wilhelm IV. und Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen nehmen die Augsburgische Konfession an.

1549
† Nikolaus Kindt, Eisfeld (Dr.)
(* 1490, Hildburghausen)
Kanoniker, Reformator, Superintendent

Kanonikus am Münster zu Würzburg, tritt zum evangelischen Glauben über. Er ist Teilnehmer der 1. Kirchenvisitation in den fränkischen Ortlanden (1528/29), in Königsberg/Franken, Heldburg, Hildburghausen, Rodach, Eisfeld, Neustadt a. d. Haide (heute: Neustadt b. Coburg), Sonneberg, Schalkau, Coburg.
D. Kindt hat in Häselrieth ein Gut, das noch 1595 erwähnt wird.


1549, 1576 und 1580
Bauliche Veränderungen an der St.-Wigbert-Kirche Häselrieth. Vermutlich stammen das Chorkreuzgewölbe mit gekehlten Rippen und dem kleinen Rosettenschlussstein sowie das rippenlose Kreuzgewölbe der Sakristei aus dieser Zeit, ferner die hochgotische und in Teilen spätgotische Spitzbogentür zwischen Chor und Sakristei, auch Beschläge und das Schloss.


1549
Mit dem Tod der nachkommenlosen Grafen Berthold XVI. (23.03.1549) und Albrecht (05.06.1549) stirbt die Linie der Grafen von Henneberg-Römhild aus. Stadt und Amt Römhild und Lichtenberg (Ostheim vor der Rhön) verkaufen die Grafen von Mansfeld an das fürstlich ernestinische Haus. Stadt und Amt Römhild kommen in den Besitz der Brüder Herzog Johann Friedrich II. (der Mittlere), Johann Wilhelm und Johann Friedrich III. (der Jüngere). Sie veranlassen eine Kirchenvisitation, damit wird Römhild endgültig evangelisch.

1549
An der Südwand der Südost-Ecke der stattlichen Kirche in Gleichamberg steht die Zahl 1549. Ob sich diese Zahl auf den Neubau bezieht oder eine größere Reparatur betrifft, liegt im geschichtlichen Dunkel. Unklar ist das Patronzinium: „St. Nikolaus“ oder „St. Alban“. Die Vorgängerkirche ist eine St.-Nikolaus-Kapelle, andere Überlieferungen beziehen sich auf „St. Alban“. Die Kirche steht am Südosthang des Großen Gleichbergs, einem mächtigen Basaltberg vulkanischen Ursprungs, auf terrassierter Höhe. Vom Unterdorf vermittelt der Blick den Eindruck einer Wehrkirche, die sie aber nie gewesen ist.
Der chortragende Turm (1998 – 2001 saniert) hat eine Grundfläche von 5,2 Meter im Quadrat, die nördlich gelegene Sakristei ist 3,7 Meter lang und 3,2 Meter breit, das Langhaus 11,2 Meter lang und 8,1 Meter breit. Der spätgotische Bau, gemischt mit Formen der Frühgotik, trägt wohl den ältesten Turmhelm in spitzer Pyramidenform, den es im Umfeld gibt, er ist aber kein „Echterturm“. Am Bau begegnen sich auch Elemente der Spätgotik und Renaissance, vor allem an den Türen und Fenstern. Eine weitere Stilmischung ergibt sich bei Erneuerungsarbeiten einhundert Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg, zwischen 1730 und 1750 mit dem Regenschaftsstil und dem Rokoko.
Um die Kirche herum, von einer Mauer umschlossen, befindet sich der Friedhof, im Süden und Südwesten mit zwei tiefer liegenden Mauern, die als Stütze dienen. Durch das Torhaus der Alten Schule, davor der große Dorfbrunnen, gelangt man auf den Friedhof bzw. in die Kirche.


Kirche St. Nikolaus“ oder „St. Alban“ in Gleichamberg.
Foto: Bernhard Großmann, 2005
 

1550
Die Stiftskirche in Römhild wird säkularisiert und in eine Stadtkirche umgewandelt. 

1550
Die dem heiligen Cyriacus geweihte Pfarrkirche in Gellershausen wird erstmals erwähnt. Der Heilige gehört zu den „14 Nothelfern“, den „Vierzehnheiligen“, sein Namenstag ist der 8. August. Er ist um 309 bei der Christenverfolgung in Rom gestorben.
Der Ort selbst wird 1158 erstmals als „Gilershusen“ urkundlich erwähnt, 1183 ist ein Hildebrand von Gilershusen nachgewiesen worden. Die Kirche hat einst einen Vikar gehabt, der zugleich auch die Veste Heldburg seelsorgerisch betreut hat, denn Gellershausen gilt als Vorwerk des fürstlichen Amtes Heldburg. Die mittelalterliche Kirche ist eine Tochterkirche von Westhausen gewesen, besitzt aber eine eigene Vikarie.  

