Eine Seite für Hildburghausen

1826 - 1870

Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen

© Hans-Jürgen Salier
Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen
Ines Schwamm 

(1826 – 1918) 

12. November 1826
Teilungsvertrag von Hildburghausen

Herzog Friedrich verzichtet auf das Herzogtum Sachsen-Hildburghausen zu Gunsten von Sachsen-Meiningen.
Hildburghausen umfasst, ausgenommen die an Coburg fallenden Ämter Sonnefeld und Königsberg/Franken, 11 Quadratmeilen mit 33.000 Einwohnern; 5 Städte, 131 Dörfer und Weiler; 200.000 Gulden Einkünfte und 78.000 Gulden Staatsschulden.

Den Hildburghäuser Oberbehörden wird das Fürstentum Saalfeld zugewiesen.

1. Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
(ab 1903: Großherzogtum Sachsen)
Fürstentum Weimar mit Exklave Allstedt
Fürstentum Eisenach mit Exklave Ostheim/Rhön
Neustädter Kreis

2. Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen (SMH)
- Herzogtum Meiningen mit Exklave Camburg mit der Saline Neusulza und Vierzehnheiligen (Thür.) sowie 15 Ortschaften im Amt Eisenberg
- Herzogtum Hildburghausen mit den Ämtern Hildburghausen, Veilsdorf, Heldburg, Eisfeld und Behrungen
- Fürstentum Saalfeld mit den Ämtern Saalfeld und Gräfenthal, dem Amt Themar sowie sieben am linken Ufer der Steinach liegenden Dörfern
- das gothaische Amt Kranichfeld, das gothaische Drittel von Römhild
Coburger Ämter Neuhaus und Sonneberg

(Territorialer Zuwachs: 25 Quadratmeilen mit 71.181 Einwohnern (1826 = 130.000 Einwohner), Vermehrung der Staatseinkünfte um 200.000 Gulden.

3. Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha
- Fürstentum Coburg mit Exklave Königsberg/Franken
- Fürstentum Gotha

4. Herzogtum Sachsen-Altenburg
- Ostkreis
- Westkreis
Zur Zeit des Teilungsvertrags ist das Gebiet Thüringens in insgesamt 38 Territorien zersplittert. 

Regentenübersicht 1826 – 1918 Sachsen-Meiningen-Hildburghausen
1826 – 1866                       Bernhard II. Erich Freund
1866 – 1914                       Georg II.
1914 – 1918                       Bernhard III.

Übersichtskarte der Thurn und Taxisschen Lehnspostorte in Thüringen nach der letzten ernestinischen Landesteilung 1826 (1826 – 1867).

Aus: Kurt Reum und Hans-Jürgen Salier: Thurn und Taxissche Ortsaufgabestempel in Thüringen. – 1977 (Kartenbeilage)

Großes Wappen des Herzogtums Sachsen-Meiningen-Hildburghausen.
Zeichnung von Hugo Gerard Ströhl (1851 – 1919), österreichischer Heraldiker

„Gruss aus Sachsen-Meiningen-Hildburghausen“
Herzogliches Wappen (Prägedruck). Verlag unbekannt, um 1900.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

12. November 1826
Die Katholiken der Stadt Hildburghausen müssen sich mit dem Wegzug des Hofes neue Räumlichkeiten für ihre Glaubensausübung suchen. Das ist auf die ablehnende Haltung des neuen Landesherren zurückzuführen. Vorübergehend wird das „Schlundhaus“ in der Marktstraße genutzt. Die Paramente und Kirchenutensilien sind von Zelebranten privat aufbewahrt worden.

17. November 1826
In den frühen Morgenstunden verlässt Herzog Friedrich mit Gefolge ohne Abschied „seine geliebten“ Hildburghäuser Untertanen und sein Land. Vergessen sind die Treueschwüre. Das größere und wirtschaftlich attraktivere Sachsen-Altenburg ist verlockender.
Der Herzog übernimmt sofort seinen neuen Besitz mit 24 Quadratmeilen, 121.000 Einwohnern, 9 Städten, 464 Dörfern und Weilern, 250.428 Talern Einkünften, 600.000 Talern Landesschulden. Friedrich begründet das neue Herzogtum Sachsen-Altenburg und nennt sich Herzog von Sachsen-Altenburg.
Die Umzugsaktion leitet der Chef des Hofwesens und Kommandeur der hiesigen Truppen, Major Carl Friedrich Freiherr v. Münchhausen.



Residenzschloss und Stadtkirche (Christuskirche) Hildburghausen.
Nach einem Gemälde von Carl Christian Radefeld (1788 – 1874)

Human schreibt verklärend zur Abreise des Herzogs:
„Schon am folgenden Morgen, 16. November, reisten die Kinder des Erbprinzen mit einem Teil des Herzogl. Hofes nach Altenburg ab, tags darauf, den 17. November, früh nach 5 Uhr schied Herzog Friedrich in tiefster Stille für immer von dem Land, das er 46 Jahre regiert, und von der Stadt, wo er 63 Jahre gewohnt hatte, um das Fürstentum Altenburg, das ihm dafür zugefallen war, in Besitz zu nehmen. Sein Abschied von hier wurde wie der eines Vaters von seinen Kinder empfunden, niemand ging an dem Tag aus dem Haus, die Stadt war wie ausgestorben. Als die hohen Herrschaften über die Grenze des Landes fuhren, läutete in Adelhausen die Glocke zum Morgengebet und begleitete sie weit hinaus. Die Abreise erfolgte in sieben Wagen, im ersten befand sich der Herzog mit seinen jüngeren Söhnen Friedrich und Eduard, im zweiten Erbprinz Joseph und Erbprinzessin Amalie, im dritten Prinz und Prinzessin Georg. Über Rodach, Coburg, Sonneberg und Schwarzburg ging es nach Rudolstadt, am 19. November wurde bei Etzelbach die Altenburger Grenze überschritten, in Schöngleina das erste Nachtquartier bezogen, tags darauf das Schloß von Eisenberg besichtigt und dann Wohnung am Mineralbad von Ronneburg genommen. Am 23. November ging es unter Begleitung von 700 Mann berittener Altenburger Bauernschaft und der Jägerei zur Residenz und am 26. November fand ein Dankfest in der Schloßkirche statt, Prinz Georg und Prinzessin Marie aber kehrten darauf hierher zurück und blieben hier bis 1829.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. – 1908, S. 269)

1886 resümiert Human:
„Die Stadt, von einer Residenz mit einem Schlage zu einer Provinzialstadt degradiert, hatte aber auch freilich Grund zur Trauer. Denn, hatte ehedem allerdings maßloser Hof- und Militärprunk nicht nur zu einem Staatsbankerott, sondern sonst auch zu leichtfertigem Wesen und Verarmung vieler Familien geführt, so wurde andererseits doch auch durch den intelligenten Fürstenhof nicht nur Anlaß zu gewerblichem Aufschwung gegeben, sondern insonderheit auch schön-geistiges Leben, Interesse für Litteratur und Kunst geweckt und gefördert. So war nach Herzog Josephs energischer Regierung besonders durch den letzten Herzog Friedrich nicht nur eine segensreiche Reorganisation der Landesregierung geschaffen und durch Neugestaltung der städtischen Behörden wie durch Erteilung einer landständischen Verfassung der Staatskredit wieder gehoben, sondern vor Allem das Schulwesen durch Reorganisation des Seminars, durch Gründung eines modernen Gymnasiums, durch Errichtung des Instituts, durch Erweiterung und Verbesserung der Bürgerschulen in ganz neue Bahnen gelenkt, ja, in der That eine neue Aera sozialen, gewerblich merkantilen Aufschwunges inauguriert. Bange Sorgen aber, die nach dem Wegzug des Hofes unter den Bemühungen zur Bekämpfung der eingetretenen Notlage eines großen Teiles der Bürgerschaft Vieler Herzen bewegten, wußte die Regierung des neuen Landesherrn freilich bald zu mindern, ja zu heben.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999)

1826
Selbst den großen Theaterfundus, einschließlich der Kostüme und der Illumination des inzwischen in Deutschland einen guten Ruf genießenden Hildburghäuser Theaters, lässt der Herzog nach Altenburg mitgehen. Das Theater wird vom einstigen Landesherrn regelrecht ausgeplündert. Das Theaterleben kommt nach Jahren allmählich wieder auf Niveau. Fundus und Garderobe werden angeschafft, die ersten Theatertruppen gastieren wieder in Hildburghausen. 

Hildburghausen und Umgebung aus der Vogelperspektive, um 1910
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1826
Mit dem Wegzug des Hofs nach Altenburg geht das Geheime Archiv Hildburghausen an das Herzogliche Geheime Archiv zu Altenburg über.

1826
Die Pfennigprägungen beschließen die Münzemissionen des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen.
Am 04.07.1826 fragt die Meininger Kammer an, ob in Hildburghausen für 10.000 Gulden, Sechs- und Dreikreuzerstücke und für 1.500 Gulden halbe und ganze Kupferkreuzer geprägt werden können. Die Frage wird positiv beschieden. Bis zur Schließung der Münze am 19.01.1829 werden für Meiningen Sechs-, Drei- und Einkreuzerstücke in Silber und Ein-, Halb-, Viertel- und Achtelkreuzer in Kupfer geprägt.

1826
Herzogin Maria v. Sachsen-Meiningen-Hildburghausen schenkt 400 Gulden zum Kauf des Hauses von Landrat Hannibal Fischer (Hoheitshaus – Puschkinplatz/Untere Allee) und einen Jahresbeitrag von 198 Gulden.



Kartenausschnitt „Sachsen, Thüringen und benachbarte Länder“Adolf Stieler,
1839, kolorierter Kupferstich

9. bis 18. Dezember 1826
Der neue Landesherr, Bernhard II. Erich Freund Herzog von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, nimmt die Huldigungen seiner neuen Untertanen entgegen.

1826
In den Ämtern Hildburghausen, Heldburg und Eisfeld gibt es insgesamt 45 Schulen. Sachsen-Meiningen-Hildburghausen hat 319 Lehrerstellen, davon 214 Landschulstellen, 36 Präzeptorate, 69 Bürgerschulstellen.

Bernhard II. Erich Freund Herzog von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen (1800 – 1882)

Die erste Ausgabe des Blattes von 1848, dem Revolutionsjahr.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

 

27. Januar 1827
Mit der Stiftung des Herzogtums (Teilungsvertrag vom 12.11.1826) wird Herzog Bernhard II. Erich Freund neuer Protektor der Loge „Carl zum Rautenkranz“. Der Herzog verbietet zwar die Freimaurerei, kann aber das Verbot nicht durchsetzen.
Herzog Georg II. hebt später das Verbot wieder auf. Zwischen 1827 und 1833 kommt es zu einem kurzzeitigen Bündnis mit der Loge „Charlotte zu den 3 Nelken“ in Meiningen.

9. Februar 1827
† Heinrich Kühner, Eishausen
* 25.10.1772
Theologe, Hofprediger und Prinzenerzieher
1792 Theologiestudium in Jena Ortspfarrer von Eishausen und Hofprediger zu Hildburghausen, vertrauter Briefpartner des Dunkelgrafen (1813 – 1827), Erzieher von Prinzessin Therese, die für Kühner in Eishausen ein Empire-Grabmal errichten lässt. Der Dunkelgraf leidet unter seinem Tod.

21. Februar 1827
Herzog Bernhard II. Erich Freund beauftragt Dr. Carl Ludwig Nonne mit der Organisation und Leitung des Schulwesens im Land. Nach Vereinigung der beiden Konsistorien wird N. als Oberkonsistorialrat auch an die Spitze des Kirchenwesens gestellt. Es werden Kirchen- und Schulämter eingerichtet.



1827
Im Herzogtum werden Maulbeerbäume für die Seidenfadengewinnung angepflanzt.

1827

Das Untere oder Römhilder Tor wird abgetragen. Drei Glocken kommen in die Waisenhauskirche (heute: Apostelkirche).
Mit dem Abtragen der imposanten Stadttore befreit sich die Stadt von Relikten der Geschichte. Die Stadt ist offen, vor allem die Fuhr- und Handelsleute können ungehindert ihrer Tätigkeit nachgehen, zumal mit dem Bau von Kunststraßen in der Region die Verkehrsanbindung deutlich verbessert worden ist.

1. April 1827
Mit der Stiftung des Herzogtums Sachsen-Meiningen-Hildburghausen wird das Amt Behrungen mit dem Amt Römhild vereinigt, der Zusammenschluss wird am 01.04.1828 offiziell vollzogen. Das Amt gehört seit 1714 zum Fürstentum Sachsen-Hildburghausen.

2. Mai 1827
Verordnung, dass inländische Erzeugnisse (mit entsprechender Herkunftskennzeichnung) ohne besondere erhöhte Abgaben im gesamten Herzogtum vertrieben und verbraucht werden dürfen. Am Produktionsort ist Konsumtionssteuer zu entrichten.

Mai 1827
Errichten eines Feldjägerkorps zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit, zur Durchsetzung der Gesetze, zur Unterstützung der Justiz- und Administrationsbehörden (nach Verordnung vom 10.03.1827). 1 Abteilung zu Pferd (6 Oberjäger, jeder verantwortlich für 1 Distrikt). Bis zum Zeitpunkt gibt es lt. Verordnung vom 18.02.1824 in Sachsen-Meiningen Militärkommandos, die vor allem zur Arretierung von Landstreichern eingesetzt werden.

24. Mai 1827
Vavel de Versay, alias Leonardus Cornelius van der Valck, erhält für seine Wohltätigkeiten von der Stadt Hildburghausen die Ehrenbürgerrechte verliehen. Nach dieser Ehrung muss er nicht seine Herkunft nachweisen, und er bleibt mit seiner Begleiterin geschützt.


Leonardus Cornelius van der Valck, holländischer Gesandtschaftsrat in Paris.
Nach seinem Tod „Dunkelgraf“ genannt. – Nach einer Miniatur aus dem Jahr 1799. 

Marie Thérèse Charlotte von Frankreich („Dunkelgräfin“).
Tochter von Ludwig XVI. und Marie Antoinette. Lithographie von Grevedorn

18. Juni 1827
Nach der Vereinigung von Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Meiningen wird in Hildburghausen das erweiterte und alleinige Landesseminar für Volksschullehrer eröffnet. Das seit 1776 in Meiningen bestehende Seminar und die Seminarklasse in Saalfeld werden angegliedert. Die Einrichtung zählt 76 Schüler. Mit der Leitung wird Dr. C. L. Nonne betraut. N. und Kaufmann Erdmann Scheller erwerben das in der Neustadt gelegene einstige Minister- und Gesandtenhaus (später Schülerheim) als Anstaltsgebäude, in dem ein Teil der Seminaristen wohnt und beköstigt wird.

1827
Dr. Carl Hohnbaum, Dr. Carl Ludwig Nonne, Ludwig v. Uttenhoven gründen den Verein zur Beförderung inländischer Gewerbe, um fremde Industriezweige anzusiedeln. Einheimische Handwerker und Kaufleute zeigen jedoch wenig Interesse.

1827/28
Zwischen Joseph Meyer und Verlegern, Buchhändlern in Mitteldeutschland sowie demBörsenverein der Deutschen Buchhändler werden harte Auseinandersetzungen geführt. Gegen M. werden Prozesse wegen Verletzung von Autoren- und Herausgeberrechten angestrengt. Er verteidigt seine Anthologie-Projekte mit Ausschnitten der deutschen Klassikerwerke alsNationaleigentum des deutschen Volkes.

1827 – 1829
Joseph Meyer gibt die belletristische Zeitschrift Meyer's British Cronicle in englischer Sprache in vier Bänden sowie ein Handbuch für Kaufleute heraus. Editionen der Bibliothek der deutschen Classicer in vier Ausgaben beginnen.

12. Dezember 1827
Königin Therese von Bayern stiftet den Theresien-Orden, der als vornehmster Damen-Orden Bayerns gilt. Er wird vom Stiftungstag bis zum Tod der Königin 375-mal verliehen und am 01.08.1986 von Herzog Albrecht von Bayern aufgelöst.

 

Foto: Robert Prummel, Niederlande

1. Februar 1828
Die Schlossbibliothek wird mit einer Stiftungsurkunde als gemeinsames Lehrmittel den höheren Bildungsanstalten als unveräußerliches Eigentum überwiesen.

Februar 1828
Das Pfarrhaus in der Neustadt wird der Finanzabteilung des Herzogtums für 800 Gulden überlassen.

9. September 1828
Im Haus des Gärtners Daniel Friedrich Müller am Marienplatz (Goetheplatz) werden die Zwillinge Eduard und Gustav Müller geboren, die eine glanzvolle künstlerische Laufbahn zurücklegen.
Eduard studiert an der Akademie in Antwerpen Bildhauerei. Über Brüssel kommt er nach Rom, wo er ca. 40 Jahre bis zu seinem Tod lebt und wirkt (Prof. und Mitglied der Akademie San Luka, Mitglied der Akademien von Berlin und Madrid, Ehrenmitglied der Akademie Carrara. Er fühlt sich in seinen Werken der antiken Kunst verpflichtet. Er ist Schöpfer der Kollosalfigur der Nationalgalerie in Berlin.
Gustav M. besucht die Malerakademie in München, geht bei dem Historienmaler Wappers in Antwerpen in die Lehre, malt als Porträt- und Genremaler in Deutschland, Paris, Wien, kommt als Hofmaler nach Lissabon und von dort zu seinem Bruder nach Rom.

24. September 1828
In Kassel wird der Gründungsvertrag über den Mitteldeutschen Handelsverein unterzeichnet. Alle thüringischen Staaten treten bei. Man will der dominanten preußischen Zoll- und Handelspolitik entgegentreten. Der Verein scheitert jedoch bereits 1831.

1828
In Wallrabs werden unter Lehnschultheiß Andreas Popp das Backhaus erbaut und eine Backhausordnung erlassen.

Dezember 1828
Umzug des Bibliographischen Instituts von Gotha nach Hildburghausen. Minna Meyer kauft am 04.12. das nach dem Stadtbrand von 1779 am 01.09.1780 errichtete Brunnquellsche Haus, das Erbprinzenpalais (Grundfläche: 1.468 m²). Vermittler und Fürsprecher sind der Medizinalrat Dr. Carl Hohnbaum und der Kaufmann Johann Erdmann Scheller (heute: Obere Marktstraße 44).
Minna Meyer als Eigentümerin ist lt. Vertrag von jeder Art Gewerbesteuer auf 20 Jahre befreit. Erstes Druckerzeugnis in Hildburghausen: Tabula gratulatoria, zum 28. Geburtstag des Herzogs Bernhard II. Erich Freund für dessen Unterstützung bei der Etablierung des Bibliographischen Instituts. Geldgeber und Berater sind der Kaufmann Johann Erdmann Scheller (bis 20.06.1829) und ab 1829 sein Bruder, der Kaufmann Johann Wilhelm Scheller. Probleme bereiten Meyer trotz Entgegenkommens des Herzogs und der Landesregierung u. a. die historisch überlebten Zunftgesetze in Hildburghausen und die von M. immer wieder verletzten Urheberrechte (Landesherrliche Verordnung vom 07.05.1829, betreffend den Büchernachdruck und Handel mit nachgedruckten Büchern).

Haupttor des Alten Technikums (Obere Marktstraße 44),
von 1828 – 1874 Bibliographisches Institut Joseph Meyers.
Aus: „Aufnahmen aus Alt-Hildburghausen“, Heft 4 – Technikum Hildburghausen 

1828
In einem 14-seitigen Brief unterbreitet der Mediziner Dr. Carl Hohnbaum Vorschläge zur Errichtung einer Irrenanstalt. In der Einleitung ist zu lesen:
„Wenn irgendeine Klasse von Unglücklichen das Mitleid in Anspruch nimmt und insbesondere der Obhut der Staatsbehörden empfohlen werden muß, so sind es wohl die Irren.
Gottlob sind denn auch die Zeiten vorbei, wo man genug getan zu haben glaubte, wenn man dergleichen Unglückliche unschädlich für andere machte, indem man sie gleich Verbrechern mit Stricken und Ketten belastete und ihnen irgendeine Zucht- oder Strafanstalt zum Aufenthaltsort anwies.
Die Pflicht, sie als Menschen menschlicher zu behandeln, bei ihnen als Kranke die geeigneten Mittel zu ihrer Wiederherstellung zu versuchen, ihnen als Unheilbare ihre traurige Existenz so erträglich wie möglich zu machen und somit das Bedürfnis zweckmäßiger Heil- und Aufbewahrungsanstalten für sie ist nunmehr im allgemeinen anerkannt, so daß ich deshalb nicht nötig zu haben glaube, noch einige Worte zur Empfehlung solcher Anstalten hinzufügen zu müssen.“

Ab 1828
Ein wesentlicher Teil der Geschäftstätigkeit des Bibliographischen Instituts ist die Verlegung christlicher Literatur in größerem Stil, z. B. die „Bibliothek deutscher Canzelberedsamkeit“, eine für das christliche Haus bestimmte Predigtsammlung für alle Sonn- und Feiertage unter dem Titel „Christlicher Familientempel“. Wichtig wird die Herstellung von Millionen von Bibeln für unterschiedlichste Ansprechpartner, die auch sehr unterschiedlich ausgestattet werden.
Wichigster Berater ist der Theologe Dr. phil. Carl Matthäus Bamberg (* 1803), Pfarrer in Heßberg gewesen († 1867 als Superintendent im teils zu Sachsen-Meiningen gehörenden Kranichfeld), den er auch zur Erziehung seiner Kinder Herrmann Julius und Meta herangezogen hat.

Der Superintendent und Schriftsteller Dr. Peter Kaiser (* 1928; Breslau), München, schreibt in seiner 2007 im Salier Verlag verlegten Meyer-Biografie „Der Pläneschmied – Das außergewöhnliche Leben des Verlegers Carl Joseph Meyer“ u. a. im Teilkapitel „Religion im Verlagskonzept“:
„Schon im 18. Jahrhundert hatte sich der Pietismus einerseits gegen die in Dogmen erstarrte lutherische Orthodoxie und andererseits gegen den Rationalismus gewandt, der die Vernunft zum Maßstab der biblischen Überlieferung machen wollte. Mit der Wende zum neuen Jahrhundert entdeckten die Romantiker dann die Bedeutung des Gefühls für die Religion. Das Empfinden wurde nun zur eigentlichen Antenne für den Empfang der göttlichen Botschaft erklärt und trat an die Stelle der bis dahin über alles gestellten Vernunft. So wollte Gottfried Herder, der Freund Goethes und seit 1801 Oberkonsistorialpräsident in Weimar, die Theologie wieder aus den Fesseln der Vernunft befreien. Empfindsamkeit sollte die Dominanz des Verstandes in Glaubensfragen ablösen: ‚Offenbarung Gottes ist Morgenrot, Anfang der Frühlingssonne fürs Menschengeschlecht mit allem Licht, mit aller Wärme und Lebensfülle derselben; was soll zu ihr die gedrückte grämliche Miene, als ob die zu Bibel und Theologie, wie der Bettelsack zum Betteln gehöre?‘“
(Karl Barth: Die protestantische Theologie des 19. Jahrhunderts, S. 283)

Zu Meyer schreibt er:
„Durch den Einfluss der Erweckungsbewegung nahm auch das allgemeine Interesse an der Bibel wieder stark zu. Deshalb entschloss sich Meyer, den Bibeldruck neu in sein Verlagsprogramm aufzunehmen. Vom 30. Juli 1830 an wies er in Anzeigen in der Vossischen Zeitung und anderen Presseorganen auf diesen Zweig seiner Produktion hin. Im Laufe der Zeit weitete er sein Sortiment an Bibeln immer mehr aus. Es umfasste schließlich ‚Kirchen- und Pastoralbibeln‘ für den gottesdienstlichen Gebrauch, ‚Haus- und Familienbibeln‘, ‚Andachtsbibeln‘, ‚Konfirmanden- und Patenbibeln‘, Handausgaben, Schulbibeln, Groschenbibeln, Perl- und Diamantenbibeln. Der Preis für die einzelnen Exemplare orientierte sich an deren Ausstattung … Später wurden außer den Lutherübersetzungen zusätzlich katholische Übersetzungen von Leander von Eß angeboten.“
(Auszug)

1828
In Häselrieth leben 387 Einwohner, davon 63 Schulkinder.

1828/29
Otto Ludwig besucht das Gymnasium Hildburghausen, eine Gedenktafel befindet sich an der Alten Bürgerschule, heute: Bürgerschul-Palais. Den Schulbesuch muss er abbrechen, da seine Mutter schwer erkrankt.

Bis 20er Jahre
Zwischen der ehemaligen Römhilder Straße (Friedrich-Rückert-Straße, Höhe Werra-Nebenarm nahe der Post) und dem Römhilder Tor wird der enorme Höhenunterschied aufgefüllt, zuvor gibt es nur einen steilen Stieg.

19. Januar 1829

Die Münze (heute Teil des Geländes der Schlosspark-Passage) wird wegen unzureichender Einrichtung stillgelegt. Bis zum Zeitpunkt hat sie von 1826 ab für Sachsen-Meiningen-Hildburghausen geprägt.
In ihrer Bedeutung ist die Münze Hildburghausen etwa der von Weimar gleichzusetzen. In ihrer Größenordnung hat sie vor denen von Coburg, Meiningen, Eisenberg und Römhild gestanden.

21. Januar 1829

Edikte zur Umwandlung der obersten Behörden, u. a.:
Mit der Einteilung in Untergerichtsbezirke werden die oberen Justizstellen in einem Oberlandesgericht vereinigt und mit dem Konsistorium am 01.04. nach Hildburghausen verlegt.
- Edikt und Konsistorial-Reskript vom 29.06.1829. Als Oberbehörde für die Landeskirche fungiert das Landesministerium. Das Konsistorium ist als Mittelbehörde anzusehen.
- Das Konsistorium des Herzogtums steht unter der Direktion des Kammerherrn Ludwig v. Uttenhoven, Mitglieder sind Oberkirchenrat Friedrich Mosengeil (Meiningen), OKR Dr. Carl Ludwig Nonne (Hildburghausen), Oberlandesgerichtsrat G. E. Groß, KR Superintendent Friedrich Gendner (Hildburghausen), KR M. Seebeck (Meiningen), Schulrat und Gymnasialdirektor Friedrich Wilhelm Gustav Kießling.
Es werden Diözesen [Superintendenturen] gebildet. die Diözese ist eine Staatsbeamtenstelle. Zusammen mit dem Oberamtmann bildet der Superintendent das Kirchen- und Schulamt als Unterbehörde.
- Neben dem Herzoglichen Kirchen- und Schulenamt wird für die Stadt dasStädtische Kirchen- und Schulenamt eingerichtet.
- Lt. Edikt wird ein Kreis- und Stadtgericht für die Rechtspflege in der 1. Instanz gegründet.
Präsident des Oberlandesgerichts ist C. A. F. Adolf v. Fischern.
- Für alle Zweige der Verwaltung werden Verwaltungsämter gegründet, die unter Leitung eines Oberamtmanns stehen (für das Gebiet des heutigen Landkreises sind es Verwaltungsämter in Hildburghausen, Römhild, Heldburg, Eisfeld).
- Für Domänenforste werden Forstdepartements eingerichtet, so auch in Hildburghausen.

1. April 1829
Mehrere Edikte zur neuen Landesorganisation werden verabschiedet. An der Spitze der Landesverwaltung stehen das Landesministerium, daneben der Geheime Rat. Landeskollegien:
Die Landesregierung ist untergliedert in Verwaltungs- und Steuersenat, Kammer nebst Forstsektion, Rechnungskammer. In Hildburghausen werden das Oberlandesgericht und das Konsistorium installiert. (Das Oberlandesgericht untersteht dem Oberappellationsgericht in Jena als dem gemeinschaftlichen obersten Justizhof des Großherzoglich Sächsischen Hauses, der Herzoglich Ernestinischen Häuser und der Fürstlich Reußischen Häuser der älteren und jüngeren Linie).
Mit der Neuorganisation der Landesverwaltung wird auch das Konsistorium eingerichtet, das bis 14.09.1849 besteht. Zum Oberkonsistorialrat Sachsen-Meiningens wird Dr. Carl Ludwig Nonne berufen. Nach dem Staatsgrundgesetz vom 23.04.1829 wird die Landeskirche im Wesentlichen aus den säkularisierten katholischen Kirchen- und Klostergütern finanziert, kirchliche Ordnungen können nur mit Zustimmung des Landesherren in Kraft treten, der Staat kontrolliert die Ausbildung, Berufung und die Amtsführung der Geistlichen.

1829
Die Würzburg unterstehende katholische Pfarrei Wolfmannshausen (heute: Landkreis Schmalkalden-Meiningen) ist eine Enklave in einem protestantischen Land. Ab 1837 betreut der Pfarrer von Wolfmannshausen auch die katholischen Gemeinden in Meiningen und Hildburghausen. Seine Pfarrei ist die 1616 errichtete St.-Ägidien-Kirche mit ihrem Echter-Turm, benannt nach Julius Echter von Mespelbrunn.

Ab 1829
Nach Vorarbeiten in Gotha ediert Joseph Meyer verschiedene Bibelausgaben, ferner den Familientempel, ein Andachtsbuch und die Bibliothek der Canzelberedsamkeit (1827 – 1831 in 18 Bänden).

17. April 1829
Bis zum Zeitpunkt entwickelt sich die Offizin des Bibliographischen Instituts zur sechstgrößten in Deutschland.
Die Zahl des unmittelbar von M. beschäftigten Personals beläuft sich auf 190, davon 101 aus Hildburghausen. Von Anfang an wird mit der damals modernsten Technik produziert (z. B. Schnellpressen). Das Bibliographische Institut gliedert sich in 4 Anstalten:
A: Die rein bibliographische (Stammanstalt),
B: die artistisch-geographische,
C: Maschinenbau,
D: Farbenfabrik (ehemaliges Münzgebäude am Schlossrangen/Schlosspark-Passage).

„Gruss aus Hildburghausen“. Technikum.
Das ehemalige Brunnquellsche Haus in der Oberen Marktstraße.
Verlag von Otto Pezoldt, Hildburghausen, 1903
Um linken unteren Rand ist der Schwanenbrunnen zu sehen, der 1898 von der Stadt
Hildburghausen nach Steinfeld verkauft worden ist.

