Eine Seite für Hildburghausen

1945 - 1949

Amerikanische Besetzung und
Sowjetische Besatzungszone

(1945 – 1949) 

Amerikanisch besetztes Gebiet 

© Hans-Jürgen Salier
Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen

Ines Schwamm

Die amerikanische Kommandantur in der Kreisstadt wird im ehemaligen Finanz- und Zollamt in der Schleusinger Straße (seit 1949 Poliklinik) eingerichtet. Der US-amerikanische Militärkommandant Capitain Wilson besitzt die zivile Exekutivgewalt.
Frontoffiziere übernehmen zunächst die gesetzgebende, rechtsprechende und vollziehende Gewalt, zuständig ist die Stabsabteilung G-5 des VIII. Korps der 3. Armee. Anfang Juni wird die Provinz Thüringen einer übergeordneten Militärregierung unterstellt (Military Government Detachment F1C9). In Thüringen und Westsachsen werden insgesamt 34 lokale Militärregierungen zumeist in den Grenzen der bestehenden Kreise eingerichtet.
Die teils als Lazarett genutzte Aufbauschule in der heutigen Geschwister-Scholl-Straße wird nach Entfernung des Inventars von amerikanischen und nach dem Besatzungswechsel von sowjetischen Soldaten bezogen.

In der Nacht vom 07. zum 08.04. wird von Höhe der Molkerei mit Artillerie in Richtung Eisfeld geschossen, die Schlosskaserne brennt aus. 

 

Die am 7. Und 8. April nach US-amerikanischen Beschuss ausgebrannte Schlosskaserne (Südseite oben – Nordseite unten).
Fotos: Rudolf Meffert, um 1946/47

8. April 1945
Feuerwehrangehörige erhalten weiße Armbinden mit Dienstsiegel der amerikanischen Kommandantur und roter Aufschrift Fireman (Feuerwehrmann)Die erste Aktion während strengsten Ausgehverbots ist die Brandwache am Schloss.

8. April 1945
Der Zugverkehr auf der Werrabahnstrecke wird unterbrochen, da am Bahnhof Eisfeld zwei Eisenbahnbrücken, zwei Stellwerke und Weichen von deutschen Militärkräften zerstört worden sind.
Der Strom ist in Hildburghausen ausgefallen. In der Molkerei gibt es kostenlos und ohne Lebensmittelkarten Molkereiprodukte, damit die Lebensmittel nicht ungenießbar und entsorgt werden müssen.
Nach einem US-amerikanischen Befehl müssen alle Waffen der Zivilbevölkerung abgeliefert werden. Vor allem in der Nacht werden von Hildburghausen aus Waffen abgefeuert. Aus der Ferne ist Waffenlärm zu hören.

9. April 1945
Der Tag verläuft relativ ruhig in Hildburghausen. Von Hildburghausen aus gibt es Beschuss in Richtung Eisfeld. Häuser werden geräumt und von Militärs oder von Obdachlosen und Flüchtlingen belegt.

10. April 1945
In den frühen Morgenstunden schießen viele Panzer, am Nachmittag rückt Infanterie ein (motorisiert und Fußtruppen). Häuser werden teils leer geräumt und von Militärs kurzzeitig belegt.

10. April 1945
Heldburg wird kampflos besetzt. Zuvor hisst Prinz Georg von Sachsen-Meiningen, im Zivilberuf Amtsgerichtsrat in Römhild und Heldburg, auf einem Turm der Veste Heldburg eine weiße Fahne. Der Zahnarzt Helmuth Steltzner wird am Abend als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt.
Zur Zeit der amerikanischen und sowjetischen Besetzung gibt es Initiativen zum Anschluss der Gebiete um Heldburg und Römhild an Bayern. Besonders nachhaltig verfochten wird dieses Ziel von dem liberalen Kommunalpolitiker Helmuth Steltzner.

11. April 1945
In Hildburghausen herrscht relative Ruhe, die Front hat sich nach Süden und Osten verlagert. Immer mehr Häuser werden von den Amerikanern beschlagnahmt, die Deutschen müssen ihre Häuser bzw. Wohnungen verlassen. Die Amerikaner decken sich reichlich mit Lebensmitteln und Wertgegenständen ein und hinterlassen die besetzten Häuser teils in einem vandalischen Zustand, ehe sie weiter ziehen.

13. April 1945
In der Nacht sind Schießereien zu hören. Auf dem Stadtberg und in Richtung Rodach soll es noch Widerstandsnester der SS geben. Neue Truppenteile werden erwartet. Langsam kommt Hildburghausen zur Ruhe und notdürftige Aufräumarbeiten werden verrichtet.

16. April 1945
Sowjetische Kampfverbände erreichen die Oder.

Den Schicksalsweg jüdischer Mitbürger
,
die hier geboren wurden, hier wohnhaft waren oder von hier in andere Orte verzogen, dokumentierten Karl-Heinz Roß, Hildburghausen, und Hans Nothnagel, Suhl, in Details.

Von 58 jüdischen Einwohnern verblieben um 1933
Noch im Heimatort        25        es verzogen anderenorts       33
Hier überlebten                0        dort überlebten                         0
Hier verstarben, davon   2          4 dort verstarben                     3
durch Freitod
von hier emigrierten        6        von dort emigrierten               10
wurden deportiert          12        wurden deportiert                    17
Verbleib unbekannt         3        (davon überlebte 1)
Verbleib unbekannt         3
(Nach: Juden in Hildburghausen – Ein chronikalischer Überblick von 1331 bis 1943. In: Hans Nothnagel (Hg.): Juden in Südthüringen geschützt und gejagt. Eine Sammlung jüdischer Lokalchroniken in sechs Bänden. Juden in den ehemaligen Residenzstädten Römhild, Hildburghausen und in deren Umfeld. – Suhl 1998, S. 120 ff.)

23. April 1945
Bei Albert Buff heißt es in seinen Aufzeichnungen (1932 bis 1945):
Im Stadtwald wird der amerikanische Kommandant erschossen, die angekündigten Vergünstigungen fallen wieder weg (Die Ausgehzeit sollte einmal von früh – 20 ½ sein). Man muß sich wundern, dass man nicht strenger gegen die Bevölkerung vorgeht. Ein wahnsinniger Verbrecher gefährdet die ganze Stadt.“
Anmerkung: Trotz intensiver Bemühung um die Quellenlage zu dieser Nachricht konnten keine weiteren Daten ermittelt werden. 


Die Max-Michaelis-Straße, benannt nach dem jüdischen Großkaufmann und in Kapstadt und London wirkenden Ehrenbürger von Eisfeld und Hildburghausen, Dr. Max Michaelis, ist im Dritten Reich umbenannt worden in „Horst-Wessel-Straße“, dem zum „Märtyrer der Bewegung“ hochstilisierten SA-Schläger und Pfarrersohn Horst Wessel. Er schrieb den Text „Die Fahne hoch, die Reihen …“, der zur Parteihymne der NSDAP geworden ist. Am 23. Februar 1930 ist er in Berlin von KPD-nahen Schlägern im Zuhältermilieu getötet worden.  – Der in der Straße wohnende Heimatforscher und Studienrat Albert Buff und andere Bürger vermeiden in der Umgangssprache den gesamten Straßennamen zu nennen und bezeichnen die Straße als „Horststraße“.

So geruhsam mit Kuhgeschirr wie auf dem Meffert-Bild geht es in den Tagen nach dem 7. April 1945 nicht zu. Die marode Straßendecke ist von zig Tanks zerfurcht, die Vorgärten und das Nebengelass oft zerstört worden, vor allem von großem Kriegsgerät. Viele Bewohner werden aus ihren Häusern ausquartiert und müssen Wohnraum für die Besatzer schaffen. Die Einrichtungen sind oft von den US-Boys geplündert worden. Zeitnahe Fotos sind nicht bekannt, gab es doch einen Militärbefehl zum Besitz von Fotoapparaten. Höchste Strafen wurden angedroht, wer seinen Fotoapparat nicht abgab, in Römhild ist in einem Befehl sogar mit der Todesstrafe gedroht worden.

