Eine Seite für Hildburghausen

Heuschkel, Johann Peter

* 04.01.1773, Harras bei Eisfeld
† 05.12.1853, Wiesbaden Biebrich 

Kammermusikus, Hoforganist 

Die weitentfernten Vorfahren haben sich vermutlich noch „Heischkel“ gschrieben. Der Großvater Johann Christoph Heuschkel wird 1718 als Buchdrucker und Faktor (entspricht etwa einem Werkmeister, d. Verf.) in der Hildburghäuser Pentzoldschen Hofbuchdruckerei (nachmals Druckerei Hanisch, Gadow & Sohn, Maultzsch) erwähnt und soll in großer Armut gestorben sein. Er hat 1718 Catharina Barbara Kirstenpfad, die Tochter des Schusters Hans Kirstenpfad aus Hildburghausen, geheiratet. Als diese 1728 gestorben ist, nimmt er ein Jahr später Catharina Elisabeth Erhardt (* 1690 – † 1761) zur Frau. Sie ist die Tochter von Johann Georg Erhardt, Schneider zu Böhlen, gewesen. Aus der ersten Ehe gehen drei Kinder hervor, ein Junge und zwei Mädchen, die Mädchen sind im Säuglingsalter gestorben. Der Sohn Johann Melchior (* 1719) bringt es zum Fürstlichen Hofadvokaten in Hildburghausen und stirbt 1796 als Geheimer Rat und Kanzler in Coburg. In der zweiten Ehe werden am 29. oder 30. Mai 1735 Friedrich Theodor Heuschkel geboren. Er erhält am 31. Mai gleichen Jahres die Taufe und ist der Vater von Johann Peter Heuschkel. 

Friedrich Theodor Heuschkel bekommt eine pädagogische und musikalische Ausbildung, wird Lehrer, zunächst in Bürden (1769), darauf in Harras. 1760 vermählt er sich mit Anna Catharina Keilhol(t)z (getauft 28.04.1741), Tochter von Johann Nicol Keilhol(t)z, Häfner (Töpfer) zu Gräfenthal. Johann Peter ist das älteste Kind der Ehe. Vier Brüder und eine Schwester sind bereits im Säuglings- bzw. Kindesalter verstorben, der Vater stirbt im Jahr 1800.  

Schon im Knabenalter zeigt sich Johann Peter Heuschkels großes musikalisches Talent. Sein Vater lässt ihm daher alle in seinen Kräften stehende Förderung angedeihen. 1787 kommt der vierzehnjährige Heuschkel mit dem zwei Jahre jüngeren nachmaligen Hofmusikdirektor und Komponisten Johann Andreas Gleichmann nach Hildburghausen. Beide haben zuvor beim Eisfelder Stadtmusikus Musikunterricht erhalten. In Hildburghausen werden sie vom Organisten Hummel (vermutlich Johann Paul Hummel) im Generalbass unterrichtet. Auf Empfehlung ihres Lehrers nimmt man beide 1792 in die Hildburghäuser Hofkapelle auf, Heuschkel als Oboist, Gleichmann als Geiger. Sie zeichnen sich durch hervorragende Leistungen aus, so dass sie noch im gleichen Jahr zum Kammermusikus erhoben werden. Als Hofmusikdirektor Laurenz Schneider 1794 einem Ruf als Hofkapellmeister nach Coburg folgt, steht man vor der Entscheidung, Heuschkel oder Gleichmann als dessen Nachfolger zu berufen. Schließlich bekommt der neunzehnjährige Gleichmann den Kapellmeisterposten, während der einundzwanzigjährige Heuschkel Musiklehrer der herzoglichen Kinder wird und die Stelle des Hoforganisten erhält. 

Nebenbei wirkt Heuschkel als 1. Oboist in der Hofkapelle, bildet sich zu einem gewandten Klavierspieler und begabten Komponisten. Er ist ein gefragter Klavierpädagoge. Seit 1795 lehrt er auch Gesang am Hildburghäuser Lehrerseminar. In den Jahren 1796 und 1797 unterrichtet er den zehnjährigen Carl Maria von Weber im Klavierspiel und Tonsatz. Dieser spricht noch Jahre danach in Liebe, Dankbarkeit und großer Verehrung von seinem „theuersten, geliebtesten Lehrer“ in Hildburghausen. Auch der spätere 1. Solocellist der Dresdner Hofkapelle und Komponist Friedrich Dotzauer aus Häselrieth zählt zu Heuschkels Schülern. 

Im Jahre 1806 schließt Heuschkel die Ehe mit Christina Katharina Bartenstein, der Tochter von Georg Christoph Friedrich Bartenstein, „Cammercommissaire zu Königsberg und Fürstlicher Amtsverwalter“. Dessen Bruder ist Philipp Wilhelm Bartenstein gewesen, Apotheker in der Neustadt zu Hildburghausen, Hofapotheker, Herzoglicher Rat und Erster Bürgermeister in Hildburghausen von 1818 – 1834. Am 15. November 1808 werden Heuschkels Tochter Maria Friederika Katharina und am 15. Oktober 1810 die Tochter Maria Laura geboren. 

1818 verlässt Johann Peter Heuschkel seine Heimat und geht nach Weilburg/Lahn, wo er als Kammermusikus und Hofmusiklehrer in den Dienst des Herzogs von Nassau trat. Heuschkel wird fast 81 Jahre alt. Er stirbt in Wiesbaden-Biebrich. 

Er ist auch als Komponist hervorgetreten. Neben Kompositionen für Oboe, Klavier und Horn hat er sich besonders dem Liedschaffen gewidmet. Aber es sind nur wenige seiner Werke gedruckt worden. Bekannt geworden ist Heuschkels Choralbuch zu dem 1808 von Johann Christian Wagner und Generalsuperintendent Dr. Johann Andreas Genßler herausgegebenen Hildburghäuser Gesangbuch. Das Choralbuch wird ein halbes Jahrhundert lang zur Begleitung des Gemeindegesangs benutzt. Als 1870 der Hildburghäuser Seminarmusiklehrer Johann Michael Anding das überarbeitete Choralbuch von Heuschkel veröffentlicht, enthält es noch 32 Melodien von Johann Peter Heuschkel. 1847 komponiert Heuschkel zehn Melodien für das Nassauische Gesangbuch

Ein Teilnachlass seiner Musikhandschriften und -Drucke befindet sich im Ostholsteinmuseum in Eutin, dem "Weimar des Nordens", das Geburtsort von Carl Maria von Weber ist und Wirkungsstätte des berühmten Goethemalers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751 - 1829, "Goethe in der Campagne") aus der Tischbein-Sippe, die auch in Hildburghausen gewirkt hat.

Nach: Ingward Ullrich: Hildburghäuser Musiker. Reihe: Schriften zur Geschichte der Stadt Hildburghausen, Band 4. – Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen 2003 – 3-86180-129-9

Max Maria von Weber über Johann Peter Heuschkel

 

Es ist ein eigener grillenhafter Zug, dass wir durch Schweigen das Geschehene für uns und andere zu vernichten glauben!
(Johann Wolfgang von Goethe
1749 – 1832
deutscher Dichter, Naturwissenschaftler, Staatsmann)
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