27. April 1829
Das von Hugenotten erbaute Gotteshaus der reformierten Kirche in der Neustadt wird von 43 Katholiken zum Preis von 1.200 fl. rh. erworben und ist seither Gotteshaus der katholischen Kirchengemeinde St. Leopold. Der Geldbetrag wird vor allem durch namhafte Geldspenden erbracht, u. a. spenden die Erzbischöfe v. Prag, Köln, Bischof v. Würzburg, Trier, König Ludwig v. Bayern, Herzog v. Anhalt-Köthen, Fürst v. Thurn und Taxis. Sehr aktiv sind die in Hildburghausen lebenden Gemeindemitglieder Johann Batti, Michael Braun und Johann Mayer.

3. Juli 1829
Zwischen Preußen, Meiningen und Gotha wird der Bau eines Straßenzugs von Langensalza über Gotha – Zella St. Blasii (heute: Zella-Mehlis, d. Verf.) – Meiningen – Würzburg und Suhl – Hildburghausen – Lichtenfels – Bamberg vereinbart. Preußen schießt für dieses Projekt die Geldsummen vor, es kommt zu einem wesentlich gesteigerten Verkehrsaufkommen, dazu tragen auch Zollerleichterungen bei.

23. August 1829
Grundgesetz für die vereinigte landschaftliche Verfassung für Sachsen-Meiningen-Hildburghausen ist eine der liberalsten im Deutschen Bund. Die Rechte der Landstände werden erweitert, erste Ansätze einer Verfassungsgerichtsbarkeit sind vorhanden.

1829
F. W. Gadow gliedert seiner Druckerei eine Schriftgießerei und eine Stereotypie an. Der Firma wird das Prädikat Herzoglich Sachsen-Meiningische Hofbuchdruckerei erteilt.

4. November 1829
Edict vom 4. Novbr. 1829, die Postlehnverhältnisse betreffend. Prinz Maximilian Joseph von Thurn und Taxis und seine männlichen Nachkommen werden in Sachsen-Meiningen-Hildburghausen in der Würde eines Erblandpostmeisters bestätigt. Die Post bezeichnet sich als Herzoglich Sachsen-Meiningensche Fürstlich Thurn und Taxische Lehnsposten.

Im Postlehnsvertrag behält sich die Landesregierung das Recht der Gesetzgebung vor. Für die Beaufsichtigung der Post in den thüringischen Taxisgebieten wird ein Oberpostkommissar eingesetzt, der der Generaldirektion in Frankfurt/M. untersteht. Mit dem Edikt verschwinden alle anderen Posten; der Durchzug fremder Posten oder die Postbeförderung durch Boten, Fuhrleute, Lohnkutscher o. ä. ist strengstens untersagt. Im Edikt heißt es: Der sogenannte Oberländer, so wie der Römhilder Bote und überhaupt alle dergleichen Boteneinrichtungen werden aufgehoben und verboten. – Desgleichen dürfen die sogenannten Mevius-Madelungischen Gothaischen Zeitungsboten (eine Privatbotenanstalt in Gotha, 1691 gegründet, die Anstalt wird 1858 für 1.000 Taler von Thurn und Taxis übernommen, d. Verf.) keine Briefe, Gelder und Packete in dem Umfange Unserer Posten auf Routen und in Orten, wo sich Post-Bureaux befinden, bei obenbestimmter Strafe befördern, einsammeln und bestellen.“
1822 gibt es in Thüringen (ausgenommen preußische Gebiete) 57 Thurn und Taxissche Postanstalten, nur knapp die Hälfte der Städte besitzt eine Postanstalt. Es gibt 75 Postkurse mit einer Gesamtlänge von ca. 3.300 km.

Die zwei Hauptstraßenzüge in Hildburghausen nehmen seit alters her folgenden Verlauf:
1. Hildburghäuser Buch- und Schmelzhausweg – Poststück – Hirschplatz (Puschkinplatz) – Münzrangen – Tecken (Irrgarten, Schlosspark) – Coburger Straße – (hinter) Birkenfeld – Rodach bzw. Steinfeld und von dort über die alte Straße am Straufhain nach Heldburg – Bamberg – Nürnberg oder von Steinfeld durch die Gleichberge nach Römhild. (Jeweils mittwochs und sonnabends kommen beispielsweise Schleusinger Boten zur Postabholung nach Hildburghausen)
2. Eisfeld – Veilsdorf (unterhalb der Heßberger Leite) nach Hildburghausen und weiter nach Themar und Meiningen, teilweise als Frankfurter Straße nach Römhild, teilweise alsLeipziger Straße durch das Backsteinfeld, den Heiligen Grund oder als Gießübeler Straße unter der Schäferei – am Goldberg vorbei nach Wiedersbach.
Die Thurn und Taxissche Post kann sich im Territorium weiter ausbreiten, eine Reihe neuer Reit- und Fahrposten werden eingerichtet. Die veränderten ökonomischen Verhältnisse sowie eine Vielzahl Kunststraßen in der Region gewährleisten eine schnellere und sicherere Post- und Personenbeförderung.

1829
Dr. Carl Hohnbaum kauft das Radefeldsche Haus für 4.800 Gulden.

9. September 1829
Zwei Rudolstädter Freimaurer beklagen in einem Brief an die Hildburghäuser Loge die Auflösung ihrer Loge Günther zum stehenden Löwen und erbitten Rat und Hilfe. In dem Brief befindet sich der einzige schriftliche Hinweis auf eine mögliche Logenmitgliedschaft Friedrich v. Schillers in Rudolstadt.

1830
Joseph Meyer gibt eines der gewagtesten verlegerischen Unternehmen seiner Zeit heraus, die Deutsche Miniatur-Encyclopädie oder Genius der besten neuen Dichter und Prosaisten. In ihren geistreichen und herrlichsten Stellen, Gedichten, Gedanken und Meinungen dargestellt von Meyer.

1830 – 1833
Bau der Schleusinger Straße von Suhl über Schleusingen nach Hildburghausen.
400 schlesische Arbeiter unter Wilhelm v. Wangenheim bauen die Straße ab Abzweig Ziegeleiweg.

1830
Volkszählung. In Hildburghausen leben 4.269 Einwohner.

2. April 1830
Zum Geburtstag des Erbprinzen Georg (* 1826) wird Dr. Carl Ludwig Nonne zum Oberkonsistorialrat ernannt, ferner erhält er die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Jena.

1830
Das einstöckige Jagdzeughaus (Verwahrung von Jagdzeug, Kanonen, im Hof mit Hundezwinger) wird um ein Stockwerk erhöht und als Gerichtsgefängnis (Fronveste) ausgebaut (heute: Geschwister-Scholl-Straße 17, zu DDR-Zeiten Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit bzw. Amt für Nationale Sicherheit).

25. April 1830
Einweihung der katholischen Kirche in Anwesenheit des evangelischen Konsistoriums. Die katholische Kirchengemeinde kommt unter die Aufsicht des Konsistoriums des Herzogtums Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, sie ist 1837 dem Parochialverband der Pfarrei Wolfmannshausen zugeordnet.

1830/31
Nach der Pariser Julirevolution (27. – 29.07.1830) müssen König Karl X. und die bourbonische Königsfamilie Frankreich verlassen. Auch die Herzogin v. Angoulême, die vermutliche Halbschwester der Marie Thérèse Charlotte v. Frankreich (Dunkelgräfin), mit der sie ausgetauscht worden ist, muss ins Exil. Karl X. stirbt am 06.11.1836 in Görz, der Herzog v. Angoulême 1844, die Herzogin am 19.10.1851 in Frohsdorf bei Wien.

1830

Im Hinterhaus des Großkaufmanns Dressel (Obere Marktstraße 2) wird eine Tuchfabrik mit 6 Webstühlen eingerichtet, die weißen und gefärbten Tuche werden in der Region vertrieben.

13. Juli 1830
† Johann Caspar Rüttinger, Hildburghausen
* 19.06.1781, Streufdorf.
Musikpädagoge, Organist
Musiklehrer am Seminar, Organist an der Waisenhauskirche. Edition Der theoretisch-praktische Elementarlehrer am Klavier, druckfertiges Choralbuch über das neue Hildburghäuser Gesangbuch, vierstimmig ausgesetzt mit Vor- und Zwischenspielen.

1830
Königin Therese stiftet gemeinsam mit ihrer Schwester, der Prinzessin Paul von Württemberg, für die katholische Kirche in Hildburghausen eine Orgel, die an der Westseite eingebaut wird.

Herbst 1830
Nach der französischen Julirevolution betritt J. Meyer die politische Bühne. Mitarbeiter des Bibliographischen Instituts demonstrieren gegen Gewaltmaßnahmen europäischer Fürsten (20. – 22.09.).
An seinen „ultraliberalen“ Freund Meidinger (1797 – 1851) in Frankfurt/M. schreibt M.: „Es war allerdings ein gar kleines Revolutiönchen.“
Die Behörden verlangen Strafmaßnahmen gegen die Arbeiter des Bibliographischen Instituts, 26 werden des Landes verwiesen. Für Flüchtlinge des niedergeschlagenen Warschauer Aufstands organisiert J. Meyer Solidaritätsaktionen. Es wird berichtet, dass M. durchziehende polnische Flüchtlinge mit zwei Körben Champagner bewirtet und mit schwarz-rot-goldenen und polnischen Fahnen bis zur Grenze geleitet.

30. Oktober 1830
Der neue Landtag in Meiningen wird eröffnet. 24 Deputierte werden vereidigt, dabei sind der Rat Bartenstein (Hildburghausen), Senator Lutz (Eisfeld), Schultheiß Katzenberger (Pfersdorf) und Schultheiß Fleischhauer (Schnett).

Dezember 1830
Die Volkszählung stellt fest, dass in Sachsen-Meiningen-Hildburghausen 1.524 Juden wohnen, von denen aber nur 11 die Staatsbürgerrechte erworben haben, davon die meisten in Hildburghausen.

1. April 1831
Mit dem Hofgärtner Michael Ferrière wird ein Pachtvertrag für den Irrgarten (Schlosspark) abgeschlossen. U. a. wird neben der Blumenzucht auch ein Obst- und Gemüseanbau betrieben. Der Park ist dicht bepflanzt und über eine Brücke an der heutigen Zetkinstraße erreichbar. Nach dem Wegzug des Hofes ist die Parkanlage für jedermann zugänglich.

19. Mai 1831
† Johann Andreas Genßler (Dr. theol. et. phil.), Hildburghausen
* 12.05.1748, Hildburghausen
Generalsuperintendent (1819), Oberhofprediger, Geheimer Kirchenrat, Pädagoge, Schriftsteller
Erzieher des Erbprinzen Friedrich, (in der Reihenfolge) Waisenpfarrer, Hofdiakon, Stadtdiakon, Hofprediger und Vikar der Generalephorie, 1817 Dr. der Theologie der Universität Jena. Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München. G. ist auf linguistischem (sprachwissenschaftlichem) Gebiet tätig, er wirkt als Übersetzer sowie Schriftsteller und verfasst wissenschaftliche genealogische Arbeiten (6 Bände der Familien Hildburghausens) sowie Statistik, ferner historische Schriften, z. B. Die Vandalen des 18. Jahrhunderts oder Geschichte des französischen Einfalls in einem Teil von Franken (1796), Gau Grabfeld; Die Welfen, ein Beweis der Abkunft des königl. Hauses Preußen von dem noch blühenden ältesten Königstamme der Welt (1801). Der König von Preußen verleiht ihm hierfür die goldene Krönungsmedaille. G. initiiert das Schulmeister-Seminar (1795) und ist erster Direktor und Examinator. – Hofmaler Carl August Kessler malt ein lebensgroßes Bild von ihm, es befindet sich in der Christuskirche.

R. A. Human charakterisiert Genßler, der seine Ämter 56 Jahre in größter Pflichterfüllung ausgeübt hat, mit den Worten:
„Schon ein Achtziger, predigte er noch klar und frei. Seine Predigtweise war biblisch und populär, seine Haltung würdevoll, seine Stimme volltönend und verständlich. In gesellschaftlichem Umgange war er heiter, teilnehmend und mitteilsam, in der Freundschaft beständig, seinen Untergebenen wohlwollend, in seinem Amte sehr pünktlich. So bewandert er auch auf linguistischem Gebiete, wie in einzelnen Zweigen der Theologie war und so große Verdienste er sich um Kirche, Schule und Stadt erwarb, so hat er doch das Bedeutendste auf dem Gebiet der Genealogie und Statistik geleistet. – Die Verehrung, die man dem ehrwürdigen und verdienstvollen Mann zollte, war, wie mir ein Zeitgenosse erzählte, so groß, daß fast Jedermann auf 20 Schritte Entfernung vor dem Herankommenden stehen blieb, um ihn ehrerbietig zu grüßen.“

27. Juni 1831
Gründung der Irrenanstalt in Hildburghausen. Herzog Bernhard II. Erich Freund verfügt:
„Wir, Bernhard, haben die Entschließung gefaßt, sobald die demnächst erfolgende Vereinigung der Zucht- und Arbeitshaus-Anstalt in Hildburghausen mit der Straf- und Besserungsanstalt in Untermaßfeld stattgefunden haben wird, das von jener Anstalt benützte Gebäude an die Irrenanstalt überweisen zu lassen und dagegen die Kaserne für die Zukunft zur Aufnahme von Gerichtsgefangenen bestimmt.
Als Irrenhaus wird das ehemalige Waisenhaus, später Zuchthaus, genutzt (heute: Gebäude der Henneberg-Kliniken an der Schleusinger Straße). 25 psychisch Kranke werden aufgenommen, später bis 60. OMR Dr. Carl Hohnbaum ist Leiter. Hohnbaum weigert sich, Häftlinge und Irre gemeinsam unterzubringen.
Hildburghausen besitzt somit eine der ältesten Anstalten im deutschsprachigen Raum (erste deutsche Nervenheilanstalt wird 1825 in Siegburg gegründet).


„Irrenanstalt“ (Hauptgebäude)
Verlag Ernst Sternberger, Themar, um 1910

17. bis 19. Juli 1831
Königin Therese v. Bayern besucht mit ihrem Sohn Otto (1815 – 1867), dem nachmaligen König von Griechenland, Hildburghausen, und steigt in der Residenz (Hoheitshaus) ihrer Schwester, der Herzogin Paul, ab. Sie gibt dem Oberlandesgericht, dem Konsistorium und dem Gemeinderat Audienz, ist Gast Joseph Meyers und besichtigt das Bibliographische Institut, sie begegnet älteren Dienern und Einwohnern und verteilt Geld an Arme und Notleidende.

19. Oktober 1831
Ca. 30 Arbeiter des Bibliographischen Instituts werden von der Polizei ausgewiesen. In Meyer regt sich Widerstand gegen den Metternich-Staat, vor allem gegen das Wüten der Zensur des Deutschen Bundes.

Herbst 1831

Schlechte Ernte. Die Getreidepreise steigen. Ungesundes Herbstwetter bringt viele Erkrankungen mit sich, vor allem Masern. In Deutschland breitet sich von Russland über das Baltikum und Ostpreußen kommend, die Cholera aus. Als Vorsichtsmaßnahme wird am 12.10. eine Obersanitätskommission unter dem Vorstand des Ministerialrats v. Fischern gebildet, OMR Hohnbaum ist Mitglied der Kommission, die am 26.02.1833 aufgelöst wird.

5. November 1831
Ein leichtes Erdbeben erschüttert Teile des Herzogtums (wellenförmige Bewegungen von Süden nach Norden).

17. Dezember 1831

Das Meininger Hoftheater wird mit Fra Diavolo eröffnet. Es hat seit seiner Gründung, besonders aber in der Ära Herzog Georgs II., auf die kulturelle Entwicklung des Gebiets des heutigen Landkreises einen großen Einfluss.

14. Januar 1832
Mit einem Konsistorial-Reskript wird der Schreibunterricht zu öffentlichem Unterricht in der Stadtschule.

1832

Wegen übermäßiger Haltung von Tauben soll die Polizei ein „wachsames Auge“ halten (auf eine Hufe Land je nach Bodengüte bis ca. 20 ha = 8 Paar Tauben).

1. Februar 1832

Meta Meyer, Tochter von Minna und Joseph Meyer. Ihre Intelligenz und ihre künstlerische Begabung lassen sie zu den kreativsten Mitarbeitern des Bibliographischen Instituts werden.

Frühjahr 1832
Joseph Meyer trifft mit Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer; Vorstandsmitglied des pfälzischen Preß- und Vaterlandsvereines, zusammen. Sie geben gemeinsam die oppositionelle liberale Zeitschrift Der Hausfreund heraus.Nach einigen Ausgaben wird durch den Deutschen Bund ein Verbot verfügt. M. erkennt die enge Begrenztheit bürgerlich revolutionären Machtwillens.

19. Mai bis 15. September 1832
Meyer ediert die Zeitschrift der Volksfreund (in Anlehnung an Marats revolutionäres Blatt Ami de peuble), Verbot durch die deutsche Bundesversammlung.

1832
Die Ratsakten vermerken den Wohnsitz folgender jüdischer Bürger in Hildburghausen: Die Kaufleute Bernhard Simon, Jacob Simon, Louis Simon und Emil Michaelis; die Handelsmänner Joseph Schönfeld, Samuel Birkenstein, Meyer Michaelis, Samuel Höchheimer, Schlom Benari; die Handelsjuden Hayum Schimmel, Meyer Oettinger, Raphael Berg, Liebmann Kahn.

8. August 1832
Die griechische Nationalversammlung wählt den 17-jährigen bayerischen Prinzen Otto (1815 – 1867), Sohn von Ludwig I. und Therese, zum König der Hellenen. 1862 wird er nach einer Militärrevolte gezwungen, das Land zu verlassen.

1. Oktober 1832
Heinrich Fischer, seit 1860 in Gemeinschaftsbetrieb mit seinem Sohn Hugo, besorgt bis 01.05.1882 die Posthalterei (Postfuhrbetrieb, Kapelle – in der Eisfelder Straße).
1830 besitzt die Posthalterei 10 Fahr- und 2 Reitpferde, 1832 = 16, 1858 (bis zum Bau der Werra-Eisenbahn) = 30 Pferde; danach unterhält man lediglich 10 Pferde, davon 2 Reservepferde. Der Hauptpostwagen wird vom Postkommissariat gestellt, Beichaisen gehören zum Privatbesitz des Posthalters.

14. November 1832

Ludwig Bechstein gründet den Hennebergisch Altertumsforschenden Verein. 

1833

Der Dunkelgraf kauft ein Grundstück auf dem Schulersberg vom Kammerherrn v. Schuler.
1833
Joseph Meyer beginnt mit der Edition seiner originellsten, genialsten und weltbekannten Schöpfung 
Meyer's Universum oder Abbildung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde, („... eines belehrenden Bilderwerkes für alle Stände“)Texte bis zu seinem Tod (1856) stammen von ihm.
Das bis 1864
 erscheinende Universum entspricht seiner Zielstellung:
„Die Intelligenz Aller
 ist der stärkste Hort der Humanität und der Freiheit.“
(12 Monatshefte
 mit je 3 – 4 Stahlstichen, bis Meyers Tod 710 Stahlstiche im Querformat und ca. 2.800 Textseiten). Insgesamt 17 Bände, produziert in 12 Sprachen, allein in Deutschland 80.000 Abonnenten. Das Universum ist ständig Zielscheibe der Zensur, für Österreich werden die Texte „gereinigt“ (die Drucker bezeichnen sie als „dumme Ausgaben des Universums“), in Preußen 1850 Verbot; die Leitung des Universums übernimmt später Dr. Friedrich Hofmann, der nachmalige Chefredakteur der Gartenlaube.
Für relativ
 hohe Auflagen ist der Stahlstich besser geeignet als der Kupferstich. Der Brite Charles Heath lässt sich das Verfahren 1820 patentieren. Er selbst führt Aufträge für das Bibliographische Institut aus (Miniaturbibliothek). Mit seinem Sohn Frederick H. geht er als Stecher der ersten Briefmarke der Welt in die Geschichte ein. Es ist die berühmte britische Penny Black. Emission: 01.05.1840/Gültigkeit ab 06.05.

15. März 1833
† Georg Friedrich Kesselring, Hildburghausen
* 1772
Geheimer Registrator, Archivar, Hofbuchhändler, Verleger
1818 Gründung der Kesselring'schen Hofbuchhandlung in der damaligen Schlossgasse 16 (gegenüber Druckerei und Verlag Gadow & Sohn). Der Buchhändler F. G. Kesselring ist seit 1828 Verleger der Dorfzeitung und einiger Schriften Ludwig Bechsteins. Sein Geschäftsnachfolger wird sein Sohn Ferdinand.
(s. 1844)

1833 – 1938
St.-Matthäus-Kirche in München.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es in München vermehrt protestantische Zuwanderer, und es entsteht im Zeitalter der aufgeklärten Monarchie eine evangelische Gemeinde. Am 06.09.1825 beschließt der Bayerische Landtag den Bau einer evangelischen Kirche und stellt finanzielle Mittel bereit, zumal Königin Therese, die einstige Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, protestantischen Glaubens ist. Ihr Gemahl Ludwig I. ist jedoch zutiefst um eine Rekatholisierung des Königreichs Bayern bemüht, er verweigert eine finanzielle Beteiligung aus seinem Privatbesitz. Der vorgesehene Bauplatz ist der Maximiliansplatz, der aber für die „Evangelische Kathedralkirche“ auf den Karlsplatz (Stachus) verlegt wird. Die Kirche wird am Namenstag des Königs Ludwig I. geweiht. Für die angeheirateten protestantischen Mitglieder des Königshauses wird die Kirche auch Hofkirche. – Das nachklassizistische Gotteshaus ist auf Drängen Hitlers 1938 eingelegt worden. – Die heutige Matthäuskirche ist nach Plänen von Gustav Gsaenger zwischen 1953 und 1957 errichtet worden. Sie ist als Predigtstätte des Landesbischofs eine Bischofskirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. 

St.-Matthäus-Kirche „Evangelische Kathedralkirche“ (1833 – 1938)
am Karlsplatz in München, auf Hitlers Anordnung 1938 eingelegt. Foto 1903

1833
Im Zusammenhang mit der Edition des Universums kommt es wegen Lohnforderungen der Buchbinder zu Streiks am Bibliographischen Institut.

Frühjahr 1833 bis 1834
Dr. Friedrich Sickler will westlich der Stadt ein Gartenhaus bauen. Die Steine hierfür werden aus dem Sandsteinbruch des Maurermeisters Friedrich Winzer (W. ist Erbauer der Häselriether Kirche) bei Friedrichsanfang (zwischen Weitersroda und Heßberg) gebrochen. Dabei entdeckt W. auf gebrochenen Quadern Trittsiegel einer vor 230 Mio. Jahren lebenden unbekannten Saurierart. Kupferstecher Carl Barth und Dr. Carl Hohnbaum helfen bei der Bergung und beim Lösen des Geheimnisses. Dr. Friedrich Sickler beschreibt die Funde 1834 wissenschaftlich. Der Paläontologe Kamp nennt die händeähnlichen Spuren zu Ehren Carl Barths Barthsches Handtier. Die international bedeutsamen Funde werden nach ihren Entdeckern benannt: Chirotherium bartii und Chirotherium sickleri.

Sickler verfasst 1834 an Prof. Dr. I. F. Blumenbach, Göttingen, ein Sendschreiben über die höchst merkwürdigen, vor einigen Monaten erst entdeckten Reliefs der Fährten urweltlicher, großer, unbekannter Thiere in den Heßberger Sandsteinbrüchen bei der Stadt Hildburghausen, 1836 folgt Sicklers Schrift, die von Carl Kessler illustriert wird: Die vorzüglichsten Fährtenabdrücke urweltlicher Thiere in buntem Sandstein aus den Sandsteinbrüchen der Umgegend von Hildburghausen.
Alle wichtigen paläontologischen bzw. naturkundlichen Museen der Welt besitzen solche Fährtenplatten aus dem Hildburghäuser Chirotheriumsandstein (u. a. Paris, Stockholm, Haarlem, Berlin, Wien, Göttingen). 

10./11. Mai 1833
Gründung des Zoll- und Handelsvereins der Thüringischen Staaten (auf Initiative Preußens), Anschluss an die 1818 gegründete Zolltarifgemeinschaft, die die wirtschaftliche Entwicklung des Herzogtums stärkt 11.05. erfolgt der Beitritt zum Deutschen Zollverein.
(s. 01.01.1834)

29. Juli 1833
Wölfing, Dr. Nonne und der Frauenverein gründen eine Kleinkinderbewahranstalt, eine der ältesten Kindergärten Thüringens, die Schirmherrschaft übernimmt Herzogin Maria. Anfangs besuchen 12 Kinder die Einrichtung, die ein für die Zeit modernes pädagogisches Programm besitzt. Ein Elementarlehrer ist anfangs für die Erziehung der Kinder verantwortlich. 

1833
Der Druckereibesitzer und Verleger Gadow führt das Theater allmählich zu neuer Blüte, anfangs wird für karitative Veranstaltungen gespielt. Ein Theaterverein (1835) löst den bisherigen Theaterausschuss unter seiner Leitung ab und unternimmt Anstrengungen, den einstigen großen Ruf des Theaters wieder zu erlangen. Aus dem eingespielten Ertrag sollen Stadtarme und die Kleinkinderbewahranstalt unterstützt werden. Im Laufe der Zeit kommt es zu Anbauten, Renovierungen und Verbesserungen der Gebäudesubstanz.

1833 – 1838
In Wallrabs wird die Dorfstraße zur Römhilder Straße erbaut.

1. Januar 1934

Sachsen-Meiningen-Hildburghausen gehört zum Deutschen Zollverein. Der thüringische Zollverein als Sonderverein (Sitz Erfurt) verwaltet die gemeinschaftlichen Zölle und indirekten Steuern. Das Steueraufkommen der Bevölkerung erhöht sich mit der Übernahme des preußischen Verbrauchssteuersystems.

1834

Beginn der Planungsarbeiten Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände und Reglements für die Herren Mitarbeiter  zur Ausarbeitung des Lexikons.
120 Schriftsteller bzw. Wissenschaftler sind in vier Redaktionen tätig. 

2. Juli 1834
† Johann Balthasar Bechmann
* 28.10.1757
Begründer des Bechmannschen Kaufhauses (heute: Altstadt-Passage).
Das solide Geschäftsunternehmen beeinflusst im 19. Jahrhundert maßgeblich die Entwicklung der Stadt.

30. Juli 1834
Mitgliedsstaaten des Deutschen Zollvereins beschließen im Dresdner Vertrag die Einführung des 14-Taler-Fußes.

29. September 1834
† Herzog Friedrich v. Sachsen-Altenburg (bis 1826 Herzog von Sachsen-Hildburghausen) auf Jagdschloss Hummelshain b. Kahla Herzog v. Sachsen-Altenburg wird Friedrichs Sohn, Erbprinz Joseph (* 27.08.1789, Hildburghausen – † 25.11.1868, Altenburg)
Regierungszeit: 1834 – 1848, er ist u. a. Generalmajor in sächsischen Diensten.

1834 – 1836

Meyers Pfennig-Atlas (120 kolorierte Stahlstichkarten), Karte zu 8 Pfennigen, erscheint, Auflage 30.000.

1835

Der Dunkelgraf entlässt die Köchin Johanna Weber, weil sie angeblich ihren Sohn ins Eishäuser Schloss einlässt.

5./6. Februar 1835
, gegen 11.45 Uhr
Blitzschlag bei heftigem Schneetreiben in den Turm der Stadtkirche verursacht Sachschaden, gegen 3 Uhr Brand an der Helmspitze. Schieferdecker Friedrich Friedrich (* 28.06.1800 – † 31.03.1865) kann unter Gefahr für sein Leben das Feuer löschen und die Stadt vor einer Katastrophe bewahren. Dabei wird der wappenhaltende Stadtlöwe mit der Jahreszahl 1783 mit der Urne in die Tiefe geschleudert (seit 1783 auf dem neuen Turm der Stadtkirche und 1838 über dem Renaissancegiebel des Rathauses angebracht).

Februar 1835
Der 43 m hohe Turm der Neustädter Kirche wird geweiht, Baubeginn 1834, erbaut von Carl Heinrich Pensky († 02.11.1838, als Folge eines Sturzes vom Seminargebäude).
„Der Turm bildet im unteren Geschoß, in der Architektur des Kirchenschiffes, eine nach außen rundbogig sich öffnende Vorhalle, über welcher noch zwei ungegliederte massive Geschosse in quadratischer und achteckiger Grundform sich erheben, die das Dach, eine achtseitige in Holz konstruierte Spitze und wie das Kirchendach mit Schiefer gedeckte Pyramide tragen. 43 Meter hoch ... am 23. Dez. 1834 mit Aufsetzung des vom unteren Thorturm entnommenen Knopfes und Fahne vollendet ...“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999, S. 404)

März 1835
In Hildburghausen ist der erste Briefkasten nachweisbar. Unfrankierte Briefe sind in einen Kasten unterhalb des Expeditionsfensters eingeworfen worden, also in einer Zeit, als es noch keine Briefmarken gegeben hat.

1. Oktober 1835

Neuorganisation des Landesschullehrerseminars. Wegen der Machtfülle Nonnes kommt es zu immer größerer Kritik.
N. duldet kaum Widerspruch, außerdem gibt es immer mehr Einsprüche der Landesregierung gegen die Organisation der Lehrerbildung sowie die Verbindung zwischen Landesschullehrerseminar und Nonneschem Institut. Der preußische Schulrat und Pestalozzischüler, Wilhelm v. Türk, wird gegen den Willen des Konsistoriums (ausgenommen Superintendent Gendner) nach Hildburghausen geholt, um die Situation zu analysieren. Türk stellt u. a. die Forderung auf: Das Landesschullehrerseminar und das Nonnesche Institut sind zu trennen, ein Seminardirektor soll angestellt werden, eine Übungsschule wird gefordert, ferner eine Lehrplanrevision und das Abstecken deutlicherer Ausbildungsziele und -zeiten. Die Landesregierung schließt sich vorbehaltlos den Forderungen an.
Nonne wird ehrenvoll verabschiedet, und er kann sich dem Schulwesen als Mitglied des Konsistoriums wesentlich besser widmen, bis er 1838 von der Leitung des Schulwesens im Herzogtum insgesamt entbunden wird. Die Leitung des Seminars wird Benjamin Gottlob Kern übertragen.
(s. 07.05.1836)


Grabstätten von Dr. Carl Ludwig Nonne und seiner Mutter Johanna Nonne, 1983.
Foto: Rainer Lörtzing, Hildburghausen

1835
Die Regierung des Herzogtums setzt eine Kommission ein, um die Entwicklung der Industrie zu fördern. Der Herzog gibt 500 Gulden Jahressubvention.
Die einheimische Wirtschaft lässt weitgehend eigene Initiativen vermissen. Gothaer und Erfurter Schuhmacher beispielsweise können mehr Ware absetzen als die einheimischen 41 Firmen, von denen nur eine als gut eingeschätzt wird. Von 32 Kauf- und Handelsleuten wird der Handel bei 2 als schwunghaft, bei 2 als gut bezeichnet.
Insgesamt ist das Hildburghäuser Gewerbe zu selbstgefällig und noch zu tief im Zunftwesen verhaftet, es fehlen vor allem finanzielle Rücklagen. Der aufkommenden industriellen Produktion hat man nichts entgegenzusetzen. Die meisten Gewerbetreibenden zeigen aber auch nur wenig Initiative. Sie bescheiden sich mit dem Vorhandenem und dämmern unternehmerisch dahin, während ihnen in der Stadt Joseph Meyer mit seinem genialen Pioniergeist das im Entstehen begriffene industrielle Zeitalter vorwegnimmt.

