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Mir hât ein wîp herze

Graf Otto von Botenlauben

Mir hât ein wîp herze unde lîp betwungen

 1.           Mir hât ein wîp
               herze unde lîp
               betwungen unde gar verhert:
               diu ist sô guot,
               swaz si mir tuot,
               wil si, sô wirde ich sanfte ernert.

 20.         Herze, sinne
               mînen muot
               hât diu minne
               mit gewinne
               alsô behuot.

 24.         ... So rehte wol
               stêt si mir an,
               ich saelic man 
               sô süeze nôt ich nie gewan!

 36.         Daz (Leid) erwende
               saelîc wîp
              unde sende
              mir daz ende,
               daz mîn lîp.          

37.         Vröude unt minne
               unde sinne
               von dir, küniginne,
               gewinne.

 38.         Dar nâch ich iemer ringe
               und z'allen zîten strebe;
               ûf daz hôch gedinge
               ich vil dicke schône lebe,
               daz mir an dir gelinge
               unde empfâhen müeze süezer minne gebe:
               wie suoze ich danne singe
               und erklinge
               swenne ich vroulîche ob allen vroeuden swebe. 

  

   1.          Mir hat eine Frau
               Herz und Leib
               bezwungen und ganz verheert.
               Sie ist so gütig,
               was sie mir (auch) tut:
               Will sie, so werde ich leicht geheilt.

 20.         Herze, Sinne,
               mein Gemüt,
               hat die Minne
               mit Gewinn so behütet.

 24.         So recht wohl
               steht sie mir an,
               ich glückseliger Mann:
               So süße Drangsal habe ich nie errungen!

 36.         Das wende ich ab,
               gnädige Herrin,
               und beschere  
               mir das Ergebnis,
               daß mein Leib

 37.         Frohsinn, Liebe und Verstand
               von Dir, Königin,
               gewinne.

 38.         Darum ich immer ringe
               und allezeit strebe.
               Auf dieses hohe Ziel hin
               lebe ich in ganz geziemender Art,
               damit ich Erfolg bei Dir habe
               und die Gaben der süßen Liebe empfange.
               Wie lieblich ich dann singe
               und (dein Lob) erklingen lasse,
               wenn ich selig über allen Freuden schwebe. 

    (Übersetzung: Heinrich Wagner) 

Nach: Ludwig Bechstein: Geschichte und Gedichte des Minnesängers Otto von Botenlauben Grafen von Henneberg. Neu herausgegeben und vermehrt um ein Vorwort, eine Übersetzung der Lieder Ottos von Botenlauben sowie eine Genealogie der Grafen von Henneberg bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts von Heinrich Wagner (Sonderveröffentlichung Nr. 7 des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins. - Neustadt an der Aisch, 1995).

Es ist ein eigener grillenhafter Zug, dass wir durch Schweigen das Geschehene für uns und andere zu vernichten glauben!
(Johann Wolfgang von Goethe
1749 – 1832
deutscher Dichter, Naturwissenschaftler, Staatsmann)
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