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Teil 1 1755- 1789

Maria Antonia (franz. Marie-Antoinette) wurde als fünfzehntes Kind am 2. November 1755 in Wien geboren. Für Ihre Mutter, Maria Theresia, war es eine schwierige Entbindung, sodass man um das Leben der Kaiserin fürchten musste. Dies galt als schlechtes Vorzeichen für das Kind, zumal sich einen Tag vorher ein schweres Erdbeben in Lissabon ereignete und die Taufpaten der König und die Königin von Portugal waren.

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Kaiserin Maria Theresia im Alter von 35 Jahren in Öl von martin von Meytens, Schloss Schönbrunn wikipedia
Kaiserin Maria Theresia

Ihre Kindheit verbrachte sie im Kreis einer großen Familie. Ihre Erziehung galt als liebevoll, aber sittenstreng. Als Mädchen beeindruckte Marie Antonia mit ihrem fröhlichen Verhalten oft die Erzieher, sie hatte einen Hang zur Unruhe, mied häufig die Unterrichtsstunden und zeigte keinerlei Neigung zur Konzentration.

Die traditionelle Heiratspolitik der Habsburger beschloss eine frühzeitige Eheschließung mit dem französischen Dauphin Louis-Auguste.






Martin van Meytens: Franz I. Stephan und Maria Theresia im Kreise der Familie, um 1754/55, Öl auf Leinwand
© Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. wikipedia
Maria Theresia von Österreich und Franz Stephan von Lothringen im Kreise ihrer Kinder


Nachdem der Heiratsvertrag unterzeichnet worden war, analysierte Maria Theresia die Erziehung ihrer Tochter Maria Antonia und bemerkte gravierende Mängel in der Allgemeinbildung und in der Beherrschung der französischen Sprache. Erst jetzt wurden Erzieher, Tanz- und Sprachlehrer engagiert, die die österreichische Erzherzogin innerhalb kürzester Zeit auf das Amt einer französischen Königin vorbereiten sollten.



Gemälde in Öl von Martin van Meytens, Schloss Schönbrunn wikipedia
Erzherzogin Maria Antonia von Österreich als Kind im Jahre 1767

Am 19. April 1770 wurde die Vermählung  kraft Vollmacht eines Stellvertreters in der Augustinerkirche in Wien formgültig vollzogen. In den folgenden Tagen wurde die Abreise von Maria Antonia vorbereitet, und Maria Theresia versuchte, das weinende Kind mit den Worten zu beruhigen: "Seien Sie gut zu dem französischen Volk, damit man sagen kann, ich hätte ihm einen Engel geschickt."



Wagenschön: Erzherzogin Maria Antonia am Spinett, ca. 1769, © Kunsthistorisches Museum Wien wikipedia
Marie Antoinette am Clavichord, kurz vor ihrer Heirat 1770

Am französischen Hof fiel die junge und unerfahrene Marie Antoinette meist negativ auf. Der Prinzessin waren die französischen Sitten fremd. In ihren ersten drei Ehejahren stand sie unter dem Einfluss von drei unverheirateten Töchtern des Königs. Diese benutzten die naive und gutmütige Dauphine für ihre diversen Ränkespiele.




Gemäle in Öl von Jean-Baptiste Gautier Dagoty, Schloss Verailles-wikipedia
Dauphine Marie Antoinette, gemalt 1774 von Jean-Baptiste Gautier Dagoty

Erst nachdem Marie Antoinette die Prinzessin Lamballe
kennen lernte und einen Zirkel eigener Freunde um sich scharte, wandte sie sich langsam vom Einfluss der „Tanten“ ab, was diese ihr mit zunehmender Missgunst dankten.




Ölgemälde Schloss Versailles- wikipedia
Porträt Madame de Lamballe von Antoine Fancois Callet

Marie Antoinette, die von ihrem freundlichen und unbefangenen Benehmen bezaubert war, wählte sie zu ihrer engsten Begleiterin und Vertrauten. Der ungestüme Charakter der Dauphine fand in dem fügsamen Temperament von Madame de Lamballe seine Ergänzung.

Die Dauphine begann, die Möglichkeiten ihrer Stellung auszunutzen und besuchte Bälle oder die Pariser Oper.