April 1945
Bildung des Antifa-Ausschusses im Thüringer Hof (Das genaue Datum der Bildung des Ausschusses ist nicht feststellbar). Es werden Maßnahmen für den Neuaufbau der Verwaltung und zur Versorgung der Bevölkerung beraten. Personalentscheidungen werden mit der lokalen Militäradministration vorbereitet: kommissarischer Landrat Keding, Stellv. Max Leipold, Schulrat Kurt Wiegand, Kreisarzt Dr. Weber. Übernahme des bisherigen Bürgermeisters Dr. Hermann Zschaeck, Beigeordneter wird August Gerau.
Der Antifa-Ausschuss hat nur begrenzte Wirkungsmöglichkeiten. Nach dem Besatzungswechsel muss er nach sowjetischem Verbot seine Tätigkeit einstellen, ein sowjetisch gesteuerter Ausschuss wird eingesetzt.

24. April 1945
In Hildburghausen wird bekannt, dass sich die auf der Flucht befindlichen Nazi-Bonzen Hildburghausens, der NSDAP-Kreisleiter und Landrat Werner Büchner (Spitzname„Heringsbändiger“), der NSDAP-Ortsgruppenleiter Wolff, der Ortspropagandaleiter Fritz Kuß und der Volkssturmführer Greiner von den Amerikanern in Hersfeld verhaftet worden sind. In Hildburghausen sind festgenommen worden der NSV-Leiter Hugo Eichhorn, der Schulleiter Schmidt und weitere Funktionäre.


Postwertzeichenentwurf: Prof. Karl Seizinger (1889 – 1978) für die Oberpostdirektion (OPD 16) Erfurt
(Ausgabe Land Thüringen, 1945)

27. April 1945
Auf Anordnung der US-Kommandantur müssen sich männliche Personen ab dem 14. bis zum 60. Lebensjahr und ledige weibliche Personen zwischen dem 14. und 40. Lebensjahr am 28. April auf dem Arbeitsamt zum Einsatz melden.

28. April 1945

Erweiterung der Ausgehzeiten und Öffnung einiger Läden.

2. Mai 1945

Elektroenergie ist begrenzt verfügbar.
Hauptlichtquellen bleiben aber Stearinkerzen, Öl- und Karbidlampen.
Der Rundfunk meldet bereits am 01.05. den „heldenhaften Tod des Führers“, der vermutliche Suizid ist verschwiegen worden. Die Ansprache hält Großadmiral Karl Dönitz (1891 – 1980), der von Hitler mit einer „Geschäftsführenden Reichsregierung“ die Führung übernommen hat. Dönitz wird am 23.05.1945 verhaftet.

3. Mai 1945

Es wird gemeldet, dass in Berlin die Kampfhandlungen weitgehend eingestellt worden sind.

4. Mai 1945
Der Radiosender Luxemburg berichtet über die Zustände in der Heilanstalt zu Hildburghausenunter dem Direktor Dr. Johannes Schottky, dass Geisteskranke umgebracht worden seien.

7. bis 9. Mai 1945
Die Deutsche Wehrmacht kapituliert bedingungslos in Reims/Frankreich und Berlin-Karlshorst, damit treten u. a. die Vereinbarungen von London und Jalta zu den Besatzungszonen in Kraft. Die Zonengrenzen sind als Verwaltungsgrenzen vorgesehen.

8. Mai 1945
Der Sitz der lokalen US-amerikanischen Militärregierung ist das Finanz- und Zollamt in der Schleusinger Straße. Dort weht das Sternenbanner. Die Bevölkerung nimmt nichts von der amerikanischen Siegesfeier wahr.

Das ehemalige Finanz- und Zollamt in der Schleusinger Straße ist nach dem Einmarsch der amerikanischen und sowjetischen Besatzungstruppen als Kommandantur genutzt worden.
Foto und Verlag: Rudolf Meffert, 30er Jahre
Sammlung Hans-Jürgen Salier

Nach dem 8./9. Mai 1945
Nach Bekanntwerden der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wollen viele Evakuierte aus dem Rhein- und Saarland wieder in ihre Heimat zurückkehren. Eine große Zahl an Vertriebenen aus den Ostgebieten bzw. osteuropäischen Ländern gelangen in die Region.

Das Leben normalisiert sich relativ schnell. Handwerk und Handel nehmen ihre Tätigkeit auf, auch wenn im Wesentlichen nur noch Mangel und Elend verwaltet werden. Die Rationen für Lebensmittel sind karg bemessen, Nahrungsmittel und Bekleidung gibt es auf Lebensmittel- bzw. Punktekarten. Die Stadtbewohner unternehmen „Hamsterfahrten“ auf dem Land bzw. bebauen jeden Quadratmeter Boden, es gibt kaum eine Familie, die nicht notgedrungen Schlachttiere hält.
Der Schwarzhandel blüht, vor allem Tabakwaren werden zur relativ „stabilen Währung“.
Die Ernährungslage für einen Großteil der Bevölkerung ist zum Zeitpunkt bis Ende der 40er Jahre kaum zu bewältigen. Vor allem die Kirchen (Diakonie, Caritas) engagieren sich, um die Not zu lindern.

12. Mai 1945
Die Ausgehzeit wird von morgens 5 Uhr bis 21 Uhr festgelegt. In der Stadt werden Plakate mit Darstellungen aus Konzentrationslagern (z. B. Ohrdruf und Buchenwald) ausgehängt und die von den Amerikanern herausgegebene Hessische Zeitung verkauft.

14./15. Mai 1945
Die amerikanische Militärregierung erteilt die Genehmigung zur Eröffnung der Sparkasse. Der Schalter der Hauptstelle in Hildburghausen (im ehemaligen Landratsamt am Markt) wird am 14.05. wiedereröffnet, am 15.05. öffnen die Zweigstellen in Eisfeld, Themar, Römhild, Heldburg und Ummerstadt.

19./20. Mai 1945
Ausgabe von Registries-Ausweisen für die Bevölkerung.

20. Mai 1945
Der einstige Abgeordnete des Thüringer Landtags, Dr. Hermann Brill, erhält vom Hauptquartier des VII. US-Korps den Auftrag, einen Plan für die Organisation einer Provinz Thüringen aufzustellen.

22. Mai 1945
Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs zwischen Bad Salzungen – Meiningen – Hildburghausen; ein durchgehender Zugverkehr ist jedoch nicht möglich, u. a. wegen der gesprengten Brücken bei Wasungen (bis 24.09.1945) und bei Oberrohn (bis 08.08.1945).

5. Juni 1945
Die vier Siegermächte übernehmen die Regierungsgewalt (Berliner Erklärung): das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten von Amerika, die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und die Provisorische Regierung der Französischen Republik. Der Alliierte Kontrollrat wird von den vier Oberbefehlshabern der vier Besatzungszonen gebildet.

Deutschland verliert seine staatliche Souveränität, die erst mit der Deutschen Einheit am 03.10.1990 wieder hergestellt wird.

Thüringen wird Teil der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ). Der Besatzungswechsel erfolgt ab 01.07.1945.
Mit Bekanntwerden des Abzugs der amerikanischen Besatzungstruppen setzt ein Flüchtlingsstrom – vor allem nach Bayern – ein.

Der Chef der Sowjettruppen in Deutschland erlässt den Befehl Nr. 1 zur Bildung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), bis zu diesem Zeitpunkt üben die Truppeneinheiten der Besatzungsarmee die Besatzungsgewalt aus. Bis zum Besatzungswechsel werden die thüringischen und westsächsischen Gebiete von der Militärregierung am Sitz des VIII. US-Armeekorps in Weimar unter Colonel Azel F. Hatch regiert. Das Hauptquartier der US-Streitkräfte akzeptiert großenteils den Organisationsplan Hermann Brills, z. B. die Eingliederung des preußischen Regierungsbezirks Erfurt und des hessischen Kreises Schmalkalden nach Thüringen.

1945
Der Häselriether Friedhof geht vom Kircheneigentum in Gemeindeeigentum über.

1945
Als einzige Mitbürgerin mosaischen Glaubens kehrt Gertrud Heim wieder nach Hildburghausen zurück und betreibt in der Eisfelder Straße ein kleines Textilwarengeschäft, bis sie 1951 in die Bundesrepublik übersiedelt.
In Themar ist es die 71-jährige Meta Krakauer, eine der wenigen Überlebenden des KZ Theresienstadt. Sie ist die Großtante ihres aus Suhl vertriebenen Großneffen Ludwig Mühlfelder, der als US-Soldat am 08.04.1945 Themar mit befreit.

