Eine Seite für Hildburghausen

1374 - 1440

Die wettinische Zeit Hildburghausens (1374 – 1918) 

© Hans-Jürgen Salier,
 Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen
 Ines Schwamm  

1374 Teilung der Henneberg-Schleusinger Linie 

Hildburghausen ist bis 1918 wettinisch (sächsisch) 

Markgrafschaft Meißen 1374 – 1440
Teil der Sächsischen Ortlande in Franken
zur Pflege Coburg gehörend

Gräfin Margaretha, Tochter Sophias von Henneberg-Schleusingen, bringt den Besitz als Heiratsgut in die Ehe mit Balthasar, dem Landgrafen von Thüringen und Markgrafen zu Meißen, ein. Dazu gehören die Städte und Ämter Heldburg, Hildburghausen, Eisfeld und Ummerstadt. Der Besitz wird später Teil der Sächsischen Ortlande in Franken, der Verwaltungssitz ist Coburg und gehört zur Markgrafschaft Meißen. 

Herzogin Anna bekommt Königsberg/Franken, Schildeck, Kitzingen, Neutlingen. Verkauf 1394 an das Stift Würzburg. Das Amt Königsberg wird 1400 an die Landgrafen von Thüringen veräußert.
Die Bedeutung der Henneberger sinkt, die fortan nur über die Alte Herrschaft (Henneberg, Wasungen, Themar, Schleusingen, Ilmenau und das zur Hälfte zurückgekaufte Schmalkalden) regieren.
 

Friedrich der Strenge und Katharina von Henneberg 

Friedrich III. (der Strenge) (1332 – 1381), Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen, Bruder des Landesherrn Balthasar. Seine Gemahlin Katharina von Henneberg hat ihm als Mitgift einen großen Teil der Grafschaft Henneberg (Pflege Coburg) in die Ehe eingebracht. Später kommen noch Käufe sowie durch Gewalt erzwungene Abtretungen hinzu. 

Balthasar (1336 – 1406) aus dem Haus Wettin erhält nach dem Tod seines Bruders Friedrich der Strenge gemeinsam mit dem Bruder Wilhelm und den Neffen Friedrich der Streitbare, Wilhelm der Reiche und Georg nach der Chemnitzer Teilung im Jahr 1382 den Besitz. In erster Ehe ist Balthasar seit Frühjahr 1374 mit Margaretha, Tochter des Burggrafen Albrecht von Nürnberg, verheiratet, nach ihrem Tod in zweiter Ehe mit Anna von Sachsen. In der Regierung Thüringens folgt ihm sein Sohn Friedrich der Friedfertige aus der Ehe mit Margaretha nach.

1374
Landgraf Balthasar erkennt der Stadt das Stadtwappen zu, das bis heute nahezu unverändert geblieben ist.
Landgrafschaft Thüringen: In Blau goldgekrönter und bewehrter, von Rot und Silber quergestreifter Löwe (Felder 1 und 4); Markgrafschaft Meißen: In Gold rotbewehrter schwarzer Löwe (Felder 2 und 3).


Balthasar von Wettin – Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen
(* 21. Dezember 1336, Weißenfels – † 18. Mai 1406, Wartburg b. Eisenach).
Nach einer Zeichnung (Reproduktion) aus dem Lucas-Cranach-Haus in Gotha (Infotafel).

 

1374 – 1406
Mit der Teilung der Pflege Coburg richtet Balthasar in Hildburghausen eine Münzstätte ein. Es werden Groschen und Heller geprägt.


1387
Die Stadt kauft den Hof Kaltenbronn (auch Kaltenbrunn genannt), ferner das Heckenbühlholz und Eichenzagel (vorher im Besitz des Greif v. Heßberg, 1406 Fritz v. Heßberg). Landgraf Balthasar gibt die Einwilligung. 

1388
Eine Brandkatastrophe vernichtet einen Großteil der jungen Stadt Hildburghausen, auch das Steinhaus wird ein Opfer der Flammen, ebenso der Veßraer Mönchshof. Vermutlich gehen bei diesem Unglück wichtige Urkunden und Sachzeugnisse verloren, die auf eine frühe Herkunft und Besiedlung schließen lassen können. Für den Wiederaufbau der Stadt gewährt der vorausschauende Landesherr Balthasar zehn Jahre Steuerfreiheit.
Sein mit Anna v. Schwarzburg vermählter Sohn Friedrich (der Friedfertige [1406 – 1440]) fügt den 1388 verbrannten Privilegien das Recht hinzu, fünf freie Jahrmärkte abzuhalten. 

