Eine Seite für Hildburghausen

Königin Therese

Ein königlicher Zug aus dem Leben
einer königlichen Frau 

Königin Therese von Bayern, die Gemahlin König Ludwigs I., sohin die Mutter Seiner Königlichen Hoheit unseres erhabenen Prinz-Regenten Luitpold, hat sich nicht nur in engeren, sondern auch in weiteren Kreisen durch ihre edle, wohltätige Handlungsweise den Namen einer Wohltäterin erworben.

Ein schöner Zug ihres edlen Herzens tritt in folgender kurzer Erzählung zu Tage. Auf einer Reise, welche die Königin über Coburg nach Hildburghausen, ihrem Geburtsorte*, machte, berührte sie das Städtchen Eisfeld im meiningischen Gebiete. Hier wohnte ein altes Mütterchen, die einstige Kindsfrau der Königin. Sie erfreute sich des besonderen Wohlwollens und der mildtätigsten Unterstützung der Hohen Frau. Die Königin hielt am Lutzschen Gasthofe und erkundigte sich sogleich nach dem Befinden ihrer alten Helene. Als sie vernahm, dass sich die alte Frau noch wohl befinde, ward ein unverkennbarer Zug der innigsten Freude auf ihrem schönen Antlitze bemerkbar, und sie sprach den Wunsch aus, die Frau zu sehen und zu sprechen. Ein Bote wurde abgesandt, und nicht lange darauf kam das alte Mütterchen, welches in ihrem Amte als Totenfrau bereits viele Hunderte zu Grabe geleitet, nun selbst vom Alter zu Grabe gebückt, herbeigetrippelt. Als die Königin das Mütterchen erblickte, strahlte ihr Antlitz vor Freude. Sie schien kaum das Herankommen desselben an den Wagen erwarten zu können. Sie reichte der Frau beide Hände zum Gruße, während sie mit dem herzlichsten Ausdrucke sprach:

„Was machst du denn, gute Mutter, du scheinst mir seit unserem letzten Beisammensein etwas älter geworden zu sein?“

Helle Tränenperlen, Zeugen ihres edlen, gefühlvollen, dankbaren Herzens entströmten dabei ihren schönen Augen.

Als das Mütterchen zögerte, die dargebotenen Hände zu ergreifen, fragte die Hohe Frau nach der Ursache der Zurückhaltung.

„Ich weiß nicht“, entgegnete schüchtern das Mütterchen, „ob es Euer Majestät bekannt sein wird, dass ich seit Jahren das Amt einer Totenfrau bekleide; das ist es, was mich zögern macht, Euer Majestät die Hand zu reichen.“

„O, du Bedenkliche“, erwiderte huldvoll die Königin, „du hast dich, wenn auch einem schweren, doch schönem Berufe gewidmet, und ich drücke deshalb um so herzlicher deine Hand. Wir alle wünschen ja einst früher oder später von solchen Händen im Tode gepflegt zu sein. Fahre daher in deinem Berufe fort, so lange es dir deine Kräfte, die der Herr stärken möge, gestatten werden!“

Nachdem die Königin noch verschiedene Fragen und herzliche Worte an das Mütterchen gerichtet hatte, entließ sie dasselbe reich beschenkt unter wiederholtem Händedruck. So lange die edle Frau dem Mütterchen mit den Augen folgen konnte, tat sie es mit wohlwollendem Blicke. 


Anmerkung
Lieber Leser unserer Homepage,
HJS hat den Text in dem inzwischen historisch zu nennenden „Lesebuch für die Oberklasse der Volksschulen“, erschienen 1895 in München, gefunden und ihn leicht bearbeitet. 
* Hildburghausen war nicht der Geburtsort von Therese Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, der nachmaligen Königin von Bayern,. Sie wurde am 8. Juli 1792 auf Jagdschloss Seidingstadt, dem Sommersitz („Schloss Landséjour) der herzoglichen Familie geboren. Therese Charlotte Louise Friederike Amalie war das sechste Kind des Herzogs Friedrich von Sachsen-Hildburghausen (1763 – 1834) und seiner Ehefrau Charlotte (1769 – 1818), Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz. – Seidingstadt gehört heute zur Einheitsgemeinde Straufhain. Das Schloss wurde Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts (nach einem Brand) vermutlich wegen der Grenznähe abgerissen.

Ob manche die AfD mögen oder nicht, muss man für sich selbst entscheiden. Sie ist auf alle Fälle ein Kind der Demokratie. Oder ist für manche Politiker oder Möchtegern-Politiker erst Demokratie erreicht, wenn eine politische Gruppierung in das eigene meist unbekannte Parteiraster passt. Das Eigentor folgt auf der Stelle, wenn sich „alle“ mehr oder weniger aus dem Tiefschlaf Erwachten gegen die AfD aufregen oder positionieren. Kapiert es doch: Das ist Wahlkampf für die AfD. Die Wählerwanderung lässt grüßen.
(Gedanke von Schildburg und Hausen, Mai 2016)
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