Eine Seite für Hildburghausen

musikkulturelles Leben

Ingward Ullrich

Die Neuentfaltung des musikkulturellen Lebens in den Nachkriegsjahren 

Der Aufruf des Thüringer Gauleiters Sauckel zum „Volksaufgebot“ am 5. April 1945, wonach alle Männer und Frauen zwischen dem 16. und 60. Lebensjahr zum Fronteinsatz verpflichtet waren, hat das Hitlerreich nicht mehr vor seinem Untergang retten können. Schon zwei Tage später, am Nachmittag des 7. April, war mit dem Einzug. amerikanischer Panzer für Hildburghausen der Krieg zu Ende. Abgesehen von dem Bombenangriff am 23. Februar 1945 und dem Artillerie- und Panzerbeschuss der Amerikaner am 7. April, dem zu guter Letzt noch das einstige Schloss zum Opfer fiel, haben die Stadt und ihre Bürger den Krieg relativ glimpflich überstanden.  

Wie so vieles, so lagen auch Kunst und Kultur am Boden. Nur langsam konnte das geistige und kulturelle Leben wieder erweckt werden und sich hoffnungsvoll und erste Früchte tragend neu entwickeln. Unmittelbar nach der Gründung des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ durch Johannes R. Becher im Juni 1945 in Berlin haben sich kulturbeflissene Bürger in Hildburghausen um eine rasche Wiederbelebung des Musiklebens in ihrer Stadt bemüht. Zu ihnen gehörte der spätere Vorsitzende des Kulturbundes des Kreises Hildburghausen, Robert Klopf, der Chorleiter Erich Mitzenheim, der neue Kreisschulrat Kurt Wiegand, auf kirchenmusikalischem Gebiet waren es Kantor Arthur Hilpert und der Organisat der Christuskirche Studienrat Wilhelm Mühlfeld. Und die Initiative dieser Pioniere des Neubeginns fand sonderbarerweise eine starke Resonanz bei den arg von Hunger, Wohnungs- und Existenznot geplagten Menschen. Trotz der Sorgen des Alltags bestand in weiten Kreisen der Bevölkerung ein großes Bedürfnis nach kultureller Betätigung. Ende Januar 1946 erfolgte in Eisfeld die Gründung des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“, Kreis Hildburghausen. Zu Mitgliedern des Vorstandes wurden Kreisschulrat Kurt Wiegand, Oberlehrer Armin Götz und Wilhelm Hassler gewählt. Im Juni wurde das Kulturamt der Stadt Hildburghausen gegründet. Leiter war Wilhelm Hassler. Ihm standen als Fachberater Kurt Wiegand (Konzert), Erich Mitzenheim (Volkschor), Armin Götz (Stadtbibliothek), Dr. Zobel (Volkshochschule), Otto Schön (Heimatmuseum) und Bürgermeister Dr. Herman Zschaeck als Arbeitsausschussvorsitzender zur Seite.

Schon bald war es Erich Mitzenheim gelungen, die sangesfreudigen Frauen und Männer der Stadt zu aktivieren und im „Volkschor“, dem ersten im Kreis, zu vereinen. Andere Musikliebhaber fanden sich zusammen, um gemeinschaftlich zu musizieren, die Hausmusik zu pflegen und kleine Konzerte zu geben, wie z. B. das Tenhaeff-Quartett mit den beiden Apothekern Hans Tenhaeff (1. Violine), Fritz Ludewig (Bratsche), dem Vermessungsingenieur Wolfgang Heymann (2. Violine) und dem Finanzrat Kurt Schrader (Violoncello).  

Aus: Ullrich, Ingward: Hildburghäuser Musiker – Ein Beitrag zur Musikgeschichte der Stadt Hildburghausen. – Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen, 2003, S.
Es ist ein eigener grillenhafter Zug, dass wir durch Schweigen das Geschehene für uns und andere zu vernichten glauben!
(Johann Wolfgang von Goethe
1749 – 1832
deutscher Dichter, Naturwissenschaftler, Staatsmann)
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