Ludwig Mühlfelder schreibt in seiner Autobiografie „Weil ich übriggeblieben bin“:
„Ich war dankbar; daß ich Ende des Krieges noch am Leben war, daß ich den Alliierten, hauptsächlich den Vereinigten Staaten von Amerika, ein wenig helfen konnte, Europa zu befreien und einen ganz kleinen Teil des übriggebliebenen Judentums zu retten.
Wegen der Schoah kann ich den Tätern nicht verzeihen, und die Opfer bleiben stumm.
Man kann aber auch nicht die heutigen jüngeren deutschen Generationen für dieses grausame Kapitel der schrecklichen Taten ihrer Eltern oder Großeltern verantwortlich machen.
Was ich jedoch von den Nachkommen der Holocaust-Täter erwarte und verlange, ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen Ihres Volkes ...
(Aus: Mühlfelder, L.: Weil ich übriggeblieben bin. 1995, Zitiert nach: Salier, Hans-Jürgen: THEMAR – 700 Jahre Stadt 1303 bis 2003. Geschichte in Daten. – Stadt Themar und Verlag Frankenschwelle KG Hildburghausen, S. 212 )

9. Juni 1945

Dr. Hermann Brill wird von Colonel Hatch als Regierungspräsident Thüringens bestätigt.

9. Juni 1945
Der neue US-amerikanische Gouverneur, Capitain Victor v. Cronthall, zieht in Hildburghausen ein. Auch wenn die Alliierten die Besatzungszonen klar und eindeutig festgelegt haben, so auch, dass Hildburghausen zur Sowjetischen Besatzungszone kommt, werden die Hildburghäuser irritiert, weil sie der Meinung sind, Hildburghausen unterstehe den USA. Albert Buff schreibt in seinen Aufzeichnungen, dass wegen des bevorstehenden Einmarsches der Sowjets Katastrophenstimmung herrsche.

10. Juni 1945
Befehl Nr. 2 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Zulassung von Parteien und Massenorganisationen in der Sowjetzone (11.06. – SED, 15.06. FDGB, 15.06. – SPD, 26.06. – CDU, 05.07. – LDP, Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands – 08.07.). Der Befehl wird jedoch erst mit dem Besatzungswechsel nach dem 1. Juli 1945 für den Kreis Hildburghausen wirksam.

16. Juni 1945
Der US-Präsident Truman und der britische Premier Churchill schlagen dem UdSSR-Marschall Stalin vor, die amerikanischen und britischen Truppen in die ihnen zugewiesenen Besatzungszonen zurückzuziehen und gleichzeitig Truppeneinheiten zur gemeinsamen Besetzung Berlins zu entsenden. Stalin bittet, den Termin auf den 1. Juli zu verlegen, weil er personell, technisch und organisatorisch nicht in der Lage ist, den vereinbarten Besetzungstermin zu halten.

Wie überall in Thüringen hatten die amerikanischen Truppen auch im Kreis Hildburghausen ihren Abzug bis in die letzten Stunden überaus geschickt zu tarnen verstanden. Aus den wichtigen Industriebetrieben mußten auf ihre Anordnung maßgebliche Direktoren, Ingenieure und Betriebswirtschaftler sofort in die amerikanische Zone hinüberwechseln. Fabrikationspläne und Spezialmaschinen wurden mitgenommen.
(Steltzner: Heldburg wollte zu Bayern. – S. 11)

25. Juni 1945
Im Apollo-Lichtspiel-Theater gegenüber dem Burghof in der heutigen Friedrich-Rückert-Straße lassen die Amerikaner für die Bevölkerung einen Film über das Konzentrationslager Buchenwald und seine Gräuel zeigen. Der Besuch wird per Stempel kontrolliert. Die shock treatment ist ein Teil eines Projekts zur Demokratisierung und der Zivilisierung der Gesellschaft.


Sowjetische Besatzungszone 

Ab 1. Juli 1945
Der Besatzungswechsel zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Armee wird nach den Abkommen von London und Jalta vollzogen. In Thüringen rückt, aus Sachsen kommend, die 8. Gardearmee unter Generaloberst W. I. Tschuikow ein.
Mit Unterbrechung (ab Mitte 50er Jahre) ist Hildburghausen bis 1991 Standort sowjetischer Einheiten. Zuletzt ist ab 1967 eine Radareinheit auf dem Stadtberg stationiert.

Stadt und Kreis Hildburghausen werden Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone.


Die oft kolportierte Aussage, der Kreis Hildburghausen bzw. Teile daraus gehören offiziell zur Amerikanischen Besatzungszone und seien bei Aufteilung Berlins unter den Alliierten im Gegenzug an die Sowjets gefallen, gehören ins Reich der Fantasie. Das beweisen die Vertragstexte der Abkommen von London und Jalta.
Mit dem Ziehen der Zonengrenze werden einst funktionierende Wirtschaftsräume empfindlich gestört. Wirtschaftliche Kontakte der Hildburghäuser waren bisher fast ausschließlich auf den Raum Coburg konzentriert, kaum in nördliche, westliche oder östliche Richtung.

2. Juli 1945

Nach einem formellen Rücktritt konstituiert sich die Provinzialregierung in Thüringen. Dr. Hermann Brill wird zum Regierungspräsidenten ernannt.
Auf Intervention Walter Ulbrichts wird Brill wenig später ausgeschaltet, und am 16.07. wird der in der NS-Zeit mit Berufsverbot belegte Rechtsanwalt Rudolf Paul Regierungspräsident, seit 04.12.1946 Ministerpräsident (parteilos, 1946 SED, am 01.09.1948 flüchtet Paul in die Amerikanische Besatzungszone).
Der Landespräsident besitzt Legislativ- und Exekutivgewalt unter Kontrolle der Besatzungsmacht. Die Provinz Thüringen wird als Land Thüringen (Bundesland Thüringen in der Sowjetischen Besatzungszone) umgewandelt (westsächsischer und Merseburger Kreis werden abgetreten). Landeshauptstadt ist Weimar, ab 1950/51 Erfurt.
Der in der Nazizeit zu einer Haftstrafe verurteilte Kommunist Rudolf Rausch ist mit Aufgaben zum Aufbau der Polizei im Land Thüringen betraut. Der später u. a. in Hildburghausen als SED-Kreissekretär wirkende R. wird Polizeipräsident/Innenminister Thüringens im Rang eines Generalmajors.

2./3. Juli 1945
Auf der Eisenbahnstrecke Eisenach – Bebra werden 65 Züge mit 3.073 Waggons mit Militär, Versorgungs- und Beutegütern der Amerikaner registriert.
Die Thüringer Volkszeitung titelt: Wir grüßen die Soldaten der Roten Armee!

4./5. Juli 1945
Besatzungswechsel in Hildburghausen. Die Sowjetische Militärkommandantur hat ihren Sitz im ehemaligen Finanzamt- und Zollamt in der Schleusinger Straße (zur DDR-Zeit: Poliklinik).
Nach Augenzeugenaussagen kommen die ersten Soldaten der Roten Armee – vermutlich eine Vorausabteilung – bereits am 02.07. nach Hildburghausen und übernehmen die Verwaltung. Das Vorkommando nächtigt in der Aufbauschule (heute: Regelschule Joliot-Curie). Am Kreisamt und am Rathaus hängen rote Fahnen. Am 05.07. ist die Stadt mit roten Fahnen und zusätzlich mit Grün geschmückt. Die Russen ziehen gegen 5 Uhr mit Lastwagen ein, Kinder werfen Blumen.

1945
Regierungspräsident Dr. Hermann Brill setzt die Polizeiverordnung über die Beschlagnahme der Vermögen ehemaliger Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Kraft. Die Enteignungen werden treuhänderisch verwaltet. Die am 25.09. gegründeten Gesellschaften (Thüringer Verwaltungsgesellschaft mbH und Thüringer Staats GmbH) verwalten das Eigentum bzw. überführen es in Landeseigentum. Weiterführende in Vorbereitung befindliche Gesetze werden nicht erlassen, weil die Sowjets mit den Befehlen 124 und 126 vorbereiten, die Betriebe unter sowjetische Verwaltung zu stellen. Zwischen Dezember 1945 und März 1946 kommen 45 leistungsfähige Thüringer Großunternehmen unter sowjetische Kontrolle (u. a. Zeiss, Schott, BMW).