Die Bürger wenden sich an Friedrich, um sich „... üm briefe, die sie von alder von der herschaft von unßeren vatr seligen, dem got gnädig sei, und dem von hennberg einteils brife süllen gehabt habn, der sy von brandes wegen anig worden sein.“ Die Bürger wollen sich „gesecze, freyunge, gewonheit und rechte“ bestätigen lassen. 

1388 und 1412
Hildburghäuser Bürgerlisten verzeichnen den Juden Gutkind. Heinrich und Wilhelm v. Henneberg schulden ihm einen beträchtlichen Geldbetrag, der erst nach 1412 vollständig abgetragen wird. Vom 01.07.1404 ist überliefert, dass Graf Heinrich Schulden in Höhe von 160 fl. rhein. hat 
„alle gut am golde und swer genug am gewichte gegen den bescheiden juden gutkind gesessin zu Hilpurghusin, Hennlynne sinem wibe und iren eydemen Samvelen und Abram gesessin zu Koburg und allen iren erben“.

Heinrich verspricht zu zahlen und setzt einen Bürgen mit dem Recht der Pfändung ein.
Am 09.02.1412 korrigiert Gutkind Wilhelm v. Henneberg, dass er die Schulden seines Vaters Heinrich V. bis auf eine Restsumme von 350 fl. beglichen hat. 

1394
Das Hildburghäuser Recht wird an Ummerstadt weiter gegeben. 

1395
Landgraf Balthasar schenkt den Bürgern auf deren Bitte hin die Ruine des Steinhauses zum Bau eines Rat- und Kaufhauses. Teile des Vorgängerbaues sind bei archäologischen Untersuchungen im Historischen Rathaus nachgewiesen worden. Die Schenkungsurkunde legt fest, dass die auf dem Markt befindlichen Brot- und Fleischbänke im Rathaus unterzubringen seien. Die Zinseinnahmen sollen für die Wartung und den Ausbau der Stadtbefestigungsanlagen verwendet werden. 

In der Schenkungsurkunde wird das Steinhaus noch einmal erwähnt:
„... steinhuse daran alle Holczwerg verbrant und abgethan“ mit einer „hoffestad die dazcu gehorit und gelegin ist in derselben unser stad an dem marte.“ Weiter wird vermerkt: „wanne wir gerne sehen daz unser stad und unser burger darinnen sich gebessern mügen haben wir ihre bete (Steuern, d. Verf.) daran erhorit ... Sie sullen auch abelosen und abethun alle brot und fleischbencke die uff irem marte gelegin sin und die mit ander kauffman schacz als czymelich ist legen in ditz selbe kauffhus und waz sie czinse und gulde darinne gemachen mügen die sullen genczlichen und gar yn volgen czu bessern und czu befestigen unser stad an Türmen ...“
Größe: 31 m x 13,40 m, 3-stöckiger Bau. Erd- und 1. Obergeschoss aus Bruchsteinmauerwerk, 2. Obergeschoss mit Steinen ausgemauertes Fachwerk; Gebäude mit 2 ‚sölern’ (Böden) ausgestattet, der oberste Boden als herrschaftlicher Getreideboden. Der hohe Dachraum ist in vier Ebenen untergliedert. Ziegeldach, Dachreiter mit anschließendem Turmwächterhäuschen entlang des Firstes mit Schieferbeschlag (1572, nach Sturmkatastrophe erneuert) und eine Glocke, vermutlich seit 1445 Uhr auf dem Rathaus. Großer Gewölbekeller, vom alten Steinhaus stammend, ist als Bier- und Weinlager genutzt worden.
Im Erdgeschoss Brot- und Fleischbänke, evtl. auch Ratswaage; 1. Obergeschoss für den Rat vorbehalten (Bürgersaal, Ratsstube); 2. Obergeschoss (vermutl.) Tuchboden. 

1395
Siegel der Wollenweber
(„wulleinweber“) auf einer Vertragsurkunde. Vier Löwen mit Umschrift „S. Civitatis Hilpurgshusen“; ein kleineres Siegel mit aufrecht stehendem schwarzem Löwen in goldenem Feld (ähnlich wie Coburg, Eisfeld, Sonneberg, Neustadt a. d. Haide [bei Coburg], [Bad] Rodach, Ummerstadt, Königsberg/Fr.).
Erstmals werden Zünfte erwähnt: Bäcker und Fleischer sowie die bedeutende Zunft der Tuchmacher, auch die Walkmühle wird erstmals genannt.

