Eine Seite für Hildburghausen

Gleichmann, Johann Andreas

 

* 13.02.1775, Bockstadt
† 13.06.1842, Meiningen

 

Hofmusikdirektor, Komponist, Violinist, Musikschriftsteller 

Er wächst in der Mühle zu Bockstadt auf. Sein Vater ist der Müllermeister Johann Nicolaus Gleichmann (* 28.04.1744 – † 22.10.1820). Aus der 1770 mit Johanna Louisa, geb. Schmidt aus Hetschbach geschlossenen Ehe entstammen eine Tochter und sechs Söhne. Johann Andreas ist der zweitgeborene. Sein jüngerer Bruder Johannes (Vitus) ist ebenfalls Musiker geworden.

Den ersten Musikunterricht erhält er beim Eisfelder Stadtmusikus. 1787 kommt er nach Hildburghausen und wird vom Organisten Johann Paul Hummel im Generalbass unterrichtet und gleichzeitig vom Hofmusikdirektor Laurenz Schneider im Violin- und Klavierspiel. Zusätzlich bekommt er Unterweisungen im Tonsatz. Auf Fürsprache seines Lehrers nimmt man ihn 1792 als Violinist in die Hofkapelle auf. Als sein Lehrer Laurenz Schneider 1794 als Hofkapellmeister nach Coburg geht, erhält der neunzehnjährige Kammermusikus Gleichmann dessen Stelle und avanciert zum Herzoglichen Hofmusikdirektor. Neben seiner musikalischen Tätigkeit bemüht er sich auch um eine gute wissenschaftliche Bildung. 1809 tritt er in die Hildburghäuser Freimaurerloge „Karl zum Rautenkranz“ ein. Als 1826 infolge der Erbteilung der Ernestiner das Herzogtum Sachsen-Hildburghausen großenteils an Meiningen gefallen ist, wird Gleichmann 1827 zum Direktor der Meininger Hofkapelle berufen. Hier wirkt er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1836. Johann Andreas Gleichmann soll auch ein Freund von Carl Maria von Weber gewesen sein und mit ihm gemeinsam den „Freischütz“ einstudiert haben. Auch mit Justus Johann Friedrich Dotzauer soll Gleichmann befreundet gewesen sein. 

Neben seiner Tätigkeit als Musikdirektor ist Gleichmann viele Jahre Mitarbeiter der „Leipziger Allgemeinen Musik Zeitung“. Er ist Autor einer Reihe vielbeachteter Aufsätze. Wegen seiner Bedeutung auch als Musikschriftsteller seien hier die Titel einiger seiner interessanten Arbeiten genannt: „Über Manier und Mode in der praktischen Musik, hauptsächlich beim Violinspiel“ (Jg. 1814, S. 173 ff. der „Leipziger Allgemeinen Musik Zeitung“; „Betrachtungen über Musik als Wissenschaft“ (Jg. 1828, S. 729 ff.); „Wert der Kirchenmusik“ (Jg. 1831, S. 837 ff.). 

Als Komponist ist Gleichmann vor allem auf kirchenmusikalischem Gebiet bekannt geworden. Er schuf hauptsächlich Gelegenheitskantaten, Altargesänge, Lieder. „Seine Melodien und Harmonien sind wahre Ergießungen eines vom Sinn und Gefühle der Worte tief durchdrungenen Herzens ... Seine 1818 erschienenen ‘verbesserten Melodien der Einsetzungsworte des heiligen Abendmahls mit Begleitung der Orgel’ sind ein wahres Meisterwerk ihrer Art.“  

Im Jahre 1799 hat Johann Andreas Gleichmann die Ehe mit Louisa Oettinger (* 04.04.1770 – † 25.11.1837), Tochter des Kammerdieners Georg Oettinger, geschlossen. Der älteste Sohn Johann Wilhelm (* 21.12.1799 – † 19.07.1878) ist von 1823 – 1835 Lehrer an der Bürgerschule und am Gymnasium in Hildburghausen und bis 1833 auch Pfarrer in Weitersroda, danach Hofdiakon (Hofseelsorger) und Pfarrer der Neustädter Gemeinde Hildburghausen. 1842 wird er zum Superintendenten in Salzungen, 1869 zum Geistlichen Rat im Meininger Staatsministerium befördert. Er stirbt 1878 als Oberkirchenrat in Salzungen.  

Der zweite Sohn, Heinrich August (* 20.07.1801 – † 22.12.1873), studiert Forstwissenschaften und ist bis 1843 Lehrer an der Herzoglichen Forstakademie in Dreißigacker b. Meiningen. Von 1855 bis 1868 wirkte er als Forstmeister in Hildburghausen, wo er auch verstorben ist. Heinrich Augusts Sohn Armin Gleichmann (* 16.08.1839 – † 04.01.1879), der Enkel von Musikdirektor Gleichmann, ist von großer musikalischer Befähigung gewesen. Er tritt aber in die Fußstapfen seines Vaters und studiert an der Forstakademie in Eisenach und an der Universität in Leipzig Forstwissenschaften. Nach mehreren Dienstjahren im Forsttaxationsbüro in Meiningen und als Oberförster in Saalfeld wirkt er von 1861 – 1871 und von 1875 – 1879 als Herzoglicher Forstmeister in Hildburghausen. Er ist vermählt mit Amalie Winkler, einer Enkelin von Obermedizinalrat Dr. Carl Hohnbaum, dem Herzoglichen Leibarzt und Leiter der Irrenanstalt in der Schleusinger Straße (heute Henneberg-Kliniken, gegenüber der Apostelkirche). Ein weiterer Sohn von Johann Andreas Gleichmann ist Justizrat in Meiningen gewesen, er stirbt 1875. 

Nach: Ingward Ullrich: Hildburghäuser Musiker. Reihe: Schriften zur Geschichte der Stadt Hildburghausen, Band 4. – Verlag Frankenschwelle KG, Hildburghausen 2003 – 3-86180-129-9

Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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