8. Juli 1945
Nach SMAD-Befehl werden in Thüringen antifaschistische Parteien und sog. Massenorganisationen zugelassen.

Der SMAD-Befehl Nr. 2. vom 10.06. wird im Land Thüringen wirksam. Zulassung von Parteien und Massenorganisationen in der Sowjetzone (11.06. – KPD, 15.06. – FDGB, 15.06. – SPD, 26.06. – CDU, 05.07. – LDP, Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands – 08.07.1945). Mit der Bildung des Blocks antifaschistisch-demokratischer Parteien (s. 14.07.1945) ist die Einflussnahme der KPD festgeschrieben, und die Sowjets hätten bei Aufkündigung der Mitarbeit die Zulassung der Parteien aufgehoben.
Zu den bürgerlichen Parteien hat die Besatzungsmacht ein misstrauisches Verhältnis, jedes Abweichen von der Generallinie der Besatzer bringt einschneidende Konsequenzen für Leib und Leben der Mitglieder mit sich. Das Parteileben wird durch eine kaum einzuhaltende Bürokratie behindert, Wahlkampf wird beispielsweise durch Papierkontingentierungen, Verweigerung von Veranstaltungsgenehmigungen erheblich eingeschränkt. Hauptziel der Sowjets und der KPD ist es, ihre ideologischen Hauptfeinde, die Sozialdemokraten und die bürgerlichen Parteien, auszuschalten bzw. ihren Einfluss zu minimieren. Mit dem Ruf nach der Einheit der Arbeiterklasse beginnt ein geschicktes Manöver der KPD, die Sozialdemokraten für ihre sowjetfreundlichen kommunistischen Ziele zu missbrauchen. In diesem Sinne sind auch die angeblich freien Wahlen, z. B. am 20.10.1946, zu sehen. Um ihre Machtpositionen weiterhin zu festigen und den Einfluss von LDP und CDU zurückzudrängen, gestattet im Frühjahr 1948 die SMAD die Gründung von zwei prokommunistischen Parteien. Kommunisten werden mit der Parteiengründung beauftragt: Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD) undDemokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), um vor allem auf bürgerliche Kräfte einzuwirken und die Landbevölkerung an sich zu binden und sie besser kontrollieren zu können.

Die SED ist nach dem Abschneiden der CDU und der LDP bei den Wahlen von 1946 energisch bemüht gewesen, gegen diese Parteien eine Konkurrenz aufzubauen. Die SED ließ deshalb im April 1948 die Bauernparteigründen, Der erste Vorsitzende der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) ist das SED Mitglied Ernst Goldenbaum (1898 – 1990), der vor 1933 KPD-Mitglied geworden ist und Vorsitzender der DBD von 1948 – 1982. Am 25. Mai 1948 kommt die National-Demokratische Partei Deutschlands hinzu. Das spätere Presseorgan (Zentralorgan) ist die „National-Zeitung“.

Bereits im März 1948 hat der sowjetische Generalissimus J. Stalin deutlich gesagt, dass die Trennlinie zwischen ehemaligen Nazis und Nichtnazis aufzuheben sei. Die „Entnazifizierung“ wird in der Sowjetischen Besatzungszone am 26.02.1948 mit dem SMAD-Befehl Nr. 35 beendet. „Nicht belastete“ NSDAP-Mitglieder erhalten also die Gelegenheit, an der Sicherung der Einheit und der „demokratischen Entwicklung Deutschlands“ ehrlich mitzuarbeiten.

Auf den Punkt gebracht: Vor allem ehemalige NSDAP-Mitglieder und Offiziere der Deutschen Wehrmacht und auch der Waffen-SS sowie vor allem Vertriebene werden von dieser Partei im kommunistischen Sinne in die NDPD aufgenommen. – Ziel ist es, dass diese Bürger bei den Wahlen nicht für die CDU und LDP stimmen, die als politische Gegner der SED entschieden gefährlicher sind. – Erster Vorsitzender der National-Demokratischen Partei Deutschlands (NDPD) ist Dr. jur. Lothar Bolz, der seit 1928 Mitglied der KPD gewesen ist. – Lothar Bolz (1903 – 1986) ist von 1948 – 1972 Parteivorsitzender der NDPD, 1949 Minister für Aufbau, 1950 – 1967 stellvertretender Ministerpräsident und von 1953 – 1963 Außenminister der DDR.

Die Partei hat Ende der achtziger Jahre in der DDR etwa 110.000 Mitglieder. Widersprochen sei jedoch der These, dass in keiner Partei mehr Nazis aufgenommen worden seien als in der NDPD. Die meisten NSDAP-Mitglieder haben nachweisbar ihr politische Heimat in der SED gefunden.

9. Juli 1945

Der SMAD-Befehl Nr. 5 wird von Marschall Shukow zur Bildung regionaler Militäradministrationen in Ländern und Provinzen der SBZ erlassen: Sowjetische Militäradministration des föderalen Landes Thüringen (SMATh). Chef ist General Tschuikow und Verwaltungschef, General Kolesnitschenko (Sitz in Jena, ab 16.07. in Weimar). Die örtlichen Truppenstäbe und ihre Militärkommandanturen unterstehen der SMATh, die die zivile Verwaltung fest in der Hand hat.

Mitte Juli 1945
Einige Häuser in guter Lage in Hildburghausen werden beschlagnahmt und geräumt. Sowjetische Offiziere ziehen ein. Auch die Heilanstalt ist besetzt. Das Kino wird eröffnet und Tanzveranstaltungen werden organisiert. Ein Berliner Ballett gibt im Theater erste Vorstellungen.

Juli 1945
Gründungsversammlung der SPD im Thüringer Hof in Hildburghausen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören August Wichtendahl, Hans Kuhn und der Gastwirt und Chorleiter Erich Mitzenheim.

14. Juli 1945
Bildung des Blocks antifaschistisch-demokratischer Parteien:
KPD, SPD, CDU, LDP in der Sowjetzone, am 17.08. Bildung eines Landes-Parteienblocks.

16. Juli 1945
Der ehemalige preußische Kreis Schleusingen (Regierungsbezirk Erfurt) kommt zum Land Thüringen und damit auch die heute zur Stadt Hildburghausen gehörende Gemeinde Gerhardtsgereuth mit Neuendambach.

Juli 1945

Die Post untersteht der Sowjetischen Militäradministration.
Die Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen (ZVPF) wird aufgebaut, die vorwiegend koordinierende Aufgaben zu erfüllen hat. Postdienststellen unterstehen den Landes- bzw. Provinzialdienststellen. Die Gliederung der Deutschen Post erfolgt in Oberpostdirektionen(OPD). Die Grenzen sind im Wesentlichen mit denen der Länder bzw. Provinzen identisch. Hildburghausen sowie das Kreisgebiet gehören zur OPD 16 mit Sitz in Erfurt.

Der in fünf Amtsgerichtsbezirke gegliederte Kreis Hildburghausen hat insgesamt vier Leitpostämter: Hildburghausen, Eisfeld, Heldburg und Themar. Römhild ist bis zur Verwaltungsreform Zweigpostamt des Amts Hildburghausen. Einige Orte des Amtsgerichtsbezirks Römhild werden postalisch vom Postamt Meiningen versorgt.

17. Juli bis 2. August 1945
Potsdamer Konferenz.
Sie legt fest, dass die wirtschaftliche Einheit Deutschlands zu wahren sei. Deshalb werden gemeinsame Zentralverwaltungen eingerichtet, die dazu beitragen sollen, dass die Besatzungszonen zonen- bzw. sektorenübergreifend regiert werden können. Die Interessen der Besatzungsmächte divergieren aber beträchtlich. Die Einheit Deutschlands wird schon in dieser frühen Phase der Entwicklung zur Illusion.
Die SMAD ist energisch bemüht, sozial-ökonomische Bedingungen in der SBZ in Richtung Volksdemokratie zu schaffen. Die KPD wird als Vollstrecker sowjetischer Machtinteressen einseitig unterstützt. Nach Zwangsvereinigung von KPD und SPD ist es bis 1990 die SED.