1836
Auf Veranlassung Joseph Meyers werden von Coburg bzw. von der bayerischen Grenze bis Vacha Bodenuntersuchungen durchgeführt. Die Untersuchungspunkte sind im Wesentlichen mit der Trasse der später erbauten  Werra-Eisenbahn identisch.

6. Mai 1836

In Walldorf bei Meiningen bricht ein Großfeuer aus (47 Häuser, 42 Nebengebäude). Den Wiederaufbau leitet eine Kommission unter dem Hildburghäuser Architekten Johann Buck.

7. Mai 1836
Der aus Jüterbog stammende Rektor Benjamin Gottlob Kern übernimmt das Landesschullehrerseminar, nachdem er eine umfassende Planung zur organisatorischen und inhaltlichen Umstrukturierung der Anstalt erarbeitet, die in ihren Ansätzen noch bis ins 20. Jahrhundert Gültigkeit hat.

8. August 1836
† Friedrich Carl Ludwig Sickler (Dr. phil.), Hildburghausen
* 30.11.1773, Gräfentonna
Konsistorialrat, Archäologe, Gründer und erster Direktor des Gymnasiums Fridericianum
Besuch der Gymnasien in Gotha und Altenburg. Studium der Philologie in Göttingen und Jena, 1798 Promotion. Aufenthalt in Paris, ab 1805 – 1810 Hauslehrer in der Familie Wilhelm v. Humboldts in Rom. 21.04.1811 Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Altertümer auf dem Kapitol in Rom. 1812 Berufung zum Direktor des Gymnasiums in Hildburghausen. Ernennung zum Schulrat. 1817 Berufung nach London zur Übersetzung der Herkulanensischen Handschriften, 1819 Konsistorialrat. – S. gilt als einer der letzten deutschen Universalgelehrten der Goethezeit. Sein Grabmal auf dem Zentralfriedhof in Hildburghausen ziert ein(e) Sphinx. Unter der Namensinschrift ist der Sonnenlauf nach altägyptischer Vorstellung dargestellt.

Prof. Dr. Gerhard Steiner resümiert in seinem Werk Die Sphinx zu Hildburghausen – Friedrich Sickler. Ein schöpferischer Geist der Goethezeit: „Als Satiriker, Lyriker und Essayist hat Sickler sich versucht, hat sich auf den Gebieten der Theologie, Philosophie, Literatur, Geschichte, Numismatik, Geologie und Botanik schriftstellerisch betätigt, Beachtliches als Pomologe, Kunsthistoriker, Archäologe, Vulkanologe, Mythologe, Sprachwissenschaftler, Geograph, Historiogeograph, Pädagoge und schließlich auch in der Paläozoologie geleistet. Er hat Maschinen konstruiert und eigene vielbeachtete Zeichnungen von pomologischen und archäologischen Objekten seiner Mitwelt dargeboten. Wenn er auch in keinem Gebiet in die Spitze der Wissenschaft hineinragte, hat er es doch verdient, innerhalb der historischen Darstellungen der einzelnen Fachgebiete gewürdigt zu werden. Seine optimistische Lust am Aufspüren, Entdecken und Erfinden und das Bewußtsein, manches für einen wissenschaftlichen Aufbruch geleistet zu haben, halfen ihm, alle Schwierigkeiten seines Lebensweges zu überwinden.“

 


Sphinx auf dem Grabmal für Dr. Ludwig Sickler auf dem Zentralfriedhof Hildburghausen.
Foto: Hans-Jürgen Salier, 1996

1836
Nach 26-jähriger Dienstzeit beim Dunkelgrafenpaar wird Frau Schmidt ins Eishäuser Schloss gerufen (seit 1817 führt sie nahezu täglich die Dunkelgräfin morgens in den Garten, ohne ihr Gesicht je deutlich gesehen zu haben). Es wird behauptet, dass sie die leidende Dunkelgräfin bis zum Tod (1837) gepflegt habe. Bis zu ihrem eigenen Ableben (1843) hat sie – vermutlich auf Befehl des Dunkelgrafen – das Schloss nie verlassen.

1836
Die Kirche in Bürden bekommt neue Glocken, die in Ohrdruf gegossen worden sind, acht Jahrzehnte später werden sie für die Rüstung eingeschmolzen. 1920 werden als Ersatz drei Stahlglocken angeschafft.
Im gleichen Jahr baut der Schmiedefelder Orgelbaumeister Johann Michael Schmidt die einmanualige Orgel auf der ersten Empore ein. 1837 wird das Kirchenschiff deutlich erhöht.

24. November 1836

Publizierung der Ordnung der beiden Landesgymnasien in Meiningen und Hildburghausen mit Schulplan, Dienstinstruktionen, Normen für Konferenzen, Prüfungs-, Zensuren-, Abgangs-, Programm-, Ferien- und Fondswesen, verfasst von Konsistorialrat M. Seebeck.

27. Januar 1837
† Johanna Nonne (geb. Wölfing), Hildburghausen
* 27.11.1758, Römhild
Rätin, Erzieherin
Witwe des Herzoglichen Rats Ludwig Friedrich N., Mutter des berühmten Schul- und Kirchenrats Dr. Carl Ludwig N., Schwiegermutter des Hofpredigers Heinrich Kühner aus Eishausen, Kinderfrau der Prinzessinnen und Prinzen des Hofes. Königin Therese v. Bayern und Herzöge und Prinzen von Sachsen-Altenburg, Georg, Friedrich und Eduard widmen ihr ein gusseisernes neogotisches Denkmal auf dem Friedhof Hildburghausen.

1837

Am Bernhardsbach wird als Ersatz für die am Römersbach abgebrannte Lohmühle eine neue erbaut, nahe dem Charlottenbrunn.

1. April 1837

Wöchentlich fährt dreimal ein Eilwagen mit Reitpost von Coburg über Hildburghausen nach Gotha und von Hildburghausen nach Eisenach und Sonneberg.

Ostern 1837 bis 1839
Der bedeutende deutsche Pädagoge Prof. Dr. phil. Gustav Kießling (1809 – 15.09.1884) ist Direktor des Gymnasiums. Der aus Zeitz gebürtige K. wird Schulrat und Mitglied des Konsistoriums.
Am Gymnasium sind tätig: 11 Lehrer, 6 für Ordinarien, 1 Mathematiker, 1 französischer Sprachlehrer, je 1 Zeichen-, Gesangs- und Turnlehrer.

1837 – 1846
Am Gymnasium unterrichtet der Pädagoge und Schriftsteller Dr. theol. et phil. h.c. Albert Weidemann (* 24.09.1806, Rehmsdorf bei Zeitz, † 24.05.1903, Meiningen)
1853 Schulrat im Staatsministerium, 1862 Oberschulrat. W. prägt über Jahrzehnte hinweg wesentlich das Schulwesen des Landes.

WerkeGeschichte der Bibelübersetzung Luthers (1834), Lessings Stellung zur Theologie seiner Zeit (1842), Luthers Kleiner Katechismus (1849), Die Ereignisse vom Frieden zu Wien 1864 bis zur Errichtung des Norddeutschen BundesDer deutsch-französische Krieg.

1837

Münzvereinigung der süddeutschen Staaten beschließt den 24 1/2-Gulden-Fuß
(1 Gulden = 60 Kreuzer). Zu den Mitgliedsländern gehört das Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen.

1837
Planungsarbeiten Meyers mit dem Nationalökonomen Friedrich List zum Bau der Hanseatisch-Süddeutschen-Central-Eisenbahn. M. erhält von der Meininger Regierung eine Konzession zur Aufsuchung und zum Abbau nützlicher Mineralien in den Ämtern Eisfeld, Römhild, Hildburghausen, Heldburg, Sonneberg und Salzungen. Das ist der Beginn seines großen Montanbesitzes.
Meyer will Deutschland von Stahl- und Eisenimporten aus Großbritannien unabhängig machen (Bohrungen in ganz Thüringen, Erwerb von Braunkohlen- und Steinkohlen-, Eisenstein-, Kupfer-, Kobalt- und Nickelgruben). Bau eines Hüttenwerks bei Neuhaus-Schierschnitz. Der Montanbesitz ist mit über 50 km² der größte Mitteldeutschlands. Allein der Wert der Gruben wird 1857 auf 6.142.145 Gulden geschätzt.
(s. 18.01.1858)


 Friedrich List (1789 – 1846)
Bedeutender deutscher Wirtschaftstheoretiker, Unternehmer,
Diplomat und Eisenbahn-Pionier

1837
Der revolutionär-republikanisch gesinnte Verleger und Unternehmer Carl Joseph Meyer (1796 – 1856) schreibt in seinem Testamentsentwurf:
„Sterbe ich, so sterbe ich in dem Glauben an einen ewigen, gütigen und gerechten Gott, wie der beste und weiseste der Menschen, Christus, ihn sich gedacht hat; in der festen Überzeugung an die Unsterblichkeit meiner Seele, an das Wiedersehen meiner Lieben jenseits des Erdenlebens und an die Ewigkeit meiner Liebe zu Minna, der Mutter meiner Kinder, und an die Ewigkeit ihres geistigen Besitzes. Ihr der ewigen Braut meiner ewigen Seele, hinterlasse ich als Erbteil den unerschöpflichen Trost, der in jener Überzeugung für sie liegt; aber auch die Pflicht, mit großer und muthiger Seele zu Gottes Rathschluß, der mich früher von ihrer Seite wegen eines Zweckes dahin ruft, wo ich ihrer in Liebe entgegenharre, zu unterwerfen.“

1837
Unruhe wird im Herzogtum ausgelöst, weil Sachsen-Coburg eine schlecht geprägte Scheidemünze in großer Anzahl in den Geldumlauf bringt.

25. November 1837
† Dunkelgräfin (Marie Thérèse Charlotte v. Frankreich od. Madame Royale) in Eishausen.

28. November 1837, morgens 6 Uhr
Beisetzung der Dunkelgräfin auf dem Schulersberg in Hildburghausen. Die Beerdigung findet ohne den Dunkelgrafen und geistlichen Beistand statt.
Unter den Arkaden des Berghauses wird der Sarg auf Anordnung des Dunkelgrafen vom Diener Schmidt kurz geöffnet. Der Totengräber spricht am Grab ein Vaterunser.
Der Dunkelgraf verweigert Auskünfte zur Dame. Er soll gesagt haben: „Keine Macht der Erde soll mir mein Geheimnis entreißen, ich nehme es mit ins Grab!“ ,Die Kirchenleitung verlangt eine Legitimation. Der Dunkelgraf verhandelt mit Konsistorialrat Dr. Carl Ludwig Nonne und übergibt ihm einen Zettel mit der Notiz: ,Sophia Botta. Ledig. Bürgerlichen Standes, aus Westfalen, 58 Jahre alt. Im Hildburghäuser Verzeichnis der Gestorbenen findet sich der Eintrag:
„Name, Sophie, Wohnort, Eishausen, Alter, 58, Zeit des Ablebens, ‚den 25. Nov. 1837’, Zeit der Beerdigung‚ den 28. November früh 6 Uhr’, Anmerkung: ‚Das Nähere über die Verstorbene, welche seit mehr als 30 Jahren mit dem Unbekannten, welcher Graf de Vavel genannt wird, zu Hildburghausen und zuletzt in dem Schlosse zu Eishausen gelebt hatte und daselbst gestorben, ist in dem Hauptkirchenbuch und in dem Pfarrarchiv zu sehen.
N... L. Nonne.“

Schulersberg und Grab der Dunkelgräfin.
Historische Ansichtskarte, vor 1930
Sammlung Hans-Jürgen Salier

Hildburghausen und Eishausen sind in der europäischen Geschichtsforschung bekannt geworden durch „Das Rätsel von Hildburghausen – Dunkelgräfin und Dunkelgraf“.

Dazu schreiben die beiden Autoren, die inzwischen einhundert Jahre alte Forscherin Helga Rühle von Lilienstern (1912 – 2013) und Hans-Jürgen Salier:
„Es spricht seit langem alles dafür, dass die stets verschleierte, so genannte ‚Dunkelgräfin‘ die vertauschte und verborgene Tochter des enthaupteten Königspaares von Frankreich gewesen sein muss und dass alle anderen Deutungen … inzwischen längst widerlegt sind. Wir können davon ausgehen, dass wir es bei der ‚Dunkelgräfin‘ mit dieser Prinzessin und beim ‚Dunkelgrafen‘ mit dem holländischen Gesandtschaftssekretär Leonardus Cornelius van der Valck, der sich ‚Graf Vavel de Versay‘ nennt, zu tun haben. Die gelebte Gemeinschaft der beiden Menschen währt in Hildburghausen von 1807 bis 1810 und auf dem Schloss der ehemaligen Herren von Heßberg in Eishausen bis zum Tod der Gräfin 1837 bzw. des Dunkelgrafen 1845. Eine Fülle von Literatur behandelt das Thema und Erinnerungen werden beispielsweise im Stadtmuseum ‚Alte Post‘ in Hildburghausen bewahrt. Bedeutende Geistliche der Region haben zum Schutz des Paares beigetragen, so der Oberkonsistorialrat, Pädagoge und Schriftsteller Carl Ludwig Nonne (1785 – 1854), der Theologe, Hofprediger und Prinzenerzieher Christian Heinrich Kühner (1772 – 1827), der Theologe, Pädagoge und Schriftsteller Karl Kühner (1804 – 1872) und weitere. Die Exhumierung der Person in der Grabstätte am Stadtberg für ein Wissenschaftsprojekt des Mitteldeutschen Rundfunks ist sicherlich ein Mosaikstein dahingehend, dass bewiesen ist, dass die dort bestattete Person nicht identisch ist mit der Königstochter, was auch von Forschern vorher vermutet worden ist. Beschäftigt man sich mit der Geschichte genauer, prognostizieren einige Forscher bzw. man erkennt die vorausschauende und falsche Spuren legende Handlungsweise van der Valcks. Er hat vier Jahrzehnte Zeit gehabt, die Dame zu beschützen, bis über den Tod hinaus zu tarnen und sie nicht auf den Präsentierteller der Öffentlichkeit zu legen. Die Lösung des großen historischen Welträtsels bleibt damit weiterhin spannend.“
 

„Gruss vom Schulersberg.“ Lieblingsdomizil der Dunkelgräfin (Marie Thérèse Charlotte von Frankreich.
Lithographie Dorfzeitung Hildburghausen, 1904
 

1838
Bau der Kanalisation unter Generalmajor v. Mauderode; als Anhang zur Feuerordnung wird publiziert Beschreibung und Bezeichnung der vorhandenen oder anzulegenden Wasserleitungen, Reservoire, Schutzschleusen und Rettungsplätze (G. C. Winzer, W. H. C. König).
Bereits vor der Stadterhebung 1324 gibt es am Standort des Feuerteichs (400 m ü. NN) ein Wasserreservoir zur Brandbekämpfung. Feuerteich: 39 Ar großes künstliches Wasserbecken mit einem Fassungsvermögen von maximal 4.000 m³. Zwei in die Stadt führende Wasserablässe:
a) Hauptleitung in die Innenstadt;
b) in die Neustadt bis Hirschplatz (heute: Puschkinplatz), dann in die Werra. Das Wasser kann durch Umleitungsstellungen und mit Schiebern versehene Wasserschächte in die gesamte Innenstadt geleitet werden. Für die Steuerung der Anlagen gibt es Wassermeister der Feuerwehr.

1838
Die beiden Ziehbrunnen auf dem Markt werden entfernt, dafür erbaut Maurermeister Winzer einen monolithischen Brunnen für 1.089 fl., der vom 10. – 12.11.1902 nach Errichtung des Herzog-Georg-Brunnens abgerissen und von Maurermeister Siegmund Leffler für 50 M gekauft wird.

1838
Wachthaus am Oberen Tor (nahe heutige vr bank südthüringen, Sächsisches Haus [Farben-Bauer], Goetheplatz) wird abgerissen. Das Steinmaterial wird zum Bau des einstöckigen Leichenhauses mit Wohnung des Totengräbers am westlichen Eingang des Friedhofs an der Schleusinger Straße benutzt.

1838
Einbau einer neuen Orgel in die Bürdener Kirche.

17. Mai 1838
† Charles Maurice de Talleyrand. Der geniale und einflussreiche Außenpolitiker kennt den Dunkelgrafen und weiß um das Geheimnis der Madame Royale.
Der Dunkelgraf soll in Gesprächen mit Hohnbaum gesagt haben, dass er in die Welt zurückkehre, wenn ein Mann früher gestorben sei. Gemeint ist T. Der französische Pass des Dunkelgrafen ist von T. unterzeichnet und von Minister Pagarcel gegengezeichnet.

1838
Die Münze (heute: Gelände der Schlosspark-Passage) wird abgerissen, zuletzt befindet sich darin eine Druckerschwärzefabrik des Bibliographischen Instituts, später von H. W. Gadow.

23. August 1838
† Carl Christian v. Schuler
* 22.08.1756
Großherzoglich Mecklenburg-Strelitzer Kammerherr, Schriftsteller und hessischer Major
Er erwirbt von Gussios Witwe den später als Schulersberg benannten Berggarten am Nordhang des Stadtbergs, den er 1833 an den Dunkelgrafen verkauft. Auf der obersten Terrasse befindet sich seit 1837 die Begräbnisstätte der Dunkelgräfin.

Schuler ist Teilnehmer am amerikanischen Befreiungskrieg.

19. Oktober 1838
Abschluss der Wiederherstellung des Turms der Stadtkirche (beim Blitzschlag vom 05.02.1835 zerstört). Der mit Schiefer beschlagene Turm erhält einen vergoldeten Turmknopf und ein Kreuz. Beim Neubau setzt man als Turmknopf eine Urne auf, auf der ein wappenhaltender Löwe balanciert, der beim Blitzschlag am 05.02.1835 zerstört worden ist.

Um 1838
Der Dunkelgraf will das Land verlassen. Grundstück und Haus des Schulersbergs bekommt sein Diener Simon Schmidt geschenkt. In den letzten Lebensjahren verlässt der Dunkelgraf das Eishäuser Schloss jedoch nicht mehr.

1838
Der Münzkongress der Zollvereinsstaaten in Dresden beschließt die gemeinsame Vereinsmünze zu 7 Stück aus der Feinen Mark. Bewertungsverhältnisse zwischen den beiden Münzfüßen (in Sachsen-Meiningen-Hildburghausen Guldenwährung.):

12. Oktober 1838

  1 Taler              = 1 1/3 Gulden
30 Groschen     = 105 Kreuzer
  1 Groschen      =     3 Kreuzer
12 Pfennige       =     3 Kreuzer
  4 Pfennige       =     1 Kreuzer
2/3 Taler           =     1 Gulden
20 Groschen     =   60 Kreuzer

Bürgerschule und Gymnasium sind bis zum Zeitpunkt eng miteinander verbunden.
Die Eröffnungsveranstaltung findet im Schloss im Beisein von Herzog Bernhard II. Erich Freund statt. Neue Lehrpläne werden eingeführt.
Die Schüler der obersten Klassenstufe der Bürgerschule können den Übergang zur Untersekunda des Gymnasiums vollziehen. Es erfolgt die Aufhebung der Verbindung, und das Gymnasium wird als eigenständige Staatsanstalt unter Aufsicht der Landesschulbehörde reorganisiert. Als Ursachen der Trennung sind das allgemein gesunkene Niveau, die fehlende Disziplin und der mangelhafte Fremdsprachenunterricht zu sehen, die nicht den Forderungen der gymnasialen Ausbildung entsprechen.

1838
Carl v. Pfaffenrath richtet am Hildburghäuser Lehrerseminar eine landwirtschaftliche Lehreinrichtung ein, 1845 gründet er eine Gesellschaft zur Förderung der Landwirtschaft mit Zweigvereinen in Sachsen-Meiningen-Hildburghausen. Herausgabe einer Landwirtschaftlichen Dorfzeitung.

1839
Julius Springmühl, Rawitsch/Posen, erwirbt die Neustädter Apotheke (Abriss 1989 und Neuaufbau als Zweigstelle der Kreissparkasse, Schleusinger Str. 6). S. ist 14 Jahre Mitarbeiter an Meyers Konversations-Lexikon und schreibt Artikel bzw. Textbeiträge zur Chemie. Er ist Mitglied der Medizinaldeputation in Meiningen und Apothekenrevisor.

1839
Oberlandesgerichtsrat v. Wechmar aus Hildburghausen wird Präsident der Regierung in Meiningen.

23. Mai 1839
Nach knapp drei Jahrzehnten der Tätigkeit als Leiter des Schullehrerseminars wird Dr. Carl Ludwig Nonne abberufen. Mehr als 100 Lehrer huldigen dem großen Pädagogen.

2. Juni 1839
Königin Therese von Bayern besucht mit Herzogin Paul von Württemberg, den Prinzen Friedrich und Eduard (ehemals Sachsen-Hildburghausen) und ihrem Sohn Luitpold (nachmaliger Prinzregent Luitpold von Bayern) das Schloss Seidingstadt.

19. Juni 1839
Hagelschlag („Schlossen wie Steine“) vernichtet die Ernte.

25. August 1839
Lieferung des 1. Bandes des 52-bändigen Conversations-Lexicons.

1839
Die jüdische Schule in Hildburghausen wird von sieben Schülern besucht.

Mitte 19. Jahrhundert
Zum Schulwesen bemerkt Human:
„Akten und verbürgter Tradition zufolge war die Disziplin hier jahrzehntelang der schwächste Punkt, und dem Schulorganismus fehlte lange der innere Zusammenhang. Dazu bis zur Neuzeit viele Klagen über Verwendung der Kinder in Fabriken oder als Aufwärterinnen und Kindermädchen, wodurch der häusl. Fleiß beeinträchtigt und Schläfrigkeit beim Unterricht.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999, S. 524)
Der Chronist erwähnt, dass für die Kinder des gutsituierten Bürgerstandes die Privatschule J. G. Heubleins gegründet wird, die aber bald wieder aufgelöst wird, da ihr Gründer 1834 stirbt.

1840

Erhebung der Hildburghäuser Postverwaltung zum Postamt; Postverwalter Johann Friedrich Löhner wird zum Postmeister ernannt.

Mai 1840
Der deutsche Nationalökonom Friedrich List, Vorsitzender des Deutschen Handels- und Gewerbevereins, besucht J. Meyer in Hildburghausen. Der Besuch gilt als Geburtsstunde der Werra-Eisenbahn, nachdem List bereits 1833 ein deutsches Eisenbahnnetz konzipiert hat, das u. a. auch von Coburg nach Gotha führt. List kann in der Folge einzelne Thüringer Fürsten für seine Pläne begeistern. Das Königreich Bayern ist anfangs gegen diese Planung, weil die Ludwig-Süd-Nordbahn favorisiert wird auf der Streckenführung Lindau über Nürnberg – Bamberg – Hof bis zur sächsischen Landesgrenze.

1840

Einweihung des Krankenhauses in der heutigen Külzstraße. Das einstige reformierte Pfarrhaus geht durch Tausch- und Abtretungsverträge (1827) an das Land, das es der Stadt als Krankenhaus überlässt.
(s. auch 21.10.1878)

Der Anbau von 1840 wird beispielsweise nach 1945 als Kreislungenfürsorge und Gesundheitsamt genutzt, zeitweise auch als Musterungsstützpunkt des Wehrkreiskommandos, in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts Kreisstelle für Rehabilitation.

8. Juni 1840
† Gottlieb Carl Hieronymi
Regierungspräsident
Er ist bemüht um den Erhalt des Hildburghäuser Hofes und gilt als Ordner der desolaten Finanzverhältnisse Sachsen-Hildburghausens, in der Meininger Regierung. Er ist Präsident der Regierung und des Oberlandesgerichts (1836 aus Altersgründen dem Meininger Regierungspräsidenten v. Fischern als Oberlandesgerichtspräsident abgelöst), Besitzer des späteren Logenhauses (Johann-Sebastian-Bach-Straße 13/15).

23./24. Juni 1840
Die 400-Jahrfeier des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (Johannes Gensfleisch zur Laden, gen. Gutenberg) wird von der Hofbuchdruckerei Gadow & Sohn in der heutigen Johann-Sebastian-Bach-Straße festlich begangen (Theateraufführung zu J. Gutenberg, Festakt und Festrede Dr. Stürenburgs im Schloss, Ouvertüre zu Egmont von Beethoven, Festfeier auf dem Schützenhof).


18. August 1840
Gründung des Thüringer Eisenbahnvereins.

1840
Die Truppen des Herzogtums halten in Hildburghausen das traditionelle Herbstmanöver ab, der österreichische Generalleutnant v. Heß beobachtet die Truppen und inspiziert sie.


Hildburghausen um 1840.
Handkolorierter Stich von L. Rohbock
Sammlung Hans-Jürgen Salier

27. November 1840
Großfürstin Elena Pawlowna von Russland besucht Hildburghausen, die Heimatstadt ihrer Mutter, Herzogin Paul von, Württemberg (geborene Prinzessin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen). 

Elena Pawlowna ist verheiratet mit Michail Romanow, dem jüngeren Bruder des Zaren Alexander I. Die sozial engagierte Großfürstin und Förderin der Künste ist u.a. mit Iwan Turgenjew und Alexander Puschkin befreundet.

1840 – 1860
In der Wallrabser Flur Richtung Georgental (Rote Leite) gibt es einen ertragreichen Hopfenanbau. Im 15. Jahrhundert wird bereits der Hopfenberg „an der roten leyte“ erwähnt.

1841
Dr. phil. Friedrich Hofmann (s. 14.08.1888) übersiedelt nach Hildburghausen. Er ist freier Mitarbeiter an Meyers Conversations-Lexicon.

20. Dezember 1841
Staatsvertrag zwischen Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Meiningen-Hildburghausen und Sachsen-Coburg und Gotha zum Bau der Werra-Eisenbahn. 

Die Hieronymischen Häuser in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 13/15.
Der Edelputz des Logenhauses mit den Logensymbolen ist 1956/57 abgeschlagen worden,
weil sie nicht in die Sozialismuszeit gepasst haben.
Foto aus den zwanziger Jahren.
Sammlung Bastian Salier


15. April 1841
Das Logenhaus am Häfenmarkt wird mit Garten, Holzgerechtsame und Braurecht verkauft, am 16.06. das neue Logenhaus in der Schlossgasse, die sog. Hieronymischen Häuser (heute: Johann-Sebastian-Bach-Straße 13/15), von den Freimaurern erworben.

Ab 1842
Edition Weihnachtsbaum für arme Kinder – Gaben deutscher Dichter im Bibliographischen Institut.
Das Werk wird unentgeltlich produziert, die Erlöse kommen bedürftigen Kindern zugute. Bis 1875 werden ca. 80.000 Kinder in Deutschland beschenkt. Zu den Autoren gehören u. a.: A. Bube, F. Fuhrmeister, F. Hauck, G. Kinkel, L. Köhler, J. Meyer, J. Schneyer, S. Steinhard, L. Westrum, E. Wölfing, L. Wucke.

4. Januar 1842
Herzog Bernhard II. Erich Freund gründet die Taubstummenschule, Eröffnung am 22.02.1843 mit sieben Schülern, sie wird dem Landeslehrerseminar angeschlossen.
Ziele: Bildungsfähige Kinder sollen Kenntnisse und Fertigkeiten vollsinniger Kinder erwerben; künftige Lehrer werden befähigt, taubstumme Kinder an ihrem jeweiligen Dienstort zu bilden und zu erziehen. Schüler werden im Seminar unterrichtet und sind extern untergebracht.
Taubstummenlehrer ist Johann Daniel Heil (* 02.11.1818, Einhausen), ehemals Seminarist in der Taubstummenanstalt Erfurt, er wird von der Meininger Regierung nach Hildburghausen berufen. 1865 Buchveröffentlichung Der Taubstumme und seine Bildung. Seit Gründung der Taubstummenschule werden Schüler nach der Lautsprachmethode unterrichtet.

1842
Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der Dichter des Liedes der Deutschen, besucht Joseph Meyer in Hildburghausen.

1842

Das Konsistorium empfiehlt anstatt harter körperlicher Züchtigung in der Schule eine ernste, den Geist und das Gemüt der Kinder anregende Unterrichtsmethode, der väterliche Charakter der Schulzucht wird betont.

1842
Einbau der Turmuhr für die Bürdener Kirche.

1842
Joseph Meyer kauft den Berggarten am Stadtberg. Der Bergrain und der von ihm errichtete felsumgürtete achteckige Turm bietet „... seinem feurigen Geist die notwendige Ruhe zur Produktion“.(Prof. Dr. Hans Meyer, 1896)

.

Meyerturm auf dem Stadtberg kurz vor seiner Zerstörung Ende der fünfziger Jahre.
Foto: Heinz Harport, Hildburghausen-Gerhardtsgereuth



„Meyer’s Thurm auf dem Stadtberg“.
Nach einem Stahlstich des Bibliographischen Instituts Hildburghausen. Zeichnung von Meta Meyer, Tochter von
Minna und Carl Joseph Meyer.

Verlag von Ludwig Witter, Hildburghausen, um 1900

8. April 1842
Ein Blitzschlag in die katholische Kirche verursacht erhebliche Schäden. Eine Spendenaktion ergibt nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten einen Überschuss von 1.551 Gulden.