1395
Als Besitzer der Walkmühle
(„... walkmule gelegin vor dem Oberthor in der Sliffewisen“) wird Johann Mulich genannt.

1398
In Häselrieth wird ein Geistlicher erwähnt.

1399
Abt Albrecht v. Veßra erwirbt den Hof Elmutwinde.

Ende 14. Jahrhundert
„Regensburger pfennig a. 1395“ sind als Zahlungsmittel sehr beliebt, da es sich um schwere Silberpfennige handelt. Sie werden von den Münzstätten oft aufgekauft und zu minderwertigem Geld umgeprägt.

1401
In Ebenhards liegt auf einer Hochfläche oberhalb des Dorfs, vom alten Friedhof umgeben, die 
Capelle zu Unser Liben Frawen (nach dem Erbbuch des Amts Heldburg, 1517), eine Hildburghäuser Filialkirche.

1404
Bischof Johann I. von Egloffstein, Würzburg, verspricht den eifrigen Besuchern der St.-Lorenz-Kirche in Hildburghausen einen 40-tägigen Ablass. Johann ist 1402 Gründer der Würzburger Universität, eine der ersten in Deutschland.

1406 – 1440
Nach dem Tod von Landgraf Balthasar (18.05.1406) wird Landgraf Friedrich (der Friedfertige oder der Einfältige) (* 1384 – † 04.05.1440) bis 1440 Stadtherr. Seine Regierungszeit ist ruhmlos und entwicklungshemmend.

1406
„Den 16. Junii ist ein schrecklich Sonnen=Finsterniß gewesen, daß auch die Leut einander kaum sehen oder kennen können.“

(Güth: Poligraphia Meiningensis. S. 175) 

1409
Die Kapelle 
heilige Katharine in Bürden wird erwähnt. Aus dieser Zeit ist der Turmunterbau noch erhalten. Der Ort hat schon bald eine eigene Pfarrei. 1517 wird sie durch die Veilsdorfer Mönche vereinnahmt, 1528 werden die Mönche durch die Reformation jedoch endgültig verdrängt.

1412
Die Stadt Hildburghausen huldigt Friedrich (der Streitbare) und Wilhelm (der Reiche), weil sie Landgraf Friedrich (der Friedfertige) als Marionette ansieht.

1412

Das älteste Bürgerverzeichnis wird angelegt. Nach dem Stadtbuch I gibt es 173 173 Hausbesitzer, 51 Hausgenossen („husgenoszin“), 4 vor dem Tor Wohnende, 17 Auswärtige. Das entspricht einer Gesamteinwohnerzahl um 1.100 bis 1.300.

Aus dem Bürgerverzeichnis wird ersichtlich, dass den Namen oft das Gewerbe angefügt ist (z. B. Müller, Schmied, Wagner, Weber usw.). Die Namen sind noch nicht erblich. Das Einwohnerverzeichnis gibt auch die
Personen an, die vor der Stadt wohnen, die sogenannten Pfahlbürger. 

1413 und 1429
Im Stadtbuch werden die beiden Juden Ganns Jüd und Semplin Jüd als Geldverleiher erwähnt. 

Israeliten wird immer die Bezeichnung „Jud“ beigefügt.
Juden (auch Kinder und Frauen) haben – wie im 12. bis 15. Jahrhundert üblich – einen spitzen gelben od. grauen Judenhut zu tragen. 

1414
Landgraf Wilhelm spricht bei der Schiedung der Zent von
„Alters Herkommen“. 

Im Pergamentbüchlein ist erwähnt:
„... ein uspruch und schidung wi unss hr marggraf wilhelm den rat und Gemeinde geeint hot mit einand umb ire czweitracht.“
Den Zwölfern (Stadtrat, sogenannter innerer Rat) werden acht Beisitzer (sogenannter äußerer Rat) beigegeben, bisher zwölf.
Jährlich wird ein neuer Rat gekiest (gewählt) und die Wahl mit den Stadtinsiegel beschrieben und vom Landesherrn bestätigt, „daß aber nach dieser Bestätigung der Amtmann zu Heldburg von der Herrschaft und Gemeine wegen gen Hildpurghausen komme und Acht aus der Gemeine dazu gebe, die Land und Leuten, Arm und Reich dazu nutz und tüglich, zu solchen Sachen kommen und gehen sollen als das des Alters Herkommen ist, dazu sie auch den Rat heischen und nehmen soll, wann und wi dicek des not sein wirdet.“ 