Ölgemälde im Schloss Versailles-wikipedia
Königin Marie Antoinette, gemalt 1775 von Jean-Baptiste Gautier Dagoty (1740–1786)


Die Thronbesteigung des jungen Königspaares nach dem Tod Ludwigs XV. im Mai 1774 wurde enthusiastisch begrüßt. Ihre ersten Schritte brachten Marie Antoinette aber bereits in offene Konflikte mit der antiösterreichischen Partei.



Fotograf unbekannt-Wikipedia
Schloss Versailles

Ihr legerer Umgang mit der ihr verhassten Hofetikette schockierte viele Höflinge, und ihr Hang zu Vergnügungen ließ sie die Gesellschaft des Bruders des Königs, des späteren Königs Karl X. (1757–1836), und seines jungen und ausschweifenden Zirkels suchen. 1775 ließ der sogenannte Mehlkrieg bereits kommende Ereignisse erahnen. Die französische Landbevölkerung lebte in bitterer Armut, die Mehl- und Brotpreise stiegen ins Unermessliche, und es kam zum Aufstand in Frankreich.



Louise Elisabeth Vigée-Lebrun - Marie-Antoinette dit « à la Rose »
wikipedia
Porträt von Marie Antoinette mit einer Rose, gemalt von ihrer Lieblingskünstlerin Élisabeth Vigée-Lebrun, 1783, Öl auf Leinwand, Schloss von Versailles

Ihre dynastische Hauptaufgabe – Mutter eines Thronfolgers zu werden – erfüllte Marie-Antoinette lange nicht. Für das jahrelange Ausbleiben eines männlichen Erben machten die Öffentlichkeit und der Hof die Königin verantwortlich, der in Schmähschriften statt Interesse an ihrem Mann eine immer größere Zahl an Affären nachgesagt wurde.
Ihr verschwenderischer Lebensstil – ihr Interesse galt Modefragen und extravaganten Frisuren – brachte sie ebenso in Misskredit wie ihre freundschaftlich-geschäftliche Beziehung zur

Modistin Rose Bertin. Über die Ausgaben für ihr kleines Schloss Le Petit Trianon
, das sie von Ludwig 1774 als Ort der Erholung abseits der Versailler Etikette zum Geschenk erhielt, wurden überzogene Berichte verbreitet.Die Zahl ihrer Feinde und Neider wuchs.


Coyau / Wikimedia CommonsCC-BY-SA-3.0 & GFDL
Kleines Schloss-Le Petit Trianon

Marie Antoinettes Freundschaft zur Prinzessin Lamballe verlor an Intensität und deren Stellung wurde zunehmend von der Gräfin Polignac 
eingenommen. Der Gräfin gelang es, mehr und mehr Mitglieder ihrer Familie an den Hof zu holen und durch Marie Antoinettes Einflussnahme mit Ämtern und Titeln zu versehen, was der Versailler Hof schlichtweg als skandalös empfand. Die Zahl ihrer Feinde und Neider wuchs. Unter ihnen waren die Tanten des Königs, der Graf von Provonce, der Herzog von Orleans und seine Anhänger im Königspalast.


Marie Louise Élisabeth Vigée-Lebrun Waddesdon, Schloss Versailles - wikipedia
Gemälde der Herzogin von Polignac

In dieser kritischen Zeit besuchte ihr Bruder, Kaiser Joseph II., Frankreich. Er hinterließ der Königin ein Memorandum, das ihr in unmissverständlichen Worten die Gefahren ihres Verhaltens aufzeigte. Joseph drängte das Königspaar zudem, sich endlich der Frage der Nachkommenschaft anzunehmen.



Joseph Hauzinger um 1776-wikipedia
Maximilian Franz von Österreich, seine Schwester Marie Antoinette und deren Ehemann König Ludwig XVI.

Im Dezember 1778 wurde darauf – nach acht Jahren der Ehe und vier Jahren auf dem französischen Thron – die Tochter
Marie Thérèse Charlotte  geboren, die Dunkelgräfin oder die spätere Herzogin von Angoulême. Nach der Geburt des Kindes, das nicht der erhoffte männliche Erbe war, lebte die Königin zurückgezogener.
Mit dem Tod ihrer Mutter Maria Theresia am 29. November 1780 verlor Marie Antoinette eine strenge, aber umsichtige Beraterin. Die Stellung der Königin wurde durch die langerwartete Geburt des Dauphins
Louis Joseph Xavier François am 22. Oktober 1781 nun gestärkt.

