Eine Seite für Hildburghausen

Innereien

Blut

 

 Auf eine Zeit lebten eine Blutwurst und eine Leberwurst in Freundschaft,
u
nd die Blutwurst bat die Leberwurst zu Gast.
Wie es Essenszeit war, ging die Leberwurst ganz vergnügt zur Blutwurst,
als sie aber in die Haustüre trat, sah sie ganz verwunderliche Dinge ...
      (Aus: Grimms Märchen „Die wunderliche Gasterei“, in der 2. Auflage 1819)

Manches Nicht-Allerweltsessen schmeckt Kindern gut, während es Eltern strikt ablehnen. Aber so ist es: Kaum ein Mensch mokiert sich über Blut- oder Rotwurst, aber bei Gebackenem Blut gibt es Ablehnungen en masse. Die Zähne werden gehoben, obwohl die Speise keine anderen Zutaten hat. HJS mag gebackenes Blut, in der Region sagt man Schwääß (Schweiß) und im Kochbuch steht „Gebackenes Blut nach Thüringer Art“ oder so ähnlich. Gewiss, Blut als Speise polarisiert, auch die Religionen haben daran ihren Anteil, dabei ist es ein sehr altes und wertvolles Nahrungsmittel.
Bekanntermaßen liegen zwischen den Geschmäckern in den Regionen auch „Lichtjahre“. HJS erging es so, als er 1978 im zarten Alter von 34 Jahren als ungedienter Reservist zur Nationalen Volksarmee einberufen wurde. Kaum nachzuvollziehen ist, dass einer, der verschiedentlich auffiel, für den sich die Staatssicherheit wegen seiner politischen Unzuverlässigkeit interessierte und auf den auch einige IM und IMK angesetzt waren, nach der Grundausbildung die Schlüsselgewalt für die Regiments-Geschäftsstelle in einem Pionierregiment in Doberlug-Kirchhain hatte und am Nachmittag Vorzimmer-Genosse des Kommandeurs war. – HJS zitiert aus seinem Buchmanuskript Eigentlich nicht erwähnenswert – Der gewöhnliche DDR-Sozialismus im Leben des HJS. 

Der für die Versorgung zuständige Oberleutnant, selbst nicht gut genährt, vielleicht war der junge Mann auch schon Hauptmann, erstellte auf uneffektive Weise Verpflegungspläne, die mit der Wirklichkeit selten identisch waren, denn Wunsch und Versorgungslage waren auch bei der relativ gut belieferten NVA zwei verschiedene Seiten einer Medaille. Da konnten militärische Befehle wenig helfen, Anweisungen schon gar nicht. In einem halbstündigen Statement machte der Soldat HJS dem jüngeren Oberleutnant nach einem Scharfschießen klar, dass Grützwurst, auch Graupenwurst genannt, vom Volksmund als „tote Oma“ bezeichnet, ein schreckliches Mahl sei, auch wenn es im nord- und ostdeutschen Raum Nationalcharakter trüge, aber das hebe die Moral der meist aus Thüringen stammenden Truppe nicht. Dieser lieblos gekochte Fraß sei nicht vergleichbar mit dem gebackenen Blut in Südthüringen. Als „Serviceleistung“ diktierte HJS ihm noch das Rezept, das er von seiner Oma Reinhilde kannte. Das dort in Doberlug-Kirchhain gereichte versalzte Gemisch aus Gerste, Fett, Blut und Innereien und das noch mit Salzkartoffeln und salzig-saurem Sauerkraut ergänzt wurde, ließ die meisten Soldaten die Zähne heben. Wir nannten es nicht mehr „Tote Oma“, sondern zynisch „Verkehrsunfall“. Beim Scharfschießen auf dem Schießplatz mussten wir es in Ermangelung von Tellern aus den verschwitzten Käppis essen. Die Geschmacksnote wurde also noch mit menschlichem Körperschweiß aufgepeppt. Das wollte sich der Hobbykoch HJS nicht antun. Er beschied sich mit nicht ganz durchgegarten Kartoffeln, für den Rest fand sich in der weitestgehend ökologisch ungepflegten NVA-Natur ein Gebüsch. Das war aber kein Verlust, denn mit seinem Kalorienstand war er ohnehin schon zwei Monate voraus. Auch die Offiziere schauten verzweifelt und rauchten lieber eine Zigarette mehr, träumten vielleicht schon Stunden vorher vom abendlichen Bier. – Als Soldat durfte HJS das sagen, denn es war auch manchmal seine Laune, welche Urlaubsscheine er in der Geschäftsstelle obenauf legte und welche unten blieben. Das wussten „seine Kunden“, denn mit der Geschäftsstelle stellte sich jeder Uniformierte gut, auch ein Offizier mit einem Soldaten.