1842
Die Städtische Sparkasse Hildburghausen wird mit der Stadtkämmerei vereinigt.
Es kommt aber nicht zu einem Einlagenschub (1844 = 79.747 Gulden Einlagen). Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind relativ ungeordnet (z. B. Privatausleihen ohne genügende Sicherheit). Einlagen dürfen nur in begrenzter Höhe von den Bürgern der Amtsgerichtsbezirke Hildburghausen und Heldburg angenommen werden. Größere Kapitalmengen werden nach außerhalb verbracht, während von außerhalb kein Geld angenommen werden darf. Diese eingeschränkte Finanzwirtschaft lässt die Sparkasse nicht zu einem leistungsfähigen Wirtschaftsinstitut wachsen. Das geschieht erst nach 1866 bzw. nach Reichsgründung.

1843 – 1871
Die Hof- und Stadtapotheke wird von dem aus Hameln stammenden Apotheker und Dichter Ludwig Westrum für 15.000 Taler gekauft. W. ist ein Freund Friedrich Rückerts und Dr. Friedrich Hofmanns. Die Apotheke geht als sog. Dichterapotheke (1843 – 1871) in die Geschichte ein. Bei W. sind überdies die Dichter Friedrich Conrad Müller v. d. Werra von 1843 – 1845 und Ludwig Isleib von 1847 – 1853 tätig.

18. Februar 1843
Prinzessin Maria Alexandrine Wilhelmine Katharine Charlotte Therese Henriette Louise Pauline Elise Friedericke Georgine v. Sachsen-Altenburg (* 14.04.1818, Hildburghausen – † 09.01.1907, Gmunden/Oberösterreich), Tochter des ehemaligen Erbprinzen Joseph von Sachsen-Hildburghausen und nachmaligen Herzog v. Sachsen-Altenburg, heiratet Kronprinz Georg, seit 1851 König v. Hannover. Die Königin (bis 1866) ist in ihrer Lebenszeit Hildburghausen sehr eng verbunden, selbst ihrem ersten Lehrer Paul Wigand.

8. April 1843
Ein Blitzschlag in die katholische Kirche Hildburghausen verursacht erhebliche Schäden, aber keinen Brand. Eine Spendenaktion bringt den beträchtlichen finanziellen Überschuss von 1.551 Gulden. Auf einem Backstein neben dem Opferstock am Südportal ist die Jahreszahl des Unglücks eingeritzt.

1843
Dreimal wöchentlich fährt ein 6-sitziger Eilwagen von Hildburghausen nach Eisenach. Preis pro Meile 18 Kreuzer.

 

Postkutschenschein über Extrapostgeld für eine Fahrt des Erbprinzen Georg von Sachsen-Hildburghausen
und nachmaligen Herzog von Sachsen-Altenburg (Regierungszeit: 1848 – 1853) von Schleusingen nach Hildburghausen.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1843
Konsistorial- und Schulrat Dr. Kießling geht an das Gymnasium Posen, seine Stelle übernimmt Direktor Schulrat Peter.
            (s. 1852) 

9. November 1843
* Rudolf Armin Human, Schalkau
† 03.09.1923, Hildburghausen.

23. Dezember 1843
Herzog Bernhard II. Erich Freund erlässt ein „Provisorisches Regulativ über die Gemeindeverfassung und Verwaltung der Stadt Hildburghausen“.

1843
Im Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen leben 154.460 evangelische Christen, 1.508 Juden, 888 katholische Christen, 74 Mennoniten (Anhänger einer evangelischen Freikirche).

1844
In Hildburghausen leben 4.182 Bürger, darunter 43 Katholiken, 130 Juden. 457 Wohnhäuser.
In Häselrieth sind es 381 Einwohner in 75 Wohnhäusern.
Häselrieth hat ferner Pfarrhaus, Schule, Wirtshaus, Dorfmühle und außerhalb des Ortes 2 Mühlen.
Häselrieth ist eines der reichsten Dörfer der Umgegend, das Vermögen wird auf 600.000 Gulden geschätzt. Es ist überliefert, dass das Dorf in den vorangegangenen Jahrhunderten auch Geldgeber für das fürstliche Haus gewesen ist.

1844
Gründung eines Lesevereins unter Dr. Siebelis, um 1880 ein Bestand von mehr als 3.000 Bänden und mehrerer Periodika. Den Vorstand bilden bedeutende Persönlichkeiten: Hofrat Rittweger, Prof. Hunger, Rat Heine, Prof. Heyn, Frl. A. Radefeld.

3. April 1844
† Carl v. Baumbach auf seinem Rittergut bei Meiningen.
Regierungsrat in Altenburg, um 1800 nach Hildburghausen, Freund Dr. Sicklers, 1814/15 Teilnehmer am Wiener Kongress, bis 1818 neben Carl Ernst Schmidt und Wagner Chef des Ministeriums, ab 1821 Staatsdienst in Meiningen. Er arbeitet 1826 den Teilungsvertrag der drei Herzogshäuser aus. Minister, 1830 Landmarschall im Meininger Landtag und ab 1831 in Kassel. B. entsendet Nonne zu Pestalozzi, er ist Mitarbeiter der Dorfzeitung und baut das Oberlandesgericht 1829 in Hildburghausen auf. Enger Vertrauter und Freund des Herzogs Bernhard II. Erich Freund. 

23. Mai 1844
In den Gemeinderat Hildburghausen wird ein Gesetzentwurf zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden eingebracht. Man verwirft ihn, weil festgestellt wird, dass er u. a. nicht den Zeitverhältnissen entsprechen würde (man solle erst ähnliche Vorschläge aus größeren Staaten abwarten). Die Bildungsstufe der Juden sei sehr niedrig, seit dem Gesetz von 1814 habe sich kein Jude dem Gewerbe und dem Landbau zugewandt, sondern sei nur dem Handel und der Schacherei nachgegangen. Es wird beklagt, dass sich die Juden selbst isolierten und sich nur schwer in die Gemeinschaft mit den Christen einfügen.
Im Gemeindegesetz des Herzogtums vom 11.03.1848 wird den Juden das Recht zugesichert, dass ihnen das Ortsbürgerrecht erteilt wird, wenn sie das Staatsbürgerrecht besitzen. Voraussetzung hierfür ist der Nachweis, dass sie sich selbst ernähren können und der Stadt nicht zur Last fallen, dass sie bisher ein Wohlverhalten gezeigt haben.
Erst im Ergebnis der 48er Ereignisse mit der Verabschiedung der Grundrechte des deutschen Volkes (27.12.1848) tritt man der regionalen Ausgrenzung der Juden mehr entgegen als vorher. Darin heißt es u. a., dass jeder Deutsche das Recht habe, sich an jedem Ort des Reichsgebiets seinen Aufenthalt und seinen Wohnsitz zu nehmen, Liegenschaften zu erwerben, Gewerbe auszuführen und die Gemeindebürgerrechte zu erwerben. Das religiöse Bekenntnis soll die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte nicht einschränken.
Der Hildburghäuser Magistrat findet sich hiermit nicht ab und lässt u. a. am 25.05.1849 verlauten:„Wenn auch die israelitische Gemeinde keine besondere politische Gemeinde gebildet haben sollte, so steht doch soviel fest, daß eine Gleichstellung der hiesigen israelitischen Einwohner mit den christlichen in Bezug auf bürgerliche Gerechtsame in keiner Weise stattfand. Die israelische Gemeinde soll erst Vorschläge und Erklärungen abgeben, ehe die Angelegenheit beim Bürgerausschuß in Beratung genommen werden kann.“
Die Mitglieder der israelitischen Gemeinde wehren sich gegen diese Aussage und verweisen auf die Grundrechte des Herzogtums und des Deutschen Bundes. Erst mit dem Gesetz vom 22.05.1856 „betr. die Normen für die Verhältnisse der Juden“ kommt es auch für den Magistrat der Stadt zu eindeutigen Regelungen.

Sommer 1844
Ludwig Köhler (1819 – 1862), Schriftsteller, Mitarbeiter Meyers, nimmt in Hildburghausen seinen ständigen Wohnsitz. K. wird u. a. Sektionsredakteur am Conversations-Lexicon und an der Geschichtsbibliothek.
(s. 04.08.1862)

1844
Der Kanalpächter Oppel aus Friedrichshall erntet im Kanal 30 Zentner Edelfische.

16. Oktober 1844
Nach dem Tod von Ferdinand Kesselring übernimmt wegen der Bedeutung der Kesselring'schen Hofbuchhandlung, vor allem für die Bereiche Kultur, Bildung und Erziehung, Presse, Territorialgeschichte, ein Konsortium die Geschäftsleitung: Dr. Carl Ludwig Nonne, Dr. Carl Hohnbaum, H. C. Jacobi und Georg Ludwig Winzer. Der Schulbuchverlag wird weiter kultiviert.

1845
Betriebsreorganisation des Postamts Hildburghausen, um das erhöhte Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Postmeister Friedrich Albert Laurich (1815 – 1892) übernimmt bis 1867, dem Ende der Thurn und Taxisschen Lehnspost, die Amtsgeschäfte.

14. Januar 1845
† Johann Erdmann Scheller, Hildburghausen
* 30.09.1785, Hildburghausen
Großkaufmann, Finanzier Meyers, Kunstsammler
Weingroßhändler in Geschäftsverbindung mit seinem jüngeren Bruder Johann Wilhelm Scheller (bis 1821), Eröffnung eines kleinen Bankgeschäfts, Wollweberei und Spinnerei, Leinwandmagazin; er erwirbt das Minister- und Gesandtenhaus in der Schleusinger Straße (später: Seminargebäude, Schülerheim). 1827 Verkauf des Gebäudes an die Landesregierung und Erwerb des Brunnquellschen Hauses (Obere Marktstraße 44). Er macht sich um den Bau des Kirchturms der Waisenhauskirche (Apostelkirche) verdient. Ihm ist in erster Linie die Etablierung und die finanzielle Förderung des Bibliographischen Instituts von Joseph und Minna Meyer zu verdanken (17.12.1828 Teilhaber mit 50.000 fl., 1829 weitere 25.000 fl. Darlehen, er verzichtet nach Absinken der Schuldensumme am 05.01.1831 auf seine Rechte [Sch. wird zum „ökonomischen Gewissen Meyers“]), 1853 besitzt Meyer gegenüber Scheller noch eine Kapitalschuld von 100.000 Gulden. Als enthusiastischer Kunstfreund nimmt er inhaltlich Einfluss auf das Bibliographische Institut, er fördert die Entwicklung der Kunst und Kultur in Hildburghausen. Meyer veranstaltet beispielsweise im Residenzschloss 1840 eine Ausstellung von Kunstgegenständen, Gemälden, Kupferstichen und Radierungen aus der Sammlung Scheller. Dr. Friedrich Sickler veröffentlicht 1833 ein gedrucktes Verzeichnis der Schellerschen Kunstsammlung, in dem Werke von Giordano, Holbein, Cranach, Tischbein, Rubens, Altdorfer verzeichnet sind. Sch. engagiert sich im sozialen Bereich.
(s. auch Bibliografie. Gerhard Steiner: Ein Finanzier im Dienste der Kunst und Literatur – Erdmann Scheller in Hildburghausen

Steiner schreibt (S. 105) u. a.:
Das bisher vorwiegend auf das Handwerk und die Kleinmanufaktur orientierte Hildburghausen bekam durch das Bündnis Scheller-Meyer neue ökonomische Konturen. Es begann hier, und zwar im Vergleich zu anderen Gebieten Deutschlands verhältnismäßig früh, die industrielle Revolution. Scheller setzte darauf, daß die maschinelle Produktion, die Meyer mit seiner Hilfe auf mehreren Gebieten zugleich betrieb, im Verein mit neuen Handelsmethoden, mit denen Meyer die kleinstaatlichen Hemmungen übersprang, höhere Gewinne erzielte als die Manufaktur und wagte den Einsatz eines beträchtlichen Teils seines Vermögens."

15. März 1845
Joseph Meyer gründet die Aktiengesellschaft Deutsche Eisenbahn-Schienen-Compagnie in Neuhaus-Schierschnitz.

Auch in „Herzogl. S. Meiningisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt für das Herzogthum Hildburghausen
und das Fürstenthum Saalfeld“ wirbt Joseph Meyer für die Produkte seiner Schienen-Compagnie
(Nr. 34 vom 19. August 1948, S. 203)
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

 

8. April 1845
† Leonardus Cornelius van der Valck (Dunkelgraf), nahezu 80-jährig. 11.04. Beisetzung auf dem Eishäuser Friedhof an der Seite von Hofprediger Heinrich Kühner.

22. Mai 1845
† Johann Friedrich Löhner, Hildburghausen
* 08.04.1784, Hildburghausen
Thurn und Taxisscher Postmeister, Mitbegründer der „Dorfzeitung“ und der Städtischen Sparkasse
Thurn und Taxisscher Postwagenexpeditor der Fahrenden Post, nach 1809 Postverwalter der Lehnspost. Einflussreicher Geschäftsmann, der die Postverwaltung und die Posthalterei bis 1818 in seiner Hand hat. Zieht 1809 in das von Tobias L. ererbte Gebäude am Häfenmarkt (heute: Stadtmuseum Alte Post). Im Südflügel befindet sich Parterre die Taxissche Briefpost. Vierteljährlich muss er mit der Thurn und Taxisschen Generalpostdirektion in Regensburg abrechnen, die Fahrpost mit der Herzoglichen Kammer. Nach 1824 ist er Verwalter der Städtischen Sparkasse, und 1840 wird die Postverwaltung zum Postamt erhoben und L. zum Postmeister ernannt. L. ist sehr vermögend und erwirbt sich große Verdienste in der Armenhilfe. Er regt im Gasthaus in Steinfeld die Gründung der Dorfzeitung (1818) mit an.

4. Juni 1845
Übereinkunft zwischen den Regierungen des Königreichs Bayern, des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, den Herzogtümern Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, Sachsen-Coburg und Gotha über den Bau einer Eisenbahnverbindung von der oberen Main- bis zur Wesergegend; Vereinbarungen zum Postwesen werden einbezogen.

3. August 1845
† Friedrich Wilhelm Lomler (Dr. theol.), während einer Predigt in Saalfeld
* 01.10.1774, Ernstthal
Theologe, Superintendent, Fürstenerzieher, Literat
Lomler wird vom Eisfelder Rektor Krauß gefördert, lernt bei Prof. Walch am Schleusinger Gymnasium. 1795 ist er Hauslehrer bei der Familie Gotthelf Greiner in Limbach, 1796 in Wallendorf. 1800 Student der Philologie in Leipzig, 1802 Pfarrer in Weitersroda, dann Lehrer des Erbprinzen Georg, 1805 Frühprediger und Religionslehrer in Hildburghausen, Vikar in Häselrieth. Er entwickelt sich zu einem der geistvollsten Gäste am Fürstenhof und beeinflusst wesentlich das geistige Klima der Residenzstadt. Er verfasst zum Abschied Prinzessin Thereses 1810 das bei Perthes in Gotha gedruckte Drama Gunnal und Lina (Lossinsche Jugendschrift Gunnal und Lina,eine Lieblingslektüre der Prinzessin). Er ist Nachfolger Kühners (1811) als Hofdiakon und unterstützt Geschädigte der Völkerschlacht bei Leipzig. Ab 1801 Ausgabe der Zeitschrift Chronik für Franken. Ab 1815 zum 300-jährigen Reformationsjubiläum Edition von Lutherschriften: Dr. Martin Luthers deutsche Schriften, teils vollständig, teils in Auszügen. Ein Denkmal der Dankbarkeit des deutschen Volkes im Jahre 1817 zur würdigen Feier des dritten Jubelfestes der protestantischen Kirchen herausgegeben von Fr. Wilh. Lomler, Hofdiakonis in Hildburghausen. Gotha, in der Beckerschen Buchhandlung 1816 – 1817 in 3 Bänden (mit zusammen 95 1/2 Bogen und 4 Kupfern). 1818 Übernahme der Waisenhauspfarrei. 1819 Superintendent in Heldburg, Mitarbeiter mehrerer (literarischer) Zeitungen, u. a. Dorfzeitung. 1829 Übernahme der Superintendentur und Hofpredigerstelle in Saalfeld. 24.06.1830 Ehrendoktorwürde (Dr. theol.) der Landesuniversität Jena.

August 1845
Der Erzieher des Erbprinzen Georg, Konsistorialrat v. Seebeck, tritt als Mitglied des Konsistoriums in den Hildburghäuser Dienst und wird wenig später Konsistorialvizedirektor.

9. September 1845
Nach dem Strafgesetzbuch ist die Bestrafung wegen des Missbrauchs der EhrenprädikateJunggeselle und Jungfrau bei Proklamation nicht mehr zulässig.

1845
Das Westportal der Neustädter Kirche wird restauriert und in Teilen neu gestaltet, 1863 wird die Treppe in das Portal verlegt.

1. November 1845
Ab dem Zeitpunkt verkehrt täglich eine Eilpost von Meiningen über Römhild nach Hildburghausen und zurück.

1845
Johannes Nonne übernimmt von seinem Vater, Dr. Carl Ludwig Nonne, die Redaktion derDorfzeitung. Er führt das Blatt 45 Jahre.

Druckerei der Dorfzeitung (Dr. L. Nonne’s Erben) in der heutigen Geschwister-Scholl-Straße.
Bis 2006 Sitz der Druckerei Offizin Hildburghausen und des Verlags Frankenschwelle,
am 4. Juli 2008 bei einem Brand zerstört.
Dorfzeitung Hildburghausen, 1901

Sammlung Hans-Jürgen Salier

1846
Folgende Tiere werden in Hildburghausen gehalten: 114 Pferde, 2 Stiere, 41 Ochsen, 271 Kühe, 54 Stk. Jungvieh, 137 Schafe, 335 Ziegen, 372 Schweine.

12. Januar 1846
Festveranstaltung zum 100. Geburtstag des schweizerischen Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Der Pestalozzischüler Dr. C. L. Nonne hält die Festansprache.

13. März 1846 und 5. Mai 1850
Mit Gesetzen kommt es zur großen allgemeinen Befreiung der historisch überlebten Feudallasten (Gesetze zur Ablösung von Zehnten, Lehen, Fron, Erbzinsen u. ä. Gerechtsamen). Bäuerliches Eigentum ist vorwiegend an die Besitzform des Erbzinsguts und des schlichten Zinsguts gebunden, für die der Bauer Abgaben leisten muss, die sich seit dem Mittelalter von Naturalabgaben und Frondiensten in Geldabgaben wandeln. Der Einfluss der Französischen Revolutionen von 1789 – 1795 und 1830 stärken auch das Selbstbewusstsein des Bauernstands, bis es mit der 48er Revolution zur Befreiung von den bedrückenden Lehensverhältnissen kommt. Folge sind u. a. höhere Erträge in der Landwirtschaft.

1846
Der Turm der Ebenhardser Kirche wird mit einem beschieferten viereckigen Geschoss mit Rundbogenfenster und achteckigem Arkadenaufsatz mit Turmhelm erhöht.

1. Juli 1846
Einrichtung einer Botenpost nach Heldburg (sechsmal wöchentlich), ferner fährt täglich eine viersitzige Personenpost auf der Route Eisenach – Meiningen – Römhild – Hildburghausen, weiter nach Eisfeld und Sonneberg.

6. Juli 1846
Brandkatastrophe. Die Häuser Eichlam, Hoffmann und Schamberger am Markt brennen ab.

1846
Joseph Meyer veröffentlicht seinen Plan zum Bau eines Deutschen Central-Eisen-Bahn-Netzesmit Thüringen als Mittelpunkt, das mit heutigem Netz im Wesentlichen übereinstimmt. Das Vorhaben scheitert vorerst an der Engstirnigkeit einiger deutscher Fürsten.

1846
In Sachsen-Meiningen-Hildburghausen leben 160.545 Menschen, davon 73 Prozent auf dem Land.

28. Februar 1847
Schließung der Hofkirche im ehemaligen Residenzschloss. Den Schlussgottesdienst hält Dr. Nonne. Die Gemeinde der Schlosskirche wird mit der der Stadtgemeinde vereinigt. – An die Stadtkirche (Christuskirche) kommen u. a. Gemälde, Tauf- und Abendmahlsgeräte, zwei Kruzifixe (vergoldet sowie aus Elfenbein geschnitzt), ein Kapital von 7.000 Gulden. Die Waisenkirche (Apostelkirche) erhält u. a. die vergoldeten Holzfiguren Johannes der Täufer (mit Fell), Johannes der Evangelist (mit Kelch). Die Orgel wird im damaligen Gymnasium (Obere Marktstraße 46) aufgebaut.
Die Hofkirche wird zu einem prunkvollen Schwurgerichtssaal umgebaut.

7. April 1847
Leichtes Erdbeben.

1847 – 1855
Ein Teil der Straße von Wallrabs nach Stressenhausen wird erbaut.

12. Dezember 1847

† Herzogin Paul von Württemberg (Prinzessin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen, * 17.06.1787), Residenzschloss zu Bamberg, das ihre Schwester Therese, Königin von Bayern ihr zur Verfügung stellte. Die sterbliche Hülle wird in der Gruft des württembergischen Königshauses in Ludwigsburg beigesetzt.
Sie ist eine Tochter Herzog Friedrichs und Herzogin Charlottes, Gemahlin des Herzogs Paul von Württemberg. Das Paar trennt sich. Die Prinzessin wohnt seit 1827 in dem 1750 vom Geheimen Kriegsrat v. Könitz erbauten Hoheitshaus – später im Besitz des Prinzen Eugen und danach des Kanzlers Ulrich Röder – (Puschkinplatz/Untere Allee). Dort unterhält sie selbst nach Wegzug des Hofes einen kleinen Hofstaat. Sie ist die Mutter Augusts von Württemberg (Feldherr der Kriege von 1866 und 1870/71), und der politisch einflussreichen Großfürstin Elena Pawlowna von Russland. Sie ist in Hildburghausen sehr beliebt und gilt als Wohltäterin der Armen.
Der große Nachlass der Herzogin wird am 10.07.1848 vom Herzoglichen Kreis- und Stadtgericht Hildburghausen von Kriminalrat C. A. Göbel versteigert.
Herzog Paul (Friedrich Carl August) von Württemberg
* 19.01.1785, Petersburg
† 16.04.1852, Paris, Sohn des späteren Königs Friedrich I. von Württemberg.
Er studiert u. a. in Tübingen und entfernt sich nach einem Zerwürfnis mit seiner Gemahlin aus dem Königreich, kehrt zurück und wird auf Schloss Comberg interniert. Nach Begnadigung geht er 1813 in russische Dienste und wird aus Russland ausgewiesen, verlässt anschließend Prinzessin Paul in Hanau und geht nach Paris.

Herzog Paul wird in mehreren Werken und Aufsätzen zur Geschichte Hildburghausens verwechselt mit Herzog Paul Friedrich Wilhelm von Württemberg (Neffe des Königs Friedrich I. von Württemberg), 1797 – 1860, der als Naturforscher und Weltreisender in die Geschichte eingeht.

Hirschplatz (heute: Puschkinplatz) mit dem Hoheitshaus, 1904.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1847 – 1860
Das Thurn und Taxissche Lehnspostamt befindet sich im Vorderhaus des Gasthauses Zum Englischen Hof am Markt.

1848 – 1854
Im Bibliographischen Institut erscheinen drei Ausgaben der billigen Klassikerbibliothek Meyers Groschenbibliothek in 365 Bänden.

15. Januar 1848
In „Herzogl. S. Meiningisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt für das Herzogthum Hildburghausen und das Fürstenthum Saalfeld.“ Nr. 4, Sonnabend, den 22. Januar 1848, S. 24 f. veröffentlicht Hauptmann Mosengeil vom Herzoglichen Feldjäger-Kommando das Verzeichnis der Dienstverrichtungen des Feldjägerkommandos für das Jahr 1847 aufgelistet.





18. Januar 1848
† Christian Jacob Heinrich Knopf (Dr. med.), Hildburghausen
* 08.03.1781, Derenburg/Halberstadt
Chirurg, Hofrat, Ehrenbürger

26. Februar 1848
† Bernhard Metzeroth, Hildburghausen
* 18.11.1813, Weimar
Kupferstecher
Besuch der Weimarer Kunstschule, u. a. bei dem Luther-Illustrator C. A. Schwerdgeburth. M. ist einer der produktivsten Stecher für Meyers Universum.

1848
Schreibleseunterricht, Lautier- statt der Buchstabiermethode, wird in der Stadtschule eingeführt.

27. Februar 1848
In Zeitungsmeldungen heißt es, dass der französische König Louis Philipp gestürzt sei. Das und die allgemeine politische Anspannung in Deutschland erzeugen auch im Herzogtum Aufgeregtheit. Bereits lange vorher hat sich wegen ungelöster politischer und sozialer Probleme (z. B. Missernten) Zündstoff angesammelt. Politische Forderungen, wie nahezu überall in Deutschland, an die Landesregierung werden deutlicher formuliert. Insgesamt ist aber die schwache Opposition in sich gespalten und begnügt sich teils mit dem Erreichten. Dem zum Zeitpunkt einberufenen Landtag gehören aus dem heutigen Kreisgebiet folgende Abgeordnete an:
1. Ritterstand: Konsistorialdirektor v. Bibra, H.; Hoffmann, Eisfeld; Bürgerstand: Oberkonsistorialrat Dr. Nonne, Advokat Jakobi, Hildburghausen; Senator Lutz, Eisfeld; Bauernstand: Henneberger, Neubrunn; Crämer, Streufdorf; Sonnefeld, Brünn.

8. März 1848

Aufhebung der Zensur und Freigabe der Presse im Herzogtum. Der Herzog verkündet, dass eine Nationalvertretung und eine Nationalbewaffnung erfolge. Die Zugeständnisse des Fürsten reichen aber vielen Abgeordneten des Landtags nicht aus. Der Volkszorn entwickelt sich am gleichen Abend in Meiningen zum Aufruhr. Auch in Hildburghausen gärt es.

1848
Aufhebung des Stadtgerichts.
(s. 21.01.1829)

1848

Hildburghausen wird Zentrum der 48er Revolution in Südthüringen. Besonders engagieren sich Joseph Meyer und seine Mitarbeiter, Dr. Eugen Huhn und Ludwig Köhler.

12. März 1848
Reformadresse J. Meyers mit 35 demokratischen Forderungen an den Meininger Herzog, u. a. zur„Umgestaltung des Deutschen Bundestages in ein deutsches Volksparlament“, „Freiheit der Gedankenmitteilung“, „Denk- und Glaubensfreiheit“, „gleiches Gewicht und Maß, gleiche Münze“, „eine deutsche Wehrverfassung“.+

Nach 18. März 1848
Das Rauchen wird auf der Straße gestattet.

1848
Gründung eines Turnvereins, der als politisch unzuverlässig 1850 von der Verwaltung der Stadt aufgelöst wird.

März bis Oktober 1848
Dr. Eugen Huhn, einstiger Chefredakteur des Topographisch-Statistischen Lexicons von Deutschland (1844 – 1848), gründet im März das Freie deutsche Volksblatt das vom 06.05.1848 – 18.07.1849 existiert. Huhn ist Sprachrohr der radikalen demokratischen Kräfte und wird verhaftet.

20. März 1848

Nach einer Vielzahl an Petitionen erlässt der Herzog eine Proklamation, der entsprechende Gesetze folgen: Umgestaltung des Bundes, Freigabe der Presse, Einführung von Schwurgerichten, öffentliche Gerichtsverfahren, Bürgerbewaffnung, Vereidigung des Militärs auf die Verfassung, freies Assoziationsrecht der Staatsbürger, zu den Domänen, Revision des ständischen Wahlgesetzes, Befreiung der Gemeinden von zu ängstlicher Bevormundung, zur Salzsteuer, Beseitigung mancher Härten des Forststrafgesetzes, der Holzabgaben und Waldnutzungen, Ermäßigung des Wildbestandes, Aufhebung der privilegierten Gerichtsstände, Verbesserung des Ablösungsgesetzes.
(Nach: Schaubach: Chronik der Stadt Meiningen 1835 – 1907

Allerorts kommt es – wie es bei solchen Umbrüchen üblich ist – zu Beschwerden über ungerechtfertigte Aktionen, einerseits gibt es beispielsweise Forderungen zur Liberalisierung von Handel, Wirtschaft und Verkehr, andererseits kommen von den Zünften Forderungen nach Berücksichtigung längst überlebter und rückwärts gerichteter Zunftinteressen. In einigen Orten werden auch unliebsame Beamte davongejagt, im ländlichen Bereich richtet sich der Hass vor allem gegen die Forstleute, die oft mit ungerechtfertigter Härte vor allem gegen die arme Dorfbevölkerung vorgehen.

1848

Der Landtagsabgeordnete Dr. Carl Ludwig Nonne wird zum Mitglied des Fünfzigerausschusses, bis zum Zusammentritt der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche gewählt.
Das Vorparlament, die Versammlung deutsche Ständevertreter, tagt vom 30.03. – 03.04., ab 04.04. bis 12.05.1848 der Fünfzigerausschuss in Frankfurt/ Main. Es beschließt die Berufung eines aus direkten Wahlen hervorgehenden deutschen Parlaments, der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche. Der Fünfzigerausschuss steht unter dem Vorsitz von Alexander v. Soiron, sein Stellvertreter ist der später hingerichtete Robert Blum.

23. März 1848

Das Militär wird auf die Verfassung vereidigt.

Gerichtliche Bekanntmachungen
6.
In: Herzogl. S. Meiningisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt für das Herzogthum Hildburghausen und das Fürstenthum Saalfeld.
Nr. 17, Sonnabend, den 22. April 1848, S. 106

28. April 1848
Der Schauspieldirektor Anton Bömly unterzeichnet nach vielen Bedenken des Magistrats der Stadt Hildburghausen, vor allem ob es in der Zeit der politischen Spannungen ratsam sei, Theatervorstellungen aufzuführen, nach Hinterlegung einer beträchtlichen Kaution, einen Vertrag. Bömly mit seiner etwa 20 Personen zählenden Schauspieltruppe nutzt die Theaterbühne – nach sehr vielen Querelen und polizeilichen Verfügungen des Magistrats – und lässt mit der Aufführung anspruchsvoller Stücke das Theater zur Tribüne des freiheitlichen Geistes von 1848 werden.
Die Aufführung des Schauspiels Der Wirrwarr von August v. Kotzebue erhält in Trauer, Wut und Entsetzen über die vor dem Berliner Schloss auf Befehl des Prinzen Wilhelm v. Preußen (Kartätschenprinz) umgekommenen 150 Demonstranten (Märzgefallene) eine inhaltliche Wendung. Meyers Mitarbeiter, der Schriftsteller Dr. Friedrich Hofmann, schreibt einen Prolog:

Es war einmal ein Prinz von Preußen;
frech, soldatisch keck und trotzig, stellt er sich
dem neuen Sonnenaufgang gegenüber,
verachtlich zu dem Volke niederblickend,
das jubelnd grüßte das erwachte Licht.

