Eine Seite für Hildburghausen

1680 - 1806

Hildburghausen als Residenz 

Fürstentum Sachsen-Hildburghausen

© Hans-Jürgen Salier,
Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen
Ines Schwamm 

1680 – 1806

1680/81
Teilung des gothaischen Gesamthauses in sieben Linien.

Teilungsverträge vom 24.02.1680, 08.06.1681, 24.09.1681.
 

Folgende Fürstentümer werden gestiftet:

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Sachsen-Gotha-Altenburg  Herzog Friedrich
(Gotha, Tenneberg, Georgenthal, Schwarzwald, Reinhardsbrunn, Wachsenburg, Ichtershausen,Altenburg, Leuchtenberg, Orlamünde, Volkenroda, Pößneck).
. Sachsen-Coburg  Herzog Albrecht
(Coburg, Rodach, Neustadt a. d. Haide, Sonneberg, Neuhaus; Klosterämter Mönchröden und Sonnefeld).
. Sachsen-Meiningen Herzog Bernhard I.
(Meiningen, Maßfeld, Salzungen, Wasungen, Sand, Frauenbreitungen, Gut Henneberg, 02.08.1735 Sonneberg und Neuhaus an Meiningen).
. Sachsen-Römhild   Herzog Heinrich
(Römhild, Königsberg/Fr. [bis 1683], Themar).
. Sachsen-Eisenberg  Herzog Christian
(Eisenberg, Ronneburg, Camburg, Roda).
. Sachsen-Hildburghausen Herzog Ernst
(Hildburghausen, Heldburg, Klosteramt Veilsdorf, Eisfeld, halbes Amt Schalkau, ab 1683 Stadt und Amt Königsberg/Franken, 1735 das Klosteramt Sonnefeld).
. Sachsen-Saalfeld  Herzog Johann Ernst
(Saalfeld, Gräfenthal; am 29.07.1735 Coburg, Rodach, Neustadt, Klosteramt Mönchröden an Saalfeld). 

Römhild, Eisenberg, Hildburghausen, Saalfeld erhalten zunächst nicht die volle Landeshoheit, es besteht eine außen- und militärpolitische Bindung an Gotha (Nexus Gothanus). Die Regierung und das Konsistorium in Gotha und Altenburg übernehmen entsprechende Aufgaben. 

Regentenübersicht (1680 – 1826)
Fürstentum/Herzogtum Sachsen-Hildburghausen

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1680 – 1715 Ernst
Sein Bruder Friedrich von Sachsen-Gotha besitzt 6 Monate die Vormundschaft über ihn
1715 – 1724 Ernst Friedrich I.
1724 – 1745 Ernst Friedrich II.
Obervormundschaft (bis 1728): Mutter Sophie Albertine
1745 – 1780  Ernst Friedrich III. Carl
Vormundschaft (bis 1748): Mutter Caroline
1780 – 1826  Friedrich
Obervormundschaft (bis 1787): Urgroßonkel Joseph Friedrich

Das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen erlangt 1702 die volle Landeshoheit.

Stifter der Linie Sachsen-Hildburghausen
Herzog Ernst (Benignus – der Gütige)
Regierungszeit: 1680 – 1715
* 12.07.1655, Gotha – † 17.10.1715, Hildburghausen

Wahlspruch:
PIETATE ET JUSTITIA, SPES MEA CHRISTUS
(Fromm und gerecht, Christus meine Hoffnung) 

Herzog Ernst führt den Titel:
Serenissimus Fürst und Herr, Herr Ernst, Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westphalen, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein. 

Herzog Ernst residiert vom 30.11.1680 bis 03.06.1683 in Arolsen (bis Mitte 1681 unter Vormundschaft seines Bruders, Herzog Friedrich I. v. Sachsen-Gotha, bis Juni 1684 in Eisfeld und Heldburg), 1684 verlegt er die Residenz nach Hildburghausen.
Nach der Teilung des gothaischen Gesamthauses erhält er das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen (ab 1806 Haustitel „Herzogtum“) mit den Ämtern und Städten Hildburghausen, Heldburg, Eisfeld, dem Klosteramt Veilsdorf, dem halben Amt Schalkau.
Vom Bruder Heinrich v. Sachsen-Römhild (1650 – 1710) bekommt er 1683 Stadt und Amt Königsberg/Franken; nach Erlöschen der Römhilder Linie (1710) nach Teilung 1714 das Kelleramt Behrungen und den Hof Milz.



 

 

Gedruckter Brief von Friedrich Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg. Er lädt auch im Namen seiner sechs Brüder (Albrecht, Bernhard, Heinrich, Christian, Ernst und Johann Ernst) zur Erbhuldigung. Der Brief wurde auf Schloss Friedenstein (Gotha) am 25. Mai 1676, dem Gründungsjahr der Hildburghäuser Post, ausgefertigt und per Boten u. a. an die Herren von Hanstein nach Henfstädt bei Themar gesandt. Auf der Anschriftseite ist das Präsentatum vom 8. Juni 1676 vermerkt. Die Erbhuldigung erfolgt anlässlich des Ablebens des Herzogs Ernst (der Fromme) von Sachsen-Gotha-Altenburg am 26. März 1675.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

Herzog Ernst geht im Nexus Gothanus (1672 erlassen) davon aus, dass alle seine sieben Söhne erbberechtigt sind. Die Primogenitur, das Erstgeburtsrecht, wird nicht angewandt. Diese Entscheidung endet in Erbstreitigkeiten, und es kommt 1680/81 zur Erbteilung des gothaischen Gesamthauses. Es werden sieben Fürstentümer gestiftet. Das hat auf die Geschichte Thüringens einen nachhaltigen Einfluss.

Um 1680

Einrichten einer Fürstlich Sächsischen Posthalterei (Fahr- und Paketpost) wie in allen anderen Hauptstädten der thüringischen Kleinstaaten.


1680

Die St.-Wigbert-Kirche in Häselrieth erhält drei Glocken.


1680

Der jüdische Friedhof in Weitersroda wird angelegt, östlich des einstigen Friedrichsanfang. Hildburghäuser und Simmershäuser Juden finden dort ihre letzte Ruhestätte. Er umfasst 10 Ar, 44 m².
Heute gibt es noch 246 sichtbare Grabstellen, davon 233 mit Grabsteinen. Der älteste Grabstein stammt aus jenem Jahr.
Die Begräbnisstätte vor dieser Zeit liegt wahrscheinlich im Wallrabser Judengrund. Im Wachszinsregister der ehemaligen St.-Lorenz-Kirche heißt es 1462:
„Innam wachzins sant Laurenzen: item 1 pfund hans sass von der wissn under der roten leiten bron bey dem judengraben.“

1682

Baumeister Justinus Bieler zeichnet den ältesten bekannten Stadtplan von Hildburghausen.


1683

Dorfordnung für die Wüstung Birkenfeld.


1683

Michael Dotzauer, seine Frau und Tochter sterben an einem Tag „... ein trauriger casus (Fall, d. Verf.), so in 100 Jahren nicht geschehen, sind alle drei in ein Grab gelegt".


1683

Fürstliches Privileg für jährlich drei Vieh- und Rossmärkte wird erteilt.


15. Januar 1683

Buchdrucker Samuel Wentzel erhält von Herzog Ernst v. Sachsen-Hildburghausen das Privileg, eine Druckerei (im Gebäude des heutigen Markt 2, ehemals Landratsamt) zu betreiben. Nach 1812 ist sie im Gebäude des früheren Landschaftshauses in der heutigen J.-S.-Bach-Str. 6 untergebracht. Die Druckerei begründet wesentlich Hildburghausens Ruf als Verlagsstadt. Sie wird privilegiert und druckt alle Ausschreibungen, Verordnungen, Patente von Regierung, Konsistorium und Kammer, ebenso Kirchen- und Schulbücher. Die Druckerei ist in der Folge im Besitz von Melchior Penzold (und weitere zwei Generationen), Johann Gottfried Hanisch, Friedrich Wilhelm, später Emil und H. W. Gadow, ab 1878 Paul Maultzsch.


1683

Das herzogliche Haus nimmt an den Gottesdiensten der St.-Lorenz-Kirche, der zu der Zeit einzigen Kirche der Stadt, teil.


1683

Herzog Ernst erringt ausgezeichnete militärische Erfolge beim Entsatz Wiens gegen das Türkenheer Mehmeds IV. unter Kara Mustafa. 1685 kämpft er in Gran bei Esztergom gegen die Türken und ist als Heerführer maßgeblich an der Eroberung von Neuhäusel (Nové Zamky) beteiligt.

9. September 1983. Blockausgabe Österreich „300. Jahrestag des Sieges über die Türken am Kahlenberg bei Wien. Entsatzschlacht 1683. Gemälde von Franz Geffels.

Als Türkenkriege werden die Kriege europäischer Mächte (vor allem 16. bis 19. Jahrhundert) gegen das Osmanische Reich (anfangs Glaubenskriege zur Ausweitung des Islam, später mit machtpolitischen Zielsetzungen) bezeichnet, erlebt mit dem Großen Türkenkrieg (1683 – 1699) einen großen Höhepunkt, bei dem die christlichen Staaten erste bedeutende Erfolge erzielen. 

1. Februar 1684

Der Apotheker Christoph Samuel Eberhardt, Fürstlicher Hofconsulent und Bürgermeister der Stadt, erhält von Herzog Ernst das Privilegium exclusivum für die Apotheke. Aus der umfangreichen Urkunde, die ein wichtiges kulturhistorisches Dokument darstellt, geht hervor, dass bereits eine Apotheke in Hildburghausen bestanden habe, als die Stadt noch zur Pflege Coburg gehört hat.
 
In der Urkunde heißt es u. a., dass Eberhardt "unterthänigste Nachsuchung gethan, daß weil hiebevor seine erkaufte Apothek nacher Coburg gehöret und von dar gnädigst privilegirt, nunmehro aber von solchen koburgischen Fürstenthumb durch die beschehene fürstliche Landesvertheilung separiret und dannenhero ümb anderweitige fürstliche Concession dißfalls unterthänigste Imploration zu thun wäre, ihme sowohl ümb sonderbahren gemeinen Nutzes willen, als auch zur Beförderung seiner und seiner Erben und Erbnehmen jezigen und künftigen Nahr- und Besserung auch zur Verhütung alles dargegen zu besorgen habenden Eingriffs und Ruin der Officin ein Privilegium dahin ertheilet werden möchte, daß in unserm Fürstenthumb und der Stadt Hildburghausen, auch allen anderen vorjezo dazu gehörigen Ämbtern und Städten keine andere Apotheken an- oder aufzurichten gestattet, benebenst aller zum Nachtheil seiner Handthierung gereichende Excesse und andere Einträge abgeschaffet und er allerdings bei der Anno 1652 reiflich bedachten und publicirten und bis hierher observirten Medicinal- und Apothekerordnung nach allen ihren Inhalt, Punkten und Klausuln kräftig geschüzet, auch ihme sonsten zu besserer Verrichtung seines Berufs und Geschäfte behufige Befreiung auf sothaner seiner Apotheken wiederfahren möchte ... Daß Niemanden, wer der auch sei, weder zu jezigen noch künftigen Zeiten über diese Apothek zu Hildburghausen eine oder mehr in Unser Landesantheil und darinnen jezo begriffenen Städten und Ämptern an- und aufzurichten, verstattet oder nachgesehen, sondern dieweil es sonder merklichen Unstatten und Abbruch dieser Apothek und deren Besitzern nicht geschehen mag, es bei derselben alleine hinführo verbleiben und gelassen werden soll ...". 

Das Privileg hat nicht lange Bestand, denn es werden weitere Konzessionen für den Betrieb von Apotheken in Eisfeld und Heldburg erteilt. Des Weiteren wird 1719 in Hildburghausen eine zweite Apotheke eröffnet.
            (s. 20.02.1719) 

Mit dem Aufbau der Hofhaltung und der Residenzstadt finden sich auch die ersten Ärzte in der Stadt (Physici, Hofmedici, Landmedici) ein. 

R. A. Human beschreibt die medizinische Versorgung der Bevölkerung ausgangs des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts:
"... anderen diente Fuchslunge mit Wein zubereitet gegen Asthma und Ragout von einer fetten Gans und kleinen Katzen gegen Gicht, gegen letztere auch Herz, Blut und Leber des Maulwurfs zu Pulver gebrannt und mit Öl und Honig zu einer Salbe bereitet. Dazu traten zugleich mit dem Glauben an den Einfluß der Gestirne wunderliche Heilmittel aus Elementen des Tierreichs, wie z.B. Eselsmilch gegen Zahnschmerz, aus dem Mineralreich Gold als kräftigend und reinigend bei Herzkrankheiten und Ohnmachten, Silberschaum gegen Krätze und Hämorrhoiden, 1784 noch ‚das wahre philosophische Goldsalz‘ wider Flüsse und Katarrhe, gichtische Zufälle und Nieren- und Blasenstein. Ein Landarzt, der nicht viel verschrieb, galt einst nicht viel, viel, aber nicht zu bitter mußte die Medizin sein, und Radikalkuren durften auch nicht fehlen, je rascher aber eine Heilung vor sich ging, um so weniger war man dazu geneigt, mit klingender Münze zu lohnen. ... Als medizinalpolitische Anordnung galt im 18. Jahrhundert in erster Linie das Absperrungssystem, demzufolge z. B. a. 1713 anläßlich einer in Wien und Regensburg ausgebrochenen Seuche bei Leibes- und Lebensstrafe niemand ohne Gesundheitsattest in das Land gelassen wurde; Dörfer waren besonders auch durch die Schlagbäume gegen Landstreicher, Bettler und fremde Juden wohl zu verwahren, auf jene selbst aber durch die Herzogl. Einspännigen und Jägerbedienten scharf zu vigilieren (wachsam sein, d. Verf.). Bei der Ruhrepidemie von 1752 wurden öffentlich empfohlen gelinde Laxanzen, Wacholderräucherungen zur Luftreinigung in den Stuben, Tabakrauchen und Vermeidung unverdaulicher Speisen, saurer Getränke und Gemütsbewegungen. Als Verwahrungsmittel wider das epidemische bösartige Fieber im Hungerjahr 1772 als abführendes Mittel das Friedrichshaller Laxiersalz, Verbesserung der zur Fäulnis geneigten Säfte durch säuerliche Speisen und Getränke, Zimmerlüftungen und Ausräucherung mit Essig auf heiße Steine gegossen, nicht aber Aderlassen, welches in hiesigen Gegenden die erste Zuflucht der meisten Kranken war; das Friedrichshaller Bitterwasser erhielten dürftige Personen in der Hofapotheke umsonst. Ein Edikt vom 6.2.1776 befahl schleunige Rettung von Erfrorenen, Erhenkten oder sonst Verunglückten und richtete sich 'gegen die aus alten Zeiten und Gebräuche herrührenden, gesunder Vernunft und Religion entgegenlaufenden lieblose Vorurteile des gemeinen Mannes, daß nämlich die von einem oder andern dergleichen verunglückten Personen zu leistende Beihilfe derselben Ehre einen Nachteil verursache'. Influenzaepidemien, Nürnberger Pfiff genannt, suchte man 1782 besonders durch Schwitzkuren und Diät zu bekämpfen. Um Einführung der Einimpfung von Schutzblattern wider die Pocken durch welche zuvor etwa 1/12 Menschen dahingerafft wurden, machten sich Anfang des 19. Jahrhunderts neben dem weltberühmten Numismatiker Pfarrer M. Rasche in Untermaßfeld der Pfarrer Theodor Langguth in Harras besonders verdient, 29.4.1809 und 22.3.1821 wurde die Impfung gesetzlich angeordnet, der erste Impfarzt hierselbst war C. Sondermann."
(Human: Chronik der Landdiözese Hildburghausen. – 1922, S. 42)

1684

Das Häselriether Pfarrhaus wird erstmals erwähnt.


2. Mai 1684

Nach Verlegung der Residenz nach Hildburghausen und bis zur Fertigstellung des Schlosses (1695) residiert der Herzog im Rathaus.
Im ersten Stock des Rathauses sind die Verwaltungskammer und das Konsistorium (Verwaltungsbehörde der Kirche des Fürstentums) untergebracht, im 3. Stock die Ratsstuben und der Tuchboden, auch Nutzung für Bürgerversammlungen und Hochzeiten sowie Feilbieten von Tuchwaren – bis 1885.
Die Stadt überlässt dem Fürsten gegen einen geringen Betrag den Platz zum Bau des Residenzschlosses, auf dem bisher das Amtshaus, ein dem Kloster Veßra lehnbarer Schutthof und 15 Wohnungen stehen. Am Unteren Tor erhält er Platz für ein Wagenhaus, für Waschhaus, Reitbahn, Mühle und Hofbrauhaus, auf Höhe der Staatlichen Regelschule II‚ und des Gymnasiums Platz für Jäger-, Zeug- und Fasanenhaus und Bauhof, im SO einen Küchengarten, Rasen und Hutweide und 16 Acker Wiesen (heute großenteils Gelände des Schlossparks), die sog. sumpfigen Tecken, Gelände für die Terrassen- und Gartenanlagen (im Süden der Stadtmauer), den zumeist morastigen, verwahrlosten Stadtgraben, den Dörrhof u. a. Gelände. Trotz der Großzügigkeit der Stadt dem Fürstenhaus gegenüber kommt es immer wieder zu Konflikten, weil trotz der Lehnsherrschaft der Stadt die Fürstenfamilie eigenmächtig über Ländereien verfügt.
So gibt es eine große Anzahl an Hof- und Regierungsbeamten (z. B. v. Nimptsch, v. Roland, v. Carlstein, v. Mühlstroh, Josten, Carpzov, die von bürgerlichen Lasten für ihre neu erbauten Häuser befreit worden sind. Das ruft immer wieder den Unmut der Bürger gegen sie bzw. das Fürstenhaus hervor.

1684

† Barthel Specht, Metzgermeister, auch Glücks-Barthel genannt. Er gerät in den Verdacht der Hexerei, weil er zu großem Wohlstand gekommen ist.


1684 und 8. Februar 1686

Hildburghäuser Verordnung, dass die im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten bzw. verlassenen Hofstätten wieder aufzubauen bzw. zu bewirtschaften seien. Wüst gelegene Besitzungen stehen zum öffentlichen Verkauf.


1684

Die Brücke über die Werra in der Coburger Straße wird beschrieben als „der Weg, der an der Brucken durch die Krautgärten, geht auf die Buche oder Steinfeld zu“. Dort befindet sich ein Zollhäuschen.
(s. auch 1877)

27. Mai 1685

Grundsteinlegung zum Bau des Residenzschlosses, Hauptgebäude und Ostflügel (1685 – 1695). Baumeister Elias Gedeler auch die Namensschreibung Göttler ist überliefert – († 1693), Bauinspektor Johann Schnabel (vollendet den Bau), Ausführender ist Hofmaurer Georg Zinner († 22.03.1711).
(s. auch 24.07.1695, 1705)

1685

Der von Ernst (der Fromme) eingeführte Schulmethodus wird für das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen revidiert (überprüft, korrigiert) und in der Hofbuchdruckerei bei Samuel Wentzel in Hildburghausen gedruckt (mit Ausschreibungen, Ordnungen, religiösen Texten).
Insgesamt 980 Seiten (Teil I mit 24 Texten und 572 Seiten, Teil II 15 Texte [darunter der Methodus] mit 408 Seiten.
(s. auch 1642).

1685
Die Fürstlich Ernestinische (Hildburghäuser) Kirchenordnung gilt.


Die Hildburghäuser Kirchenordnung 1685

1686
Die Hildburghäuser Färberinnung trennt sich von der Coburger.

1686

Der Dörrhof wird unter Druck von der Stadt an Herzog Ernst verkauft, der den Hof und das Zubehör 1699 Hofmarschall v. Wallbrunn überlässt. 1706 erfolgt der Rückkauf durch den Herzog, der den Besitz 1709 seiner Schwiegertochter Sophia Albertina schenkt, die dort ein Lustschloss mit Lustgarten errichten lässt. Die Siedlung wird nach ihr Sophienthal benannt.

11. April 1687

Generalreskript an alle Beamten (älteste bekannte Militärverordnung Hildburghausens) fordert, dass einschleichendes auswärtiges Militär auszuweisen sei bzw. es bei Nachtlager, Vorspann und Zehrung finanziell zur Kasse gebeten werde.

30. Juli 1687

Der Lizentiat der Rechte, Dr. Johann Matthias Bieler aus Jena, erhält durch einen Erblehnbrief von Herzog Wilhelm Ernst v. Sachsen-Weimar „das gesamte geschwinde Postwesen in den Fürstlich Sächsischen Landen Weimarischer Linie“ übertragen. In sechzehn thüringischen Kleinstaaten werden Fürstlich Sächsische Posthaltereien für die Fahrpost eingerichtet.

1687

Die Fürstlich Sächsische Posthalterei (Fahrende Post) verkehrt auf der Strecke Coburg – Rodach – Hildburghausen – Meiningen – Eisenach (Streckenführung auf der Coburger Geleitsstraße, sie führt bis an die Veßraer Brücke). Brief- und Fahrpost sind noch getrennt. Die Thurn und Taxissche Postverwaltung ist für die Beförderung von Briefpost, Geldsendungen und Zeitungen zuständig.
Neben diesen Posten existiert noch eine landesherrliche Post unter dem Regime der Herzoglichen Kammer. Sie schließt auch Lücken in der Versorgung des örtlichen Postverkehrs.

Coburg ist Sitz eines sächsischen Geleitsmannes gewesen, dessen Verwaltungsgebiet annähernd mit dem der sächsischen Ortlande in Franken identisch ist. Die Ausdehnung der Geleitsstraßen ist in Geleitstafeln festgehalten worden (Die ältesten erhalten gebliebenen stammen aus dem 15. Jahrhundert und befinden sich im Bayerischen Staatsarchiv Coburg).
Die früheste datierte Abschrift des Coburger Kastenamtes stammt aus dem Jahr 1492: „Anzeige des Geleites, wie das in dem fürstlichem Erbbuch zu Coburg registrieret, wird befunden: Meine gnädigen Fürsten und Herren zu Sachsen haben zu geleiten, wie folgt: ... Von Coburg gegen Heldburg an die Landwehr, als man gen Königshofen geht. Von Coburg gegen Hildburghausen bis gegen Veßra an die Brücken.“

Wegführung der Geleitsstraße:

Coburg (Altstadt) – Spitaltor (fällt bis km 1,1 mit der Eisfelder und Neustadter Geleitsstraße zusammen [Heiligkreuzbrücke wird von drei Geleitsstraßen benutzt]) Neuses – Beiersdorf – Wiesenfeld – Neida – Schweighof – Rodach – Adelhausen – Eishausen – Birkenfelder Grund – Birkenfeld – Überquerung der Werra – Karolinenburg – Hildburghausen bis Veßra. Die Schleusebrücke ist die Grenze des Coburger Geleits gewesen.
Die Straße dient vermutlich fast ausschließlich dem Nahverkehr, die Bezeichnung „Nürnberger Straße“ (wie oft in der historischen Literatur dargestellt, ist zweifelhaft), denn aus dem 16. Jahrhundert sind beispielsweise in den Ratsarchiven nur ganz wenige Geleitsrechnungen nachweisbar.
Birkenfeld liegt am Schnittpunkt der west-östlichen Talstraße und der süd-nördlichen Straße, also auf der Straße, auf der die Kaiserliche Reichspost verkehrt, die Franken und Thüringen miteinander verbindet. Im Schnittpunkt der Straßen liegt der sog. Judelsrain. Dort befindet sich auch die alte Dorfgerichtsstätte, das Markungsgericht, an der der Zentgraf zu St. Urban Gericht hält. Bei schlechtem Wetter findet das Gericht im Steinhaus (Rathaus) in Hildburghausen statt. Es ist überliefert, dass sich der Gerichtsverhandlung ein Mahl angeschlossen hat, zu dem ein Kalb geschlachtet worden ist sowie Bier und Weck verzehrt worden sind.


27. Februar 1688

Der vermögende Hans Thein (* 1609) wird der Hexerei denunziert, übersteht die Tortur und gerät in tiefe Not († 1688). Seine 60-jährige Frau Margaretha, geb. Götz aus Rodach, wird auf ewig ins Exil geschickt, die Tochter (1637 – 1685) kommt 1667 wegen angeblicher Hexerei ins Gefängnis. Sie soll der Häselriether Pfarrtochter bei einer ihrer Kindtaufen Kuchen gegeben haben, die daraufhin hysterische Hexenerscheinungen bekommen haben soll. Das Mädchen kommt ebenfalls in Gefangenschaft.
 

1689
Herzog Ernst v. Sachsen-Hildburghausen bestätigt die Leineweberinnungsordnung (bereits 1653 wird eine von Herzog Friedrich Wilhelm erlassen).
Darin heißt es u. a., dass die Leineweber die Predigt, Katechismusinformation und das heilige Abendmahl fleißig zu besuchen haben, das Gebet soll im Haus gepflegt werden, auch zur Landesdefension (Landesverteidigung, d. Verf.) mit dem Gewehr sollen sie bereit sein. Als Meisterstück hatten sie zu liefern u. a. ein geleistetes, schönes, flächsernes Tischtuch, ein sechs Viertel breites Tuch ca. 20 Ellen lang, einen sechs Viertel breiten Trillich, 15 Ellen haltend. Als Lehrjungen durften sie mit Wissen des ganzen Handwerks nur einen auf einmal annehmen, der im 2. und 3. Lehrjahr von jeder Elle einen Heller als Lohn empfing. Da sie trotz aller Versprechungen Garn gewohnheitsmäßig meist über Jahr und Tag unverarbeitet liegen ließen, zählten sie ehedem zur Kaste der „unehrlichen Leute“, doch besserten sie sich im Lauf der Zeit. Weil sie aber im Herbst und Winter, ehe der Flachs von den Hausfrauen gesponnen war, wenig zu verdienen hatten, war ihnen als Nebenbeschäftigung Krautschneiden mit dem Krauthobel erlaubt.
(Zitiert nach Human: Chronik der Landdiözese Hildburghausen. – Hildburghausen, 1922, S. 30)

4. Februar 1690

1. Militärverordnung Herzog Ernsts zur Erhaltung der Disziplin in der Truppe.


Die Söldnertruppe ähnelt einer Operettenarmee und dient im Wesentlichen nur repräsentativen Zwecken. Sie ist schlecht ausgebildet und ausgerüstet. Allen Offizieren und Gemeinen wird befohlen, sich aller Laster und Ärgernisse zu entledigen (z. B. Gotteslästerei, Fluchen, Vollsaufen, Üppigkeit, Hurerei), sie sollen sich der Gottesfurcht und Ehrbarkeit befleißigen.


1690

Das Gasthaus Zur grünen Haselstaude, betrieben vom Schmied Hans Döll, in Häselrieth (an der heutigen B 89) wird erstmals erwähnt. Das heute sanierungsbedürftige Dorfwirtshaus ist damit eines der ältesten der Region überhaupt.


1690/91

Herzog Ernst steht als Oberst in holländischen Diensten und vernachlässigt sein Fürstentum sowie die Residenzstadt.


25. September 1691
† Johannes Reinhard (Dr. theol.), Hildburghausen – (* 07.03.1645, Hildburghausen)
Superintendent

7-jähriges Studium in Straßburg, 1672 Magister in Wittenberg, dann Provinzial-Kirchen- und Schulinspektor des Gothaisch-Fränkischen, Hennebergischen und Waltershäusisch-Thüringischen Bezirkes. Wirkungsvolle Schulen- und Kirchenvisitationen. 14 Jahre Superintendent in Hildburghausen, Verfasser theologischer Werke zum Tugend-, Laster- und Glaubenssystem. 14 Jahre Superintendent in Hildburghausen. Von ihm hängt ein Bild im Archiv der Christuskirche.


Ende 17. Jahrhundert

Die innerstädtischen Straßen, Gassen und Plätze befinden sich in einem desolaten und auch hygienisch üblen Zustand und machen der Residenzstadt keine Ehre. Beginn der Pflasterung der Straßen, die Bürger leisten dazu freiwillige Beiträge.


1692
Von seiner Tante Louise Anna von Erbach-Erbach, geb. von Waldeck (Schwester seiner Mutter) erbt Ernst Friedrich I. die Geldernsche Grafschaft Cuylenburg (auch Culenburg, Culemburg, niederl. Heerlijkheid Culemborg).

1639 ist die Herrschaft Cuylemburg an die Grafschaft Waldeck gekommen (reichsunmittelbare Herrschaft, später Grafschaft), 1672 – 1692 ist sie französisch besetzt. Die Mutter von Herzog Ernst Friedrich I. von Sachsen-Hildburghausen ist Gräfin Sophia Henriette (1662 – 1702), Tochter des Grafen (seit 1682 Fürst) Georg Friedrich zu Waldeck. Ernst Friedrich I. ∞ 04.02.1704 mit Sophie Albertine (1683 – 1742), Tochter des Grafen Georg Ludwig von Erbach. 1720 verkauft er die Grafschaft an die Niederlande.

Herrschaft Cuylenburg. Karte um 1665 von Joan Blaeu (1596 – 1673)
Von 1692 – 1720 im Besitz von Friedrich Ernst I. von Sachsen-Hildburghausen

6. August 1692
Das Innungsstatut des Zimmerhandwerks wird konfirmiert (bestätigt).

5. Oktober 1692
Die Buchbinderinnung wird konfirmiert.

1692 – 1705
Im Hofjagdbuch wird vermerkt, dass in den herzoglichen Forsten folgende Tiere erlegt worden sind:
395 Hirsche, 201 Spießer, 1.157 Tiere (hier: im Jagdwesen Bezeichnung für weibliches Rotwild), davon 896 starke, 370 Wildkälber, 64 Rehe, 2 Rehkälber, 20 Füchse, 2 Wildschweine, 1 Wolf (im Pfaffenholz b. Heldburg). 

1692
In Häselrieth werden 32 Feuerstätten gezählt.

1693
† Elias Gedeler. Baumeister des Hildburghäuser Schlosses. (s. auch 27.05.1685)

19. April 1693
Eine Rechnung weist aus, dass vermutlich im Schloss vor Bauabschluss eine Theateraufführung stattgefunden hat.
Das Fürstenhaus ist Theateraufführungen gegenüber außerordentlich aufgeschlossen. Man begeistert sich – wie damals üblich – vor allem an italienischen Barockopern und an französischen Schauspielen. Der Herzog finanziert verschiedene Wanderbühnen, die in Hildburghausen Station machen. Nicht nur Hofbedienstete treten auf, sondern auch professionelle Schauspieler. (Das eigentliche Berufsschauspielertum steht zu jener Zeit noch in den Anfängen) Oftmals verdingen sich die Schauspieler noch in einem bzw. mehreren Berufen oder sind am Hof tätig.

1693
Missernte.

24. Juli 1695
Beendigung des Schlossbaus unter Inspektion von Johann Schnabel.

Vorbild für die Architektur des Schlosses ist zeitüblich das Versailler Schloss, bestehend aus einem mittleren Hauptbau und zwei seitlich anstoßenden Seitenflügeln mit einem großen Vorhof, dem sog. Ehrenhof, Hauptbau und Ostflügel.
Teilweise werden Steinquader des ehem.aligen Veilsdorfer Klosters vermauert. Das Dach ist mit Schiefer beschlagen. Das Schloss wirkt in der kleinstädtischen Umgebung sehr wuchtig. Die Fenster des Hauptbaus und des Ostflügels sind rechteckig und mit einfachen steinernen Einfassungen versehen. Im ursprünglichen Projekt ist vorgesehen, Ritterfiguren in 15 Gruppen an Dach und Fenster nach französischem Vorbild anzubringen. Man verzichtet aber wegen der schon verbauten Geldsummen auf weitere architektonische Gestaltungselemente. Auf die Schlosskirche wird ein kleiner Turm aufgesetzt, der 1718 wieder entfernt wird.
„Je vier kräftige Pilaster, welche von unten bis oben durchgehen und auf ihren Capitellen noch dorische Triglyphen mit Tropfen tragen, teilen und fassen die Hoffront ein. Über den zwei mittleren Pilastern steigt am Dach ein Dreieck-Giebel auf, mit Reliefs gefüllt (im westlichen zwei Knaben, welche Schilde mit dem Namenszug des Herzoglichen Paares – E. F. C. und L. – halten, verwittert; im östlichen drei Knaben, welche Schilde mit den Sinnbildern von Glaube, Liebe und Hoffnung tragen, erneut). Zwischen diesen mittleren Pilastern liegt jedesmal die rechteckige Haupttür, die westliche eingefaßt von dorischen, gepaarten Pilastern mit Triglyphengebälk, jetzt ohne weiteren Schmuck (ohne Giebel etc.), nur als Eingang dienend, die östliche als Durchfahrt, reicher ausgebildet, eingefaßt von dorischen Pilastern, mit frei vorgestellten dorischen Rustica-Säulen mit verkröpftem Gebälk und gebrochenem Dreieck-Giebel, darin zwei Knäbchen mit den beiden großen Hildburghäusischen Wappenschildern verwittert. An der nach Süden gelegenen Außenfront ist nur der diesem Tor entsprechende Frontteil von vier durchgehenden dorischen Pilastern eingefaßt, ohne Giebel am Dach gelassen; die rechteckige Tür hat Einfassung von dorischen Rustica-Pilastern mit vortretenden Halbsäulen, verkröpftes Gebälk und einen Dreieck-Giebel, darin in Verzierungen: Soli Deo gloria." („Gott allein sei Ehre!“)
(Lehfeldt, Paul; Voss, G.: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Herzogthum Sachsen-Meiningen, II. Bd., Kreis Hildburghausen. 1903, S. 434 f.)