Um 1550
Die Kirche „St. Oswald“ Zeilfeld gehört in vorreformatorischer Zeit zum Spital oder zur Vikarie „Altenrömhild“ und seiner Peterskirche, wird aber nach Einführung der Reformation Filial von Bedheim. 
Erst in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts kam der Ort als zweites Filial zur Muttergemeinde Pfersdorf. 

Um 1550
Auf der im 2. Stockwerk gelegenen Westempore der Kirche „St. Marien“ in Streufdorf (heute: Einheitsgemeinde Straufhain) wird die von Johann Christian Dotzauer, Hildburghausen, gefertigte Orgel mit beachtenswertem Barockprospekt erbaut.

1550 – 1561
Lucas May (1522 – 1598), Luther-Schüler, Theologe, Pädagoge, Dramatiker, ist Rektor der Ratsschule in Hildburghausen. Die Schule entwickelt sich zu einer anerkannten Institution.
1559/60 schreibt er ein Drama (1562 Druck in Wittenberg) in 2.140 Versen
„Eine Schöne unnd neue Comedien, Von der wunderbarlichen vereinigung Göttlicher gerechtigkeit und barmhertzigkeit, wie dieselben in der seligkeit, und erlösung des Menschen, zusamen komm, und in Gottes gericht vermischt werden, aus S. Bernhardo genomen. Sampt derselben Predigt S. Bernhardi, von der Menschwerdung Christi, verdeutscht und zusamen gezogen Durch Lucas Maien Schulmeistern zu Hildpurghausen".

Im volksverbundenen Schauspiel werden gesellschaftsmoralische Probleme der Reformationszeit aufgegriffen. Das Stück wird nachweislich vielfach im protestantischen Deutschland gespielt. Zur Uraufführung mit Schleusinger Schülern auf Schloss Bertholdsburg kommen u. a. auch einige Fürsten: der hennebergische Fürstgraf Georg Ernst, Georg Johann Pfalzgraf bei Rhein und Graf zu Veldenz sowie Herzog Eberhard zu Württemberg. 

1554
In dem südöstlich von Römhild am Fuße des Großen Gleichbergs gelegenen Dörfchen Hindfeld wird eine kleine Kirche im gotischen Stil erbaut, die am Sonntag nach Trinitatis der Dreifaltigkeit geweiht wird. Das geschieht nur wenige Jahre nach dem Bau der Mutterkirche „St. Maria Magdalena“ in Milz. Der den Turm tragende Chor hat eine Länge von 3 Meter und eine Breite von 3,3 Meter, das Langhaus ist 7,5 Meter lang und 4,9 Meter breit.

 

Bis 1555 ist die Reformation in den Grafschaften Henneberg-Schleusingen und Henneberg-Römhild weitestgehend abgeschlossen.

Mit dem Erlöschen der Henneberger Linie 1583 erfolgt im Wesentlichen ein problemloser Anschluss an das wettinische Gebiet. Der Katholizismus als Machtfaktor ist ausgeschaltet, die Gegenreformation kommt in der Region nicht zum Zuge. Die Visitationen 1555/56 sind als Zäsur zu betrachten, die evangelische Kirche der Henneberger Gebiete und der fränkischen Ortlande gehen in eine gemeinsame Zukunft.
Die Gegenreformation ist die Reaktion der römisch-katholischen Kirche auf die von Martin Luther 1517 in Wittenberg ausgehende Reformation. Sie reichte bis ins 18. Jahrhundert.


Von der Geschichtsschreibung ist immer wieder bis in die heutige Zeit unterschätzt oder kaum beachtet worden, dass es in der römisch-katholischen Kirche auch bemerkenswerte Erneuerungsbewegungen gegeben hat, zum anderen haben Protestanten gewaltsame und intolerante Methoden gegen Andersgläubige eingesetzt. Teilweise sind auch Hexenverfolgungen Mittel der Konfessionskämpfe.

Mit der Confessio Augustana (1555), dem Augsburger Religionsfrieden, wird die Bekenntnisform an die jeweilige Landesherrschaft gebunden: Freie Wahl der Konfession für die weltlichen Reichsstände und die reichsunmittelbare Ritterschaft, die über die Religionsangehörigkeit ihrer Untertanen entscheiden. Die geistlichen Reichsfürsten verlieren bei Religionswechsel ihr Amt und ihre Reichslehen.