Die Stadtämter werden verwaltet vom Bürgermeister, den Bau-, Kasten-, Hof-, Viertels- und Weinmeistern. Die Bürgerschaft wählt die Brot- und Fleischschätzer und die Zeichenmeister. Erster Ratsbeamter ist der Stadtschreiber (notarius publicus). Ferner sind Stadtförster, Büttel, Torwärter, Flurknechte u. a. tätig.
Ratsbefugnisse sind die Einbürgerung und die Steuereinnahme, das Pfänden wissentlicher Schulden. Beim Wegzug aus der Stadt erhebt der Rat auf alle Güter inner- und außerhalb der Stadt 10 Prozent, für das Brauhaus wird das Kessel- und Zeichengeld erhoben, für die Ratswaage das Waaggeld, das Meistergeld nach Innungstaxe, die Hälfte des Zolls.
Der Landesherr erhält die andere Hälfte des Zolls. Er ist beteiligt an den Einnahmen an den Wegen und Stegen der Stadtgemarkung und bekommt anteilig von den Handwerksbußen. Von ihm werden die Maße und Gewichte überwacht.
Hauptbürgerrecht ist das Braurecht. Ein Haus darf ein halbes Gebräu, ½ Haus oder ein Hausgenosse ein Viertel Gebräu in jedem Los brauen und auszapfen. Die Brennholzversorgung ist durch die Maßgerechtigkeit geregelt.
Die Hutgerechtigkeit besteht auf ausgewählten Wiesen. Nach dem Erbbuch von 1340 sind alle Bürger mit Hutrecht zum Bannweintrinken verpflichtet. Die Bürger müssen den Wein, den die Landesherrschaft nicht benötigt, abnehmen.
Die städtischen Fischwasser dürfen befischt werden. Den Bürgern ist der Handel mit Hopfen, Wolle, Eisenwerk usw. gestattet.
Zu den Bürgerpflichten gehören u. a. Fron- und Wachdienst, Kriegsdienst. Klagen zwischen den Bürgern müssen dem Rat vorgebracht werden.
Für den Rat gibt es keine einheitliche Benennung. In den Urkunden und Stadtbüchern treten folgende Bezeichnungen auf:
1406              die ehrsamen Weisen, des Rats Meister, Rat und Statt;
1423           
  gesworene czwelf
1436              Ratsgenossen, Einer des Rats
1438              
Ratsmänner
1439             Wir die Bürgermeister N. N. und mit uns die czwelfe des Ratis und ganze                             gemeyn, arm und reich, jung und alt
1440            
 des Rats 

1414 – 1418
Karl von Heßberg ist Teilnehmer am Konzil von Konstanz (05.11.1414 – 22.04.1418). In der „Konzilschronik des Ulrich von Richenthal“ ist das Wappen des Heßbergers neben dem anderer fränkischer Adeliger mit dem Zusatz abgebildet: „Dies(e) seint aus Francken.“ 

Das Konzil ist auf Betreiben des römisch-deutschen Königs Sigismund von Gegenpapst Johannes XXIII. einberufen worden. Ziel ist die Wiederherstellung der Kirche gewesen und eine Kirchenreform, vor allem ging es um Reformen zu innerkirchlichen Zuständen, die weltliche und kirchliche Vormachtstellung mit allen Mitteln.
Auf das Konzil ist auch Jan Hus (1372 – 1415) geladen worden. Hus ist ein böhmischer Gelehrter, Priester und zeitweise Rektor der Karls-Universität in Prag sowie Begründer der hussitischen Bewegung. Er wird der Häresie angeklagt, weil er mit seiner Lehre im Widerspruch zur herrschenden Lehre steht und wird als Ketzer gebrandmarkt. Er widerruft seine Lehre von der „Kirche als der unsichtbaren Gemeinde der Prädestinierten“ nicht. Er lehnt es ab, die Lehrautorität des Konzils anzuerkennen. Am 6. Juli 1415 wird er zum Feuertod verurteilt, das Urteil wird noch am gleichen Tag vollstreckt. Die Hinrichtung löst den ersten Prager Fenstersturz aus und die Hussitenkriege (1419 – 1439), die große Teile des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verwüsten, auch bis in fränkische Gebiete. 

1415
Die Stadt bestellt einen Bader (und 
„czwen knecht und czwu meid zu halten einen scherer, einen abczieher ...“). 

1416
Das Braugewerbe in Hildburghausen wird erwähnt. Bereits 1414 ist dokumentiert, dass für das Brauhaus ein Kessel- und Zeichengeld erhoben wird. Das ist ein Hinweis, dass das Braugewerbe bereits eine lange Tradition hat. 1441 werden im Stadtbuch I eindeutige Forderungen zur Anstellung eines Braumeisters festgelegt. Auch wenn heute das bayerische Reinheitsgebot von 1516 immer wieder hervorgehoben wird, kann davon ausgegangen werden, dass hier und anderswo bereits nach den gleichen Rezepturen gebraut worden ist, die man heute als bayerisches Reinheitsgebot werbewirksam vermarktet.