Rein muß die Hand sein, die das Szepter führt!
Der Bürgermörder ist des Throns unfähig!
Und auch der Mann im purpurnen Gewand,
der bleich und zitternd vor dem Volke stand,
soll Deutschlands Kaiserkrone nicht beflecken!

18. Mai 1848
Gottesdienst in Hildburghausen zur Feier der Eröffnung der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.

1848
Zusammenschlussgedanken der thüringischen Staaten greifen immer weiter um sich (vor allem ausgehend von Sachsen-Weimar-Eisenach, Minister v. Watzdorf). Am 22.05. trifft man sich in Gotha zu einer Ministerkonferenz. Der Staatenverein bzw. -verband kommt nicht zustande, auch nicht der Anschluss der ostthüringischen Staaten (Sachsen-Altenburg, Fürstentümer Reuß) an das Königreich Sachsen. Nachdem sich das Frankfurter Parlament gegen eine Mediatisierung ausspricht, scheitern die Einigungsbestrebungen 1849.

Mai 1848
Meyer gibt die Parlaments-Chronik heraus. Das ist seine verlegerische Antwort auf die Einberufung der Nationalversammlung in die Paulskirche. Er will dem deutschen Volk „Unterricht über Politik und ihre Grundlehren“ erteilen.

17. Juni 1848
Meyer gründet mit seinem Mitarbeiter, dem Schriftsteller Ludwig Köhler, einen demokratischenVolksverein, mit dem die politische Bildung des Volkes gefördert und das Volk für das erwachende öffentliche Leben gerüstet werden soll. M. ist enttäuscht, dass die Chance für die Freiheit in der Paulskirche vertan wird („... an der Julisonne der Paulskirche ist Dörren und Welken“).

23. Juni 1848
Fahnenweihe der Häselriether Bürgerwehr, zu der 30 Mann und 10 Musiker gehören.

25. Juni 1848
Fahnenweihe der Hildburghäuser Bürgerwehr mit einer Ansprache von Adelinde Gleichmann.

Anzeige Joseph Meyers im Coburger Intelligenzblatt.

1848
Bürgergarde in Hildburghausen „zum Schutz von Personen und Eigentum sowie zur Herstellung einer den Zeitforderungen entsprechenden gesetzlichen Freiheit“. 600 Mann unter dem Kommando von Wangenheim, Grobe, Radefeld (vier Kompanien). Carl Christian Radefeld wird zum Major ernannt. Herzog Bernhard II. Erich Freund schenkt 1.000 Gulden für Gewehre, A. v. Fischern 99 Gulden für Musikinstrumente, das Gouvernement 130 Bajonettgewehre für finanziell Schwache.

16. Juli 1848
Herzogliche Proklamation erscheint, in der angekündigt wird, dass die neue Zentralgewalt Deutschlands, in Person des Reichsverwesers Johann v. Österreich, gegen alle gesetzwidrigen Handlungen und Unruhe auf gesetzlichem Weg vorgehen werde. 



Aus: Regierungs- und Intelligenz-Blatt für das Herzogthum Hildburghausen und das Fürstenthum Saalfeld, Nr.
29, Sonnabend, den 15. Juli 1848, S. 176 +
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1848 und 1852/53
Der Bürgerausschuss stellt auf Antrag Joseph Meyers Mittel zum Getreideankauf zur Verfügung (1849 = 1.000 Gulden). Im Herzogtum herrscht wegen mehrerer Missernten großer Hunger.

20. Juli 1848
Im „Herzogl. S. Meiningisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt für das Herzogthum Hildburghausen und das Fürstenthum Saalfeld“ (S. 13 f.) veröffentlicht der Geheime Justizrat und Kreisgerichtsdirektor in Hildburghausen (1856 Ehrenbürger) Eduard Rommel (1796 – 1876) des Herzogl. S. M. Kreis- und Stadtgerichts unter 3. bei „Gerichtliche Bekanntmachungen“ Maßnahmen zur Nachlassregelung des Leonardus Cornelius van der Valck.



28.Juli 1848
Erlass der herzoglichen Regierung, das vom im Frühjahr verabschiedeten Gemeindegesetz wieder Inhalte zurücknehmen und die Gemeinden bevormunden möchte. Neue Unruhen entstehen.

18. August 1848
Dr. Eugen Huhn muss wegen einiger revolutionärer Artikel gegen die herzogliche Landesregierung und Verteilung politisch aufreizender Schriften in der Fronveste eine mehrmonatige Freiheitsstrafe verbüßen.

1. September 1848
Der Domänenfiskus tritt die auf fremdem Boden ausgeübte Jagd an Grundeigentümer ab. Die Wildbestände werden erheblich dezimiert.

September 1848
Wegen Unruhen werden die Staatsdiener aus den Wachmannschaften entlassen. Gymnasiasten dürfen wegen der zögerlichen Haltung ihrer Lehrer keine Nachtwache durchführen.

14. September 1848
Gesetz zur Einrichtung der Abteilung des Staatsministeriums für Kirchen- und Schulensachen, die Aufgaben werden vor diesem Gesetz vom Konsistorium wahrgenommen (2 geistliche, 2 weltliche Vertreter). Das Konsistorium hat Aufsicht über das Kirchen- und Schulwesen. Die Konsistorialverfassung bleibt bestehen. Von 1711 bis 1848 ist Hildburghausen Sitz der Generalsuperintendentur.

Das Staatsministerium gliedert sich in 5 Abteilungen:
I.  Angelegenheiten des Herzoglichen Hauses und des Äußern;
II.  Inneres;
III.  Justiz;
IV.  Kirchen- und Schulensachen;
V.   Finanzen.

14. September 1848
In Hildburghausen kommt es zur Kundgebung gegen den Staatsrat Dr. Brandis.

6. Oktober 1848
Gegen Dr. Eugen Huhn wird vor dem Kreisgericht ein Urteil eröffnet. Seine Appellation (Berufung) wird zurückgewiesen. Meyer bietet eine Kaution von 8.000 Gulden an. Hunderte Bauern aus umliegenden Dörfern und Hildburghäuser Einwohner ziehen vor das Rathaus (Gerichtssitz) und verlangen die Freilassung Huhns.
In der Weitersrodaer Chronik heißt es:
„Um ihn zu befreien, kamen die Bauern von den umliegenden Dörfern nach Hildburghausen. Sie waren mit Gewehren oder Mistgabeln ausgerüstet. Von Bürden und den Waldorten kamen sie haufenweise nach Weitersroda gezogen. Der Rittergutsbesitzer Schleip mußte sich dem Zuge anschließen ...“
Nach der Befreiung spricht Huhn auf der Hildburghäuser Kanalwiese, Veilsdorfer Musik geleitet ihn in seine Wohnung. Es kommt zu Verbrüderungen zwischen Bürgerwehr und Aufständischen.

11. Oktober 1848
In Hildburghausen rücken im Auftrag der Reichsgewalt bayerische Truppen ein, sog. Strafbayern(600 Mann, 2 Kanonen). Einen Tag zuvor hat Ludwig v. Mühlenfels, Reichskommissar für Thüringen und Altenburg, seine Tätigkeit aufgenommen (bis 10.02.1849). Ziel ist, mit militärischem und politischem Druck revolutionäre Unruhen zu „befrieden“.
Ein Wallrabser Bürger, der ein Terzerol (kleine Vorderladerpistole, d. Verf.) und Dolch nicht abgeben will, wird gefesselt und abgeführt.

Am 18.10.1848 heißt es unter Verschleierung der tatsächlichen politischen Situation u. a. in einem Erlass An die Bewohner von Thüringen und Altenburg: „Die Reichstruppen, welche aufgestellt werden, haben keinen andern Zweck, als den bezeichneten. Hoffentlich wird schon ihre Anwesenheit den anarchistischen Gelüsten Einhalt thun, die Autorität der Gesetze kräftigen, und die guten Bürger von der Einschüchterung durch die Gewaltthätigen befreien. Die Reichstruppen kommen im Dienste der Freiheit und der Ordnung: die Freunde der Freiheit und der Ordnung werden sie als Freunde empfangen.“

Es kommt zu einer Vielzahl politischer Verhaftungen und Ausweisungen. Die Opposition wird niedergehalten. Nach vierzehn Tagen rücken die Bayern wieder ab.

12. Oktober 1848
Dr. Eugen Huhn wird wieder verhaftet und in die Fronveste verbracht. Im Zeitraum Okt./Nov. sitzen in der Fronveste und im Forstmeisterhaus viele politische Gefangene ein.

4. November 1848
Zwei Kompanien sächsischer Infanterie (2 Kanonen, 1 Haubitze) garnisonieren über den Winter hindurch in Hildburghausen; in Heldburg und Römhild liegt sächsische Kavallerie. Ein Kontingent des Sächsischen mobilen Bundes-Armeecorps verlässt Hildburghausen am 13.12.1848 in Richtung Schleusingen und weiter über viele Zwischenaufenthalte bis Altenburg.

1848
Die Landwirtschaft befindet sich in einem beklagenswerten Zustand, u. a. auch deshalb, weil kaum bäuerliches Eigentum vorhanden ist. Moderne Wirtschaftsweisen (Futterkräuteranbau, Stallviehfütterung und „agronomisches Denken“ sind nur in Ansätzen vorhanden).
Ein sächsischer Offizier schreibt sehr kritisch (in einigen Teilen sicherlich auch überzogen) über die Landwirtschaft im Hildburghäuser Raum:

„Es befinden sich auch unter denen zur Haft eingezogenen viele Bauern und Gemeindeschulzen ... Diese sind aber häufig sehr erbärmliche Kerls, wie überhaupt die ganze Bauernwirthschaft auf den Dörfern eine erbärmliche und lüderliche ist. Richtige Bauerngüter auf den Dörfern sucht man hier vergeblich. Wo sonst dergleichen gewesen, die sind schon längst zerschlagen, die Felder entweder an die einzelnen Erben verteilt, oder durch lüderliche Wirthe an die Juden verkauft worden. Daher findet man hier auch nicht die gemüthlichen Bauernschenken ..., sondern es befindet sich in jedem Dorf eine ordinaire Kneipe, auch mehrere, welche der Commun gehören, und auf welchen ein Pächter sitzt, welcher nur immerwährend aufpasst, bis sich der Geldbeutel der Gäste aufthut. Die Feldwirthschaft ist hier nicht die beste, denn weil so mancher sogenannte Bauer, der mehrere Kühe im Stalle und zwei Zugochsen nebst Ziegen und Schweinen hat, oft nicht ein Stück Feld so groß als der Tisch eigenthümlich besitzt, sondern von Zeit zu Zeit das Feld, das er bebauen will, erst pachtet, so erwächst ihm auch kein großer Gewinn durch den Ackerbau, und die Äcker selbst gewinnen wegen der unregelmäßigen Düngung auch nichts."
(Brief im Stadtmuseum Hildburghausen) 

1848/49
J. Meyer ist erschüttert über die Halbheiten der 48er Revolution und über das deutsche Volk. Er trägt sich mit Auswanderungsgedanken in die Schweiz bzw. USA.
(s. auch 1851/52)

27. Dezember 1848

Der Grundrechtekatalog der Paulskirchenverfassung (Frankfurter Nationalversammlung, erstes frei gewähltes gesamtdeutsches Parlament) Grundrechte des deutschen Volkes wird publiziert. Teile der Grundrechte finden Eingang im Landesrecht bzw. in der Verfassung des jeweiligen Staates.

1849
Ein Unterstützungsverein für unbemittelte Auswanderer wird in Hildburghausen gegründet zur Vermittlung günstiger Überfahrtverträge, von Wohnorten und Begründungen des Neuanfangs vor allem in die USA.
Bedingt durch negative wirtschaftliche und soziale Aspekte (Verelendung der Bevölkerung, rasches Bevölkerungswachstum), auch die nur langsam beginnende Industrialisierung, die Entlassung von Arbeitskräften vor allem im Handwerk (z. B. Schuhmacher, Textilgewerbe), die harte Konkurrenz durch die auf den Markt drängenden industriellen Produkte, schlechte Ertragslage in der Landwirtschaft und Hungersnöte in den 20er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, Flucht vor Schulden, „Flüsterpropaganda“ bereits erfolgreicher Auswanderer sowie die politische Bedrückung im Deutschen Bund wandern seit 1815 ca. 6 Mio. Deutsche (vor allem über Bremen) aus, zwischen 1820 – 1900 sind es ca. 40.000 aus Thüringen.

Von 1835 – 1870 sind aus Sachsen-Meiningen-Hildburghausen (1855 – 165.662 Ew.) insges. 19.564 Ew. (11,8 %) ausgewandert, aus dem Kreis Hildburghausen (1855 – 48.448 Ew.) 8.296 Ew. (17,1 %), in der Stadt Hildburghausen wandern von 4.154 Ew. 398 (9,6 %) aus. Aus dem Kreis wandern 802 (18,8 %) in Nachbarländer aus, 167 (3,9 %) in Länder des Deutschen Reichs, 267 (6,3 %) nach Europa, 2.950 (69,3 %) nach den USA, 68 (1,6 %) nach Übersee, 4 (0,1 %)Unbekannt.
(Angaben nach Thomas Witter: Die Auswanderung aus dem Herzogtum Sachsen-Meiningen im 19. Jahrhundert.Meiningen/Hildburghausen, 1998, S. 313 ff.)

1849 gehört zu den Auswanderern Johann Heinrich Kessler, der Bruder des Hofmalers Carl August Kessler, mit Frau, zwei Töchtern, Schwiegersohn, zwei Enkeln. Der viele Jahre als 2. Bürgermeister tätige K. ist enttäuscht über die Ergebnisse des Parlaments in der Paulskirche und wandert am 20.08.1849 in die USA nach Coraopolis/Pa. aus, er stirbt am 18.05.1872 bei Pittsburg.

Das „Hildburghäuser Kreisblatt“ und „Herzogl. S. Meiningisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt für das Herzogthum Hildburghausen und das Fürstenthum Saalfeld“ veröffentlichen wöchentlich die Namen der Auswanderer bzw. die Auswanderer-Meldungen. Auf der Liste 1854 wird Papageno Scharr (* 04.04.1812), eigentlich Philipp Papageno, genannt (s. Unterstreichung). Er ist der angebliche Sohn des Dieners Johann Philipp Scharr (auch: Scharre, 1744 – 1817). Der lt. Kirchenbuch mit der Köchin des Dunkelgrafenpaares, Johanna Weber, zwei Kinder gezeugt haben soll. Sie hat von 1809 bis 1835 im Dienst des Dunkelgrafen gestanden. Man kann aber davon ausgehen, dass nicht Scharr der Vater der Kinder ist, sondern der Dunkelgraf.

20. März 1849
Gesetz zur endgültigen Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit im Herzogtum.

8. Mai 1849
Dr. Friedrich Hofmann schreibt „an die lieben deutschen Landsleute und Kameraden“:
„Das Volk rüstet, und sein Parlament läßt es ohne Wehrgesetz der festgegliederten Phalanx der verschworenen Fürsten gegenüber. Das darf nicht länger so bleiben. Das Volk will kämpfen, aber nicht um preußisch-schleswigische Gladiatorenspiele aufzuführen: das Volk will auch siegen. Auch wir, Herr König von Potsdam, wollen, daß der Revolution in Deutschland ein Ziel gesetzt werde, deren Anstifter und Führer Sie sind. Schritte des Friedens hat das Parlament bis auf diese Minute zum Übermaß getan: der Friedensbruch ist ein Fürstenwerk. Das deutsche Volk muß dastehen, wie seine gekrönten Gegner, gerüstet, aber auch geordnet.“
Auch andere Persönlichkeiten der Stadt hadern mit den Ergebnissen der Revolution.

Ludwig Köhler schreibt:

Die teuren Farben sind verschollen,
Die blanke Waffe brach entzwei,
Und dumpf nur wie Gewitter grollen
die Herzen in der Sklaverei.

Carl Barth resümiert für sich und sein Vaterland:
Je klarer mein Überblick über Deutschland und die Welt wird, desto trauriger und trostloser ist diese Anschauung. Politik treibe ich nicht mehr, leider treibt sie mich zum Haß, den ich früher nur dem Namen nach gekannt. Sonst wars mein höchster Stolz, ein Deutscher zu sein, jetzt sehe ich's für meine größte Schmach und Schande an.

Carl Joseph Meyer geißelt die Ergebnisse der Revolution:

Ein Gott zerbrach dem Volke seine Fesseln –
Das Volk – das war ein Schaf;
Es ließ die Könige in ihren Sesseln,
setzt selber sich daneben in die Nesseln,
Und blieb ein Sklav!

23. Mai 1849
Der Herzog erlässt für Ansässige eine Amnestie für „politische Vergehen“. Der Magistrat teilt am 24.05. mit, dass Dr. Eugen Huhn das Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen verlassen muss. Trotz Protestes und des Nachweises, dass er Staatsbürger sei (u. a. begründet durch das Ehrennachbarrecht der Gemeinde Roth) wird er von Feldjägern begleitet und (nach dem 21.06.1848) in das Nachbarland Sachsen-Coburg und Gotha in Richtung Coburg abgeschoben.

24. Mai 1849
Für das Herzogtum wird Papiergeld hergestellt (Scheine zu 1 Taler preußisch), sie werden in Magdeburg gedruckt, in Meiningen gestempelt und ausgefertigt. Die Zustimmung erteilt der Landtag. Ein 10-Taler-Schein folgt am 31.03.1856.

8. Oktober 1849
Aus dem 1848 von Dr. Eugen Amthor gegründeten und bis 1853 von ihm geleiteten Englischen Institut entsteht die Eduard Amthorsche Kaufmanns- und Fabrikantenschule.
Theoretische und kaufmännische Disziplinen, Vermittlung der gabelsbergerschen Stenografie. Zur Einführung der Schüler in die Comtoirwissenschaften wird ein offenes Geschäft eingerichtet. Durchschnittliche Schülerzahl: 30, ab 1850 eine technisch-merkantilische (technisch-kaufmännische) Vorschule für Jungen von 10 – 13 Jahren. Die Schule wird im März 1854 nach Gera verlegt und etabliert sich dort als erfolgreiche kaufmännische Hochschule und Handelsakademie.

1849 – 1856

Bis zu seinem Wegzug nach Gera leitet Dr. Eduard Amthor (s. u. a. 03.07.1884) dieGesellschaft der Theaterfreunde, die sog. Liebhaberbühne mit Laiendarstellern.
Von 1849 – 1852 führt sie ca. 60 Lustspiele und Opern auf. Nach 1856 sinkt die Bedeutung des Vereins. Mehr od. weniger professionelle Theatertruppen bespielen wieder das Theater, z. B. aus Pößneck, Meiningen, Coburg, Bayreuth und anderen Städten sowie auch Anton Bömly (s. 1849), insges. sinkt das Niveau der Aufführungen bis Ende der 50er Jahre.

Um 1850
In Sachsen-Meiningen-Hildburghausen – gehört zu den süddeutschen Staaten mit Guldenwährung – werden folgende Kleinmünzen geprägt: 1, 2 Pfennig; 1/4, 1/2, 1 Kreuzer, bis 1840 auch 3 und 6 Kreuzer. 

1850
Die kahlen Nordhänge des Stadt- und des Krautbergs werden als Gärten genutzt und vor allem mit Gehölz bepflanzt (Kost, Eichlam, Human, Nothnagel, Heller, Ahrens, Lorbach, bes. bekannt wird der Meyers-Berg mit Turm). 

1850
Die preußische Gemeindeordnung, die für die preußischen Orte Gerhardtsgereuth und Neuendambach gültig ist, beruht auf altem Herkommen (1856 Neuregelung).
An der Spitze steht der Gemeindevorstand, der aus einem Bürgermeister und 1 oder 2 Gemeindevorstehern besteht, ferner den Beisitzern. Sie werden auf Lebenszeit gewählt. Jährlich werden die Dorfsmeister gewählt, die das Rechnungswesen betreuen.
Das Recht der Einwohner, die Gemeindeangelegenheiten mit zu bestimmen, ist an das Nachbarschaftsrecht gebunden. In G. ist das Nachbarschaftsrecht an bestimmte Güter, aus diesem Grund ist die Anzahl der Nachbarn beschränkt. Wenn die Wirtschaften geteilt werden, erhält man zwar volles Stimmrecht, aber nur ein entsprechender Anteil an den Gemeindenutzungen kann erworben werden.

18. Februar 1850
† Johann Georg Michael Buck, Hildburghausen
* 09.07.1778, Hildburghausen
∞ 11.07.1821, Bürden, mit Philippine Antoinette Radefeld (10.02.1794, Hildburghausen – 17.04.1889, Hildburghausen),
Ihre Eltern sind Christoph Wilhelm Radefeld (31.08.1735, Meiningen – 02.03.1806, Meiningen) und Philippine Sophie Friederike Heusinger (31.08.1759 – 11.08.1846, Hildburghausen)Herzoglicher Bauinspektor

Nach Gesellenjahren in Hamburg und Straßburg (vor allem Mitarbeit an Brückenbauten), Architekt und Bauinspektor in Hildburghausen. Er ist verantwortlich für das Bauwesen im Amtsbezirk Hildburghausen und im Oberland. Mit seinem in Rom ausgebildeten Bruder Johann leitet er den Wiederaufbau der am 07.07.1822 in Eisfeld abgebrannten Stadtteile. Turmbau der Neustädter Kirche in Hildburghausen und der Lindnerschen Häuser in Sonneberg. In Gemeinschaft mit dem Hofzimmerer Heim erbaut er die Gruft der Herzogin Charlotte und ist für die Instandhaltung des Schlosses und der Nebengebäude verantwortlich. Er ist der Schwiegersohn Philippine Radefelds.

1850

Das Ministerium weist an, dass Unterricht für weibliche Schülerinnen Handarbeiten eingeführt wird, „weil Frauen und Mädchen keinen Strumpf richtig stricken, nicht haltbar nähen und nicht fein spinnen verständen“.

5. Mai 1850

Sachsen-Meiningisches Ablösungsgesetz in der Landwirtschaft.
(s. 13.03.1846)

1850

C. J. Meyer resümiert, dass er eine Saat von 25 Mio. Bücher über die ganze Welt geschickt habe, darunter Mio. Bibeln. In den Werkstätten des Bibliographischen Instituts arbeiten 300 Mitarbeiter: 32 Setzer, 16 Drucker, 44 Stahldrucker, 48 Buchbinder, 160 Coloristen, Stecher etc.

1850
Im 52-bändigen Conversations-Lexicon heißt es unter Hildburghausen, der Band ist 1850 erschienen:

3) H a u p t= und ehemalige  R e s i d e n z s t a d t  daselbst, am rechten Ufer der Werra, in einem weiten, fruchtbaren Thale, 1148' über der Meeresfläche. H. hat ein freundliches, gefälliges Ansehen, meist breite reinliche Straßen, zum Theil schöne, meist dreistöckige Häuser, hübsche Brunnen, und besteht aus der Altstadt mit Marktplatz und der kleinen Neustadt, die besonders schön und regelmäßig gebaut und zum Theil von französisch=reformirten Flüchtlingen 1710 angelegt worden ist; regelmäßig gebaut ist auch die obere Marktstraße, worin sich das 1828 von Gotha hierher verlegte  b i b l i o g r a p h i s c h e  I n s t i t u t  von J. Meyer (s. d.) befindet, das eine Buch= und Kupferdruckerei, Stahlstecherei, Buchbinderei und Werkstätten für Mechaniker in sich vereinigt, musterhaft eingerichtet ist und sehr viele Menschen beschäftigt. H. hat 2 Vorstädte, altes Rathhaus, Regierungsgebäude (jetzt Sitz des Oberlandesgerichts), Stadtkirche, Waisenkirche in der Neustadt (neustädter Kirche), katholische Kirche, Synagoge. Am südwestlichen Rande der Alt= oder Innenstadt steht das 1685 - 1695 schön symmetrisch aufgeführte Residenzschloß der Herzoge von H., zu welchem ein großer Garten (Irrgarten genannt) gehört, der vom Kanale umgeben ist; die jetzt geschlossene Schloßkirche mit dem Erbbegräbnisse wurde 1705 vollendet. Die Stadt ist der Sitz des Oberlandesgerichts für das Herzogthum Meiningen (bis 1848 auch des Konsistoriums), eines Kreis= und Stadtgerichts, Verwaltungsamts, Forstamts, einer Amtsverwaltung, Bauinspektion, Post, Gymnasium (1714 eröffnet, 1726 wieder eingegangen, 1813 wieder ins Leben gerufen und 1836 neu organisirt), Landesschullehrerseminar (1795 gegründet, 1827 erweitert und 1836 neu organisirt), mit welchem eine als Uebungsschule dienende Volksschule und seit 1843 eine Taubstummenanstalt in Verbindung steht, Bürgerschule mit drei Knaben=, zwei Mädchen= u. zwei Elementarklassen, israelitische Schule, ferner eine vom Frauenverein 1819 gegründete Industrieschule, eine Gewerbschule (1835 vom Gewerbverein gegründet), eine 1833 errichtete Kleinkinderschule, ein Institut für Kinder aus höhern Ständen, und seit Oktober 1849 eine Handelsschule; Pfründnerhospital, Krankenhaus, Irrenanstalt (seit 1831) im ehemaligen Waisenhause; Theatergebäude, Buchdruckerei u. Buchhandlung (außer dem bereits erwähnten bibliographischen Institut), Freimaurerloge: Karl zum Rautenkranz; Tuchmanufaktur, Lein= und Zeuchweberei, Branntweinbrennerei, Bierbrauerei, Fabrik von Puppenköpfen aus Papiermaché, Tabakfabrik, Handel (die natürl. Handelsstraße von Bremen nach Bayern führt hier durch), auch Weinhandel, Messe vor Weihnachten, 6 Jahr=, 3 Vieh= und 2 Schweinemärkte, lebhafte literarische Thätigkeit, hauptsächlich durch das bibliographische Institut, so wie durch das Erscheinen mehrerer Zeitungen (Dorfzeitung, Deutsche Volksleuchte, Freies deutsches Volksblatt), schöne Spaziergänge; nach der Zählung von 1846: 4360 Einw., darunter etwa 100 Juden.

9. Oktober 1850

Zum Münchner Oktoberfest und zur Landwirtschaftsausstellung wird mit einem großen Huldigungsfest die Bavaria, Sinnbild des bayerischen Vaterlands, in München enthüllt. Obwohl der König am 20.03.1848 abdanken muss, wird die Weihe des monumentalen Kunstwerks ein Triumph für das einstige Königspaar (Ludwig I. und Therese, geb. Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen).

1850
An Stelle des Oberlandesgerichts tritt – bedingt durch die veränderte politische Lage (48er Revolution) und die entsprechende Gesetzgebung – das Appellationsgericht.

1. Dezember 1850
In der Kriminaljustiz wird das öffentliche Verfahren eingeführt. An das Oberlandesgericht Hildburghausen kommt Oberlandesgerichtsadvokat Victor Trinks von Meiningen nach Hildburghausen.

1850
Das 1838 für Inländer aufgehobene Chausseegeld wird wieder eingeführt.

1850
In der in Hildburghausen erscheinenden Zeitung Die Volksleuchte lässt sich der Meininger Literat Wiegand in Zusammenhang mit dem Attentat gegen den preußischen König zum Tyrannenmord aus. Es kommt zu einer heftigen Entgegnung von Oberleutnant Diemar aus Walldorf und zu einer regelrechten Presseschlacht. Die Angelegenheit endet mit einem Pistolenduell nahe Kloster Veßra, Wiegand wird lebensgefährlich verletzt, kann aber wieder genesen.

1850
In Wallrabs leben 207 Einwohner. Die Wald- und landwirtschaftlichen Flächen belaufen sich auf 500 Morgen (125 ha). 92 Rinder, 73 Schweine, 39 Ziegen und 119 Schafe werden gehalten.

1850/51
C. J. Meyer ist in mehrere „Presseprozesse“ verwickelt und wird verurteilt.

1850

Gründung der Baptistengemeinde (1860: 17 Mitglieder), von V. Bayersbach, Hersfeld.

1850 – 1852
Fortbildungsschule für Mädchen mittelständischer Familien, Leitung: Eduard Amthor (Naturgeschichte, Geografie, Literatur, Englisch, Französisch, Buchführung).

1. Mai 1851
Sachsen-Meiningen-Hildburghausen tritt dem Deutsch-Österreichischen Postverein (1850 – 1867) bei.

Das Herzogtum Sachsen Meiningen als Teil des Thurn und Taxisschen Postgebietes gehört seit dem 1. Mai 1851 dem Deutsch-Österreichischen Postverein an. Zwischen Januar 1852 und Juni 1867 werden eigene Postwertzeichen verwendet (südlicher Bezirk – Guldenwährung). Zur Entwertung der Freimarken erhält Hildburghausen den 4-Ring-Nummernstempel „256“. Um den Aufgabeort und den Absendetag ersehen zu können, ist auf der Adressseite noch der Ortsaufgabestempel abgeschlagen worden.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1851
Buchdrucker und Schriftgießer des Bibliographischen Instituts gründen unter dem Eindruck der Theateraufführungen von revolutionären Stücken unter dem Theaterdirektor Anton Bömly (s. 28.04.1848) den Theaterverein Typographia. Das dürfte der erste politische Interessenverein auf kulturellem Gebiet in der Region gewesen sein.
Viele ehemalige Mitglieder der Truppe von Anton Bömly wirken im Nachhinein herausragend in der deutschen Theaterlandschaft.

16. Juni 1851
Eröffnung des Schwurgerichts in der ehemaligen Schlosskirche des Residenzschlosses (bis 13.08.1879), dann Einzug der Garnison. Die Verhandlungen werden im 3. Stock des Regierungsgebäudes gehalten.