Zur Innenausstattung des Schlosses schreibt Human:
„Ausgestattet mit einer Reihe großer, teilweise prunkvoller Zimmer, wie z.B. dem grünen, gelben und blauen Audienzzimmer, dem weißen Saal für die Marschallstafel, sowie drei Hauptsälen, dem sog. Pantzerbieterschen, dem Weimarischen und dem Redoutensaal im 3. Stock, von denen der letzte seit c. 1800 Archiv, Bibliothek und Naturalienkabinett barg, diente das Schloß nicht nur der Landesherrschaft als Residenz, Hildburghausen, sondern auch dem Hofmarschallamt und Geheimratskollegium als Amtssitz. Heute noch bietet das Schloß viel wertvolle und anregende Kunstformen in Stukkatierungen an Wänden und Decken, die im Empire- und maßvollen Rokokostil aus freier Hand flott an die Bauteile modelliert in ziemlich starkem Relief hervortreten. Sie erinnern an gleichzeitige Stukkatierungen in Schlössern anderer Söhne Ernst des Frommen und zeugen, ob auch weniger fein als die in Eisenberg und Allstädt, schwülstiger im Entwurf, derber in der Ausführung und durch öfteres Überweißen an Schärfe und Feinheit geringer geworden, von großem Reichtum und Phantasie. Die Mittelfelder sind zum Teil noch bemalt erhalten ..."
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. – 1908, S. 436)

1696

Beginn des Kanalbaus. Das dort befindliche Moor wird als Krankheitsquelle erkannt. Der Erdaushub wird zur Erhöhung des späteren Schlossparks genommen. Ein namentlich nicht bekannter holländischer Wasserbaumeister rät, ein Wasserbecken anzulegen. Das Moor wird dadurch entwässert und die Quellen mit ihren Wassermengen reguliert. Das Flussbett der Werra wird verändert, und die Überflutungen beim Frühjahrshochwasser werden weitgehend eingedämmt.
(s. auch 1720)

1697

Jagden zur Vernichtung der letzten Wölfe in den Fluren von Bürden und Weitersroda.

25. Februar 1697
† Johann Valentin Kleinschmidt, Hildburghausen – (* 03.04.1643, Schmillinghausen, Grafschaft Waldeck)
Superintendent
Unter Feldmarschall v. Waldeck ist K. zwei Jahre Feldprediger in Holland, ein Jahr in Pyrmont. Herzog Ernst verpflichtet ihn nach Hildburghausen.

6. August 1699
† Herzog Albrecht v. S.-Coburg, kinderlos, damit ist die Eigenstaatlichkeit Coburgs beendet. Bis 1735 ziehen sich Erbstreitigkeiten der Gothaer Nachfolgestaaten hin.

18. Februar 1700
Einführung des Gregorianischen Kalenders (nach Papst Gregor XIII. benannt).

Es erfolgt ein Zeitsprung von 10 Tagen, weil es zwischen der Kalenderzeit (Julianischer Kalender) und der astronomischen Zeit eine Differenz von 10 Tagen gibt.
Der auf den 18.02. folgende Tag ist der 1. März (nach Festlegung des Regensburger Reichstags), nachdem (auch die benachbarten) katholischen Länder nach dem päpstlichen Erlass vom 24.02.1582 den Kalender bereits eingeführt haben (zumeist bis 1585). In den protestantischen Ländern setzt sich der bis heute gültige Kalender erst bis 1776 durch.

1700

Rektor der Ratsschule ist Michael Heinrich Reinhard, der sie zu hohem Ansehen führt (Studium in Leipzig und Wittenberg, 1699 Konrektor in Meißen, ab 1713 Hofprediger der Königin v. Polen und Kurfürstin v. Sachsen in Pretsch).
1708 zählt die Schule 201 Schüler. Auch Schüler aus bürgerlichen und adligen Familien aus anderen deutschen Landen besuchen die Schule, die schon direkt auf ein Universitätsstudium vorbereitet. R. hat wesentlichen Anteil an der Errichtung des Waisenhauses in der Neustadt (1710). Später ist er in Sondershausen und in Weißenfels als Oberhofprediger tätig. († 01.01.1732).

Um 1700

In Pfersdorf ist ein Tuchmacher als Lehrer angestellt.

Um 1700
Die Altstadt ist komplett mit einer Stadtmauer umwehrt, mit 26 Türmen mit Spitzhauben. Bis 1779 ist ein mit Ziegeldach überdeckter Wehrgang vorhanden, der an der Nordwestseite bis ins 20. Jahrhundert als Seilerbahn (zuletzt „Seiler Werner“) benutzt wird. Die Stadt wird bewacht von wehrtüchtigen Männern, ausgerüstet mit Hellebarde, Schwert und stählerner Armbrust. Neben dem Eisfelder und dem Römhilder Tor gibt es seit 1535 hinter der St.-Lorenz-Kirche einen Torweg zum Alten Friedhof und den Begräbnishallen an der Stadtmauer.
Im Norden der Stadtmauer (etwa Bertholdstor bis Polizeiparkplatz, Höhe ehemaliges Wirtshaus „Zum Grünen Baum“ befinden sich (bis 1779/80 nachweisbar) die Schießstände der alten freien Schützengilde, danach Verfüllung mit Brandschutt aus dem großen Stadtbrand 1779, später werden Gärten angelegt.

Um 1700

Postroute mit Personenbeförderung Wien – Prag – Eger – Kulmbach – Coburg – Meiningen – Eisenach – Kassel – Münster – Amsterdam. 1704 erhält Hildburghausen Anschluss an diese Strecke.

18. Jahrhundert
Nach der lutherischen Kirchenordnung werden Katholiken (damals auch Päpstliche genannt) mit Bußliedern ohne andere Zeremonien bestattet, teilweise auch mit halbem Geläut. Auf dem Friedhof an der Stadtmauer (Coburger Straße) wird ein Platz genutzt, „wo die frembden Bettler und Katholischen begraben wurden“.
Bis Mitte des 18. Jahrhundert werden Soldaten nach „Kriegsmanier mit trummel und pfeiffen ohne christliche Ceremonieen und ohne Accidentien der Herren Geistlichen und Schulbedienten“ beerdigt.
Selbst Adlige werden nicht standesgemäß beigesetzt, wenn ihr Lebenswandel christliche Normen verletzt, wie eine Kirchenbucheintragung vom 10.04.1709 beweist:
„Ist einer von Adel, des Majors Spieler sein Bruder allhier im Schlundhause eines gar bösen und schnellen Todes gestorben, indem er sich diese Nacht mit gutem Wein so betrunken nebst anderen Kavallieren und dabei tournieret bis früh 3 Uhr, hernach von seinen Knechten in's Bett gebracht, ohne Abend und Morgengebet, und morgens tot gefunden worden. Ist also in seinen Sünden dahin gestorben, Gott sei seiner Seele gnädig. Nun haben seine Herren Kameraden, die mit getrunken haben, wollen, daß er als einer von Adel in unserer Stadtkirche soll begraben werden, aber das Fürstliche Konsistorium, auch unsere Durchlauchtige Herrschaft habens nicht zugelassen, sondern Verordnung gethan, daß er auf den Gottesacker, neben andern gemeinen Bürgersleuten soll gelegt werden.“
(Nach Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 21)

Soldatenwerbung Anfang des 18. Jahrhunderts.
Aus: Ernst Dahinten: Geschichte der Heimat, Bd. 4, Eisfeld, 1934

10. April 1702
Herzog Ernst erhält sämtliche Hoheitsrechte, die seine Brüder und er dem ältesten Bruder, Herzog Friedrich I. (1646 – 1691), überlassen haben (Nexus Gothanus), ebenso die Militärgewalt.

1703
Herzog Ernst führt die Primogeniturordnung (Erstgeburtsrecht) ein. Jüngere Söhne erhalten künftig sogenannte Apanagen, das soll eine weitere Zersplitterung des Fürstentums verhindern. Bestätigung 1710 durch Kaiser Joseph I.

31. Januar 1703
Die erste Kurantmünze (Umlaufmünze) für das neue Fürstentum Sachsen-Hildburghausen ist ein bescheidener Kupferheller, der vorerst noch in Coburg geschlagen wird. Unter Herzog Albrecht v. Sachsen-Coburg († 1699) ist Heinrich Ernst Angerstein Münzmeister. Die Münzstätte befindet sich auf dem Gelände des heutigen Coburger Theaters.

Damit wird eine Anordnung des Herzogs Ernst (der Fromme) missachtet, der vor seinem Tod festlegt, dass die Münze in Saalfeld von seinen Söhnen gemeinschaftlich verwaltet werden soll. Nach der Erbteilung 1680/81 werden jedoch nach und nach in allen sieben ernestinischen Residenzstädten Münzstätten betrieben.

Die erste Münzprägung des Staates Sachsen-Hildburghausen.
Avers: Gekröntes Monogramm E zwischen Palmzweigen, unten gekreuzt und gebunden
Revers: HILDBURG:H:/HELLER/1703

1703
Organisierung des Feuerlöschwesens. Anschaffung einer größeren Feuerspritze bei Andreas Barth in Langensalza (105 Tlr.).

1703
Hennebergische Chronik Ehre der Gefürsteten Grafschaft Henneberg von Christian Juncker. Eine Abschrift des bedeutenden historischen Werks liegt im Kreisarchiv Hildburghauen.

1704 – 1714
Herzog Ernst befiehlt den Aufbau neuer Salinenanlagen in Lindenau. Es wird ein Einfuhrverbot für fremdländisches Salz erlassen.


Zu Michaelis 1705 in Coburg ausgefertigte Fürstlich Sächsische Postordnung
Sammlung Hans-Jürgen Salier


1705

Fertigstellung des Westflügels des Schlosses und Einweihung der Hofkirche Zum heiligen Geist und der darunter befindlichen fürstlichen Gruft im westlichen Schlossflügel. Die Predigt hält Superintendent Johann Heinrich Thamerus. Seit der Reformation besteht nur die Parochie St. Laurentius, mit der Hofparochie eine zweite.
(s. auch 24.07.1695)

1706

Die Thurn und Taxissche Postverwaltung befindet sich im Postheim (später: Gasthof zum Erbprinzen, ab 1889 Fränkische Leuchte).

1706
In Häselrieth sterben elf Kinder unter vier Jahre, 1716 sind es neun Kinder bis zweieinhalb Jahre.

1706
Nach dem ersten von Herzog Ernst am 01.05.1684 nach Eisfeld einberufenen Landtag wird ein Landschaftskollegium gestiftet.

17. Dezember 1707

Der spätere Herzog Ernst Friedrich II. wird auf der Veste Heldburg geboren († 13.08.1745, Hildburghausen), er ist der Sohn von Ernst Friedrich I. Herzog von Sachsen-Hildburghausen,
∞ mit Sophia Albertine (1683 – 1742), Tochter des Grafen Georg Ludwig I. von Erbach-Erbach.
Regierungsantritt für Ernst Friedrich II. ist das Jahr 1728.

14. Dezember 1708
Edikt zur Erweiterung der öffentlichen Straßen auf 36 Schuh. Im Mai und Herbst werden fruchtbringende Bäume (ausgenommen Eichen, Buchen, Birken, Weiden) im Abstand von 24 Fuß angepflanzt und Wegweiser angebracht. Weitere landesherrliche Verordnungen (26.04.1709, 30.04.1712 zur Aufsicht, Revision und Instandhaltung der Straßen, 6-wöchentlich). Gemeinden haften für Fuhrwerksunfälle. Im Winter werden zusätzlich neben der Straße Schlittenwege abgesteckt.

Über den Zustand der Straßen um 1712 heißt es:
„Obwohl nach der Straßenordnung von 1712 alle sechs Wochen gründliche Revision gehalten, die allzu engen Straßen erweitert, die allzu großen Steine, Wurzeln, Bäume und Blöcher aus dem Weg geräumt, die zum Umstürzen der Wagen geneigten Wege gleichgemacht und zu nasse Strecken mit Steinen, Holz, Reisig, Kies und Sand ausgefüllt werden sollten, so bewegten sich doch noch 1810 die Wagen in Kot und Gestein nur schneckenartig weiter, und die Wagenlenker mußten mit Vorspann, Arm und Schulter nachhelfen.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999 sowie Festschrift zur 600-Jahrfeier der Stadt Hildburghausen. – 1924)

1708

Nach Weigerung überlassen Bürgermeister und Rat ein Stück vom Stadtgehölz Tiergarten (auch Eichenzagel genannt, seit 1763 – nach Geburt des Erbprinzen Friedrich – Friedrichsanfang) bei Weitersroda an Herzog Ernst. Er verspricht Rückgabe, wenn der Tiergarten eingehen sollte. 1719 verkauft Herzog Ernst Friedrich I. den Tiergarten an Oberst v. Pflug und legt einen neuen am Fuß des Stadtbergs an. 1728 erwirbt die Stadt den Besitz von der Witwe, um ihn 1731 an Ernst Friedrich II. zu veräußern (mit Vogtei-, Brau- und Schankrecht, Häusern, Feld und Wiesen).

1708
Talerprägung des Fürstentums mit Harnischbrustbild des Herzogs Ernst und dann gemeinsam mit Erbprinz Ernst Friedrich und dem 18-feldigen Wappenschild mit 6 Spangenhelmen, geschlagen unter Münzmeister Heinrich Ernst Angerstein. A. hat seine Münze in Coburg (etwa Standort des Theaters). Dort sind die Münzen für Coburg unter Herzog Albrecht, später auch für Hildburghausen und Meiningen geschlagen worden. Ab wann die Münzen und Medaillen in Hildburghausen hergestellt worden sind, ist nicht eindeutig geklärt. Es ist von 1713 auszugehen. 

 


Erste Talerprägung
Avers: Herzog Ernst Harnischbrustbild mit Allongeperücke.
Umschrift: ERNESTUS DIE GRATIA DVX SAXONIAE


Im gleichen Jahr ist ein Taler mit gestaffeltem Harnischbrustbild von Herzog Ernst und seinem Sohn, dem Erbprinzen Ernst Friedrich, mit Allongeperücken ediert worden.

21. Mai 1709
34 Kriegsartikel sollen das Militär neu ordnen, zumal die Militärverordnung vom 04.02.1690 kaum Besserung der schlechten Disziplin bringt. Auf Meuterei wird Lebensstrafe festgesetzt. Die angedrohten Strafen stehen aber nur „auf dem Papier“ und werden nicht vollstreckt.


4. Juli 1709

Die Glaserinnung wird von Ernst Herzog v. Sachsen-Hildburghausen für Hildburghausen, das Amt und Veilsdorf konfirmiert, 1779 gibt es 12 Meister in Hildburghausen.


1709

Für die Ziegelhütte vor dem Unteren Tor (s. 1449) wird die Kaltenbrunner Ziegelhütte erbaut.


1709

Das Siechenhaus (Sichhus) b. St. Nikolas wird als baufällig erwähnt. Ohne Lebensgefahr könne niemand darin wohnen. Es wird notdürftig instand gesetzt.


1709

Der Reisende und Naturforscher Dr. Gotthilf v. Schubert berichtet, dass der Winter einer der furchtbarsten und kältesten für das mittlere Europa gewesen sei.


Nicht nur auf den Landstraßen und Gassen der Städte, in den Dörfern, ja in den Betten seien damals Leute erfroren. Das stärkste Feuer in den Kaminen reichte nicht, ein Zimmer von mäßiger Größe notdürftig durchzuheizen, während die eisernen Platten des Ofens glühten, überzog sich sechs Schritte davon in der Nähe der Fenster das Wasser in einem Gefäß mit Eis. Sperlinge, Dohlen und Krähen seien zuweilen plötzlich tot aus der Luft heruntergefallen, ganze Ketten von Rebhühnern seien im Schnee erstarrt gefunden worden. Nach der Schneeschmelze seien in den Wäldern eine Menge erfrorener Hirsche und Rehe gefunden worden. Die bis zum Grunde zugefrorenen Gewässer haben nach Auftauen wegen der großen Menge der toten Fische gestunken.


1710

Das historisch überlebte Zunftwesen ist ein wirtschaftliches Hemmnis. Das Statut der Stadtbäckerinnung verbietet beispielsweise mit dem  Zunftmeilenzwang einem Bäcker in Eishausen das Backen (1771 erfolgt eine Erneuerung des Verbots).


13. Mai 1710

† Herzog Heinrich v. Sachsen-Römhild – (* 29.11.1650, Schloss Friedenstein/Gotha), Bruder des regierenden Herzogs Ernst v. Sachsen-Hildburghausen).
Die Ernestinische Linie Sachsen-Römhild stirbt aus (1680 – 1710).

Es folgen Erbstreitigkeiten und bewaffnetes Eingreifen. Römhild und Themar werden von Gothaer, Hildburghäuser und Meininger Truppen besetzt. Ein kaiserlicher Entscheid beendet 1714 die Auseinandersetzungen. 7/12 des Amtes Themar fallen an Gotha, 5/12 an Coburg-Saalfeld, 2/3 von Römhild bekommt Meiningen, 1/3 Coburg-Saalfeld. Hildburghausen erbt die Kellerei Behrungen.

1710

Der Hildburghäuser Stadtrat kauft die sechs Heldritter Güter in Wallrabs. Die Abgaben sind an Hildburghausen zu entrichten, auch das Schankrecht übt die Stadt aus. Insgesamt hat Wallrabs 7 1/2 kleine Güter.


1710

Die Waisenhauskasse wird gestiftet, um 1884 besitzt sie einen Kapitalstock von ca. 92.000 Mark. Aus dem Zinsabwurf unter Verwaltung des Landrats werden arme Waisen bei Privatpersonen verpflegt und erzogen.
Vor allem seit dem 18. Jahrhundert gibt es in Hildburghausen Stiftungen für soziale Aufgaben, einige sind für die Ausbildung und Integration von Kindern und Jugendlichen in die Gesellschaft bestimmt.

30. November 1710

In Hildburghausen wird vor dem Oberen Tor ein Waisenhaus mit Spinnschule gegründet. Es gehört zu den ersten derartigen Einrichtungen in Mitteldeutschland.


12. März 1710

Das Apothekenprivileg wird bestätigt (s. 01.02.1684), 1708 wird die Apotheke an Benedikt Constantin Düttel verkauft, 1710 geht sie an den aus Hambach stammenden Johann Conrad Müller über.

März 1710
Grabrede des Magisters Michael Heinrich Reinhard für den Schulmeister Johann Wolfgang Didelius († 19.03.1710), der 72-jährig nach 25-jährigem Organistendienst und als 5. Lehrer der Stadtschule am 19.03.1710 stirbt. In der Predigt werden die für die damalige Zeit typischen schulischen Verhältnisse charakterisiert.


Um 1710

Johann Philipp Käfer (* 21.04.1672, Schney – † 24.01.1728, Pforzheim)
Hofkapellmeister, Organist, Komponist
1692 Hoforganist bei Herzog Heinrich v. Sachsen-Römhild, Kompositionen (verschollen), Gottgeheiligte Tafelmusik nach Texten des in Reurieth (?) geborenen Dichters Samuel Christian Thomä. Anstellung als Hofkapellmeister in Hildburghausen, er führt die Barockoper zur Blüte.
(s. Biografie)

1710

Stadterweiterungsplan setzt neue Akzente bei der Entwicklung zur Residenzstadt. Die Wüstung Birkenfeld soll wieder aufgebaut werden. Erbprinz Ernst Friedrich I. ordnet zur baulichen Veränderung Hildburghausens an, dass die Besitzer von Gütern in Birkenfeld Häuser dorthin bzw. in die Vorstadt zu bauen haben.
Einheimische und Fremde erhalten die Genehmigung, sich vor dem Schleusinger Tor anzusiedeln. Für die Entwicklung von Handel und Verkehr werden Konzessionen für Ross-, Vieh- und Jahrmärkte erteilt.


1697 errichtet Valtin Gutjahr in Birkenfeld einen Neubau. 1708 gehören von den 24 Lehensgütern 7 den Herren von Heßberg, 4 dem Hildburghäuser Gotteskasten, 3 sind Amtslehen, 2 Gemeindelehen, 2 gehören der Schwämmleinsspende, 2 der Virnenspende, 1 ist Eishäuser Pfarrlehen 1 ist Schleusinger Komturlehen, 1 Lehen war zentbar.


1710

Beginn einer Reform des Schulwesens.


Um 1710

Der Schwanenwirt Johann Georg Rottenbach wird als Posthalter (Fahrpost) erwähnt.


31. Juli 1711

Herzog Ernst erlässt das Hugenottenedikt zur Aufnahme der Residenz und allerei Manufactur.
In den 36 Artikeln des in deutscher, holländischer und französischer Sprache verbreiteten Gesetzes heißt es: „… den umb unserer heiligen Religion willen Vertriebenen ein asylum und vollkommenen freies exercitium religionis nebst noch anderer herrlicher und unschätzbarer privilegiis in der Residenz allhier."


Hauptgründe, weshalb der Landesherr die Refugiés in sein Land holen will, sind u. a.:
. Sein Leben und das seiner Vorfahren ist stark protestantisch geprägt;
. die Ansiedlung verspricht finanziellen und wirtschaftlichen Aufschwung für das bevölkerungsarme Fürstentum;
. in niederländischen Militärdiensten stehend, kämpft er für die Befreiung des Landes gegen Frankreich unter Ludwig XIV.
 

In der Neustadt entsteht die einzige geschlossene Hugenottensiedlung Thüringens mit eigener reformierter Kirche (nach kalvinistischen Grundsätzen ausgerichtetes Kirchenleben, eigenständig bis 1824, 1714 – 1807 Prediger, die Gemeinde gehört zur Synode Bayreuth-Ansbach). 12 hugenottische Familien siedeln im unteren Teil der heutigen Schleusinger Straße.

Die ersten Familien kommen aus Südfrankreich, wo Graf de Brohlie ein unbarmherziges Regiment führt. Einige Flüchtlinge haben eine harte Zeit als Galeerensträflinge erlitten. Die ersten Familien heißen Borell, Caton, Cregut, Dufais, Duport, Ferriére, Gilles, Julien, Ladroit, Leget, Razoux, Trollier. Sie erhalten Vergünstigungen und Privilegien (Religionsfreiheit, Bestellung eigener Geistlicher, Entwicklung eines Konsistoriums, einer Kirche, eines Friedhofs, eines Krankenhauses sowie zehnjährige Steuerfreiheit).


Die Hugenotten beeinflussen sehr bald Handel und Wandel in der Stadt (vor allem nach Erlass des Kollektenpatents, s. 1714). Schon bald können 18 neue Gewerbe in Hildburghausen festgestellt werden, die die Wirtschaftskraft erhöhen (Feinweber, Strumpfwirker, Handschuhmacher, Hutmacher, Juwelier, Kunsttischler, Branntweinbrenner, Feinbäcker und Konditor, Chirurg, Gärtner usw.). Jacob Menius gründet eine Papiermachéfabrikation vor allem für die Herstellung von Puppenköpfen. Pierre Claperéde baut im Neustädter Pfarrhaus eine Porzellanfabrikation auf, die sich jedoch wegen der schlechten Rohstoffe im Umfeld der Neustadt nicht rentiert.


R. A. Human schreibt in Geschichtsblätter des Deutschen Hugenottenvereins: „Bei bürgerlichen Rechtssachen bis zu einem Wert von 100 fl. richtete der aus ihrer Mitte bestellte Director, während Kriminalsachen der Aburtheilung der fürstlichen Regierung unterstanden. Verfügungen durch Testament, Codicill (Dekret) oder Schenkung auf den Todesfall waren ihnen nach eigenen Gesetzen gestattet. In Streitigkeiten zwischen einem Deutschen und Franzosen hatte der Kläger den Beklagten vor den Richter seiner Nation rufen zu lassen. Die, welche unter Gewährung von Platz und Materialien seitens des Herzogs Häuser erbauten, hatten auf 15 Jahre völlige Immunität von allen Auflagen, alle aber waren berechtigt Handel im großen und kleinen, Künste und Gewerbe mit beliebig vielen Gesellen und Lehrlingen in Stadt und Land zu betreiben. Nicht alle waren an die Zünfte des Landes gebunden, aber berechtigt, in dieselben einzutreten. Den dazu Qualifizierten standen alle Civil- und Militärstellen offen, jeder konnte adlige und nichtadlige Güter mit den Rechten und Pflichten der Vorbesitzer erwerben, gerade so, wie seine Glaubensgenossen in England, Holland und Brandenburg. Standespersonen, die von ihren Renten lebten und kein Gewerbe trieben, waren frei von allen Auflagen und Beschwerden auf ewig.“
(s. auch 16.05.1716)

Blick vom Nonneplatz in die Neustadt (Hugenottenviertel) mit der Waisenhauskirche (Neustädter Kirche/Apostelkirche), Neustädter Apotheke und Traditionsgaststätte „Zum Grünen Baum“, um 1900
Ansichtskarte, Sammlung Hans-Jürgen Salier

1711 – 1848
Sitz der Generalsuperintendur.

Generalsuperintendenten werden von Herzog und Konsistorium (zwei geistliche, zwei weltliche Personen) bestimmt, sie haben Aufsicht über das Kirchen- und Schulwesen im Land.

Generalsuperintendentenxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Johann Heinrich Thamerus (Thamer)  1711 – 1719
Dr. Amandus Gotthold Fehmel 1719 – 1721
Johann Wilhelm Hecker    1723 – 1732
Johann Christoph Hommel 1732 – 1746
Siegmund Basch     1751 – 1756
Philipp Ernst Kern   1759 – 1776
Dr. theol. et phil. Johann Andreas Genßler 1790 – 1831
Dr. Carl Ludwig Nonne 1833 – 1848

1711
Bau der großen Orgel in der Kilian-Kirche in Bedheim durch den „privilegirten Orgelmacher“ Caspar Schippel aus Hildburghausen, beauftragt von Johann Philipp v. Heßberg, Kosten: 104 Taler. 1721 kommt die von dem aus Haina stammenden Orgelbauer Nicolaus Seeber erbaute und vermutlich in der Welt einzigartige Schwalbennestorgel hinzu.


Ab 1711

Jährlicher Jahrmarkt in Bürden.


31. Januar 1713

Der Goldarbeiter und fürstliche Bauinspektor Justinus Heidenblut aus Hildburghausen erhält die Erlaubnis, 6 Zentner Kupfer auszumünzen. Die Münze befindet sich am Standort des späteren Brunnquellschen Hauses (Obere Marktstraße 44). 1713 hat er für 800 Gulden Heller geschlagen – die Mark Kupfer auf 16 Gute Groschen. Der Schlagsatz muss in guter Silbermünze an den Herzog gezahlt werden, die geschlagenen Heller müssen von Heidenblut selbst vertrieben werden.


1713

Johann Caspar Habermann ist Posthalter der Reichs- und der Sächsischen Post. Die Posthalterei ist bis 1772 im Besitz der einflussreichen Familie Habermann.


1713/14
Vom 10. April 1713 bis 27. Januar 1714. Allein in diesem Zeitraum hat Heidenblut in der Münze zu Hildburghausen 1.309 Gulden 3 1/4 Groschen in Hellern ausgemünzt. Er ist bis 1715 tätig. (s. dort)

5. April 1714

Gründung des Gymnasiums academicums (auch Gymnasium illustre oder Ritterakademie genannt), besteht bis 1729.
Vorrangig adeliger Nachwuchs wird für den Offiziers- bzw. Staatsdienst ausgebildet.
Die Lehreinrichtung soll bessere Voraussetzungen zur Aufnahme eines Studiums schaffen als die Ratsschule, deren Niveau z. B. des Lateinunterrichts nicht erreicht wird. Es fehlt im In- und Ausland trotz teilweise guter Bildungs- und Erziehungsinhalte die Resonanz, ferner ist die Trennung von Adel und Bürgertum hinderlich. Die notwendigen Finanzen zum Weiterbetrieb der Bildungseinrichtung fehlen.

„Wurden nun auch in der Akademie Realien
(Naturwissenschaften, d. Verf.) ebenso begünstigt, wie deutsche Geschichte und Sprache, so trug doch das Ganze unverkennbar französischen Geist; für eine Universität zu wenig, für eine Schule aber zu viel, sank das Gymnasium schließlich zu einer Dressuranstalt für den Hof- und Militärdienst herab. Mit 49 Schülern eröffnet, fand es so trotz aller Anstrengungen des Herzogs wie der Professoren weder im In noch im Auslande die erwünschte Anerkennung.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 476)

Direktoren sind von 1714 – 1716 Gottlieb Stolle (s. 1714 – 1716), von 1716 – 1721 Gotthold Fehmel (s. 21.07.1721) und von 1721 – 1729 der aus Altenburg stammende Hofmeister des Prinzen, Gottlieb Benjamin Döhner.

Das Gymnasium academicum. befindet sich im Landschaftshaus in der heutigen J.-S.-Bach-Str. 6, spätere Hofbuchdruckerei Gadow & Sohn. Das Portal trägt das herzogliche Wappen.

16. Mai 1714
Herzog Ernst erlässt ein Kollektenpatent zum Sammeln von Spenden in aller Welt zum Kirchenbau für die französischen Flüchtlinge. Der Oberbaumeister und Major Bartholomäus Lucchese sammelt beispielsweise in der Schweiz, der Richter der Kolonie, Jean Debeynne, in Holland, England und Schottland.
Der dem Herzog Ernst 1715 in der Regierung folgende Ernst Friedrich I. stiftet der Pfarrei 200 Taler, 15 Klafter Holz und freie Wohnung. Der tatkräftige französisch-reformierte Pfarrer Johann Caspar Schneider organisiert vor allem in Holland, England, aber auch in Frankreich den beachtlichen Geldbetrag von 4.000 Talern.
 

1714

Herzog Ernst nimmt einen Hofjuden, Simon Moyses aus Mertzbach, auf, der in der Stadt wohnen darf. Er entwickelt sich zu einer der einflussreichsten Personen am Hof, er setzt auch durch, dass sein Bruder Hayum Moyses Rabbiner des Fürstentums wird.
 

1714 – 1716

Gottlieb Stolle ist Direktor des Gymnasiums academicum (* 1673, Liegnitz – † 1744, Jena). Der ehemalige Privatdozent (Leipzig, Halle) und nachmalige Professor in Jena ist als produktiver Dichter unter dem Namen Leander bekannt.


1715

Münzmeister Justinus Heidenblut gibt Werkzeuge und Stempel zurück, seine Nachfolger sind der fürstliche Kammerfaktor Johann Georg Feuchter und der fürstliche Polizeikommissar Friedrich Ernst Wermuth, Sohn des bekannten Gothaer Stempelschneiders Christian Wermuth.

17. Oktober 1715
† Herzog Ernst, Senior der ernestinischen Linie.

Auf Herzog Ernsts Tod 1715 werden 1717 in drei verschiedenen Ausführungen Doppelgroschen geschlagen, zudem 1715 eine Medaille aus Silber (53,915 g). Sie zeigt ein Brustbild des Herzogs mit der Umschrift ERNESTVS DVX SAX.I.C.M.A.ET W. Das Revers zeigt eine symbolische Darstellung mit einem Altar auf musivischem Boden, darauf Schwert und Herzogshut, darüber ein Adler einer Krone entgegen fliegend, die über strahlender Glorie in Wolken schwebt mit einer Umschrift.

Medaille (Ag) 1715 auf den Tod von Herzog Ernst Benignus (der Gütige). Regierungszeit 1680 – 1715

Herzog Ernst Friedrich I.
Regierungszeit: 1715 – 1724.
* 21.08.1681, Arolsen, Sohn Herzog Ernsts
† 09.03.1724, Hildburghausen
∞ 04.02.1704 mit Sophie Albertine
* 30.07.1683/† 04.09.1742, Tochter des Grafen Georg Ludwig v. Erbach 

Herzog Ernst Friedrich I. führt den Titel:
Ernst Friedrich, Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westfalen, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, Gefürsteter Graf zu Henneberg, Souveräner Graf zu Culemburgk, Graf zu der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein, der römisch-kaiserlichen Majestät wie auch der Herren Generalstaaten der Vereinigten Niederlande bestellter Generalmajor und Obrister über ein Regiment zu Pferd.

1715 – 1724

Der kaiserliche Geograf Johann Baptista Homan (1664 – 1724) fertigt den Plan der Hoch-Fürstlichen Residenz-Stadt Hildburghausen (in Teilen idealisiert und mit künftigen Bauvorhaben versehen) und Karte „Prinzipalas Hildeburghus. Hoch-Fürstlichen Lust-Gartens der Herzogl. Residenz zu Hildburghausen“ (nach 1721).


Homan gilt als einer der Wegbereiter realistischer kartografischer Darstellungen (Linearmaßstab, korrekte geometrische Projektion, Himmelsrichtungen: nach Norden orientierte Karten). – Homans Hauptwerk ist der 1716 erschienene und 126 Blatt umfassende „Grosse Atlas über die gantze Welt. Wie diese sowol nach göttlicher allweisen Schöpffung aus den heutigen Grund-Sätzen der berühmtesten Astronomen Nicolai Copernici und Tychonis de Brahe, in der Bewegung und unermeßlichen Weite deß Himmels, als auch in dem Umfang unserer mit Wasser umgebenen allgemeinen Erd-Kugel zu betrachten, samt einer kurtzen Einleitung zur Geographie ..."


„Nach dem Herzog Ernst Friedrich II. gewidmeten Kupferwerk des kaiserl. Geographen Joh. Baptist Homann zu Nürnberg war der Irrgarten
(Schlosspark, d. Verf.) als wahrhaft großartiger Park à la Versailles mit Pavillons, Naturtheater, Irrgarten (in der Südwestecke das ‚Laborin‘ = Labyrinth), mythologische Gruppen, Darstellungen verschiedener Äsopischer Fabeln, teils geplant, teils auch ausgeführt. Die Anlagen setzten sich in einem Tiergarten (2 1/2 Acker in 15 Quadratfeldern) nach Süden auf den Schloßwiesen (22 1/4 Acker fort und endigten mit einer Eremitage am Eisgrubenrangen (2 3/4 Acker), wo später der sogen. Keller war.