1945
Nach der Wiederaufnahme des Postverkehrs sind Postwertzeichen des Dritten Reichs verboten. Erste Postsendungen werden mit Gebühr bezahlt-Stempeln bearbeitet. Absenderfreistempel mit nationalsozialistischen Symbolen werden aptiert (Symbole werden herausgeschnitten und in Sachsen teilweise geschwärzt).

19. Juli 1945
Die Volksschule beginnt für das 1. und 2. Schuljahr mit dem Unterricht. Der kommissarische Schulrat Kurt Wiegand eröffnet die Jugenderziehung.
Die Uhren werden an die russische Zeit angeglichen und eine Stunde vorgestellt. Die Nordeuma produziert wieder, vor allem landwirtschaftliche Maschinen.

21. Juli 1945
Unter dem Meininger Intendanten Friedrich Tartler beginnen mit Avery Hopwoods Der Mustergatte in der Inszenierung von Rudolf Hahn Theateraufführungen im Stadttheater, ferner kommt es zu Marionettenaufführungen und Wiener Abenden. Bis 01.06.1946 gibt es 25 Aufführungen, u. a. Schillers Kabale und Liebe, Goethes Faust (I) und Iphigenie auf Tauris, Weisenborns Die guten Feinde.
In einem am 22.11.1946 in der Thüringer Volkszeitung veröffentlichten Brief Tartlers heißt es:
Für Hildburghausen ist aus Meiningen das Beste gerade gut genug, das bewiesen wir mit dem „Hamlet“-Gastspiel, das werden wir mit dem „Faust“ beweisen. Wir möchten zwischen Hildburghausen und Meiningen wieder eine lebendige kulturelle Beziehung schaffen, die uns Kraft gibt, alle Strapazen und materiellen Schwierigkeiten, die ein Gastspiel mit einem so personenreichen Apparat mit sich bringt, zu überwinden, und die in Hildburghausen eine Theatergemeinde schafft, die nicht erwächst aus billigem Vergnügen, sondern die durch Aufnahmebereitschaft ihr Teil zum Wiederaufbau neuer Kultur beiträgt.
Am 31.10.1946 wird der berühmte Fritz Diez Schauspieldirektor und am 30.05.1947 Intendant der Meininger. In dieser Zeit gehört auch Marion van de Kamp zur Meininger Truppe, sie tritt wiederholt in Hildburghausen auf.
Prof. Dr. Gerhard Steiner interviewt am 03.12.1986 in Berlin-Bohnsdorf die berühmte Schauspielerin u. a. zu ihren Auftritten in Hildburghausen: Hildburghausen muß einer unserer besten Abstecherorte gewesen sein. Ich meine, wegen des Theaters und der Bedingungen, die wir dort zum Spielen hatten. ... Wir hatten ein schlechtes, in Ermanglung von Benzin mit Holzvergasern fahrendes Busmaterial, und es war ein enorm kalter Winter von 1946 auf '47, so daß das Theater nach der Premiere des ‚Spiels von Tod und Liebe‘ schloß, weil es keine Kohlen mehr gab. Auf den Abstechern hatte man immer einen Kulissenwagen und einen Bus. Ich erinnere mich, daß dieser Bus öfter ausfiel und wir die Abstecher auf den Bänken des Kulissenwagens machten. Sie berichtet weiter, dass sie sich kaum satt essen konnte und dass die Garderobenfrauen im Winter nicht gebraucht wurden, weil die Leute dickvermummt im ungeheizten Theater saßen.

23. Juli 1945
Erlassen eines Gesetzes zur Reinigung der öffentlichen Verwaltung von Nazi-Aktivisten.

24. Juli 1945
Innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone wird Post befördert.

25. Juli 1945
Befehl Nr. 11 der SMAD: Einige Reichspapiergeldausgaben werden außer Kurs gesetzt. Mit dem Befehl Nr. 92 wird die Mark der Alliierten Militärbehörde eingeführt.

27. Juli 1945
SMAD-Befehl zur Bildung Deutscher Zentralverwaltungen (SMAD-Hilfsorgane), die in die Landesverwaltungen eingreifen. 1947/48 Kompetenzerweiterung und Ausgangspunkt für die Bildung der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) (ab 14.06.1947). Mit der DWK und der zunehmenden Übertragung von Länderkompetenzen (mit gesetzgeberischen Vollmachten) werden die wenigen noch vorhandenen föderalen Strukturen in der SBZ zerstört.

27. Juli 1945
Die SMAD richtet in der SBZ elf Zentralverwaltungen ein.

Ende Juli 1945
Die Sparkasse und die Banken werden für den Publikumsverkehr geschlossen und militärisch bewacht. Alle im Privatbesitz befindlichen Silbermünzen sind abzugeben.

Durch Übernahme der Verwaltung der Post durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) wird der Nachrichtenverkehr allmählich und unter großen Problemen wieder aufgebaut, zumal der Nero-Befehl Hitlers vom 19. März 1945 die Vernichtung der Verkehrs- und Nachrichtenanlagen eingeschlossen hat. So werden nach eingeschränkter Wiederzulassung des Briefverkehrs auf den Postsendungen Barfreimachungsstempel und -vermerke angebracht, da keine Postwertzeichen vorhanden sind.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

 

August 1945
Versuch der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs am Technikum Hildburghausen. Baudirektor Dipl.-Ing. Ernst Euterneck ist bemüht, in den Räumlichkeiten der Heilanstalt in der Eisfelder Straße eine neue Lehreinrichtung (Technikum) aufzubauen, die aber von der sowjetischen Besatzungsmacht bald beschlagnahmt werden. Engagiert sind beim Aufbau frühere Dozenten tätig: Baurat Dipl.-Ing. Schwieger, Baurat Dipl.-Ing. Jahn, Oberstudienrat Dipl.-Ing. Johannes Rühlmann, Baurat Dipl.-Ing. Bartels, Prof. Opitz, Dr. Exner.
Das Landesamt für Volksbildung des Landes Thüringen genehmigt in Person des Regierungsrats Ing. Max Greil, einem ehemaligen Studenten am Technikum, die Einrichtung im ehem. Alten Technikum (Obere Marktstraße 44).
Lt. einer Anzeige in der Thüringer Volkszeitung vom 01.10.1945 heißt es:
Aus zeitbedingten Umständen Unterrichtsbeginn auf Dienstag, den 16. Oktober 1945 verschoben.

6. August 1945
Das US Military Government weist die Regierung von Mainfranken in Würzburg an, dass die ehemalige thüringische Exklave Ostheim vor der Rhön als Teil des Landkreises Mellrichstadt zu betrachten sei, also zu Bayern gehöre. Damit hatte eine mehr als ein Jahrhundert lange Entwicklung ein Ende gefunden.

9. August 1945
Auf dem Sportplatz am Hildburghäuser Freibad finden Kundgebungen und eine Truppenparade der Sowjetarmee statt. Ein hoher Offizier überreicht eine neue Truppenfahne mit dem Bildnis Stalins.
Anmerkung
In einigen heimatgeschichtlichen Schriften wird dargestellt, dass das Ereignis zu Ehren des Geburtstages von Generalissimus Stalin stattgefunden habe. Dem ist nicht so, Stalin hat am 21. Dezember Geburtstag.

Ab 11. August 1945
In Hildburghausen kommt es durch die GPU (sowjetische Geheimpolizei) zu einer Vielzahl an Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Darüber darf nicht gesprochen werden. Die Bevölkerung ist wie stigmatisiert.