1416
Der Hildburghäuser Stadtrat stiftet zur Frühmesse auf den St.-Katharinen-Altar der
St.-Lorenz-Kirche u. a. fünf Wiesen und zwei Äcker in der Häselriether Mark.
In Hildburghausen wird nach Coburger Vorbild eine neue Besteuerung der Bürger eingeführt. 

1417
Bauliche Fertigstellung des Rathauses. 

1419
Im St.-Lorenz-Zinsbuch wird die Kreismühle (seit 1552 Kempfesmühle) an der Werra in Häselrieth erwähnt, 1462
Kressermül, 1515 Kreyersmüll, 1552 kommt sie in den Besitz der Familie Kempf und wird Kempfesmühle genannt. 

Die Mühle hat auf dem Gelände der ehemaligen Wäscherei am Kehrweg 4 ihren Standort. 

1419
Alte Stadtprivilegien werden von Landgraf Friedrich erneuert (Pfändung wissentlicher Schuld, Bürgerannahme, fünf Jahrmärkte, dazu sonnabends Wochenmarkt). 

Die fünf privilegierten Märkte

- 29.09.                    Michaelismarkt                             (s. 1331)

- 05.06.                    Bonifatiusmarkt                            (s. 1340)

- 10.08.                    Laurentiusmarkt                           (s. 1340)

- 25.11.                    Katharinenmarkt                          (s. 1340)

- 17. bis 19.12.         Weihnachts- od. Christmesse        (s. 26.09.1722) 

1420
Stadtbefestigungsanlagen werden erwähnt (Planken, Wall, Pfahlwerk, Graben). Die Obere und Untere Vorstadt werden notdürftig mit einem Zaun geschützt.
In einer Urkunde vom 20.02.1323 heißt es wegen eines dem Kloster Veßra gehörenden Hofes in Hildburghausen
„intra muros“ (innerhalb der Mauern). Ob zu dem Zeitpunkt bereits erste Teile der Stadtmauer gestanden haben oder ob es sich um eine Redewendung handelt, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.
Seit 1463 sind Pfahlwerk und Planken nachweisbar. Die St.-Lorenz-Kirche am Standort der heutigen Christuskirche ist mit einer Mauer umgeben und erfüllt damit die Funktion einer Wehrkirche. Wann jedoch die Stadtmauer tatsächlich geschlossen worden ist, bleibt unklar.
1543 wird eine Steinmauer aus Feldsteinen erwähnt. Die Stadtbefestigung hat eine Ellipsenform, die lediglich im Süden bzw. Südosten – bedingt durch den Absatz – und die Einbeziehung der
St.-Lorenz-Kirche durchbrochen wird. Die eigentliche Stadtmauer im Süden liegt also oberhalb des Absatzes (am heutigen Parkplatz in der Clara-Zetkin-Straße).
Aus den Resten der heute noch vorhandenen Stadtmauer kann abgeleitet werden, dass das Mauerwerk ca. 1,10 Meter stark und 8 Meter hoch gewesen ist. Die Mauer hat 26 Türme, davon 2 Tor-, 2 Rundtürme im Norden und Süden sowie 22 Halbschalentürme. Davon sind noch 7 unterschiedliche erhalten geblieben. Bis zum 18. Jahrhundert umgibt die Stadt ein 10 Meter breiter und 5 Meter tiefer Graben, der später verfüllt worden ist. Am westlichen Ende der Unteren Marktstraße haben das Unter- oder Römhilder Tor, in Höhe der heutigen vr bank Südthüringen eG das Ober- oder Eisfelder Tor das Stadtbild mitgeprägt. Die Bauwerke sind 1828 bzw. 1838 eingelegt worden. Abbildungen sind unbekannt. 

1420
Die ansässigen Juden bekommen neben den Christen einen amtlichen Badetag zugeordnet.
„... daz man die Juden nicht mit der Christenwelt laßn baden und daz si in der wochn einen eigenen badtag haben sollten on der stat schade“ Der Badetag ist bereits im kanonischen Recht vorgeschrieben.
(Nach: Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999, S. 590) 

1420
Der Kapellbrunnen am Spittelbach wird im Wachszinsbuch die Kirche
St. Lorenz erwähnt. 

1420
„Unser Badhaus und Badstuben oben in der Gassen gegen den neuen Ercken gelegen“, 1528 wird im Stadtbuch II die Badstube in der Pfarrgass erwähnt (heute Johann-Srbastian-Bach-Straße). 

