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Kleinstaaterei II

1740
Der Turm der Häselriether Kirche bekommt sein heutiges Aussehen (eine doppelte Welsche Haube), er wird um 15 Henneberger Fuß erhöht (Turmoberbau). Die Arbeiten werden von einem Hildburghäuser Zimmermann ausgeführt. Der Kirchturmknopf wird am 17.06.1741 aufgesetzt.

1740 – 1746
Bau und Weihe (16.09.1746) der jetzigen Kirche in Bischofrod, der 1262 erstmals erwähnten, aber vermutlich um 900 entstandenen Ortschaft im Kleinen Thüringer Wald. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe am Dorfrand neben dem Friedhof. Es handelt sich um einen verschieferten (1863 und 1900) rechteckigen Fachwerkbau in den Grundmaßen vierzehn Meter mal zehn Meter. Der achteckige Kirchturm hat eine achteckige Turmhaube. Von den einst zwei Glocken ist nur noch die von 1890 vorhanden, weil die andere im Zweiten Weltkrieg für Rüstungszwecke abgegeben worden ist. Die vorhandene elektrisch betriebene Glocke trägt in Versalien die Inschrift:

„LAEUTE GLOCKE LAEUTE FRIEDEN,
LAEUTE RUH IN JEDES HERZ
ENDET EINST MEIN TAG HIENIEDEN
LAEUTE DU MICH HEIMWAERTS“


Der Vorgängerbau ist eine dem heiligen Antonius gewidmete Kapelle gewesen. Ältestester Bestandteil der Innenausstattung ist der spätromanische Taufstein aus hellem Sandstein. Heinrich Bergner beschreibt ihn 1901 in seinem Band zu den Bau- und Kulturdenkmälern im Kreis Schleusingen: „Von der alten Ausstattung ist nur der Taufstein erhalten, ein Halbkugelbecken mit Rundbogenfries und vier Kreisen, in denen ein Stern, zweimal das Kreuz und eine achtblättrige Rose stehen. Der runde dünne Säulenschaft ist mit Ringen umlegt.“
Bischofrod ist bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Filial der Pfarrei Lengfeld.



Kirche von Bischofrod im Kleinen Thüringer Wald.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1740
Die Kirche in Gerhardtsgereuth erhält ihre jetzige Gestalt. Über dem barocken Portal auf der Südseite ist die Jahreszahl vermerkt. Das Kirchenschiff und der Fachwerkgiebel werden deutlich vergrößert, genau 100 Jahre später erfolgen weitere sichtbare Sanierungen und Renovierungen. Die Emporen werden verändert sowie am Triumphbogen ein Kanzelaltar errichtet. Um 1840 wird gegenüber dem Altar auf der Empore eine Orgel eingerichtet, vermutlich stammt sie von dem Schmiedefelder Orgelbaumeister Michael Schmidt (um 1840), die von der Schleusinger Firma Kühn 1920 erneuert worden ist. Der Rokoko-Taufstein mit Monogrammen ist aus dem Jahr 1742, das Altarkruzifix, gestiftet von Johann Adam Hörnlein aus dem Jahr 1745. – Kirche und Schule für Neuendambach befinden sich in Gerhardtsgereuth.

1741
Die von Johann Ernst Döhring erbaute wertvolle Orgel, für die eine Empore an der Ostwand der Kirche zu Gleichamberg eingezogen worden ist, hat man inzwischen saniert. An ihr sind durchbrochen geschnitzte Einfassungen und Engelsfiguren zu sehen. Überhaupt ist die Innenausstattung vorwiegend in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorgenommen worden. Einige biblische Gemälde der ersten Empore sind einem Brand bei Kampfhandlungen mit US-amerikanischen Truppenverbänden im April 1945 zum Opfer gefallen.


Die Kirche „St. Nikolaus“ oder „St. Alban“ in Gleichamberg
mit Altar, Kanzel und ihrer farbenfrohen Ausgestaltung.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1742
Weihe der neuen Kirche
 „St. Nikolaus“ und auch „Ruhe Gottes“ in Käßlitz. Grundsteinlegung 01.07.1738, Baukosten: 1.200 Taler. Über dem Haupteingang steht„SOLI DEO GLORIA ANNO 1738“ („Dem alleinigen Gott die Ehre …“ oder „Gott allein zur Ehre …“).
Die schmucke Bauernkirche hat ein harmonisches Geläut, die drei Bronzeglocken von 1897 sind im Zweiten Weltkrieg für Waffen eingeschmolzen worden, die heutige kleine Glocke stammt aus dem Jahr 1946, die mittlere und die große aus dem Jahr 1964. Der Turm steigt über dem vier mal vier Meter Altarraum auf. Der gedrungene zweigeschossige Turm in Form einer Zwiebel verjüngt sich nach oben in einer Laterne mit aufgesetztem Turmknopf und Wetterfahne.

Kirche „St. Nikolaus“ oder auch „Zur Ruhe Gottes“
Foto: Bernhard Großmann, 2005

10. März 1745
* Johann Emil Kisselstein, Hildburghausen
(† 25.02.1826, Behrungen)
Diakon in Ummerstadt, Pfarrer in Lindenau, Adjunkt in Behrungen (1812)
 

Lied: „Menschenliebe, Heil und Segen“. In: Hildburghäuser Gesangbuch von 1808. 

1745
Ein Blitzschlag macht in die „Friedenskirche“ in Veilsdorf größere Reparaturen notwendig.

1746

Bis zum Zeitpunkt wohnt der Geistliche der Neustädter Gemeinde in Hildburghausen im Waisenhaus und bezieht nun das Haus von Pierre Claperéde. Anfangs ist dort eine Porzellanfabrikation untergebracht, die aber keinen wirtschaftlichen Erfolg hat. Heute ist das Gebäude Sitz der Superintendentur Hildburghausen-Eisfeld, (Schleusinger Straße 19).


17. Dezember 1746

† Johann Christoph Hommel, Hildburghausen
(* 13.09.1685, Weißenfels)
Theologe
Inspektor des theologischen Seminars in Eisenach, Generalsuperintendent in Hildburghausen. Er macht in seiner Zeit von sich Reden, weil er einen Juden, eine Jüdin und den aus einer dänischen Kolonie in Südamerika stammenden Hofmohren zum Evangelium bekehrt und getauft hat.

19. Juli 1747
Die von den Gebrüdern Karl Leberecht und Christian Albrecht Truchseß von Wetzhausen, Herren zu Oberlauringen, Altenmünster und Schweickershausen, erbaute barocke Kirche in Schweickershausen auf dem Schlosshügel wird geweiht, eine Chorturmkirche mit einbezogenem turmtragenden Chorraum. Karl Leberecht Truchseß von Wetzhausen († 1749) ist Ritter-Rat und Fürstlich-Sächsischer Kammer-Junker. Seit 1704 hat das kleine Gutsdorf eine eigene Pfarrei, vorher pfarrte der Ort in das benachbarte Hellingen. Ältestes kulturhistorisches Zeugnis der Kirche ist ein Grabstein aus dem Jahr 1552. – Die Vorgängerkirche hinter dem Schloss ist 1485 von Martin Truchseß zu Wetzhausen erbaut worden.

