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Anding, Johann Michael



Johann Michael Anding

 

·       * 25.08.1810, Queienfeld b. Römhild

·       † 09.08.1879, Hildburghausen 


Musikpädagoge, Volksliedsammler und -forscher, Organist, Schriftsteller

 Sein Vater Johann Michael Anding sen. (1788 – 1859) ist Lehrer in Bürden b. Hildburghausen (1805 – 1807) und in Queienfeld b. Römhild (bis 1827) und seit 1828 in Herpf b. Meiningen.

A. besucht das Lehrerseminar Hildburghausen (1825 – 1828) und ist danach an der Schule in Herpf tätig, ab 1829 Konrektor in Gräfenthal. Ab 1831 ist er mit Vermittlung von Dr. Ludwig Nonne Lehrer in Osthausen b. Arnstadt geworden. Dort lernt er die Tochter des Orgelbauers Franz Ratzmann aus Ohrdruf kennen, die er 1833 heiratet. 1834 übernimmt er die Erste Lehrerstelle als Oberlehrer in Camburg/Saale. Hier gründet er einen Gesangverein. Am 12.05.1843 wird er als Erster Musiklehrer am Schullehrer-Seminar in Hildburghausen berufen. Hier bildet er bis 1876 eine Vielzahl Lehrer auf höchstem Niveau aus. Im September 1843 stiftet er den Männergesangverein „Liedertafel“, dem er auch bis 1851 und von 1856 – 1861 vorsteht. Ab 1845 ist er Orgelrevisor des Herzogtums Sachsen-Meiningen-Hildburghausen und übernimmt von 1846 – 1850 das Organistenamt in der Neustädter Kirche (heute: Apostelkirche). Er führt mit seinen Chören eine Vielzahl klassischer Werke auf, organisiert Musikfeste und ist Förderer der Vokalmusik.

In seinem Leben trägt er beispielhafte Volksliedsammlungen zusammen. Die Forschungen gelten noch bis in die heutige Zeit als außerordentlich bedeutsam. Das Material geht später in der Liedersammlung Ludwig Erks auf. Eigene Liedschöpfungen, die bekannteste ist „Mein Vater war ein Wandersmann“, Text von Friedrich Sigismund (1788 – 1857) (s. Anmerkung) wirken über seine Zeit hinaus. Mit Oberpfarrer Dr. Ernst Balthasar Wölfing verfasst er die „Altliturgie“ (1852) – eine Sammlung liturgischer Gesänge für die Fest- und Feiertage beim evangelischen Gottesdienst.

Literarisch ist er tätig an der Musik-Zeitschrift „Urania“, an Kerns „Pädagogischen Blättern“. Vielfältige Werke für Orgel und Gesang entstehen. Drei Jahrzehnte arbeitet er an dem vierstimmigen Choralbuch (eine Sammlung von Originalmelodien mit Harmonisierung von ihm, das bei Gadow & Sohn von 1868 – 1870 ediert wird). Mit Dr. Armin Radefeld verfasst er das Reisehandbuch Führer durch Thüringen. Seit 1844 ist er Mitglied der Freimaurerloge „Karl zum Rautenkranz“, deren Meister vom Stuhl er 1873/74 ist.

Eine zunehmende Erblindung und ein Leberleiden führen 1876 zur Pensionierung. 

Anmerkung: Sehr viel kann über die Werkgeschichte mitgeteilt werden, auch in seinen Bearbeitungen im Laufe der Zeit. So ist das Lied seit 1953 im gesamten englischsprachigen Raum unter dem Titel „The Happy Wanderer“ außerordentlich populär und kommt z. B. in Großbritannien auch einige Male in die Charts (Top 12). Es gibt auch Interpretationen von Rudolf Schock, Heino, Andrea Jürgens oder von dem berühmten italienischen Orchester Mantovani. Selbst in Folge 401 der Muppet Show wird es von drei wandernden Schweinen gesungen. In Trinidad & Tobago wird es beim Calypsoumzug 1955 zum beliebtesten Road March Song gewählt …

Mein Vater war ein Wandersmann

Wer lange bedenkt, der wählt nicht immer das Beste.
(Johann Wolfgang von Goethe
1749 – 1832
deutscher Dichter, Naturwissenschaftler, Staatsmann)
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