1851
Der Gustav-Adolf-Zweigverein Hildburghausen wird zum Hauptverein des Landes.

Industrielle klein- und mittelständige Betriebe in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Neben dem renommierten Bibliographischen Institut etablieren sich industrielle Klein- und in Ansätzen mittelständische Betriebe (teils nur für wenige Jahrzehnte) bzw. bereits vorhandene Handwerksbetriebe expandieren (der wöchentliche Durchschnittslohn der Arbeiter liegt zwischen 4 und 15 Mark), u. a. seien genannt:
- Papiermachéfabrik von Andreas Voit (s. 1822);
- Spielwarenfabrik Gustav Liedels aus Sonneberg, beschäftigt 1850 allein 80 Arbeiter.
- Spielwarenfabrik Weingarten beschäftigt 10 Arbeiterinnen;
- seit 1846 die weltbekannte Spielwarenfabrik von Wilhelm Simon (Püpplesfabrik) in der Marienstraße (seit 1877 in Weitersroda) mit einer Anzahl Heimarbeitern. Seit 1862 werden die hochwertigen Puppen (vor allem Tanzpuppen) nach Paris exportiert (s. 15.12.1894);
- Papiermachéfabrik von G. Panitz mit 12 Arbeitern (seit 1862 Export nach Paris);
- bis 1886 eine Porzellanknopffabrik von Kieser und Heubach;
- die Meerschaumfabrik von Rudolf Scheller (s. 1860), einschließlich Etuisfabrikation;
- Tabakfabrikation von J. B. Bechmann (4 Arbeiter verarbeiten den aus Hamburg bezogenen Tabak);
- Zigarrenfabrik von Fickel und Schneider;
- landwirtschaftliche Maschinenfabrik von Joseph Dressel (s. 1859);
- Feuerspritzen- und Maschinenfabrik von Wilhelm Reinhardt (s. 1876);
- Fabrik für Flaschenverschlüsse (s. 1894);
- meteorologische und physikalische Instrumente von V. Lorbach (ab 1878 G. Zitzmann);
- Holzwaren- und Büffelhornwarenfabrik von August Schultze; (um 1880 ca. 40 Arbeiter);
- Holzwollefabrik von G. Lembke in der Totenmühle, seit 1887 für Holzwolle, Fassspunde, Essig- und Bierklarspäne (25 Arbeiter);
- Holzwarenfirma von L. Heller (6 Arbeiter) mit Export in viele Länder Europas;
- Dampfschneidemühle von Papendiek und Schmidt;
- Schneidemühlen von W. Höhn und A. Schultze;
- Spunddreherei und Schreinerei von H. Nothnagel;
- Möbelmagazine von E. und H. Bech sowie E. Siller, Fr. Tanzbergermann;
- mehrere Ziegeleien, darunter die Dampfziegelei von L. Heller und E. Götting in der Seminarstraße, Oberes Kleinodsfeld, einschl. Schwimmbad- und Sportplatzgelände mit 7 – 8 m mächtigen Tonschichten ohne Kalk und Salze mit bis zu 40 Arbeitern;
- Tonwarenfabrik von Papendiek und Schmidt (22 Arbeiter);
- Tonwarenfabrik von Nothnagel und Leffler im Backsteinfeld mit bis zu 24 Arbeitern;
- Fabrik für kondensierte Suppen von Rudolf Scheller (Frühjahr 1872);
- Mineralwasserfabrik von F. Scheller im Backsteinfeld;
- die Essigfabrik von L. Lützelberger auf Belvèdere (Eisfelder Straße, nahe der Karolinenburg).

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind einige Hildburghäuser Spielzeughersteller bzw. -fabriken international bekannt geworden, so die Puppenfabrik von Andreas Voit und die „Püpplesfabrik“ von Wilhelm Simon in der Marienstraße.
Stadtmuseum Hildburghausen

22. November 1851
Die Geschichte der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) beginnt mit der ersten Gläubigentaufe von Johann Georg Bauer und seiner Frau Maria Caroline durch den Prediger Valentin v. Bayersbach aus Hersfeld.
Die Hildburghäuser Gemeinde ist eine der ältesten in Deutschland (Die erste Gemeinde gründet sich 1834.). 1860 zählt sie 17 Mitglieder.
Im Zeitraum 1854/55 wird Hildburghausen als eine von mehreren Stationsgemeinden von Hersfeld betreut.
Die Autoren des Bandes „Die Kirchen im Landkreis Hildburghausen“ (2006) schreiben zu den Baptisten, dass die Gemeinde damals als Sekte oder Abtrünnige durch Staat und Amtskirche verschiedenen Repressalien ausgesetzt gewesen ist. Ihre Treffen haben im Geheimen in der Wohnung des Johann Georg Bauer in der Friedrichstraße 2 (heute: Dr.-Wilhelm-Külz-Straße) stattgefunden. Er ist 1856 nach Amerika ausgewandert. Sein Bruder Johann Bauer führt die Gemeinde weiter. Das Domizil der Evangelischen Freikirche ist dann bis zum Jahr 1947 wieder die Wohnung der Familie in der Friedrichstraße 2. Ende des 19. Jahrhunderts hat es enge Beziehungen der Hildburghäuser Gemeinde mit denen in Schmalkalden, Coburg und Eisfeld gegeben.

18. Dezember 1851 bis 18. Januar 1852

Carl Joseph Meyer erhält Gefängnisstrafe wegen Majestätsbeleidigung.
Berühmte Briefe aus dem Residenzschloss Fronveste„Zweimalige Gefängnisstrafe (von denen nur eine vollzogen wird, d. Verf.), schikanöse Verfolgung seiner Verlagsunternehmungen durch Zensurmaßnahmen, bittere Enttäuschung über die Schwäche und Zerrissenheit des deutschen Volkes. Das war die traurige Ernte, die Joseph Meyer seine politische Betätigung einbrachte. Auch hier scheiterte er in erster Linie deshalb, weil er bei seinen Zeitgenossen die gleiche Stärke des Willens und Werte des Blicks voraussetzte, die ihn selbst auszeichneten.“

1851/52

C. J. Meyer und Sohn Herrmann Julius M. verhandeln mit Schweizer Kantonalverwaltungen wegen des Umzugs des Bibliographischen Instituts in die Schweiz.
Die Problematik einer Geschäftsverlagerung des Bibliographischen Instituts in die Schweiz wird nie restlos geklärt werden können. Meyer schreibt dagegen am 17.12.1851 in einer Bekanntmachung und Ansprache:
„Auf Anlaß des Königs von Preußen der Majestätsbeleidigung angeklagt und zu vier Wochen Gefängniß verurtheilt, beziehe ich nächsten Sonnabend meine Zelle in hiesiger Fronveste.
Es ist wenig, und es ist auch viel, was mir geschehen. Es ist wenig, wenn ich es mit dem Schicksal der Männer vergleiche, welchen jetzt und in frühern Zeiten ihre Ueberzeugungstreue und ihr Streiten für Menschenrecht und Wahrheit mit dem Tode, mit jahrelangem Kerker, mit der Verbannung vergolten wurde. Es ist auch viel; denn ich muß in schweren, stürmischen Tagen vom Steuer meiner großen Geschäfte gehen, an deren Betrieb das Brod von 1000 Menschen hängt, ich gehe krank in meine Zelle und lasse meine Gattin krank zurück. ...
Meine Feinde sind eifrig bemüht, in Betreff des Bibliographischen Instituts Sagen auszustreuen, welche Besorgnisse und Trauer in hiesiger Stadt und in weitern Kreisen erwecken. Die Thatsache, daß mein Sohn in der Schweiz ein Verlagsgeschäft gründet, ist in die bestimmte Nachricht umgeprägt worden, das hiesige große Etablissement siedele nach der Schweiz über. Es gibt Leute, die darauf Pläne bauen. Der Jubel hat sie jedoch zu früh verrathen. Ich durchstreiche die falsche Rechnung und verscheuche die Besorgniß hiesiger Stadt und des Landes durch die offene Erklärung: 'das Institut mit seinem Chef bleibt hier bei ungeschmälertem Fortgang der Geschäfte'.“

Brief von Hermann Julius Meyer aus New York an seinen Vater Joseph Meyer.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1. Januar 1852
Die Thurn und Taxissche Postverwaltung emittiert als Mitglied des Deutsch-Österreichischen Postvereins erstmals Briefmarken. Hildburghausen gehört wie das Herzogtum zum südlichen Währungsbezirk (Gulden- bzw. Kreuzerwährung), während im preußischen Kreis Schleusingen die Talerwährung gilt.

15. Januar 1852
† Otto Freiherr von und zu Bibra, Meiningen
* 10.02.1803, Hildburghausen
Advokat, Landmarschall
1824 Oberlandesgerichts-Advokat, Sekretär der Landesregierung, 1829 erster Assessor und kurz darauf Rat des Oberlandesgerichts, 1835 Rat im Landesministerium in Meiningen, Konsistorialdirektor (bis Auflösung 1848), 1849 Chef der Landeskreditanstalt, im Ministerium Vorstand der Abteilung der Justiz, des Kultus und des Unterrichts, 1833 – 1848 Mitglied des Landtags, ab Anfang 40er Jahre bis 1848 Landmarschall.

1852

Auslieferung des 46. und letzten Bandes des Conversations-Lexicons, 1853 – 1855 folgen sechs Supplementbände (Ergänzungsbände), durchschnittlich mit 700 bis 800 Seiten, mit über 5.000 Holzschnitten und 500 Stahlstichen; zeitweise gibt es 70.000 Subskribenten. 

7. April 1852
Der ehemalige Hildburghäuser Landrat, Dr. jur. Lorenz Hannibal Fischer, wird vom Kommissariat des Deutschen Bundes in Frankfurt/M. beauftragt, die 1848 und zumeist aus Spendengeldern finanzierte erste deutsche Flotte mit 16 Schiffen aufzulösen (er erhält den Spitznamen Flottenfischer).
(s. auch 08.08.1868)
Der Dichter Friedrich Rückert fügt in Verärgerung über Fischers Flottenversteigerung in seine Schleswig-Holstein-Lieder die Zeilen ein:

“O Hannibal, verrufner Fischer,
Mein Hildburghausen schämt sich deiner ...“

1852
Bei Brockhaus, Leipzig, erscheint anonym Dr. Karl Kühners Schrift Die Geheimnisvollen im Schlosse von Eishausen in der Reihe Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen. Hierbei handelt es sich um die erste ernsthafte Quelle zur Dunkelgrafen-Forschung.

28. Juni 1852
† Carl Ernst Schmidt (auch: Schmid)
* 24.10.1774, Weimar
Redakteur, Professor, Staatsrechtler, Regierungs- und Konsistorialrat
1797 – 1804 Redakteur der Bayreuther politischen Zeitung, dann Kriminal- und Stadtgerichtsrat, seit 1807 Regierungs- und Konsistorialrat, 1809/10 Professor der Rechtswissenschaft in Jena, 1811 Vizepräsident sämtlicher Landeskollegien in Hildburghausen, Verfasser der nach der Schlussakte von Wien verabschiedeten landständischen Verfassung von 1818 (er erhält den Beinamen Staatsschmidt). 1817 Professor für Staatsrecht an der Landesuniversität und Mitglied des Oberappellationsgerichts Jena.

27. August 1852
† Wilhelm v. Wangenheim, Sonneborn
* 28.09.1788, Sonneborn)
Militär
Er gerät bei der Schlacht von Jena und Auerstedt in französische Kriegsgefangenschaft, seit 1808 im Rheinbundkontingent Sachsen-Coburg-Saalfeld, 1809 Gefangenschaft beim Tiroler Feldzug in der Sachsenklemme, 1812 nach der Schlacht bei Wilna wird er schwer verwundet und kommt in russische Gefangenschaft, anschließend ist er Major des Coburgischen Bataillons und 1814/15 Teilnehmer an den Feldzügen gegen Frankreich. Er tritt 1826 als Oberstleutnant in meiningische Dienste und nimmt seinen Wohnsitz in Hildburghausen als Oberst, Stadtkommandant, Kammerherr, Schlosshauptmann. Die vielseitig gebildete Persönlichkeit bereichert das Geistesleben in Hildburghausen.

9. bis 19. Oktober 1852 und 4. Mai 1853
Abschluss eines aus 6 Artikeln bestehenden Staatsvertrags zur Werra-Eisenbahn, u. a. Streckenführung von Coburg über Eisfeld, Hildburghausen, Themar, Meiningen und Eisenach, ferner Zweigbahn von Coburg nach Sonneberg.

1852
Um das erhöhte Verkehrsaufkommen zu bewältigen, wird die Brücke in der Coburger Straße neu erbaut (auf 20 eichenen Pfählen, 1872 und 1877 restauriert und mit Stahlschienen sowie neuem Holzbohlenbelag versehen). Bis 1889 wird hier Zoll erhoben. Seit 1877 wird dort eine Restauration betrieben.
(s. 1877)

Dezember 1852

Konsistorial- und Schulrat Dr. Peter (seit 1835 Gymnasialdirektor) geht nach Anklam.

1853
Einwohnerzahlen der Städte des heutigen Landkreises Hildburghausen

Hildburghausen     4.263
Schleusingen           3.800 (1867) – Preußen
Eisfeld                       3.027
Römhild                    1.661
Themar                      1.421
Heldburg                   1.137
Ummerstadt                893

1853
In der Stadt gibt es 26 Brunnen zur Wasserversorgung der Bevölkerung: 17 öffentliche Röhrenbrunnen (Laufbrunnen), 6 Pump- und 3 Privatbrunnen: 
Markt-, Bauhof-, Krankenhaus-, Friedrichstr.-, Hirsch-, Stall-, Schlosshof-, Lazarett-, Seminar-, Schützenhof- und Irrenanstalts-, Trauben-, Salzmarkt-, Häfenmarkt-, Schlossgassen-, Schulhaus-, Postplatz-, Knappengassen-, Kapell-, Auf der Kapell-, Gymnasial-, Coburger- und Weitersrodaer Straßenbrunnen, den Vogels- und Nonnesbrunnen im Institut und das Braugassenbrunnenhaus.
Nach den Untersuchungen des Apothekers A. v. Loesecke (Trinkwässer des Herzogtums Meiningen 1877) werden u. a. das Wasser des Feuerteichs als gut eingeschätzt, das Wasser oberhalb der Stadt als „kaum brauchbar“, das unterhalb als „schlecht“.
Erst 1893 beschließt der Stadtrat den Bau einer Hochdruckwasserleitung, die ab 1898 funktionsfähig ist.
(s. auch 1898, 1898/99, 1904)

1853
† Johann Peter Heuschkel, Biebrich
* 04.01.1773, Harras
Oboist, Organist, Hoforganist, Komponist, Musiklehrer

Februar 1853
Der Landtag beschäftigt sich mit der vor allem seit dem 48er Jahr immer wieder im Brennpunkt stehenden Frage der Emanzipation der Juden. Einige Abgeordnete beantragen die vollständige Emanzipation. Aus den Städten kommen Petitionen dagegen. In der Folge kommt es deswegen auch zu Mandatsniederlegungen. 

1853
C. J. Meyer reduziert seine Eisenbahn-Projekte auf den Bau der Werra-Eisenbahn (Eisenach – Meiningen – Hildburghausen – Eisfeld – Coburg) und scheitert damit 1855.

8. Mai 1853
Ratifizierung eines Vertrags zur Errichtung eines Bahntelegraphen der Werra-Eisenbahn zwischen der Königl. Bayer. Regierung, der Großherzogl. Sachsen-Weimar-Eisenachschen, der Herzogl. Sachsen-Meiningischen und der Sachsen-Coburg- und Gothaischen Regierung.
Im Artikel 14 der Konzessionsurkunde vom 18.05. heißt es, dass der Unternehmer zur Herstellung eines (elektromagnetischen) Telegraphen verpflichtet ist. Vorzugsweise seien Regierungsdepeschen zu befördern, die beteiligten Regierungen sind befugt, einen Staats-Telegraphen im Bahnkörper anzulegen.
Im Regierungs- und Intelligenzblatt für das Herzogtum Coburg ist am 17.03.1855 zu lesen:
„Behufs Herstellung der Staatstelegraphen-Linie, welche von Coburg über Meiningen nach Gotha zu führen beabsichtigt wird, sind für die Strecke von Coburg bis Hildburghausen 800 Stück Telegraphenstangen aus Föhren-, Fichten- oder Weißtannen-Holz, von 31 Fuß bayer. Maaß Länge und 4 1/2 Dezimalzoll Durchmesser am dünneren Orte (ohne Rinde in frischem Zustande gemessen) nötig.“

11. September 1853
† Carl Barth, Kassel
* 12.10.1787, Eisfeld
Kupferstecher, Schriftsteller, Dichter



22. März 1854
Der neugewählte Landtag berät über die Domänenfrage.

13. April 1854
† Adolf Wilhelm Bartenstein (Dr. med.) „Begründer des Weltruhms der Saline Friedrichshall“.(Human)

2. Mai 1854
† Benjamin Gottlieb Kern, aus Meffersdorf/Oberlausitz stammend.
Pädagoge
Rektor der Stadtschule Jüterbog, Direktor des Landschullehrerseminars Hildburghausen (1836 – 1839) auf Empfehlung Diesterwegs. Er verfasst eine Schrift über die Organisation des Seminars und begründet die mit dem Seminar verbundene Taubstummenanstalt.

27. Mai 1854
Carl Joseph Meyer wird für sich und seine Eisenbahn-Gesellschaft die Konzession mit weiteren Zusatzbestimmungen (z. B. zu den Postverhältnissen) neu erteilt.

17. Juli 1854
† Carl Ludwig Nonne (Dr. phil., Dr. theol. h.c.), Hildburghausen
* 06.12.1785, Hildburghausen
Oberkonsistorialrat, Pädagoge (Pestalozzi Thüringens), Schriftsteller
Wahlspruch:
„Wirken, solange es Tag ist, denn es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann!“

Im Sterberegister der Jahre 1843 – 1867 ist unter Nr. 72, 21. Juli 1854 vermerkt:
„Carl Ludwig NONNE, Herzoglicher S. Meinings. Oberkonsistorialrath, Ephorus u. Oberpfarrer, der Theologie et Philosophie Dr., Ritter des S. Ernestinischen Hausordens, Hildburghausen geboren den 5. Dezember, 1785, 68 Jahr 7 Mon 10 Tage, Wittwer, den 17. Juli 1854 abends gegen 10 Uhr an Hirnblutschlag … den 20. Juli Nachmittags von 3 bis 6 Uhr“ beerdigt.

Die regionale Zeitung würdigt ihn mit den Worten:
Hildburghausen, den 21. Juli. Gestern fand die feierliche Beerdigung des verstorbenen Oberkonsistorialraths Dr. Nonne Nachm. 3 Uhr statt. Man sah es leicht, es wurde ein ungewöhnlicher Mann begraben. Alles in Stadt und auch der weiten Umgegend eilte herbei, mit ihm den letzten Gang zu gehen. Die sämmtlichen Lehrer und Geistlichen der hiesigen … Diöcesen waren gekommen, um dem theuern Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Unter dem Geläute aller Glocken eröffnete   den Zug nach altchristlichem Brauche ein Crucifixträger, dem die Schuljugend der Bürgerschule und des Instituts, das der Entschlafene vor fast 50 Jahren gegründet hat, folgte. An sie schlossen sich die Zöglinge des Herzoglichen Seminars, das einst unter seiner Leitung gestanden hat, die Schüler des Gymnasiums, die Lehrer der Stadt und der Diöces und die Geistlichen an. Nach einem zweiten Crucifix folgten Marschälle, der Leichencommissair mit den Kirchendienern, der Sarg, andere Marschälle, die Geistlichkeit der Stadt mit den leidtragenden Söhnen, Schwiegersöhnen und Anverwandten. Daran schloß sich die Loge Carl zum Rautenkranz, welcher der Entschlafene seit einer langen Reihe von Jahren Meister vom Stuhl war, mit ihren Insignien, der hiesige Magistrat, Gemeinderath, das Herzogliche Appellationsgericht, Kreisgericht, Forst- und Verwaltungs-Amt nebst vielen Dienern und der Bürgerschaft sehr zahlreich an. In der Neustadter Kirche hielt der Ephorus der Landdiöces, Hr. Cr. Hermann, die Parentation, der ein erhebender Trauergesang des Seminars vorausging und das „Auferstehn“ vom Schülerchor des Stadtcantors folgte. Der ernste Zug bewegte sich weiter auf den Theil des freundlich gelegenen Gottesackers, den der Entschlafene vor 4 Jahren noch selbst geweiht hatte. Nach einem Trauergesange traten die Mitglieder der Loge an das offene Grab, Herr Pfarrer Kühner aus Bedheim nahm das Wort … Einer der Schwiegersöhne des Verstorbenen, Stadtdiaconus Dr. Wölfing, legte in eindringlichen Worten die Blätter der Erinnerung, des Dankes und des Vermächtnisses für und an die Familie auf das Grab und segnete den Entschlafenen zur letzten Ruhe ein. – Friede sei mit seinem Staube!“

1854 – 1873
Meister vom Stuhl der Freimaurerloge „Carl zum Rautenkranz“ ist Carl Wilhelm Johann Hermann Kühner, Pfarrer in Bedheim (* 05.09.1809 – † 21.03.1884). Kühner ist überdies schriftstellerisch tätig und ständiger Mitarbeiter der Dorfzeitung.

26. Oktober 1854

† Königin Therese von Bayern, geborene Prinzessin v. Sachsen-Hildburghausen, München (Cholera). Sie wird am 31.10. in der Theatinerkirche in München beigesetzt und am 19.03.1856 in die St.-Bonifaz-Kirche überführt.
König Ludwig I. schreibt am 04.11.1854 in Darmstadt einen Brief an seinen Sohn Otto (König Otto v. Griechenland):

Lieber Otto, Du hast die beste Mutter, ich die beste Frau verloren. Dir gleich zu schreiben, war mir unmöglich, Zandi (Prinzessin Alexandra, d. Verf.) tat es. Innerhalb 12 Stunden noch ohne Lebensgefahr und tot. Das Schmerzlichste, was mein Herz treffen konnte, hat es erlitten. Sanft wie Deiner Mutter Leben war ihr Sterben, schmerzlos schlummerte sie hinüber. Hätte es der Arzt nicht gesagt, ich würde es nicht geglaubt haben, obgleich, mein Gesicht dem ihren gegenüber, ich am Sterbelager mich befand, mit gefalteten Händen Trennung für dieses Leben, solch plötzliche, nach 44jähriger Ehe, in der mir sie immer lieber und lieber wurde, ihrer Vortrefflichkeit wegen. Seit Jahren schon bangte mir um sie, ich zitterte, wie sie Herzklopfen spürte. Laut auf weinte ich, als sie nicht mehr atmete, und laut weinend verließ ich den verödeten Palast. Für jetzt war kein Bleiben für mich. Max(König Maximilian II. Joseph v. Bayern, d. Verf.) war ein Bild des Jammers, da er die Mutter schon tot fand, als er zurückkam. Luitpold (ab 1886 Prinzregent v. Bayern, d. Verf.) drückte die Augen seiner Mutter zu.

1855

Beginn der Separation in der Landwirtschaft (Gesetz vom 21.05.). Es kommt zu ersten Veränderungen in der Stadtfeldmark.
(s. auch 23.10.1878 und 16.02.1901) 

11. Februar 1855

Werra-Eisenbahn-Gesellschaft wird nach langwierigen Verhandlungen in Meiningen gegründet. C. J. Meyer gelingt es, die notwendigen 8 Mio. Taler aufzubringen. Ausgegeben werden 50.069 Aktien im Gesamtwert von 5.006.900 Talern; hinzu kommen Prioritätsanleihen im Gesamtwert von 3.250.000 Talern.

1855
Gründung von Meyers Geschichtsbibliothek für allgemeine Kunde des Kultur- und Völkerlebens.

30. März 1855
† Herzogin Friederike Louise Wilhelmine Marianne Charlotte, Gemahlin des späteren Herzogs Georg II. v. Sachsen-Meiningen-Hildburghausen
* 21.06.1831, Prinzessin v. Preußen

1855

32 Einwohner Heßbergs kaufen das Rittergut Weitersroda. Die Waldungen werden gemeinsam bewirtschaftet.

17. September 1855
† Carl Hohnbaum (Dr. med.), Hildburghausen
* 12.01.1780, Coburg
Augenarzt, herzoglicher Leibarzt, Obermedizinalrat, Leiter der Irrenanstalt, Fachschriftsteller, Literat, Volksliedsammler

16. Oktober 1855
Zum Bau und Betrieb der Werra-Eisenbahn mit Zweigbahn und wegen Konzessionierung der Direktion der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft wird zwischen Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Meiningen-Hildburghausen und Sachsen-Coburg und Gotha ein Vertrag abgeschlossen.

1855
An Militär besitzt Sachsen-Meiningen-Hildburghausen Schützen in Regimentsstärke (2 Bataillone à 4 Kompanien).

1856
Die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft überlässt per Vertrag der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft Bau der Hauptstrecke Eisenach – Coburg und Zweigbahn Coburg – Sonneberg. C. J. Meyer erhält also nicht den Zuschlag und wird um einen Teil seines Lebenswerks betrogen.

1856
Die Städte Sonneberg, Eisfeld, Hildburghausen, Salzungen, Wasungen verleihen dem Meininger Staatsrat Dr. Eduard Oberländer für seine Verdienste um den Bau der Werra-Eisenbahn die Ehrenbürgerwürde.

18. Februar 1856
Erster Spatenstich zum Bau der Werra-Eisenbahn zwischen Grimmelshausen und Reurieth durch den Römhilder Oberamtmann Schlegel.+

26. März 1856
Baubeginn der Werra-Eisenbahn im oberen Lautertal (Heid, Görsdorf), zwischen Eisfeld und Coburg.

1856
C. J. Meyer will eine Allgemeine Bank- und Creditanstalt gründen.

22. Mai 1856
S. Meiningisches Gesetz vom 22. Mai 1856, betr. die Normen für die Verhältnisse der Juden. Im Art. 1 heißt es: „Die in dem Herzogthum wohnenden Juden sind den christlichen Unterthanen in ihren allgemeinen Rechten und Pflichten gleichgestellt, soweit das gegenwärtige Gesetz keine ausdrücklichen Ausnahmen und Beschränkungen enthält.“

Ferner wird gesagt, dass sie keine eigenständigen bürgerlichen Gemeinden bilden dürfen und sich dem Gemeindeverband ihres Heimatortes einverleiben sollen. Die einheimischen Juden erhalten die Staatsbürgerrechte, wenn sie volljährig sind, wenn Zeugnisse des Wohlverhaltens beigebracht werden und ein Nachweis geführt wird, dass sie einen gesicherten Nahrungsstand haben. Mit diesem Gesetz ist auch das Eheverbot zwischen Christen und Juden aufgehoben, die Ehen sind denen der Christen gleichgestellt. Die Kinder aus solchen Ehen sind in der christlichen Religion zu erziehen. – Trotz der eindeutigen Regelungen kommt es immer wieder zu Protesten und Widerständen aus den Reihen des Magistrats gegen die Juden. Die Intoleranz als Grundhaltung gegenüber den jüdischen Bürgern wird nur sehr langsam abgebaut bzw. wird immer wieder neu angeschürt. Von den 133 Mitgliedern der jüdischen Kultusgemeinde wandern 27 aus.

9. Juni 1856
 Diedrich Rudolf Stürenburg (Dr. phil.), Hildburghausen
* 26.04.1811, Aurich
Philologe, Rektor des Gymnasiums
28.1.1835 Promotion in Jena zum Dr. phil. St. wird 28-jährig als Rektor des Gymnasiums berufen (bis 1856), er gilt als bedeutender Philologe.
Werke: Kritische Ausgaben von Lic. pro Archia (1832), Lic. da officiis (1839).

27. Juni 1856
, 21 Uhr
† Carl Joseph Meyer, Hildburghausen (Lungenentzündung, Schlaganfall)
* 09.05.1796, Gotha
Kaufmann, Verleger, Begründer des Bibliographischen Instituts, Schriftsteller, bürgerlicher Demokrat, Montanbesitzer

Im Nachruf des Regierungsblattes heißt es:
Gestern Abend nach 9 Uhr verschied einer unserer intelligentesten und geschätztesten Mitbürger, Herr Joseph Meyer, Chef des Bibliographischen Instituts. Am 9. Mai vollendete er sein 60. Lebensjahr. Allgemein ist die Teilnahme hiesiger Einwohner, denn die Stadt hatte ihm während seines langjährigen Aufenthaltes viel zu danken, da er in einer Zeit hierher kam, wo durch den Wegzug des hier residierenden Fürstenhauses bedeutende Nahrungslosigkeit eingetreten war, die er dadurch, daß er so vielen Leuten Beschäftigung und Brod gab, teilweise beseitigte. Die Armen verlieren an ihm einen großen Wohlthäter und sein Andenken wird den Einwohnern teuer und unvergeßlich bleiben.

29. Juni 1856, morgens 4 UhrBeerdigung Meyers. Die Grabstätte enthält außerdem sterbliche Überreste seiner Mutter Marie Juliane M., geb. Leinhos, Minna Meyer, Pfarrwitwe L. Bornmüller, L. Bornmüller. Kreuz, Namen, Inschriften finden sich nicht auf der Grabstätte.


1856
Abteilungen des Bibliographischen Instituts
I.        Buchverlag
           Enzyklopädien
           Bibeln
           Bilderwerke
           populärwissenschaftliche Bücher und Sammelwerke verschiedener älterer Verlage 

II.      Geografischer Verlag
           Geografische und typografische Werke
           Altlanten

III.     Klassischer Kunstverlag

Zweigniederlassungen existierten/existieren in: Paris (01.06.1837), Amsterdam (25.03.1837), Konstantinopel, New York (1832 – 1835), 1849 selbstständiges Geschäft von Sohn Herrmann Julius M. in New York, Philadelphia (1837 – 1840), London, Budapest.

1856

Scharlachepidemie. Im Herzogtum sterben 101 Kinder.

1856
Die Schüler der Industrieschule werden in die Stadtschule übernommen.

23. Januar 1857
Der Versuch, den ersten katholischen Kaplan in Hildburghausen anzusiedeln, misslingt. Joseph Bader aus Miltenberg wird am 10.02. verhaftet und außer Landes verwiesen. Kapuziner aus Königshofen leisten seelsorgerische Dienste in Hildburghausen.

24. Januar 1857

Mit dem Wiener Münzvertrag wird die Ausbringung einer gemeinsamen Münze (Vereinstaler = einheitliche Kurantmünze/Umlaufmünze) für Zollvereinsstaaten sowie Österreich und Liechtenstein beschlossen. Aus dem Zollpfund zu 500 g Feinen Silbers werden 15 Doppeltaler oder 30 Vereinstaler geprägt. Im Herzogtum gilt demnach der 52-1/2-Gulden-Fuß:
1 Gulden      = 60 Kreuzer,
1 Kreuzer     = 8 Heller = 4 Pfennige.
Andere Währungen werden in Zahlung genommen, und mit Valvationstabellen (Umrechnungstabellen) wird der Wert bestimmt.