1747
Rainer Axmann, Pfarrer und Historiker zur Kirchengeschichte, hat in seiner 1998 erschienenen Arbeit „Aus der Geschichte der Stadt Ummerstadt und ihrer Kirchen“, S. 6 f., den Neubau der Ummerstädter Kirche beschrieben: „Bereits Ende der 30er Jahre begannen die Planungen für den Um- und Neubau des Kirchenschiffes. Unter dem 21. August 1739 legten Bürgermeister und Rat der Stadt eine erste detaillierte Specification für die erforderlichen Kosten vor. Für 1072 Taler sollte das Kirchenschiff um 12 Schuh (ein Schuh ca. 30 cm) länger und 8 Schuh höher gemacht und dabei von Grund auf neue Mauern an die alte Kirche aufgeführt werden. Der Turm sollte unverändert bleiben. Noch im Mai 1743 wird die Kirche als „sehr schlecht, allzu klein und dunckel“ geschildert.
Als Entwurf für den Neubau erbat sich Hildburghausen Anfang Dezember 1744 vom Consistorium in Coburg die Pläne der Kirche zu Unterlauter (Lautertal, Lkr. Coburg), die Ende Oktober 1744 eingeweiht worden war.
Coburg sandte Anfang 1745 die Pläne zu, allerdings den ersten Entwurf für die Unterlauterer Kirche (von Johann Georg Brückner II), für die ursprünglich gedoppelte Fenster vorgesehen waren. Nun kamen sie in Ummerstadt in leicht veränderter Weise doch noch zur Ausführung.
Obwohl erst im Frühjahr 1746 noch die Finanzierung, insbesondere der Beitrag der sich längere Zeit sträubenden Colberger, geklärt werden konnte, war bereits am 2. August 1745 der Grundstein für das neue Kirchenschiff gelegt worden. Im Oktober 1746 wurde die Kirche aufgerichtet. Am 6. Oktober 1747 suchte die damalige regierende Herzogin Caroline von Sachsen-Hildburghausen (1700 – 1758) Ummerstadt auf, um sich von dem Fortschritt des Neubaues selbst ein Bild zu machen; sie hatte von 1745 – 1748 die Vormundschaft für ihren Sohn Herzog Ernst Friedrich III. Carl inne.
Die Bauleitung hatte Meister Andreas Bader von Sternberg (bei Bad Königshofen). Die Familie Bader tritt als Maurer- und Architektenfamilie das ganze 18. Jahrhundert über im Grabfeldgau auf und ist womöglich eine Seitenlinie jener von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu Wessobrunn in Oberbayern beheimateten gleichnamigen Familie, aus der Maurer, Steinmetzen, Baumeister, Bildhauer, Stukkateure und auch Maler hervorgingen. Die Zimmermannsarbeiten waren dem Coburger Hofzimmermeister Paul Rohrbach († 1756) übertragen worden, der bereits am Umbau der Morizkirche zu Coburg und vor allem an der Kirche zu Unterlauter in leitender Funktion mitgewirkt hatte. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wird man ihn damals als ‚Ausländer‘ in Ummerstadt beauftragt haben, wobei er jedoch aus Heldburg stammt (um 1686 geboren).
Die Gestaltung des Kirchenschiffs orientierte sich vor allem am sogenannten ‚Markgrafenstil‘. Jener im Ansbachisch-Bayreuthischen Gebiet beheimatete Baustil zeichnete sich durch die schlichte Zweckhaftigkeit des Baues aus. Als rechteckige Saalräume sind sie oft durch zwei und drei bzw. drei und fünf Fensterachsen an Schmal- und Langseite gegliedert. Säulen mit Kapitellen sind jeweils nur vorgeblendet. Im Innern vermied man kostspielige Aufbauten und unterstrich doch die Bedeutung der Kanzel als Stätte der Wortverkündung. Die Dekoration ist meist sparsam, bedingt durch die üblichen dreiseitigen Emporen.



Die Dotzauer-Orgel der Stadtkirche „St. Bartholomäus“ in Ummerstadt mit ihrem prächtigen Prospekt ist 1747 erbaut worden. Der Orgelbaumeister Michael Schmidt aus Schmiedefeld am Rennsteig hat sie 1857 grundlegend umgebaut.
Foto: Bernhard Großmann, 2005
 

1747
Mitte des 18. Jahrhunderts kommt es zu manchen Veränderungen in der Kirche in Sachsendorf (Sachsenbrunn). Eine Orgel wird 1747 eingebaut, die 1840 vom Orgelbaumeister Michael Schmidt aus Schmiedefeld am Rennsteig grundhaft erneuert worden ist.
1750 wird die Sakristei angebaut. Sie besitzt ein mit Schiefer beschlagenes kleines Walmdach sowie einen sechseckigen Dachreiter.
 

Um 1747
Johann Valentin Nößler aus Zella St. Blasii (heute: Zella-Mehlis) († 1767, Ohrdruf) erbaut in der Kirche in Henfstädt eine einmanualige Orgel mit 11 Registern, die 2009 umfänglich restauriert worden ist. Das Instrument ist kulturhistorisch sehr bedeutsam, weil sich nahezu alle Bestandteile im Originalzustand befinden.


1748
Die 1717 aus Holz erbaute kleine Kirche „St. Lorenz“ in Hirschendorf wird mit einer steinernen Mauer versehen und ist eine Filialkirche von Eisfeld. Die Kirchchronik sagt aus, dass der jeweilige Eisfelder Konrektor seit 1829 zugleich auch Pfarrer von Hirschendorf gewesen ist. Die Kirche mit den Grundriss-Maßen 16 Meter mal 7,6 Meter ist wie die Vorgängerkapelle dem heiligen Lorenz geweiht. Bis etwa 1790 hat es verschiedene wichtige Bautätigkeiten gegeben, denn Schlusssteine weisen die Jahre 1748 und 1788 aus, zudem gibt es Bauangaben (Sakristeitür) von 1790, auch die nördliche und südliche Mauer sind 1790 verstärkt worden.
Auf die Westfront ist ein viereckiger und beschieferter Dachreiter gesetzt worden. Das Kircheninnere ist im schlichten Barock der Zeit geprägt. Über dem Altar befindet sich die Orgelempore mit einer einmanualigen von Johann Christian Dotzauer, Hildburghausen, im Jahr 1837 erbauten Orgel. Über ihr befindet sich die Aufschrift mit dem Psalm 150,6„Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ An der Südostseite wird die Empore von der Kanzel unterbrochen. Die Kanzel befindet sich am südlichen Triumphbogen-Pfeiler, in vier Seiten des Achtecks, hinter dem Altar die Bildnisse der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon.


Innenraum der Kirche „St. Lorenz“ in Hirschendorf. An der Orgelempore hängt ein Kruzifix mit Corpus aus dem 18. Jahrhundert.

Die Kirche „St. Jakobus“ in Unterneubrunn (Ortsteil von Schönbrunn, Gemeinde Schleusegrund) erhält ihr Aussehen im 18. Jahrhundert.
Federzeichnung 1949


1748
In Eishausen wird an Stelle der abgebrochenen Vorgängerkirche „St. Marien“, die bereits 1317 erwähnt worden ist, sofort ein neues Gotteshaus erbaut. Alte Bauteile werden in die neue Kirche einbezogen, das betrifft vor allem die Sakristei-Grundmauern. Das rippenlose Sakristei-Kreuzgewölbe ist aus spätgotischer Zeit, der Rest des Giebels einer ehemaligen Sakramentsnische, der im Giebelfeld das von drei Engeln gehaltene „Schweißtuch der Veronika“ trägt. Die Sakristei mit einem südlichen Vorraum trägt den in mehreren Stockwerken aufsteigenden Turm. Er hat eine achtseitige Zwiebelkuppel, darüber mit einer aufsteigenden Laterne sowie eine kleine Zwiebelkuppel, darauf befindet sich die Helmspitze. Drei Glocken hängen im Geläut, die älteste aus Bronze trägt ein humorvolles Chronogramm des Kunstgießers: „Mir gab für wenig Ehrenlohn Kunstggiesser Albrecht und sein Sohn zu Coburg guten starken Ton.“

1749

Die Schulturmuhr in Häselrieth wird in den Kirchturm eingesetzt. Sie bleibt jedoch Eigentum der Gemeinde.

Abbildung: Klassik Stiftung Weimar – Herzogin Anna Amalia Bibliothek 


1750
Johann Werner Krauß schreibt in seiner Kirchen-, Schul- und Landeshistorie zur St.-Lorenz-Kirche und zum Friedhof in Hildburghausen:
„Um dieselbe herum war vor Alters der Gottes=Acker, wie man weiß, daß bei Mannes Gedenken Grabsteine auf dem Kirchhofe gelegen haben und als man denselben gepflastert, gerade vor dem Eingang der Superintendentur ein Grab eröffnet worden, worinnen ein Mann in langem Habit gelegen, dessen Gestalt aber sogleich in Asche zusammen gefallen, als einer von den Arbeitern unvorsichtigerweise mit der Haue an den Sarg gestoßen. Des Beinhauses wird in einer alten Kasten=Rechnung mit diesen Worten gedacht: Ano Dni millesimo CCC LVII Hermann Tophel hat III ß auf die Tafel, die er machen soll für das Beinhaus. Von diesem Ossario oder Beinhaus hat man bei Erbauung des fürstlichen Gartenhauses (heute: Stadtverwaltung hinter der Christuskirche. Human lässt in seiner Chronik von 1886 auch offen, dass das Beinhaus südlich des Kirchturms der ehemaligen St.-Lorenz-Kirche gelegen haben könnte, d. Verf.) einige deutliche Merkmale gefunden. Ob daneben die Kapelle omnium animarum gestanden, läßt man dahingestellt sein."
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999, S. 2)



Die von Johann Christian Dotzauer (1696 – 1778), Hildburghausen,
in der Kirche „St. Kilian“ in Westhausen erbaute Orgel

1750
Johann Werner Krauß schreibt im Band 
„Heldburg“ über die St.-Peters-Kapelle, die nordöstlich von Gompertshausen gestanden hat und die im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden sein soll. Noch heute wird das Flurstück als sogenannte „Kappelhäcke“ bezeichnet:„Sanct Peters Capeln zu Gumpertshauen 1 Pfund Wachs jehrl. Einkommens. So weit aus dem angezogenen Register. Diese S. Peter Capeln war also von dem Gotshaus daselbst unterschieden. Davon außer dem Dorff gegen Morgen [Osten, d. Verf.] der sogenannte Peters Haigk, oder Cappel-Häck, allwo vermuthlich diese Capelle gestanden hat.“
Wie Prof. Dr. P. Lehfeldt 1904 schreibt: „1528 sei eine Kapelle des heiligen Veit südwestlich von Gellershausen auf dem jetzt sogenannten Kappelhäck vorhanden gewesen.“

1750
Der Turm der 
St.-Jakobus-Kirche in Harras wird errichtet, der auf dem quadratischen vier Meter hohen Chor erbaut worden ist. Der Turm mit der weithin sichtbaren barocken achteckigen und geschieferten Zwiebelhaube in doppelter Form und Arkaden verleiht dem auf einer kleinen Anhöhe stehenden Gotteshaus ein stattliches Aussehen. Das dreifache Geläut stammt aus dem 20. Jahrhundert „Glaube“ und „Liebe“ (1951, Hartguss) und „Hoffnung“ (1930, Bronze), die Turmuhr hat eine Stundenglocke.

