Eine Seite für Hildburghausen

Siegmundsburg

 

Gustav Töpfer, Siegmundsburg 

Soldatengräber

am Rennsteig bei Siegmundsburg 

 

Der legendäre Panzergeneral George S. Patton unternahm ab April 1945 mit seiner dritten US-Armee den Vorstoß nach Thüringen.

Panzer rollten über Rhön und Werra, Richtung Thüringer Wald. Am 10. April 1945 dehnte sich die 3. Armee von Hildburghausen fächerförmig aus. Durch Gegenwehr der Deutschen Wehrmacht erzielte die 3. Armee nur verhältnismäßig geringen Geländegewinn. Trotzdem stießen ihre Spitzen durch den Sophienauer Grund über die Eisfelder Ausspanne nach Friedrichshöhe vor.

Durch den Saargrund war ein schnelles Vorwärtskommen nicht möglich, da Brücken, Wasserdurchläufe gesprengt und die Straßen mit Bäumen und Panzersperren versperrt waren. In den Kurven saßen todesmutige Volkssturmmänner in ihren Schützenlöchern.

Zuvor nahmen jedoch General Pattons Truppenverbände die Stadt Eisfeld ein. Kampfhandlungen im Rennsteigbereich waren für beide Seiten verlustreich.

Während sich die US-Armee in Richtung Friedrichshöhe bewegte, traf im Anwesen Albin Gollhardt in Siegmundsburg eine kleine Formation der Deutschen Wehrmacht ein. Auch SS-Leute waren dabei. Die Nacht wurde von beiden Seiten genutzt, um das Gebiet um Friedrichshöhe und Siegmundsburg auszukundschaften. Im Verlaufe des Vormittags des 11. April 1945 rückte die deutsche Einheit dann in Richtung Friedrichshöhe ab, mit dem Ziel, die amerikanischen Truppen aufzuhalten. Schon von vornherein war das ein unsinniges Unternehmen!

Um die Mittagszeit hatten die Amerikaner unseren Ort mit Granaten beschossen, wobei auch Häuser beschädigt wurden. Beim Vormarsch auf Siegmundsburg kam es dann zu Kampfhandlungen zwischen den Amerikanern und der Wehrmachtseinheit. Dabei gab es Tote. Der Rest flüchtete panikartig die Ortschaft in Richtung der Siegmundsburger Werra-Quelle und weiter in Richtung Schalkau. Anschließend marschierte die Einheit der 3. US-Armee in Siegmundsburg ein. Damit war der Zweite Weltkrieg für die Siegmundsburger zu Ende.

Für die Nacht vom 11. zum 12. April 1945 zogen die Amerikaner in die Häuser des Ortes ein. Die Bewohner wurden ausquartiert und in den Gaststätten und der Schule des Ortes untergebracht. Noch am Abend eröffnete die US-Armee das Feuer auf Neuhaus am Rennweg. Der Beschuss endete erst am 12. April 1945 gegen 3.30 Uhr. Durch den Beschuss Siegmundsburg wurde die Stromleitung zerstört war. Nach einer schlaflosen Nacht, in der immer der Gedanke vor Augen schwebte: „Was wird aus uns werden, was werden die nächsten Tage bringen?“, durften am 12. April 1945 die Frauen in die Häuser zurück, um das Vieh zu füttern. Sie konnten viel Schlimmes berichten über das Vorgefundene in den Wohnungen und auf den Grundstücken berichten. Nach zweitägiger Besetzung zogen die amerikanischen Truppen wieder ab. Eine kleine Abteilung blieb jedoch vor Ort. Die Bewohner durften wieder ihre Häuser in Besitz nehmen. Beim Betreten bot sich allen ein jämmerliches Bild. Was nicht niet- und nagelfest und zu gebrauchen war, hatten die Amis mitgenommen oder in andere Häuser getragen. Viele Dinge des persönlichen Bedarfs waren im Hof und Garten verstreut. Kochtöpfe und Bratpfannen waren verschwunden und mussten wieder zusammengesucht werden. Auf einigen Grundstücken befanden sich Schlachtstellen, wo Hühner geköpft und anschließend verspeist worden waren. In einigen Gebäuden hatten die Amerikaner wie die Vandalen gehaust. Als die Einwohner wieder Ordnung in Haus und Hof geschaffen hatten, wurde bekannt, dass sie nur noch stundenweise auf die Straße durften.

Um die Ordnung und das örtliche Leben aufrecht zu erhalten, setzte der amerikanische Kommandant den Bürger Fritz Roßbach als Bürgermeister ein.

Am 13. April 1945 bekam Roßbach den Auftrag, die bei den Kampfhandlungen an der Friedrichshöher Straße gefallenen deutschen Soldaten zu beerdigen. Mit noch weiteren Männern des Ortes hatte Roßbach diese traurige Aufgabe übernommen.