1555
Der Pfarrhof in Hildburghausen brennt ab.

1555

Im Bericht der Kirchenvisitation in Themar heißt es, die „Schule hat dieser Zeit gehabt 120 Schüler, ist mit einem Schulmeister, dem man 50 fl. und mit einem Cantor, dem man 40 fl. giebt, besetzt“. Dem Rat wird auferlegt, einen deutschen Schulmeister „für die Mädlein des orts anzurichten“. Nach der Visitation wird noch eine weitere Lehrkraft eingestellt. 

9. Oktober 1555
† Justus Jonas, eigentlich Jodokus Koch, (Prof. Dr.), Eisfeld
(* 05.06.1493, Nordhausen)
Theologe, Reformator, Mitarbeiter und Freund Luthers

Superintendent seit 1553. Der Reformator und enge Gefährte Martin Luthers (sein seelsorgerischer Beistand beim Ableben) ist auf dem heutigen Alten Gottesacker in Eisfeld bestattet. 

Jonas übersetzt lateinische Schriften Luthers und Melanchthons und führt die Reformation in Halle/Saale ein. 1521 ist er Luthers Begleiter zum Reichstag in Worms. Er ist Verfasser mehrerer Kirchenordnungen, 1551 wird er als Generalsuperintendent nach Coburg berufen. Aus gesundheitlichen Gründen übernimmt er die Superintendentur in Eisfeld.

Sein Grabstein trägt die Inschrift:
„Justus Jonas, Doctor der heiligen Theologie, nachdem er seinen Lebenslauf in der Ausbreitung der wahren Lehre vom Gottessohn vollbracht, und nachdem er die Form sowohl der hiesigen Eisfelder als auch vieler anderer Kirchen getreulich geschaffen und seine Seele dem Erlöser übergeben hatte, legte er die Glieder seines matten Körpers an diesem Ort zur Ruhe.
Er starb im Jahre des Herrn 1555 am 9. Oktober.“


Epitaph (um 1900 aufgenommen) für die beiden in Eisfeld wirkenden Reformatoren und Superintendenten Nikolaus Kindt († 1549) und Justus Jonas († 1555), 1555, in der Gottesackerkirche „St. Salvator“ Eisfeld. Anlässlich des 500. Geburtstages von Justus Jonas 1993 ist das durch Witterungseinflüsse geschädigte Original durch ein Duplikat ersetzt worden. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ist ein Abguss gefertigt worden, der in einem Museum in Nürnberg gelagert worden ist.
Das Grab von Justus Jonas kann noch heute besucht werden. Jedes Jahr,
am 9. Oktober, an seinem Todestag, hält dort die Eisfelder Kirchgemeinde eine Andacht. 

1555 – 1560
Die Visitation in Schleusingen ergibt unhaltbare schulische Zustände. Es heißt: „… die Schule sei in Grund verderbt, kann bei diesen Personen nicht angerichtet werden. M. Jacob sei in 2 Jahren zum Sacrament nicht gangen, führe ein wüst Leben, ist ein Gotteslästerer, sei unfleißig und tyrannisch in der Schule, hat kein autoritaten bei den Gesellen [Schülern], lese auch keine grammaticum. M. Franciscus sei ein Wirt, versäume die Schule, fluche übel, exponirt in der Schule nicht recht, zeuge [verreise] ohne Erlaubnis hinweg, thue, was ihm gefalle. Desgleichen sei der Meinberger auch ein Wirt … Es wird um Anrichtung der Bibliothek gebeten und daß die Schul ins Kloster transferiert werde.“
Ähnliche Ergebnisse sind auch in anderen Orten dokumentiert. Die bei Visitationen vorgeschlagenen Veränderungen kommen bis 1560 zum Tragen. Vor allem die deutliche Anhebung der kärglichen Lehrerbesoldung wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Schulen aus.  

Mitte 16. Jahrhundert
Schleusingen gilt als Erstdruckerstadt. In der von Wilhelm IV. finanziell geförderten Druckerei von Hermann Hamsing werden auch Reformationsschriften und Schulbücher hergestellt.

1555
Die Kirche in Crock wird Pfarreikirche für dreizehn Filialdörfer: Goßmannsrod, Brünn, Brattendorf, Schwarzbach, Poppenwind, Oberwind, Merbelsrod, Hinterrod, Waffenrod, Biberschlag, Engenstein, Heubach, Schnett. Pfarrer ist Heinrich Koch. 1559 ist der Hochaltar abgerissen worden und die Heiligenfiguren werden in das Eisfelder Schloss gebracht, damit ist die katholische Zeit abgeschlossen.
In weiteren 25 Jahren wird das große Kirchspiel Crock in vier Kirchspiele aufgeteilt: Crock, Heubach, Biberschlag und Crock. Zu Crock gehören dann nur noch Oberwind, Waffenrod und Hinterrod.