Um 1750
Über dem Altar an der Ostseite der 
„St.-Cyriakus-Kirche“ in Gellershausen befindet sich die Orgel, die vom berühmten Hildburghäuser Orgelbaumeister Johann Christian Dotzauer erbaut worden ist.

1751 – 1756
Der aus Schlesien stammende Siegmund Basch ist General-Superintendent in Hildburghausen zeichnet sich auch als Dichter aus. Er gibt ein Gesangbuch in mehreren Auflagen heraus. (s. 24. März 1771)

20. September 1754

Eine herzogliche Generalverordnung regelt Begräbnisse „anrüchiger“ Personen auf christlichen Gottesäckern:

„... aus einem an sich selbst unvernünftigen Wahn und aller christl. Liebe widersprechenden Eigenliebe die Zahl der anrüchigen Personen immer weiter erstreckte und solche nach ihrem Ableben zu Grabe zu tragen verweigert werden sollte. Danach sollten die nach dem Reichsschluß von 1731 für zunftfähig Erklärten (wie der Nachrichter) ein ehrliches Begräbnis erhalten, ebenso die Landgerichts- und Stadtknechte, die Gerichtsfrohnen, Flurschützen, Bettelvoigte, Nachtwächter, Gassenkehrer und die sich zur Reinigung der Cloaken gebrauchen ließen, ingleichen die Hirten und Schäfer, die nicht wirklich Rindvieh abgedeckt haben, während die Abdecker oder Cavillerknechte mit ihren Weibern und Kindern, weil ins zweite Glied der ehrlichen Hantierung unfähig, sich selbst einander zu Grabe tragen mußten. Nur die Körper der mit dem Schwerte Hingerichteten und derer, die sich selbst entleibt (wenn nicht aus Melancholie oder Wahnwitz) sollten noch, falls sie nicht zur Anatomie kamen, durch des Nachrichters Knechte auf dem Gerichtsplatz eingescharrt oder falls ihnen nach besonderen Gnaden die Beerdigung auf dem Gottesacker vergönnt wurde, 'durch das im Zuchthause sitzende Streunergesindel' auf den Gottesacker gebracht und dort in loco peccatorum beerdigt werden."

(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999, S. 20)

11. September 1755
Baubeginn der Waisenhauskirche in der Neustadt (seit 1819 Neustädter Kirche, 1920 Apostelkirche). Der Kirchenbau wird finanziert durch eine Landeskollekte, Geldlotterie, Spenden des Gotteskastens in Sonneberg und Sonnefeld, Bauholz durch den Herzog, Spenden der Gemeinde usw.

1758
In Masserberg wird die erste Kirche erbaut, die aber 1880 mit dreizehn Häusern einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen ist.

1759

Generalsuperintendent Philipp Ernst Kern ordnet nach der Casimirianischen Kirchenordnung die Führung der Kirchenbücher neu an, in späterer Zeit folgen weitere Anordnungen, z. B. 1811, 1843, 1866, 1908.

Februar 1760
Bei der Taufe von Prinzessin Ernestine Friederike Sophie (aus 3. Ehe Ernst Friedrich III. Carls mit Ernestine Sophie) wird zum ersten Male der Exorzismus weggelassen. Taufpaten sind: Königin und König v. Dänemark, König v. Polen, Herzöge und Herzoginnen v. Coburg, Weimar, Württemberg, Mecklenburg.

3. Januar 1763
Der Vater des Dichtergelehrten Friedrich Rückert wird in Schwarzbach geboren († 30.12.1835, Schweinfurt). Er ist Rentbeamter, der 1792 ins unterfränkische Oberlauringen versetzt worden ist. 1829 hat Friedrich Rückert seine dort verlebte Frühjugendzeit in dem Zyklus
 „Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannssohns“ in poetisch-humoristischen Genrebildern dargestellt.



Kirche in Schwarzbach.
Foto: Bernhard Großmann, 2005 

18. März 1763
Bis 1772 wirkt Pfarrer Rosenmüller aus Ummerstadt in Heßberg. Die Söhne entwickeln sich zu bedeutenden Wissenschaftlern: Ernst Friedrich Carl R. – Orientalist; Johann Christian R. – Anatom und Verfasser medizinischer Schriften 
(„Handbuch der Anatomie“).

1764
In der Druckerei von Johann Gottfried Hanisch in Hildburghausen erscheint das 58-seitige Libretto von Philipp Ernst Kern 
„Triumph vor dem Todten=Bette“.



Titelvignette des Librettos von Ph. E. Kern
 

29. Juli 1764
Ein Blitzschlag in die Kirche von Crock während eines Gottesdienstes tötet fünf Menschen und verletzt eine ganze Anzahl. Pfarrer Johann Heinrich Grapius hat das Unglück in seiner Schrift 
„Der feurige Wetterstrahl vom Himmel“ beschrieben. Wegen der großen Schäden wird bis zum Jahr 1838 an der Wiederherstellung der Kirche gearbeitet.
Johannes Ziegner, von 1980 bis 1994 Pfarrer in Crock, schreibt in einem Aufsatz „Mehr als fünf Jahrhunderte Kirchengeschichte in Crock“

„Am 29. Juli 1764 zogen wieder dunkle Wolken über der Kirche zu Crock auf. Es war Sonntag, und die Menschen strömten zwischen 8 und 9 Uhr zum Gottesdienst. Ein Gewitter ballte sich in dieser Zeit zusammen, von dem dann der dritte Blitz in die vollbesetzte Kirche einschlug und fünf Gemeindemitglieder tötete, etliche aber verletzte. Der Beschreibung nach handelte es sich um einen Kugelblitz, der oben in der Nordseite der Kirche einschlug, die Emporen herunterfiel und durch die Südseite der Kirche wieder ins Freie gelangte. Das Turmdach wurde völlig zersplittert, der Schiefer weiß gebrannt und fortgeschleudert. Auch in der Kirche selbst wurde manches Holz zersplittert und zerstört. Zufällig ritt der Arzt Johann Christoph Wachsmann vorbei, der aus Sulzbach aus der Oberpfalz stammte. Er ließ den Verletzten Erste Hilfe zuteil werden. Einigen Männern wurde das Haar am Hinterhaupt versengt, einem anderen wurden die ledernen Beinkleider in Stücke zerrissen, 19 fielen in Ohnmacht, anderen wurden die Nähte der Schuhsohlen aufgetrennt und der Strumpf weggebrannt. Es sah schlimm aus auf dem ‚Schlachtfeld des Herrn Zebaoth‘. Pfarrer Grapius, 74 Jahre alt, stellte acht Tage später eine Predigt zu diesem Unglück unter das Thema: ‚Wachet, wachet, denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird.‘
Die fünf Leichen wurden in der nahegelegenen Schule aufgebahrt. Ihre Namen waren Johann Simon Fischer, Nicolaus Zapf, Johann Michael Löfler, Johann Erasmus Koch und Catharina Elisabeth Höllein.“



Waisagrund mit Blick auf die St.-Veits-Kirche in Crock

1764 – 1767
Aus Hirschbach ist überliefert, dass zwei Hirschbacher, der Schultheiß Johann Reif und der Zwölfer Egydius Schlott ohne Einwilligung des zuständigen Pfarrers in St. Kilian die Kirche errichten. Eine zweite Quelle beschreibt, dass es sich um die beiden Bürger Paul Küchler und Nikolaus Schilling gehandelt habe. Als Grund haben sie angegeben, dass die Gläubigen ihre Betstunden im Hirschbacher Wirtshaus abhalten, aber auf dort durch Reisende und Fuhrleute gestört worden seien. Das Oberkonsistorium in Dresden erteilt nachträglich am 23. März 1767 die Konzession für den Kirchenbau. Die Kirche wird im gleichen Jahr geweiht. Es werden durch den Präzeptor sonntägliche Nachmittagsgottesdienste gefeiert, aber auch eine bestimmte Anzahl Gottesdienste durch den Pfarrer. Erst knapp 100 Jahre später, 1856, wird das Kirchspiel Hirschbach/Altendambach selbstständig.
Das eingeschossige verschieferte Haus hat eine Seitenlänge von dreizehn Meter mal zehn Meter. Das ziegelbedeckte Satteldach hat direkt über dem Portal auf der Westseite einen Dachreiter mit achteckiger verschieferter Welschen Haube, Arkaden und Turmzier mit Knopf und Wetterhahn. Die einzige erhaltene Bronzeglocke aus dem Jahr 1847 wird gegenwärtig nicht mehr geläutet.