Franz Kirchner aus Siegmundsburg berichtete: „Als wir an diese Stelle kamen, lagen drei tote deutsche Soldaten neben der Panzersperre. Wir richteten ein Grab für die gefallenen deutschen Soldaten unmittelbar an der Kreuzung her. Einige Männer durchsuchten den Wald in der Umgebung der Panzersperre und fanden noch weitere vier tote Soldaten. Da jedoch an der ersten Begräbnisstätte kein Platz mehr vorhanden war, mussten wir ein neues Grab nach dem Türkengrund hin auf der linken Seite des Weges ausheben. Einen Toten beerdigten wir noch im ersten Grab. Da wir jedoch bei zwei Soldaten die Namen und Herkunft nicht feststellen konnten, wurden sie als unbekannte Soldaten beigesetzt. Die Papiere und Erkennungsmarken hatten wir in das Gemeindeamt gebracht.“

Am 15. April 1945 musste die Begräbnistruppe in den Morgenstunden nochmals ausrücken. In der Nähe der Werra-Quelle lag ein Toter. Bei diesem Toten handelte es sich um den Oberscharführer und Führer der deutschen Einheit, Ludwig Hermann, dem der Schädel eingeschlagen worden war. Sein Grab wurde an der Bleßstraße hergerichtet. Später ließ die Gemeinden den Toten jedoch auf den Friedhof des Ortes umbetten. Bis zum Anfang der 1950er-Jahre waren die Gräber nur aufgeworfene Erdhügel mit einem Kreuz, die Schreinermeister Reinhard Lehmann angefertigt hatte. 1951/52 organisierte der Besitzer der Gaststätte „Rennsteig“ in Friedrichshöhe, Paul Leipold, bei Urlaubern Geldsammlungen. Von diesem Geld ließ er bei Schreinermeister Albin Otto in Siegmundsburg neue Kreuze anfertigen. Die Aufschriften auf den Kreuzen (Porzellanschilder) wurden von Hans Baumann in der Porzellanfabrik in Scheibe-Alsbach hergestellt. Später hatte man die Gräber mit einer Steinfassung und einem Zaun umgeben. Im Jahre 1954/55 wurde einer der Toten vom Grab an der Kreuzung von seinen Angehörigen in die Heimat nach Straßburg überführt. Der Name des gefallenen Soldaten ist nicht bekannt. Durch die Familie Baumbach war eine Verbindung zu den Angehörigen der gefallenen Soldaten Knorr und Gut hergestellt worden, die dann auch die Soldatengräber besuchten.

1997 hatte sich die Tochter des unbekannten Soldaten aus Oldenburg gemeldet und am 2. September 1997 auch das Grab im Türkengrund aufgesucht. Es handelte sich bei dem Gefallenen um Friedrich Geerken.

Nach 56 Jahren hatte am 10. April 2001 Reinhard Wagner aus Mühlhausen das Grab seines Onkels Werner Wagner an der Kreuzung gefunden. Er ließ dann auch neue Kreuze an die Grabstätte anbringen.

Am Anfang des Jahres 2004 meldete sich die Tochter des Ludwig Hermann telefonisch aus Belgien und am 19. April 2004 weilte sie hier in Siegmundsburg. Die Schwester des gefallenen Alfred Ostendorf hatte es in ihrem hohen Alter von 92 Jahren am 12. März 2004 noch geschafft, am Grab ihres Bruders in Gedenken zu verweilen, nachdem sie durch Zufall vom Liegeort erfahren hatte.

Bis auf den Soldaten Wilhelm Bobrzik haben alle Angehörigen der gefallenen  Soldaten die Grabstätten an der Friedrichshöher Straße und im Türkengrund besucht.

In den zurückliegenden Jahren haben viele bekannte und unbekannte Menschen die Grabstätten gehegt und gepflegt, was nicht überall auf der Rennsteiglinie der Fall war.

Die Gräber liegen seit Jahrzehnten still und haben uns doch viel zu sagen.



Aufnahme: HG, Hildburghausen, 19. Februar 2015

Namensverzeichnis der gefallenen Soldaten

Grab an der Kreuzung:
- Panzergrenadier Werner Wagner, Menteroda, geb. am 14.11.1927, mit 18 Jahren gefallen.
- Gefreiter Alfred Ostendorf, Hartwarden,
 geb. am 11.01.1907, mit 38 Jahren gefallen.
Unteroffizier Wilhelm Bobrzik,
Wohnort nicht bekannt,
geb. am 10.01.1909, mit 36 Jahren gefallen. 

Grab im Türkengrund:
- Soldat Friedrich Geerken, Oldenburg,
geb. am 29.01.1907, mit 38 Jahren gefallen.
- Soldat Josef Knorr, Weiler am Stein,
Geburtstag nicht bekannt.
- Soldat  Anton Gut, Bad Tölz,
Geburtstag nicht bekannt. 

Ehemaliges Grab an der Werra-Quelle:
- Oberscharführer Ludwig Hermann,
geb. am 12.12.1917, mit 28 Jahren gefallen.

 Aufnahme: HG, Hildburghausen, 19. Februar 2015

Nach: Gustav Töpfer: 60 Jahre Soldatengräber am Rennsteig bei Siegmundsburg. In: Landkreis Sonneberg – Tradition und Zukunft. Jahrbuch 2005.

Herausgegeben vom Landkreis Sonneberg in Zusammenarbeit mit Verlag Frankenschwelle KG Hildburghausen, S. 98 – 102 (leicht bearbeitet).

ISBN 3-86180-165-5 Verlag Frankenschwelle

Wahrheiten, die man ganz besonders ungern hat, hat man besonders nötig.
Jean de la Bruyère
1645 – 1696
französisch-moralistischer Schriftsteller)
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