(s. Anm.). Ob eine (allerdings projektiert gewesene) Wasserkunst im Südost des Gartens wirklich bestand und ob auf dem heute dort befindlichen Tumulus (Hügelgrab, d. Verf.) ein Marmorhäuschen als Badeanstalt errichtet war, ist bis jetzt aktenmäßig so wenig festzustellen gewesen wie die Angabe, daß der gesamte Garten auf Rosten stehe, worauf allerdings die bei Sturmwind leicht entwurzelten Tannen hinweisen. Nach einer Volksmeinung war der Kanal gepflastert, und Kanonenkugeln aus dem Zeughause Herzog Heinrichs von Römhild sollten auch darin liegen.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 212)

Anmerkung
„Die projektierte Anlage bestand u.a. aus folgenden Teilen: Lusthaus mit acht Alleen, Fabel vom Tierstreit, Theater, Schneckenberg Bolinggreen, Atlas, Fabel von der Eule und den Vögeln, Wolf und Kranich, Fuchs und Rabe, Pfau und Krähe, Fontaine, Ringelrennen, Irrgarten mit Lusthaus, wovon die ganze Anlage noch heute den Namen hat. In der NW.-Ecke waren Schiffhaus mit Lusthaus und in der NO.-Ecke Schwanen- und Entenhaus, auf der Nordseite zwei vom Feuersee gespeiste Fontainen. Der fürstliche Tiergarten an der Marienstraße, oberhalb der herrschaftlichen Kanalwiese, wurde später teilweise als Baumschule für das Seminar benutzt. Ehedem führte von der Theaterbrücke aus ein breiter Weg über den sogen. Rasen dorthin und vom Tiergarten, der damals noch mit lebendiger Hecke umgeben war, ein Fußweg, parallel mit der jetzigen Eisenbahn, an den Keller. (Frühere Eremitage).“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. – 1908, S. 55)

Der kaiserliche Geograf Johann Baptista Homan (1664 – 1724) fertigt den
„Plan der Hoch-Fürstlichen Residenz-Stadt Hildburghausen“.
(Beim Betrachten der Karte beachten: oben = Süden, unten = Norden, links = Westen, Rechts = Osten)

16. Mai 1716
Stiftungsurkunde Herzog Ernst Friedrichs I. für die Neustadt:
„... vor dem allhiesigen mittleren Tor gegen Schleusingen zu eine Neustadt anlegen und aufführen zu lassen. Im maßen denn bereits verschiedene daselbsten angebauet und noch im Anbau begriffen sind. Und nun, wie diese gnädigste und gemeinnützige Intention um so ehender zu erreichen sein möchte, fernere Sorge zu tragen sein will: So haben höchste gedacht S. Hochf. Durchl. durch dieses offene Patent bekannt zu machen und männiglich diese Fürstl. Versicherung zu geben gnädigst anbefohlen, daß denenjenigen, es seyn Fremde oder Einheimische, welche in obgedachter Neustadt anbauen und Häuser aufzuführen sich entschließen, nicht nur eine gewisse Zahl Felder ohnentgeltlich eingeräumt, sondern auch Jedem das dazu benötigte Bauholz umsonst abgegeben, nicht minder und überdieß eine 20jährige Freiheit von Extra=Steuern gegönnt, auch sonsten, zu Beförderung und Etablierung Ihrer Nahrung alle möglichste Handbietung getan werden solle."

1716
Eine Medaille in Silber (6,862 g) auf die Goldwäsche zu Schwarzenbrunn wird geschlagen.

Avers: Brustbild Ernst Friedrich I. mit Allongeperücke und Umschrift ERNEST FRIDERIC:DVX SAX: I.C.M.A.6W., Rosette – Revers: DER/SCHWARTZENBRUN/GIEBT GOLD,/DERGLEICHEN BRICHT/SCHALCKAU,/DAS SALTZ SCHENCKT/LINDENAU,/GOTT IST DEM/LANDE HOLD./HILDBURGAUS./1716/Rosette und Umschrift AUS DER GOLDWÆSCHE (strahlende Sonne) ZU SCHWARTZENBUNN.

Jenny-E.[rnst] Hollmann schreibt dazu:
Diese Silberprägung wird häufig als Abschlag von einem Doppeldukaten-Stempel aus der Hand von Christian Wermuth auf die Goldwäsche zu Schwarzenbrunn etc. dargestellt; dem ist zumindest mit Mißtrauen zu begegnen. Es wäre außerhalb aller bisherigen Gewohnheit, daß auf einer Ausbeutemünze sowohl gleichzeitig mehrere Bergbauorte als auch verschiedene Bodenschätze Erwähnung finden, ganz zu schweigen von Prägungen auf Goldwäschen, die bis dahin noch kein Gold zu Tage fördrten und bei denen der Goldsegen schließlich auch gänzlich ausblieb. Die Legende kann nur als Wunsch gewertet werden.
Die Prägung erhält jedenfalls mit der Zuordnung in den Bereich der Medaillen den begründeten und einzig richtigen Platz.
Über den Anlaß der Prägung soll eine Bemerkung von Pick nicht vorenthalten werden: „Christian Wermuth, der die Stempel geschnitten hat, auf der Vorderseite genannt, und auch die Verse auf der Rückseite machen durchaus den Eindruck, als ob sie einer eigenen Erfindung des betriebsamen Gothaer Stempelschneiders ihre Entstehung verdanken, durch die er sich und wohl auch seine Söhne der Huld des Herzogs empfehlen wollte.
(Hollmann, Jenny-E.: Münzgeschichte des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen. – Verlag Frankenschwelle Hans J. Salier, Hildburghausen, 1994, S. 29)

Offensichtlich ist die Medaillenvorderseite auf zwei weiteren Medaillen 1717 und 1724 verwendet worden, sie sind identisch.


1716

Nach einer Renovierung der Leimriether Kirche wird über der Nordtür ein ovales Schild mit folgendem Inhalt angebracht:

“Templum exstructum Ao. MDIV Trinit. a. Luth. consecr. A. MDXLII. Princ. Ernesto Friderico regnante reparatum anno MDCCXVI.”

(Der Tempel errichtet im Jahre 1504, der Dreifaltigkeit von Luther 1542 geweiht, unter der Regierung des Fürsten Ernst Friedrich I. erneuert im Jahre 1716).

Es ist historisch nicht belegt, dass Martin Luther in der Kirche gepredigt und sie 1542 geweiht hat.

Die Weihe der Kirche durch den Reformator Luther ist als reine Legende anzusehen. Die Predigt könnte in Zusammenhang mit einer Begegnung mit dem Hildburghäuser Pfarrer Magister Weybringer im Bereich des Möglichen gelegen haben. Die Forschung hierzu ist noch nicht abgeschlossen.


Das „Lutherkirchlein“ in Leimrieth
Foto: Hans-Jürgen Salier, 1996

1717
Unter dem Münzmeister Friedrich Ernst Wermuth prägt Hildburghausen fakultativ für die Stadt Schweinfurt ein 2-Groschen-Stück auf das Reformationsjubiläum – eigentlich eine Medaille, da Schweinfurt nicht mit dem Privileg des Münzregals ausgestattet ist.

Mai 1717

Revolte in Hildburghausen. Die herzogliche Regierung will den Stadtwald abschlagen und Felder und Wiesen anlegen, vor allem auch, um der Residenzstadt ein attraktiveres Umfeld zu schaffen. Der dichte Stadtwald hat sich damals bis in die heutige Neustadt erstreckt. Besonders der Steuer- und Kammerdirektor Oberst v. Pflug will sich Land aneignen. Die Bürger fürchten aber um ihre Holz- und Hutrechte. Der von ihnen auf das zum Roden freigegebene Land gesandte Hirte wird verhaftet. Daraufhin ziehen Bürger auf den Markt und fordern seine Freilassung, Feuer werden entzündet. Die Regierung lässt drei Kompanien Landmiliz einrücken. Das Militär weigert sich, gegen die Bürger vorzugehen, und der Widerstand droht zu eskalieren. Am 11.05. muss die herzogliche Regierung nachgeben. Die Stadt wird für das abgeschlagene Holz entschädigt, die Hutrechte werden bestätigt. Der Herzog legt anschließend Klage gegen die Stadt beim Reichskammergericht ein.
1720 wird die Fläche von 250 ha in Feldern angelegt.
Nach der Bürgerrevolte löst sich die kleine Armee des Fürstentums nahezu selbst auf.

1717

Aus Geldnot verkauft Ernst Friedrich I. die Tranksteuer in Meeder und Oberlind für 26.000 Gulden an seinen Bruder in Gotha.

1717

Die Wiesenmühle wird erbaut (Heimstraße, zu DDR-Zeiten u. a. Gelände des Altstandortes VEB Schrauben- und Normteilewerk).

1717

Nach Abriss der baufälligen Schule in Häselrieth wird bis 1720 eine neue erbaut, 1828 erfolgt die Erweiterung.
(s. auch 1885 und 1904)

23. Januar 1718
† Georg Friedrich v. Bibra (aus Gleicherwiesener Linie) – (* 25.09.1657)
Geheimer Rat, Generalwachtmeister
1696 Kommandeur des Sächsischen Infanterieregiments, Brandenburg-Kulmbacher Kommandant der Festung Plassenburg, 1691 Kampf gegen die Franzosen bei Schifferstadt, 1702 Weimarischer Generalwachtmeister in Italien, 1713 in Diensten des Prinzen Eugen, Besitzer eines Teils von Gleicherwiesen, erwirbt von Herzog Heinrich v. Sachsen-Römhild für 11.000 Taler das Gut Buchenhof (1721 wieder an Sachsen).

Wappen derer von Bibra, handgemalt 1726, Format 16,5 cm x 19,5 cm.
Das Stammwappen zeigt in Gold einen steigenden schwarzen Biber mit roter Zunge und silbergeschupptem Schwanz. Auf dem (gekrönten) Helm sind zwei das Schildzeichen wiederholende Flügel mit einwärts gekehrten Bibern. Die Helmdecke ist schwarz-golden.
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

Das fränkisch-thüringische Uradelsgeschlecht von Bibra mit seinem Stammsitz in Bibra hat wesentlich die Geschichte Thüringens und Frankens mitgeprägt. Im 13. Jahrhundert hat das Geschlecht sehr enge Beziehungen zum Kloster Rohr, ab dem 14. Jahrhundert zum Kloster Veßra. Einige Beispiele des früheren Besitzes im heutigen Landkreis Hildburghausen: Gleicherwiesen (1356 – 1850), Henfstädt (im Mittelalter), Burg Osterburg und halbes Amt Themar (als Pfandschaft 1380 – 1468)

Das Wappen von Gleicherwiesen (heute zur Stadt Römhild gehörend) zeigt auch den steigenden Biber im Wappenschild.

1718
Das Schleusinger Tor in Hildburghausen wird angelegt.


1718

Vor dem Schleusinger Tor wird das Fischhaus erbaut. Bis zu diesem Zeitpunkt liegen in den öffentlichen Brunnen Fischkästen. Die hygienischen Verhältnisse sind meist unerträglich und Ursache für Infektionskrankheiten. Bei aufsteigenden schädlichen giftigen Dünsten bzw. des Nachts werden die Brunnen mit starken Bohlen abgedeckt. Bis 1885 sind Verunreinigungen die Normalität: durch das Wässern der Weiden der Korbflechter, von Strohseilen, von Fässern jeglicher Art, Tränken der Pferde und Ochsen. Verunreinigungen werden ab diesem Zeitpunkt unter Strafe gestellt.


1718

Die Posthalterei (Personen- und Paketpost) muss alle zwei Jahre eine neue Kalesche für sechs Personen beschaffen.


1718

Vor dem Rathaus wird zur Exekution eines Soldaten ein Galgen aufgestellt. Die Bürger haben das Holz zu beschaffen, der Rat verweigert jedoch die Lohnzahlung für die Vorbereitung und Durchführung der Hinrichtung.


20. Februar 1719

Urkunde zur Erbauung der Neustädter Apotheke für Hauptmann Johann Andreas Bartels. Unentgeltliche Bereitstellung von Bauland und -holz. Das Privileg zum Betreiben der Apotheke wird am 20.08.1722 auf den Apotheker Johann Heinrich Engelhardt erweitert.
Teile der Inneneinrichtung sind noch bis über die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben, u. a. auch vom letzten Apotheker dieses Hauses, Hans Tenhaeff (seit 1919), gepflegt worden.


15. Mai 1719

Der aus Rodach stammende Postverwalter Johann Christoph Leuthäuser wird zum Postamtmann ernannt. Hildburghausen besitzt zum Zeitpunkt eine wichtige Postanstalt.

30. Mai 1719
† Johann Heinrich Thamerus (Thamer) – (* 04.02.1639, Burscheid im Bergischen)
Generalsuperintendent, Pädagoge

Studium im Augustinerkloster Erfurt, Prediger in Aachen und Maastricht, Senior der bergischen Synode. 1698 von Herzog Ernst als Pastor und Hofprediger nach Hildburghausen berufen, seit 1711 erster Generalsuperintendent. Er verfasst u. a. 1709 Gesetze zur Neuordnung der sich in einem desolaten und sittenlosen Zustand befindlichen Ratsschule. Am 05.04.1714 weiht er das Gymnasium academicum. Sein Bildnis wird 1779 aus der St.-Lorenz-Kirche gerettet und befindet sich heute in der Christuskirche. Er gilt als einer der bedeutendsten Theologen der Region.


1719

Die Ratsakten verzeichnen Feuer-Rüstung (Löschgeräte):
-         fürstliche Hofspritze mit 24 Mann Bedienung,
-         große Stadtspritze mit 24 Mann Bedienung,
-         kleine Stadtspritze mit 12 Mann Bedienung,
-         3 kleine Handspritzen mit 3 Mann Bedienung,
-         12 Feuerleitern und 8 Feuerhaken mit 25 Mann Bedienung,
-         4 Feuerkufen,
-         21 lederne Feuereimer.

1719

Die einzige Ausbeuteprägung des Staats wird aus dem Hildburghäuser Anteil am Ilmenau-Henneberger Bergsegen geschlagen.

14. Juli 1719
Die Residenzstadt wird von Quartier- und Marschkosten bei militärischen Durchmärschen befreit, u. a. auch deswegen, weil es hier ein ständiges Hoflager mit fürstlicher Garde mit Hof-, Soldaten-, Schanzer-, Flößer- u. a. Quartieren gibt.


22. November 1719

Paul Friedrich Crumm, ehemals Wardein (Münzprüfer) und Münzmeister in Meiningen und Coburg und sein Sohn Paul Philipp werden für die Münze eingestellt. Beide sind nicht erfolgreich. Das Münzgeschehen verfällt u. a. auch wegen einer verfehlten Finanzpolitik des Fürstentums bis 1736.


Um 1719

Die „alte stadmul“ am Mühlgraben wird ab diesem Zeitraum Herren-, Schloss- oder Herrschaftsmühle bezeichnet. Die Stadtmühle umfließen zwei Werraarme.


23. Januar 1720
Ein Rezess zwischen Herzog Friedrich II. v. Sachsen-Gotha und Herzog Ernst Friedrich I. bezeugt, dass Hoheitsrechte verkauft werden, z. B. die Hildburghäuser Anteile an Eisenberg, Coburg und Römhild an den Bruder (Sachsen-Gotha) für 50.000 Gulden.

1720

Ernst Friedrich I. gibt der Schützengilde eine neue Ordnung.
Die Schützengilde ist eine eigenständige privilegierte städtische Gesellschaft. Die Schützenordnung wird vom jeweiligen Landesherrn bestätigt.


17. September 1720

Weihe des in die Neustadt verlegten neuerbauten Waisenhauses (heute: Teil der Henneberg-Kliniken, Altgebäude an der Schleusinger Straße) durch Diakonus Wolfgang Gottlieb Fehmel. Etwa dreißig Kinder werden unterrichtet.

1720


Wappen der Grafschaft Cuylenburg

Herzog Ernst Friedrich I. verkauft für 800.000 Gulden die Geldernsche Grafschaft Cuylenburg in den Niederlanden (Mitgift bzw. Erbe der Herzogin) mit einem jährlichen Ertrag von 30.000 Gulden an die Generalstaaten (Niederlande)
Noch heute führen die Mitglieder des niederländischen Königshauses den Titel eines Grafen bzw. einer Gräfin von Culemborg).
Der Verkaufserlös wird nicht zur Begleichung der enormen Schulden des Fürstentums Sachsen-Hildburghausen genutzt, sondern für den Bau des Kanals um den Schlosspark in Hildburghausen (21.442 m² Wasserfläche).
Beim Schlossparkbau wird auch der sog. Absatz geschaffen (Mauer am Parkplatz an der Zetkinstraße), das Erdreich wird abgegraben, um eine ebene Fläche zu erhalten. Zwischen den Mauern befinden sich Gärten und Treibhäuser, die insgesamt in die architektonische und gärtnerische Planung einbezogen sind.
(s. auch Anmerkung zu 1420)

Zum Absatz heißt es bei Human: „Unter dem Absatz (S.) führte bis zur Neuzeit bei der ersten mannshohen Tür ein 2 1/2 m hoher und zirka 10 m langer Gang in zwei zirka 3/2 m hohe Kreuzgewölbe, in deren zweitem ein geräumiger Kanal bis unter die Häuser an der Schloßgasse (heute: J.-S.-Bach-Str.) reichte und das Abfallwasser von dieser bei der zweiten Tür unter der Kastanienallee nach dem Kanal leitete. Der Gang führte erst gerade aus, bog dann nach W., eine Abzweigung desselben nach O. Zweifelhaft, ob dies ursprünglich Kanalisationsanlage oder von der Herrenmühle oder dem einstigen, 1720 angelegten Kaskadenwerk."


1720

Der in Römhild geborene Georg Friedrich Zeißing kommt nach seiner künstlerischen Tätigkeit am Hof in Baden-Durlach als Hofkapellmeister nach Hildburghausen.


1720

Der Theaterprinzipal David Holzward erwirbt das Prädikat eines Sachsen-Hildburghausenschen Hofkomödianten. In der Ostseestadt Stralsund lässt sich 1723 eine Theatertruppe nachweisen, „die Hildburghausenischen Komödianten unter dem Prinzipal Markus Salomon“, 1724 in Naumburg Hildburghäusische Hofkomödianten. Diese und weitere Fakten deuten darauf hin, dass das Theaterspielen in Hildburghausen in recht beachtlicher Blüte gestanden hat.


1720

Westlich des Siechenhauses wird das dort befindliche Leprosorium (Unterbringungsort für „Feld- und Sondersieche“ [Aussätzige]) erwähnt. Der Vikar der Kapelle St. Nicolas ist gleichzeitig geistlicher Beistand und Arzt.
Nahe des Spitals befindet sich bis zum Zeitpunkt ein Blockhaus, in dem „Irre“ untergebracht sind, denen der Spitalmeister durch ein vergittertes Fenster Nahrung reicht. Die „Irren“ sind aus armen Familien, denen es an Geld mangelt, ihnen eine bessere Pflege angedeihen zu lassen. Später werden „Irre“ auch im Spital untergebracht.

Steinstempel mit der Jahreszahl 1716 (geweiht 1720) am ehemaligen Waisenhaus (heute: Gebäude der Henneberg-Kliniken zur Schleusinger Straße hin)

1720 – 1736
Georg Feuchter, Stammvater des Geschlechts derer von Feuchtersleben, ist Pfarrer in Bürden.


1721/22

Der aus Zürich stammende Geistliche Jean Caspar Schneider, ein bedeutender reformierter Geistlicher, leitet den Kirchenbau der Französisch-Reformierten Kirche (heutige katholische Kirche St. Leopold).


1721 – 1826

Es gibt 12 Freihäuser (steuerfrei), die dem fürstlichen/herzoglichen Hof bei Bedarf für Einquartierungen von Gästen zur Verfügung gestellt werden müssen (z. B. Ortleppsches Haus, Brunnquellsches Haus, Habermannsches Haus).

21. April 1721
Per Dekret Herzog Ernst Friedrichs I. wird eine lutherische Gemeinde in der Neustadt gegründet, denn dort siedeln neben Hugenotten auch Einheimische.
Vorerst bis zum Bau der Waisenkirche (heute: Apostelkirche) nutzt die lutherische Kirchgemeinde den Kirchsaal des 1720 erbauten Waisenhauses. Die als Waiseninspektoren angestellten Kandidaten der Theologie halten dienstags und donnerstags Betstunden.
Von 1721 – 1723 ist Johann Samuel Mahn Pfarrer der Gemeinde in der Neustadt.

1721. Briefe (Geldsendungen) aus Leipzig und London an den französische-reformierten Pfarrer Johann Caspar Schneider, der in Holland, England und Frankreich vor allem für den Kirchenbau den beachtlichen Geldbetrag von 4.000 Talern organisiert hat.

1721
Die Reformierten bauen ein Gemeinde-, Pfarr- und Logierhaus (heutige Dr.-Wilhelm-Külz-Straße 15), das 1810 an die herzogliche Regierung kommt, bis 1820 wird es als Kaserne genutzt. Das Gebäude wird der Stadt überschrieben und erweitert, ab 1840 als Krankenhaus, ab 1876 als Kreiskrankenhaus genutzt, später u. a. als Finanzamt und in jüngerer Vergangenheit mit Teilnutzung als Wohnhaus.

„Sie haben einen Prediger, der den Gottesdienst wechselweise in teutscher und französischer Sprache hält, und einen Cantor, der die Kinder der Französischen Glieder informiret, die Teutschen bedienen sich der Stadtschulen.“
(Nach: J. W. Krauß)

5. Mai 1721

Grundsteinlegung für den Bau der reformierten Kirche in der Neustadt (ab 1829 katholische Kirche) durch den Oberbaudirektor Bartolomeo Lucchese.


21. Juli 1721

† Amandus Gotthold Fehmel (Dr. theol.), Hildburghausen – 
(* 30.07.1688, Leipnitz b. Meißen) Theologe, Gymnasialdirektor
Einer der begabtesten Theologen in der Geschichte der Stadt, 1712 Direktor der vom Domkapitel Brandenburg errichteten Ritterakademie, in Hildburghausen 1714 Direktor des Gymnasiums academicum, promoviert 1717 auf Kosten des Herzogs, seit 1719 Generalsuperintendent.


1721

Wendel Weißbrod erbaut in Häselrieth eine Mahl- und Ölmühle, die 1750 an Heinrich Hopf kommt.


13. Dezember 1721

Reskript. Die Gemeinde Wallrabs kommt zur neugegründeten Neustädter Pfarrei, Birkenfeld und die Vorstädte verbleiben bei der Stadtkirche (Christuskirche).


1721

In Hildburghausen wird ein zweistöckiges Ballhaus errichtet (heutiges Stadttheater).
Auf der Zeichnung (Kupferstichausschnitt aus dem Plan von J. B. Homan) sind im Erdgeschoss sieben hohe Arkadenbögen zu sehen und im Obergeschoss sieben große Fensteröffnungen (genau über den Arkaden). Genutzt wurde es für Ballspiele, für gymnastische Übungen, aber auch als Fechtboden. Die Grundfläche beträgt 12 m mal 33 m.


1722

Bau des Pfarrhauses in der Neustadt (sog. Claperédisches Haus). Bis zu diesem Zeitpunkt wohnen die Geistlichen im Waisenhaus. Der Pfarrer zieht erst 1746 ein. Heute ist das Gebäude u. a. Sitz der Superintendentur Hildburghausen-Eisfeld. Über der Tür sind bourbonische Lilien eingemeißelt.


31. Juli 1722

Weihe der Französisch-Reformierten Kirche. Das sich von Westen nach Osten erstreckende Achteck (Oktogon) hat für die kleine Gemeinde die stattlichen Maße von 22 m Länge, 14 m Breite, 9 m Höhe, 355 m² Grundfläche, 20 m Dachfirsthöhe, 27 m Turmhöhe bis zum Turmknopf. Der Schlussstein neben dem Südportal hat das herzogliche Wappen mit den Initialen E. F. (Ernst Friedrich I.).
Der Kirchweihpredigt des Pfarrers J. C. Schneider folgt niemand des herzoglichen Konsistoriums, lediglich der Französisch-Professor des Gymnasiums academicum ist anwesend.
Bis zum Zeitpunkt wird der Gottesdienst in einem Privathaus gehalten, die Sakramente werden in der Hofkirche vollzogen.
Erste Geistliche sind: Philipe Cregut (1714), Salomon Frederic Ullrich (1716 – 1721), Jean Caspar Schneider (1721 – 1728).
Der Altar steht in der Mitte, um ihn herum befinden sich in Kreisform die Bänke, die Orgel ist über dem Ostportal angebracht, die Empore reicht rings um das Kircheninnere.


Das Nordportal des einstigen Tempels der Hugenotten, 1829 von Katholiken erworben, ziert das „Große Sächsische Wappen“ mit Fürstenhut, Ordenskette und Palmwedel mit der Jahreszahl 1722. Das Zeichen des Dankes für Herzog Ernst Friedrich I. ist mit den Worten eingemeißelt worden:
PRINCEPS HIC LEGUM, SANTIS CUSTODIBUS ORTUS
PRAECLARIS ARMIS, NOSCITUR HISCE SUIS
HI TU NUNC LAPIDES, PRINCIPS BENEFACTA CIEBUNT
HEIC SANCTI AD COLEUM TE QUOQE LADE FERENT.
(HIER WIR DER FÜRST DER GESETZE, ENTSPROSSEN VON HEILIGEN SCHÜTZERN,
AN SEINEN EIGENEN TREFFLICHEN WAFFEN ERKANNT. DIE STEINE WERDEN JETZT,
OH FÜRST, DEINE GUTTATEN VERKÜNDEN, UND HIER WERDEN SIE, GEHEILIGT, ZUM HIMMEL FROH DICH AUCH TRAGEN.)

Die Reformierte Kirche (heute: katholische Kirche) und das 1900 erbaute katholische Pfarrhaus
(Dr.-Wilhelm-Külz-Straße) in der ehemaligen Hugenottensiedlung.
Historische Ansichtskarte um 1908.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

20. August 1722
Der Schafteich am Sandberg wird von Herzog Ernst Friedrich I. für 350 Gulden an die Stadt verkauft. Der flache Teich verlandet leicht und wird beispielsweise zur Quellenfreilegung 1893 ausgeschachtet.


26. September 1722

„Zum Nutzen und Beförderung sowie der Stadt Besten" wird in der Neustadt, der Siedlung der französischen Flüchtlinge, die Christmesse veranstaltet, die sich bis ca. 1860 zu einem Höhepunkt des Marktgeschehens entwickelt und bis 1920 Bestand hat. Anfangs dauert die Messe acht Tage, später wird sie auf die Zeit vom 17. – 19.12. verkürzt.


1722

Unter 153 Todesfällen in Hildburghausen sind 111 Kinder registriert, die an Blattern sterben.


1722

Eine „Pest-Seuche“ wird aus Dalmatien und Frankreich eingeschleppt, von der das Rindvieh befallen wird.

Die Bauern sind angehalten, die Eiterblasen auf der Zunge der Tiere abzukratzen, dann mit Salz, Pfeffer und Knoblauch einzureiben.

1723

Mit dem Tod des kinderlosen Herzogs Albrecht v. S.-Coburg und dem Aussterben der Coburger Linie kommt es zu Erbstreitigkeiten, die erst 1735 enden. Das Amt Sonneberg fällt an Meiningen, ein Großteil des Besitzes geht an das Fürstentum Saalfeld, daher Coburg-Saalfeld. Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Meiningen tauschen Gebiete. Meiningen erhält von Hildburghausen 1/2 Amt Schalkau, Hildburghausen die Grabfelddörfer Queienfeld, Rentwertshausen, Schwickershausen und den ehemaligen hennebergischen Teil Berkachs. Sie werden dem Amt Behrungen zugeteilt, die Pfarrei Behrungen wird zur Adjunktur erhoben.


4. Mai 1724

Ein Edikt des französischen Königs bedroht die Ausübung einer anderen Religion als die röm.-kath. mit der Galeeren- bzw. Todesstrafe. Chronisten berichten, dass einzelne Jugendliche aus den inzwischen in Hildburghausen ansässigen französischen Familien heimlich und unter Lebensgefahr ihre einstige Heimat und die Orte ihres Glaubens in Südfrankreich aufsuchen.


11. Juli 1724

Kurz nach Unterzeichnung des Erbteilungsvertrags von 1723 will ihn Sachsen-Hildburghausen rückgängig machen und das Amt Schalkau wieder nach Hildburghausen holen. Prinz Joseph zettelt eine militärische Auseinandersetzung an. Schalkau wird von Meininger Truppen eingenommen. Weil das zur Zeit der Kirschenernte geschieht, wird der unrühmliche Streit Schalkauer Kirschenkrieg genannt.


1724

In der Neustadt Hildburghausen stehen 48 Häuser.


28. November 1724

Erstes Dresdner Mandat gegen die Ausprägung geringhaltiger Münzen in Sachsen-Hildburghausen, betroffen sind die Groschen von 1716.


Die schlechte Qualität der Hildburghäuser Münzen über lange Zeiträume ist im Reich sprichwörtlich. Noch in dem 1811 erschienenen berühmten Schatzkästlein des rheinischen Hausfreunds (Anekdoten und Kalendergeschichten) lässt der Erzähler und Lyriker Johann Peter Hebel (1760 – 1826) in der Anekdote Die zwei Postillione einen Schwager (Postillion) sagen: „Ich führe einen honetten Herrn, keinen Pfennigschaber wie der, dem seine Sechsbatzenstücke aussehen wie Hildburghäuser Groschen."


Münz- und Medaillenprägungen unter Herzog Ernst Friedrich I.

Doppelgroschen:................... 1717..(4xArten),x1718x(3xArten)...............................
Groschen: 1715, 1716
Sechspfennig 1716
Dreipfennig: 1716, 1717
Heller:  1716, 1717
Batzen:  1719
Medaillen:   1716 auf die Schwarzenbrunner Goldwäsche, (Ag)
1717 auf das 200-jährige Reformationsjubiläum (Au) – Halbdukat/(Ag), Halbgroschen auf das Reformationsjubiläum, Medaille aus gleichem Anlass der Stadt Heldburg (Ag)
1724 auf seinen Tod (Ag)

Herzog Ernst Friedrich II.
Regierungszeit:   1724 – 1745
(* 17.12.1707, Veste Heldburg – † 13.08.1745, Hildburghausen),
Sohn von Herzog Ernst Friedrich I.
∞ 19.06.1726 mit Caroline (* 29.09.1700 - † 07.05.1758), Tochter des Grafen Philipp Carl von Erbach-Fürstenau
Er regiert bis 17.12.1728 unter Vormundschaft seiner Mutter Sophia Albertina, die wesentlich zur finanziellen Stabilität des Staats beiträgt.

13. Mai 1725

Churbayerisches Patent verruft Hildburghausen Münzen als minderwertig: Doppelgroschen bis 1718 und Ausbeutebatzen von 1719. Weitere Verrufe folgen.
Eine kaiserliche Kommission untersucht erstmals den Schuldenstand des Fürstentums.

1725. Handschriftlicher Einlieferungsschein über einen Brief von Hildburghausen nach Wien. Einer der ältesten bekannten Postscheine überhaupt. Er ist unterzeichnet von Johann Caspar Habermann, der von 1713 bis 1727 Posthalter der Reichs- und der Sächsischen Post gewesen ist. Die Post ist zum Zeitpunkt im Postheim untergebracht, später „Gasthof zum Erbprinzen“ genannt, ab 1889 „Gasthaus zur Fränkischen Leuchte“, heute „Eiscafé Pizzeria Firenze“.

1725
Es kommt wegen der in Hildburghausen lebenden Juden zu einem Rechtsstreit. Der Stadtrat ist der Meinung, dass er das Schutzgeld für die Juden erheben dürfe (Gesuch vom 22.02.1725). Der Landesherr lehnt ab, weil die Verhältnisse durch entsprechende Landesordnungen geregelt seien.


Die Hallenser Juristenfakultät stellt in einem Gutachten vom 17.10.1726 fest, „daß der Leibzoll zur Zeit des verliehenen Privilegs (s. 1331) zu den kaiserlichen Reservatrechten gehörte und nur den Churfürsten als ein Vorrecht vom Kaiser eingeräumt worden sei und der Churfürst von Mainz als der Juden Obrister, Richter und Schutzherr auch den Leibzoll von den Juden durch das ganze Reich als von Kaisers und Reichs wegen ihm unterworfenen Kammerknechten gezogen habe, während andere Reichsfürsten und so auch Graf Berthold die Juden auch ihre Kammerknechte genannt. Ferner sei der Stadt Hildburghausen, da ihr die Hälfte an Zöllen überhaupt eingeräumt war, auch der Leibzoll der innewohnenden Juden zuzugestehen. Jeder auswärts wohnende Jude, der ein- und ausging, hatte 3 Groschen zu Pferd und 9 Pfg. zu Fuß zu zahlen. Solchen Bescheid freuten sich nun die Bürger um so mehr, als bis dahin die Juden weder der Landesherrschaft noch dem Stadtrat etwas Erhebliches contribiert, durch ihren Handel und Wandel aber der Bürgerschaft viel weggenommen. Schließlich bestand für den Hildburghäuser Rat die prätendierte Judenabgabe nur in Frohn- und Wachtgeld, während die Herrschaft 6 fl. und später 12 fl fr. pro Jahr von jedem Vermögenderen an Schutzgeld erhob.“
(Human: Geschichte der Juden im Herzogtum S.-Meiningen-Hildburghausen. – 1898, S. 21)

8./9. Juli 1725

29 der schönsten bewohnbaren Häuser sowie Seiten- und Hintergebäude der Innenstadt fallen einer Brandkatastrophe zum Opfer (Obere und Untere Braugasse, Salzmarkt, bis Knappengasse). Der Brand kann sich ausbreiten, weil die Befehlenden und die Löschkräfte bei der Feuerbekämpfung versagen. Feuerlöschhilfe kommt aus den Nachbargemeinden und aus Themar, Schleusingen, Römhild, Rodach. Nach der Katastrophe werden strengere Feuerverhütungsvorschriften erlassen.