Der Einfluss der Familie Polignac erreichte nun einen weiteren Höhepunkt, Madame P. folgte  als Gouvernante der Kinder.

Folgendes Gerücht wurde in Umlauf gebracht: Sie habe auf die Vorhaltung, die Armen könnten sich kein Brot kaufen, geantwortet: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen.“ Dieser Ausspruch stammt nachweislich nicht von ihr.
Wie unpopulär Marie Antoinette nun war, zeigte sich 1785 in dem Betrugsskandal der sogenannten Halsbandaffäre
. An dieser Affäre war Marie Antoinette zwar nicht aktiv beteiligt, doch ihr Lebenswandel machte es dem Volk nahezu unmöglich, an ihre Unschuld zu glauben. Man hatte ihr die Bestellung des Colliers im Wert von 1,8 Millionen Livres untergeschoben.


Urheber unbekannt -wikipedia
Das Halsband, Auslöser der Affäre von 1785/86


Am Tag nach Allerheiligen 1783 erlitt Marie Antoinette erneut eine Fehlgeburt (ein „falsches Gewächs“) im dritten Monat ihrer Schwangerschaft. Marie Antoinette gebar in den folgenden Jahren zwei weitere Kinder, am 27. März 1785 Louis-Charles
, Herzog der Normandie, später Dauphin und von den Royalisten als König Ludwig XVII. bezeichnet, sowie am 9. Juli 1786 Sophie-Beatrix, die allerdings elf Monate später verstarb.



Porträt von Marie Antoinette und ihren Kindern, gemalt 1787 von ihrer Lieblingskünstlerin Élisabeth Vigée-Lebrun, Öl auf Leinwand, (104 x 82) cm, Schloss von Versailles - wikipedia
Dargestellt ist die Königin in mütterlicher Pose, an ihrer rechten Schulter die Prinzessin Marie-Therese-Charlotte,  in ihren Armen der spätere Dauphin Louis-Charles, Herzog der Normandie und am Kinderbett stehend Dauphin Louis-Joseph-Xavier-Francois, Herzog der Bretagne. Die leere Wiege symbolisiert Prinzessin Marie-Sophie-Helene-Beatrice, die ein Jahr zuvor verstarb.

Bei einem Theaterbesuch kurz nach der Halsbandaffäre wurde sie vom Publikum ausgebuht, nun erst wurde ihr klar, was sich über Monate und Jahre an Hass und Missgunst gegenüber dem Herrscherhaus beim Volke aufgestaut hatte. Sie war nun bereit, ihren Lebensstil zu ändern und verzichtete auf kostspielige Annehmlichkeiten, es gab keine
Glücksspiele mehr in ihren Salons, Günstlinge in Trianon verloren ihre Positionen. Sie mied das Theater, Bälle und Empfänge und zog sich in den Kreis ihrer Familie zurück, wo sie sich mit den Kindern beschäftigte, und versuchte, ein neues, stilleres Leben zu führen. Diese Einsicht kam jedoch zu spät.

Bis dahin erlebte
Marie Thérèse Charlotte, auch als Madame Royale bezeichnet,  eine unbeschwerte, sorgenfreie und glückliche Kindheit.

Marie Thérèse Charlotte von Frankreich im Alter von neun Jahren.



Ludwig Karl XVII; Teilweise wird auch angenommen, dass es sich bei der hier abgebildeten Person um den 1. Dauphin Ludwig Joseph Franz Xaver handelt; Der Bruder der Madame Royale stirbt (offiziell) am 8.6.1795 in der Gefangenschaft des Temple. Über eine mögliche Vertauschung und Flucht des echten Dauphins wird bis heute spekuliert. Ein DNA-Test aus dem Jahr 2000 scheint zu belegen, dass er tatsächlich im Temple gestorben ist.


Das Jahr 1789 stellte einen Wendepunkt im Leben Marie Antoinettes dar. Am 4. Juni starb ihr ältester Sohn. Die schlechte Finanz- und Wirtschaftslage Frankreichs sollte durch die Generalstände
beraten werden. Mit der Erklärung des dritten Standes, sich als Nationalversammlung zu betrachten, begann die französische Revolution.

Bilder ohne Quellenangabe stammen aus dem Band „Das große Geheimnis von Hildburghausen“ (Mit freundlicher Genehmigung Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen, Helga Rühle v. Lilienstern und Hans-Jürgen Salier)

Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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