12. August 1945 bis 1950
Nachdem in den Thüringer Kreisstädten NKWD-Stellen (Narodny Kommissariat Wnutrennich Del [Vokskommissariat für Innere Angelegenheiten – sowjetische staatsterroristische Geheimpolizei 1934 – 1946]) eingerichtet worden sind, die seit Bestehen der SBZ Razzien und Verhaftungen durchführen, wird der sowjetische Hauptmann Matuskow beauftragt, in Thüringen ein Speziallager zu errichten. Es entsteht das sowjetische Speziallager Nr. 2 Buchenwald des NKWD auf dem Gelände des ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslagers auf dem Ettersberg bei Weimar. Diese Lager sind unter dem Deckmantel der Entnazifizierung und Entmilitarisierung geführt worden. Tatsächlich handelt es sich bei den Insassen um belastete Nazis, andererseits werden vermeintliche „Klassenfeinde“ der SBZ/DDR ebenfalls unter menschenunwürdigen Bedingungen eingekerkert. Am 21.08. werden die ersten 46 Häftlinge eingeliefert. Zirka ein Viertel der Internierten kommen ums Leben oder werden gezielt ermordet.

Insgesamt sind in den sowjetischen KZ 183.000 Menschen interniert worden, davon sterben 73.100. Es handelt sich nicht um Arbeitslager, sondern die Gefangenen sind in absoluter Isolation gehalten worden. In Buchenwald sind ca. 28.000 Personen gewesen, davon etwa 1.000 Frauen und einige in Buchenwald oder in anderen Lagern geborene Kinder. 7.000 Menschen finden den Tod.

In der DDR-Geschichtsschreibung sind diese Straflager nicht erwähnt worden, darüber zu sprechen erfüllte bis zum Zusammenbruch der DDR einen Straftatsbestand.

17. August 1945

Einige Truppenteile der Sowjets werden im Landkreis ausgetauscht.

Ab 21.08.1945 bis 1950
Erste Gefangene werden von den Sowjets in das ehemalige nazionalsozialistische KZ Buchenwald eingeliefert.

Ende August 1945
Die Ernährungsnotlage ist gewaltig, die Menschen leiden teils entsetzlich. Leute, die noch Geldreserven haben können sich mit Freibank- und Pferdefleisch versorgen.

30. August 1945
Auf Befehl des Kontrollrats und Befehl des Hauptchefs der SMAD Nr. 12 vom 25.07.1945 ist allen ehemaligen Militärpersonen der Deutschen Wehrmacht sowie Privatpersonen verboten, ehemalige Militäruniformen zu tragen.
(Nach der KPD-Tageszeitung: Das Volk)

1945

Gemeindeschwester Hertha Kölling und Diakonisse Marie Knorr stehen im Dienst der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Hildburghausen und helfen, menschliche Not zu lindern.

30. August 1945
Beginn der Tätigkeit des Alliierten Kontrollrats.

1. September 1945
In Hildburghausen wird die erste Wirkungsgruppe des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in Südthüringen mit 20 Mitgliedern gegründet, darunter befinden sich Künstler, Pädagogen und Kulturschaffende wie Werner Knackmuß, Walter Höhne, Willi Raßmann, Wilfriede André, Prof. Dr. Ernst Kaiser, Albert Buff, Armin Götz.

1. September 1945
Übergabe der Eisenbahnen an die Deutsche Eisenbahnverwaltung (wie alle anderen Eisenbahnen in der SBZ).
Der Bahnpostbetrieb auf der Strecke Hildburghausen – Heldburg – Lindenau/Friedrichshall wird eingestellt.

1. September 1945
Bildung der Landesverwaltung Thüringen als De-facto-Landesregierung.
Alle Personen über 12 Jahre erhalten vom Arbeitsamt entsprechende Karten.

2. September 1945
Die Thüringer Volkszeitung verbreitet die amtliche Mitteilung: Die grundsätzliche Genehmigung zur Eröffnung der Schulen ist zum 01.10. erteilt.

8. September 1945
Gründung der Deutschen Post. Wiederaufnahme des Fernsprechverkehrs und des Telegrammdienstes in der SBZ.

10. September 1945
Gesetz über die Bodenreform im Land Thüringen. Die Landesverwaltung scheitert an der Sowjetischen Militäradministration in Thüringen (SMATh), rechtsstaatliche Kriterien einzubringen. Grundbesitz über 100 ha und Besitz von Naziaktivisten und Kriegsverbrechern soll entschädigungslos enteignet werden. Von Enteignungen sind u. a. 12 Güter im Kreis betroffen: Erlebach, Billmuthausen, Einöd, Leitenhausen, Haubinda, Massenhausen, Friedenthal, Steudach, Heßberg, ferner die Staatsdomänen Neuhof b. Heldburg, Gompertshausen, Kloster Veßra, Eicha, Stressenhausen, Trostadt und weiterer Besitz. Das Land kommt in den Bodenfonds.

Im Altkreis werden insgesamt 2.680 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und ca. 1.020 ha Forstländereien verteilt. Landlose Bauern erhalten insgesamt 985 ha, landarme Bauern 1.022 ha und Vertriebene 673 ha. Es bestehen insgesamt 4.386 einzelbäuerliche Betriebe mit 12.000 Beschäftigten.
Das Neubauernland darf vererbt, aber nicht veräußert werden. Lt. Thüringer Volk vom 04.01.1946 erhalten 219 Neusiedler in Feierstunden in Hildburghausen, Heldburg und Themar ihre Urkunden ausgehändigt (ca. 5 – 10 ha).
In Thüringen werden 1.575 landwirtschaftliche Betriebe mit 208.090 ha enteignet, das sind 14 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Die Neubauernstellen haben nur eine geringe wirtschaftliche Kraft, andererseits steht der Besitz an Grund und Boden im Widerspruch zur Ideologie der KPD. Bereits Anfang der fünfziger Jahre kommt es zu Kollektivierungsversuchen nach sowjetischem Vorbild. – Die Güter Buchenhof und Henfstädt werden in sogenanntes Volkseigentum überführt, das Gut Bockstadt erhält Aufgaben in der Pferdezucht.

16. September 1945 bis 18. Mai 1948
Unter den 492 deutschen Wissenschaftlern und Raketenbauern, die im Zeitraum mit Wernher v. Braun nach Amerika kommen, sind mindestens drei ehemalige Studenten des Technikums Hildburghausen: Kurt Bayer, Fritz Müller, Heinrich Rothe.

September 1945
Der Zustand der Wohnungen wird untersucht. Kaputte Fenster u. ä. werden erfasst und teils repariert. Da kein Glas vorhanden ist, werden Doppelfenster, Glastüren oder Glas aus Bilderrahmen geopfert. Außerdem werden die Brennstoffvorräte erfasst. Die Leute müssen sich selbst mit Holz versorgen. Die Wälder sind wie ausgefegt. Selbst die Kinder müssen täglich mehrere Male in den Wald und Holz lesen.

Bis 20. September 1945
In der sowjetischen Kommandantur werden alle Soldaten und Offiziere, alle SA-, SS-, Gestapo- sowie NSDAP-Mitglieder registriert.

20. September 1945
Proklamation Nr. 2 des Alliierten Kontrollrats. Alle deutschen militärischen, paramilitärischen und Organisationen werden aufgelöst.

22. September 1945
Die Uhren werden auf die deutsche Sommerzeit eingestellt, also eine Stunde zurückgestellt.

26. September 1945
Das Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen wird eröffnet. Insgesamt werden bis zum Fall der DDR-Grenzsperranlagen im November 1989 hier ca. 4.000.000 Vertriebene, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und Spätaussiedler erfasst und betreut.

Herbst 1945
1. Kunstausstellung der in einem Arbeitskreis des Kulturbundes tätigen bildenden Künstler des Kreises in Hildburghausen.

1. Oktober 1945 bis 30.03.1946
Das Land Thüringen emittiert eigene Postwertzeichen, gestaltet von Engelbert Schoner (gebürtig aus Neuhaus/Rwg.), die bis 31.10.1946 gültig sind. Die Briefmarken werden zumeist zu spekulativen Zwecken gehortet, so ist die Barfrankierung mit Gebühr bezahlt-Stempeln über die Währungsreform hinaus (Juni 1948) auch in Hildburghausen üblich.