1726

Drei der wichtigsten Professoren der Ritterakademie (Gymnasium academicum) verlassen nach dem Brand die Stadt.


1726

In der Stadt leben zwölf jüdische Familien (Schutzjuden), u. a. der aus Holland stammende Hoffaktor Frank.


22. Mai 1726

Nach einem Edikt müssen alle feilgebotenen Viktualien (Lebensmittel) zuerst der Hofküche angeboten werden.


19. Juni 1726

Ernst Friedrich II. lässt das Schloss Eisfeld als Wittum für seine Gemahlin Caroline ausbauen (Gräfin Caroline v. Erbach-Fürstenau stammt aus einem alten reichsständischen Herrengeschlecht). Ferner wird für sie die Karolinenburg erbaut, und der Herzog überlässt ihr das Kammergut Neuhof b. Heldburg (ehemaliges Burg- oder Schlossgut der Veste Heldburg).


1726

Missernte.


1728

Die Thurn und Taxissche Postanstalt wird zum Kaiserlichen Reichspostamt erhoben.


1. April 1729

Die Juden werden aus der Stadt verwiesen, sie sollen im Land siedeln. Wenig später wird der Erlass zurückgenommen, u. a. wird gefordert, in einem Privathaus Gottesdienst zu halten und die Neustadt mit aufzubauen. An letzterer Aufgabe nehmen sie nicht teil, das fordert den Unmut der Bürger der Stadt heraus.


17. August 1729

Sophia Albertina (Gemahlin Herzog Ernst Friedrichs I. und Mutter des regierenden Herzogs) veräußert Felder, Wiesen, die Schäferei und Gebäude (ausgenommen das Lustschloss) in Sophienthal für 6.200 Gulden an die Gemeinden Stressenhausen und Steinfeld.
Das Schloss wird wenig später abgebrochen und das Material zum Bau des Bedheimer Schlosses verwendet. Für die 16 Acker Wiesen an der Werra werden 18 Acker Wiesen bzw. der Stressenhäuser Teich mit Frühlings- und Herbsthut den Gemeinden mit einigen Steuervergünstigungen überlassen.

1729

Das Gymnasium academicum wird geschlossen. Die wissenschaftliche Vorbereitung für das Universitätsstudium wird wieder der Ratsschule übertragen.

1729

Die jüdische Kultusgemeinde in der Unteren Marktstraße besitzt einen Raum für Gottesdienste, schulische und religiöse Unterweisungen für Kinder. Erster Parnes (Gemeindevorsteher einer jüdischen Gemeinde) ist 1731 Simon Moses.


1730

Oberkassenmeister Wilhelm Brunnquell wird zum Kaiserlichen Postmeister ernannt.


1730

In den Birkenfelder Hutakten wird auf dem Krautberg, nahe dem Birkenfelder Grund, die Große Buche erwähnt, später wird sie Kaiserbuche genannt.
Der vermutlich aus der Zeit um 1500 stammende Baum hat um 1900 eine Stammhöhe von 16 m und einen Durchmesser von 1,53 m, in einigen Quellen wird auch ein Stammumfang von ca. 7 m angegeben. 2006 sind nur noch geringe Reste des abgestorbenen Stammes erhalten.


24. April 1730

Andreas Korneffer aus Streufdorf entzieht sich nach Unterschriftsleistung den preußischen Rekrutenwerbern und wird während der Feldarbeit von Johann Faber, Grenadier des Hildburghäuser herzoglichen Landregiments, erschossen.
(Sage „Das Ackersteinkreuz am Strauf“)

1730

In Ebenhards ist ein Zeugmacher als Lehrer tätig, in Häselrieth ein ehemaliger Soldat.


20. Dezember 1730

Den Juden wird das Recht eingeräumt, im gesamten Land zu siedeln mit der Aufforderung, sie sollen ehrlich und redlich sein, ehrbare und redliche Kaufmannschaft, Handel und Gewerbe treiben.
Es sei ihnen gestattet, „Rabbiner, Schulmeister und Vorsänger zu halten, von ausgeliehenem Kapital 6 % Zins zu nehmen, Sabbatsmägde zu halten und zum Herbst ihr Fleisch einzuschlachten. Selbst von herrschaftlichen Beschwerden waren sie befreit und fremde Juden, die zu Hochzeiten, Beschneidung und Begräbnisfeier in die Stadt gerufen wurden, waren auch vom Leibzoll frei. So wurden sie wie christliche Unterthanen angesehen. Dagegen war ihnen verboten, die Christen mit übermäßigem Wucher zu belasten, Betteljuden unter sich zu dulden, in der Synagoge Christum zu lästern, gestohlene Sachen zu kaufen und in der Altstadt zu wohnen“.
(Human: Geschichte der Juden im Herzogtum S.-Meiningen-Hildburghausen. – 1898, S. 21)

Um 1730

Das Gartenhaus unter dem Absatz nahe der St.-Lorenz-Kirche wird erbaut (später Orangerie, Hofgärtnerei; heute: Stadtverwaltung).

Sachsenburg, heute Sitz der Stadtverwaltung.
Lithografie der „Dorfzeitung“, um 1900

1731
Missernte und verheerende Viehseuchen in der Region.


2. bis 10. August 1732

Nach dem niedergeschlagenen Glaubensaufstand des protestantischen Salzbunds wird vom Salzburger Erzbischof Leopold Graf v. Firmian das Emigrationspatent (1731) erlassen, und ca. 30.000 Salzburger Protestanten werden ihres Glaubens wegen ihrer Heimat beraubt. Sie ziehen auf dem Weg ins Preußische u. a. durch das heutige Kreisgebiet: 02.08. = 800 Personen, 05.08. = 940 aus Richtung Schleusingen, 10.08. von Bamberg = 894. Der armselige Tross wird jeweils ein bis drei Tage verpflegt und genießt den Schutz der Einheimischen. Etwa 20 Personen verbleiben hier, aber auch in Heldburg, Streufdorf und Westhausen. Einige Emigranten schließen sich der Hugenottengemeinde in der Hildburghäuser Neustadt an.

Das Trauregister vermerkt: „Georg Thurner, ein lediger Gesell oder Bua nach ihrer Sprache und Salzburgischer Emigrant, ist auf unterthänigstes Nachsuchen iussu Serenissimi (auf Befehl des Herzogs, d. Verf.) von mir in der Stadtkirchen mit seiner Verlobten Maria Reißlin, auch noch ledigen Standes bey ihrem Durchmarsch am 5. August öffentlich, unserer löblichen Kirchsordnung gemäß, getraut und in den heil. Ehestand eingesegnet worden. Beyder Personen sind aus Radstatt, einem Salzburgischen Stättlein 10 Meilen hinter Salzburg.“
(s. auch 1591)

22. Oktober 1732

Patent Herzog Ernst Friedrichs II., dass Feuer gegeben werden darf, wenn ein Untertan in der fürstlichen Wildbahn bzw. in Jagdrevieren mit Schlingenstellen ertappt wird bzw. sich mit Flinten und Hunden zeigt. Töten von Fasanen in Sophienthal, in Bedheim sowie in Friedenthal wird mit Todesstrafe bedroht.
Die Jagdleidenschaften des Adels nehmen skurrile Formen an. Neben den reichen Tierbeständen in der Natur, die vor allem die Ernteergebnisse der Bauern mindern, werden zusätzlich Tiergärten angelegt: Friedrichsanfang, Stadtberg bis Kanal, Federwildzucht in Sophienthal, Friedenthal und Bedheim usw. Neben Hetzjagden wird eine Vielzahl an Prunkjagden nach französischem Hofzeremoniell veranstaltet.

1734

Die St.-Niclas-Kapelle, die bei der 1. Generalvisitation 1528 zum Abriss freigegeben worden ist, dient bis zum Zeitpunkt als Seuchen- und Aussätzigenhaus. Herzog Ernst Friedrich II. lässt das Gebäude abreißen. Das Baumaterial wird für die Waisenkirche verwendet (Apostelkirche).


29. Juli 1735

Nach dem Tod Herzog Johann Ernst v. Sachsen-Saalfeld († 1729) gibt es um Sachsen-Saalfeld erbitterten Streit zwischen den regierenden Söhnen, den Halbbrüdern Christian Ernst v. Sachsen-Coburg-Saalfeld und Franz Josias v. Sachsen-Coburg-Saalfeld. Im Zuge der Erbauseinandersetzungen erhält Hildburghausen das Amt Sonnefeld (heute: östlicher Landkreis Coburg).


1735

Einrichtung einer Versicherung gegen Unwetter.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gibt es bereits Versicherungen gegen Vermögensverluste.


1736

Erlass des Herzogs: „Das vielfache Raisonieren (Lärmen od. Schimpfen, d. Verf.) der Unterthanen wird hiermit bei halbjähriger Zuchthausstrafe verboten und haben die Beamten solches anzuzeigen. Maßen das Regiment von Uns und nicht von den Bürgern und Bauern abhängt und Wir keine Raisonneurs zu Unterthanen haben wollen.“

Die Untertanen des Duodezfürstentums werden in zeitgenössisch üblicher feudalabsolutistischer Manier diffamiert, selbst die sog. gebildeten Stände werden mit Polizeimaßnahmen eingeschüchtert und jeder Liberalismus energisch im Keim erstickt. Das Denunziantentum wird gefördert.

1736

Heller-Ausprägung der Hildburghäuser Münze in bedeutender Menge. Kursachsen wird mit dieser Münze förmlich überschwemmt. Kurfürst Friedrich August II. führt am 24.04.1737 dagegen Beschwerde und findet sich mit der Erklärung der Regierung ab, dass Bedarf für diese Münze vorhanden sei.


1737

Prinz Joseph v. Sachsen-Hildburghausen, erfolgreicher Feldherr und Generalfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unter Kaiserin Maria Theresia, organisiert an der Reichsgrenze den Schutz gegen die Türken. Kaiser Karl VI. schätzt die Leistungen seines Heerführers hoch ein.


1738

Verkauf von Nahrungsmitteln ist nur auf den Wochenmärkten zugelassen. Wer sie vorher in den Dörfern oder auf den Straßen bzw. in den Häusern direkt verkauft, wird mit 5 Gulden bestraft.


1738

In Suhl wird das Buch des Stressenhäuser Pfarrers, Magister Johann Wilhelm Pistorius, gedruckt: Der Entlarvte H. Christ, Das ist: Deutliche Erörterung des schändlichen Unfugs, welches um die Heil. Weihnacht-Zeit an manchen Orten getrieben zu werden pflegt.

Das 122-seitige Buch ist an die Bürgermeister und Stadträte von Hildburghausen und Eisfeld gerichtet. Es zieht gegen die sog. Nikolausumläufe und Weihnachtsaufzüge und den christlich verbrämten Mummenschanz zu Felde.

Selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird oft ein ähnliches Treiben zu den Jahreszeiten od. Festtagen begangen. Meist ist es tatsächlich übler Mummenschanz und Schabernack, der bis hin zum Kult tendiert. Die oft rüden und vielfach mit Alkoholexzessen verbundenen Festivitäten werden heute mitunter noch als pflegenswertes Brauchtum gefördert. Mit wahrem Brauchtum bzw. Volkskultur haben sie aber wohl kaum etwas zu tun.


4. Februar 1740

Fürstliches Edikt, Schlachtvieh muss zuerst dem fürstlichen Hof angeboten werden.
 

1740
Der weit verbreitete Hildburghäuser Geschichtskalender erscheint, in ihm ist u. a. zu lesen und „... wann man gut zur Ader lassen könne, gut schröpfe und Kinder entwöhne, gut purgire (reinigen, d. Verf.), Arznei brauche, säe, pflanze und Holz fälle“.


1740

Herzog Ernst Friedrich II. lässt das Lustschlösschen Monbijou („Mein Kleinod“) erbauen (vermutlich eine verkleinerte Nachbildung des Schlosses vor dem Tor in Berlin-Spandau), Standort heutige Schlosspark-Passage. Das Schloss wird abgetragen. Zwei Türen sind in die Sendelbachsche Restauration (heute: Dr.-Elise-Pampe-Heim) und in das Radefeldsche Haus eingebaut worden. Letztere Tür ist zu DDR-Zeiten in Privathand gelangt und somit vermutlich auch vor dem Verfall bzw. der Vernichtung bewahrt worden.


Dotzauer beschreibt: „... ein nicht gar zu großes, von Stein erbautes Haus, auf der einen Seite mit einem Blumengärtchen eingefaßt, das der Freifrau von Wolzogen, Oberhofmeisterin der Herzogin, gehörte und nicht nur wegen seiner geschmackvollen, feinen Einrichtung und schönen, das Auge erquickenden Aussicht merkwürdig war, sondern vorzüglich wegen des im Seitenkabinett linker Hand vortrefflich angebrachten Denkmale der Gnade und Freundschaft der Mutter der Herzogin, Friedericke Caroline Louise ...“


1740

Der Turm der Häselriether Kirche bekommt sein heutiges Aussehen (eine doppelte welsche Haube), er wird um 15 Henneberger Fuß erhöht (Turmoberbau). Die Arbeiten werden von einem Hildburghäuser Zimmermann ausgeführt. Der Kirchturmknopf wird am 17.06.1741 aufgesetzt.


1740

Die Kirche in Gerhardtsgereuth erhält ihre jetzige Gestalt. Kirche und Schule für Neuendambach befinden sich in Gerhardtsgereuth.

Das Amt Hildburghausen. Kartenausschnitt von Reily, um 1740
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1740
Gründung einer Freimaurerloge mit dem Namen Erneste (vermutlich 7. deutsche Logengründung überhaupt. Über die Existenz dieser Loge ist kaum etwas bekannt).


17. Mai 1741

Der Hofkoch Elias Zimmermann wird in Sophienthal von einem kurpfälzischen Gardesoldaten tödlich verwundet.


4. September 1742

† Herzogin Sophia Albertina auf ihrem Witwensitz Eisfeld. Nach ihr sind die Orte Sophienau und Sophienthal im Landkreis Hildburghausen benannt. Die Herzogin übt bis 17.12.1728 die Vormundschaft über den unmündigen Herzog Ernst Friedrich II. aus. Mit einer gezielten und klugen Sparpolitik kann sie die Schuldenlast des Fürstentums von 300.000 auf 50.000 Gulden mindern. Hofbedienstete werden entlassen, die fürstliche Garde abgeschafft, Steuern werden von 16 auf 8 reduziert, der Erbprinz muss mit seiner jungen Frau für 6.000 Gulden im Ausland inkognito leben, die wertvolle Bibliothek wird meistbietend verkauft, bei weltlichen Beamten wird das Gehalt gekürzt, der reformierte Pfarrer Johann Caspar Schneider wird nicht mehr besoldet usw.


5. Januar 1743

Die Juden werden des Landes verwiesen, weil angeblich Ende 1742 ein Jude über das Familienleben des Herzogs in der Öffentlichkeit geredet habe. Der Beschluss wird aber nicht mit Konsequenz durchgesetzt, u. a. stehen auch christliche Bürger für die Juden ein.

Der jüdische Friedhof in Friedrichsanfang/Weitersroda
Foto: Hans-Jürgen Salier, 9. Februar 1997

1743
Wegen angeblich unlauterer Geschäfte beim Tuch-, Hausier- und Viehhandel werden die Juden aus dem Land gejagt. In Streufdorf bewirft man sie mit Steinen und Kot.


9. Mai 1743

Der einstige Generalwachtmeister der österreichischen Armee, Ludwig Friedrich Prinz von Sachsen-Hildburghausen, steht seit 1742 während des österreichischen Erbfolgekrieges als Oberbefehlshaber sämtlicher bayerischer Truppen auf Bayerns Seite und ist Kommandant der als Festung ausgebauten Stadt Braunau am Inn.
Zur Deckung des Münzbedarfs lässt er einseitig geschlagene Münzen (Klippen) mit dem herzoglichen Balkenschild prägen (12 Nominale), die sog. Braunauer Notklippen.
(s. 10.06.1759)

Es ist überliefert dass der Hildburghäuser Prinz als Generalfeldzeugmeister und Kommandierender Befehlshaber in Braunau für die Editon der Notmünzen Tafel-, Kirchen- und Innungssilber konfisziert hat. Die Umschrift ist wiederholt geändert worden:
AVXILIVM A NOBIS, IM – VF (Hilfe für uns / Im Vertrauen fest). 

Doppeldukat, 1943 (aus: Hollmann, S. 43)

Braunauer Notklippe – 1 Kreuzer, 1743

1743
Gründung einer Hofbuchhandlung in Hildburghausen, die 1788 mit der Druckerei vereinigt wird.


1744

Friedrich Habermann wird Kaiserlicher Postmeister (Thurn und Taxis). Er, seine Vor- und Nachfahren verwalten auch die Posthalterei.


16. September 1745

† Johann Wilhelm Wagner, Heldburg – (* 1681). Er wird zu astronomischen Beobachtungen zu Baron v. Krosigk nach Berlin berufen, dann wird er Astronom an der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1720 – 1725 Lehrtätigkeit am Gymnasium Hildburghausen, zurück nach Berlin, Prof. der Baukunst an der Malerakademie und Bibliothekar der Akademie der Wissenschaften.


1745
(?)
Im Römhilder Tor (ca. 40 m hoch) soll ein zum Tode verurteilter Räuber im zweiten Stockwerk des Gefängnistrakts ein Lexikon der Gaunersprache in fünf Bänden verfasst haben.


1745

Münz- und Medaillenprägungen unter Herzog Ernst Friedrich II.
Heller:                                   1736
Medaillen:                           1707 auf seine Geburt (Ag, Sn),
                                              1724 auf die Obervormundschaftsregentin Sophia Albertina (Ag)
Braunauer Notklippen     (unter Prinz Ludwig Friedrich) 1743 (12 Nominale)

1724 – 1745
Prägungen Prinz Ludwig Friedrich von Sachsen-Hildburghausen
Medaillen:                    1707 auf seine Geburt (Ag und Sn)
                                      1724 auf die Obervormundschaftsregentin Sophie Albertine (Ag)
Heller:                           1736
Braunauer Notklippen (12 Nominale) 

Ernst Friedrich III. Carl Herzog von Sachsen-Hildburghausen
Regierungszeit: 1745 – 1780
(* 10.06.1727, Königsberg in Franken – † 23.09.1780, Jagdschloss Seidingstadt
Bis 1748 unter Vormundschaft seiner Mutter Caroline.

Ernst Friedrich III. Carl Herzog von Sachsen-Hildburghausen.
Gemälde von Johann Valentin Tischbein (1715 – 1768) aus dem Jahr 1765

1746
In der Homänischen Landkarten-Offizin in Nürnberg erscheint ein Kupferstich Plan der Hoch-Fürstlichen Residenz-Stadt Hildburghausen.


1746

Bis zum Zeitpunkt wohnt der Geistliche der Neustädter Gemeinde im Waisenhaus und bezieht das Haus von Pierre Claperéde. Anfangs ist dort eine Porzellanfabrikation untergebracht, die aber keinen wirtschaftlichen Erfolg hat (heute: Ev.-luth. Pfarrhaus bzw. Superintendentur Hildburghausen-Eisfeld, Schleusinger Straße 19).


17. Dezember 1746

† Johann Christoph Hommel, Hildburghausen – (* 13.09.1685, Weißenfels)
Theologe
Inspektor des theologischen Seminars in Eisenach, Generalsuperintendent in Hildburghausen. Er macht in seiner Zeit von sich Reden, weil er einen Juden, eine Jüdin und den aus einer dänischen Kolonie in Südamerika stammenden Hofmohren zum Evangelium bekehrt und tauft.


21. März 1747
(andere Quellen auch 21.04.)
† Georg Paul Hönn, Coburg (Dr. jur.) – (* 12.06.1662, Nürnberg).
Regierungsadvokat, Amtmann, Leiter der Schulbehörde, Gründer von Waisenhäusern in Coburg und Meiningen, Archivar und Historiker
Wirkt in Coburg und zeitweise in Meiningen, Verfasser der historisch wertvollen Bücher Betrugs-Lexicon und Sachsen=Coburgische Historia in zweyen Büchern (1724 u. 1730).

18. Oktober 1748

Das Reglement für das Landregiment wird wiederholt. Auf Meuterei steht weiterhin Lebensstrafe.
Unter Ernst Friedrich III. Carl existiert ein Gardebataillon mit 50 Mann (zumeist Hofschranzen) in vier Kompanien, lediglich die Soldaten fehlen in der „Operettenarmee“. Insgesamt werden 400 prachtvolle Uniformen gefertigt. Durch Werbung werden 140 Mann eingestellt. Es kommen jedoch nie mehr als 40 Mann hinzu. Bis 1766 gibt es kaum eine Ausbildung oder einen geregelten Dienst. Für ein Artilleriekorps von 80 Mann werden ebenfalls herrliche Uniformen hergestellt, die aber alsbald Opfer von Mäusen und Motten werden. Die teuren Kanonen werden wieder eingeschmolzen. Außer der Garde gibt es noch ein Land- oder Kreiskontingent (obligate Soldaten), meist verheiratete Männer aus den Städten und Dörfern des Herzogtums, eine ebenfalls disziplinlose und schlecht ausgebildete und kaum einsatzfähige Truppe. Chronisten berichten, dass die „Armee“ nutzlos herumgelaufen sei.
Einzige Aufgabe der Armee im Fürstentum ist eine Prunk- und Polizeiwache. Die Truppe verschlingt Unsummen an Geld.


25. November 1748

Gründung der Freimaurerloge S. Ernestus (Patent v. 25.11.1755, zu diesem Anlass wird eine Freimaurermedaille geprägt, s. dort). Vermutlich geht die Loge mit dem Tod des Herzogs Ernst Friedrich III. Carl ein, weil sich der Vormundschaftsregent für den Erbprinzen Friedrich, Prinz Joseph, ihrer nicht annimmt.


1749

Die Schulturmuhr in Häselrieth wird in den Kirchturm eingesetzt. Sie bleibt jedoch Eigentum der Gemeinde.


1. Oktober 1749

Herzog Ernst Friedrich III. Carls Eheschließung mit Louise, Tochter König Christians v. Dänemark (Erbprinzessin zu Dänemark und Norwegen und Herzogin v. Schleswig).

Ernst Friedrich III. Carl stiftet aus diesem Anlass den Orden vom Glücklichen Bunde (L' ordre de l'heureuse allianca). Den Orden gibt es in einer Klasse, er wird an Generäle, Stabsoffiziere, geheime Staatsräte, Kammerherren und höhere Hofchargen vergeben. Die Erbprinzessin hält am 22.11.1749 in Hildburghausen Einzug. Der Orden erlischt mit dem Tod von Louise, der Erbprinzessin von Dänemark und Norwegen sowie Herzogin von Sachsen-Hildburghausen, im Jahr 1756. Originalstücke des Ordens sind nicht mehr auffindbar.

„L' ordre de l'heureuse allianca“ („Orden vom Glücklichen Bunde“),
gestiftet von Herzog Ernst Friedrich III. Carl von Sachsen-Hildburghausen,
Kreuz mit Band und Rückseite 1749 – 1756.
Rekonstruktion von Fritz G. Illing, Suhl, in seinem Buch „Orden und Ehrenzeichen der Staaten Thüringens 1590 – 1935“. –Verlag Frankenschwelle Hans J. Salier, Hildburghausen, 1994, S. 87

Die Erbprinzessin (nach vergeblichen Versuchen, sie zu verheiraten, und einer bürgerlichen Liebesaffäre) bringt in die Ehe als Mitgift die gewaltige Summe von 100.000 Speciestaler ein sowie eine Apanage für fünf Jahre von 5.000 Talern. Die Geldsummen sind jedoch kaum zur Tilgung des enormen Schuldenberges des Fürstentums Sachsen-Hildburghausen genommen worden. Der Herzog führt für seine Verhältnisse weiterhin ein außerordentlich luxuriöses Leben. 

Carl Barth überzeichnet nicht satirisch, wenn er das höfische Leben bloßstellt:
„Des Herzogs Ernst Friedrich Carl erste Gemahlin, eine königliche Prinzessin von Dänemark, war mit königlichem Aufwand eingezogen. Die Stadt sah mit Stolz die goldgeblechten Heiducken neben, die Läufer mit großen silberbeschlagenen Stücken, Hetzpeitschen oder Fackeln vor den vergoldeten, mit Spiegelscheiben um und um besetzten Prachtcarossen durch die Straßen eilen. Große solenne (feierliche, d. Verf.) Schlittenfahrten, Masken- und andere Bälle, Prachtjagden, Ballette im Theater und hohes Spiel machten die Winterfreuden. Ein zahlreicher Hofstaat, die Blüte der Ritterschaft und die Damen in rauschenden Reifröcken, füllte die Säle, der Laquaien sich drängendes Heer die Vorzimmer, ausgesuchte Pferde von allen Rassen den Marstall, alle Kassen hatten aber viel leeren Raum. Die gewöhnlichen Einnahmen von bürgerlichen Abgaben und Domänenrevenüen (Revenue = Einkommen, Einkünfte, d. Verf.) reichten lange nicht aus. Daher wurden Anleihen gemacht, Juwelen verpfändet, Mühlen, Vorwerke, Meiereien, einzelne fürstliche Gebäude, deren fast in allen Städten und Dörfern sich vorfanden, sowie Stellen, Ämter, Chargen und Titel verkauft; ebenso größere Domänen auf viele Jahre hinaus verpachtet oder verpfändet, zuletzt ganz geringhaltiges Geld durch Juden geschlagen, an welche die Herzogliche Münze um hohe Summe verpachtet wurde. Die einzige Hoffnung wurde noch von den verschiedenen, sich ablösenden Hofalchymisten oder Adepten (ein in Geheimkünste Eingeweihter, d. Verf.) aufrecht erhalten. Goldstück um Goldstück flog in den Souterrains des Schlosses befindlichen Werkstätte in Rauch durch den Schornstein oder fand den Weg in die Taschen der gewandten Magier. Der Fürst arbeitete aufs eifrigste selbst mit, aber obwohl der grüne Löwe manchmal zum Vorschein kam, so wollte doch seine Vermählung mit der geheimnisvollen Jungfrau nicht erfolgen und die Goldtinktur sich so wenig bereiten, als der Stein der Weisen sich bilden lassen. Die Stadt füllte sich mit Juden, Wucherern, Projektemachern, goldbortierten Adepten, die in Samtkleidern einherstolzierten und die hochtrabendste Sprache führten; das Schloß aber wurde immer leerer an Hofherren und Damen, als die Goldsaat, die der freigebige Herr früher um sich zu streuen beliebte und die Hofpracht aufhörten. Endlich wurde der Herzog sogar von schlimmen Ratgebern verleitet, als Niemand mehr borgen wollte, gegen geringe Geldsummen, öfter noch gegen wertlose Schmucksachen sogenannte Cartes blanches auszugeben, mit seiner Namensunterschrift im Voraus gezeichnet, die der Empfänger mit irgend einer beliebigen Summe selbst ausfüllen durfte. So fand sich in kurzer Zeit enorme Schuldenlast und der Hof wurde immer stiller und einsamer, daß die Diener oft die größte Mühe hatten, die notwendigen Requisiten für Küche, Keller, Garderobe auf Borg zu erhalten. Selbst die Gehalte der Staats- wie der Hofdiener wurden längst schon nur selten abschläglich, oft Jahre lang gar nicht bezahlt. Die schlechten Münzen, anfänglich in weiß glänzendem Obergewand fässerweise durch die Juden nach allen Richtungen versandt, kehrten nur zu bald ihr farbiges Unterkleid vor und wurden so verrufen, daß sie reihenweise auf die Tische der Kaufleute festgenagelt wurden.“

Zeitgenossen berichten von einem allgemeinen Sittenverfall, einem leichtsinnigen Leben am Hof. Erwähnt sei der herzogliche Gardist Kius, der in seiner Autobiografie u. a. nach Schilderung vieler Vorgänge zusammenfassend resümiert: "Durch dies und alles andere große Wesen nahm der Staat und alles üppige Wesen überhand, so daß fast kein Mensch in und bei seinem Stande geblieben. Die Jugend wurde durch die Bälle, Komödien und Tänze und andere dergleichen Dinge ganz verdorben, daß sie den Eltern garnicht mehr folgten. Die Großen und Alten wurden, weil bei dem Leben Saufen, Spielen, Huren und Buhlen im Schwange ging, liederlich und leichtsinnig, dabei auch viele nicht allein verdorben und arm geworden sind, sondern dadurch auch Gewissen und Religion verloren, also daß das Christentum bei allen unseren guten geistlichen und ihren guten Lehren und Predigten fast gar erloschen ist.“


Um 1750

Die Kurfürstlich Sächsische Post erhält eine regelmäßige Fahrpost von Erfurt über Ilmenau – Frauenwald – Schleusingen – Hildburghausen – Coburg nach Nürnberg.


1750

Werner Krauß schreibt in seiner Kirchen-, Schul- und Landeshistorie zur St.-Lorenz-Kirche und zum Friedhof: „Um dieselbe herum war vor Alters der Gottes=Acker, wie man weiß, daß bei Mannes Gedenken Grabsteine auf dem Kirchhofe gelegen haben und als man denselben gepflastert, gerade vor dem Eingang der Superintendentur ein Grab eröffnet worden, worinnen ein Mann in langem Habit gelegen, dessen Gestalt aber sogleich in Asche zusammen gefallen, als einer von den Arbeitern unvorsichtigerweise mit der Haue an den Sarg gestoßen. Des Beinhauses wird in einer alten Kasten=Rechnung mit diesen Worten gedacht: Ano Dni millesimo CCC LVII Hermann Tophel hat III ß auf die Tafel, die er machen soll für das Beinhaus. Von diesem Ossario oder Beinhaus hat man bei Erbauung des fürstlichen Gartenhauses“ (heute: Stadtverwaltung hinter der Christuskirche).

Human lässt in seiner Chronik von 1886 auch offen, dass das Beinhaus südlich des Kirchturms der ehemaligen St.-Lorenz-Kirche gelegen haben könnte, d. Verf.) einige deutliche Merkmale gefunden. Ob daneben die Kapelle omnium animarum gestanden, läßt man dahingestellt sein."(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 2)

8. Oktober 1750

* Friedrich Wilhelm Eugen Döll, Kloster Veilsdorf –
(† 30.03.1816, Kloster Veilsdorf)
Seit 1765 Modelleur in Kloster Veilsdorf Bedeutender Bildhauer in Gotha, Freund Goethes. Professor der bildenden Künste.

Hildburghausen 1770. Auf der Grafik ist rechts die 1779 abgebrannte „St.-Lorenz-Kirche“ zu sehen.
Historische Seidenkarte. Hergestellt von der Firma Wehrt, Braunschweig, für den Verlag von Otto Pezoldt, Hildburghausen, 1905

Mitte 18. Jahrhundert
In Unterlagen des Spitals Langenzenn (westlich von Fürth) ist verzeichnet, dass der Hildburghäuser Heinrich Ludwig Neuendorff 33-mal das Spital aufsucht, um seine Almosen abzuholen.


1751 – 1756

Der aus Schlesien stammende Generalsuperintendent Siegmund Basch zeichnet sich auch als Dichter aus. Er gibt ein Gesangbuch in mehreren Auflagen heraus. Von ihm stammt das Kirchenlied „Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen“.


1751

Sonderpostwertzeichen der Österreichischen Post vom 24. Oktober 1974
zum 175. Todestag von Carl Ditters von Dittersdorf.

Carl Ditters v. Dittersdorf (1739 – 1799) tritt als 12-Jähriger seine Tätigkeit als Page bei Prinz Joseph Maria Friedrich Wilhelm Hollandinus v. Sachsen-Hildburghausen am Wiener Hof an.
D. entwickelt sich später als einer der größten Komponisten seiner Zeit. Der Prinz nimmt als Feldmarschall des Reichs u. a. auch aus seinem Orchester Dittersdorf mit in den Krieg. D. erlebt den Winter am Hildburghäuser Hof und berichtet von einer hohen Musikkultur.





Herzog Ernst Friedrich III. Carl Herzog von Sachsen-Hildburghausen (Regierungszeit: 1745 – 1780) führt wegen der desolaten Finanzlage des Fürstentums am 30. Januar 1753
„Zehn Extra-Steuern“ ein.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

27. September 1753
Ein scharfes fürstliches Reglement gegen die Branntweinbrennerei im Land wird erlassen.


1753

Die Eichertsmühle in Häselrieth wird erstmals erwähnt, benannt nach Hans Eichert (sie wird auch Bernhardsbach- und Schnettersmühle genannt). In ihrer langen Geschichte ist sie Mahl-, Öl-, Gips- und Schneidmühle.


1753

Gründung der Hildburghäuser Feuer-Assekuranzkasse, eine der ersten Feuerversicherungen in den thüringischen Staaten. Die Hausbesitzer sind zwangsweise zur Versicherung verpflichtet (Vorläufer einer Feuerpflichtversicherung).