1420 – 1425
Die Stadt ist im Besitz von Wilhelm der Reiche, eine Neffe von Balthasar, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen. 

1420
Der Stadtreiter Hannsen Hein steht im öffentlichen Dienst (Stadtbuch I, 84):
„... am pfingstabend hat man hannsen hein gedinget daz man im und sein pfert dass iar sal geben XXIX guldin daz er von der stat wegen reit wann man sein darff und daz er der stat pferde wartet und man sal seinem pferd dass iar von der stat wegen hew geben ... und man sal im geben einen rock nach der stat eren und seinem nucz. 

Private Besorgungen übernehmen im 15./16. Jahrhundert Boten und Kaufleute, Mitte des 16. Jahrhundert überbringen zur Messzeit Kaufleute, Fuhrmänner (Kärner, Hefenführer) Nachrichten. Das Stadtbuch nennt z. B. Veit Döll (1560) und Michael Amstein (1609), Jobst v. Hausen (1633). 

1421
Im Stadtbuch I wird bei einem Verkauf vermerkt:
„... czwen ackir bey dem altin wege.“
(Nach: Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999, S. 347)

Um 1421 – 1426
Vor dem Eisfelder Tor Auf dem Baumgarten (Oberer Kapellenstieg) wird die Kapelle Zu unserer lieben Frau erbaut, die nach der Reformation (1528) eingeht.

1423
Nach einem Begnadungs- und Lehnsbrief muss die Stadt aus dem Stadtwald Leistungen gegenüber der Stadtherrschaft erbringen, so werden z. B. 1560 und 1583 aus dem Heckenbühl Hunderte starke Bäume zum Kalkbrennen auf die Veste Heldburg gebracht. 

1423
Die Stadt dingt einen Steinmetzen (Stadtbuch I). 

1423
Das Stadtbuch I vermerkt:
„hans störch von Coburg vor dem Burgemeister, einem czwelfer und den stadtknechten sein haus uffgeben, für frei ledig hus als statrecht von altem herkommen und noch ist.“ 

1423
Nahe des Goldbachs wird ein Spital für Arme, Kranke und Reisende gestiftet, Dieser Bachabschnitt wird später auch als Spitalbach od. Spittelbach bezeichnet. 

1423
Hildburghäuser Recht wird an Heldburg weitergegeben. 

Nach 1423 bis zur Reformation
„... Die Gemeinde zu Hildburghausen unterhielt nachweislich von 1423 bis zur Reformation 2 Siechhäuser und 1 Blockhaus. Sie dienten den Armen, Alten und Kranken sowie Irren und Aussätzigen als einzige Zufluchtsstätte, so das Siechhaus und Spital am Spittelbach (Eisfelder Straße) für Arme, Alte und Kranke sowie das Seuchen- und Siechenhaus bei der St. Niclaskapelle mit Blockhaus für Aussätzige, Seuchenkranke und Irre. Bedürftige, Alte und Kranke wurden von der Gemeinde durch das Almosenwesen unterstützt. Wohlhabende Bürger vermachten der Kirche Spenden, sogenannte Elenden Kerzen oder Schüsseln, Jahrtage und Seelenmessen oder ewige Begängnisse. Die Einnahmen und Ausgaben überwachte ein Heiligen- od. Kerzenmeister, der auch darüber Rechenschaft ablegen mußte ... Zu bestimmten Zeiten (Jahrtagen, Festtagen, Kirchenfesten) wurden Brot und Fleisch, auch Gemüse und Suppe an die Bedürftigen nach dem Gottesdienst verteilt.“

(Nach: Karl-Heinz Roß; Dr. Hanspeter Wulff-Woesten) 

3. Juli 1424
Vertrag zwischen Markgraf Wilhelm (d. Reiche) und Georg (d. Große) v. Henneberg-Hartenberg zur Errichtung der Landwehr (von Cronberg bis Fluss Milz durch Wilhelm, von dort bis Roth durch Georg). Im Vertrag heißt es: "
... um besseres frides nucz und Schirmes willen unser Lande, Lüte und Herrschafft." 

Die Landwehr ab Poppenhausen bis Simmershausen besteht aus einem Graben, nach Roth und Zeilfeld sowie Ebenhards mit einem Doppelgraben und bis Lichtenau aus einem Graben.
Georg betreibt eine Bündnis- und Sicherheitspolitik zur Stärkung der Grafschaft und als Vormund über Henneberg-Schleusingen. G. gilt als bedeutender Staatsmann, er überstrahlt die Schleusinger Linie. 