1765
In dem Buch von Philipp Kern 
„Die Leidensgeschichte des Lammes Jesus Christi“ befindet sich eine Abbildung der alten St.-Lorenz-Kirche.

1767
Über der Eingangstür an der Westseite der Kirche in Hindfeld findet man die Jahreszahl 1767, die vermutlich auf eine größere Restaurierung hinweist. Vor allem der Spitzturm bietet immer wieder Anlass für größere Reparaturen.


Spätgotische Spitzbogentür auf der Kirchensüdseite der „Dreifaltigkeitskirche“ in Hindfeld mit Kehlprofilen und Stabwerk.
Foto: Bernhard Großmann, 2005


Innenansicht der St.-Lorenz-Kirche, der Vorgängerkirche der heutigen Christuskirche, in Hildburghausen (31. Juli 1765). Nachzeichnung von L. Marie L. Fischer, 1916

1768
Die nach der Reformation dem Verfall preisgegebene Kapelle in Grimmelshausen wird bis auf einige Unterbauten abgerissen. Darauf wird ein einfaches Schulhaus erbaut, das später als Gemeindehaus genutzt wird.

1779
Die wertvolle Barockorgel in Lengfeld ist von Orgelbaumeister Johann Christian Dotzauer erbaut und von Johann Georg Markert aus Ostheim v. d. Rhön im 19. Jahrhundert repariert und umgebaut worden.



Orgel der Kirche in Lengfeld, erbaut von Johann Christian Dotzauer aus Hildburghausen
Foto: Bernhard Großmann, 2005

24. März 1771
† Sigismund (Siegmund) Basch, Weimar
(* 3. September 1700, Juliusburg/Schlesien)
1732 Reiseprediger in Lausanne und Genf, 1751 Pfarrer in Hildburghausen, später Konsistorialrat, Oberhofprediger, Generalsuperintendent in Weimar 

Herausgeber „Basch’sches Gesangbuch“ mit den Liedern

„Mein Bräutigam, naht sich zu meiner Seelen“, „Wie weh ist mir, o Freund der Seelen“, „Wie wohl ist mir, mein Freund der Seelen, nachdem ich deine Treu verspürt“

Basch ist bereits 1761 Herausgeber eines in 3. Auflage erschienenen Gesangbuches, das – wie Human in seiner Chronik von 1886 (S. 158) schreibt „positiv kirchlichen Gehalts“ ist, „das später mit Unrecht von dem neuen Reform-Gesangbuch verdrängt wurde. Nachdem er am 12. Trinit. 1756 in der Stadtkirche und darauf in Seidingstadt vor den durchlauchtigsten Herrschaften seine Abschiedspredigt gehalten, zog er am 7. September nach Weimar.“

22. Mai 1772
† Johann Werner Krauß, Eisfeld – (* 08.10.1690, Königsberg/Franken) Superintendent (von 1731 – 1772 in Eisfeld), Chronist
Studium in Halle, 1715 Informator bei Kanzler v. Carlstein, 1731 Superintendent in Eisfeld. Verfasser der 
Historiae Franconicae, S. Hildburghäusische Kirchen-, Schul- und Landeshistorie.

Werke:
-     I. Theil – Heldburg. Druck: Abraham Gottlieb Ludewigen, Greiz, 1752
-     Zweyter Theil - von der Stadt und Dioces Hildburghausen. Druck: Johann Gottfried Hanisch, Hildburghausen, 1752
-     Dritter Theil – von der Stadt und Diœces Eißfeld. Druck: Johann Gottfried Hanisch, Hildburghausen, 1753
-     Vierter Theil – von der Stadt und Dioeces Königsberg, Sonnenfeld, Behringen und Schalckau. Druck: Johann Gottfried Hanisch, Hildburghausen, 1754 

1. November 1774
Generalsuperintendent Philipp Ernst Kern weiht die Waisenhauskirche in der Neustadt. – Das Terrain um die Kirche wird in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und Neustädter Kirchplan genannt, im Volksmund zeitweise auch diskriminierend Tartareibezeichnet.

1. Advent 1774
Aufführung der Kantate des Organisten Hummel 
„Der Triumph vor dem Totenbett“ in Hildburghausen.

18. Februar 1776

† Philipp Ernst Kern, Hildburghausen
(* 24.11.1716, Niedernhall im Hohenlohischen)
Generalsuperintendent, Oberhofprediger, Konsistorialrat, Schriftsteller
Nach dem Besuch der Gymnasien in Ingelfingen und Schwäbisch-Hall, anschließend Studium in Jena, Leipzig, Halle, Helmstedt. Pfarrer in Dörrenzimmern, Schäftersheim. 1748 Hofprediger in Erbach.
1752 Superintendent in Weikersheim. 1759 erster Pfarrer in Hildburghausen, Generalsuperintendent, Oberhofprediger. Er ist verheiratet mit Magdalena Bühler aus Ingelfingen.
„Vielleicht der bedeutendste Prediger, der hier gewesen ist." (Human). Edition mehrerer Predigtbände, poetische Schriften, Kenner der Archäologie und äußerst sprachkundig (klassische und moderne Sprachen, orientalische Dialekte).
 

„Triumph vor dem Todten-Bette“ (Libretto), 1764
„Leidensgeschichte des Lammes Gottes Jesu Christi“, 1765
Lied: „Herr, den alle Himmel ehren“ in Hildburghäuser Gesangbuch, 1768, und Ev. Gesang- und Gebetbuch, Meiningen 1862 – 1919 

5. Dezember 1778
† Johann Christian Dotzauer, Hildburghausen
(* 17. März 1696, Hildburghausen, in anderen Quellen auch 19.03.)
Orgelbaumeister, 10 Jahre Gotteskastenvorsteher
 

Der über die Region hinaus berühmte Orgelbaumeister schuf Orgeln in (Bad)Rodach (100 Jahre später Schmidt-Orgel), Behrungen (Prospekt ist erhalten), Gellershausen, (um 1750), Crock, Dingsleben (1770 mit Schwiegersohn Johann Georg Henne), Effelder (Landkreis Sonneberg), Gießübel, Lengfeld, Erfurt, Hildburghausen (Lorenzkirche, 1779 abgebrannt), Queienfeld, Rentwertshausen (seit 1838 Schmidt-Orgel), Sachsendorf (Sachsenbrunn), Stelzen (bis 1867), Streufdorf (erbaut 1736/37), Ummerstadt (1746/47 erbaut), Westhausen u. a.

Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik schreibt in „Aus der Geschichte der Hildburghäuser Kirchenorgeln“, S. 33 f.:

Leider bildet die Stadt Hildburghausen mit ihren Orgeln diesbezüglich eine Ausnahme. Im Vergleich zur benachbarten Stadt Schleusingen nehmen sich die Informationen über die Orgelwerke von Hildburghausen eher spärlich aus.
Die ersten Nachrichten über die Erneuerung der Bälge der Orgel in der Schleusinger  St.-Johannis-Kirche gehen immerhin auf das Jahr 1411 zurück. Da dieses Instrument bereits vier Jahre später grundlegend instand gesetzt werden musste, kann man davon ausgehen, dass die Orgel schon in den 1390er Jahren oder noch früher gebaut worden ist.
Der erste überlieferte Hinweis über eine Orgel in Hildburghausen wurde erst 300 Jahre später, um 1700 aufgeschrieben. Um uns zu vergegenwärtigen, wie lang diese Zeitspanne ist, müssen wir von heute an 300 Jahre zurück rechnen. So kommen wir eben auf dieses Datum um das Jahr 1700.
Bei der Menge an Orgeln, die in den vergangenen Jahrhunderten in Thüringen gebaut worden sind, wäre es absolut unerklärlich, weshalb ausgerechnet die Stadt Hildburghausen eine Ausnahme diesbezüglich darstellen sollte.
Wenn man auch über die Orgeln in früheren Zeiten nichts zu finden vermag, dann doch wenigstens über die Organisten. Und genau an dieser Stelle tun sich erstaunliche Dinge auf. Der erste Hildburghäuser Organist war nämlich Friedrich Schmidt, der von 1570 an sein Amt innehatte. Also musste Hildburghausen schon eine Orgel gehabt haben. Bestätigt wird die Existenz einer Orgel durch die musikalische Ausbildung eines Hildburghäuser Jungen, namens Benedikt Faber, der um 1573 in Hildburghausen geboren wurde und hier, garantiert auch an dieser Orgel, seinen ersten Unterricht bekam. Gut gerüstet begab er sich um 1600 nach Coburg und wurde Kapellmeister. 1603 wurde kein Geringerer als Melchior Franck (1573 – 1639) herzoglicher Hofkapellmeister, zu dem er in „kollegialer und freundschaftlicher Verbindung“ gestanden hat. Als Melchior Franck, der Schöpfer des ausdrucksvollen Chorals „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“, am 17. November 1607 in Coburg heiratet, wird eine eigens für diesen „Canticum gratulatorium“ von Benedikt Faber aufgeführt.