4. Oktober 1945
Aufnahme des Schulbetriebs an den Schulen des Kreises: 10.565 Schüler in 92 Grundschulen, davon 61 Einklassenschulen. In Hildburghausen gibt es eine 8-klassige Grundschule mit 900 Schülern und 16 Lehrern; eine 4-klassige Schule in Häselrieth, eine 2-klassige Schule in Wallrabs. Weitere Grundschulen gibt es in Birkenfeld, Bürden, Ebenhards, Leimrieth, Pfersdorf, Weitersroda.
Der Unterricht an der Ober- und der Aufbauschule beginnt am 08.10.
(s. Herbst 1947). Im Schuljahr 1946/47 hat es jeweils eine 12. Klasse der beiden Bildungseinrichtungen gegeben. Russisch wird in der Ober- und Aufbauschule Pflichtfach.
Schulrat wird Gymnasiallehrer Kurt Wiegand von der Oberschule Hildburghausen. Sowjetischer Bildungsoffizier der SMAD in Hildburghausen ist Major Iwanjakow, ehemaliger Leiter einer Mittelschule in Saratow.

August 1945
Versuch der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs am Technikum Hildburghausen. Baudirektor Dipl.-Ing. Ernst Euterneck ist bemüht, in den Räumlichkeiten der Heilanstalt in der Eisfelder Straße eine neue Lehreinrichtung (Technikum) aufzubauen, die aber von der sowjetischen Besatzungsmacht bald beschlagnahmt werden. Engagiert sind beim Aufbau frühere Dozenten tätig: Baurat Dipl.-Ing. Schwieger, Baurat Dipl.-Ing. Jahn, Oberstudienrat Dipl.-Ing. Johannes Rühlmann, Baurat Dipl.-Ing. Bartels, Prof. Opitz, Dr. Exner.
Das Landesamt für Volksbildung des Landes Thüringen genehmigt in Person des Regierungsrats Ing. Max Greil, einem ehemaligen Studenten am Technikum, die Einrichtung im ehem. Alten Technikum (Obere Marktstraße 44).
Lt. einer Anzeige in der Thüringer Volkszeitung vom 01.10.1945 heißt es:
Aus zeitbedingten Umständen Unterrichtsbeginn auf Dienstag, den 16. Oktober 1945 verschoben.

6. August 1945
Das US Military Government weist die Regierung von Mainfranken in Würzburg an, dass die ehemalige thüringische Exklave Ostheim vor der Rhön als Teil des Landkreises Mellrichstadt zu betrachten sei, also zu Bayern gehöre. Damit hatte eine mehr als ein Jahrhundert lange Entwicklung ein Ende gefunden.

9. August 1945
Auf dem Sportplatz am Hildburghäuser Freibad finden Kundgebungen und eine Truppenparade der Sowjetarmee statt. Ein hoher Offizier überreicht eine neue Truppenfahne mit dem Bildnis Stalins.
Anmerkung
In einigen heimatgeschichtlichen Schriften wird dargestellt, dass das Ereignis zu Ehren des Geburtstages von Generalissimus Stalin stattgefunden habe. Dem ist nicht so, Stalin hat am 21. Dezember Geburtstag.

Ab 11. August 1945
In Hildburghausen kommt es durch die GPU (sowjetische Geheimpolizei) zu einer Vielzahl an Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Darüber darf nicht gesprochen werden. Die Bevölkerung ist wie stigmatisiert.

12. August 1945 bis 1950
Nachdem in den Thüringer Kreisstädten NKWD-Stellen (Narodny Kommissariat Wnutrennich Del [Vokskommissariat für Innere Angelegenheiten – sowjetische staatsterroristische Geheimpolizei 1934 – 1946]) eingerichtet worden sind, die seit Bestehen der SBZ Razzien und Verhaftungen durchführen, wird der sowjetische Hauptmann Matuskow beauftragt, in Thüringen ein Speziallager zu errichten. Es entsteht das sowjetische Speziallager Nr. 2 Buchenwald des NKWD auf dem Gelände des ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslagers auf dem Ettersberg bei Weimar. Diese Lager sind unter dem Deckmantel der Entnazifizierung und Entmilitarisierung geführt worden. Tatsächlich handelt es sich bei den Insassen um belastete Nazis, andererseits werden vermeintliche „Klassenfeinde“ der SBZ/DDR ebenfalls unter menschenunwürdigen Bedingungen eingekerkert. Am 21.08. werden die ersten 46 Häftlinge eingeliefert. Zirka ein Viertel der Internierten kommen ums Leben oder werden gezielt ermordet.

Insgesamt sind in den sowjetischen KZ 183.000 Menschen interniert worden, davon sterben 73.100. Es handelt sich nicht um Arbeitslager, sondern die Gefangenen sind in absoluter Isolation gehalten worden. In Buchenwald sind ca. 28.000 Personen gewesen, davon etwa 1.000 Frauen und einige in Buchenwald oder in anderen Lagern geborene Kinder. 7.000 Menschen finden den Tod.

In der DDR-Geschichtsschreibung sind diese Straflager nicht erwähnt worden, darüber zu sprechen erfüllte bis zum Zusammenbruch der DDR einen Straftatsbestand.

17. August 1945

Einige Truppenteile der Sowjets werden im Landkreis ausgetauscht.

Ab 21.08.1945 bis 1950
Erste Gefangene werden von den Sowjets in das ehemalige nazionalsozialistische KZ Buchenwald eingeliefert.

Ende August 1945
Die Ernährungsnotlage ist gewaltig, die Menschen leiden teils entsetzlich. Leute, die noch Geldreserven haben können sich mit Freibank- und Pferdefleisch versorgen.

30. August 1945
Auf Befehl des Kontrollrats und Befehl des Hauptchefs der SMAD Nr. 12 vom 25.07.1945 ist allen ehemaligen Militärpersonen der Deutschen Wehrmacht sowie Privatpersonen verboten, ehemalige Militäruniformen zu tragen.
(Nach der KPD-Tageszeitung: Das Volk)

1945

Gemeindeschwester Hertha Kölling und Diakonisse Marie Knorr stehen im Dienst der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Hildburghausen und helfen, menschliche Not zu lindern.

30. August 1945
Beginn der Tätigkeit des Alliierten Kontrollrats.

1. September 1945
In Hildburghausen wird die erste Wirkungsgruppe des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in Südthüringen mit 20 Mitgliedern gegründet, darunter befinden sich Künstler, Pädagogen und Kulturschaffende wie Werner Knackmuß, Walter Höhne, Willi Raßmann, Wilfriede André, Prof. Dr. Ernst Kaiser, Albert Buff, Armin Götz.

1. September 1945
Übergabe der Eisenbahnen an die Deutsche Eisenbahnverwaltung (wie alle anderen Eisenbahnen in der SBZ).
Der Bahnpostbetrieb auf der Strecke Hildburghausen – Heldburg – Lindenau/Friedrichshall wird eingestellt.

1. September 1945
Bildung der Landesverwaltung Thüringen als De-facto-Landesregierung.
Alle Personen über 12 Jahre erhalten vom Arbeitsamt entsprechende Karten.

2. September 1945
Die Thüringer Volkszeitung verbreitet die amtliche Mitteilung: Die grundsätzliche Genehmigung zur Eröffnung der Schulen ist zum 01.10. erteilt.

8. September 1945
Gründung der Deutschen Post. Wiederaufnahme des Fernsprechverkehrs und des Telegrammdienstes in der SBZ.

10. September 1945
Gesetz über die Bodenreform im Land Thüringen. Die Landesverwaltung scheitert an der Sowjetischen Militäradministration in Thüringen (SMATh), rechtsstaatliche Kriterien einzubringen. Grundbesitz über 100 ha und Besitz von Naziaktivisten und Kriegsverbrechern soll entschädigungslos enteignet werden. Von Enteignungen sind u. a. 12 Güter im Kreis betroffen: Erlebach, Billmuthausen, Einöd, Leitenhausen, Haubinda, Massenhausen, Friedenthal, Steudach, Heßberg, ferner die Staatsdomänen Neuhof b. Heldburg, Gompertshausen, Kloster Veßra, Eicha, Stressenhausen, Trostadt und weiterer Besitz. Das Land kommt in den Bodenfonds.