Die Eisfeld-Hildburghäuser Landwehr erstreckt sich von der Lichtenauer Gegend über das Heckenbühl, am Dambach abwärts, über den Höhnberg, durch den Brünnhof nach Zeilfeld, Roth und Gleicherwiesen. Die sächsischen Ämter Eisfeld und Hildburghausen werden geschieden von den hennebergischen Ämtern Schleusingen und Themar. 

Bis 1425
„... von Rugeriht“ (Reurieth) besitzt „17 Huben zu Hesselrieth“.

(Nach: Schultes) 

1425 – 1428
Nach dem Tod von Wilhelms der Reiche ist Hildburghausen im Besitz von Friedrich dem Streitbaren, er ist ein Neffe von Balthasar, Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen.

Friedrich I. (der Streitbare) – Stadtherr von 1425 – 1428
(* 11. April 1370 – 4. Januar 1428, Altenburg) – ältester Sohn von Friedrich III.

 

1426
Im
Stadtbuch I wird das Stadtinnere beschrieben: „... badgass, huss und hoff an dem mart gelegin, huss in der gass beycüncze goczen, hawss gelegn an dem obern kasten, husung gelegin bey dem storch ercker, an der mouer, yn der gass bey der mönchhofstatt mit stadel, nonngass, münch ercker, badhus oben in der gassgein dem neuen ercker, vor der Mauer: mül vor der stat, husunge un der vorstad, an dem graben vor dem ober thor, usser graben bis an dy czillestad ...“ 

Älteste Häuser sind u. a. das Rathaus (Steinhaus oder Kemenate genannt), die St.-Lorenz-Kirche und die Kapellen sowie die geistlichen Gebäude und Schulen, die Mönchhofstatt (Veßraer und Veilsdorfer Terminei), Schlundhaus, Garküche und das Siechhaus am Gollbach (Goldbach). 

Aber auch die Beschreibung der ältesten Flurnamen nach alten Urkunden und Aufzeichnungen im Stadtbuch I ist sprach- und siedlungsgeschichtlich außerordentlich interessant: "... bei der Walkmul, Jörgethal, wisen, di der heiligen was, vor den linthengein den Kaltebrunner Weg, bei dem wer an der Werrache ober dem creisswer, acker vor dem dornecht, wisen unde weingk der steinbrucken, arddecker yn der statmark, under den stegen bei dem Sichhause, Krautgarten, der do gehort czu der münch hofstad, hopfberg an der rote leyte, garten uf dem nyderbruch, buch bey unsern tiergärten, anspan (daz si den weg fülle lign lassn unden gein dem anspann daz man da gereite und gefahre müg)."
Im St.-Lorenz-Zinsbuch werden 1462 erwähnt:
„wisse under dem rote leytenbron, bey dem juden graben, am hauck, dy seylochen, hinder der hohen warth, bey St. Nicklas Kirche oder sichhus, acker in den trockenbach, ober der zent, under dem sichhus in dem spiczlin, an der wechters wisse, in dem goltbach, hinder der Kappel, bey der newen brucken, vor dem obern thor, in der gruben, im wolfsloch, im renckebach, in strickn, am Kerweg, gartin hinter dem brawhus, pfarrer garten ober der zent, cruozacker, hoffstatt vor der pforten, Krawtgarten uff dem buch, romgarten.“
(Nach: Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. 1908, S. 35) 

1426
Friedrich, Landgraf von Thüringen und Markgraf zu Meißen bestätigt die fünf Jahrmärkte in Hildburghausen und verfügt, dass der Bonifatiusmarkt auf den 1. Sonntag der Allemannen-Fastnacht gelegt wird. Er verliert damit seinen eigentlichen Namen. 

1427
Im Stadtbuch I heißt es zum Questenberg (Häselriether Berg) und zum Weinanbau:
„Anno 1427 am dinstag nach inocavit in der vasten vor aple und hoff und den weinberg am quessenberg sassen seim eydam, dem säkelmeister und peter herdan ungern eydem für ein vaß wein da sy seim berg sein ongeverde.“ 

1427 und 1428
Im Stadtbuch I wird ein
„peter meister von der newenstatt“ (neue Stadt, hier evtl. auch Vorstadt) erwähnt. Erstmals wird 1428 eine Vorstadt im Stadtbuch genannt: „... husunge in der vorstad belegen.“ 

5. Januar 1428
† Friedrich der Streitbare.
Hildburghausen fällt an Friedrich II., der Sanftmütige, ältester Sohn von Herzog und Kurfürst Friedrich I. (1370 – 1428) und seiner Frau Katharina von Braunschweig-Lüneburg (1395 – 1442) und Wilhelm III., der Tapfere (1425 – 1482, Herzog von Sachsen, seit der Altenburger Teilung erhält er den fränkischen und thüringischen Teil des Kurfürstentums (Landgraf von Thüringen). 

