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Töpfermästa Gutjahrs Tellasprüchle

Bernhard Sendelbach


Die alt’n Hilberhäuser ham
ihre Töpf un Schüsseln gekäfft
bein Gutjahr in dar Winzagass,
dort hatta sei G’schäft.
Die Töpf un Schüsseln warn vo Ton,
grün, rot un braun glasiert,
un dazu warnse außadam
mit Schnörkeln schö verziert.
Dar Mästa Gutjahr konnt schö dicht
un witzige Sprüchle mach,
ma konnt dadrüwa sich manchmal
fast halwa zwä gelach.

Zum Talla-Awend bei Sendelbach
hatta Talla fabriziert,
auf jed’n war ä Sprüchle drauf,
die hatta garn spendiert.
Dös war euch nu ä heiden Spaß,
vor Lach’n konnt ma flenn;
was auf die Talla g’stanne hat,
will beispielsweis ich nenn:
“Schweinebein und Sauerkraut
frisst am liebsten meine Braut!”
“Wenn ma hat dan Talla voll,
dann fühlt sich dar Magen wohl.”

“Dar Jäga un sei Hund,
die frass’n alle Stund!”
“Jörg sitzt im Gemeinderat,
tut helfen dort mit Rat und Tat.”

Ach, es warn so viele Talla,
un ich könnt euch – meina Seel -
noch ä halwe Stund gepappel,
wollt ich alle euch aufzähl.
Nar ähner ä dumm’s G’sicht hat gemacht,
ölles hat üwa sei Sprüchle gelacht:
“Meine Frau, die kann gut kochen,
sie nimmt’s Fläsch, ich krieg die Knochen.”
Drüm hatta hämwarts an’n nächst’n Baam
sein’ Talla in tausend Scherben zerham. 

Aus: Irmgard Sendelbach (Hg.):
Bernhard Sendelbachs Gedichte, G’schicht’n und Frau Rauschen. –
Verlag Frankenschwelle KG Hildburghausen, 1999.

Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.
(Karl Jaspers
1883 – 1969
deutscher Philosoph)
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