Eine Seite für Hildburghausen

Sendelbach, Eduard Bernhard

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Eduard Bernhard Sendelbach

* 16.01.1889, Hildburghausen

† 23.06.1967, Hildburghausen




 


Bauingenieur, Stadtbaudirektor, Mundartdichter 

Er wächst als Sohn des Restaurateurs, Landwirts und Jagdpächters Franz Sendelbach und seiner Frau Emma geb. Kraus aus Weitersroda in der renommierten väterlichen Gartenwirtschaft in Hildburghausen (heute: „Dr.-Elise -Pampe-Heim“ der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde, Obere Allee 11) mit seinen drei älteren Schwestern auf. Als er vier Jahre alt ist, stirbt seine Mutter, als er fünfzehn war sein Vater.

Sein Schwager und Vormund bestimmt ihn zur Maurerlehre, danach absolviert Sendelbach die Bauabteilung des Technikums Hildburghausen und erwirbt als Bauingenieur eine weitere Ausbildung zum Maurermeister und Baugewerkmeister sowie Baumeister.

Als Mitinhaber der Baufirma Ernst Leffler arbeitet er in seiner Heimatstadt, vorher ist er zur Weiterbildung auch in verschiedenen Betrieben in Hannover, Schmalkalden und anderen Städten tätig gewesen. Auch auf seine Initiative hin wird 1924 zur 600-Jahrfeier das Bertholdstor – der Mauerdurchbruch in der Stadtmauer zwischen Obere Allee und Knappengasse – gestaltet.

Die katastrophale Staatsinflation am Anfang der zwanziger Jahre bringt die Bautätigkeit nahezu zum Erliegen. Er sucht nach weiteren Arbeitsmöglichkeiten und findet sie in Köln. 

Als phantasiebegabter Junge hat er die alten Hildburghäuser Geschichten, auch die Erzählungen der Gäste des väterlichen Restaurants, begierig in sein brillantes Gedächtnis aufgenommen, und so treibt ihn seine tiefe Heimatliebe, sein angeborener Humor zum dichterischen Schaffen. Seine „Hilberhäuser Mundartgedichte“ entstehen, aber auch seine schnurrigen und zeitkritischen Prosatexte zur inzwischen zur Legende gewordenen „Frau Rauschen“. Eine Vielzahl an Anekdoten, Sagen und Erzählungen und sogar ein volkstümliches Theaterstück werden geschrieben.

Erst nach zwanzig Jahren, nach 1945, kommt Bernhard Sendelbach wieder in seine Vaterstadt zurück. Er kauft Werkzeug und Baumaterial, um vor allem eigenständig mitzuwirken, die Kriegsschäden zu beheben. Nach seiner polizeilichen Anmeldung wird er vom Bürgermeister dringend gebeten, den vakanten Posten des Stadtbaumeisters zu übernehmen. Das tut er gerne und auch mit Erfolg.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit legt er die Feder nie aus der Hand. Er schreibt für Zeitungen, hält eine Vielzahl öffentlicher Lesungen, und bei Feiern ist seine einmalige Vortragskunst oft der Mittelpunkt des Geschehens. Sendelbach wird im positiven Sinne zu einem Original, von dem man noch heute begeistert und achtungsvoll spricht.

1988 widmet die Stadt Hildburghausen zum 100. Geburtstag Sendelbachs im Jahre 1989 eine vielgelesene Publikation mit dem Titel „Hilberhäuser Varschla“, die von Dr. Heinz Sperschneider, Universität Jena, betreut worden ist. Neben Sendelbachs Mundartgedichten werden weitere von Mundartautoren der Region vorgestellt.

Im Vorwort heißt es zu Sendelbach: „In seinen Gedichten spürt man die enge Verbindung zu den kleinen Leuten, zu den armen Leuten von Hildburghausen. Dabei idealisiert er häufig. Ein Beispiel dafür ist das ‘Kanapee’, wo eben gezeigt wird, wie in einem Haushalt ein Kanapee als ‘teures Mowiliar’ für Generationen d a s Möbelstück war, auf dem vor allem Besuch plaziert wurde. Ein kleinstädtisches Idyll wird in den Versen ‘Dös Fansta’ gezeichnet. Für die jüngere Generation ist die Schilderung von Volksbräuchen in ‘Ostawasser’ und in ‘Dar Liewes- und Zauwerbrünn’ von Interesse.“ Weiter bemerkt Sperschneider: „Ich möchte die Mundart von Sendelbach heute eher als Stadtmundart von Hildburghausen bezeichnen, denn durch die Entwicklung der Stadt, von Handel und Industrie, durch den Zuzug von neuen Einwohnern aus der näheren und der ferneren Umgebung hat sich diese Stadtmundart weiter ausgebreitet. Viele jüngere Einwohner sprechen diese Stadtmundart und empfinden die Sprache als die ihre.“

Bernhard Sendelbach hat es trotz großer Bemühungen zu DDR-Zeiten nicht erreichen können, dass ein eigenständiges Buch zu seinen Gedichten ediert worden ist. 

Text: Hans-Jürgen Salier unter Verwendung der Waschzettel der beiden Buchtitel von

Irmgard Sendelbach (Herausgeberin):

„Bernhard Sendelbachs Hilberhausen unn die Ümgegend“ (1998) und

„Bernhard Sendelbachs Gedichte, G’schicht’n und Frau Rauschen“ (1999)

Die beiden Bände widmeten die Herausgeberin und der Verlag Frankenschwelle 1999 dem 675. Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte an Hildburghausen.

 


Bernhard Sendelbach


Hilberhäuser Wiegenliedle

Schlaff ei, schlaff ei, mei liewes Kind
Wsch, wasch, wsch
Unn hör nett auf dann laut’n Wind
Wsch, wsch, wsch
Ball wärd dös Licht ausgemacht
Wsch, wsch, wsch
Unn nacher ist stockfinstre Nacht,
ä Engele an dein Bettle wacht
Wsch, wsch, wsch.
 

Schlaff ei, schlaff ei, mei liewes Kind
Wsch, wsch, wsch
Unn hör auf deina Mutta g’schwind
Wsch, wsch, wsch
Sie muss ja noch so Vieles tu
Wsch, wsch, wsch
Schlaff ei mei Kind zu süßa Ruh,
ich wünsch dir racht gute Nacht dazu
Wsch, wsch, wsch. 

Aus: Irmgard Sendelbach (Hg.): Bernhard Sendelbachs Hilberhausen unn die Ümgegend. - Verlag Frankenschwelle KG Hildburghausen, 1998.

 

 

Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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