1428
In Häselrieth wird der Schultheiß Conrad Swemlyn genannt. 

Um 1428
In der Kapelle
„Zu Unserer Lieben Frau“ in Hildburghausen an der heutigen Eisfelder Straße werden Altäre zu Ehren des heiligen Kreuzes und des Frankenapostels St. Kilian geweiht. 

1430
Die Hussiten berühren bei Kriegszügen nach Westen vermutlich auch die Peripherie des heutigen Landkreises Hildburghausen. Der Heldburger Amtsverwalter Sieber schreibt 1819 über das Salzwerk Lindenau:
„Im Jahre 1432 ist die Saline von den über Bamberg und Würzburg hierher gestreiften Hussiten vernichtet worden." 

Die Aussage ist zweifelhaft, die Hussiten fallen bereits 1430 nach Franken ein, und im Nachhinein gibt es manche Legendenbildung, die über lange Zeiträume kritiklos von einzelnen Autoren übernommen worden ist. Die da und dort getroffene Feststellung, dass auch Hildburghausen in Mitleidenschaft gezogen worden sei, ist jedoch auszuschließen. 

1430
Erstmals heißt es im Stadtbuch Hildburghausen
„vor dem oberin thor“. 

1432
Erstmals wird im Stadtbuch das Wort
„ratthus“ für Rathaus erwähnt. 

1433
Im
Stadtbuch I werden Torwächterdienst und Lohn beschrieben: „hat man gedinget clausen kremer an das obir tor und dar uff czu ligen alle viertel jar II sch czu geben und nach michaelis czwen Rock ye ein fur XV gr. und ein par schuwe fur XII gr. und alles dinges frey ußgenommen seiner beth das iar und sal antreten petri auch sal er keynerley ym tor krawt oder hew rewffen eß gunn ym einer und wolle ym das willig geben.“ 

6. Juni 1436
Regiomontanus (eigentlich Johannes Müller) in Königsberg/Franken (Stadt und Amt Königsberg gehören von 1683 – 1826 zum Fürstentum/Herzogtum Sachsen-Hildburghausen), († 1476, Rom). Regiomontanus ist der bedeutendste Mathematiker und Astronom des 15. Jahrhunderts. 

1438
Kapelle
Zu unserer lieben Frau wird vom Stadtrat und der Bürgerschaft mit einer zweiten Vikarie bedacht. 

4. Mai 1440
† Landgraf Friedrich (d. Friedfertige) auf seinem Schloss in Weißensee. Nach 36-jähriger zumeist unrühmlicher Regierungszeit fällt das Land an seine beiden Vettern, Kurfürst Friedrich II. (der Sanftmütige) und Herzog Wilhelm III. (der Tapfere). 

1440
Im
Stadtbuch I wird die steinerne Brücke über die Werra bei der Marter (nahe dem Burghof) erwähnt: „czwen ackir wysen gelegin unweng der Steinbrucken“, 1462 wird sie „newe Brucken“ genannt, 1640 restauriert. Ihr ursprüngliches Aussehen dürfte der Häselriether Brücke ähnlich gewesen sein, die ebenfalls 1640 nachgewiesen ist.

Das Marterle an der Werrabrücke in der Friedrich-Rückert-Straße.
Das abgebildete Original befindet sich heute im Stadtmuseum.

 Ab 1446
Das Benediktinerinnenkloster im benachbarten Veilsdorf (heßbergisches Hauskloster) wird u. a. wegen zu geringer Einkünfte von Bischof Gottfried v. Würzburg und Herzog Wilhelm von Sachsen in ein Benediktinerkloster umgewandelt. An der Nordseite des Marktes/Apothekergasse) hat es eine Terminei gegeben, hier sind vermutlich die Apotheke und die Niederlage (Warenlager) des Klosters untergebracht.

Mitte des 15. Jahrhunderts
In der Region kommt es zur Siedlungskonzentration.

Die Entdeckung, dass es so einfach nicht ist, wie man gedacht hat, ist als Gewinn anzusehen.
(Carl Friedrich von Weizsäcker
1912 – 2007
deutscher Physiker, Philosoph und Friedensforscher)
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