1776 – 1778
Die Orgel in Brünn hat eine bewegte Geschichte: Im 17. Jahrhundert erbaut der Orgelbaumeister Johann Wiegleb aus Rodach die vermutlich erste Orgel. 1776 – 1778 wird sie von dem Orgelbaumeister Johann Georg Henne aus Hildburghausen restauriert, 1853 von Michael Schmidt, Schmiedefeld am Rennsteig, umgebaut. Orgelbaumeister Johann Strebel, Nürnberg, errichtet einen Orgelneubau für die pneumatische Spielweise, 1982 wird sie von der Gothaer Firma Rudolf Böhm erneuert. – Der Zimbelstern verleiht dem Orgelspiel zum Weihnachtsgottesdienst einen besonderen Reiz. Dessen Drehbewegung geht mit einem Glockenspiel einher.

Im Verlauf des Textes wird immer wieder die Ortsbezeichnung Schmiedefeld am Rennsteig genannt, gemeint ist das Schmiedefeld bei Suhl. Hier gibt es eine bedeutende Orgelbautradition.
Die Fertigung von Orgeln geht auf den Müller Johann Michael Schmidt (1798 – 1876) zurück, einem ausgebildeten Meister des Instrumentenbaus, der später das Müllerhandwerk betrieben hat. Die Orgelbautradition führen im frühen 19. Jahrhundert Johann Michael und Johann Wagner fort. Ende des 19. Jahrhunderts sind es Orgelbaumeister Christian Ferdinand Möller (1829 – 1888) und Friedrich Wilhelm Holland (1804–1879), Theodor Kühn (1840 – 1902) und Friedrich Kühn(1866–?) gewesen, der auch die Fabrikation von Pianos betrieben hat.

Innenansicht der Kirche von Brünn mit Altar, Kanzel und Orgel.
Foto: Bernhard Großmann, 2005 

1778
Eine besondere Bedeutung für die Geschichte von Gleicherwiesen ist die Ansiedlung von Juden im späten 17. Jahrhundert gewesen. Der Ort ist zu diesem Zeitpunkt ein bedeutender Marktflecken gewesen.
Auch wenn die Geschichte des jüdischen Lebens im Kreis Hildburghausen Teil einer gesonderten Übersicht werden wird, seien einige Bemerkungen angefügt.
In Gleicherwiesen werden 1778 eine kleine Synagoge und eine Schule erbaut, die Einrichtungen sind auch von den Juden aus Simmershausen genutzt worden. Von den Einrichtungen ist bis heute nichts mehr erhalten geblieben, lediglich ein kleiner Friedhof besteht. Noch um 1850 sind die Hälfte der Einwohner des ehemaligen Marktfleckens Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 kommt es auch in Gleicherwiesen zu massiven Verfolgungen jüdischer Bewohner, Auswanderungen. Einige Menschen sind auch Opfer des Holocaust geworden. Zur Erinnerung und zum Gedenken an die Verbrechen ist zum 60. Jahrestag der Reichspogromnacht 1996 in der Kirche 
„St. Nikolaus“ eine Gedenktafel angebracht worden.

1779
In Bedheim befinden sich das Schloss und das Kirchenpatronat im Besitz der Herren Rühle von Lilienstern, ab 1775 hat Joseph Prinz von Sachsen-Hildburghausen, der Vormund für Friedrich, den letzten Herzog von Sachsen-Hildburghausen und nachmaligen Herzog von Sachsen-Altenburg, das Schloss mit dem Rittergut besessen.



Auf der Abbildung des Hildburghäuser Gesangbuches ist
rechts die alte Lorenzkirche zu sehen, zudem Stadtmauer, Residenzschloss und Rathaus

20. Juli 1779
Letzte Leichenpredigt in der 
St.-Lorenz-Kirche Hildburghausen für die Witwe Anna Elisabeth Kempf, in deren Haus am 19.08. der große Stadtbrand ausbricht.

19. August 1779, gegen 10.45 Uhr
Verheerende Brandkatastrophe in Hildburghausen, die ca. 15 Stunden tobt und in den Höfen der Grundstücke Untere Braugasse 181/2 (Büttner, Nothnagel, Bäcker Kämpf) entstanden ist. Betroffen sind: Untere Braugasse, Obere Marktstraße, Knappengasse, Rathausgasse, Häuser zwischen Knappengasse und Stadtmauer, Schlossgasse (heute: J.-S.-Bach-Straße), Diakonat, Stadtkirche St. Lorenz (Standort: heutige Christuskirche), Schulgebäude, Hallen am Gottesacker (Coburger Straße), Gefängnis und Wachthaus (heute: Altbau vr bank Südthüringen e.G.), Eisfelder Straße, Spittelbach.
Zwei Personen sterben. 102 Häuser, 3 Scheunen werden vernichtet, mehr als 200 Familien erleiden Schaden.
Beim Brand wird die St.-Lorenz-Kirche gegen 15 Uhr erfasst und vernichtet. Gerettet werden bzw. unversehrt bleiben u. a. die wertvolle Bibliothek, die heute in der Christuskirche befindlichen Ölgemälde der Geistlichen Schnetter, Thamerus, Fehmel, Hommel, Kern sowie der Taufstein und das Bibelpult.
Für den Wiederaufbau der Kirche gibt es eine städtische Sammlung und eine auswärtige Kollekte.

Ab 1780
Mit der Übernahme der Regentschaft durch Herzog Joseph (er konvertiert 1727 in Neapel zum katholischen Glauben) wird die evangelische Kirche ohne den Fürsten geführt. Konsistorialverordnungen werden vom Konsistorium selbst erlassen.
Der Fürst gründet keine eigenständige römisch-katholische Gemeinde. Bis auf die Beichte und das Abendmahl werden die anfallenden Sakramente für die wenigen im Fürstentum lebenden Katholiken durch einen evangelischen Geistlichen verrichtet bzw. auch durch auswärtige katholische Priester. Trauungen werden erst in der Hauskapelle des Herzogs, ab 1779 in der evangelischen Kirche vollzogen. Katholischer Gottesdienst wird unter Vorsitz eines Konventualen aus dem Zisterzienserkloster Bildhausen bei Münnerstadt, zu dem der Fürst sehr enge Bindungen hat, gehalten (im Weimarischen Saal des Schlosses).


Die aus der Zeit um 1780 stammende Kanzel der Kirche „Allerheiligen“ in Rieth. Sie gilt als das eigentlich Schmuckstück des Gotteshauses. In den Brüstungsfelder sind Jesus Christus mit der Weltkugel zu sehen, links und rechts die Evangelisten.

13. Mai 1781
Grundsteinlegung für den Bau der Stadtkirche (heute: Christuskirche) am Standort der beim Stadtbrand von 1779 vernichteten St.-Lorenz-Kirche unter Leitung von Hofarchitekt Geheimrat v. Kesslau und Hofmarschall Johann Vincenz v. Gussio. Ecksteinlegung am 25.04. – an der Nordwest-Seite sind außen zwei Steine mit sächsischer Raute und den vier Löwen des Stadtwappens in Cartouchen zu sehen.


In Humans Chronik von 1886 finden sich auch einige Daten aus der Bauakte bzw. der Abrechnung der Handwerksmeister, dort heißt es u. a.: „Werksmeister waren die Maurermeister F. Chr. Winzer, F. M. Hopf, F. A. Graubner und Zimmermeister F. Buck. Letzterer erhielt für 10 Treppen 200 fl. fr., Schreinermeister Rießland für 6 Thüren 36 Thlr., Glasermeister Schippel für ein großes Kirchenfenster 10 Thlr. und für ein kleines 8 Thlr., Hofbildhauer P. Merkel für die Dekoration der Orgel 350 fl. fr., für die Aufsicht über den Kirchbau aber Steuereinnehmer Kühner 50 Thlr. und für die Rechnungsführung 200 fl. rh.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums – 1886 und 1999, S. 385)

Der bei der Einweihung der Stadtkirche (Christuskirche) überreichte Schlüssel. Der Eisenschlüssel mit vergoldetem und gedrehtem Griff, der in einem F in einem Palmkranz unter der Krone endet.
Zeichnung: Nach Lehfeldt/Voss, 1904

Aufriss der heutigen Christuskirche. Zeichnung von L. Marie L. Fischer, 1916

Der Altarraum der „Christuskirche“ mit Kanzel und Orgel.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

7. Mai 1781
Fertigstellung der Bürgerschule nahe der Christuskirche Hildburghausen. Im Gebäude befinden sich u. a. Wohnungen für drei Geistliche und den Kirchner.

1783
In die Waisenhauskirche in der Neustadt in Hildburghausen wird die Orgel von Orgelbaumeister Johann Georg Henne eingebaut, die dann zwischen 1838 und 1871 mehrere Male von Orgelbaumeister Johann Michael Schmidt, Schmiedefeld am Rennsteig, repariert worden ist. Der Prospekt stammt von der Veste Heldburg und ist mit großer Sicherheit von Johann Christian Dotzauer in die ehemalige Schlosskirche auf der Veste Heldburg eingebaut worden.
Wegen allgemeiner Not im Land gibt es eine Verordnung gegen Darreichung von Patengeschenken zur Taufe, hohen Festtagen, Konfirmation und Eheschließung. Denunzianten erhalten ein Drittel der eingetriebenen Strafe als Belohnung.