20. September 1754
Eine herzogliche Generalverordnung regelt Begräbnisse „anrüchiger“ Personen:
„... aus einem an sich selbst unvernünftigen Wahn und aller christl. Liebe widersprechenden Eigenliebe die Zahl der anrüchigen Personen immer weiter erstreckte und solche nach ihrem Ableben zu Grabe zu tragen verweigert werden sollte. Danach sollten die nach dem Reichsschluß von 1731 für zunftfähig Erklärten (wie der Nachrichter) ein ehrliches Begräbnis erhalten, ebenso die Landgerichts- und Stadtknechte, die Gerichtsfrohnen, Flurschützen, Bettelvoigte, Nachtwächter, Gassenkehrer und die sich zur Reinigung der Cloaken gebrauchen ließen, ingleichen die Hirten und Schäfer, die nicht wirklich Rindvieh abgedeckt haben, während die Abdecker oder Cavillerknechte mit ihren Weibern und Kindern, weil ins zweite Glied der ehrlichen Hantierung unfähig, sich selbst einander zu Grabe tragen mußten. Nur die Körper der mit dem Schwerte Hingerichteten und derer, die sich selbst entleibt (wenn nicht aus Melancholie oder Wahnwitz) sollten noch, falls sie nicht zur Anatomie kamen, durch des Nachrichters Knechte auf dem Gerichtsplatz eingescharrt oder falls ihnen nach besonderen Gnaden die Beerdigung auf dem Gottesacker vergönnt wurde, ‚durch das im Zuchthause sitzende Streunergesindel‘ auf den Gottesacker gebracht und dort in loco peccatorum beerdigt werden."
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1899, S. 20)

Ab 1754
Jenny E. Hollmann schreibt in seinem Werk „Münzgeschichte des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen“ (Verlag Frankenschwelle Hans J. Salier) zur desaströsen Finanzpolitik auch zur Hildburghäuser Münze:
Am 11. Januar 1754 wurde Anton Wagner als Meister zum Ausmünzen von Hellern in Pflicht genommen.
Prägungen aus dieser Zeit sind nicht bekannt.
Am 16. September 1754 ließ sich Johann Philipp Rosenfeld vom Amt des Aufsehers „bei der Hellermünze“ entbinden. Zum Nachfolger wurde der Kanzlist Ludwig bestellt.
In Brattendorf wurde ein Silberbergwerk in Bau genommen, welches letztlich auch das herzogliche Münzrecht „begründen“ sollte.
Der Münzbetrieb wurde dem zum Hoflieferanten ernannten Jakob David aus Mannheim übergeben. Der am 26. März 1756 vollzogene Vertrag blieb nur kurze Zeit in Kraft.
Bereits 1757 wird schon um ein neues Vorhaben gerungen: den Bau und die Einrichtung einer neuen Münze, „dem Bau einer neuen Hauptwache“ (Standort der heutige Commerzbank in der Unteren Marktstraße, d. Verf.). Ein L. F. Feuchter lieferte Zeichnungen und Maschinen, I. C. Koch aus Gotha fungierte als Berater des Herzogs. Nach einigen gescheiterten Versuchen wurde Johann Ernst Enke aus Biber bei Gelnhausen als Münzmeister berufen, der aber gab seinen Dienst allzubald wieder auf. Schließlich und auf Vorschlag von Koch sowie Ausbildung bei diesem kam es zur Ernennung des Hofuhrmachers Gottfried König – ein Hildburghäuser – zum Meister und Wardein. Am 10. Juli 1758 bedankt sich König beim Herzog für die Übertragung des Amtes. Wie lange König tätig war, bleibt ungewiß.
Alle Tätigkeiten und Pläne genügten dem Herzog nicht, wohl auch die Erträge nicht. Über den Fortgang und Ausgang des Betriebes fehlen leider Unterlagen und Nachweise.
Am 11. Januar 1759 verhandelt der Herzog erneut wegen der Errichtung einer neuen Münze in Hildburghausen.
Und wieder gab es neue Pläne zur Aktivierung der „von Juden gepachteten und hauptsächlich deren Nutzen fördernden“ Münze in der Residenzstadt.

Die immerwährende Suche nach Möglichkeiten zur Füllung der Schatulle bewirkten eine Kontaktaufnahme mit Meyer Itzig aus Berlin, wobei sich der Herzog und sein Bruder Friedrich Wilhelm Eugen als rege und lebhafte Verhandlungspartner gaben.
Unter dem Pseudonym „Moses Salomon & Cie. Aus Bayersdorf“ (im fränkischen Brandenburg, heute mittelfränkischer Landkreis Erlangen-Höchstadt, d. Verf.) folgte am 13. Februar 1759 ein Vertragsabschluß. Die Firma münzte innerhalb von zwei Jahren 150.000 Mark fein nach kursächsischem Fuß in 1/3, 1/6, 1/12 und 1/24 Taler aus. Wie aus füherer Zeit in Erinnerung, verlangte die herzogliche Seite, alles ausgemünzte Geld außer Landes zu schaffen und selbst den Schlagsatz und die Betriebskosten in anderer Münze abzugelten – da trat Itzig vom Vertrag zurück.
Hier enden die ohnehin sehr dürftigen Akten, und erst 179 finden sich wieder Unterlagen.

Die geringhaltigen Sechsteltaler oder Viergroschenstücke von 1759 erinnern an die sogenannten Ephraimiten, unrühmlich bekanntgewordene kursächsische Achtgroschenstücke, die vom Kaiserhof zu Wien verrufen wurden und dem Hildburghäuser Herzog Klagen einbrachten. Geringhaltige Münzen waren in der Zeit des Siebenjährigen Krieges, der feudalabsolutistischen Kleinstaaterei mit der gigantischen Verschwendung gängige Praxis. Münzverrufe waren an der Tagesordnung. 


1754 bis siebziger Jahre

Die Thurn und Taxissche Post ist im Anwesen des heutigen Gasthauses „Thüringer Hof“ untergebracht, 1772 bringt der Postverwalter Christoph Bechmann auch noch die Sächsische Fahrende Post in seine Hand.


1755

Umbau des 1721 errichteten Ball- und Fechthauses zum Hoftheater.


Der Kupferstecher und Schriftsteller Carl Barth schreibt aus seiner und der Erinnerung vorher lebender Generationen in Federzeichnungen nach dem Leben (93. Bd. National-Bibliothek der Deutschen Classiker):
„Das Theater war von außen unscheinbar (es war ein vormaliges Ball- oder Fechthaus vor der Stadt dazu verwendet), dagegen Dekorationen und Garderobe prächtig genug; Schauspieler, Sänger und Tänzer im Überfluß aus Frankreich und Italien. Der Eintritt war nicht nur für den Hof, sondern für jedermann frei, alle Kosten wurden also aus der fürstlichen Kasse bestritten. Man sah darin die beliebten Meisterwerke der Corneille, Racine und Voltaire, in Reifröcken, himmelhohen Frisuren, Schuhen mit hohen roten Absätzen. In Andrienne (= Adrienne, d. Verf.), Fontangen (hochgetürmte und verzierte Haartracht Ende des 17. Jh., d. Verf.) usw. als Kostüm einer Dido oder Iphigenie aufführen; hörte sie in der Originalsprache, wie die Opern eines Jomelli oder Puccini und sah die Göttlichen Attitüden eines Noverre von seinen Schülern wiederholen, als befinde man sich in Paris oder Versailles. Da aber die nicht adeligen Bewohner der Residenz weder Italienisch noch Französisch verstanden, blieb es außer den Balletten, welche noch manche Schaulustige anzogen, gewöhnlich leer. Daher soll der Fürst, wie von Augenzeugen erzählt wird, mißvergnügt über das leere Haus, manchmal heraus auf die dicht am Theater nach einer langen Strecke Gemüsefelder führende Straße gegangen sein und die dahin mit Hacken, Schaufeln und Körben beladen eilenden Bürger und Bürgerinnen mit freundlicher Gewalt genötigt haben einzutreten, die mitführenden Gerätschaften nur beiseite stellend, sonst wie sie eben gekleidet sein mochten, als ergötzliche Gesellschaft das Haus zu füllen."

Das Theater in einer Stadtansicht aus dem Jahr 1820.

Theater. Künstlerpostkarte nach einem Scherenschnitt. Verlag C. Th. Jungmann, Eisenach. Alleinverkauf Kesselring’sche Hofbuchhandlung, Hildburghausen.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1755
Herzog Ernst Friedrich III. Carl lässt die Parkanlage um den Kanal vom Hofgärtner Zacharias Ferrière (hugenottischer Herkunft) zum Irrgarten umgestalten.
Der Park hat eine Fläche von 5,1645 ha, die Wasserfläche von 2,1442 ha, Anlagen und Wege um den Park von 2,6993 ha.


11. September 1755

Baubeginn der Waisenkirche in der Neustadt (heute: Apostelkirche). Der Kirchenbau wird finanziert durch eine Landeskollekte, Geldlotterie, Spenden des Gotteskastens in Sonneberg und Sonnefeld, Bauholz durch den Herzog, Spenden der Gemeinde usw.


25. November 1755

Für die vom Prinzen Joseph (1702 – 1787) 1748 gestiftete Freimaurerloge S. Ernesti wird eine Medaille in Silber geprägt.

Freimaurermedaille zur Stiftung der Loge „Ernestus“ 1748 aus dem Jahr 1755
Avers: Drei freimaurerisch gekleidete Edelleute mit Trachten des 18. Jahrhunderts,
sich die Hände reichend, links freimaurerische Symbole, rechts ein griechischer Tempel und
im Vordergrund maurerische Werkzeuge.
Im Abschnitt der Text: CONFRATERN.S.ERNESTI./HIPERHUSAE. Umschrift: IVNCTO CONATV.
Revers:Sonne hinter Wolken, daraus kommt eine Hand mit Zirkel geometrische Figuren auf ein Blatt zeichnend, das auf musischem Pflaster liegt. Auf dem Blatt steht: ARCANVM.SCRVTAT-VS./CVNCTA/ADEPTVS. Im Abschnitt: FVNDATA VII:CALEND:DECEMBR./ANNO 4043 (Stecherzeichen) STOCKMAR F.
Durchmesser 43,0 – 43,2 mm, Gewicht: 44,7069 g 

8. August 1756
† Herzogin Louise, Tochter König Christians v. Dänemark. (s. 01.10.1749) In einer zeitgenössischen Quelle heißt es:
„Der Charakter dieser Königstochter war wirklich erhaben, gottesfürchtig, tugendhaft, höchst gerecht und streng in Erfüllung jeder Regentenpflicht.“


August 1756 bis Juli 1757

Der Herzog beteiligt sich wegen fehlender finanzieller Mittel am Soldatenhandel und verkauft mehr als 100 Landeskinder für den Kriegsdienst in Dänemark.
Des Weiteren ergeht er sich in der Geld verschlingenden Alchimie, um der finanziellen Notlage zu entkommen, ohne selbst zur Sanierung seiner Finanzen beizutragen.


Carl Barth schreibt:
„In der alchymistischen Werkstätte Herzog Carl Friedrichs, die vor der Hofkonditorei lag, fanden sich wunderlich gestaltete Herde, große Schmelztiegel von verschiedener Art und Form, gläserne Retorten, irdene und eiserne Gefäße aller Art und Gestalt, der Zodiakus(Zusammenfassung der beiderseits der Ekliptik [Sonnenbahn, Erdbahn] liegenden 12 Tierkreiszeichen, d. Verf.) und andere magische Zirkel; Charaktere und Hieroglyphen waren farbig gezeichnet in dem glatten Fußboden von thönernen Fließen vertieft zu sehen, ein Mumiensarg und einige seltsame chinesische und japanische Götzen standen in den Ecken.“


1756 – 1763
Truppendurchzüge und Plünderungen im Siebenjährigen Krieg.
„Im siebenjährigen Krieg durchzogen 1757 – 61 unsere Diözese mit viel Roheit, starken Einquartierungen, und Kontributionserpressungen Würzburger Truppen, Reichsvölker, kaiserliche Husaren, Gothaer Dragoner, Darmstädter, Kur-Triersche, Kur-Kölner, Nassauische, Kurpfälzische, Bayerische, Württemberger, Mainzer, Modenaer, französische Husaren und dergleichen Volk mehr."
(Human: Chronik der Landdiözese Hildburghausen. – 1922, S. 58)

14. Mai 1757

Das „Inventarium über das Comoedien-Haus“ wird von F. C. S. Einhardt gefertigt. Das Dokument weist aus, dass das Theater bereits über einen beachtlichen Fundus verfügt.

1757
Bau und Einrichtung einer neuen Münzstätte am Standort der heutigen Commerzbank-Filiale (Untere Marktstraße 4). Um 1759 wird dann auf dem Gelände der heutigen Schlosspark-Passage die neue Münze erbaut.
(s. auch 1838)

5. November 1757

Siebenjähriger Krieg, Schlacht b. Roßbach (südwestlich von Merseburg). Der Preußenkönig Friedrich II. (der Große) erringt einen glänzenden Sieg, vor allem durch die Kavallerie des Generals F. W. v. Seydlitz (Gesamtstärke 22.000 Mann), über die Vereinigten Kontingente der Franzosen (unter Marschall Charles de Rohan v. Soubise, ca. 21.000 Mann) und die Reichsarmee (ca. 20.000 Mann). Hierbei handelt es sich um einen bunt zusammengewürfelten disziplinlosen Haufen (vereinigt am 17.09. bei Eisenach), unter Befehl des Hildburghäuser Prinzen Joseph, Kaiserlicher Feldmarschall und Reichsgeneralfeldzeugmeister Kaiserin Maria Theresias. Die Armee rekrutiert sich aus einigen hundert Kontingenten reichsunmittelbarer Stände, schlecht ausgebildet und mangelhaft gerüstet mit einem überalterten Offizierskorps. Die Armee hat 10.000 Mann Verluste, davon ca. 7.000 Gefangene, Preußen nur 548.


In Deutschland löst der Sieg Friedrichs II. eine große Begeisterung aus, und man sieht im Preußenkönig den Sachwalter der deutschen Nation. Das militärische Ansehen Frankreichs und seiner deutscher Vasallen leidet empfindlich. Der Alte Fritz spottet über den „Hilperhäuser Narren“ mit seiner „Reissausarmee“. Auch die Pompadour macht sich über Prinz Joseph lustig. Der äußert sich: „Ich will lieber Hunde auf die Jagd führen, als solche Armee kommandieren. Prellen soll man mich, wenn eine Hand voll Preuße sie nicht in wilde Flucht schlägt.“


1757

Das Ende Oktober ausgerückte Hildburghäuser Militärkontingent zur Unterstützung der Reichstruppen unter Prinz Joseph nimmt ebenfalls Reißaus und kehrt nach Hause zurück, als es von der Niederlage bei Roßbach erfährt.


1757/58

Das berühmte Tischbein-Haus in der Neustadt Nr. 314 (heute: Schleusinger Straße 1) wird entworfen und erbaut durch den Geheimen Kammersekretär und Hofmaler Johann Valentin Tischbein (715 – 1768), einem Stammvater der Tischbein-Familie.


Die „Tischbeinsippe“ bringt über mehrere Generationen ca. fünfzig teils bedeutende Maler hervor. Vermutlich kommt Johann Valentin Tischbein 1756 als Hofmaler nach Hildburghausen.


1758 bis März 1763

Eine Kompanie mit 140 Mann sowie einem Kapitän und einem Lieutenant werden Teil des Reichskontingents im Siebenjährigen Krieg. Nach Rückkehr wird das hier liegende Landregiment aufgelöst.

1758
Im Wappenschild der Hildburghäuser Münzen findet sich ein Feld mit drei Mauerankern (auch als Becher bezeichnet) für die Grafschaft Cuilenburg. Herzog Ernst Friedrich I. verkauft Cuilenburg 1720 an Geldern (damals Generalstaaten/Niederlande). Das Cuilenburger Wappen findet sich auf einzelnen Münzen bis 1796 als heraldische Erinnerung.

Fünfzehnkreuzer 1758
Die Münze zeigt auf dem Avers Herzog Ernst Friedrich III. Carl mit dem Königlich-Dänischen Elefantenorden, auf dem Revers einen geschweiften gevierten Wappenschild mit Herzschild auf Schnitzwerkkartusche über Wertzahl 15. K., flankiert von zwei Sternen und geteilter Jahreszahl 1758. Im Wappenschild ist rechts unten das Feld mit den drei Mauerankern (auch als Becher bezeichnet) zu sehen, eine heraldische Reminiszenz an die bereits 1720 an Geldern verkaufte Grafschaft Cuilenburg durch Herzog Ernst Friedrich I. 

6. November 1758
Prinz Friedrich Wilhelm Eugen (1730 – 1795), als Generalmajor in holländischen und dänischen Diensten stehend, pachtet im benachbarten Kloster Veilsdorf das fürstliche Kammergut und lässt eine Porzellanmanufaktur von Maurermeister Philipp Göhring errichten. Der Prinz hat den Ehrgeiz, mit den Erzeugnissen nicht hinter den bekannten europäischen Manufakturen zurückzustehen und bringt selbst sehr viel Kreativität bei der Gestaltung des Porzellans ein.
Von künstlerischem Wert sind die Porzellanfiguren mit der Darstellung von Figuren des italienischen Lustspiels (Maler Mezzetin, Capitano, Skaramuz, Dottore, Gabriel, Pierrot, Harlekin, Kaufmann Pantalon, Zofen Brigatellin und Colombine). Die Darstellungen sind u. a. beeinflusst vom Hildburghäuser Hoftheater, in dem auch italienische Schauspieltruppen auftreten.

10. Juni 1759

† Prinz Ludwig Friedrich, Nijmegen – (* 11.09.1710, Hildburghausen).
General der Infanterie, Kommandant von Braunau am Inn, Schlossherr in Hellingen b. Hildburghausen, Befehlshaber sämtlicher bayerischer Truppen, Gouverneur von Nijmegen, Freimaurer (Meister vom Stuhl).

3. November 1759
Kaiserliches Münzpatent: Die „auf der Hildburghäuser Heckenmünzstatt“ geschlagenen 2/3- und 1/6-Talerstücke werden als zu geringwertig für das Reich verboten. Gegen Ernst Friedrich III. Carl Herzog von Sachsen-Hildburghausen wird ein Prozess eingeleitet.
Der Prunk und die Verschwendungssucht des Herzogs führen zum finanziellen Ruin des Duodezfürstentums. Er lässt sog. carte blanche („weiße Karte“, Blanko-Quittungen) mit seiner Unterschrift ausgeben; die geliehene Summe darf mit 500 % Aufschlag zurückgefordert werden.
Auch der Kauf von Ämtern wird zur Normalität.


Zu der katastrophal zu nennenden Münzpolitik des Herzogs heißt es:
„Ein spezielles Bild der Münzzustände unter Herzog Ernst Friedrich III. Karl geben 56 Aktenbände der einstigen hiesigen fürstlichen Regierungskanzlei zum Konkurs des Geheimen Kriegsrates Friedrich Albrecht von Könitz. Im Juli 1762 war dieser als hiesiger Münzdirektor im Auftrag des Herzogs von hier nach Hamburg gereist, um dort von den minderwertigen hier geprägten Münzen soviel als möglich abzusetzen, was hier durch Reichshofratskonklusum verboten war; außerdem sollte er dortselbst Obligationen und Wechsel verhandeln, auch Akkorde zum Silbereinkauf abschließen, womit dann hier ein Abtreibwerk errichtet werden sollte. Da der Herzog aber die Mark fein auf 90 Taler hatte ausprägen lassen, so war das Geld so schlecht und schwarz geworden, daß in Hamburg lagernde 233.000 Taler wieder eingeschmolzen werden mußten. Weil aber von Könitz den Profit immer avancierte, hatte er 1763 an den Herzog eine Forderung von 40.468 Taler, wofür ihm dieser das Gut Rentwertshausen kaufweise abtrat. Kurz darnach borgte v. Könitz dem Herzog wieder 24.000 Taler und erhielt dafür das Gut Hellingen verpfändet, indes erhielten fast zu gleicher Zeit der Jude Simon Falkenauer und der Kurfürstliche Generalpostmeister von Schönberg auf dies Gut gleichfalls Hypotheken, sowie dem Könitz zum Unterpfand gegebene Zehnten von Haina und Sondheim ohne dessen Wissen an den Bayreuther Kammerrat von Herr verkauft wurden. Aus Wechselklagen hier saß dann v. Könitz, der immer behauptete, sich ganz für den Herzog geopfert zu haben, 25 Monate in strengem Arrest im Rathaus von Merseburg mit täglich 5 Mann Wache, was ihm 3.633 Taler kostete. Im Ganzen hatte v. Könitz von hier für 396.991 Taler schlechtes Geld verschickt und hatte persönlich 55.000 Gulden Schulden. Nach langer Prozeßverschleppung wurde 1770 sein a. 1760 erbautes Palais (das spätere s.g. „Hoheitshaus“, Puschkinplatz 2) um 2 573 Gulden fr. verkauft und das Geld für seine Gläubiger bei der Landschaft verzinslich angelegt.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. 1908, S. 478 f.)

Wie man seinerzeit mit einem geschickten Geldumtausch noch ein finanzielles Schnäppchen machen konnte, sei nachfolgend dargestellt:
„In der von Fleischmann herausgegebenen Lebensbeschreibung des Hofcommissars Gotthelf Greiner, Limbach – bekannt durch seine Fabrikmarken von 1788 – erzählt dieser ‚gar vergnügt‘, daß ‚er das von seinem Fuhrmann aus Frankfurt für dorthin verkauftes Glas mitgebrachte gute Geld regelmäßig nach Hildburghausen getragen und beim Kaufmann Lattermann an dortige Juden gegen hildburghäusisches Geld eingewechselt habe. Man habe schließlich für einen Laubtaler drei Taler sechs Groschen hildburghäusische Groschen erhalten, und da diese in der Gegend zum vollen Nennwerth genommen worden seien, so habe er mit dem Umwechseln einen schönen Gewinn erzielt‘.“

1759

Generalsuperintendent Philipp Ernst Kern ordnet nach der Casimirianischen Kirchenordnung die Führung der Kirchenbücher neu (in späterer Zeit folgen weitere Anordnungen, z. B. 1811, 1843, 1866, 1908).


Februar 1760

Bei der Taufe von Prinzessin Ernestine Friederike Sophie (aus dritter Ehe Ernst Friedrich III. Carls mit Ernestine Sophie) wird zum ersten Male der Exorzismus weggelassen. Taufpaten sind: Königin und König v. Dänemark, König v. Polen, Herzöge und Herzoginnen v. Coburg, Weimar, Württemberg, Mecklenburg.


1. März 1760

Prinz Friedrich Wilhelm Eugen, Bruder des regierenden Herzogs, gründet in der Porzellanfabrik in Kloster Veilsdorf eine Münzstätte und lässt dort von Münzmeister Gottfried König eine Münzstätte einrichten.
Prägung von Kupfermarken in drei Nominalen in der Porzellanfabrik, sog. Fabrikgeld, für den Erwerb von Konsumwaren in betriebseigenen Einrichtungen, sie sind Teil des Arbeitslohns.
In der Kloster Veilsdorfer Münze werden außerdem Hildburghäuser Münzen (Heller von 1761) und Bernburger Achtgroschenstücke geprägt.


 
1766. Zwanzigkreuzer-Kupfermarke

Brief aus dem Jahr 1760 an Jean Theodor Simon Kost, Bürgermeister Hildburghausens von 1756 bis 1768. Im Barock ist es „stilvoll“, Adressen in Französisch zu schreiben, auch wenn der abgebildete Brief „nur“ von Coburg nach Hildburghausen befördert worden ist. Der energische Zustellhinweis links unten ist vorsichtshalber in Deutsch formuliert: „Da in diesen Brief rechtliche  Angelegenheiten enthalten, so werden die Herrn Post-Meister ersucht, schleunig zu besorgen.“

1760
Prinz Friedrich Wilhelm Eugen ist Pächter der Hildburghäuser Münze, vermutlich bis Ende der 70er Jahre.
Zum Zeitpunkt werden auch vier Sorten Kupfermarken für den Theaterbesuch geprägt (1.
Loge, 2. Loge, Galerie, Parterre). Auf der Vorderseite ist ein Fürstenhut mit den Initialen EFC (Ernst Friedrich Carl) zu sehen. Sie werden vermutlich an die Hugenotten zum unentgeltlichen Theaterbesuch ausgegeben.

GRUSS AUS HILDBURGHAUSEN.
Prägekarte mit Stadtansicht, Ritterdarstellung, altes Landkreis- und Stadtwappen.
Verlag Gebrüder Richter Dresden, 1905
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1760
Zwischen der Kaiserlichen Reichspost und der Sachsen-Hildburghäuser Kammer wird ein Postvertrag abgeschlossen. Die Postroute über den Thüringer Wald regelt die Kaiserliche Reichspost: Coburg ... – Hildburghausen – ... Erfurt. Die Fürstlich Sächsische Post verkehrt über Hildburghausen nach Meiningen.
Der Botenwagen der Meiningischen Kammer fährt ins Meininger Oberland (über Hildburghausen – Eisfeld nach Sonneberg).


1761

Vermutlich Gründungszeit der Schleifmühle in Birkenfeld. Ein Brückenstein der den Mühlgraben überspannenden Brücke trägt die Jahreszahl (Straße zwischen Birkenfeld und Karolinenburg).
Die Mühle befindet sich seit diesem Zeitpunkt im Besitz der Familie Wittig bzw. deren Nachkommen. Bis 1952 als Mahl- und Schneidmühle, bis 1958 Betrieb über zwei Wasserräder, dann Einbau einer Turbine. Beim Ausbau des VEB Schrauben- und Normteilewerks wird der Mühlgraben stillgelegt.


März 1762 bis Oktober 1766

Projekt zum Aufbau eines neuen Regiments zu 3 Bataillonen (1. Bataillon als Leibgarde) für das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen. Für die Offiziere und Mannschaften in Regimentsstärke werden die Uniformen gefertigt, das „Regiment“ hat aber nie mehr als 40 Mann und absolviert keinen Dienst. Diese nicht einsatzfähige bzw. nicht bestehende militärische Einheit verschlingt Unsummen Geld und beschleunigt den finanziellen Kollaps des Duodezfürstentums.


1762

In Häselrieth sterben 23 Kinder, davon 20 unter neun Jahren an Blattern.


1763

Der Hildburghäuser Geheime Legationsrat Ernst Ludwig v. Wolzogen heiratet Wilhelmine Christiane Henriette Freiin Marschalk v. Ostheim, die spätere Beschützerin Schillers in Bauerbach.


Februar 1763

Nach Friedensschluss des Siebenjährigen Kriegs (15.02.1763, Friede von Hubertusburg) rückt das bei der Reichsarmee gediente Hildburghäuser Kontingent mit den ernestinischen Truppen (Gotha, Coburg, Hildburghausen) in Meininger Gebiet ein. Der militärische Konflikt geht als „Kartoffelkrieg“ in die Geschichte ein.
Es geht um die Erbschaft des 1763 verstorbenen Herzogs Anton Ulrich. Die Bürger Meiningens wehren sich entschieden gegen den militärischen Überfall. Ein Hildburghäuser fällt. Der Konflikt kann jedoch im Wesentlichen am Verhandlungstisch gelöst werden.

29. April 1763
* Herzog Friedrich, Hildburghausen (Sohn Ernst Friedrich III. Carls)
† 29.09.1834, Jagdschloss Hummelshain bei Kahla (heute: Saale-Holzland-Kreis)
Regierungszeit: 1780 – 1826, 1780 – 1784 unter Vormundschaft, bis 1787 im gegenseitigen Einvernehmen, ab 1787 Alleinregierung), ab 1826 Herzog v. Sachsen-Altenburg.
Hauslehrer und Geistliche bemühen sich um die Entwicklung des Erbprinzen. 1778 wird er in Gotha von bedeutenden Persönlichkeiten gebildet und erzogen, anschließend kommt es zu einem Aufenthalt mit Prinz Joseph in Wien, damit F. das Leben an einem Kaiserhof kennen lernt. Trotz bester Ausbildung wird von Chronisten berichtet, dass F. bis an sein Lebensende beträchtliche Bildungslücken besitzt.

Taler auf die Geburt des Erbprinzen Friedrich (29.04.1763) und den Hubertusburger Frieden 15.02.1793


Avers: Kopfbild von Ernst Friedrich III. Carl        Revers: Balkenschild auf blütenzweigbesteckter
  Herzog von Sachsen-Hildburghausen                Blattwerkkartusche, inmitten von Armaturen auf
                                                                         linierter Bodenfläche mit Münzzeichen W.K.
                                                                                                       und Jahreszahl 1763, Umschrift „ZEHEN EINE FEINE MARCK“)

Der Frieden von Hubertusburg ist auf Schloss Hubertusburg bei Wermsdorf in Sachsen zwischen Preußen, Österreich und Sachsen zur Beendigung des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) geschlossen worden. Bei ihm ist es um das geo- und machtpolitische Gleichgewicht in Europa sowie der zugeordneten Kolonien gegangen, aber auch um die Einflussnahme auf die transatlantischen Seewege, um die außereuropäischen Stützpunkte in Afrika und Indien sowie um Handelsvorteile. Der Krieg wird teils auch von Historikern als Weltkrieg bezeichnet.

1763
Das Salzwerk bei Lindenau erhält nach Geburt des Erbprinzen Friedrich den Namen Friedrichshall. Nach ihm wird der ehemalige Tiergarten bei Weitersroda Friedrichsanfang genannt und eine Einrichtung der Stadtschule zur Verbesserung des Schreibunterrichts Friedrichsanstalt.


1763

Die große Inkommodität (Belästigung) der Fußgänger durch aufgestapelte Haufen von Gassenkot wird in der Stadt Hildburghausen beklagt.


1763

Georg Friedrich Wolfram (1725 – nach 1784), Freund Gotthold Ephraim Lessings und der berühmten Theaterprinzipalin Friederike Caroline Neuber (Neuberin), gründet in Hildburghausen eine eigene Schauspielertruppe.


1765

In Philipp Kerns Buch Die Leidensgeschichte des Lammes Jesus Christi befindet sich eine Abbildung der alten St.-Lorenz-Kirche.


1765

Einführung des Konventions- oder 20-Gulden-Fußes.


1765

Relativ früh sind jüdische Läden in Hildburghausen nachgewiesen. Es ist überliefert, dass es beim Juden Hertz (in Büttner Gerings Haus) Reis, Zucker, Kaffee, Limburger Käse u. a. gab, 1774 beim Hoffaktor Schimmel u. a. weißblaues Porzellan, Spezereien, Gewürze, bei Jeremias Heyum Kaffee, geschnittenen Knaster (Tabak, d. Verf.). Verkauft wird auch bei Elisa Heyum und Michael Hirsch. 1780 unterhält Hoffaktor Simon Levi einen offenen Laden.


11. April 1766

Hildburghäusische Wöchentliche Anzeige erscheint unter der Redaktion des Hofadvokaten E. Fr. C. Pfitz (später durch die Hofadvokaten Cyriaci und Mitzenheim).


Das Blatt wird bei Johann Melchior Penzold gedruckt. Darin heißt es: „… worinnen die in der Hochfürstl Residenz=Stadt verfallenden Veränderungen, als Beförderungen, Geburten, Vermählungen, Trauungen, Todesfälle, Markttaxen, desgleichen was zu kaufen oder zu verkaufen, zu mieten oder zu vermieten, zu leihen oder zu verleihen verlangt wird, was verloren, gefunden oder gestohlen worden, wer Dienste verlangt oder eines Dienstboten benötigt, wie auch alle übrigen Kontrakte und Nachrichten, davon man dem Publico einige Wissenschaft machen möchte, auch Landesverordnungen, Konstitutiones und Gesetze, allerhand Ediktal=Citationes und Subhastations=Patente, auch ein= und auspassierende Fremde, auf dem Hochfürstl. Theater aufgeführte Schauspiele und am Ende allerhand gelehrte Ausarbeitungen oder politische Nachrichten angezeigt werden sollen“.
(Nach: Hildburghäuser Kreisblatt: Einhundertfünfzig Jahre Hildburghäuser Zeitung 1766 – 1916. – Hildburghausen, 1916)

1766

Ein Rechtsstreit hat überliefert, dass Kartoffeln in Hildburghausen angebaut werden. Eine Frau Planitz aus der Neustadt beschuldigt den Schlotfeger Schurg, er habe seine Kartoffeln auf ihren Acker gelegt. Sie bittet um Rechtsschutz. Mit der Lösung des Problems werden der Steinsetzer Lorenz Rinck und Ludwig Junker beauftragt.


24. April 1768

† Johann Valentin Tischbein – (* 11.12.1715, Haina/Hessen-Kassel)
Seit 1756 Hofmaler in Hildburghausen, Wirklicher Geheimer Cabinets-Secretair. Er baut 1757/58 ein Haus in der Neustadt (heute: Schleusinger Straße 1). Erhalten gebliebene Gemälde: Herzog Ernst Friedrich III. Carl; Prinz Joseph Maria Friedrich Wilhelm Hollandinus.

Der ältere Sohn, Ludwig Philipp (1744 – 1806), wird nach einem Architekturstudium in Rom und Paris Hofarchitekt der Zarin Katharina II. von Russland. Nach dem Bau der Petersburger Oper erhält er eine lebenslange Anstellung.

Sein jüngerer Sohn, Johann Friedrich August Tischbein (1750 – 1812), wird nach dem Studium in Paris und Italien Hofmaler des Fürsten Waldeck und des Fürsten v. Anhalt-Dessau sowie Direktor der Malerakademie Leipzig.
Sein Neffe ist der berühmte „Goethe-Tischbein“, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (* 15.02.1751, Haina/Hessen-Kassel – † 26.06.1829, Eutin). Dessen bedeutendstes Bild ist „Goethe in der Campagna“.


26. Januar 1769

Kaiser Joseph II. setzt eine Debit- und Administrationskommission unter der Direktion von Herzogin Charlotte Amalie v. Sachsen-Meiningen, Prinz Joseph und Prinz Eugen ein. Zur Kommission gehören ferner: General v. Friese, Geheimer Rat v. Lindeboom und Regierungsrat Hieronymi (für juristische, verwaltungstechnische und kaufmännische Ermittlung).

Die Schulden des Fürstentums betragen ca. 4 Mio. Gulden fränkisch, die Einnahmen ca. 72.000 fl. fr., die Zinsen belaufen sich auf ca. 200.000 fl. fr. Die bis 1806 wirkende Kommission reduziert zuerst die fürstliche Garde und nimmt Entlassungen beim Hofpersonal und bei den Hofschauspielern vor.