1857
In Hildburghausen existieren zwei evangelische Parochien (Pfarreien) mit getrennter Kirchenbuchführung:
Stadtgemeinde (Christuskirche): Innenstadt, Obere Vorstadt, eingepfarrte Orte Birkenfeld, Sophienthal, Friedrichsanfang bis 1856, Irrenhaus, Krankenhaus Gefängnis;
Neustädter Gemeinde: (gemäß Dekret vom 21.04.1721) Neustadt, Untere Vorstadt, Wallrabs, seit 1836 das Seminar mit Lehrern, Familien und Kindern, in der Neustadt wohnende Hof- und Staatsdiener.

1857

Der bedeutende Pädagoge Friedrich Adolf Wilhelm Diesterweg schreibt:
„Was Nonnes Dorfzeitung, d. h. ihre zeitgemäße und ohne Zweifel ihre treffliche Art betrifft, so ist zu sagen: ihre Zeit ist um, oder es bedarf für unsere Zeit noch einer anderen Art und Weise. Humor und Witz, Behaglichkeit und Gemüthlichkeit, selbst gesunder Menschenverstand, kurz die Eigenschaften der Dorfzeitung allein genügen nicht mehr. Unsre ernste Zeit fordert Ernst, unser jetziges Volk bedarf der grundlegenden Belehrung und tieferen Aufklärung über die Verhältnisse der Zeit und ihre Fragen.“

19. Dezember 1857
† Johann Daniel Elster, Wettingen/Schweiz
* 16.09.1796, Benshausen b. Suhl
Freiheitskämpfer, Pädagoge, Gastwirt, Posthalter, Komponist
Studium Theologie, Medizin. Teilnehmer Wartburgfest (1817), Begründer der Leipziger Burschenschaft, englischer Kriegsdienst, Legion Hohenlohe, Soldat in Korsika, später Philhellenischer Kämpfer für die Wiedergeburt Griechenlands. Er gründet in der Schweiz Liedertafeln und ist als Musiklehrer tätig, dann auf dem Rittergut Haubinda, 1830 – 1833 Gastwirt und Posthalter im Sächsischen Haus (heute: Farben-Bauer) in Hildburghausen, Kompositionen für Männerchöre, verdienstvoller Chorgründer und -leiter in Hildburghausen, später Seminar-Musiklehrer und Organist in Wettingen/Schweiz.

18. Januar 1858

Das gewaltige Meyersche Montanunternehmen geht in Konkurs.

Human resümiert:
„... ihm selbst (gemeint ist Carl Joseph Meyer, d. Verf.) war das Bergmannsglück nicht hold. Aus der Saat, die er ausgestreut, gingen später allerdings die ‚Zwickauer Kohlenförderung’, die Maffei'sche Maschinenfabrik in München, die großen Eisenindustrieen der Krupp in Essen, Borsig in Berlin, Hartmann in Chemnitz, Gruson in Magdeburg u.a. hervor und das Kupferbergwerk in Ilmenau, sowie die Braunköhlenflötze auf der Rhön florierten, als ihre Zeit gekommen war. Seinem eigenen Werke aber kam zunächst die Zeit tiefen Verfalles und ob er sich auch mit Titanenkraft dem Sturm entgegenwarf, der von 1848 an über seine halbfertigen Unternehmungen dahinbrauste, sein gewaltiges Werk ging endlich doch in Trümmer! – ... Einst importierten wir aus England, jetzt importiert England von uns und besonders erfolgreich ist auch die deutsche Konkurrenz in den englischen Kolonieen, seit durch den Handelsvertrag vom 30. Mai 1865 England dem deutschen Zollverein das Meistbegünstigungsrecht für seine Kolonieen eingeräumt hat. ... Das aber war es ja eben, was Joseph Meyer mit weitem Blick bei seinem Bergbau einst erstrebte, daß die Eisen- und Stahlindustrie derjenigen Englands gewachsen und von England unabhängig sei. Indeß war eben der Erfolg seinem Großstreben versagt.
Am 18. Januar 1858 kam es zum Konkurs. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der renitenten Gläubigerschaft und dem Konkursgericht ... wurde endlich im Termin vom 20. Dezember 1863 der im Herzogtum S. Meiningen belegene Grundbesitz an Gruben und Hüttenwerken nebst den im Königreich Sachsen belegenen Kohlenabbaurechten dem Bergwerksbesitzer Richard von Swaine in Stockheim um das Meistgebot von 175 000 fl. nach Mehrheitsbeschluß der Gläubigerschaft zugeschlagen. Die Gruben 'Wildermann', 'Wohlgemuth' und 'konsolidierte Gottschildsgrube' im Schwarzburg-Rudolstädtischen, die zu den besten Stücken des Nachlasses gehörten und trotz der enorm ungünstigen Konjunkturen der Masse bis 1860 ohne Zuschuß betrieben worden waren, waren bereits 1861 um das Höchstgebot von 7 060 fl. versteigert d.h. verschleudert. Und so ging es auch mit den meisten übrigen Stücken der Masse. Überreiche Ernte der Advocaten, immer mehr Zinsverlust, immer mehr Wertminderung der Aktivmasse und Unmöglichkeit des Fortbetriebs der Werke wegen zu geringer Baarmittel – das war das Ende.
(Human: Carl Joseph Meyer und das Bibliographische Institut von Hildburghausen-Leipzig.– 1896, S. 43 ff.)

1858
Kaplan Joseph (v.) Ehrler aus Neustadt/Saale ist Seelsorger der kleinen katholischen Gemeinde Hildburghausen und für Meiningen.
E. wird 1867 Domprediger in München, 1878 Bischof v. Speyer und Mitglied des Reichsrats von Bayern († 13.03.1905).

12. Mai 1858
† Gottlieb Carl Hermann, Hildburghausen
* 14.11.1793, Salzungen
Superintendent, Schriftsteller
1824 Pfarrer in Möhra, 1831 Superintendent in Heldburg, 1844 Kirchenrat und Superintendent in Hildburghausen (1844 – 1858), Mitarbeiter und seit 1854 Redakteur der Dorfzeitung. 

1858
Landbaumeister Ortmann aus Hildburghausen erbaut das stattliche Kirchenschiff der „St.-Marien-Kirche“ in Poppenhausen im neogotischen Stil.

1858

Das Herzogliche Staatsministerium des Innern setzt eine Prämie von 100 Friedrichsdor (preußische Goldmünze, 5-Taler-Stück, zwischen 1741 – 1855 geprägt) für den besten Bauplan für eine Anstalt von ca. 100 geistig Kranken beiderlei Geschlechts aus. Der Frankfurter Architekt Pichler gewinnt den Preis 1859. Den Betrag überweist er dem Armenhaus.

1858 – 1876

Ernst Wölfing, C. L. Nonnes Schwiegersohn, ist Superintendent.

1858

Tägliche Personenposten zwischen Hildburghausen und Gotha (teils mit Kondukteurbegleitung) und nach Römhild werden eingerichtet.

 

Der erste in einer Tageszeitung abgedruckte Fahrplan der Werra-Eisenbahn, 22. Oktober 1858.

30. Oktober 1858
Schulrat Dr. Reinhardt würdigt in einer Schulrede zur Eröffnung der Werra-Eisenbahn Meyers Eisenbahnplanungen:
„Das ist der Tag, den viele unserer Väter sehen wollten und haben ihn nicht gesehen; das ist der Tag, auf welchen sich so mancher unserer Zeitgenossen freute, der jetzt im kühlen Grunde schläft. Der Mann, der das ersterbende Leben der ausgestorbenen Residenz ersetzen sollte, hatte vom Weltmeer bis zum Binnenmeer die Straße gezeichnet, in welcher die Lebensadern deutschen Wohlstandes pulsieren sollten, und er erlag, weil seinem Geiste die Gedanken seiner Zeitgenossen wie hinkende Boten nachzukommen pflegten.“

1. November1858
Eröffnung der Werra-Eisenbahn durch Direktion und Verwaltungsrat. Abfahrt 7.00 Uhr in Eisenach, Ankunft in Coburg 12.00 Uhr. Der Festzug ist mit den Lokomotiven MEININGEN undCOBURG bespannt.

Werra-Eisenbahn 1858. Historischer Stich

2. November 1858
Festliche Einweihung des Streckenabschnitts Eisenach – Salzungen – Meiningen – Themar – Hildburghausen – Eisfeld – Coburg (130,63 km) mit der Borsig-Lokomotive Nr. 1001. Die Thurn und Taxissche Postverwaltung nutzt ab 05.12.1858 die Eisenbahnlinie für die Postbeförderung. Die Posthaltereien werden in ihrer Größe abgebaut, z. B. werden der tägliche Eilwagen zwischen Eisenach und Hildburghausen und die tägliche Personenenpost zwischen Meiningen über Hildburghausen nach Sonneberg eingestellt.
Der Bahnhof Hildburghausen liegt zum Zeitpunkt auf Häselriether Boden, der erst 1887 an Hildburghausen kommt. In jener Zeit entsteht der scherzhafte Satz: „Wir ham die Bah, siehste Frieder, 'n Bahnhof ham die Häselriether!“ Die günstige Lage des Bahnhofs fördert wesentlich die Industrialisierung des Dorfs Häselrieth (z. B. 1893 Gipsmühle, ab 1894 Glashütte, Dampfsägewerk und Holzgroßhandlung Mohr & Co.).

Philatelistische Souvenirkarte mit den Porträts von Friedrich List und Carl Joseph Meyer sowie
Postsonderstempel zum Ereignis „100 Jahre Werrabahn“, 1958.,
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1858
Die heutige Friedrich-Rückert-Straße, damals noch kaum bebaut, wird Bahnhofstraße genannt.

15. Dezember 1858
Eröffnung der Teilstrecke der Werra-Eisenbahn Coburg – Lichtenfels.

Jahresende 1858
Bis zum Zeitpunkt werden für die Werra-Eisenbahn gebaut: 12 Brücken, 446 Durchlässe, 199 Wegeübergänge, 62 Unter- bzw. Überführungen, 14 Flusskorrekturen, 1 Eisenbahntunnel. 130,11 km Hauptbahn (2-gleisig), 19,49 km Zweigbahn (1-gleisig), 20 Lokomotiven, 40 Personenwagen, 312 Güterwagen.
6.600 Arbeiter bauen die Strecke. Kosten des Bahnbaus von Eisenach bis Coburg und von dort bis Sonneberg belaufen sich auf 14.653.697 Gulden.


Nach der Eröffnung der Werrabahn 1858 wird die Werrabahn-Telegraphen-Station-Station Hildburghausen
eingerichtet, die bis Mitte der siebziger Jahre besteht. Hierzu werden eigene Formblätter der Gesellschaft
verwendet. Die Depeschen sind dem Adressaten in einem Kuvert zugestellt worden.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1858
Mit der Einrichtung der Werra-Eisenbahn verliert die Posthalterei (Personen- und Paketpost) an Bedeutung. Teilweise unterhält die Posthalterei bis zu 30 Pferde und Wagen.
Pferdeposten verkehren nur noch nach Schleusingen, Römhild und Rodach.

24. Januar 1859
Eröffnung der Reststrecke der Werra-Eisenbahn ab Coburg nach Lichtenfels über Ebersdorf – bayerische Landesgrenze. (Das Coburger Gebiet ist zum Zeitpunkt ein ernestinischer Staat in Thüringen.)

1859
Gründung der J. Bodensteinschen Metallwarenfabrik mit bis zu 45 Arbeitern. Es werden vorwiegend Taschenmesser hergestellt.

13. März 1859
Ab Hildburghausen fährt ein Extrazug mit 256 Personen zur Aufführung von Goethes Iphigenie auf Tauris nach Meiningen.

Bahnhof Hildburghausen, vor dem Bahnhofsgebäude ist der Fußgängerüberweg zur Schmalspurbahn
Hildburghausen – Heldburg – Lindenau/Friedrichshall.
Das 1859 als Fachwerkbau errichtete Gebäude ist 1912 verschiefert worden.Verlag Reinicke & Rubin, Magdeburg
Sammlung Hans-Jürgen Salier


 1859

Joseph Dressels landwirtschaftliche Maschinenfabrik am Spittelbach, auf vielen Ausstellungen in Mitteldeutschland prämiert, hat 10 Beschäftigte, seit April 1872 in die Häselriether Straße (ehemalige Eisengießerei) verlegt und Fertigung von Maschinen für Ziegeleien, Brauereien und weiterhin landwirtschaftliche Geräte.


1859
Nach Coburg, Meiningen und Liebenstein (1855) werden in Salzungen, Wasungen, Themar und Hildburghausen weitere Stationen der Königlich Bayerischen Staats-Telegraphen eingerichtet. Die Morsetelegrafenleitung dient anfangs der Durchgabe von Zuglauf u. a. dienstlichen Mitteilungen, Anfang 1860 wird sie auch zur Durchgabe von Staats- und Privatdepeschen genutzt.

4. November 1859
In einem Bericht des deutschen Polizeivereins über die politische Lage in Thüringen heißt es zum Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen und Hildburghausen u. a.:
„Im Herzogthum Sachsen-Meiningen ist die neueste Agitation durch das offne Entgegentreten des Herzogs gewaltig in's Stocken gekommen. ... Anlangend das bibliographische Institut in Hildburghausen, so war der Begründer desselben, der Herausgeber des ‚Universums’, Meyer, ein ganz entschiedener Democrat; nach seinem Tode hat sein Sohn das Geschäft bisher nur als Buchhändler fortgesetzt und um Politik sich anscheinend gar nicht gekümmert, freilich auch nicht den energischen, lebhaften Geist seines Vaters geerbt.“

1859/60
In Hildburghausen kommt es zur Gründung einiger Brauereien. Zur Konkurrenzerleichterung des Braugewerbes werden bereits seit 1834 bürgerliche Braulose abgelöst, nach dem 20.09.1861 nach Gemeinderatsbeschluss z. B. die 120 stadträtlichen und ab Dez. die 224 bürgerlichen Braulose.

6. Januar 1860
Der Kantor A. Schönewolf begründet den Chorverein, aus dem 1872 der Kirchenchor entsteht, und 1952 die Stadtkantorei. – Im gleichen Jahr wird das Hildburghäuser Gesangbuch mit 450 Liedern verlegt.

1860
Friedrich Heinrich Rudolf Scheller
* 12.05.1822, Hildburghausen
† 14.01.1900, Münchengosserstädt)
Apotheker, Chemiker, Fabrikant
Er nimmt die Produktion und den Vertrieb von Meerschaumpfeifen auf, u. a. mit eigener Meerschaumschnitzschule.

24. März 1860

Brief des Hennebergisch altertumsforschenden Vereins unter Prof. Dr. Georg Brückner an die am Kleinen Gleichberg einen Steinbruch betreibende Firma Amend & Co., H. Bronzene, eiserne bzw. steinerne Fundsachen, die beim Abtragen des Basalts zutage kommen, sind an die staatliche Behörde bzw. an den Verein einzusenden. Das Schreiben gilt als Geburtsurkunde der staatlichen Steinsburgsammlung.

1860
Umstellung der Straßenbeleuchtung auf Solarölbeleuchtung.

Gesamtansicht Hildburghausens, Marktplatz, Bau- und Bahnmeisterei (Altes Technikum), Maschinen- und
Elektro-Techniker-Schule (Neues Technikum). Lithographie
Verlag Otto Pezoldt, Hildburghausen, vor 1900

1860
Das Spital am Spittelbach wird wegen Baufälligkeit vom Stadtrat geschlossen. Die Patienten werden im Städtischen Krankenhaus aufgenommen. Das Alte Spital wird von Maurermeister Winzer gekauft.

Schleusinger Straße von der Höhe Apostelkirche und Krankenhaus zur Altstadt hin – Teil des Hugenottenviertels.
Verlag Karl Kein, Hildburghausen. Der Name „Bismarckstraße“ muss vor Verkauf der Ansichtskarte nach 1945
getilgt werden, weil sie nicht dem Zeitgeist entsprochen hat.

Sammlung Hans-Jürgen Salier

9. Mai 1860
Der Turnverein 1860 wird von M. Meyer (Neffe Joseph Meyers) gegründet, der einen beträchtlichen Zulauf erfährt. Der Turnplatz befindet sich auf dem Gelände der späteren Wabnitzhalle. Aus dem Turnverein heraus wird die Freiwillige Feuerwehr organisiert.
(s. 19.06.1861)

1860

Auf der neuen Verkehrsader Werra-Eisenbahn werden im Jahr befördert: 361.398 Personen, 117.495 t Güter.

10. August 1860
† Johann Reuter, Hildburghausen
* 1777, Hildburghausen
Soldat
1796 österreichischer Soldat in Italien, französische Gefangenschaft, 1798 – 1818 im 97. englischen Infanterieregiment in Ägypten, Spanien, Amerika. Teilnehmer an der Seeschlacht von Abukier, Weltenbummler in Australien und Asien. Die britische Königin Viktoria zeichnet ihn mit dem silbernen Ehrenzeichen aus.

1. September 1860 bis 30. Juni 1880
Die Post ist im Sächsischen Hof (heute: Farben-Bauer, Goetheplatz) untergebracht, vorher im Gebäude des heutigen Stadtmuseums Alte Post.

19. Juni 1861
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr durch Anregung des Hildburghäuser Turnvereins (24 aktive/13 passive Mitglieder). Besondere Verdienste erwirbt sich der aus Sonneberg stammende nachmalige Landesbrandmeister Friedrich Oeckel. Die Feuerwehr erfährt eine grundlegende Erneuerung. Die Löschgeräte werden zentral in den hinteren Räumen (Erdgeschoss) des Rathauses untergebracht. 1865 zählt die FFw bereits 176 Mitglieder.

September 1861
Sechs Häuser brennen in der Unteren Braugasse sowie die rückwärtigen Häuser in der Oberen Braugasse ab.

Ende 1861/62
Die Post setzt für Eisenbahnpostwagen auf Postkurs Eisenach – Lichtenfels und in Gegenrichtung den Thurn und Taxisschen Nummerringstempel „377“ ein.

7. Februar 1862
Die spätere Vereinsbank wird als Spar- und Vorschußverein gegründet. Hauptklientel ist der Mittelstand mit seinem stetig wachsenden Finanzbedarf. Erste berufene Leiter sind: Rechtsanwalt Nonne, Tuchfabrikant Hohnbaum, Mühlenbesitzer Frauenberger, Lehrer Schneider.
Der Verein arbeitet nach dem von Hermann Schulze-Delitzsch (Gründer der deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften) entwickelten System, nach dem kleine Einzahlungen und Spareinlagen der Teilhaber sowie aus empfangenen Darlehen Geldvorschüsse gegen höhere Zinsen gewährt worden sind. Die Ergebnisse sind den Guthaben der Mitglieder zugeschrieben worden.
Der Spar- und Vorschußverein Themar e.G.m.u.H. wird bereits 1860 gegründet. Die heutige vr bank Südthüringen ist Rechtsnachfolger dieser Institution.

9. April 1862
† Carl August Kessler, Hildburghausen
* 27.01.1788, Hildburghausen
Sohn des Hoftünchermeisters Johann Adam Kessler.
Hofmaler, Zeichenlehrer

Selbstporträt. Nach einer Einladungskarte des Stadtmuseums Hildburghausen zur Eröffnung der
Sonderausstellung „Der Herr Hofmaler Carl August Keßler (1788 – 1862)“ am 18. November 2012

1807 – 1809 Studium in Weimar unter Hofrat Meyer und an der Akademie der bildenden Künste München (bis 1813), unterstützt durch ein Stipendium Herzog Friedrichs. K. begleitet Prinzessin Therese auf ihrer Reise zur Trauung nach München. Zeichenlehrer am Gymnasium Hildburghausen. K. unterrichtet die Prinzen Eduard und Friedrich sowie Prinzessin Marie, die nachmalige Königin v. Hannover. 1819 – 1821 Studienreise nach Rom, Neapel, Florenz. Von 1826 – 1860 Hilfslehrer am Seminar, Lehrer an der Bürgerschule und später an der Gewerbeschule. Porträtiert u. a. die fürstliche Familie, in der heutigen Christuskirche befinden sich die Gemälde der Geistlichen Genßler und Nonne. K. gilt als vielseitiger und produktiver realistischer Künstler der Biedermeierzeit, in Stil und Malweise fühlt er sich den Traditionen des 18. Jahrhunderts verbunden. Von ihm gehen wesentliche Impulse auf das kulturelle Leben der Residenzstadt aus, Freund des Universalgelehrten Dr. Sickler. Sein ehemaliges Wohnhaus befindet sich in der Knappengasse (Gedenktafel).
Seine Werke befinden sich im Stadtmuseum Hildburghausen, im Museum Otto Ludwig, Eisfeld und im Schlossmuseum Weimar.

17. Juni 1862
Per Gesetz werden die korporativen Zwangs- und Bannrechte beseitigt, es kommen zur Ablösung z. B. 25 Backgerechtigkeiten, 20 Schlachtgerechtigkeiten.

4. August 1862
† Ludwig Köhler, Hildburghausen
* 06.03.1819, Meiningen
Bibliothekar, Redakteur, Volksschriftsteller, Lyriker

1862
Gründung des Hennebergischen Sängerbundes in Hildburghausen.+

1862
Mit der Übernahme des Bürgermeisteramts durch den Appellationsgerichtsreferendar Ferdinand Trinks (bis 1880) treten kommunalpolitisch geordnete Verhältnisse in Hildburghausen ein. Bis zum Zeitpunkt war das Amt mehr eine Nebenbeschäftigung, und bei Wahlen ist es bislang darum gegangen, die Gunst der Bewohner aus dem Gebiet des Unteren oder Oberen Tores zu erlangen. Die Bürgerschaft ist sich uneins.

 

Marktplatz, Neustädter Kirche und Seminar, Kanal (Westseite), Altes Technikum und Gesamtansicht.
Lithographie, 1898
Verlag der Kesselring’schen Hofbuchhandlung (M. Achilles).

1862
Der verloren geglaubte Taufstein aus der ehemaligen St.-Lorenz-Kirche (um 1650) wird auf dem Ratsberg (Stadtberg) entdeckt und von den Handwerkern Winzer und Höfelmann restauriert. Heute steht er in der Christuskirche.

Der Taufstein der Christuskirche stammt aus der „St.-Lorenz-Kirche“, die durch eine Brandkatastrophe 1779
zerstört worden ist. Der Taufstein ist bis 1862 verschollen gewesen. Marie L. M. Fischer schreibt in ihrem Aufsatz
zur Christuskirche in Hildburghausen 1785 – 1935: „Durch Zufall entdeckten … Hildburghäuser Bürger auf dem
Ratskeller den schön verzierten Taufstein; der wohl aus der Lorenzkirche stammt und vermutlich ein Geschenk der
Stadt während der Hofzeit war. Zwei Hildburghäuser Handwerker, Winzer und Höfelmann, frischten ihn wieder
auf, und nun steht er seit 1862 inmitten der Kirche, ein Schmuckstück und Zeuge vergangener Jahrhunderte.“

16. September 1862
† Friedrich Gendner, Heldburg
* 22.07.1788, Hildburghausen
Superintendent, Konsistorialrat
In Hildburghausen Konsistorialrat und Superintendent, ab 1844 Superintendent in Heldburg.

19. Oktober 1862
Gründungsversammlung des Feuerwehrverbandes des Herzogtums in Eisfeld mit Vertretern aus Eisfeld, Gräfenthal, Hildburghausen, Salzungen, Sonneberg, Themar (tritt kurze Zeit später aus dem Verband aus). Römhild gibt eine schriftliche Beitrittserklärung ab. Die Hildburghäuser Wehr wird Mitglied. Mit dem Beitritt Coburgs und Neustadts am 03.05.1863 erweitert sich der Verband.

Lithographie: Gesamtansicht, Baugewerk- und Bahnmeister-Schule (Altes Technikum), Marktplatz mit Rathaus,
Maschinen- und Elektro-Techniker-Schule (Neues Technikum).
Verlag der Kesselring’schen Hofbuchhandlung (M. Achilles), Hildburghausen, vor 1900
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1862/63
Die Werra-Eisenbahngesellschaft besitzt: 2 Lokomotiven einschließlich Tender; 12 Gepäckwagen; 100 bedeckte Güterwagen; 80 offene Güterwagen; 3 Pferdestandwagen; 12 Langholzwagen; 20 Kieswagen für Arbeitszüge. 

1. Januar 1863
Im Herzogtum werden Gewerbegesetze verabschiedet und die Gewerbefreiheit eingeführt. Die produktionshemmenden und historisch weitestgehend überlebten Zünfte/Innungen werden zumeist aufgelöst.
(s. auch 01.07.1884)

1. Januar 1863
Eine Gemeindeumlage wird erhoben: 2 Termine gibt es für Grund- und Häusersteuer, 4 für Gewerbe- und Einkommenssteuer, die ab 1882 immer wieder Veränderungen unterliegen.

17. Juni 1863
† Johann Wilhelm Scheller, Rüdesheim (im Hildburghäuser Erbbegräbnis beigesetzt)
* 20.04.1790, Hildburghausen
Großhändler, Weinhändler, Finanzier Meyers
Betreibt bis 1821 mit seinem Bruder Johann Erdmann (s. 14.01.1845) den einstigen väterlichen Weingroßhandel, ist geschäftlich engagiert in Polen, Russland, in den Ostseeprovinzen tätig. Neben seinem Bruder Johann Erdmann ist er der entscheidende Kapitalgeber für das Bibliographische Institut. Er kämpft um die Durchsetzung eines 
Centraldeutschen-Eisenbahn-Netzes sowie der Werra-Eisenbahn und unterstützt Meyer bei seinen Montan-Vorhaben. In der Zusammenarbeit mit M. verliert der weitblickende Geschäftsmann gigantische Geldsummen. In der heutigen Geschwister-Scholl-Straße lässt er große Weinkeller erbauen, auch das 3-geschossige Gebäude der späteren Dorfzeitung. Scheller tritt vor allem während der Hungerjahre 1842 und 1847 als Wohltäter der Armen der Stadt auf. Mehrere Stiftungen.

Das Gelände des späteren Druckhauses Offizin Hildburghausen GmbH (heute: Parkplatz) ist einst Garten von Dr. Carl Hohnbaum. Seine Tochter Amalie Stürenburg verkauft das Gelände an den Weinhändler Robert Scheller.
Später gehören die Keller dem Kaufmann Weigell und werden für die Lagerung von Gemüse und die Herstellung von Sauerkraut, Schwarzebeerwein (u. a. Export nach Frankreich, um dem Bordeaux die tiefrote Farbe zu geben) und eingelegten Gurken genutzt, zur DDR-Zeit u. a. zur Einlagerung von Kartoffeln.

28. Juni 1863
Auf Initiative von Hildburghäuser Buchdruckern wird zur Johannisfeier mit Kollegen aus Coburg, Meiningen und Schleusingen der Henneberger Buchdruckereiverein gegründet, Ende des Jahres treten Buchdrucker aus Bamberg, Nürnberg und Schweinfurt bei, und der Verein ändert seinen Namen in Henneberg-Fränkischer Buchdruckerverein.

Lithographie: Altes Technikum, Marktplatz, Landesirrenanstalt, Schlosskaserne, Gymnasium.
Verlag von Otto Pezoldt, Hildburghausen, 1900.

15. August 1863
Bei einem Großbrand in Veilsdorf werden 48 Wohnhäuser und 45 Scheunen vernichtet. Die Hildburghäuser Feuerwehr leistet aktive Hilfe.

16. September
Der Thüringer Kirchentag findet in Hildburghausen statt.

21. November 1863
In Hildburghausen wird ein Allgemeiner Arbeiter-Gesang-Verein gegründet, das ist ein Zeichen, dass sich allmählich Industrie entwickelt und die Arbeiter sich organisieren.

Ab 1864
Tägliche Landzustellung im Zustellbereich des Thurn und Taxisschen Lehenspostamts.

11. April 1864, 7 Uhr
Letzte Hinrichtung im Hof der ehemalige Fronveste (Geschwister-Scholl-Straße, nahe Gymnasium). Adolf Ehrhardt Büttner (* 20.01.1844, Leimrieth) wird wegen Muttermordes vom Saalfelder Scharfrichter durch das Beil gerichtet.

1864
Die israelitische Kultusgemeinde erwirbt das Haus ihres Mitglieds Emanuel Oppenheimer (ehemalige Obere Braugasse 10) und baut es als Schulhaus mit Lehrerwohnung aus. Nach dem Tod des letzten Lehrers, Jacob Mühlfelder (Lehrertätigkeit von 1897 – 1922), wird das Haus an den Schuhmachermeister Elsner verkauft. Nachfahren besitzen das Haus noch heute.

Juni 1864
Die katholische Kirche erhält neue Fenster, gefertigt von der Fa. Gebr. Franck, Hildburghausen, gestiftet von Privatpersonen und vom Würzburger Bonifatiusverein.

11. Juli 1864
2. Verbandstag Versammlung der vereinigten Feuerwehren der Herzogtümer Coburg und Meiningen in Hildburghausen.

1864 – 1869
Alfred Edmund Brehms Tierleben erscheint in 6 Bänden im Bibliographischen Institut Hildburghausen.

1864
Gründung einer Aktiengesellschaft für Gasbereitung und zum Bau eines Gaswerks, das im gleichen Jahr in der Coburger Straße erbaut wird (wird bis 1965 betrieben). Geleitet wird es von G. Burkhardt und H. Ehrhardt, danach ist Hauptmann Löbbecke Besitzer, ab 01.05.1882 Gustav Alberts aus Liegnitz. Das Gaswerk versorgt nach Gründung ca. 60 Gaslaternen und einige private Haushalte.

1865
Das Hildburghäuser Regierungsblatt hört zu bestehen auf, alleiniges öffentliches Blatt für das Herzogtum ist das Meininger Intelligenzblatt.