5. November 1788
† Ernst Friedrich Carl Döhner
(* 03.12.1731)
Hof- und Garnisonprediger, Archidiakon (Stadtkirche) und Vikar der Generalsuperintendentur

6. Dezember 1785

* Carl Ludwig Nonne, Hildburghausen
(† 17.07.1854, Hildburghausen)
Pädagoge, Theologe, Schriftsteller, Politiker

24. November 1785
Feierliche Einweihung der Stadtkirche (Christuskirche) durch den General-Superintendenten Vikar Döhner mit Taufhandlung für den späteren Buchbinder Ebert und einer Trauung (Justus Lempert aus Birkenfeld). Das Kirchgebäude gilt als letzter Zentralbau der Barockzeit in Thüringen, er ist gemischt mit frühklassizistischen Stilelementen.

1787
Von der Orgel der Kirche
 „St. Nikolaus“ in Schmeheim ist noch der barocke Prospekt erhalten. Im 19. Jahrhundert ist sie umgebaut worden. Ihr Blasebalg wird noch per Pedal mit Luft gefüllt. Die Innenausstattung der Kirche stammt großenteils aus dem 18. Jahrhundert, so die Kanzel mit den farbig bemalten Engelköpfen, das barocke Kranzkruzifix ist an der ersten der zweigeschossigen Emporen angebracht.

14. Februar 1788
Kirchenordnung. Exorzismus und Kirchenbuße werden aufgehoben.
Bis 1807 hat die reformierte Kirche in der Neustadt sieben Pfarrer. Die zwanzig Gemeindemitglieder werden bis zur Vereinigung am 01.11.1824 zweimal jährlich von Schmalkalden aus mit Gottesdiensten betreut.

10. Juli 1790
† Johann Georg Pranger, Meiningen
(* 05.08.1745, Hildburghausen)
Theologe, Dramatiker
Pranger ist Pfarrer in Stressenhausen, Meininger Hofprediger (1777), Konsistorialassessor (1787).
und Dramatiker steht mit dem ihm befreundeten Friedrich Schiller im Disput. Als Antwort auf Lessings 
„Nathan der Weise“ (Er sieht in dem Stück eine Abwertung des Christentums gegenüber dem Judentum) schreibt er das Schauspiel Mönch vom Libanon. 

Er ist Mitherausgeber des erst 1794 erschienenen Meininger Gesangbuches.
Gedicht: „Die Vorsehung“ (nach Bechstein)
Lied: „Gebt dem Tode seinen Raub“
Lied: „Dich preisen, Herr, Gesang und Lieder“ (gedichtet vor 1790, veröffentlicht 1794)

Februar 1790
Die 1730 geweihte 
„St.-Oswald-Kirche“ in Schnett wird mit einigen Wohnhäusern Opfer eines Großbrandes. Die am Platz wiederaufgebaute Kirche muss wegen Baufehlern 1810 wieder eingelegt werden.

Um 1790
Von der hohen Kunst der schmiedeeisernen Grabmalkunst überzeugen auf dem Kirchhof von 
„St. Jakobus“ in Unterneubrunn (Schönbrunn) Kreuze für den Handelsmann Kilian Witter und seine Ehefrau Regina Witter, geborene Witter mit Blumen und Rokkokoschnörkeln sowie ausgeschnittenen Engeln unter der Krone.

1790/91

Im Kirchenjahr kommunizieren bei der Hildburghäuser Schlosskirche 461 evangelisch-lutherische Gläubige, in der Stadtkirche (Christuskirche) 1921, in der Neustädter Kirche (Apostelkirche) 640 und in der Reformierten Kirche 73.

8. Juli 1792
Auf Jagdschloss Seidingstadt ist 
Therese Charlotte Friederike Amalie Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen geboren worden, die nachmalige Königin Therese von Bayern. Getauft wird sie am 13.07.1792 in der Hofkirche zu Hildburghausen.


Eintrag von Geburt und Taufe der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen in das Hofkirchenbuch der Jahre 1776 – 1795
Therese ist die Nichte der Königinnen Luise von Preußen und Friederike von Hannover. Cousins und Cousinen sind die nachmaligen Könige von Preußen Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I., König Georg von Hannover sowie die Zarin Alexandra Fjodorowna.
Taufpaten sind u. a.: Kaiserin Maria Theresia, die Kronprinzessinnen von England, die Herzogin von Yorck, die Landgräfin von Darmstadt, die Herzogin von Mecklenburg-Strelitz, der Erbprinz von Baden, Prinz Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, der Großherzog von Würzburg.

„Prinzessinnengruppe“ des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Sie zeigt die preußische Kronprinzessin und spätere Königin Luise zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Friederike. Beide sind Schwestern der Charlotte Herzogin von Sachsen-Hildburghausen. – Die Gipsausführung des weltbekannten Kunstwerks von 1795 befindet sich in der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin.

Um 1792
In Weitersroda wird an Stelle einer Vorgängerkirche die Dorf-Gottesstube mit Sichtfachwerk und ziegelgedeckten Satteldach, auf dem auf dem Ostgiebel ein schieferverschlagenes Uhrtürmchen sitzt, erbaut. In ihr steht der Taufstein von 1624 mit einer stilisierten aufgebrochenen Blume. Aus dem gleichen Jahr stammt das älteste Kirchenbuch des Ortes. Sehenswert unter dem schlichten Inventar ist die aus dem 18. Jahrhundert stammende Kanzel an der Südseite. 1852 errichtet der Orgelbauer Johann Michael Schmidt aus Schmiedefeld am Rennsteig die Orgel, die kleinste aus seiner Werkstatt.


1. November 1793
Weihe der St.-Michael-Kirche in Hellingen am Standort der Vorgängerkirche, einer Tochterkirche von Westhausen. Das Patrozinium „St. Michael“ ist beibehalten worden. Bei der Weihe ist der Landesherr Friedrich, der letzte Regent von Sachsen-Hildburghausen, anwesend. Als Besitzer des alten Schlosses (Wasserburg), inzwischen ein Kammergut, ist er auch Kirchenpatron des neuen Gotteshauses gewesen. Seit 1791, in der Bauzeit der neuen Kirche, versammeln sich die Gläubigen im unteren Saal des Wasserschlosses.
Der ehemalige Chor, jetzt Sakristei, auf der sich der Turmbau erhebt, ist 4,6 Meter im Quadrat. Das Kirchhaus für Altar und Gemeinde ist stattliche 22,2 Meter lang und 11 Meter breit. Der spätgotische Turm der Vorgängerkirche wird verändert.
Über dem Hauptportal steht in hebräischen Buchstaben der Gottesname 
„Jahwe“ aus dem Alten Testament. Der weite Raum im neoklassischen Stil, der von zwei Emporen umzogen wird, begeistert die meisten Kirchenbesucher, aber auch der in antiker Form gestaltete Altar und über ihm die Kanzel, angebracht wie ein Schwalbennest. Hier wird der Eindruck vermittelt, dass die Predigt der protestantischen Kirche hoch geschätzt wird. 

In Lehfeldt/Voss heißt es auf S. 329 treffend dazu:
Die tragende Wand ist an der rechten und linken Abtheilung durch rundbogige, in der mittleren durch eine gerade überdeckte Oeffnung auf dorischen Pilastern gegen den dahinter liegenden Sacristei-Verschlag mit Treppe geöffnet (durch halb zurückgeschlagene Vorhänge geschlossen). Ueber der rechten Mittel-Oeffnung ist die Fläche noch so gross, dass Platz für die Kanzel und die Nebenfelder bleibt. Die auf einer glockenförmigen Akanthusconsole rund vortretende, im Aufriss einer Tonne gleichende, mit Kehlung und Gesims oben endende Kanzel ist an der Brüstung durch senkrechte Streifen mit Kelchgehängen in Felder getheilt und in diesen durch zwischengespannte Laubstränge belebt, an welchen Medaillons mit den Relief-Brustbildern der Evangelisten hängen. Diese Decoration ist ganz im Stil von Wedgewood-Arbeiten gehalten. Die Nebenfelder sind links mit aufgehängt gedachten, von Lorbeerzweigen und Bändern durchschlungenen Sinnbildern des alten Testamentes (Gesetzestafeln, eherne Schlange, Räuchergefäss, Hohenpriestermütze), rechts von denen des neuen Testamentes (Kreuz, Kelch, Bibel, Palme, Strahlensonne) in Rosenzweigen sehr hübsch geschnitzt. Der am Gesims rund vortretende Schalldeckel ist mit Troddelgehängen geschnitzt und mit einem Laubstränge haltenden Knaben bekrönt.

