Eine Seite für Hildburghausen

Paul, Jean





Johann Paul Friedrich Richter,
genannt



Jean Paul
*21.03.1763
† 14.11.1825



 
Jean Paul Friedrich Richter, Gemälde von
Heinrich Pfenninger, 1798,Gleimhaus
Halberstadt
Wikipedia

 

Dichter, Schriftsteller, Hildburghäuser Legationsrat.

Ab 1781 studiert er Theologie und Philosophie, 1784 bricht er sein Studium aus finanziellen Gründen ab und ist anschließend als Hauslehrer auf Schloss Töpen bei Hof tätig. 1790 gründet er die Elementarschule in Schwarzenbach, in der er bis 1794 als Rektor tätig ist. Von 1798 1800 lebt er als Dichter in Weimar und pflegt Freundschaft mit Herder, Goethe, Schiller. Im Mai 1799 kommt er auf Einladung von Herzogin Charlotte nach Hildburghausen und wird zum Legationsrat ernannt. Hier verlobt er sich mit Karoline von Feuchtersleben. Seinen Bildungsroman Titan (1800 1803, in Meiningen vollendet) widmet er den vier "königlichen Schwestern auf dem Thron” (Königin Luise von Preußen, Charlotte von Sachsen-Hildburghausen, Mathilde Therese von Thurn und Taxis, Friederike von Hannover [von Solms]). Nach einem Jahr verlässt er nach Zerwürfnissen mit dem Hof die Stadt.

Er setzt sich kritisch mit dem bürgerlichen Genie und der höfischen Bildung der Weimarer Klassik auseinander. Nach Zerwürfnissen mit dem Hof verlässt er Hildburghausen, besucht aber von Meiningen aus oft die Stadt.

Den zeitgenössischen literarischen Strömungen steht J. P. entgegen, er ist außerordentlich erfolgreich und wird zum gefeierten Dichter. Entscheidend hebt er sich von der Klassik ab (realistische Milieuschilderungen, subtile psychologische Gestaltung).

Notizen von Hans-Jürgen Salier zum 250. Geburtstag des gefeierten Dichters  

Wenn auch Bücher nicht gut oder schlecht machen, 

besser oder schlechter machen sie doch!

     (Jean Paul)

Seit dem 21. März 2013 stehen in 25 Wirkungsstätten des Dichters in fünf deutschen Bundesländern und in Tschechien 25 Litfaßsäulen und erinnern an den heute nahezu vergessenen Dichterstar, der auch in Hildburghausen Bedeutendes schrieb. Wir wollen die Homepage nutzen, um an das Ereignis zu erinnern. 

 Zur Vorgeschichte

Jean Paul kommt im Mai 1799 auf Einladung Herzogin Charlottes nach Hildburghausen und lebt am Hof in großer Intimität. Herzog Friedrich ernennt den populären Dichter zum Legationsrat. Sein Logis findet er im “Gasthof Zum Erbprinzen” bei Hofbüttner Christian Gehring* bzw. seine Wohnung am Schlossplatz in einer ehemaligen Amtswohnung. Am 25. Mai 1799 schreibt er aus Hildburghausen an seinen Freund Otto:  

”Hier sitze ich nun seit einer Woche und recht weich. Erstlich denke dir, mal dir die himmlische Herzogin, mit schönen kindlichen Augen, das ganze Gesicht voll Liebe und Reiz und Jugend, mit einer Nachtigallen-Stimmritze und einem Mutterherz - dann denke dir die noch schönere Schwester, die Fürstin von Solms und eben so gut und die dritte, die Fürstin von Thurn und Taxis, welche beide mit mir an einem Tage mit den gesunden frohen Kindern ankamen. (Erlasse mir die Männer). Mit der von Solms wollte ich in einem Kohlenbergwerk hausen, dürfte ich ihren Galan da vorstellen. Diese Wesen lieben und lesen mich und wollen nun, dass ich noch 8 Tage bleibe, um die erhabene, schöne vierte Schwester, die Königin von Preußen, zu sehen. Ich bin auf Mittag und Abend immer gebeten. Der Herzog äußerst gutmütig, machte anfangs nicht viel fait von mir; aber jetzt ist er mir recht gut, und er merkte an, dass ich mir zu wenig Spargel genommen und gab mir außer diesem die ersten Hirschkolben zu essen, die nicht sonderlich sind. Gestern habe ich vor dem Hof auf dem Flügel phantasiert. Auch hier habe ich eine anständige Bruder- und Schwestergemeinde und kann der Zinzendorf sein."  

 Am 27. Oktober 1799 aber bemerkt er:  

"Ich wusste voraus, dass der Hof in Seidingstadt war, wo ich heute auf eine Nacht hinausfahre. Die schöne Herzogin war gerade bei meinem Einfluge hier und ließ mich sogleich auf ein paar Minuten vor dem Einsteigen kommen. Außer einer Geliebten weiß ich nichts Schöneres als diese süße Gestalt. Hätt' ich nur Zeit und Wetter, eine Woche lang bliebe ich unter ihrem Dache."

 Zum höfischen Leben in Hildburghausen äußert sich Jean Paul: 

"Ich studiere an diesen Höfchen die Curalien mehr ein für meine Biographien. Wenn Alles aus den Vorzimmern in den Speisesaal zieht, so schreitet das kurze Kammerjunker- und sonstige Volk und ich mithin mit wie die Schule vor der Bahre voraus und die fürstlich gepaarten Personen schleifen nach.  

Wieland aber (das erzählt er mir selbst immer mit Spaß über seine Unwissenheit) gedachte höflich zu sein und ging nicht voran, sondern fügte sich zum Nachtrapp und kam so zugleich mit den Fürstenpaaren an."  

* heute: später Gasthaus Fränkische Leuchte, heute: Firenze


Nach: Rudolf Armin Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – Hildburghausen, 1886, S. 204 f. bzw. Reprint Verlag Frankenschwelle KG (Herausgegeben von Hans-Jürgen Salier), 1999.

 Der Traum der Wahrheit 

Kaum jemand will hören, was er nicht hören will.
(Dick Carvett
* 1936
US-amerikanischer Talkmaster)
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