13. April 1769

Prinz Joseph und General Friese wollen im kaiserlichen Auftrag bei Herzog Ernst Friedrich III. Carl den Staatsbankrott abwenden. Der Herzog widersetzt sich. Die Debitkommission beordert Truppen aus den ernestinischen Fürstentümern Gotha, Coburg, Meiningen und Weimar nach Hildburghausen, um den Fürsten zur Aufgabe des Widerstands zu zwingen. Ernst Friedrich III. Carl versetzt das Zwergfürstentum in den Verteidigungszustand, weil er sich vor dem Kaiserhaus und vor seinen ernestinischen Verwandten nicht ergeben will. Das Landregiment Sachsen-Hildburghausen zieht in die Stadt ein, das Eisfelder- und Schleusinger Tor werden versperrt, nur das Römhilder Tor bleibt offen. Kanonen und Mannschaften werden in Stellung gebracht.
Prinz Joseph verhindert ein Blutvergießen und zwingt den Landesherrn zum Einlenken. Am 08.05. muss der Herzog eine Bekanntmachung unterschreiben und veröffentlichen. Zwei hohe Beamte (Hof- und Konsistorialrat Johann Christian Radefeld und dessen Sohn, der Assistenzrat Christoph Wilhelm Radefeld) werden auf der Veste Coburg ohne Prozess bis 1775 inhaftiert und müssen ungerechtfertigterweise für den Herzog büßen. Beide Radefelds werden nach ihrer Freilassung sofort wieder in den Hofdienst übernommen.


Taler von 1769

17. November 1769
* Charlotte, Prinzessin v. Mecklenburg-Strelitz
Tochter des nachmaligen Großherzogs Carl II. Ludwig Friedrich,
nachmalige Herzogin v. Sachsen-Hildburghausen – († 14.05.1818, Hildburghausen).

1770
In der Neustadt gründen Bürger ein musikalisches Seminarium, das mit Abonnementskonzerten auftritt.



(Avers: Ernst Friedrich III. Carl 1770 ½ Kreuzer 1/48 Taler) 

1770 – 1773
Eine Hungersnot beschleunigt die Einführung des Kartoffelanbaus in der Region, ebenso 1816/17. In dieser Zeit grassiert Hungertyphus. Die Landesgrenzen werden gesperrt.
Verordnung: Käufer und Verkäufer von Nahrungsmitteln sind gezwungen, Kaufzettel mit Angaben der Menge und der Fruchtart vorzuweisen. Eine illegale Ausfuhr von Getreide über die Landesgrenzen wird unter Strafe gestellt.

Um 1770

Der Theaterprinzipal und Freund Lessings, Georg Friedrich Wolfram (s. 1763), unterweist in Hildburghausen junge Schauspieler und erteilt Schauspielunterricht. Aus dieser Schule gehen hervorragende Schauspieler hervor.
Wolfram selbst gilt als einer der besten Komödienspieler seiner Zeit. Nach Prof. Dr. G. Steiner handelt es sich um die erste deutsche Schauspielschule.

1770

In der Landdiözese Hildburghausen haben Streufdorf und Harras Marktrecht. Die Gemeinden müssen dafür jährlich 40 Gulden rheinisch an den Landesherrn entrichten.


1770

Offizielle Einführung des Lottospiels.


1771

Unter Prinz Joseph findet der letzte förmliche Landtag statt.
(s. auch 19.03.1818)

1771 – 1789

Albrecht Friedrich Kesslau (auch: Koeslau) wirkt in Hildburghausen.
Baudirektor, Geheimrat und Kammerpräsident am Hildburghäuser Hof.
Studium der modernen Architektur in Paris. 1752 – 1771 Baudirektor im Dienst des Markgrafen v. Baden-Durlach. Ab 1771 in Hildburghausen im Dienst von Herzog Ernst Friedrich III. Carl. K. plant und erbaut mit Vincenz v. Gussio die Stadtkirche (Christuskirche) und die Waisenkirche (Neustädter oder Apostelkirche). Seine Architektur ist dem Spätbarock mit frühklassizistischen Stilelementen zuzuordnen. Er ist Erbherr eines Teils des Ritterguts in Meeder.
† 02.10.1789 in Hildburghausen. Sein Sarg wird in die Kirche nach Meeder überführt.


22. Mai 1772

† Joh. Werner Krauß, Eisfeld – (* 08.10.1690, Königsberg/Franken)
Superintendent, Chronist
Studium in Halle, 1715 Informator bei Kanzler v. Carlstein, 1731 Superintendent in Eisfeld. Verfasser der Historiae Franconicae, S. Hildburghäusische Kirchen-, Schul- und Landeshistorie.


30. August 1772

† Georg Heinrich Ernst Freiherr v. Bibra (beigesetzt in Irmelshausen) –
(* 18.01.1707).
Geheimer Rat, Oberjägermeister
Er wird oft mit (teilweise heiklen) diplomatischen Missionen betraut, u. a. mit dem Hochstift Würzburg zur Freilassung von für das dänische Heer geworbenen Soldaten.


1772

Der kaiserliche Postverwalter Christoph Bechmann übernimmt neben der Reitpost auch die Fürstlich Sächsische Post (Fahrpost). Die Posthalterei besitzt 12 Pferde, 3 Kühe, 2 Scheunen vor dem Römhilder Tor, eine 4-sitzige Kutsche, 4 Halbchaisen, 2 offene Postwagen.
(s. 1778)
Bechmann kommt 1779 an hessisches Militär und geht nach Amerika († 1783).

Mitte 18. Jahrhundert
Es entwickelt sich ein reger Nachrichten- und Postverkehr. Postverwalter oder -halter sind nur gutsituierte Persönlichkeiten; sie erhalten eine Bestallung, wenn entsprechender Grundbesitz bzw. Räumlichkeiten zur Unterbringung der Geschäftsräume, der Versorgung der Passagiere und der Pferde vorhanden sind. In Hildburghausen verstehen es die im Thurn und Taxisschen Dienst stehenden Postverwalter oder Postmeister, auch die Fahrpost in ihre Hand zu bringen.

31. Juli 1773

Die schon längere Zeit für die Post tätige Maria Johanna Bechmann (Bechmännin) wird von Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis als Postverwalterin bestätigt (bis 1793) und dem Reichs-Oberpostamt zu Nürnberg unterstellt. Für das Patent muss sie die hohe Gebühr von 36 Gulden entrichten.
Für die Zeit und das Thurn und Taxissche Postimperium (Kaiserliche Reichspost) ist es ungewöhnlich, dass eine Frau für eine solche Funktion bestallt wird.

 

Carl Anselm Fürst von Thurn und Taxis ernennt am 31. Juli 1733 Maria Johanna Bechmann zur Postverwalterin der Kaiserlichen Reichspost in Hildburghausen. Die Abbildung zeigt das vom „Kays. Reichs=Ober=Post=Amt“ zu Nürnberg am 8. Oktober 1773 ausgefertigte Patent. Für eine Frau ist das eine im Alten Reich ungewöhnliche Berufung.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1773
Prinz Joseph v. Sachsen-Hildburghausen erhält auf Beschluss des Reichshofsrats das Seniorratsamt Oldisleben in Sachsen-Weimar.


„Die Dominialeinkünfte des a. 1555 vom Grafen von Mansfeld mit Römhild an die Herzöge S. Ernestinischer Linie vertauschten Amtes Oldisleben genoß immer der älteste der Hauptlinie und hatte mit dem Seniorrat bis 1706 auch ein Direktorium in gemeinschaftlichen Angelegenheiten. 1763 hatte dasselbe nach Ableben des Herzogs Anton Ulrich von Meiningen Franz Josias von Coburg. Am 10. Oktober 1721 wurde Oldisleben von den Herzogl. Häusern gegen eine Abfindungssumme an den Großherzog von Weimar als dessen ausschließliches Eigentum überlassen. – 1778 gehörten zu dem Amt Oldisleben, das von der Josephinischen Ökonomieverwaltung in Bedheim aus verpachtet wurde, beträchtliche Zinsen und Güter.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. – 1908, S. 250)

5. Januar 1774

Herzogliches Edikt zum Alarmwesen: Läuten der Rathausglocke, Trommelrühren in allen Straßen. Auf dem Stadtberg Hildburghausen und auf der Veste Heldburg werden Kanonenschüsse abgefeuert: bei Brand der Residenzstadt 3 x, im Land 2 x, außerhalb des Landes 1 x.

„Sobald nur 3 oder 4 Mann zusammen seien, sollen diese sogleich das in Bereitschaft stehende Pulverfäßchen an sich nehmen und sich damit in möglichster Eile auf den Stadtberg zu der dort stehenden Lärmkanone begeben, um die vorgeschriebenen Schüsse abzufeuern.“

Die Anweisung funktioniert nicht immer, zumal oft das Pulver fehlt. Überörtliche Hilfe wird durch Boten zu Fuß od. Pferd bei der nächsten Gemeinde geholt. Der Gemeindevorstand (oder Magistrat) muss das auf einem Meldezettel bestätigen.


1774

Das Stadtgut umfasst folgenden Besitz: 1 Wohnhaus (900 fl.), 2 Städel (je 400 fl.), 1 Schopfen (400 fl.), 1 Schafhaus (900 fl.), Grasgarten (600 fl.), Gemüsegarten (100 fl.), Stallung (450 fl.), Schäfereigerechtigkeit (4.100 fl.), 50 Acker (1 Acker = 29 Ar) sowie 108 Acker Artfeld.


1. November 1774

Generalsuperintendent Philipp Ernst Kern weiht die Waisenhauskirche in der Neustadt. – Das Terrain um die Kirche wird in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und Neustädter Kirchplan genannt (im Volksmund zeitweise auch diskriminierend Tartarei).


1. Advent 1774

Aufführung der Kantate des Organisten Hummel Der Triumph vor dem Totenbett in der Waisenkirche.


1774

Das Braurecht ist ein Hauptbürgerrecht. (s. auch 1414) Die Qualität des Wassers wird streng kontrolliert. Es darf nicht gefischt werden, Wasser entnommen oder im Gewässer die Notdurft verrichtet werden. Teils gibt es auch Beschränkungen beim Betreten des Uferbereichs des Gewässers.
In der Hildburghäusischen Wöchentlichen Anzeige (1774, Nr. 52) heißt es zum Braurecht u. a., dass zur Fertigung eines neuen Brauloses die Brauberechtigten auf das Zeichen der Ratsglocke auf der Ratsstube zu erscheinen haben, dort 3 fl. fr. Losgelder von einem ganzen Gebräu zu erlegen und sodann die Aufzeichnung der brauberechtigten Namen und die Verlosung zu gewärtigen, vorher aber das gewöhnliche Torwachtgeld zu 16 gr. pro 1. April zu erlegen. Bürger, die nicht selbst brauten, sollten ihre Lose dem Rat überlassen, damit die Wirte mit benötigten Losen versehen werden könnten. (s. auch 20.09.1861)

1774

Der Hildburghäuser Bürger Christoph Kius verunglückt auf einer Reise nach Ostindien.


1774

Nach dem Verkauf wird im Tischbeinschen Haus (Schleusinger Straße 1) ein wohlsituiertes Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeiten eingerichtet, das Gasthaus Zur Goldenen Traube.


4. November 1775

Der Buchhändler Johann Gottfried Hanisch (d. Ä.) stirbt (er und seine beiden Neffen Johann Heinrich und Johann Gottfried) haben ein Patent, auch in Meiningen seit 1770 eine Buchhandlung zu betreiben), sein Neffe Johann Gottfried Hanisch (d. J.) bemüht sich beim Landesherrn um das Privileg eines Hofbuchhändlers, das er auch für Hildburghausen und Meiningen erhält.


1775

Das Wochenblatt schreibt über den Herzog:
„Wir verehren auch in unserem Durchlauchtigsten Ernst Friedrich Carl einen der mildthätigsten und huldreichsten Landesväter, dem Wittben und Waysen (Witwen und Waisen, d. Verf.), Arme und Nothleidende, Kirchen und Schule am Herzen liegen."

Die Wahrheit ist dramatisch, denn die Verschwendungssucht des Herzogs ist grenzenlos, und er führt das Land, vor allem für den Hof tätige Personen, Hoflieferanten, Handwerker, in den Ruin, auch der moralische Verfall nimmt zu.

1775

Der Okulist (Augenarzt) v. Hillmer soll in Gegenwart des Herzogs und des Prinzen Eugen einige Blinde in wenigen Minuten erfolgreich operiert haben.


Um 1775

Der Hofmaurermeister Johann Christoph Winzer baut sein Haus. Die von der Eisfelder Straße in Richtung Innenstadt führende rechts abzweigende Straße wird später Winzergasse genannt.
In dem Gebäude ist eine Restauration, die 1898 Tivoli genannt wird, ab 01.06.1922 Papier- und Metallwarenfabrik Kuß & Co., inzwischen eingelegt.

Eisfelder Straße und Einmündung in die Winzergasse mit dem „Tivoli“ um 1900.
Historische Ansichtskarte – Sammlung Hans-Jürgen Salier

1776
Ein Blitzschlag verursacht Schäden am Rathaus, vor allem am Turm. Für die Reparatur (1777) müssen 2.900 fl. fr. Schulden aufgenommen werden.


18. Februar 1776

† Philipp Ernst Kern, Hildburghausen – (* 24.11.1716, Niederhalle im Hohenlohischen)
Generalsuperintendent, Oberhofprediger, Schriftsteller.
„Vielleicht der bedeutendste Prediger, der hier gewesen ist.“ (Human). Edition mehrerer Predigtbände, poetische Schriften, Kenner der Archäologie und äußerst sprachkundig (klassische und moderne Sprachen, orientalische Dialekte).


1776

Herzog Ernst Friedrich III. Carl führt in einer Auflistung zum Titel an Stelle Fürstlich die Bezeichnung Herzoglich.

Innenansicht der Innenansicht der nach dem Brand von 1779 vernichteten Lorenzkirche am Standort der heutigen Christuskirche.
Nach einer Zeichnung von Marie Louise Fischer, 1916

1778
Der Schlundwirt und Hofschlachter Caspar Friedrich Weber ist Posthalter, bis 1781 in Gemeinschaft mit dem Wirt Dreßler – danach Friedrich Weber (Sohn von Caspar Friedrich Weber), Gastwirt im Sächsischen Hof und 2. Bürgermeister. Die Poststallungen befinden sich in der Remise des Sächsischen Hofes (heute: Farben-Bauer). Sein Name mit der Jahreszahl 1780 steht im Schlussstein des Torbogens.


14. März 1778

In einer Verordnung wird festgelegt, dass Prinz Joseph Vormund über den unmündigen Erbprinzen Friedrich wird.


18. Dezember 1778

* Marie Thérèse Charlotte v. Frankreich (Madame Royale oder später im Volksmund Dunkelgräfin genannt).
Eltern: König Ludwig XVI. (* 23.08.1754 in Versailles – † 21.01.1793 in Paris guillotiniert), französischer König 1774 – 1792.
Mutter: Marie Antoinette (* 02.11.1755, Wien – † 16.10.1793 in Paris, guillotiniert), Tochter von Kaiser Franz I. und Maria Theresia.


20. Juli 1779

Letzte Leichenpredigt in der St.-Lorenz-Kirche für die Witwe Anna Elisabeth Kämpf, in deren Haus am 19.08. der große Stadtbrand ausbricht.


19. August 1779
, gegen 10.45 Uhr
Verheerende Brandkatastrophe in Hildburghausen, die ca. 15 Stunden tobt und in den Höfen der Grundstücke Untere Braugasse 181/2 (Büttner, Nothnagel, Bäcker Kämpf) entstanden ist. Betroffen sind: Untere Braugasse, Obere Marktstraße, Knappengasse, Rathausgasse, Häuser zwischen Knappengasse und Stadtmauer, Schlossgasse (heute: J.-S.-Bach-Str.), Diakonat, Stadtkirche St. Lorenz (Standort: heutige Christuskirche), Schulgebäude, Hallen am Gottesacker (Coburger Straße), Gefängnis und Wachthaus (heute: vr bank Südthüringen), Eisfelder Straße, Spittelbach.
2 Personen sterben. 102 Häuser, 3 Scheunen werden vernichtet, mehr als 200 Familien erleiden Schaden.
Beim Brand wird die St.-Lorenz-Kirche gegen 15 Uhr erfasst und vernichtet. Gerettet werden bzw. unversehrt bleiben u. a. die wertvolle Bibliothek, die heute in der Christuskirche befindlichen Ölgemälde der Geistlichen Schnetter, Thamerus, Fehmel, Hommel, Kern sowie der Taufstein und das Bibelpult.
Für den Wiederaufbau der Kirche gibt es eine städtische Sammlung und eine auswärtige Kollekte.

Ein Stadtplan um 1900 zeigt die Teile der Stadt (dunkel schraffiert), die 1779 abgebrannt sind.

Nach dem Stadtbrand werden strenge feuerpolizeiliche Verordnungen verabschiedet. Für den Wiederaufbau fordert ein Reglement u. a. ausgemauerte Giebelwände, steinerne Küchenwände, eiserne Falltüren am Schlot, Schlöte mit gelegten Backsteinen.
Die Brandkatastrophe wirft auch die Stadt in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Armut und Erwerbslosigkeit bestimmen das tägliche Leben.
Besonders die Tuchproduktion wird gefördert, die schon in der Vergangenheit die wirtschaftliche Entwicklung bestimmt hat. Auch im Waisenhaus wird die Produktion vorangetrieben. Der Wucherankauf von Schafwolle für In- und Ausländer wird unter Strafe gestellt. Die Produktionssteigerungen sind vor allem durch neue Technologien im Gewerbe möglich, 1805 wird ein Wollen-, Spinn- und Manufactur-Institut eröffnet. Die Fabrik beschäftigt noch im gleichen Jahr ca. 70 Menschen. Insgesamt bestimmt jedoch das überholte Zunftwesen die Produktion in Hildburghausen.
Herzog Ernst Friedrich III. Carl lebt ein Vierteljahr in Eisfeld. Am 21.03.1780 kehrt er zurück in „höchst vergnügtem Wohlsein nebst Dero gesamtem Hofstaat wieder anher zurückkam unter Vorreitung verschiedener Kavalliers und einiger von der Jägerei und im Residenzschloß von den hohen Kollegiis und gesamtem Stadtrat mit devotester Freude empfangen ward“.
Um – wie Chronisten überliefern – nicht das Elend der zerstörten Stadt sehen zu müssen, zieht sich der Landesherr in einem depressiven Zustand auf das Jagdschloss Seidingstadt zurück und überlässt die Bürger ihrem Schicksal.


1779

Prinz Joseph v. Sachsen-Hildburghausen verkauft das 1775 erworbene Schloss Bedheim (Sommerresidenz) und das Gut Friedenthal an den Sachsen-Hildburghäusischen-Regierungspräsidenten Conrad Friedrich Rühle v. Lilienstern. Die berühmte Fasanerie in Friedenthal geht 1781 ein.


1779/80

Die Überbauung der Stadtmauer für Bürger, die Garten und Hofrecht an der Mauer haben, wird gestattet. Bei Bebauung der Stadtmauer muss an die Stadt ein Erbzins entrichtet werden (z. B. Feuchter v. Feuchtersleben).


Um 1780

Das Zent- oder Rügegericht im Amt Hildburghausen wird noch einmal im Jahr gehalten.


24. Februar 1780

† Johann Gottfried Thamerus (auch: Thamer), Hildburghausen – (* 24.03.1718, Behrungen)
Kopist, fürstlicher Sekretär
Seit 18.12.1737 Kanzlist am Hof Sachsen-Hildburghausens, 1743 Regierungskanzlist, 1746 Geheimer Kanzlist und fürstlicher Sekretär. Er kopiert die Hennebergische ChronikEhre der Gefürsteten Grafschaft Henneberg von Christian Juncker.

Hildburghausen nach der von Thamerus gefertigten Kopie von Christian Junckers
verfassten „Ehre der Gefürsteten Grafschaft von Henneberg“

1780
Nach der Brandkatastrophe von 1779 Bau des Brunnquellschen Hauses auf dem Gelände von fünf Brandstätten als Erbprinzenpalais für den nachmaligen Herzog Friedrich (Obere Marktstr. 44). Das Gebäude wird aber nicht als Erbprinzenpalais genutzt, sondern ist Wohn- und Kanzleiamt des Geheimen Regierungsrats Johann Christoph Brunnquell. Hohe Gäste des Hofs
finden hier Unterkunft.
(s. 10.11.1801)

23. September 1780

† Herzog Ernst Friedrich III. Carl auf Jagdschloss Seidingstadt.



 

Herzog Friedrich 

Regierungszeit: 1780 – 1826, ab 1826 Herzog v. Sachsen-Altenburg.
* 29.04.1763 Hildburghausen, Sohn Ernst Friedrich III. Carls
∞ 03.09.1785 Charlotte Georgine Louise Friederike,
* 17.11.1769, Hannover – † 14.05.1818, Hildburghausen, Tochter des nachmaligen Großherzogs Carl II. Ludwig Friedrich v. Mecklenburg-Strelitz.
† 29.09.1834 Jagdschloss Hummelshain.
Regentschaft für den unmündigen Erbprinzen Friedrich übernimmt bis 1784 sein Urgroßonkel Prinz Joseph, ab 1784 – 1787 im gegenseitigen Einvernehmen (nach Landesregierungscessionsakte vom 29.04.1784). 

Herzog Friedrich führt den Titel:
Herzog zu Sachsen, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, Gefürsteter Graf zu Henneberg, Souveräner Fürst zu Hildburghausen. 

Prinz/Herzog Joseph Maria Friedrich Wilhelm Hollandinus

Regierungszeit: 1780 – 1784 bis 1787
* 05.10.1702 Erbach/Odenwald – † 04.01.1787, Hildburghausen
Sohn Herzog Ernsts, Urgroßonkel Erbprinz Friedrichs verheiratet 15.04.1738 mit Anne Victoire, * 13.09.1683 – † 10.10.1763, Tochter des Prinzen Ludwig Thomas v. Savoyen-Soissons, Erbin des Prinzen Eugen v. Savoyen-Carignan (1663 – 1736), dem in österreichischen Diensten stehenden bedeutendsten Staatsmanns seiner Zeit, 1744 geschieden. 

Herzog Joseph Maria Friedrich Wilhelm Hollandinus führt den Titel:
Joseph Friedrich, Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westfalen, Landgraf von Thüringen, Markgraf zu Meißen, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein, Ritter des Goldenen Vließes, Ihro Römisch Kaiserlichen, wie auch zu Hungarn und Böhmen Königlich Apostolischen Majestät Wirklicher Geheimde Rat, Generalfeldmarschall und Obrist über ein Regiment zu Fuß, wie auch des heiligen Römischen Reichs Generalfeldzeugmeister, Obervormund und Landesregent. 

6. November 1780

Prinz Joseph zieht als Obervormund und Landesregent in Hildburghausen ein, Adjutant ist der spätere Oberhofmarschall Johann Vincenz v. Gussio.
(s. 16.01.1813) 

Ab 1780

Mit der Übernahme der Regentschaft durch Herzog Joseph (er konvertiert 1727 in Neapel zum katholischen Glauben) wird die evangelische Kirche ohne den Fürsten geführt. Konsistorialverordnungen werden vom Konsistorium selbst erlassen.
Der Fürst selbst gründet keine eigenständige römisch-katholische Gemeinde. Bis auf die Beichte und das Abendmahl werden die anfallenden Sakramente für die wenigen im Fürstentum lebenden Katholiken durch einen evangelischen Geistlichen verrichtet bzw. auch durch auswärtige katholische Priester. Trauungen werden erst in der Hauskapelle des Herzogs, ab 1779 in der evangelischen Kirche vollzogen. Katholischer Gottesdienst wird unter Vorsitz eines Konventualen aus dem Zisterzienserkloster Bildhausen b. Münnerstadt, zu dem der Fürst sehr enge Bindungen hat, gehalten (im Weimarischen Saal des Schlosses).


1781
Unter Herzog Joseph Friedrich wird ein sogenannter Vormundschaftstaler geschlagen, Regierungszeit: 1780 – 1784/87.

Avers zeigt das Harnischbrustbild im Ornat mit Fürstenmantel und Orden vom Goldenen Vlies mit Umschrift, Revers ein stehender Ritter in angedeuteter Landschaft, die Rechte mit Schwert, die Linke auf Volutenkartusche mit Balkenschild, behängt mit Ordenskette vom Goldenen Vlies, im Abschnitt die Jahreszahl 1781 und die Umschrift „ZEHEN EINE FEINE MARK“. Der Vormundschaftstaler hat einen Durchmesser von 41,2 – 42,3 mm und ein Gewicht von 27,9770 g.

7. Mai 1781
Fertigstellung des neuen Hauses für die Bürgerschule, sie ist von 1812 – 1877 auch Sitz des Gymnasiums, gegenüber dem Brunnquellschen Haus und der Stadtkirche (auf dem ältesten Friedhof der Stadt); Fläche: 1.284 m², schiefwinkliger Bau, ruht teilweise auf der Ostseite der Stadtmauer. Wohnungen für 3 Geistliche, Kirchner, 7 Lehrer (heute: Palais Bürgerschule).


13. Mai 1781

Grundsteinlegung für den Bau der Stadtkirche (heute: Christuskirche) am Standort der beim Stadtbrand von 1779 vernichteten St.-Lorenz-Kirche unter Leitung von Hofarchitekt Geheimrat v. Kesslau und Hofmarschall Johann Vincenz v. Gussio. Ecksteinlegung am 25.04. – an der NW-Seite sind außen 2 Steine mit sächsischer Raute und den 4 Löwen des Stadtwappens in Cartouchen zu sehen.
In Humans Chronik von 1886 finden sich auch einige Daten aus der Bauakte bzw. der Abrechnung der Handwerksmeister, dort heißt es u. a.: „Werksmeister waren die Maurermeister F. Chr. Winzer, F. M. Hopf, F. A. Graubner und Zimmermeister F. Buck. Letzterer erhielt für 10 Treppen 200 fl. fr., Schreinermeister Rießland für 6 Thüren 36 Thlr., Glasermeister Schippel für ein großes Kirchenfenster 10 Thlr. und für ein kleines 8 Thlr., Hofbildhauer P. Merkel für die Dekoration der Orgel 350 fl. fr., für die Aufsicht über den Kirchbau aber Steuereinnehmer Kühner 50 Thlr. und für die Rechnungsführung 200 fl. rh.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. – 1886 und 1999, S. 385, Anm.)

19. Mai 1781

Verordnung der fürstlichen Regierung, dass die Dachgiebelwände der beim Stadtbrand (1779) verschont gebliebenen Häuser ausgemauert werden müssen.


1781

Ein Viehgewährschaftspatent wird erlassen.


17. Januar 1782

Das 50-jährige Regimentsjubiläum des Prinzen Joseph wird mit großem Pomp begangen.


13. Mai 1782

Dienstreise Johann Wolfgang Goethes (08. – 19.05.) in seiner Eigenschaft als Geheimer Rat und Kammerpräsident zu den ernestinischen Residenzen.
Herzog Carl August beauftragt Goethe, mit den Regierungen in Gotha, Meiningen und Coburg Verhandlungen zur Besetzung der theologischen und juristischen Fakultäten der Landesuniversität Jena zu führen, die gemeinsam von den Ländern unterhalten werden. G. trifft am Hildburghäuser Hof mit dem Regierenden Prinzen Joseph zusammen.
G. nimmt Quartier im Gasthaus Zum Braunen Roß am Markt (heute: Südseite Marktplatz Blumenverkaufsstelle und Reisebüro).

Goethe schreibt an Charlotte von Stein: „Heute habe ich in Hildburghausen bei dem Alten gesessen. Er war sehr munter und freundlich, gab mir Audienz im Bett und war nachher gleich angekleidet zur Tafel.“
Der Engländer Swinburne berichtet ebenfalls über die (kulturhistorisch nicht uninteressanten) Toilettengewohnheiten des Herzogs: „Ich machte mit dem Baron Swieten, dem Sohn des Arztes, meine Aufwartung bei dem alten Prinzen Sachsen-Hildburghausen. Er ist bald 80 Jahre alt und kann 300 Pfund wiegen. Er zieht sich jeden Abend 8 Uhr in seine Appartements zurück. Wenn er aus seinem Salon in sein Schlafzimmer geht, sind Leute aufgestellt, welche ihm seine Perrücke und seine Kleider abziehen, dergestalt, daß, wenn er in die Tür seines Schlafzimmers tritt, er allzeit fertig zum Bett ist. Er braucht kaum zwei Minuten zu seiner Toilette.“
Prinz Joseph ist eine schwer zu charakterisierende Persönlichkeit, schillernd und widersprüchlich zwischen Feudalabsolutismus und Aufklärung stehend. Seine Regentschaft und sein Wirken in der Debit- und Administrationskommission sind für das Land und für die Regierung Herzog Friedrichs außerordentlich segensreich.
Der mitunter exzentrische alte Herr hat bis zu seinem Tod Einfluss auf Herrscherhäuser und pflegt Kontakte mit der geistigen Elite. Er kann als einer der wichtigsten Begründer der in den folgenden Jahrzehnten sich entwickelnden bedeutsamen Kultur und Bildung im Fürstentum gezählt werden.
 

Nach dem Stadtbrand von 1779 errichtet Caspar Friedrich Weber (s. auch 1778) in der südöstlichen Ecke des Marktplatzes u.a. ein repräsentatives Haus, in dem eine Metzgerei betrieben wird. W. bemüht sich beim Regenten um die Konzession zum Betrieb eines Gasthauses mit dem Namen Gasthaus Zum Englischen Hof, die von Herzog Joseph am 10.03.1784 erteilt wird.
(s. auch 08.01.1942)

Das Haus gehört zu den geschichtsträchtigen der Stadt. In ihm logieren u. a. Dunkelgräfin und Dunkelgraf, das bayerische Königspaar (Ludwig I. und Therese), Prof. Hans Meyer, der Dichter Gustav Falke, Max Reger, der nationalistische Militär v. Ludendorff. In der DDR-Zeit wird es zu einem architektonisch geschmacklosen Gewerkschaftshaus umgebaut.

 

Der Englische Hof.
In: Technikum Hildburghausen "Aufnahmen aus Alt-Hildburghausen". Heft 4.

16. Juni 1782
Prinz Joseph begründet per Gesetz die Schützengesellschaft in Hildburghausen neu.


1782

Anschaffung drei weiterer großer Feuerspritzen in Hildburghausen.


1782

Der Geheime Rat und Oberhofmarschall Julius Siegfried v. Koppenfels erbaut das Haus Obere Marktstraße 2. (s. 1807)


1783

Herzog Joseph veranstaltet auf dem Hahnritz (zwischen Bedheim und Leimrieth) eine Jagd und zugleich einen Jahrmarkt mit 6.000 Besuchern.


Human schreibt in seinen Chroniken von 1886 und 1922 über die „Jagdleidenschaften“ und Judenspöttereien Josephs, dass zur Jagd Sauen durch einen großen Teich gehetzt worden seien. Sie hatten einen ausgestopften Juden mit langem Flachsbart auf sich sitzen, das Schwänzlein statt des Zaumes haltend, verkehrt auf sich sitzen. Während des Schwimmens wurden sie niedergeschossen. Allgemeines Gelächter aber erscholl, wenn statt des Wildschweines der Jude getroffen wurde.


1783

Verordnung wegen allgemeiner Not gegen Darreichung von Patengeschenken zur Taufe, hohen Festtagen, Konfirmation und Eheschließung. Denunzianten erhalten ein Drittel der eingetriebenen Strafe als Belohnung. Damit wird dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet.


1783

In die Waisenkirche in Hildburghausen wird eine Orgel eingebaut, der Prospekt stammt von der Veste Heldburg.


27. Mai 1783

Blitzschlag ins Schloss, es kommt zu Verwüstungen in den Räumlichkeiten, in der Schlosskirche und in der Bibliothek, fünf Pferde werden getötet.


1783

Bei einem Gewitter werden allein in Häselrieth 57 Schafe erschlagen.


4. bis 7. September 1783

Besuch des Fürstbischofs Friedrich v. Osnabrück mit Herzog Carl II. Ludwig Friedrich v. Mecklenburg-Strelitz. F. ist letzter Fürstbischof von Osnabrück, protestantisch. Zum Besuch werden große Hirsch-, Fasanen- und Hasenjagden veranstaltet.


1783

Vogelschutzgesetz zum Schutz von Specht, Kuckuck, Star, Wendehals, Wiedehopf als Insektenvertilger.


1783

Viehhandelsschuldforderungen müssen im fürstlichen Amt angemeldet werden, um Übervorteilungen von Schuldnern durch Juden vorzubeugen.


1784/85

Bau des ehemaligen Jagdschlösschens Belvedere (I) als Neues Haus, seit 1786 Charlottenburg, seit 1816 Belvedere, 1809 im Besitz des Ministers v. Lichtenstein, später des Prinzen Georg, der bis zum Umzug nach Eisenberg 1829 dort wohnt.
(s. 1891)

1785

Bei eintretender Nacht ist seit altersher Zapfenstreich (sechs Trommler und uwei Pfeifer geben Signale). Die Stadttore werden verschlossen. Außerhalb der Stadt befindliche Nachzügler müssen den Sperrbatzen entrichten. Nach 22 Uhr ohne Laternen angetroffene Bürger werden arretiert.


11. August 1785

† Friedrich Wilhelm v. Boxberg; Hofmarschall und Obrist der Hildburghäuser Garde und des Kontingents bei der Reichsarmee im Siebenjährigen Krieg unter Prinz Joseph.


3. September 1785

Eheschließung Herzog Friedrich v. Sachsen-Hildburghausen und Prinzessin Charlotte Georgine Louise Friederikes v. Mecklenburg-Strelitz (auf Vermittlung von Herzog Joseph v. Sachsen-Hildburghausen). Bis 1784 steht Herzog Friedrich unter Vormundschaft seines Urgroßonkels Joseph, der im beiderseitigen Einvernehmen bis 1787 regiert. Der Ehe des Herzogspaares entstammen zwölf Kinder.
(s. 03.07.1804)

Charlotte ist eine Schwester der nachmaligen preußischen Königin Luise, der Mutter des späteren deutschen. Kaisers und Königs von Preußen, Wilhelm I. und Großmutter Kaiser Friedrichs III. (des sog. 99-Tage-Kaisers).