1555 – 1574
Bis zur Gründung des Kirchenrats im Jahr 1574 ist M. Christoph Fischer Superintendent in der Grafschaft Henneberg-Schleusingen. Mit dem Kirchenrat wird die evangelische Kirche im Henneberger  Land von einem fünfköpfigen Konsistorium geleitet, das auch nach Übergang der Grafschaft an Sachsen weiter besteht. Das Land wird in neun Dekanate eingeteilt.

1556
Vermutlich zieht die Schleusinger Schule in das Gebäude des seit Einführung der Reformation in Henneberg-Schleusingen verwaisten Barfüßerklosters in der heutigen Klosterstraße ein. 1560 wird die fürstliche Landesschule gegründet, 1577 wird aus der öffentlichen Lateinschule das Gymnasium, das später den Namen ihres Stifters Georg Ernst erhält.


Georg Ernst Graf von Henneberg-Schleusingen (1511 – 1583)
Foto: Bernhard Großmann

1556 – 1573
Die durchschnittliche Geldeinnahme des Klosters Veßra beläuft sich auf 3.652 Gulden (3 Gulden kostet zum Zeitpunkt ein Mastschwein). Die Einnahmen für Naturalien betragen jährlich ca. 2.900 Malter Getreide und 25 Fuder Wein (1 Malter Korn = 142 kg, 1 Fuder Wein = 800 Liter).

1556
Für Römhild wird eine Kirchenvisitation angeordnet. Visitatoren sind der Superintendent Dr. Maximilian Mörlin (1516 – 1584) aus Coburg, J. Stössel aus Heldburg und der Römhilder Amtmann Blümlein. Die Visitatoren finden nur noch zwei Kanoniker (Stiftsherren) vor, und zwar Lorenz Zitter und Adam Günther, die mit einer Pension abgefunden werden, und den Stiftsverwalter Johannes Rüger. – Magister Adam Rüdiger († 10.10.1569) wird als Superintendent, Pfarrer sowie „Lehrer“ des Bezirks bestätigt, zudem kommen hinzu zwei evangelische Diakone. Der erste Diakon ist Andreas Schreiber, ehemaliger Mönch in Bildhausen. Die Regelung hat bis 1891 Bestand, bis das Archidiakonat und das Diakonat eingezogen und mit der Superintendentur vereint worden sind.

1558
An der Südwand der Ägidienkapelle der Stadtkirche "St. Johannes der Täufer" 
in Schleusingen befindet sich das Epitaph der ersten Gemahlin des Grafen Poppo von Henneberg (1513 – 1574) und Mutter der ersten Gemahlin von Georg Ernst (1511 – 1583). Sie ist die verwitwete Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, geboren Markgräfin von Brandenburg. Sie ist 1558 in Ilmenau verstorben und im Kloster Veßra beigesetzt worden. 1566 kommen ihr Leichnam und ihr Grabstein nach dem Tod ihrer ältesten Tochter Elisabeth und Gemahlin von Georg Ernst nach Schleusingen.

Im Auftag ihrer Kinder hat der Bildhauer Siegmund Buchlinger aus Innsbruck das Werk vollendet. Es zeigt Elisabeth mit einem weitärmeligen und faltigen Mantel, von dem gewellte Haubenbänder herabfallen. Ihre Hände hat sie zum Gebet gefaltet. Ihr noch jugendliches und idealisiertes Gesicht zeigt ernste Züge. Der von glatten Pilastern eingefasste Stein trägt die Umschrift
„Von Gottes Gnaden Elisabeth: geborene Markgräfin zu Brandenburg. Gräfin und Frau zu Henneberg starb ihres Alters im 48. Jahr 1558.“
Am Sockel ist noch erkennbar:
„Nempe Ericus: Dux: Brunswic (ensis et Lu)nenburg: filius et: Elisabet: Anna Ma(ria) et Catharina filiae gratitudinis ergo pos(verunt).“


Epitaph in der „St.-Johannes-Kirche“ Schleusingen
für Elisabeth, der geborenen Markgräfin von Brandenburg und Gräfin von Henneberg 

1559
Seit dem Zeitpunkt werden in Themar Kirchenbücher geführt. 

1559
Wilhelm IV. Graf von Henneberg-Schleusingen wird als letzter Henneberger in Kloster Veßra bestattet. 

Um 1560
Am Kirchturm in Themar werden Bauarbeiten ausgeführt. Ein Wappen an der Ostseite (3. Obergeschoss) weist mit der Jahreszahl 1567 auf Graf Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen hin.