Das geschilderte Erlebnis teilten zwei bekannte Sportler, die wie HJS keine Privilegien genossen und auch keine Genossen waren: Werner Lippoldt, Mannschaftsweltmeister und Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner von München, und der nachmalige Co-Handball-Nationaltrainer Gunter Funk und Profitrainer, der auch mal den HSV Suhl trainierte.

HJS ist das alte Familienrezept noch in Erinnerung, in Ines Schwamm fand er eine „Hobbyköchin“, die es ebenso kannte, denn bei der alteingesessenen Familie Brückner im Hildburghäuser Ziegeleiweg wurde und wird es ähnlich gekocht. 
 

Schweiß oder Schwääß

 

 

Zutaten für 8 Personen

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1 l
   Blut (Schweine-, Rinder- oder Gänseblut)

1 l
   Milch

2
   Semmeln (oder 4 Brötchen, altbacken)

3
   Zwiebeln (groß)

2    Knoblauch (Zehen, gerieben)

150 g – 200 g    Speck oder Fett (Schmergriefen), auch klein xxgeschnittene Fleischreste

Gewürze/Kräuter
   Salz, Pfeffer, Piment, Muskat, Majoran (2 EL), xxEssig und Eier (regional unterschiedlich)


 Zubereitung               

1. Die Semmeln werden in Würfel geschnitten, die Zwiebeln fein. Sie werden mit dem Blut und der Milch vermischt und mit den Gewürzen abgeschmeckt.

2. Der Speck wird in der Pfanne ausgelassen, die Mischung dazu gegeben und kurz angebacken. Anschließend kommt die Pfanne in den Backofen, die Masse wird bei 180 °C ca. 1 h gebacken.

Beilage

    Sauerkraut, Kartoffelbrei, Salzkartoffeln oder Kartoffelsalat

 

Thüringer Blutkuchen



Zutaten für 8 Personen

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½ l    Blut (Schweine-, Rinder- oder Gänseblut)

500 g    Bauchfleisch (durchwachsen)

250 g    Schweinegehacktes (ungewürzt, vorher xxanbraten)

½ l
   Brühe

½ l    Milch

2
   Semmeln (oder 4 Brötchen)

2
   Zwiebeln (groß)

2
   Knoblauch (Zehen, gerieben)

100 g    Speck

Gewürze/Kräuter    Salz, Pfeffer, Muskat, Majoran (2 EL)


Zubereitung 

 Aus dem Schweinefleisch wird eine Fleischbrühe mit Suppengrün hergestellt.
Weiter wie oben (Schweiß).


Tipp

-    Für eine Brotzeit oder ein Abendbrot ist kalter Thüringer Blutkuchen schmackhaft, dazu Gewürzgurken und Zwiebeln sowie mit einem kräftigen Brot oder Bratkartoffeln.


 


Drum links, zwei drei!

Drum links, zwei drei!

Wo dein Platz, Genosse, ist!

Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,

weil du auch ein Arbeiter bist.“

Die Fernsehnachrichten vom 24. April 2018 hat doch sicherlich den ergreisten und nicht mehr so deutlich sehenden Kämpfer der ostdeutschen Einheitsparteifront ideologisch Mut gemacht. Ihm wird sicherlich wieder warm um die Kampfesbrust. Und mutig stehen sie in Eisenach in der ersten Reihe hinter einem nicht billigen Agitationstransparent und schauen trutzig in die Kameras, richtig heldenhaft. Der Anführer der links-links-grünen Landesregierung, der tapfere Bodo, der die Nachfolgepartei der SED salonfähig machen will. Und neben ihm Wolfgang Tiefensee, der Wirtschaftsminister, aus der anderen Arbeiterpartei, die ihre Mitglieder ebenfalls mit Genosse anspricht.

Opel ist nicht mehr zu retten, das erklärten Analysten schon vor Jahren sehr deutlich. Was kommt? Der tapfere Bodo wird sich wieder - wie vor reichlich 25 Jahren in den Hungerstreik begeben und tapfer in die Kameras schauen. Und er weiß, die Schuld an diesem Desaster tragen immer die anderen.

Übrigens, kein Mitglied dieser linken Landesregierung fährt Opel. Große Wagen von BMW, AUDI und BENZ sind es. Bodo leistet sich ein Kabinettstückchen:

BMW 750 Ld x Drive, ein Diesel mit einem Kohlendioxidausstoß von 169 g/km mit mickrigen 400 PS. Eine richtige Dreckschleuder. Übrigens von 100 Dienstwagen der Ministerien sind nur 16 von Opel. Ein Schelm ist, wer daraus ableitet, dass die Landesregierung kein Vertrauen in Opel hat.
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