24. November 1785

Feierliche Einweihung der Stadtkirche (Christuskirche) durch den General-Superintendenten Vikar Döhner mit Taufhandlung für den späteren Buchbinder Ebert und einer Trauung (Justus Lempert aus Birkenfeld). Das Kirchengebäude gilt als letzter Zentralbau des Barocks in Thüringen, er ist mit frühklassizistischen Stilelementen gemischt.

Haupteingang der Stadtkirche (Christuskirche)
In: Technikum Hildburghausen „Aufnahmen aus Alt-Hildburghausen“, Heft 4

Stadtkirche (Christuskirche).
Fotomontage. Verlag Ottmar Zieher, München, um 1910.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

6. Dezember 1785
* Carl Ludwig Nonne, Hildburghausen – († 17.07.1854, Hildburghausen)
Pädagoge, Theologe, Schriftsteller, Politiker


3. Februar 1786

Herzog Joseph erlässt eine Verordnung, in der es heißt, dass nur der 1. Sohn eines unter Schutz stehenden Juden in das Fürstentum aufgenommen wird: „Wie Wir denn in Zukunft jederzeit nur einem der im Lande geborenen jüdischen Söhne, damit die Judenschaft nicht übermäßig anwachse, den Schutz erteilen werden.“

 

12. Oktober 1786. Kondolenzschreiben von Wihelm Prinz von Oranien und Fürst zu Nassau an Friedrich Herzog von Sachsen-Hildburghausen zum Tod des Erbprinzen.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

25. November 1786
Herzog Joseph stiftet zur Unterstützung Kranker mit unentgeltlicher Medizin in den Amtsgerichtsbezirken Hildburghausen, Heldburg, Eisfeld, Behrungen die Josephinische Armenkasse (Josephinisches Armenlegat).


13. Dezember 1786

Gründung der St.-Johannis-Loge Carl zum Rautenkranz im Orient zu Hildburghausen mit einer Installationsloge.
Am 13.12. treffen sich erstmals die Gründer der Loge im Schloss. Stifter und erster Meister vom Stuhl ist der Vater Herzogin Charlottes, der spätere Großherzog Carl  II. Ludwig Friedrich v. Mecklenburg-Strelitz (englischer Großmeister für das einstige Kurfürstentum Hannover). Am Tag darauf wird Herzog Friedrich Mitglied und als Landesfürst Protektor der Loge (mit Urkunde vom 13.12.1788). Die ersten Tempelräume befinden sich im Schloss.

4. Januar 1787
† Prinz/Herzog Joseph Maria Friedrich Wilhelm Hollandinus,
Hildburghausen – (* 05.10.1702, Erbach).
Regierender Herzog 1780 – 1787, Seniorchef des Ernestinischen Hauses, Generalfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Joseph gilt als Restaurator des Fürstentums.


Zeitgenossen berichten, dass Herzog Friedrich zu seinen "Untertanen" sehr leutselig ist und in seiner Amtsführung human. In seiner 40-jährigen Regentschaft unterschreibt er beispielsweise nur ein Todesurteil, nämlich über einen Eisfelder Schäfer, der einen heimlichen Lotterieboten ermordet hat. Der Herzog verfügt, dass der Schäfer erst enthauptet und anschließend der Körper auf das Rad gelegt wird.
Ab 1780 steht der Erbprinz unter Vormundschaft seines Urgroßonkels, Herzog Joseph. Dem ab 1787 allein regierenden Herzog stehen für eine erfolgreiche Regierungszeit und vor allem für die Konsolidierung des desolaten Finanzzustands des Landes erfahrene Berater zur Seite.

Human urteilt:
„Zu allem Leid trat beim Herzog leider aber auch noch der väterliche Erbfehler übergroßer Gutmütigkeit, der so manchem unnötigen Diener Amt und Brod und so manchem aristokratisch feinen, aber unwürdigen Mann fürstliche Gunst nicht versagen konnte. So machte gar mancher jugendliche Adlige ohne Kenntnisse und Talent den Hof- und Militärdienst zum Tummelplatz leeren, kostspieligen Zeitvertreibes, während bürgerliche Beamte ohne rechten Takt, dafür aber mit um so mehr juristischer Pedanterie, Schmeichelei und Kriecherei vor den Höheren, Gegengewicht nicht zu halten vermochten. So konnte die Finanzdeputation einmal ungerechte Verwendung von 29 000 fl. Sold- und Equipierungsgeldern nachweisen, während sie freilich selbst Vorschuß zu kostspieligen Pferdehändeln des fürstlichen Marstalls leistete. Unnötigerweise wurden ein zweiter Oberforstmeister, ein zweiter Bibliothekar und Kammerkonsulent angestellt, der armen Witwe eines Dieners aber, der 30 Jahre dem fürstlichen Haus in Treuen gedient, a. 1818 der kärgliche Zuschuß zu einer Pension von 50 fl. versagt, und dafür für einen herrschaftlichen Hund eine außerordentliche neue Verwilligung von fünf Simmern Korn ausgesetzt, wie der allerdings zu Übertreibungen leicht hinneigende Landrat Hanibal Fischer in seinem politischen Martyrium berichtet.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. 1908, S. 266 f.)

4. Januar 1787

Nach dem Tod des Prinzen Joseph übernimmt Herzog Friedrich die Alleinregierung über das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen.
Zeitgenossen berichten, dass Herzog Friedrich zu seinen „Untertanen“ sehr leutselig ist und in seiner Amtsführung human. In seiner 40-jährigen Regentschaft unterschreibt er beispielsweise nur ein Todesurteil, nämlich über einen Eisfelder Schäfer, der einen heimlichen Lotterieboten ermordet hat. Der Herzog verfügt, dass der Schäfer erst enthauptet und anschließend der Körper auf das Rad gelegt wird.
Ab 1780 steht der Erbprinz unter Vormundschaft seines Urgroßonkels, Herzog Joseph. Dem ab 1787 allein regierenden Herzog stehen für eine erfolgreiche Regierungszeit und vor allem für die Konsolidierung des desolaten Finanzzustands des Landes erfahrene Berater zur Seite.


Human urteilt:
„Zu allem Leid trat beim Herzog leider aber auch noch der väterliche Erbfehler übergroßer Gutmütigkeit, der so manchem unnötigen Diener Amt und Brod und so manchem aristokratisch feinen, aber unwürdigen Mann fürstliche Gunst nicht versagen konnte. So machte gar mancher jugendliche Adlige ohne Kenntnisse und Talent den Hof- und Militärdienst zum Tummelplatz leeren, kostspieligen Zeitvertreibes, während bürgerliche Beamte ohne rechten Takt, dafür aber mit um so mehr juristischer Pedanterie, Schmeichelei und Kriecherei vor den Höheren, Gegengewicht nicht zu halten vermochten. So konnte die Finanzdeputation einmal ungerechte Verwendung von 29 000 fl. Sold- und Equipierungsgeldern nachweisen, während sie freilich selbst Vorschuß zu kostspieligen Pferdehändeln des fürstlichen Marstalls leistete. Unnötigerweise wurden ein zweiter Oberforstmeister, ein zweiter Bibliothekar und Kammerkonsulent angestellt, der armen Witwe eines Dieners aber, der 30 Jahre dem fürstlichen Haus in Treuen gedient, a. 1818 der kärgliche Zuschuß zu einer Pension von 50 fl. versagt, und dafür für einen herrschaftlichen Hund eine außerordentliche neue Verwilligung von fünf Simmern Korn ausgesetzt, wie der allerdings zu Übertreibungen leicht hinneigende Landrat Hanibal Fischer in seinem politischen Martyrium berichtet.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. – 1908, S. 266 f.)

7. Februar 1787

Die Freimaurerloge Carl zum Rautenkranz erhält von der Großloge von England zur Anerkennung als „gesetzmäßige Loge freier und angenommener Maurer“ (Nr. 405 des allgemeinen Registers der Großloge von England) das Konstitutionspatent. Sie schließt sich der Eklektischen Großloge zu Frankfurt/M. an. – Im gleichen Jahr richtet die Freimaurerloge eine Armenkasse ein.


14. Februar 1788

Kirchenordnung: Exorzismus und Kirchenbuße werden aufgehoben.


21. Februar 1788

Der Hofbuchhändler Johann Gottfried Hanisch kauft das Buchdruckerprivileg (einschl. Buchdruckerwerkzeug, Instrumente und Schriften) für 770 Gulden und vereinigt die Druckerei mit seiner Buchhandlung. Sie sind bis 1817 in seinem Besitz.

Heller 1788 (achteckig)

1788
Im Englischen Hof am Markt logiert der Philosoph, Theologe und Dichter Johann Gottfried Herder (1744 – 1803).


Herder schreibt am 09.08.1788 aus Bamberg: „In Meiningen kam ich zwischen 4 und 5 an, weil ich aber unter den Flügeln des zwar nicht weisen, aber weißen Georg (gemeint ist Herzog Georg I. v. Sachsen-Meiningen [1761 – 1803], d. Verf.) durchaus keine Nacht zu bringen wollte, so nahm ich zwischen 5 und 6 Reißaus und kam um 12 Uhr glücklich in Hildburghausen an.“
 

5. November 1788

† Ernst Friedrich Carl Döhner – (* 03.12.1731)
Hof- und Garnisonprediger, Archidiakon (Stadtkirche) und Vikar der Generalsuperintendentur


„Das Fürstentum Koburg“ (Ausschnitt)
Kupferstichlandkarte von Reilly", 1789
Anlasskarte zur „Fränkischen Weihnacht“, 1984.
Ausstellung „Auf alten Landstraßen“ Philatelisten-Club Rodach.
Gestaltung: Walter Fischer, Rodach b. Coburg. 

1789
Gründung eines kleinen Zollvereins zur Anhebung des freien Handels zwischen Sachsen-Coburg, -Meiningen und -Hildburghausen in Rodach, initiiert von Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen.


1789

Emission einer Freimaurermedaille (Silber) der Loge Carl zum Rautenkranz auf die Geburt des Erbprinzen Joseph (1789 – 1868).


1790

Die 1. Leihbibliothek in Hildburghausen unterhält Heinrich Dressel aus Eisfeld (* 01.06.1766 – † 09.10.1836) in der Schlossgasse 4 (heute: J.-S.-Bach-Str.), ferner neben Hanisch einen Lesezirkel. Dressel ist u. a. für den Dunkelgrafen tätig.


10. Juli 1790

† J. G. Pranger, Meiningen – (* 05.08.1745, Hildburghausen)
Theologe, Dramatiker

Der Meininger Hofprediger und Dramatiker steht auch mit Schiller im Disput. Als Antwort auf Lessings Nathan der Weise (Er sieht in dem Stück eine Abwertung des Christentums gegenüber dem Judentum) schreibt er das Schauspiel Mönch vom Libanon.


26. August 1790

Anerkennung eines sog. Immerwährenden Comitées durch die Bruderschaft der Freimaurerloge, das aus verschiedenen Meistern besteht und die Geschäfte der Loge leitet sowie die inneren Angelegenheiten vorverhandelt (heute mit einem Vereinsvorstand vergleichbar).


Nach 1790

Die Französische Revolution, vor allem die aufklärerischen Gedanken, spiegeln sich auch in Textbeiträgen in der Hildburghäusischen Wöchentlichen Anzeige.


1790

Johanna Nonne, geb. Wölfing, Mutter C. L. Nonnes, übernimmt am Hof die Anstellung als Pflegerin und Erzieherin der Prinzessinnen und Prinzen. Ihr Mann, Regierungsrat Ludwig Friedrich N., stirbt bereits 1788. Carl Ludwig N. muss das Elternhaus sehr früh verlassen und wird vom Sachsendorfer (heute: Sachsenbrunn) Pfarrer Hummel erzogen.


1790/91

Im Kirchenjahr kommunizieren bei der Schlosskirche 461 evangelisch-lutherische Gläubige, in der Stadtkirche (Christuskirche) 1921, in der Neustädter Kirche (Apostelkirche) 640 und in der Reformierten Kirche 73.


1791

Prinzessin Luise und Kronprinz Friedrich Wilhelm besuchen die Residenz Hildburghausen.


21. November 1791

Nach Ausbruch der Französischen Revolution (1789) wird Frankreich von Preußen und Österreich der Krieg erklärt. Mit Beschluss vom 21.11. muss sich das Gesamtreich beteiligen. Hildburghausen kann kein Kontingent stellen, da kein stehendes Heer vorhanden ist und der Kleinstaat enorme Schulden hat.
(s. 1795)

1791

Häselrieth hat 350 Einwohner. „Die Schule ist dermahlen mit 47 Kindern, nemlich 23 Knaben und 24 Mädgen besetzet.“


1791

Die Freimaurerloge Carl zum Rautenkranz richtet eine Logenbibliothek ein. Erstes Buch ist ein Geschenk (Sammlung von Freimaurerliedern) der Leipziger Loge Minerva zu den 3 Palmen.
Am 04.04. richtet die Loge eine Prämienstiftung für arme Handwerker aber auch als Anreiz für gute handwerkliche Qualität ein.

Bis Ende 18. Jahrhunderts
In der Residenzstadt herrschen teils unhaltbare hygienische Verhältnisse.


„Während sich ... infolge der engen Straßen, vieler faulenden Stoffe in den Häusern, stagnierenden Wassers im Stadtgraben, Beerdigungen um und in der Kirche, sowie darum, daß das Korporationswesen eine konsequente Handhabung der Administrativgewalt nicht zuließ und Vagantenscharen Krankheiten leicht verschleppten des öfteren pestartige Krankheiten hausten, wurde es erst einigermaßen besser seit Mitte vorigen Jahrhunderts, da Prinz Joseph den ärmeren Klassen nicht nur unentgeltlich ärztliche Hülfe gewährte, sondern auch ärztliche Verordnungen zum Gemeinwohl wiederholt publizieren ließ. So wurde z. B. 1772 gegen das bösartige Fieber infolge schlechter Kost das ‚Friedrichshaller Laxiersalz‘, Brotwasser mit Citronensaft oder Essig, öfterer Wäschewechsel und Zuführung frischer Luft empfohlen, das bis dahin aber sehr beliebte Aderlassen widerraten; 1784 pries man gegen die grassierenden gichtischen Zufälle das philosoph. Goldsalz und gegen krebsartige Erscheinungen Burgunderwein mit Nußöl, pulverisierte Chinarinde und Storax gekocht und appliziert. Konnten die Kirchennachrichten 1796 einmal besagen: ‚Eine Eigenheit dieses Jahres ist es, daß keine Epidemien hier grassierten und kaum eine Fieberkrankheit Jemanden aufrieb‘."
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 452 f.)

1791 – 1803

Im Zeitraum werden im Herzogtum 851 Personen von den natürlichen Blattern hingerafft. Seit 1803 beginnen erste Impfungen zur Bekämpfung der gefährlichen Krankheit, veranlasst durch Pfarrer Fr. W. Langguth, Harras, und den ersten Impfarzt, Dr. C. Sondermann.


1792 bis März 1793

Besuch der Prinzessin Luise v. Preußen sowie ihrer Großmutter und ihrer Schwester Friedericke in Hildburghausen.


1792 – 1794

In Stadt und Amt Hildburghausen kommt es zu Durchzügen und Einquartierungen vor allem französischer Truppen zum Rhein und in die Niederlande. General Jourdan versichert, die Neutralität der sächsischen Lande auch in Hildburghausen anzuerkennen.


1792

In Weitersroda wird an Stelle einer Vorgängerkirche die Dorf-Gottesstube erbaut. In ihr steht der Taufstein von 1624 mit einer stilisierten aufgebrochenen Blume. Aus dem gleichen Jahr stammt das älteste Kirchenbuch des Ortes.


8. Juli 1792

* Therese Charlotte Louise Friederike Amalie, Jagdschloss Seidingstadt
Tochter von Herzog Friedrich und Herzogin Charlotte
† 26.10.1854, München
Taufpaten sind u. a. die Kaiserin Maria Theresia, die Kronprinzessin von England, die Herzogin von York, die Landgräfin v. Darmstadt, die Herzogin von Mecklenburg-Strelitz, der Erbprinz von Baden, Prinz Friedrich v. Sachsen-Hildburghausen, der Großherzog von Würzburg.
Therese ist seit 1810 verheiratet mit Kronprinz Ludwig von Bayern, ab 1825 Königin.

Friedrich Herzog von Sachsen-Hildburghausen, um 1790.
Gemälde von Heinrich Vogel, 1871 für das Rathaus Altenburg.
Herzoglicher Rat Heinrich Vogel * 1818, Hildburghausen – † 1904, Hildburghausen 

10. Oktober 1792
Herzog Friedrich befiehlt (nach Meininger Vorbild) die Errichtung eines Lehrerseminars in Hildburghausen. Ein Reskript stellt die Gründungsurkunde des Lehrerseminars dar. Der Visitationsbericht von Hofprediger Johann Andreas Genßler zeigt die Missstände in der Bildung auf, vor allem bei der Landbevölkerung.


Human bemerkt:
„Waren aber die Gründe zur Gründung hier zunächst auch dieselben wie einst dort, nämlich die Aufklärungsideen Josephs und Friedrichs II., der Dichter, Denker und einzelner Beamten, welche Unwissenheit und Rohheit der Kinder, die notdürftig lasen und Buchstaben malten, nicht länger dulden mochten, so kamen dazu jetzt Ideen und Thaten der französischen Revolution, mit denen das Volk sympathisierte. Es wurde hier viel gelesen und raissonniert, die Erkenntnis des Mißverhältnisses zwischen der Bildung der unteren und oberen Klassen, die in Frankreich aufgedeckten Schäden des Staatshaushaltes im Zusammenhalt mit den heimischen Mißständen, die unter der seit 1772 bestehenden Debitkommission und unter Prinz Josephs Jagdfesten nur langsam partielle Besserung erfuhren, entzündeten Enthusiasmus für Volksbeglückung. Dazu traten sonstige Neugedanken vom Hof hierher gezogener Fremden, wie Hiesiger, die im Hofdienst oder sonst abenteuernd die Fremde gesehen. So kam es über religiöse und politische Freiheit und Gleichheit zu Gedanken von Kraftgenies, die mit einem salto mortale von einem Extrem ins andere sprangen, die Schulreorganisation aber würde so letztlich zu einem Werk der Not, mit Schulzucht den Libertinismus zu bekämpfen.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 500 f.)
(s. 14.09.1795)

1792

Herzog Friedrich erklärt sich außerstande, ein militärisches Kontingent zu stellen. Er bietet einen jährlichen Geldbetrag von 1 1/2 Simplum (1 Simplum > 48 Mann Infanterie, für das pro Mann jährlich 60 Taler zu zahlen sind).


1792

Erzherzog Karl inspiziert die Hildburghäuser Kompanie und findet trotz der eingerichteten Kriegskommission eine disziplinlose militärische Truppe vor.


1793

Carl II. Ludwig Friedrich tritt seine Regentschaft als Großherzog von Mecklenburg-Strelitz an und verlässt deshalb den Hildburghäuser Hof. Bis zu seinem Tod (1816) bleibt er jedoch Meister vom Stuhl der Freimaurerloge, amtiert aber selbst nicht und lässt die Aufgaben vom jeweiligen Deputierten Meister vom Stuhl ausführen.


9. Februar 1793

Johann Christian Bechmann; Sohn von Maria Johanna Bechmann; wird von Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis zum Postverwalter ernannt. Herzog Friedrich von Sachsen-Hildburghausen verleiht ihm für seine Verdienste am Hof 1801 den Titel eines „Postsekretärs“.


1793

Das Waisenhaus in der Neustadt (s. 1720) wird aufgelöst. Die Kinder kommen zur Pflege in bürgerliche Familien. Das Haus wird bis 1830 bzw. 1866 als Zucht-, Arbeits- und Irrenhaus genutzt.


1793

Der Geheime Assistenz-Rat Christoph Wilhelm Radefeld ersteigert das Tischbeinhaus für 1.600 Gulden aus der Konkursmasse des Gastwirts Johann Rudolph Hemleb. Das Gebäude wird fortan als Wohnhaus genutzt.


20. März 1794

Charlotte von Wolzogen, einstige Geliebte Schillers in Bauerbach, verehelicht mit dem Sachsen-Hildburghäuser Regierungspräsidenten Conrad Friedrich Rühle von Lilienstern verstirbt nach der Geburt ihres zweiten Kindes in Hildburghausen und wird in der Schlosskirche zu Bedheim beigesetzt.


14. Februar 1795

Erlass des Herzogs zur Bildung des Hildburghäuser Kontingents: Freiwillige (im Alter von 18 – 40 Jahren), unverheiratet und einer Mindestgröße von 5 Schuh und 3 Zoll. Der Freiwillige bekommt 20 fl. rh. Handgeld, nach dem Militärdienst erfolgt die Befreiung von Nahrungs- und Hintersitzsteuer.


14. September 1795

Eröffnung des Schulmeister-Seminariums mit zwölf Zöglingen. Hofprediger Johann Andreas Genßler, auf dessen Initiative die Gründung des Seminars zurückgeht, wird am 29.05. aufgefordert, „von den sich gemeldeten Subjectis acht der tauglichsten auszuwählen und solche in das Institut würklich aufzunehmen“.
Zum Zeitpunkt gibt es in Deutschland ca. 30 Lehrerseminare. Herzog Friedrich befürwortet das Seminar, aber es müssen viele Hemmnisse überwunden werden; finanzielle Absicherung, fehlende Räumlichkeiten, geringes Verständnis der Stadtbehörde. Anfangs wird ein Raum im Waisenhaus (heute: Gebäude der Henneberg-Kliniken) genutzt. Finanzbeträge der Stadt und der Gemeinden müssen zwangsweise eingetrieben werden. Die Lehrer unterrichten teilweise unentgeltlich in ihren eigenen Wohnungen und geben den Seminaristen Quartier und Holz. Ein Kurs dauert anfangs zwei, bei Nonne zweieinhalb (bzw. bis die Seminaristen als Kandidaten entlassen werden, dann werden wieder neue Schüler aufgenommen). Als Lehrer sind teilweise führende und anerkannte Persönlichkeiten tätig: Direktor, Examinator, Lehrer für Deutsch und Geschichte ist Hofprediger Genßler, Inspektor und 1. Lehrer ist Waisenpfarrer W. Müller, Lehrer für Musik P. Heuschkel, Rechtskunde Hofadvokat Lotz, T. Oberländer für Geografie, für Botanik Dr. Stellmacher usw. Zur Erlangung der notwendigen Vorbildung besuchen die Seminaristen je 2 Stunden die Prima und Tertia der Stadtschule bei Prof. Reinhardt und Neumeister. Genßler steht später im Widerspruch zu den von Pestalozzi geprägten pädagogischen Auffassungen des jungen Schulrats Carl Ludwig Nonne.

4. Dezember 1795

† Prinz Friedrich Wilhelm Eugen, Oehringen – (* 08.10.1730).
Gründer der Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf, Debitkommissar für das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen, königlich-dänischer Generalleutnant der Infanterie.
Nach dem Tod des Prinzen fallen das Rittergut Weitersroda und die Porzellanfabrik Kloster Veilsdorf an Herzog Friedrich.


1796

In der Residenzstadt Hildburghausen wohnen 3.696 Bürger, davon 128 Juden in 22 Familien.


1796

Mit den benachbarten Fürstentümern Coburg und Meiningen (einschließlich der Ämter Themar und Römhild) tritt ein Vertrag zum freien Ein- und Verkauf auf den Jahr-, Wochen- und Viehmärkten in Kraft. Außerhalb der Märkte darf nur für den eigenen Bedarf gekauft werden und nicht für den finanziellen Zugewinn. Zuwiderhandlungen werden unter Strafe gestellt.


1796

Die Freimaurerloge Carl zum Rautenkranz richtet eine Witwen- und Waisenkasse ein, in Ausnahmefällen werden auch Angehörige von Nichtmitgliedern unterstützt. Eine Kasse besteht bis 1828, sie wird 1836 förmlich aufgelöst.


Jahresanfang 1796 bis Herbst 1797
Theaterprinzipal v. Weber sucht in Hildburghausen Möglichkeiten für Darbietungen seiner Theatertruppe. Er nimmt Quartier im Haus des Bäckers Haupt (heute: Obere Marktstraße 43). Der 23-jährige Hoforganist und Musikerzieher Johann Peter Heuschkel gibt dem talentierten elfjährigen Carl Maria v. Weber (* 18. oder 19.11.1786, Eutin – † 05.06.1826, London) grundlegenden Unterricht in Klavierspiel und Harmonielehre.

1818 schreibt Weber: „Den wahren festen Grund zur deutlichen charaktervollen Spielart auf dem Klavier und gleiche Ausbildung beider Hände habe ich dem braven, strengen und eifrigen Heuschkel in Hildburghausen zu verdanken.“


9. Mai 1796

* Carl Joseph Meyer, Gotha – († 27.06.1856, Hildburghausen)
Vater: Johann Nicolaus M. (1759 – 1823),
Mutter: Marie Juliane M., geb. Leinhos (1772 – 1851).


August 1796

Das Amt Königsberg in Franken (Hildburghäuser Exklave) wird von französisch-republikanischen Armeeverbänden heimgesucht (General Lefebvre). Sie bringen großes Leid über die Menschen. Hofprediger Johann Andreas Genßler berichtet detailgetreu in seiner „Geschichtserzählung von dem Einfall der französisch-republikanischen Armee ins Amt Königsberg“. Sein in der Johann Gottfried Hanischschen Hofbuchdruckerei Hildburghausen gedruckter Bericht löst eine Spendensammlung im Fürstentum Sachsen-Hildburghausen aus, binnen kurzer Zeit kommt die nennenswerte Summe von 5.000 Gulden zusammen. Der Schaden in Königsberg beträgt 12.250 Gulden, in den Amtsdörfern 37.975 Gulden 57 Kreuzer.

Der Pfersdorfer Chronist schreibt zu der von Genßler initiierten Schrift: „Im Monat August hatten sich die feindlichen Kriegsheere in das Amt Königsberg gelagert und durch ihre Plünderungen und Verwüstungen die dasiegen Bewohner in der Stadt und den angrenzenden Dorfschaften in die traurigste Lage versetzt, so daß eine hohe Obrigkeit die Veranstaltung traf, eine Kollekte auszuschreiben in den Ämtern Hildburghausen, Eisfeld, Heldburg, Sonnefeld, Behrungen, um dem großen Mangel abzuhelfen, nachdem vorher am Sonntag des 1. Advent dieserhalben eine Ermangelungspredigt zur Wohltätigkeit in jedem Orte über Psalm 41, 1 – 4 gehalten worden ist. Sehr reichlich brachten die guten Bewohner dieser genannten Ämter Getreide, Flachs und Geld dar, um die Not ihrer Brüder zu mildern, welches auch die Bewohner von Pfersdorf und Leimrieth taten, und auch der ärmste Taglöhner schloß sich nicht aus.“

10 berittene Marodeure des französischen Truppenteils verirren sich in Richtung Hildburghausen.
„Die Einwohner verschlossen und verrammelten ihre Häuser, doch ein stattliches Mahl im Englischen Hof erquickte darauf die Gäste, wobei der Schulkollege Christian Schuck den Dolmetsch machte und Assistenzrat Radefeld, der kurz darauf auch den arg geängstigten Königsberger Amtmann aus Lefebvres Händen befreite, vermittelte. Der Herzog aber sprengte mit einigen Begleitern kopf- und hutlos zum Schleusinger Tor hinaus, und schließlich zogen die Marodeurs noch mit einem Geschenk von je einem Louisdor wieder ab.“
(Human: Napoleonische Zeit und nationale Freiheit. – 1913, S. 14)

1796

Herzogliche Jagdfeste, bei denen es nicht immer weidmännisch zugeht. Die herzoglichen Forsten weisen einen beträchtlichen Wildbestand auf. So werden 1796 z.B. 179 Stück Rotwild, 52 Rehe, 1.500 Hasen erlegt.
Über den 50 Jahre im Hofdienst stehenden einflussreichen Georg Philipp König († 13.06.1816, 83-jährig) wird berichtet: „Da der Herzog kurzsichtig war, mußte ihm König auf der Jagd die Hirsche zum Schuß zeigen und die Sage geht, daß er ihm keine zeigte, falls er ihn in übler Laune nach Hause bringen wollte. Durch ihn sollte einst ein Kandidat, der lange vergeblich auf eine Pfarrstelle gewartet, dadurch zur Stelle gekommen sein, daß er auf Königs Rat im Ernstthaler Forst bei Anwesenheit des Herzogs eine Predigt im Wald laut memorierte und damit die Hirsche verscheuchte.“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. – 1908, S. 424) 

Johann Schneyer hat zu diesem Ereignis das Gedicht
D'r Herrsch geschrieben. Eckhard Witter hat das Geschehen im 1990 erschienen Sagenband Das Achtläuten – Sagen aus dem Hildburghäuser Land (Die Predigt im Walde) verarbeitet.

13. November 1796

Herzog Friedrich erlässt ein Mandat zur Erhebung einer Kriegsanlage (Steuer) auf die Jahre 1796/97. Juden haben beispielsweise eine doppelte Nahrungssteuer zu bezahlen.


29. November 1796

† Erdmann Feuchter v. Feuchtersleben, Hildburghausen
Generaladjutant und Major der Artillerie, Geheimer Rat, Oberlandbaudirektor
09.07.1768 Ernennung zum Kammerrat und Oberlandbaudirektor. Er plant und leitet den Wiederaufbau der Stadt nach dem großen Stadtbrand von 1779 und steht einer Kommission (1796) vor, die die heruntergewirtschaftete Veste Heldburg untersucht, die abgebrochen werden soll. F. plädiert für deren Erhalt.


1797

Genßler und Ernesti edieren das Hildburghäuser Kirchen-Gesangbuch. Viele Liedtexte werden modernisiert und büßen damit ihren ursprünglichen Charakter ein.



„Hildburghausen wöchentliche Anzeige“ von 8. April 1797, Seiten 120 und 131.
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

28. Juni 1797
† Günther Gottlieb Ernesti (38-jährig). Prediger der Stadtkirche, Verfasser religiöser Schriften. Seine Gemahlin Charlotte E. ist Pflegerin von Herzogin Charlotte.


1798
Die neugebildete Füsilierkompanie (Infanteristen) wird gemeinsam mit der Coburger Füsilierkompanie vom Obersächsischen Kreiskontingent unter Kommando des Coburger Oberstleutnants Boxberg zur Besetzung der Feste Ehrenbreitstein (Koblenz) in Marsch gesetzt.

1798
Eine Ruhrepidemie bricht in Bürden aus. Lt. Kirchenbuch sterben im Zeitraum von 1770 bis 1875  41 Einwohner in B. an Ruhr, Blattern und Typhus.

24. April 1798

† Christian Beyer, 74-jähriger Waldhornmacher (Salzburger Emigrant in Hildburghausen).


5. Februar 1799
Herzog Friedrich wird zum k. k. Feldmarschall-Leutnant und Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 41 ernannt (bis 1807).

22. Februar 1799

Rückkehr der Hildburghäuser Füsilierkompanie. Nach 14-monatiger Belagerung von Ehrenbreitstein durch die Franzosen fällt am 27.01. die Feste.

Das Kontingent befindet sich in einem jammervollen Zustand. Überlieferungen sagen, dass der strenge Winter 1798/99 der Mannschaft stark zugesetzt hat. Gebäude werden zur Brennholzgewinnung niedergerissen. Vögel, Katzen, Hunde, Pferde dienen der Verpflegung. Die Kompanie besteht aus 2 Offizieren, 53 Mann vom Feldwebel abwärts mit 6 Weibern.

1799

Die seit 1766 einzige in Hildburghausen publizierte Zeitung, die Hildburghäusische wöchentliche Frag- und Anzeige (Oktavformat, acht Seiten), erscheint samstags in der Gottfried Hanischschen privilegierten Druckerei und Verlagsanstalt (heute: Zweigstelle der Kreissparkasse am Markt), wird in Herzogl. Sächs. Hildburghäusisches Wochenblatt umbenannt. Die Zeitung (inzwischen im Quartformat) zeigt größeres Interesse an Themen der Innen- und Außenpolitik. Die Bevölkerung nimmt regen Anteil an den von Frankreich ausgehenden Veränderungen in Europa.


1799

Das Herzogspaar reist an den Hof Mecklenburg-Strelitz zum Besuch der Eltern der Herzogin Charlotte, anschließend nach Berlin zu Königin Luise von Preußen.


Mai 1799

Der Dichter Jean Paul kommt auf Einladung Herzogin Charlottes nach Hildburghausen. Herzog Friedrich ernennt den populären Dichter zum Legationsrat. Sein Logis findet er im Gasthof Zum Erbprinzen bei Hofbüttner Christian Gehring bzw. seine Wohnung nimmt er am Schlossplatz in einer ehemaligen Amtswohnung.
Den politischen Bildungsroman Titan (1800 – 1803, in Meiningen vollendet) widmet er den vier „königlichen Schwestern auf dem Thron“ (Friederike v. Hannover, Mathilde Therese v. Thurn und Taxis, Königin Luise v. Preußen, Charlotte v. Sachsen-Hildburghausen). Nach einem Jahr verlässt er die Stadt nach Zerwürfnissen mit dem Hof.