1560
Georg Ernst Graf von Henneberg-Schleusingen erhebt die Stadtschule in Schleusingen zur Landesschule. Der Chronist Spangenberg berichtet, dass sich diese Schule „hernach aus umliegender Nachbarschafft, Francken, Thüringen und andern Landen, viel feiner Knaben, Edel und Unedel, und auch allda in aller Gottseligkeit und guten Künsten mit Fleiß überwiesen worden.“

1560
Georg Ernst lässt nach dem Tod des Abts Wolfgang, Kloster Veßra, das Landesarchiv nach Schleusingen überführen. 

19. August 1561
Pfarrer und Magister Stephanus Mörlin, Sohn des ersten evangelischen Pfarrers in Westhausen, Bruder des General-Superintendenten in Coburg und des Bischofs zu Samland in Preußen, beginnt das Kirchenbuch in Hildburghausen, das er mit chronikartigen Beiträgen ergänzt, beispielsweise die Lebensläufe der Pfarrer seit Einführung der Reformation. Das Kirchenbuch geht verloren. 

1562 und 1566
Geistliche berichten Georg Ernst Graf von Henneberg-Schleusingen, nach welcher Agende [Gottesdienstordnung] der Gottesdienst vollzogen wird. So wird berichtet, dass sie nach der Agende Veit Dietrichs [Nürnberger Agende] gehalten wird, die den Pfarrer bei der ersten Visitation 1544 übergeben worden ist. 

1563
Der in Hildburghausen geborene Wilhelm Faber, einer der jüngsten und letzten Luther-Schüler, wird Diakon in Eisfeld († 1601). 

1563
In diesem Jahr sind größere Reparatur- und Erweiterungsarbeiten an der Kirche in Lengfeld vorgenommen worden. Darauf lässt die neben der Turmuhr eingemeißelte Jahreszahl 1563 schließen. Der Turm ist sicherlich erhöht worden, zudem ist es zum Fachwerkanbau mit seinem Aufgang zum Turm gekommen. Auf dem Turm erhebt sich ein schlanker achteckiger Helm mit Turmknopf und Wetterfahne. Die Umfassungsmauer (ca. 4 Meter) ist mit Fachwerk um drei Meter erhöht worden. 

3. Mai 1564
* Vitus (oder Veit) Wolfrum, Hildburghausen
(† 9. August 1626 als Superintendent in Zwickau)
Geistlicher und Kirchenlieddichter

Er studiert in Wittenberg (Magister), danach in Jena, Prag, Erfurt, Leipzig und Altorf. 1591 ist er Archidiakon in Wittenberg, 1593 Superintendent in Zwickau. Große Kenntnisse besitzt er in orientalischen Sprachen. 

Kirchenlieder:Wolfrums Zwickauischer Bürgerschaft Haus- und Kirchenschatz mit den Liedern:„Da Christus geboren war“, „Ein Täublein klein hat keine Gall“, „Schön singen uns die Engelein“, „Wie kann ich dich gnug loben“, „Wir sagen dir, Herr Jesu Christ“ 

1564
Simmershausen wird zur eigenen Pfarrei erhoben. 

1565
Der Kirchturm der Crocker Kirche brennt um 2 Uhr nachts wegen Blitzschlags bis zu den Grundmauern ab. Alle vier Glocken schmelzen in der Gluthitze. Der Wiederaufbau des Kirchturms wird 1569 vollendet, er wird mit drei Glocken ausgestattet. 1574 kann der Pfarrherr Hieronymus Conrad in das neue Pfarrhaus einziehen.

1566
Das Henneberger Erbbegräbnis, auch Grablege genannt, wird nach dem Tod der ersten Gattin des letzten Fürstgrafen Georg Ernst vom Kloster Veßra in die „Johanniskirche“ nach Schleusingen verlegt. Sie ist durch eine schmiedeeiserne Gittertür aus dem 16. Jahrhundert vom Kirchenschiff her zugänglich. Vier Grabplatten bedecken den Boden. An den Wänden stehen die Standbilder der Henneberger Herrscher und ihrer Gemahlinnen bis Wilhelm II. zurück († 1444), die vom Innsbrucker Bildhauer Siegmund Buchlinger im Zeitraum von 1558 – 1583 angefertigt worden sind.


Grablege der Henneberger Grafen in der St.-Aegidien-Kapelle in Schleusingen.
In der Mitte ist das Standbild mit Graf Georg Ernst († 1583).
Foto: Bernhard Großmann, 2005 

1567
Allein der Haupthof des ehemaligen Klosters Veßra hat noch 1,303 Acker Land (1 Acker = 0,21 ha), mehrere hundert Acker Wald, 38 Jagdgründe, 37,5 Acker Teiche, 3 Forellen-Gewässer, Hutgerechtigkeit in 11 umliegenden Ortsfluren, an Tieren: 100 Stück Rindvieh, 27 Pferde, 100 Schweine, ca. 700 – 800 Schafe u. a.
Zum Besitz gehört auch das entlegene Saalland, z. B. der Schweighof und der Georgenberg bei Rodach, Haard bei Münnerstadt und Ottelmannshausen bei Königshofen u. a.