25. Februar 1865
† Otto Ludwig, Dresden
* 12.02.1813, Eisfeld)
Dichter (poetischer Realismus), Komponist
Meisterhaft gestaltete Erzählungen: Zwischen Himmel und Erde (1856), Die Heitherethei (1857),Der Erbförster (Tragödie, 1853).
(s. 1828/29)

20. Juni 1865

† Gotthelf Christoph Kost, Hildburghausen
* 19.01.1797, Schalkau
Advokat, Oberamtmann, Hofrat
Advokat in Sonneberg, Sekretär des Herzogs Bernhard II. Erich Freund, Amtsverweser in Schalkau und Sonneberg, ab 1829 – 1865 Gemeindeoberbeamter [Landrat] in Hildburghausen. Gehört zu Meyers engstem Freundeskreis, er tritt in seinem Amt und als Zensor stets für Meyer ein. 1839 Ehrenbürger.

1865
Der Grenzgraben bei der Kreismühle (Kehrweg) wird in Übereinkunft zwischen Hildburghausen und Häselrieth überbrückt.

24. September 1865
Einweihung der dreimanualigen Orgel in der Stadtkirche Hildburghausen (Christuskirche), erbaut von Johann Michael Schmidt (1798 – 1876), Schmiedefeld am Rennsteig, Kosten: 2.854 Gulden. Der historische Prospekt von Johann Georg Henne (um 1725 – 1799, Schwiegersohn von Johann Christian Dotzauer) ist beibehalten worden.

September 1865
Sechs Häuser in der Unteren Marktstraße brennen ab (Höhe Geschäft Neidhardt bis Hofbäckersgässchen). Beim Wiederaufbau wird die Straße verbreitert.

Hildburghausen. Untere Marktstraße.
Verlag Heinrich Reissig, Hildburghausen, um 1910.
Sammlung Hans-Jürgen Salier.

13. Oktober 1865
† Johann Andreas Popp – (* 20.07.1797)
Schultheiß in Wallrabs
In seiner 36-jährigen Amtstätigkeit werden u. a. erbaut bzw. angelegt: Gemeindebackhaus (1828), Str. an der Römhilder Chaussee ins Dorf (1833 – 1839), Straßen im Ort (1840 – 1846), Straße nach Stressenhausen (1847 – 1855), Brücke am Weidengraben (1856), ferner kommt es zu Bepflanzungen von Ödland, z. B. am Hellrangen, Krummenberg, bei den Felsenkellern, am Vorderen Kopf, am Eichelrangen, beim Pfingstrasen und an der Hasenleite.

31. Januar 1866
† Friedrich Rückert (Pseudonym: Freimund Raimar), Neuses – heute: Stadtteil Coburgs
* 16.05.1787, Schweinfurt
Spätromantischer Lyriker mit großem Formenreichtum (u. a. auch Befreiungslyrik gegen Napoléon); Orientalist, Nachdichter und Übersetzer fernöstlicher und orientalischer Lyrik, genialer Übersetzer des „Koran“ (1888 erschienen)

1866
Nach Bundesbeschluss wird wegen des drohenden Krieges zwischen Preußen und Österreich die Bundesfestung Mainz geräumt, Truppen aus Bayern und Thüringen halten Einzug. Das Regiment des Herzogtums geht mit 850 Mann per Eisenbahn über Lichtenfels, Würzburg nach Mainz. Österreich stellt am 14.06. den Antrag auf Mobilmachung gegen Preußen. Das Herzogtum wird Gegner Preußens.

1866
Militärische Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland. Preußen erklärt Sachsen-Meiningen (gehört zu den süddeutschen Staaten) förmlich den Krieg und besetzt Meiningen.

27. Mai 1866
Das Theater ist mit einer Gasbeleuchtung versehen (Karl Schüerholz, 523 Taler).
Der bedeutende Theatermann (Schauspieler, Regisseur, Intendant) Carl Friedrich Wittmann inszeniert ab 1865 in Hildburghausen und kann auch damals in Deutschland bedeutende Schauspieler verpflichten (z. B. Elise Haase). Die Bedeutung des Theaters steigt, vor allem klassische Schauspiele werden aufgeführt, auch Ballett-Gesellschaften werden verpflichtet. Mit der Werrabahn erhält die Stadt eine gute Verkehrsanbindung, die auch für den Theaterbesuch förderlich ist. Das ist die Zeit, in der die beiden Hoftheater in Coburg und Meiningen um die Gunst der Zuschauer werben und sich zu Spitzentheatern entwickeln.

20. Juni 1866
Auf Befehl der thüringischen Eisenbahn Erfurt erfolgt die Einstellung des Güter- und Personenverkehrs auf der Werra-Eisenbahn.
Bernhard II. Erich Freund sucht nach einem Anschluss an Bayern und widersetzt sich dem preußischen König. Der Preußenkönig erklärt sich bei Thronverzicht des Meininger Herzogs bereit, das Herzogtum bestehen zu lassen.


Lithographie. Stadtbergturm (Bismarckturm), Markt, Neues Technikum, um 1900.
Verlag der Kesselring’schen Hofbuchhandlung (Max Achilles).

1866
Nach Austritt des Herzogtums aus dem Deutschen Bund wird das in der Festung Mainz liegende Infanterieregiment des Landes zurückbeordert, die Mannschaften werden am 31.07. ausgekleidet und entlassen.

1866
Eröffnung der neuen Landesirrenanstalt, sog. Zentralgebäude (am heutigen Standort), für 400 Kranke. Bis 1888 ist Dr. Eduard Liebmann 1. Direktor (* 1823, Reichmannsdorf – † 1892, Coburg).
Das Gebäude wird von der Baufirma Glöckner Frankfurt/M. erbaut. Wegen der Kampfhandlungen im Deutschen Krieg werden bereits in der Nacht vom 21. zum 22.06.54 Patienten (31 Männer, 23 Frauen) aus der alten Anstalt (heute: Teil der Henneberg-Kliniken) in die neue Anstalt verlegt. Das Gelände hat eine Fläche von 9 ha. In der Landesirrenanstalt wird auch eine kleine Kapelle für Gottesdienste und Kasualien genutzt.

29./30 Juni 1866
Bis zum 02.07. liegen bayerische Truppen in Hildburghausen. Von ihnen geht kaum Gefahr aus. Den Bürgern bleiben ihre Trinkfestigkeit und ihre laxe Dienstauffassung in Erinnerung.

20. September 1866
Rücktritt des Meininger Herzogs Bernhard II. Erich Freund. Sein Sohn Georg II. tritt die Regentschaft am 21.09. an.
Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen.
Regierungszeit: 1866 – 1914.
(* 02.04.1826 – † 25.06.1914).

27. September 1866

Der Landtag tritt zusammen, huldigt dem neuen Herzog und billigt damit die neue politische Konstellation. Tags darauf ziehen die Preußen in zwei Sonderzügen aus dem Land.

8. Oktober 1866
Das Herzogtum unterzeichnet den Friedensvertrag mit Preußen und tritt dem aus 22 Mitgliedern bestehenden Norddeutschen Bund bei. 

1866
Neuaufbau des oberen Teils des Bürdener Kirchturms.

1866
Im heutigen Stadtgebiet wird zwischen Hildburghausen und Häselrieth der Lauf der Werra reguliert.

1866
In Hildburghausen wird eine Filiale des 1740 in Meiningen gegründeten jüdischen Bankhauses B. M. Strupp eingerichtet, das sich zum bedeutendsten Bankhaus in Südthüringen entwickelt und wesentlichen Anteil am Aufschwung der Porzellanindustrie hat.
Das Bankhaus etabliert sich im Gebäude des jüdischen Kaufmanns Emanuel Alexander Oppenheimer, heute Gebäude der Commerzbank. Der ehemalige Geschäftsführer war Simon Levi Simon. Die Synagoge auf dem Grundstück wird nicht mit einbezogen.

28. Dezember 1866
Herrmann Julius Meyer (1826 – 1909), Sohn Carl Joseph Meyers, ab 1865 – 1884 Chef des Bibliographischen Instituts, und Johann Friedrich Hofmann (1813 – 1888), Schriftsteller, ab 1841 Mitarbeiter am Bibliographischen Institut und ab 1883 Chefredakteur der Gartenlaube, werden Ehrenbürger der Stadt Coburg.

1867
Einführung der Gewerbefreiheit, die Wanderschaft der Handwerksgesellen nimmt ab.

1867
Die Buchdrucker aus Hildburghausen, Coburg, Meiningen, Römhild, Schleusingen, Sonneberg und Suhl schließen sich zu einem Gauverband Hildburghausen zusammen.
(s. 28.06.1863)

23. Januar 1867
† Victor Trinks, Hildburghausen
* 24.09.1800, Meiningen
Advokat, Landtagsabgeordneter
Ab 1823 Advokat, seit 1833 Abgeordneter des Landtags, ab 1850 am Appellationsgericht H. T. gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Herzogtums.

April/Mai 1867
In Hildburghausen, Ehrenberg, Eisfeld, Römhild wütet die Rinderpest. Um die Verbreitung der Seuche zu verhindern, werden militärische Kordons gezogen.

12. Mai 1867
† Ernst Büchner (Dr. phil.)
* 04.08.1805, Sonnefeld
Pädagoge
Seit 1836 Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften am Gymnasium Fridericianum. Er ist bekannt für eine Schwammkunde mit plastischen Nachbildungen (Schwammkunde, 6 Gruppen von giftigen und eßbaren Schwämmen in nach der Natur entworfenen und kolorierten Modellen nebst Beschreibung, Berlin 1854 – 1857), die in Deutschland und Frankreich eine weite Verbreitung findet. Alexander v. Humboldt beurteilt das Werk außerordentlich positiv. Büchner ist auch Verfasser der Sammlung algebraisch-physikalischer Aufgaben für Gymnasien und Realschulen.

1. Juli 1867
Übernahme der Thurn und Taxisschen Lehenspost im Ergebnis des Krieges von 1866 durch Preußen.
Thurn und Taxis wird für seine noch bestehenden Postgebiete mit 5 Mio. Gulden (3 Mio. Taler) entschädigt. Für Postgebiete mit Kreuzerwährung (Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen gehört dazu) werden 5 neue Postwertzeichen verausgabt.
Der letzte Thurn und Taxissche Postmeister, Friedrich Albert Laurich, wird in den Ruhestand versetzt.
Preuß. Generalpostmeister wird Heinrich Stephan, der spätere Organisator des Weltpostvereins (UPU). – 35 Oberpostdirektionen (OPD) werden gebildet. Hildburghausen kommt zur OPD 16 mit Sitz in Erfurt.
Während die Taxisschen Nummer-Ringstempel eingezogen werden, verwendet man noch eine Zeit den Werrabahn-Nummerringstempel „377“, bis dann die preußischen Dreizeilen-Stempel „EISENACH – LICHTENFELS“ und „LICHTENFELS – EISENACH“ eingeführt werden. In Hildburghausen werden täglich 6 Kartenschlüsse gefertigt.

„Reiseschein zum Postwagen“ für eine Postkutschenreise 1867 von Hildburghausen nach Heldburg.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1867
Nachdem die Stadt und das Umland 1717, 1722, 1726, 1743, 1748, 1774 von Viehseuchen betroffen ist und es zu erheblichen Tierverlusten und einschneidenden Präventivmaßnahmen kommt, tritt in diesem Jahr eine Rinderpest auf.

„Sie ist auf Viehtransporte aus Österreich und der Oberpfalz zurückzuführen. In Untersteinach und Häselrieth zuerst konstatiert, wurde sie hierher verschleppt. Bis zum 6. Mai waren ihr in Hildburghausen 19 Rinder, in Häselrieth 211 zum Opfer gefallen. Zur Untersuchung kamen außer hiesigen Tierärzten Autoritäten aus Bayern und Preußen, 170 Soldaten wurden zum Wachtdienst kommandiert, hohe Polizei- und Regierungsbeamte hielten Beratungen ab, sämtliche Straßen mußten täglich zweimal gekehrt werden, alle Ställe kräftig desinfiziert, von der Pest befallenes Vieh wurde erschossen und vergraben, kein Vieh durfte ohne schriftliche Erlaubnis geschlachtet werden. In den Baracken im Walde hielten angesehene Bürger Wache. Allein hier waren 28 Tiere getötet worden. Nach einer Berechnung vom September wurde der Schadenersatz mit 2.305 fl. 30 Kreuzer berechnet. Im Juni hörte die Seuche auf, und am 23. Juli wurden die befallenen Stallungen entsiegelt."
(Festschrift zur 600-Jahrfeier der Stadt Hildburghausen. 1324 – 1924. – 1924, S. 105)

20. Juli 1867 bis 1868
Ein Teil der Staatsstraßen geht an die Gemeinden über. Hildburghausen hat fortan zu unterhalten:
In Richtung Eisfeld 2 Brücken und eine Dohle, in Richtung Heldburg, Rodach 4 Brücken und 3 Dohlen. Von der Marktmitte Hildburghausen aus sind insgesamt 16.610 m zu unterhalten. Richtung Steinfeld 2.039 m, nach Eisfeld 835 m, nach Weitersroda 2.275 m, nach Wiedersbach 4.220 m, nach Römhild 654 m, nach Schleusingen 7.160 m.
1881 müssen für die Straßenunterhaltung 7.569 M aufgewendet werden, 1904 sind es einschließlich der Stadtstraßen 28.655 M.

Lithographie: Marktplatz, Denkmal für Königin Luise von Preußen.
Atelier Max Dotzauer. Verlag der Kesselring’schen Hofbuchhandlung (Max Achilles), Hildburghausen, um 1900

1867 – 1897
Die Katholiken in der Diözese Hildburghausen werden seelsorgerisch von Meiningen betreut.

1867
Nach der neuen Militärverfassung wird das Herzogtum dem 11. Armeekorps zugeteilt und bildet einen eigenen Landwehrbezirk. Das Stabsquartier befindet sich in Meiningen. Kommandeur wird der preußische Major v. Drigalsky.

1. Oktober 1867
Streitkräfte des Norddeutschen Bundes werden unter Preußens Führung aufgestellt. Das Thüringische Infanterieregiment Nr. 95 steht unter preußischer Führung, die meisten Offiziere und Mannschaften treten in den preußischen Dienst. Garnisonen für das neue Regiment werden Gotha, Coburg und Hildburghausen. Die künftige Meininger Garnison bildet das 1. und 2. Bataillon des 2. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 32. Die Mannschaften und Offiziere marschieren bis 18.10. an ihre jeweils festgelegten Standorte. Kommandeur der Garnison Hildburghausen wird Major v. Bischoffshausen.

„Mit Gott für Fürst u. Vaterland“ 6. Thüring. Inf.-Regt. Nr. 95. Errichtet 1807.
Ansichtskarte der 95er. Das 6. Thüringer Infanterie-Regiment Nr. 95 steht in der Tradition des Kontingents des
Regiments der Herzöge von Dachsen als Kontingent der Rheinbuch-Armee, das an Napoleons Seite für fremde
Interessen gekämpft hat und einen hohen Blutzoll auf den Schlachtfeldern Europas zahlen muss.

(s. auch 18. Februar 1807, 1. Oktober 1867, 17. Oktober 1867),
Sammlung Hans-Jürgen Salier

17. Oktober 1867
Hildburghausen wird Garnisonstadt.
Aus dem Meininger Bataillon wird das 2. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 95 gebildet. Es gehört der 43. Infanterie-Brigade der 22. Division des XI. Preußischen Armeekorps an. Am 30.10. marschiert das 2. Bataillon der 95er unter Geleit Herzog Georgs II. und großer Anteilnahme der Meininger Bevölkerung zum neuen Standort Hildburghausen, am 02.11. folgt die Restbesatzung nachdem das Bataillon der 32er – aus Mainz zurückkommend – in Meiningen einrückt.
Damit gibt es u. a. eine gewisse Entschädigung für das verlegte Konsistorium sowie das Appellationsgericht. So wird u. a. an Stelle des 1852 großenteils abgerissenen Panzerbieterschen Hauses an der Ostseite des Schlosses ein geräumiger Anbau errichtet.
Der ehemalige Orangerieplatz (heutige Stadtverwaltung) wird Turn- und Fechtplatz, auf den Kanalwiesen wird ein Schießplatz eingerichtet, im Schlosspark (Irrgarten) ein Exerzierplatz. Das Denkmal für die preußische Königin Luise wird links vom Parkzentrum neu aufgerichtet. (s. 1. Halbjahr 1989)

Im einstigen Waisenhaus an der Schleusinger Straße wird das Königliche Garnisonlazarett eingerichtet, das für 27 Kranke eingerichtet wird. Das Lazarett besteht bis 1919.

Übergabe der Fahnen an den Kommandeut des 95. Infanterieregiments
in der heutige Friedrich-Rückert-Straße.
Verlag Siegfried Caspary & Co., Hildburghausen

Das einstige Residenzschloss der Herzöge von Sachsen-Hildburghausen wird 1867 Garnisonstandort.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1867
Im Orangeriegebäude (später Sachsenburg, heute: Stadtverwaltung) werden die 6.000 Bände zählende Schlossbibliothek (bisher im Obergeschoss des Schlosses) sowie das Naturalien- und Raritätenkabinett untergebracht.

1867
Die Firma Conrad Fischer (Kupferschmied und Spritzenbauer) baut „Feuerlöschmaschinen jeder Art und Größe nach den besten Konstruktionen, deren Reparatur und Umänderungen“.

1867
Die Stadtsparkasse Hildburghausen erhält ein neues Statut. Bedeutsam sind die unbegrenzte Höhe der Einlagen und der Wegfall der Beschränkung des Arbeitsgebiets. Es kommt kurzfristig zur Erhöhung der Spareinlagen.

14. November 1867
† Charlotte Schamberger, Hildburghausen (katholisch), geb. 1780, populäre Marketenderin, die an den Feldzügen gegen Napoléon teilnimmt. An der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht b. Leipzig marschiert sie an der Spitze des Festzugs.

1867
Der Hildburghäuser Kaufmann Max Dressel kauft die Kempfes- oder Kreismühle in Häselrieth (Kehrweg), sie bleibt bis 1913 in Familienbesitz, dann wird sie an die Stadt veräußert.

19. November 1867
† Gustav Philipp Metzeroth, Gotha
* 05.09.1809, Weimar)
Kupferstecher
Der Hochtalentierte besucht die Kunstschule in Weimar unter dem Protektorat Goethes, auf Goethes Empfehlung Hilfslehrer an der Kunstschule in Weimar. 1830 beruft ihn J. Meyer nach Hildburghausen an das Bibliographische Institut. M. wirkt hier 24 Jahre, vor allem als Porträtstecher an der Galerie der Zeitgenossen, fertigt mehrere große Kunstblätter, u. a. Napoleon im Krönungsornat nach Gérard. Im April 1854 mit gesamter Familie Überfahrt nach Amerika und Tätigkeit in S. M. Butlers Anstalt in Philadelphia. Anstellung am United States Coast Survey Office (einziges topografisches Büro der USA) und sticht einige Hafenkarten. 1863 erhält er bei einem Besuch in Deutschland die Berufung an die Geograph. Anstalt von Justus Perthes in Gotha und wird Direktor der Kupferdruckerei.

1. Januar 1868
Die preußische Postverwaltung wird von der des Norddeutschen Bundes übernommen. Sachsen-Meiningen-Hildburghausen gehört zum Norddeutschen Bund und damit zum Norddeutschen Postbezirk. Das Postamt Hildburghausen erhält den Titel Norddeutsches Bundes-Post-Amt.
Die Norddeutsche Bundespost ist ein wichtiger Schritt zur Organisation eines einheitlichen deutschen Postwesens.

22. Januar 1868
Der am 02.02.1850 gebildete Schlossrayon geht auf die Stadt über. So ist die Stadt u. a. für die Beleuchtung, Instandhaltung der Wege und der Anlagen des Irrgartens verantwortlich.

22. März 1868
Gesetz zur Vereins- und Versammlungsfreiheit.

1868
Zu Ehren Herzog Friedrichs v. Sachsen-Coburg-Saalfeld, dem legendären Feldherren undTürkenheld Koburg, hat Mozart zwei Contretänze und Michael Haydn den Coburger Josiasmarsch geschrieben. König Wilhelm von Preußen (ab 1871 Kaiser Wilhelm I., Vetter Thereses), verleiht dem in Coburg, Gotha und Hildburghausen stationierten 6. Thüringischen Infanterieregiment Nr. 95 den auch als Koburger bezeichneten Marsch als Regimentsmarsch.

8. August 1868
† Dr. Hannibal Fischer, Rödelheim
* 1784, Hildburghausen
Advokat, Landrat, Politiker, Schriftsteller
In einem Landpfarrhaus erzogen, Gymnasium Coburg, Universität Göttingen. Seit 10.01.1805 Advokat in Hildburghausen, Justitiar bei Patrimonialgerichten und Landschaftssyndikus. 1812 als Regierungsassessor Assistent des Landrats. Landrat in Hildburghausen. Ab 30.07.1825 in Fürstlich Leiningschen Diensten zur Ordnung der desolaten Finanzen. 1831 Oldenburger Staatsrat und Regierungspräsident im oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld (bis 1848). Pensionär in Jena, fruchtbare konservative schriftstellerische Tätigkeit. Das Kommissariat des Deutschen Bundes in Frankfurt/M. beauftragt ihn mit der Auflösung der dt. Flotte (07.04.1852). Ernennung zum Lippeschen Wirklichen Geheimen Rat.

1. Dezember 1868
Bildung des Landkreises Hildburghausen mit dem Amtssitz in Hildburghausen durch Herzog Georg II.
Verordnung vom 1. December 1868, die Feststellung der Kreise und Kreisabtheilungen betreffend: " ... b) der Kreis Hildburghausen, mit dem Amtssitze in Hildburghausen, die Bezirke der Verwaltungsämter Hildburghausen (mit Heldburg und Eisfeld) sowie Römhild in sich begreifend ..."
Der Kreis besitzt 113 Städte und Gemeinden (156 Gemarkungsverbände), 52.107 Einwohner, davon 25.448 männlich, 26.719 weiblich
Erster Landrat: Carl Freiherr Wolff von und zur Todenwarth (ab 1865 bekleidet er das Amt des Gemeindeoberbeamten, ab 12.07.1872 Bezeichnung Landrat). Er steht dem Kreis bis zu seinem Tod im Jahr 1877 vor.
Das Herzogtum hat einen Gesamtflächeninhalt von

246.837 ha (2.468 km² od. 44,828 Quadratmeilen):

Kreis Meiningen               748,71 km²
Kreis Hildburghausen     777,51 km² (14,12 geogr. Quadratmeilen)
Kreis Sonneberg               344,27 km²
Kreis Saalfeld                    597,88 km²

6. Januar 1869
† Johann Heinrich Christian Pfitz, Hildburghausen
(verstorben nach einem Unglücksfall)
* 22.10.1789, Hildburghausen
Pfarrer
1819 – 1827 Diakon in Hildburghausen, 41 Jahre Pfarrer in Eishausen, Er hält die Trauerpredigt nach dem Ableben des Dunkelgrafen 1845.

Lieder: „Der Tag ist hin, lass Herz und Sinn auf dich, mein Gott, mich lenken“
„Eltern, weint nicht so beklommen!“   
Er ist Verfasser von Leichengesängen und sonstigen religiösen Liedern.

31. Januar 1869

Die Häselriether Kirche wird wegen Baufälligkeit geschlossen, im Mai 1869 Grundsteinlegung für den Kirchenbau, der insgesamt 14.000 Gulden kostet (vergrößertes Langhaus, wird unter Oberbaurat Doebner erbaut durch Landbaumeister Oskar Ortmann, neue Orgel von Orgelbaumeister Schmidt, Schmiedefeld). Baumeister ist Friedrich Winzer. Während des Neubaus hält die Gemeinde ihre Gottesdienste in der Neustädter Kirche ab.

10. Februar 1869
Per Gesetz (nach Staatsvertrag vom 18.06.1868) richtet die Preuß. Königliche Generalkommission in Merseburg in Meiningen und Hildburghäuser Spezialkommissionen zur Grundstückszusammenlegung (Separation) ein.
(s. 1876/77)

8. April 1869

Staatsvertrag zur Belegung der Irrenanstalt. Das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha (50 Patienten), das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (25 Patienten). Nach einer Vereinbarung vom 02.03.1868 der Kgl. Intendentur in Kassel werden Patienten des XI. Armeekorps aufgenommen. Die Platzkapazitäten sind restlos ausgeschöpft.

1. Mai 1869
Therese Schellhorn, eine Schülerin Friedrich Fröbels in Keilhau, ist Leiterin derKleinkinderbewahranstalt in der Friedrichstraße (Külzstraße). In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts werden dort ca. 40 Jungen und 30 Mädchen im Alter von 2 – 6 Jahren pädagogisch betreut und für ein Entgelt verpflegt.

21. Juni 1869
Einheitliche Gewerbeordnung in den Mitgliedsstaaten des Norddeutschen Bundes. Einschränkungen der Gewerbefreiheit und die Konzessionspflicht für die Presse werden aufgehoben, volle Koalitionsfreiheit für Gesellen und Arbeiter.+

1869
Der Grenzteich, auch Wechselteich genannt, im Flurstück Roquelor (an der Gemarkungsgrenze zwischen Hildburghausen und Gerhardtsgereuth bzw. zwischen dem Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen und dem Königreich Preußen) wird bei der Grundbucheintragung Hildburghausen zugeschrieben. Vorher wird der Teich im zweijährigen Wechsel verpachtet, und die beiden Gemeinden kommen jeweils für die Instandsetzung bzw. Unterhaltung auf.

3. Juli 1869
Per Gesetz des Norddeutschen Bundes werden die Juden den christlichen Bürgern gleichgestellt.„Alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte werden hierdurch aufgehoben. Insbesondere soll die Befähigung zur Teilnahme an der Gemeinde und Landesvertretung und zur Bekleidung öffentlicher Ämter vom religiösen Bekenntnis unabhängig sein.“
Die Emanzipation trägt zur Verschmelzung der Bevölkerung bei. Viele auf dem Land lebende Juden, die sich mit Handel (meist Viehhandel) beschäftigen, ziehen in die Stadt, auch nach Hildburghausen. Zudem wandern immer mehr vor allem in die USA aus. Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhundert verringert sich der Armenanteil in der jüdischen Bevölkerung, es kommt zum sozialen Aufstieg. Die jüdischen Mitbürger integrieren sich in das gesellschaftliche und politische Leben der Bevölkerung. In Sachsen-Meiningen-Hildburghausen leben 1871/72 = 1.625 Bürger jüdischer Herkunft (Bevölkerungsanteil: 0,89 Prozent).

13. November 1869
Superintendent Dr. Ernst Balthasar Wölfing weiht die St.-Wigbert-Kirche in Häselrieth.

Die Häselriether Kirche „St. Wigbert“ und die historische Werrabrücke.
Foto: Rainer Lörtzing, Hildburghausen, April 1982

1. Januar 1870
Sachsen-Meiningen-Hildburghausen schließt als erster deutscher Staat mit der Postverwaltung des Norddeutschen Bundes (später: Deutsche Reichspost) einen Portoablösungsvertrag für seine Dienststellen (Dienstpost) ab (1870 – 1920) Frei laut Avers. Nr. 1. Damit werden die meisten Portofreiheiten, die das Postwesen in seiner Wirtschaftlichkeit behindern, aufgehoben (Portofreiheitsgesetz vom 05.06.1869).
Die Deutsche Reichspost übernimmt das Portoablösungsverfahren per Reichsgesetz v. 29.05.1872 und führt es zunächst bis 1920 fort. Im Zeitraum von 1870 – 1920 nehmen ca. 30 Hildburghäuser Staatsbehörden am Portoablösungsverfahren teil.

Zu dieser Problematik hat Lothar Thieme († 2016), Hildburghausen, in der Schriftenreihe Beiträge zur postgeschichtlichen Forschung (Heft 3) des Arbeitskreises Postgeschichte „Thüringen“ seine ForschungsarbeitFrei laut Avers. Nr. 1. – Das Portoablösungsverfahren in Sachsen-Meiningen 1870 – 1920 veröffentlicht.(Arbeitskreis und Schriftenreihe werden seit Gründung in Hildburghausen [1976] von Hans-Jürgen Salier geleitet.)

1870
Das Choralbuch von Heuschkel (s. 1853) wird durch das von Anding (s. 09.08.1879) bearbeitete ersetzt.

16. März 1870
† Friedrich Wilhelm Fischer, Hildburghausen, (Dr. med.)
* 27.05.1800, Sohn des Leibarztes Philipp Fischer)
Arzt
Studium in Jena, wissenschaftlicher Aufenthalt in Dresden, Prag, Wien. Bedeutender Augenarzt, Besitzer des Hoheitshauses (1850). Holländischer Militärarzt, erwirbt sich im Krieg zwischen Holland und Belgien große Verdienste, Ernennung zum Königlich Niederländischen Oberstabsarzt, Regimentsarzt. Bekämpft in Friesland eine Epidemie. Er gilt als Helfer der Armen.

30. März 1870
† Eduard Sendelbach
* 27.12.1807)
Mundkoch am Hof, ist später Eigentümer der berühmten Sendelbachschen Restauration in der Oberen Allee (heute: Dr.-Elise-Pampe-Heim).

31. Mai 1870
Inkrafttreten des Strafgesetzbuches des Norddeutschen Bundes. Bisheriges Strafgesetzbuch des Herzogtums Sachsen-Meiningen wird außer Kraft gesetzt.

16. Juli 1870
Nach der Mobilmachung steht das 95er Regiment unter dem Kommando von Oberst v. Beckedorf.

19. Juli 1870
Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs. Eine Welle nationaler Begeisterung entsteht. Das Regiment kämpft an den Entscheidungsschlachten mit: bei Wörth, Sedan, Loire-Feldzug, Orleans, Le Mans und bei Paris. Regimentsinhaber Ernst II. Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha befindet sich im Hauptquartier des preußischen Kronprinzen.

1870/71
Während des Deutsch-Französischen Krieges werden ca. 1.000 Verwundete und Kranke von der Feuerwehr vom Bahnhof ins Kriegslazarett (heutige Henneberg-Kliniken) transportiert, die Feuerwehrkameraden sind beim Tag- und Nachtdienst an der Pflege beteiligt. Den im Lazarett verstorbenen Soldaten wird durch die Steiger der Freiwilligen Feuerwehr ehrendes Geleit in blanker Rüstung gegeben.
Aus dem Hildburghäuser Bataillon fallen 101 Offiziere und Mannschaften.

Das revolutionärste Buch, das wir besitzen, das Neue Testament, ist nicht erschöpft.
(Carl Friedrich von Weizsäcker
1912 – 2007
deutscher Physiker, Philosoph und Friedensforscher)
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