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Teil 3 1795 Die Vertauschung

In den letzten Tagen der Gefangenschaft vertraute sich Marie Thérèse Charlotte der Madame Mackeau an. Diese hatte  Zutritt zur Prinzessin im Temple. In den Memoiren Mackeau´s ist eine Stelle bezeichnend, in der die Prinzessin ihr versichert, welches Grauen sie vor den ihr erwachsenden Aufgaben am Wiener Hof empfinde. Von ganzem Herzen ersehne sie sich ein stilles Leben an einem entlegenen Ort, wenn sich nur eine Zuflucht böte, in der sie vor allen weiteren Aufregungen bewahrt bleiben kann.

Die Prinzessin verlässt am 18.Dezember 1795  in Begleitung des mit den Bourbonen sympathisierenden französischen
Innenministers Pierre Bénézech  den Temple. Einen Tag später wird sie 17 Jahre alt. Die Reise von Paris nach Hüningen dauerte sechs Tage, ein französisches Grenzstädtchen nahe Basel.



Abreise der Prinzessin Marie Thérèse Charlotte von Frankreich in die Schweiz.
Gemalt von C.Antoine Elcij.


Auf dieser Reise entstand von der Prinzessin
folgendes Porträt des Malers Miexy.



Das Miexy-Porträt, entstanden auf der Reise von Paris nach Hüningen, 18-24. Dezember 1795. Kurz vor Hüningen kauft es Broy Nagel, ein Agent des englischen Gesandten Lord Wickham, dem Künstler ab. Das Porträt kommt nach London und wird als Sujet für weitere Kupferstiche verwendet.


Diese Porträt wird erst in Deutschland im Jahr 1803 bekannt.

Die Prinzessin steigt mit ihrem Gefolge am  Nachmittag des 24. Dezember 1795 im "Hotel zum Raben" ("Maison du Corbeau") in Hüningen ab. An diesem Abend trifft auch der französische Gesandte, Bacher, in Basel ein. Er ist verantwortlich für den Austausch der Prinzessin gegen die zwölf Revolutionsdeputierten an die französische Delegation.




"Maison du Corbeau" (Gasthaus zum Raben) in Hüningen, um 1900
Die Prinzessin und ihr Gefolge haben vom 24.-26. Dezember hier gewohnt
.


Am 26. Dezember gegen sechs Uhr abends wird die französische Prinzessin in der Villa Reber am Stadtrand Basels dem Gesandten des österreichischen Kaisers, Prinz de Gavre, dem künftigen Hofmarschall der Madame Royale, übergeben. Es heißt, die Prinzessin habe kurz vor dem Betreten der Villa gezögert und sich angstvoll umgewendet.



Prinzessin Marie Thérèse Charlotte von Frankreich begibt sich in die Villa Reber.
Gemälde con Méchel, Staatsarchiv Basel


Hier war die Vertauschung bereits vollzogen.

Am 25. Dezember bricht der enge Kontakt der Marie Thérèse Charlotte, die eigentliche Madame Royale, zu ihrer Gefährtin Madame de Chanterenne aus dem Temple ab. Die bisher vier von der Prinzessin an Madame de Chaterenne geschriebenen Reiseberichte werden nicht mehr fortgesetzt. Für diese Verhaltensweise kann es nur einen Grund geben, alles, was sich mit der tatsächlichen Madame Royale verbindet, muss beseitigt werden, vor allem um aus der Vertauschung ergebende Widersprüche auszuschließen bzw. zu tilgen.



Variante des Miexy-Porträts (Ausschnitt).
Der Kupferstich trägt die Vermerke Painted bei J.Miexy-Engraves by A.Gabrielli-London Published Juni 1998



Die nach Wien gekommene Prinzessin hat ein anderes Aussehen als das Miexy-Porträt. Nach dieser Vorlage wird von Engelmann ein weiterer Stich gefertigt, wie man sie in Wien gekannt hat. Aufmachung und Kleid sind weitestgehend identisch, der Kopf mit Hakennase  dargestellt.

Zum gleichen Zeitpunkt bediente man sich auch in Paris mit wenigen Mitteln einer Gesichtsfälschung. Ein Porträt soll plötzlich glauben machen, dass Madame Royale eine unübersehbare Hakennase hat. Ihre Kleidung, Haltung und Haare gleichen dem Teleskopbild. Die Prinzessin trägt hier keine Haube und ist gut frisiert.


Das Blatt hat die wenig royalistische Unterschrift M.THERESE CHARLOTTE. Née á Versailles le 19. decembre 1778-File de Louis Capet dernier roi des Francais.
Nichts ist zu lesen von einer Prinzessin, nichts von einem König, genannt ist der von der Kommune eingeführte Bürgername Louis Capet, letzter König der Franzosen.


Noch mal zum Vergleich.....

Das Berühmte Telekopbild unserer Madame Royale.

Indizien eines Personentausches in Hüningen
Aus: Helga Rühle v. Lilienstern; Hans-Jürgen Salier: Das große Geheimnis von Hildburghausen
. – Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen, 2008


Viele Indizien sprechen dafür, dass die Prinzessin sowie die spätere Herzogin von Angoulême verschieden Personen sind:

1. Enge persönliche Beziehungen zu vertrauten Personen brechen abrupt ab, vor allem zu Madame de Chanterenne, der Gesellschafterin im Temple, die an der Reise von Paris bis Basel nicht teilnehmen darf.

2. Die Herzogin von Angoulême hat im Gegensatz zur Prinzessin nicht nur eine ausgeprägte Hakennase, sondern auch eine völlig andere Physiognomie. Es kann sich damit gar nicht um ein und dieselbe Person handeln.

3. Im Gegensatz zur sensiblen Prinzessin ist das Wesen der Herzogin voll Schroffheit und Härte. Napoléon sagt von ihr: "Sie ist der einzige Mann unter den Bourbonen."

4. Angehörige des Hofes erkennen die Prinzessin in der Herzogin von Angoulême nicht wieder.

5. Ihre Handschriften sind verschieden.

6. Axel von Fersen verzeichnet bei seinem Besuch 1796 in Wien in seinem Tagebuch, dass die Prinzessin dort auf einmal ihrem Vater ähnlicher sähe als ihrer Mutter.






Zwei unterschiedliche Schriftbilder:

oben: Handschrift der Prinzessin
Marie Thérèse Charlotte aus dem Temple, Dezember 1795

unten: Die Handschrift der Herzogin von Angoulême vom 22.Dezember 1833





Bilder ohne Quellenangabe stammen aus dem Band „Das große Geheimnis von Hildburghausen“ (Mit freundlicher Genehmigung Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen, Helga Rühle v. Lilienstern und Hans-Jürgen Salier)

Ob manche die AfD mögen oder nicht, muss man für sich selbst entscheiden. Sie ist auf alle Fälle ein Kind der Demokratie. Oder ist für manche Politiker oder Möchtegern-Politiker erst Demokratie erreicht, wenn eine politische Gruppierung in das eigene meist unbekannte Parteiraster passt. Das Eigentor folgt auf der Stelle, wenn sich „alle“ mehr oder weniger aus dem Tiefschlaf Erwachten gegen die AfD aufregen oder positionieren. Kapiert es doch: Das ist Wahlkampf für die AfD. Die Wählerwanderung lässt grüßen.
(Gedanke von Schildburg und Hausen, Mai 2016)
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