Pfarrer Deipser schreibt zu diesem Jubeltag: „Es war der feierlichste, heiterste und schönste Tag meines Lebens, da mich der gute Gott wieder in die neue Kirche einführte, nachdem ich über dritthalb Jahre bei den Gottesdiensten im Schloßsaale so Vieles erduldet und erfahren.“
Zum Hundertjährigen 1893 wird zur Einweihung der Kirche berichtet:
„Kaufmann Heyl trug den Kirchenschlüssel, es folgten die Handwerksleute und Künstler samt der Hofkapelle, die Lehrer mit den Schulkindern, der Schultheiß nebst den Vorstehern, die sämtlichen Geistlichen der Diözese Heldburg, der Hofstab mit dem geistlichen Untergericht, der Hofmarschall von Koppenfels, seine Durchlaucht Herzog Friedrich nebst seiner Gemahlin Charlotte, endlich ein Brautpaar mit den Hochzeitsgästen und die übrigen Festteilnehmer. An der Kirchtüre wird Halt gemacht und im Namen des Herzogs die Türe geöffnet. Es folgt das Vorspiel auf der Orgel mit Pauken und Trompeten, die Geistlichen setzten die auf den Altar nieder, und nun beginnt der eigentliche Gottesdienst.
Die Predigt hielt Superintendent Saalmüller aus Heldburg über den 118. Psalm Vers 24: ‚Dies ist der Tag, den der Herr macht; laßt uns freuen und fröhlich an ihm sein.‘
Im Anschluss an die Predigt wurde ein Kindlein getauft, die Feier des Heiligen Abendmahls begangen und ein Brautpaar getraut. Sodann Schlußkollekte und Ende des Gottesdienstes nachmittags 3 Uhr.“


Kirche „St. Michael“ in Hellingen von der Straße der Einheit aus.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

20. März 1794
† Charlotte Rühle von Lilienstern, geborene von Wolzogen (1766 – 1794), Geliebte Friedrich Schillers in Bauerbach, verehelicht mit dem Sachsen-Hildburghäuser Regierungspräsidenten C. F. Rühle von Lilienstern (∞ 1791) nach der Geburt des zweiten Kindes. Sie wird in der Schlosskirche Bedheim vor dem Altar beigesetzt.

Charlotte von Wolzogen ist die Schwester von Schillers Studienfreund Wilhelm von Wolzogen. Ihre Mutter, Henriette von Wolzogen hat im Rittergut in Bauerbach Friedrich Schiller, der auf der Flucht vor dem württembergischen Herzog Carl Eugen gewesen ist, als „Dr. Ritter“ Unterschlupf gegeben.


1794
Zur Pfarrkirche Schleusingen sind eingepfarrt gewesen: Fischbach, Geisenhöhn, Gethles, Gottfriedsberg, Heckengereuth, Rappelsdorf, Ratscher. Später kommt noch Zollbrück hinzu.

1797

Dr. Johannes Andreas Genßler und Günther Gottlieb Ernesti edieren das Hildburghäuser Kirchen-Gesangbuch. Viele Liedtexte werden modernisiert und büßen damit ihren ursprünglichen Charakter ein.

28. Juni 1797

† Günther Gottlieb Ernesti (38-jährig). Prediger der Stadtkirche, Verfasser religiöser Schriften. Seine Gemahlin Charlotte E. ist Pflegerin von Herzogin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen.



Abb. Stadtmuseum Hildburghausen

1800
In Eichenberg kommt es zum Neubau der Orgel durch den Schmiedefelder Orgelbaumeister Heinrich Schmidt, die Genehmigung erteilt das 
„Kurfürstlich-Sächsische Hochlöbliche Konsistorium zu Schleusingen“. Knapp 100 Jahre versieht das im klassizistischen Stil errichtete Instrument zuverlässig seinen Dienst, bis es 1892 von dem Orgelbaumeister Kühn ebenfalls in Schmiedefeld am Rennsteig einer Sanierung unter Verwendung vorhandener Bauteile unterzogen worden ist. Der Prospekt ist weiter verwendet worden, dreizehn klingende Register, die sich auf zwei Manuale und ein Pedal aufteilen.

Vierseitiger Brief Carl Nonnes vom 14. November 1803 aus Jena an seine Mutter, die „Räthin Nonne“ in Hildburghausen.
Carl Nonne ist der Bruder von Carl Ludwig Nonne. Er hat zu gleicher Zeit ebenfalls in Jena studiert. Im Gegensatz zu seinem Bruder, dem nachmaligen Oberkonsistorialrat und „Pestalozzis Thüringen“ ist seine Biografie nahezu unbekannt. Die Gründe sind nicht bekannt. Der Brief gibt Einblick in das Familienleben und in die Studienbedingungen an der Landesuniversität.
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

1807
Grenz- und Hoheitsvertrag mit dem Großherzog von Würzburg. Die Gan-Erborte aus dem zum Herzogtum Sachsen-Hildburghausen gehörenden Amt Königsberg in Franken werden zwischen den beiden Staaten so geteilt, dass die Souveränität dem Land zufallen soll, das die Mehrzahl der Untertanen hat: Altershausen, Holzhausen b. Königsberg, Kleinmünster, Oberhohenried, Römershausen, Silbach, Uchenhofen, Unterhohenried, Westheim, Hellingen b. Königsberg in Franken, Junkersdorf, Unfind, Lendershausen, Rügheim, Uschersdorf und Berkach. (s. 1809)

Bei dem Vertrag gehen dem Herzogtum viele Untertanen und die Gewalt über fünf Pfarreien verloren, nur die Ordinarsteuern verbleiben beim Herzog. 

6. August 1806

Kaiser Franz II. legt die römische Kaiserkrone nieder. 

DAS HEILIGE RÖMISCHE REICH DEUTSCHER NATION

HÖRT ZU BESTEHEN AUF. 

Die thüringischen Staaten erhalten für kurze Zeit ihre absolute Selbstständigkeit. Mit dem Beitritt des Fürstentums Sachsen-Hildburghausen zum von Napoleon beherrschten Rheinbund (Confédération du Rhin) am 25./16.12.1806 in Posen erhält Hildburghausen vom Franzosenkaiser den Haustitel Herzogtum.

Karte des Fürstentums/Herzogtums Sachsen-Hildburghausen, um 1800. Kupferstich.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1807
Edition des von Johann Christian Wagner und Dr. Johann Andreas Genßler bearbeiteten,,
„Hildburgh. Gesangbuch für die kirchliche und häusl. Andacht“, ein Reformgesangbuch mit praktischen Lehren und großer Allgemeinheit.
Wagner dichtet selbst einige Lieder für das Gesangbuch, darunter „Laßt uns den Herrlichen erheben“, „Geschaffen waren Erd' und Himmel“, „Es schuf die ew'ge Liebe“, „Aufgegangen ist das Leben“.


Es wird wiederholt kritisiert, dass viele der Lieder des Gesangbuches dem Zeitgeschmack entsprechen. 1874 wird ein Anhang mit 59 Liedern im Originaltext aufgenommen, 1916 wegen des Weltkrieges ein Anhang mit 43 Liedern.


1807
Carl Ludwig Nonne erwirbt den Doktorgrad an der Philologischen Fakultät der Landesuniversität Jena.

1807
Bis zum Zeitpunkt hat die reformierte Kirchgemeinde in der Hildburghäuser Neustadt sieben Pfarrer. Die zwanzig Gemeindemitglieder werden bis zur Vereinigung am 01.11.1824 zweimal jährlich von Schmalkalden aus mit Gottesdiensten betreut.

25. Januar 1808
Der 23-jährige Carl Ludwig Nonne wird zum Mitglied des Konsistoriums, zum„Referenten in Schulensachen und Aufseher des Schulwesens im Herzogthum Hildburghausen“ ernannt.

20. November 1808
† Johann Georg Eck, Leipzig
(* 23.01.1745, Hinternah)
Theologe, Professor für Ethik, Politik und Poesie
Sohn des Pfarrers Johann Georg Eck (1709 – 1784), der von 1735 – 1757 in Hinternah Pfarrer gewesen ist und dann bis 1784 in Kühndorf. Nach dem Gymnasiumsbesuch in Schleusingen studiert er an der Universität Halle Theologie, erwirbt 1765 den Magistertitel und legt die Kandidatenprüfung der Theologie ab. Seit 1768 ist Eck Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften in Erfurt, ab 1781 an der Universität Leipzig Professor für Philosophie, ab 1782 auch der Politik und übernimmt 1791 den Lehrstuhl für Poesie. In fünf Sommersemestern ist er Rektor der Alma Mater gewesen und mehr als 30 Jahre Meister vom Stuhl der Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen.