Wilhelm von Grumbach (1503 – 1567) 

18. April 1567
† Wilhelm von Grumbach, Gotha (gevierteilt)
(* 01.06.1503; Rimpar bei Würzburg)
Fränkischer Reichsritter, Schirmvogt von Würzburg, im Schmalkaldischen Krieg steht er auf protestantischer Seite.  

Grumbach, aus fränkischem Uradelsgeschlecht stammend, ist ein Vasall des Fürstbischofs von Würzburg. Seine Erziehung genießt er am Hof von Lorenz von Bibra, der der Reformation durchaus aufgeschlossen gegenüberstand. Im Deutschen Bauernkrieg kämpft er auf der Seite des Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Kulmbach. Von zweien seiner Knechte lässt er seinen Schwager und Gegner, den fränkischen Reichsritter Florian Geyer, der im Dienst des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Ansbach steht und Diplomat ist, am 09./10.06.1525 im Gramschatzer Wald erdolchen und ausrauben.

[Florian Geyer, der 1525 Berater und Verhandlungsführer des Tauberhaufens geworden ist, wird noch Jahrhunderte später, weil er freiwillig auf ein Leben in Luxus verzichtet und für seine Überzeugungen einsteht, zum angeblichen „Vorbild“ revolutionärer Kräfte. Das Lied „Wir sind des Geyers Schwarzer Haufen“ wird nach dem Ersten Weltkrieg zum Volkslied, der Name wird vor allem im Schulunterricht der DDR glorifiziert. – Die 8. SS-Kavallerie-Division im III. Reich ist nach Geyer benannt worden, in der DDR das Grenzregiment 3 in Dermbach, Bezirk Suhl, sowie mehrere LPG.] 

Besonders großes Ansehen erreicht Ritter Grumbach bei Konrad III. von Bibra (1540 – 1544, Fürstbischof von Würzburg), der ihn zum Hofmarschall erhebt und ihm 10.000 Goldgulden ohne Zustimmung des Domkapitels schenkt. Nach Konrad III. wird Melchior Zobel von Giebelstadt Fürstbischof, der die Geldzahlung zurückfordert. Grumbach zahlt, aber beide bleiben verfeindet.

Im Schmalkaldischen Krieg (1546/47), der von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund (27.02.1531 in Schmalkalden gegründet) geführt worden ist, kämpft Grumbach auf protestantischer Seite. 

[Der Schmalkaldische Krieg, der auch als erster „teutscher Krieg“ gilt, ist fester Bestandteil der Reformationsgeschichte, auch wenn er heute in vielen historischen Arbeiten kaum eine größere Rolle mehr spielt. – Nach der Auflösung des Schmalkaldischen Bundes wird die Kurfürstenwürde an die Albertiner übertragen.] 

Danach nimmt Grumbach an Raubzügen in Franken am Markgräflerkrieg teil. In den Folgejahren kommt es zu vielfältigen Auseinandersetzungen und Kämpfen gegen den Fürstbischof Melchior Zobel von Giebelstadt, in dessen Gebiet Besitzungen von Grumbach gelegen haben, und den Kurfürsten August von Sachsen, den Kaiser Ferdinand I. mit der Vollstreckung der über Grumbach verhängten Reichsacht beauftragt hat. Der Fürstbischof wird von Grumbachs Getreuen ermordet. Es kommt zu folgenreichen Auseinandersetzungen, die sogenannten „Grumbachschen Händel“. 1567 wird er nach militärischen Aktionen gefasst, ebenso der sächsische Kanzler Dr. Brück und weitere Getreue. Am 18. April 1567 wird er auf dem Gothaer Marktplatz hingerichtet und gevierteilt. – Sein Beschützer Herzog Johann Friedrich II. (der Mittlere), über den ebenfalls die Reichsacht verhängt worden ist und der die Kurwürde wieder erringen will, ist der Sohn des Reformationskurfürsten Johann Friedrich I. Er wird in seiner Burg Grimmenstein in Gotha gefangen genommen und lebenslang eingekerkert. Die Burg wird geschleift. Die sterblichen Reste von Wilhelm von Grumbach sind im Schloss Friedenstein aufbewahrt.

