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Zur med. Versorgung

Zur medizinischen Versorgung ab Ende  des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts
 

Rudolf Armin Human beschreibt die medizinische Versorgung der Bevölkerung ausgangs des 17. und zu Beginn des 18. Jh.:

„... anderen diente Fuchslunge mit Wein zubereitet gegen Asthma und Ragout von einer fetten Gans und kleinen Katzen gegen Gicht, gegen letztere auch Herz, Blut und Leber des Maulwurfs zu Pulver gebrannt und mit Öl und Honig zu einer Salbe bereitet. Dazu traten zugleich mit dem Glauben an den Einfluß der Gestirne wunderliche Heilmittel aus Elementen des Tierreichs, wie z.B. Eselsmilch gegen Zahnschmerz, aus dem Mineralreich Gold als kräftigend und reinigend bei Herzkrankheiten und Ohnmachten, Silberschaum gegen Krätze und Hämorrhoiden, 1784 noch 'das wahre philosophische Goldsalz' wider Flüsse und Katarrhe, gichtische Zufälle und Nieren- und Blasenstein. Ein Landarzt, der nicht viel verschrieb, galt einst nicht viel, viel, aber nicht zu bitter mußte die Medizin sein, und Radikalkuren durften auch nicht fehlen, je rascher aber eine Heilung vor sich ging, um so weniger war man dazu geneigt, mit klingender Münze zu lohnen. ... Als medizinalpolitische Anordnung galt im 18. Jahrhundert in erster Linie das Absperrungssystem, demzufolge z. B. a. 1713 anläßlich einer in Wien und Regensburg ausgebrochenen Seuche bei Leibes- und Lebensstrafe niemand ohne Gesundheitsattest in das Land gelassen wurde; Dörfer waren besonders auch durch die Schlagbäume gegen Landstreicher, Bettler und fremde Juden wohl zu verwahren, auf jene selbst aber durch die Herzogl. Einspännigen und Jägerbedienten scharf zu vigilieren (wachsam sein, d. Verf.). Bei der Ruhrepidemie von 1752 wurden öffentlich empfohlen gelinde Laxanzen, Wacholderräucherungen zur Luftreinigung in den Stuben, Tabakrauchen und Vermeidung unverdaulicher Speisen, saurer Getränke und Gemütsbewegungen. Als Verwahrungsmittel wider das epidemische bösartige Fieber im Hungerjahr 1772 als abführendes Mittel das Friedrichshaller Laxiersalz, Verbesserung der zur Fäulnis geneigten Säfte durch säuerliche Speisen und Getränke, Zimmerlüftungen und Ausräucherung mit Essig auf heiße Steine gegossen, nicht aber Aderlassen, welches in hiesigen Gegenden die erste Zuflucht der meisten Kranken war; das Friedrichshaller Bitterwasser erhielten dürftige Personen in der Hofapotheke umsonst. Ein Edikt vom 6.2.1776 befahl schleunige Rettung von Erfrorenen, Erhenkten oder sonst Verunglückten und richtete sich 'gegen die aus alten Zeiten und Gebräuche herrührenden, gesunder Vernunft und Religion entgegenlaufenden lieblose Vorurteile des gemeinen Mannes, daß nämlich die von einem oder andern dergleichen verunglückten Personen zu leistende Beihilfe derselben Ehre einen Nachteil verursache'. Influenzaepidemien, Nürnberger Pfiff genannt, suchte man 1782 besonders durch Schwitzkuren und Diät zu bekämpfen. Um Einführung der Einimpfung von Schutzblattern wider die Pocken durch welche zuvor etwa 1/12 Menschen dahingerafft wurden, machten sich Anfang des 19. Jahrhunderts neben dem weltberühmten Numismatiker Pfarrer M. Rasche in Untermaßfeld der Pfarrer Theodor Langguth in Harras besonders verdient, 29.4.1809 und 22.3.1821 wurde die Impfung gesetzlich angeordnet, der erste Impfarzt hierselbst war C. Sondermann."

(Human: Chronik der Landdiözese Hildburghausen. – 1922, S. 42)

Lernen ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, gefährlich.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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