1808
In der Zeit gibt es einige wichtige Restaurierungen an der 
„St.-Marien-Kirche“ in Gompertshausen.
Günter Stammberger beschreibt die Kirche in ihrer Gesamtheit, aus dem nachfolgend auszugsweise zitiert wird:
„Der Altarraum, der auch den Turm trägt, ist etwa fünf Meter lang und ebenso breit. Er stammt aus dem Kirchenbau von 1461, möglicherweise gar noch aus einer früheren Bautätigkeit. Er hat ein Kreuzgewölbe, mit Rippen und einen gotischen Triumphbogen, dazu an seiner Ostseite hinter dem Steinaltar ein mittelgroßes Spitzbogenfenster. An seinen beiden Längsseiten findet man altes Gestühl, das wohl dem 17. und 18. Jahrhundert zuzuordnen ist. Der Turm steigt in seinem alten, gotischen Teil ziemlich hoch bis zu einem Gesimse und zeigt an der Ost- und Südseite je eine schmale, rechteckige Lichtöffnung. Über diesem Teil des Kirchturms steigt dann noch ein niedriges, massives Geschoss auf, das mit Rundbogen-Fenstern versehen ist. Seinen krönenden Abschluss findet der Turm, der die Bronzeglocke aus dem Jahr 1962 und die beiden Eisenhartgussglocken von 1919 beherrbergt, in einer größeren und einer kleineren „Zwiebelhaube“, die beide durch eine offene „Laterne“ verbunden sind.



Kirche „St. Marien“ in Gompertshausen.
Foto: Bernhard Großmann, 2005 

30. April 1810
Verwaltungsreform in Sachsen-Hildburghausen. – Sämtliche Kollegien werden in einer Landesregierung mit sechs Sektionen vereinigt: Justiz, Finanzen, Militär-, Bau-, Kirchen- und Schulensachen. Das frühere geheime Ratskollegium wird wieder hergestellt.


1810
Nach dem Tod des letzten kinderlosen Truchseß von Wetzhausen zu Schweickershausen wird das Gut in Schweickershausen Domäne und kommt somit in den Besitz von Friedrich, dem letzten Herzog von Sachsen-Hildburghausen. Die Kirche ist bei Heimfall des Rittergutes der Gemeinde auf deren Bitten übergeben worden. Schweickershausen ist Tochterkirche von Rieth geworden.


Zu erwähnen ist, dass die Kirche eine Erbgruft für die adeligen Dorfherrn hat, die allerdings heute nicht mehr begehbar ist. Dort liegt auch Friedrich Freiherr von Guttenberg-Steinenhausen zu Sternberg. Der am 19.01.1752 in Ebern Geborene und am 08.06.1783 Verstorbene ist Bamberger Oberforstmeister gewesen und seit 18.01.1774 mit Wilhelmine Albertina Luisa Freifrau Truchseß von Wetzhausen, Tochter des Kirchenerbauers Christian Albrecht und dessen Gemahlin Auguste Henriette von Roeder, verheiratet.


Um 1810
Zum Kirchenkreis Schleusingen gehören die Pfarreien Frauenwald, Schmiedefeld, Waldau, Wiedersbach, St. Kilian, Hinternah mit Schleusingerneundorf, Kloster Veßra, Eichenberg und Bischofrod.
In Schleusingen gibt es 1813 drei geistliche: Oberpfarrer, Archidiakon, Subdiakon.

19. Jahrhundert
Das Innere der Kirche
 „St. Kilian“ im gleichnamigen Ort beschreibt Pfarrer Joachim Neubert in „Kirchen des Landkreises Hildburghausen“:
In ihrem Inneren macht die Kirche einen sehr geräumigen Eindruck. Vom Chor gelangt man auf der Nordseite durch einen kleinen Durchgang in die tonnengewölbte Sakristei. Ein großer, runder Triumphbogen trennt das Haupthaus vom Altarraum, dessen Kreuzgewölbe rippenlos ist und der zwei Rundbogenfenster jeweils auf der Ost- und auf der Südseite hat. Die Glasfenster mit Blumenornamentik und der Darstellung eines Christuskopfes sind eine Arbeit aus dem späten 19. Jahrhundert. Ebenfalls in dieser Zeit wurde auf der Ostseite eine Tür als Durchgang zum benachbarten Friedhof durchgebrochen. Direkt unter dem Triumphbogen, zwischen Kirchenschiff und Chorraum, steht der sandsteinerne barocke Taufstein.
Das Kirchenschiff verfügt über drei Emporen, auf deren Westteil die Orgel steht. Sie wurde im Jahr 1802 vom aus Erlau gebürtigen Georg Kummer erbaut, 1853 dann von Michael Schmidt aus Schmiedefeld am Rennsteig repariert und teilweise umgebaut.
Die Kanzel am nördlichen Triumphbogenpfeiler ist nur über einen Aufgang durch die Sakristei zu erreichen. Sie ist eine barocke Arbeit und wird von einer stilisierten Palme getragen. Die erwartungsgemäßen Figuren der Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes werden durch die Apostelfiguren von Petrus und Jakobus ergänzt.

1810
An gleicher Stelle kommt es in Schnett zum fünften Kirchenbau in der Geschichte, vom Aussehen her, wie sie heute zu sehen ist: barocker Stil, Mansardendach mit Schiefer beschlagener Turmhaube, achteckige Zwiebelkuppel, Gesims und zweite Zwiebelkuppel. Das Mauerwerk im Unterbau ist aus starken Bruchsteinen erbaut, darüber erheben sich Fachwerkfassaden, die wie das Dach mit Schiefer verschlagen sind. Das Vergolden der Turmzier ist 1991 erfolgt. 

Die Kirche „St. Oswald“ in Schnett ist 1991 saniert worden, es erfolgt die Beschieferung und die Vergoldung der Turmzier.
Foto: Bernhard Großmann, 2005

1811
In Häselrieth wird ein neues Pfarrhaus erbaut. 

1811
Westnordwestlich von Römhild wird mitten in Sülzdorf an der Straße nach Meiningen das
„Zum Kirchlein Jesu“ erbaut. An gleicher Stelle ist dort 1730 eine Vorgängerkirche erichtet worden, eine Filialkirche des benachbarten Westenfeld, später von Queienfeld und heute von Römhild. Gegenwärtig zeigt sich das Gotteshaus als verputztes Fachwerkhaus mit gelben Fassaden und weißen stilisierten Ecksteinen. Auf der Dachmitte hebt sich ein beschieferter, achteckiger Dachreiter mit Arkadenaufsatz und Schweifkuppel sowie Turmknopf und Wetterfahne empor. Die einstigen Glocken von 1862 und 1878 sind ein Opfer der Kriegswirtschaft geworden. Heute hängt im Turm eine gusseiserne Glocke.

1812
Die Kirche in Lengfeld wird umfassend restauriert. Aus dieser Zeit stammt die Kanzel mit Schalldeckel und aufgesetzter Christusfigur am südlichen Triumphbogen-Pfeiler. Die Tonnendecke ist in Blau gehalten und mit Sternen versehen. Quer durch den Chorraum ist die sogenannte „Preußenempore“ eingebaut worden. Während Lengfeld wie Themar zu Sachsen-Coburg-Saalfeld und ab 1826 zu Sachsen-Meiningen gehört, ist das nach Lengfeld eingepfarrte Ahlstädt Teil des preußischen Kreises Schleusingen. Die Plätze auf der „Preußenempore“ sind für die Ahlstädter Kirchgänger reserviert gewesen. 1957 werden die Empore entfernt und das Spitzbogenfenster wieder hergerichtet.

Ab ca. 1813
Die Hugenotten-Kirche in Hildburghausen wird wegen der Kriegsnot als
„Landesheumagazin“ genutzt.

Die Friedenspredigt von Carl Ludwig Nonne, die anlässlich des Pariser Friedens 1814 in den Kirchgemeinden des Herzogtums verlesen wird.
Stadtmuseum Hildburghausen

30. August 1814
In einer Denkschrift heißt es zur Kirche in Seidingstadt:
„Eines von den seltenen Ereignissen des hiesigen Ortes ist, dass unsere durchlauchtigste Prinzessin Louise in der Kirche zu Seidingstadt öffentlich confirmiert und eingesegnet wurde und sodann hier zum ersten mal mit höchstdero durchlauchtigsten Aeltern und Geschwistern cominiziert (d. h. am Heiligen Abendmahl teilnahmen).


Charlotte Luise Friederike Amalie Alexandrine von Sachen-Hildburghausen (* 1794, Hildburghausen – 1825, Biebrich) ist eine Tochter von Herzog Friedrich und Herzogin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen. Sie gilt wie ihre Schwestern Therese (nachmalige Königin von Bayern) und Charlotte (nachmalige Herzogin Paul von Württemberg) als wunderschöne Frau. Der Dichtergelehrte Friedrich Rückert widmet den drei Frauen das Gedicht „Mit drei Moosrosen“. Luise heiratet am 24. Juni 1813 in Weilburg Wilhelm Herzog von Nassau. Aus der Ehe gehen acht Kinder hervor, von denen vier das Erwachsenenalter nicht erreichen. Die Ehe ist sehr unglücklich, weil der autokratische Herzog auch seine Frau Luise und seine Kinder tyrannisiert.



Es ist ein eigener grillenhafter Zug, dass wir durch Schweigen das Geschehene für uns und andere zu vernichten glauben!
(Johann Wolfgang von Goethe
1749 – 1832
deutscher Dichter, Naturwissenschaftler, Staatsmann)
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