 Das Wasserschloss in Hellingen ist 1515 von Konrad von Schott auf sumpfigem Gelände erbaut worden und gelangt 1562 in den Besitz von Konrad von Grumbach. Sein Vater ist der oben erwähnte Reichsritter und Schirmvogt von Würzburg, Wilhelm von Grumbach. 1601 kommt die Burg an die Familie von Rußwurm, Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts wird die Burg in eine viertürige und vierflügeliges Schloss umgebaut, das 1873 teils abgebrochen worden ist. Heute sind nur noch die stark sanierungsbedürftigen Ost- und Südflügel erhalten. 

1569
Im Visitationsbericht werden die Lateinschule in Eisfeld und die Tätigkeit des Rektors Johannes Kindt außerordentlich gewürdigt: „Weil aller Weisheit Quelle und Summe die Furcht des Herrn ist und Christo uns bei allen Bestrebungen und Handlungen vor allem nach dem Reiche Gottes trachten heißt, so ermahne ich alle aus frohem Herzen dringend, daß sie vor allem nach Frömmigkeit trachten und das Hauptziel für all ihr Streben die Ehre Gottes sich vornehmen, ihn allein in ihren Studien ehren.“
(Nach: Ernst Dahinten: Geschichte der Heimat, Bd. II)  

Im Visitationsbericht sind die Bestimmungen für Schulandacht, Unterrichtsablauf und Schulzucht enthalten.
In den Lateinschulen Eisfeld und Hildburghausen gibt es keine Abschlussprüfungen als Reifeprüfung wie zum Eintritt in eine Universität. Man kann direkt zur Universität übertreten, viele besuchen jedoch die Abschlussklasse eines Gymnasiums (z. B. in Schleusingen oder Coburg). 

1570
Die Schule in Unterneubrunn (heute: Schönbrunn, Gemeinde Schleusegrund) wird im Pfarrhaus gegründet, die von den Ortspfarrern betrieben wird. Sie gilt als eine der ältesten im Amt Eisfeld. Erst später werden die Schüler von Schulmeistern unterrichtet.
 
1570
Die erhalten gebliebene Klosterkirche in Veilsdorf brennt ab. 

1570
Der Organist Friedrich Schmidt wird als Organist an der Lorenzkirche in Hildburghausen in sein Amt eingeführt. Die Existenz einer Orgel wird erst Ende des Jahrhunderts bezeugt. 

1571
Das nordöstlich von Eisfeld gelegene Sachsendorf (heute: Sachsenbrunn) wird selbstständige Pfarrei, vorher Tochterkirche von Eisfeld. Zur Reformationszeit haben hier die Eisfelder Superintendenten Nikolaus Kindt und Dr. Justus Jonas gewirkt. Mit der Stiftung der Pfarrei werden einige Orte betreut: Sachsendof, Schwarzenbrunn, Schirnrod, Saargrund, Sophienau und Tossenthal. 

14. September 1572, 19/20 Uhr
Ein verheerendes Unwetter verwüstet die Stadt Hildburghausen und die Stadtwaldung.

Nach Krauß' S. Hildburghäusische Kirchen-, Schul- und Landeshistorie, der Gedächtnispredigt von Superintendent Güth, nach geistlichen Liedern Holtzheusers und Langguths heißt es bei Human:

„Dabei wurde der obere Teil des Glockenturmes der St. Lorenz-Kirche, Spitze, Dach und Gebäu von Holzwerk und mit Schiefer gedeckt, sowie ein Teil vom Steinwerk in die Ringmauer geworfen, das Krautglöcklein aus dem Schieferdach in den Stadtgraben, ingleichen die deutsche Schriften und Reime enthaltenden Turmknöpfe, deren einer auf der höchsten Spitze von Kupfer und mit gutem Gold vergüldet gewesen, während der andere auf dem Turm des Krautglöckleins stand. Das Dach der Kirche ward von Ziegeln fast entblößt, der Oberstock vom Rathaus in die Gasse nach dem oberen Tor zu geschleudert, der Türmer Sinder aber mit Weib und Kind wunderbar gerettet. Ingleichen wurden der Ziehbrunnen auf dem Markt, die hohe Warte und 6 Türmlein auf der Ringmauer zerschellt, die Ringmauer mit sämtlichen Häusern entdacht und die Sparren weggerissen, den Tuchmachern die Wolle entführt, viele Bäume entwurzelt, Leute auf dem Feld wider Zäune und in Gräben geworfen, niemand aber ernstlich beschädigt. 'Es ist ein solches Prasseln, Krachen und Getöse und Ungestüm gewesen, daß viele Leute aus Furcht nach den Kellern gelaufen, in der Meinung, sich darinnen zu verbergen und Schutz zu finden und von solchem Prasseln ein so grausamer Schall und Gepolter entstanden, daß nicht ein Mensch in der ganzen Stadt gefunden worden, der mit Wahrheit sagen könne, er hätte dies oder jenes Gebäu unterschiedlich fallen hören, sondern es ist alles zugleich ein Krachen und Prassel gewesen, als wenn alles Gebäu miteinander gefallen und darnieder gegangen wäre’.“