In einem Brief vom 25.05.1799 an seinen Freund Otto schreibt Jean Paul: „Hier sitze ich nun seit einer Woche und recht weich. Erstlich denke Dir, male Dir die himmlische Herzogin mit schönen kindlichen Augen, das ganze Gesicht voll Liebe und Reiz und Jugend, mit einer Nachtigallen-Stimmritze und einem Mutterherz – dann denke Dir die noch schönere Schwester, die Fürstin von Solms und ebensogut und die dritte, die Fürstin von Thurn und Taxis, welche beide mit mir an Einem Tage mit den gesunden, frohen Kindern ankamen. (Erlasse mir die Männer.) Mit der von Solms wollte ich in einem Kohlenbergwerk hausen, dürfte ich ihren Galan da vorstellen. Diese Wesen lieben und lesen mich und wollen nun, daß ich noch acht Tage bleibe, um die erhabene, schöne vierte Schwester, die Königin von Preußen, zu sehen. Ich bin auf Mittag und Abend immer gebeten. Der Herzog, äußerst gutmütig, machte anfangs nicht viel tait von mir, aber jetzt ist er mir recht gut und merkte an, daß ich mir zu wenig Spargel genommen und gab mir außer diesem die ersten Hirschkolben zu essen, die nicht sonderlich sind ...“


Zum höfischen Leben schreibt Jean Paul:
„Ich studiere an diesen Höfchen die Curalien mehr ein für meine Biographien. Wenn Alles aus den Vorzimmern in den Speisesaal zieht, so schreitet das kurze Kammerjunker- und sonstige Volk und ich mithin mit wie die Schule vor der Bahre voraus und die fürstlich gepaarten Personen schleifen nach.
Wieland aber (das erzählt er mir selbst immer mit Spaß über seine Unwissenheit) gedachte höflich zu sein und ging nicht voran, sondern fügte sich zum Nachtrapp und kam so zugleich mit den Fürstenpaaren an.“

1799

Der Glockenbrunnen in Wallrabs erhält vermutlich seine heutige Gestalt.

Glockenbrunnen in Wallrabs mit der Jahreszahl 1799 – 1981.
Foto: Rainer Lörtzing, Hildburghausen

„Partie in Wallrabs“ mit dem Glockenbrunnen aus dem Jahr 1799.
Verlag Karl Kien, Hildburghausen, postalisch 1917 gelaufen.

1800
Das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen hat eine Größe von ca. 550 km² und etwa 33.000 Einwohner.


1800

Hildburghausen besitzt drei Vorstädte. Vor dem Dreißigjährigen Krieg werden die Obere und Untere Vorstadt angelegt. Die Untere Vorstadt beginnt am Hoheitshaus (Puschkinplatz/Untere Allee) in Richtung Bahnhof, die Obere Vorstadt ab Bürgerschule in Richtung Eisfelder Straße. Die Erweiterung nach Norden entsteht nach 1710 durch den Zuzug der zwölf französischen Emigrantenfamilien (Hugenotten), ab Alte Post (Stadtmuseum), Nonneplatz, Schleusinger Straße. Die Einwohnerzahl liegt bei 4.000.


Um 1800

Die im Wesentlichen freien Bauern müssen noch gewisse Fronlasten für ihre Abhängigkeit von Personen bzw. Körperschaften erfüllen, die erst nach der endgültigen Bauernbefreiung (1846, 1848, 1850) wegfallen:
landwirtschaftliche Arbeiten, Spanndienste für Transportfahrten bei herrschaftlichen Bauten, Transport herrschaftlicher Gegenstände in die Sommerresidenz Seidingstadt, Flößholzdienst, Treiberdienste für die Jagd, Straßen- und Wegebauarbeiten, Wachdienste, Botengänge u. ä. Auch der Zehnt muss für das Pachtverhältnis abgegolten werden und wird zumeist mit Geld bezahlt.
(s. 13.03.1846 und 05.05.1850)

Um 1800

Probleme der Moral und öffentlichen Sicherheit stellen sich in allen Jahrhunderten auf ihre eigene Weise. A. Buff beschreibt in Hildburghausen um 1800 nach Auswertung des Hildburghäuser Wochenblatts u. a.:


„Felddiebstähle sind offenbar häufig vorgekommen, sieht sich doch der Rat 1801 veranlaßt, eine Verfügung zu erneuern, die das Betreten der Krautgärten in der Dunkelheit früh und abends ... bei Vermeidung 1 Guldens Strafe verbietet. Da die ‚Mausereyen‘ ... unter dem Deckmantel der Verrichtung auf dem eigenen Krautgarten-Grundstück Diebereien verüben, wird nochmals auf das ... Gesetz vom Jahre 1792 hingewiesen und zugleich die Strafe des Geigentragens für Garten- und Feldfrevel angedroht. Außerdem wird das Hüten des Viehes in der Dämmerung, sowie das Grasholen vor Tagesanbruch und nach eingetretener Dunkelheit und das Fischen in der Nachtzeit untersagt. ... Nicht einmal der Herzogl. Schloßgarten wurde von den Dieben verschont. Eines Tages schlug man an verschiedenen Türen die Schlösser ab und entwendete sie. Die Herzogl. Kammer droht im Tone schärfster Entrüstung Zuchthausstrafe für dergleichen Frevel an ... An anderer Stelle werden 2 Laubtaler Belohnung der Person ausgesetzt, die zur Ermittelung der Baumfrevler in den Schloßgärten, auf der Allee und an der Chaussee beitragen kann ... So werden ... die Wirte und Schenken ernstlich angehalten, das Bier ganz unverfälscht, wie es aus dem Brauhaus kommt, zu verzapfen und genaue 'Gemäser' zu benutzen, zum anderen die Metzger darauf hingewiesen, daß es nicht gestattet sei, die Fleischarten zum Schaden des Publikums aufzublasen. Unvorhergesehene Visitationen werden angekündigt, um solche Betrügereien zu unterbinden.“


1800

Torwachtkosten. Die Bürger der Stadt müssen 16 Gute Groschen als Abgabe entrichten.
Der Torwärter (auch Provisianer genannt) erhebt an den Stadttoren den Zoll für die Fuhren (hierzu gibt es gesonderte Gebührentabellen) und kontrolliert die Ein- und Ausreisenden, die ein entsprechendes Entgelt entrichten müssen (nach Gebührentabellen). Die Reisenden müssen Namen, Beruf, Herkunft, Gastgeber angeben, die dann im Wochenanzeiger unter Angekommene und durchpassierte Personen veröffentlicht werden. Überdies müssen die Gasthöfe bzw. Bürgerfamilien, die Fremde gegen ein Entgelt beherbergen, die Fremden innerhalb 24 Stunden beim Rat melden. Die Passier- und Zollregeln werden peinlich genau kontrolliert. Den Hauderern (Fuhrleuten) drohen empfindliche Strafen (10 Taler und 5 Gutte Groschen), die den Personen- und Warentransport zu einer zusätzlichen privaten Einnahmequelle gestalten. – Überdies gibt es Chausseegeld-Hebestellen am Eingang der Ortschaften, es müssen sog. Wegegeldzettel (Passagegeld) gelöst werden. Die vereinnahmten Gebühren werden im Wesentlichen zur Instandhaltung der Straßen und Wege verwendet.

1800

Im Ergebnis der Friedensverträge von Basel (1795), Campo Formio (1797) und Lunéville (1801) werden die linksrheinischen Gebiete von Frankreich annektiert. Fürst Alexander v. Thurn und Taxis (er übt bis 1806 das kaiserliche Postregal aus) schließt mit der Französischen Republik einen Postvertrag ab.
Rechtsrheinische Gebiete werden u. a. in vier Rayons eingeteilt. Hildburghausen kommt zum Rayon 3.

Um 1800

Der Erbprinz Georg Friedrich Ernst Carl erhält nach Sitte des herzoglichen Hauses vom Kabinettsschreiner Rißland eine Ausbildung im Schreinerhandwerk. Für zwei Monate bekommt der Erbprinz 2 Laubtaler ausgezahlt.


9. November 1800

Über Hildburghausen tobt ein Orkan, der an Bauwerken, vor allem an Dächern große Schäden verursacht.


17. Dezember 1800

* Bernhard II. Erich Freund – († 03.12.1882), Herzog von Sachsen-Meiningen (bis 21.12.1821 unter Vormundschaft seiner Mutter Luise Eleonore), nach Hildburghäuser Teilungsvertrag vom 12.11.1826 Herzog von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen.


1800

Es ist überliefert, dass die siebenjährige Prinzessin Therese in einem Theaterstück als Rotkäppchen auftritt.


1800

Die Römhilder Straße in Wallrabs wird angelegt.


1800

Großherzog Carl II. Ludwig Friedrich v. Mecklenburg-Strelitz fasst den Plan, eine Provinzialloge für Obersachsen mit Sitz in Hildburghausen zu gründen. Nach ersten Bemühungen wird der Plan 1805 von der Provinzialloge Hamburg abgelehnt. Obwohl Carl zum Rautenkranz zu keiner Großloge oder Provinzialloge gehört, scheitert das Unternehmen daran, dass Carl II. Ludwig Friedrich nicht auch noch Großmeister dieser Großloge werden kann (dieses Amt besitzt er bereits für Hannover und Rostock). Man befürchtet, die Gründung könne Verwirrung stiften, weil sich mindestens vier Freimaurerlogen anschließen müssen und weil die Provinzen des Großherzogs in größter Unordnung seien.


Um 1800

Das Glücksspiel zieht im Laufe der letzten drei Jahrzehnte immer mehr Menschen an, die sich zumeist außerordentlich verschulden. Man kann in allen Gaststätten seine Wetten abgeben, das Zahlenlotto wird beispielsweise von der fürstlichen Regierung selbst veranstaltet. Die Regierung und der Stadtrat sprechen Verbote aus, anfangs gegen „ausländische Lotterien“, dann auch gegen das Spielen in Gasthöfen und Privathäusern. Es werden Geld- und Gefängnis- sowie die Prangerstrafe (Schandgeige) angedroht und auch vollzogen.


Um 1800

Trotz des noch relativ hohen Schuldenstandes des Fürstentums und der nationalen Bedrohung durch Frankreich sind das Herzoghaus und die Bürgerschaft kaum gewillt, die Festivitäten in Größenordnungen zu reduzieren. 

Albert Buff schreibt nach Analyse einiger Jahrgänge des Hildburghäuser Wochenblatts um 1800 im Heft 88 der Schriften des Vereins für Sachsen-Meiningische Geschichte und Landeskunde unter dem Titel Hildburghausen um 1800:
„In Hildburghausen wurde ein Maskenball im feinen französischen Stil als ‚bal en masque‘ bezeichnet, und es ist auffällig, wie häufig das Wochenblatt derartigen Mummenschanz anzeigt. 1802 z.B. wird für den 6. Januar, 2 Febr., 17. Febr., 2. März usw., also immer in einem Zwischenraum von etwa 14 Tagen, ‚bal en masque’ in der großen Galerie des Herzogl. Schlosses (Westflügel des 3. Stockwerks) oder im Sächsischen Hause (heute: Farben-Bauer, Goetheplatz) bekannt gegeben. Der Anfang ist auf 7 Uhr abends festgesetzt, und die Entrée-Billets (Eintrittskarten, d. Verf.), die auch freie Bewirtung mit Speisen, Wein und Punsch einschlossen, sind für 36 Kr. bei einem Sekretär des Herzogl. Hofmarschallamtes, in der Posthalterei oder in irgend einem Gasthaus zu haben. Daß die leichtlebige Zeit damals die Sitten lockerte und mancherlei Ausschreitungen zeitigte, mag einer Bemerkung entnommen werden, die einer vorhin erwähnten Vergnügungsanzeige hinzugefügt ist. Ärgerliche und unanständige Masken nämlich sollten von einer eigens hierzu angestellten Wache gleich beim Eingang zurückgewiesen werden.“

Überdies veranstalten die Bürger der Stadt neben den traditionellen Festen (wie Schützenfest) eine Vielzahl an Bällen und anderen Vergnügungen.

Um 1800

In einer Zeit, als Hildburghausen seinen Ruf als Stadt der Schulen zu begründen beginnt und neue pädagogische Methoden Einzug halten und die sich im Lehrerseminar, im Scholarchat sowie in der Industrieschule allmählich verwirklichen, regt sich in der Bürgerschaft Unmut über die schlechte Ausbildung der Schüler. Das Niveau der Stadtschule ist an einem Tiefpunkt angelangt.

„Aus seiner Jugendzeit gedenkt Carl Barth des untersten Elementarlehrers, eines grämlichen, alten Organisten, der eine fuchsrote Perücke von Geißhaaren trug, übermäßig schnupfte und täglich 160 Kinder in einem dunstigen, schmutzigen Schulzimmer unterrichtete resp. die Hälfte der Stunden Strafexekutionen vornahm. Ebenso des alten, dicken, überaus vergeßlichen und bequemen, gewöhnlich aber heiter gelaunten Konrektors, der die Weltgeschichte in Einzelerzählungen vortrug, vermischt und verglichen mit Selbsterlebnissen und Anekdoten und manches, wie die Namen der römischen Kaiser der ersten 4 Jahrhunderte, in latein. Versen auswendig lernen ließ ...“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 468)

Elementarlehrer haben bis Ende des 18. Jahrhunderts oft keine pädagogische oder methodische Ausbildung, während die Lateinschüler oder Ratsschullehrer meist kein akademisches Vollstudium vorweisen können. Viele (vor allem) Rektoren streben später das besser bezahlte Pfarramt an. Als Elementarlehrer sind oft Handwerker, ausgediente Militärpersonen, Kirchdiener u. ä. tätig, die ihre pädagogischen Kenntnisse zumeist von ihren Vätern erworben haben.

Eltern der oberen Stände lassen (vor allem bis 1808, Gründung des Nonneschen Instituts) ihre Kinder von Hauslehrern unterrichten. Vorbild ist der auf Bildung bedachte Hof zu Zeiten Herzog Ernst Friedrich III. Carls und später Herzogin Charlottes.


Obere Marktstraße mit Blick zum ehemaligen Marienplatz (heute: Goetheplatz) und zur Eisfelder Straße. Historische Ansichtskarte, um 1900
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1801
Polizeistunde ist 23 Uhr. Der Rat gibt bekannt, dass es bei Überschreitungen „ohne Ansehen der Person“ zu Polizeigewahrsam kommt und anschließend zur Verurteilung. Über die nächtliche Ordnung und Sicherheit wachen neben der Polizei eine Militär-Patrouille und ab 1803 noch vier Mann der Bürgerwehr.


1801

Auf dem Markt stehen zwei zwölfeckige Ziehbrunnen aus Steinquadern (Südostseite, 1572 beim Sturm beschädigt und zwischen Stadtcafé und Garküche mit Brunnenhaus, 1590 erbaut).
(s. 1838)

1801

F. W. Lomler verausgabt die Zeitschrift Chronik für Franken mit Abhandlungen und Mitteilungen über Geschehnisse in Franken, heimatkundliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche Beiträge, Anekdoten und Gedichte. Die Publikation wird in der Hanisch'schen Druckerei produziert.

Herzog Friedrich ernennt am 5. Oktober 1801 Johann Christian Bechmann zum Fürstlichen Postsekretär. 

10. November 1801
† Johann Christoph Brunnquell, Hildburghausen – (* 05.12.1723, Daaden)
Jurist, Kanzler, Konsistorialpräsident

Aus altem Hildburghäuser Geschlecht stammend (Vater ist Hofadvokat und Landschaftssyndikus), Studium an der Universität Jena. Hofadvokat, Regierungsrat, Hofrat (1773), Gerichtshalter. Eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschichte Hildburghausens, so ist er auch Mitglied der kaiserlichen Debitkommission. Oberamtmann in Heldburg, danach Kanzler, Geheimrat und Konsistorialrat. Begleiter Herzog Josephs auf längere Zeit nach Wien. Er erwirbt sich Verdienste bei der Lösung des Römhilder Erbstreits und ist Erbauer des Erbprinzenpalais’ (später Bibliographisches Institut und Altes Technikum).


1801 – 1817

Bau der Kunststraße durch das Werratal. Die verstärkte Orientierung auf den Straßenbau ist ein dringendes Erfordernis vor allem für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.
Die Holzflößerei werraabwärts bis Themar tritt allmählich in den Hintergrund, zumal auch die Werra zwischen der Quelle bis zum Zusammenfluss der Schleuse bei Veßra ganzjährig nicht genügend Wasser führt. Das Herrschafts-Floßhaus befindet sich gegenüber der Walkmühle, die umliegenden Wiesen werden als Flößrasen bezeichnet. Die Flößerei kommt Ende des 19. Jahrhunderts zum Erliegen.


18. Oktober 1802

Mit Genehmigung der kaiserlichen Debit- und Administrationskommission erwirbt Herzog Friedrich nach dem Ableben des Generalmajors Carl Christian v. Heßberg († 18.01.1799) das Rittergut Eishausen für 110.000 Gulden, das später Domizil des Dunkelgrafenpaares geworden ist.


1802

Hildburghausen erhält seinen ersten Poststempel
„R. 3. HILDBURGHAUSEN“.
(s. 1800)

R. 3 bedeutet, Hildburghausen gehört zum Rayon 3, der sich von der Nordseeküste, durch Oldenburg, Hannover, Teile Thüringens und Bayerns bis nach Österreich erstreckt. Das Rayonsystem ist gleichbedeutend mit einer Aufteilung in Gebührenzonen.

1802

Hungerjahr.


25. Februar 1803

Herzog Friedrich führt den Titel Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg auch Engern und Westphalen, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein, Ihro Röm. Kaiserl. auch zu Ungarn und Böhmen Königl. Apostol. Majestät Generalfeldmarschall-Leutnant.
Nach der letzten, außerordentlichen Reichsdeputation des Regensburger Reichstages des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (Bestätigung der Frieden von Basel und Lunéville), also nach Verlust der linksrheinischen Gebiete an Frankreich, verzichtet Herzog Friedrich beispielsweise auf die Titel Jülich und Ravenstein.


1803

In Hildburghausen sind mindestens zwei Lesezirkel bekannt: Hofbuchhändler G. Hanisch im Regierungsgebäude und Buchhändler Dressel.


1803

In der Freimaurerloge Einrichtung eines Inneren Orient, der sog. „Erkenntnisstufe“ nach dem Vorbild des Großen Bundes der Freimaurerei (Großlogen von Hamburg, Hannover, Berlin).

Nachdem Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die verschiedensten philosophischen Einflüsse, Hochgradsysteme und Mystifizierungen die Freimaurerei in ein unübersichtliches Wirrwarr von Logen und Geistesströmungen aufgesplittert hat, soll der Innere Orient unabhängig von der eigentlichen Logenarbeit die Geschichte und Erkenntnisse der Freimaurerei auf ihre Wurzeln zurückführen.

1803 bis März 1804

Das Dunkelgrafenpaar hält sich in Ingelfingen auf und nimmt im Haus des Hofapothekers Rambold Quartier. Nach der Flucht im März 1804 bis zum Eintreffen in Hildburghausen (07.02.1807) gibt es über weitere Aufenthaltsorte lediglich Vermutungen.


1. Juni 1803

Das preußische Königspaar besucht Hildburghausen.
Ihrem Bruder Georg in Italien schreibt Königin Luise von Preußen einen Brief:

„Ich war also wieder in den glücklichen Gefilden, wo wir unsere ungetrübte Kindheit und Jugend zubrachten. Ach, ich kann es nicht beschreiben, mit welchen Gefühlen ich sie durchlief. Doch, das schwöre ich, daß Du immer unter uns warst, wo die vier Schwestern waren und daß unser Ausruf immer gleich war: ‚Gott, was sind wir doch glücklich, wäre Georg nur bei uns, so wäre es vollkommen‘. Ich kam den 1. Juni nach Hildburghausen. Unten am Schloß standen die zwei ältesten Schwestern, alle Kinder, die sich nach der Reihe an meinen Hals, Kleider und Schleppe hingen. Das war wieder ein himmlischer Augenblick. Den 4. Juni gingen wir über Coburg nach Fürth, dann nach Darmstadt.“


1803 – 1809

Coburger Chaussee (Coburger Straße über den Stadtberg) wird erbaut. Die damals vorhandenen Pappeln sind napoléonische Militärrichtungsbäume.


10. April 1804

Die Freimaurerloge gründet eine Rettungsgesellschaft für Hilfsbedürftige, also für Personen, die ohne Verschulden, wegen Unfall o. ä. ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. Ausgeschlossen sind bloße Almosenempfänger. Unterstützt werden aber auch nach entsprechender Überprüfung hilfebedürftige Studenten.


8. Mai 1804

Landwirtschaftsreform in Sachsen-Hildburghausen. Es wird ein Edikt zur Benutzung der Brachflächen erlassen. Angebaut werden sollen: Futterkräuter, Esparsette, Luzerne ohne Behinderung durch Hutberechtigte, so auch 1814.


1804

Die Hildburghäusische Wöchentliche Anzeige erscheint wöchentlich samstags (später 2 x wöchentlich) in 1/2 Druckbogen (8 Seiten) unter dem Regierungs- und Konsistorialrat Straßer. Veröffentlicht werden Polizeigesetze und Generalverordnungen, Landesgesetze, Gemeinnütziges, Politik, Kirchennachrichten u. a. sowie Inserate.

Die Kinder von Friedrich und Charlotte von Sachsen-Hildburghausen

. Joseph Georg Karl Friedrich (* 12.06.1786 – † 30.07.1786) (Paten sind Kaiser Joseph II., König Georg III. v. England, Königin Sophia, Prinzen Joseph und Eugen v. SH).

. Catharina Charlotte Georgine Friedrike Luise Sophie Therese (* 17.06.1787 – † 12.12.1847, Bamberg), (Patin ist Katharina II. [d. Große] v. Russland, geb. Prinzessin v. Anhalt-Zerbst). Die Prinzessin ist verheiratet mit Herzog Paul v. Württemberg.

. Charlotte Auguste * – † 29.07.1788.

. Joseph Georg Friedrich Ernst Carl(* 27.08.1789 – † 23.11.1868)

(kämpft mit den Verbündeten gegen Napoléon, er ist Generalmajor in sächsischen Diensten und verheiratet mit Prinzessin Luise Amalie von Württemberg, 1834 – 1848 Herzog von S.-Altenburg).

. Luise Friederike Maria Caroline Auguste Christiane (* 18.01.1791 – † 25.03.1791).

. Therese Charlotte Luise Friederike Amalie

(* 08.07.1792 – † 26.10.1854) (Königin von Bayern, sie ist Mutter des Königs Otto von Griechenland und des Prinzregenten Luitpold).

. Charlotte Luise Friederike Amalie Alexandrine (* 28.01.1794 – † 06.04.1825) (Patin ist Kronprinzessin Luise von Preußen, verheiratet mit Herzog Wilhelm von Nassau).

. Franz Friedrich Carl Ludwig Georg Heinrich (* 13.04.1795 – † 28.05.1800).

. Georg Carl Friedrich (* 24.07.1796 – † 03.08.1853) (in österreichischen Diensten stehend, residiert er in Eisenberg und ist mit Prinzessin Maria von Mecklenburg-Schwerin verheiratet, Herzog von S.-Altenburg von 1848 – 1853). 

. Friedrich Wilhelm Carl Joseph Ludwig Georg (* 04.10.1801 – † 01.07.1871) (wohnt nach Wegzug des Hofes im Bechmannschen Haus [heute: Obere Marktstraße, Altstadt-Passage]). 

. Maximilian Carl Adolph Heinrich
(* 19.02.1803 – † 29.03.1803). 

. Eduard Carl Wilhelm Christian (* 03.07.1804 – † 16.05.1852) (in bayerischem Militärdienst stehend, zuletzt Generalleutnant und Kommandant der 1. Kavalleriedivision in München. E. und seine 12 Jahre ältere Schwester Therese, Königin von Bayern, haben ein enges geschwisterliches Verhältnis. E. erhält finanzielle Zuwendungen und steht bei der Affäre um Lola Montez [Geliebte König Ludwigs I.] zu seiner Schwester. – Verheiratet in erster Ehe mit Amalie von Hohenzollern-Sigmaringen [1835], in zweiter mit Louise Prinzessin Reuß [1842]. Zeitweilig ist er Gouverneur von Nauplia [Griechenland]).

30. August 1804

Edikt Herzog Friedrichs zur Gründung einer Landesschulkommission. U. a. wird die verbindliche Einführung des Religionsunterrichts gefordert. Die Landgeistlichen müssen z. B. wöchentlich vier Stunden Unterricht erteilen. Weiterhin werden bessere Schulbücher verlangt sowie mehr Verstands- und Gemütsbildung an Stelle von Gedächtnisbildung. Schulversäumnisse der Kinder sollen mit Geld- oder Freiheitsstrafen der Eltern geahndet werden. Die Schuleinführung wird auf das 5. Lebensjahr festgesetzt, der Schulbesuch auf acht Jahre. Dem Ansinnen vieler Eltern, die Kinder später in die Schule einzuführen und eher zu entlassen, wird nicht stattgegeben. Mitglieder der Kommission sind Generalsuperintendent Dr. Genßler, Hofadvokat Lotz und Amtmann Bartenstein.


1805

Der Fürst v. Thurn und Taxis und der Herzog von Sachsen-Hildburghausen schließen einen Postvertrag ab, um sich die gegenseitigen Rechte zu sichern. Nach Untergang des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (1806) trägt das Postamt kurzzeitig die Bezeichnung Herzogl. Sächs. Hildburghäusische Postverwaltung. Der Aufbau einer eigenen Postverwaltung stellt sich jedoch als organisatorisch kaum lösbar und finanziell unrentabel heraus.


1805

Zum diplomatischen Korps des Fürstentums Sachsen-Hildburghausen gehören: beim Reichstag in Regensburg Comitialgesandter Freiherr v. Türkheim, am Reichskammergericht in Wetzlar ein Kammergerichtsprokurator, in Nürnberg (Fränkischer Kreis) Hof- und Legationsrat Kocher.


5. Dezember 1805

Die Fränkische Armee unter Hohenlohe quartiert sich in Hildburghausen ein.


1805

Carl Ludwig Nonne kehrt nach seinem Theologie- und Philologiestudium an der Landesuniversität Jena nach Hildburghausen zurück.


1805/06

Chronisten berichten, dass Napoléon, obwohl Frankreich eine feindliche Macht ist und viel Leid über das Fürstentum gebracht hat, ehrfürchtig bewundert wird.
Das Hildburghäuser Wochenblatt schreibt 1805:
„Man kann es für einen redenden Beweis der Achtung und Ehrerbietung, die Bonaparte allgemein genießt, halten, daß sich bis jetzt kein sog. schöner Geist in Paris erlaubt hat, durch witzelnde Redereien auf Kosten des Helden einige platte Lacher zu belustigen. Die Geschichte aller Zeiten wird ihn nennen, wenn das Andenken anderer seiner Vorgänger längst vergessen ist.“
1806 heißt es:
„Dem Geist des großen Mannes, der still und mächtig wie ein Schicksal einhergeht, vermag der Blick des Beobachters nicht zu folgen, sein Genius hat Königreiche umspannt.“
Human schreibt 1913 zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht b. Leipzig:
„Herrschte beim Adel und im Bauernstand ein gewisser Grad von Spannung, da man doch nicht vergaß, daß die Franzosen Feinde seien, so stand der Napoleonkultus in üppigster Blüte bei der höheren Bürgerschaft. Ja, den Unüberwundenen und Großen nannte ihn geraume Zeit nicht etwa bloße Schmeichelei, sondern die Stimme des Volkes, die Behörden aber waren ängstlich bemüht, jeden Gedanken eines auch nur passiven Widerstandes möglichst im Keime zu ersticken, und die öffentlichen Blätter erwähnten nur etwas von den Drangsalen des Kriegs."
Die Regierung von Hildburghausen verfügt am 03.11.1806, dass unerbietige und sträfliche Reden gegenüber ausländischen Mächten und Nationen (gemeint sind Frankreich und Napoléon) zu schwerer Strafe führt.


1806

Der Ratshof mit Schäferei wird für 625 Gulden an Johann Lorenz Zetzmann aus Heßberg verpachtet. Für die Schafhaltung gibt es strenge Vorschriften (300 Stk. im Stadtweichbild, Verluste ziehen keinen Nachlass nach sich).


2. März 1806

† Christoph Wilhelm Radefeld, Hildburghausen
Geh. Assistenz-Rat, Besitzer des Tischbein-Hauses


6. August 1806

Kaiser Franz II. legt die römische Kaiserkrone nieder.
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hört zu bestehen auf.
Die thüringischen Staaten erhalten für kurze Zeit ihre absolute Selbstständigkeit.

1806

Die Kaiserliche Debitkommission, am 26.01.1769 von Kaiser Joseph II. zur Sanierung der Staatsfinanzen in Hildburghausen gegründet, hört nach 38 Jahren ihrer Tätigkeit ebenfalls zu bestehen auf.


1806

Der als Minister in Hildburghausen tätige Carl August Freiherr von Lichtenstein auf Lahm und Heilgersdorf (1767 – 1845) übt das Amt des höfischen Theaterintendanten aus und bemüht sich in der politisch bewegten Zeit um die Weiterentwicklung des Theaters. Er selbst ist als Dichter-Komponist, Sänger und Theaterleiter hervorgetreten. Sein großer Besitz zerschmilzt im Wesentlichen für seine Theaterleidenschaft.
(s. auch 15./16.12.1806)

14. Oktober 1806

Doppelschlacht von Jena und Auerstedt. Die Truppen Napoléons bereiten der preußischen Armee eine vernichtende Niederlage. Es kommt in der Region zu Durchzügen französischer Truppen sowie der Koalitionsarmee.


21. November 1806

Kontributionsforderungen Frankreichs, ausgefertigt von der Intendantur des 1. Sächsischen Arrondissements im Hauptquartier Naumburg, belaufen sich auf die für das Fürstentum astronomische Summe von 548.970 Francs für das Reservemagazin in Erfurt, wofür ein Drittel binnen zehn Tagen nach Naumburg gesandt werden muss.


1806

Kontinentalsperre. Nach Verlust der französischen Flotte versucht Napoléon, mit einer gigantischen Landblockade England wirtschaftlich zu vernichten. Mit dem Beitritt Sachsen-Hildburghausens zum Rheinbund unterliegt das Herzogtum dem Kontinentalsystem. Jeder Kaufmann oder Gewerbetreibende hat für englische Fabrik- oder Kolonialwaren eine Erklärung zu schreiben und sie dem französischen Intendanten Villain in Naumburg abzugeben. Bei Strafe darf er nicht mehr über die Waren verfügen.
Die Belastungen werden immer unerträglicher. Die Stadt muss bei Kaufleuten 2.500 Gulden Kredit aufnehmen. Herzog Friedrich schießt 10.402 Gulden für einen Teil der Lieferungen der Stadt und dem Land unverzinslich vor. An städtische Beamte kann im betreffenden Jahr keine Besoldung gezahlt werden.

5. Dezember 1806

Aufforderung an Amt und Stadt Hildburghausen, Amt Behrungen und einige Dörfer, an die französischen Lazarette in Jena u. a. 100 Betten, 200 Strohsäcke und -matratzen, 500 Betttücher, Hemden, Nachtmützen, 45 Zentner Mehl, 1.200 Pinten Wein und 4.000 Pinten Bier zu liefern. Die Forderungen werden nur zum Teil erfüllt.


15./16. Dezember 1806

Minister Freiherr v. Lichtenstein wird nach Posen (Poznán) gesandt, um mit Napoléon wegen des Beitritts zum Rheinbund (Confédération du Rhin) zu verhandeln. Herzog Friedrich tritt mit fünf sächsischen Herzogtümern dem auf Veranlassung Napoléons gegründeten Bund bei. Die dem Rheinbund zugehörigen süd- und südwestdeutschen Fürsten erklären sich in dem französischen Protektorat für souverän, stellen als Bündnispartner Kontingente für die Grande Armée und erhalten als Gegenleistung vom Franzosenkaiser zumeist einen Gebietszuwachs und eine Rangerhöhung.

Das Fürstentum Sachsen-Hildburghausen erhält den Haustitel „Herzogtum“.

Das Herzogtum muss ein 200 Mann starkes Kontingent zum Regiment Herzöge von Sachsen stellen. Der Herzog muss die österreichische Militärwürde eines Generalfeldmarschall-Leutnants ablegen. (s. 05.02.1799) Der Vertrag von Posen kostet dem Herzogtum 20.000 Gulden.

Ein Grund des Beitritts ist vermutlich darin zu sehen, nicht mit Preußen gemeinsam unterzugehen, weil die Anti-Napoléon-Koalition noch zu schwach ist, sich dem Franzosenkaiser entgegen zu stellen. R. A. Human setzt sich relativ kritisch mit der Unterwürfigkeit des Fürstenhauses bzw. der wohlsituierten Bürger auseinander, ohne allerdings die Frage zu erörtern, ob es sich bei dieser Handlungsweise um nationalen Verrat gehandelt hat oder nicht: „... und alles mußte sich fortan, wie J. A. Genßler in seiner Lebensbeschreibung Herzog Friedrichs im Deutschen Regentenalmanach von 1827 bemerkt, hierorts nach französischem Schnitt und Vorschrift richten und unter französischer Drangsal leiden, während hinwiederum die Reichen und Adligen sich an Freundlichkeit gegen die Franzosen gar nicht genug tun konnten. Hatte der Einfall des französischen Generals Lefebre dem Amt Königsberg a. 1796 schon Plünderungen und Mißhandlungen schwerster Art genug gebracht, so mußte das arme Land a. 1806 nicht weniger als 548970 Franks an Kontribution für die Magazine in Ilmenau und Jena zahlen, 1808 das Kontingent als französische Troßknechte nach Spanien und 1812 nach Rußland stellen, darnach aber Kosacken, Kalmüken und Baschkiren, Portugiesen, Spanier und Italiener bei sich selbst in Quartier sehen. War's da nicht wie zum Hohn, daß am 31. März 1811 zur Geburtsfeier des 'Königs von Rom' unter Abfeuerung von 101 Kanonenschüssen Dankgottesdienst in der Stadtkirche gehalten werden mußte, und ebenso wiederum am 15. August 1812 zum Geburtsfest des Kaisers als des 'erhabenen Protektors' und am 18. Oktober 1812 zum Einzug des Kaisers in Moskau – bis endlich nach der Völkerschlacht von Leipzig die Trennung vom Rheinbund erfolgte und freiwillige Jäger am 20. Januar 1814 wider Frankreich zogen und am 18. Oktober 1814 das erste Siegesfest in Kirchen und auf Bergeshöhen mit gen Himmel auflodernden Dankesflammen gefeiert werden konnte!“
(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. – 1908, S. 265 f.)


Lernen ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, gefährlich.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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