Von 1573 – 1704
In diesem Zeitraum wird fälschlicherweise die „St.-Martins-Kirche“ und der Ort Sankt Bernhard mit dem heiligen Bernhard von Clairvaux (um 1090 – 1153, Feiertag: 20. August) in Zusammenhang gebracht. Der Ort selbst hat zwischen 1458 und 1530 wüst gelegen. Bernhard ist der bedeutendste Mönch des Zisterzienserordens, für deren Ausbreitung er über ganz Europa verantwortlich ist. 

1574
Georg Ernst Graf von Henneberg-Schleusingen richtet eine landesherrliche Behörde, ein Konsistorium, ein, die u. a. mit drei Kirchenräten besetzt ist. Das Konsistorium hat die Aufsicht über die Kirchen und Schulen. Ihr Sitz ist in Meiningen. 

1575
Die Kirche in Waldau wird vom Blitz getroffen und nachfolgend bis zum Altarraum und zur Sakristei abgebrochen. So werden also im 1628 vollendeten Neubau einige Teile der gotischen Vorgängerkirche bewahrt: das Kreuzrippengewölbe im Chor, der spitzbogige Triumphbogen, einige Fenster und die 1962 freigelegten Fresken im Altarraum. 

7. Juni 1577
Die Schleusinger Landesschule wird zum Gymnasium ausgebaut. Sie wird von Graf Georg Ernst gestiftet. Erster Rektor (22.06.) wird M. Wolfgang Moller, der 1544 das erste in Meiningen nach evangelischem Ritus getaufte Kind ist. Das Gymnasium erlebt eine Blütezeit und besitzt eine Sogwirkung. Im ersten Jahr besuchen 289 Schüler die Einrichtung, 1616 sind es bereits 425, darunter 30 Adlige. Neben der Studienschule in Thundorf ist sie die einzige derartige evangelische Einrichtung im nördlichen Franken. Auch ein Internat wird für die Schule errichtet.


1578
Visitation. Vier Theologen und vier Schulmeister werden in Hildburghausen erwähnt.

In der Visitation heißt es u. a.: „Sind alle wohl aber Virnius (Wolfgang Virnius – anderer Diakon, d. Verf.) vor allen, im examine befunden worden. Am Sonntag früh predigt der Pfarrer (Stephan Mörlin) das Evangelium. Zu Mittag hat Herr Erhard (Erhard Montanus – erster Diakon) den Catechismum und alle sämtlich das examen. Der andere Diakonus geht zu Dorff; der dritt (Wolfgang Heubner) verricht die übrige Kirchen Arbeit. Am Dienstag erklärt der dritt Diakonus epistolam Dominicalem; Mittwoch Herr Erhard Exodum; Virnius Montag u. Donnerstag epistolam ad Hebraeos; Freytags der Pfarrer Malachiam.“

1578

An der Pfersdorfer Kirche wird vermutlich gebaut. Am Sturz des Sakristei-Ostfensters ist die Jahreszahl 1578 vermerkt. 
Es handelt sich um einen Erweiterungsbau der Pfersdorfer „St.-Nikolaus-Kirche“. Die Kirche selbst geht bis in die romanische Zeit zurück.

1578
Der Turm der Kirche
„St. Marien“ in Streufdorf wird vollendet. Er schließt mit seinen drei Hauben ab und der 1917 eingebauten Turmuhr, eine der größten in Thüringen. Den 33 Meter hohen Turm ziert eine posauneblasende Engelsfigur und den drei Glocken: „Land, Land, hör des Herrn Wort!“ (Jeremia 22,29)

1578/79
Die 1574 abgebrochene Kirche
„Zur Krippe Christi“ in Westenfeld ist neu erbaut worden. Die Sakristei mit ihrem doppelten Kreuzgewölbe und andere Teile der Kirche verweisen auf den Vorgängerbau, vermutlich auf 1453. 1938 ist beispielsweise beim Abschlagen des Putzes die Jahreszahl 1574 sichtbar geworden.

1579
Im zweiten Markgräflerkrieg wird das Kloster Trostadt überfallen. Die letzten noch dort lebenden Chorfrauen verlassen mit Zustimmung des Bischofs das Henneberger Gebiet, in dem 1544 die Reformation eingeführt worden ist.
 


Lernen ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, gefährlich.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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