Im Altkreis werden insgesamt 2.680 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und ca. 1.020 ha Forstländereien verteilt. Landlose Bauern erhalten insgesamt 985 ha, landarme Bauern 1.022 ha und Vertriebene 673 ha. Es bestehen insgesamt 4.386 einzelbäuerliche Betriebe mit 12.000 Beschäftigten.
Das Neubauernland darf vererbt, aber nicht veräußert werden. Lt. Thüringer Volk vom 04.01.1946 erhalten 219 Neusiedler in Feierstunden in Hildburghausen, Heldburg und Themar ihre Urkunden ausgehändigt (ca. 5 – 10 ha).
In Thüringen werden 1.575 landwirtschaftliche Betriebe mit 208.090 ha enteignet, das sind 14 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Die Neubauernstellen haben nur eine geringe wirtschaftliche Kraft, andererseits steht der Besitz an Grund und Boden im Widerspruch zur Ideologie der KPD. Bereits Anfang der fünfziger Jahre kommt es zu Kollektivierungsversuchen nach sowjetischem Vorbild. – Die Güter Buchenhof und Henfstädt werden in sogenanntes Volkseigentum überführt, das Gut Bockstadt erhält Aufgaben in der Pferdezucht.

16. September 1945 bis 18. Mai 1948
Unter den 492 deutschen Wissenschaftlern und Raketenbauern, die im Zeitraum mit Wernher v. Braun nach Amerika kommen, sind mindestens drei ehemalige Studenten des Technikums Hildburghausen: Kurt Bayer, Fritz Müller, Heinrich Rothe.

September 1945
Der Zustand der Wohnungen wird untersucht. Kaputte Fenster u. ä. werden erfasst und teils repariert. Da kein Glas vorhanden ist, werden Doppelfenster, Glastüren oder Glas aus Bilderrahmen geopfert. Außerdem werden die Brennstoffvorräte erfasst. Die Leute müssen sich selbst mit Holz versorgen. Die Wälder sind wie ausgefegt. Selbst die Kinder müssen täglich mehrere Male in den Wald und Holz lesen.

Bis 20. September 1945
In der sowjetischen Kommandantur werden alle Soldaten und Offiziere, alle SA-, SS-, Gestapo- sowie NSDAP-Mitglieder registriert.

20. September 1945
Proklamation Nr. 2 des Alliierten Kontrollrats. Alle deutschen militärischen, paramilitärischen und Organisationen werden aufgelöst.

22. September 1945
Die Uhren werden auf die deutsche Sommerzeit eingestellt, also eine Stunde zurückgestellt.

26. September 1945
Das Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen wird eröffnet. Insgesamt werden bis zum Fall der DDR-Grenzsperranlagen im November 1989 hier ca. 4.000.000 Vertriebene, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und Spätaussiedler erfasst und betreut.

Herbst 1945
1. Kunstausstellung der in einem Arbeitskreis des Kulturbundes tätigen bildenden Künstler des Kreises in Hildburghausen.

1. Oktober 1945 bis 30.03.1946
Das Land Thüringen emittiert eigene Postwertzeichen, gestaltet von Engelbert Schoner (gebürtig aus Neuhaus/Rwg.), die bis 31.10.1946 gültig sind. Die Briefmarken werden zumeist zu spekulativen Zwecken gehortet, so ist die Barfrankierung mit Gebühr bezahlt-Stempeln über die Währungsreform hinaus (Juni 1948) auch in Hildburghausen üblich.

4. Oktober 1945
Aufnahme des Schulbetriebs an den Schulen des Kreises: 10.565 Schüler in 92 Grundschulen, davon 61 Einklassenschulen. In Hildburghausen gibt es eine 8-klassige Grundschule mit 900 Schülern und 16 Lehrern; eine 4-klassige Schule in Häselrieth, eine 2-klassige Schule in Wallrabs. Weitere Grundschulen gibt es in Birkenfeld, Bürden, Ebenhards, Leimrieth, Pfersdorf, Weitersroda.
Der Unterricht an der Ober- und der Aufbauschule beginnt am 08.10.
(s. Herbst 1947). Im Schuljahr 1946/47 hat es jeweils eine 12. Klasse der beiden Bildungseinrichtungen gegeben. Russisch wird in der Ober- und Aufbauschule Pflichtfach.
Schulrat wird Gymnasiallehrer Kurt Wiegand von der Oberschule Hildburghausen. Sowjetischer Bildungsoffizier der SMAD in Hildburghausen ist Major Iwanjakow, ehemaliger Leiter einer Mittelschule in Saratow.

Ab 6. Oktober 1945
Für die Bevölkerung des Amtsgerichtsbezirks Heldburg im Kreis Hildburghausen geschieht das Unfassbare: Die russische Besatzungsmacht zieht sich bei Streufdorf auf eine Ost-West-Linie zurück. Am 10.10. werden Einrichtungen, Offiziere und Mannschaften bei Sperrung der Straßen nach Streufdorf und Linden in russischen Lkw nach Hildburghausen gebracht. Das Heldburger Unterland bleibt Bestandteil der SBZ, wird aber von den Sowjets nur noch selten kontrolliert. Es werden Passierscheine benötigt, um nach Hildburghausen gelangen zu können. Für ca. zwei Jahre besteht eine Art Selbstverwaltung.
Viele Bürger des Unterlands feiern den Abzug der Russen. Bürgermeister von 19 Gemeinden fordern nun die von der Roten Armee beschlagnahmten Unterkünfte, Gehöfte und Truppenplätze zurück. Es kommt zu einem regen Grenzverkehr vor allem in Richtung Rodach und Coburg. Der Wunsch einer Angliederung an Bayern wird immer deutlicher.
Der Heldburger Zahnarzt und Bürgermeister Helmuth Steltzner nimmt Kontakt in München mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Wilhelm Hoegner auf, der von Fritz Schäffer, dem nachmaligen Bundesfinanzminister, vertreten wird. Es wird später festgelegt, dass bei einer Einigung der Alliierten der Amtsgerichtsbezirk Heldburg dem Kreis Coburg zugeteilt wird. Dazu kommt es aber nicht.

1945
An der Oberschule wird ein halbjähriger Kurs mit 38 Teilnehmern zum Ablegen des Abiturs unter dem vormals am Gymnasium Schleusingen tätigen Lehrer Dr. Georg Staude, Themar, eingerichtet. Es handelt sich um Kriegsteilnehmer im Alter von 18 bis 24 Jahren.

18. Oktober 1945
Gesetz zum Wiederaufbau von Städten und Dörfern im Land Thüringen.

21. Oktober 1945
Gründungsversammlung der KPD-Ortsgruppe Hildburghausen im Schützenhof, die Unterbezirksleitung befindet sich in Hildburghausen.

Oktober 1945 bis August 1946
Kurzfristig besteht in Hildburghausen wieder eine Lehrerbildungseinrichtung. In vier Schnelllehrgängen werden 185 Neulehrer ausgebildet und kommen sofort zum Schuleinsatz. Die Ausbildungszeit beträgt 8 – 10 Monate, Leiter der Bildungseinrichtung ist Herr Casparius.

Herbst 1945
Gründung eines Museumsausschusses in Hildburghausen, die bildenden Künstler der Stadt organisieren Kunstausstellungen.

1. November 1945
Die Schmalspurbahn fährt von Lindenau/Friedrichshall – Hildburghausen durch, von November 1945 bis März 1946 nur noch von Streufdorf bis Hildburghausen.

3. November 1945
Der Landespräsident Thüringens, Dr. Rudolf Paul, ruft die Bevölkerung, die Parteien und die Kirchen auf zur Thüringen-Aktion gegen die Not. Hieraus entwickelt sich später die Volkssolidarität.
In den Orten des Kreises Hildburghausen werden Ortsausschüsse gegründet (Vorsitzender: W. Schlüter). Nahezu täglich werden in der Presse die Sammelergebnisse veröffentlicht. In Hildburghausen wird der Ausschuss vom 1. Beigeordneten August Gerau (SPD) geleitet. Ihm gehören an: August Kahl (KPD), August Schneider (CDU), Wilhelm Pohle (SPD) und Karl Schüerholz (LDP).
Vom Fürsorgeamt werden monatlich 700 Haushalte unterstützt, das ist etwa ein Drittel der Bevölkerung. Im November bedürfen dieser Hilfe beispielsweise 50 Rentner, 190 sonstige Hilfsbedürftige (vor allem Frauen mit Kindern, deren Männer vermisst oder in Kriegsgefangenschaft sind), 140 Vertriebenen-Familien und 312 Westevakuierte. Den 700 Haushaltungen können nur insgesamt 29.000 Mark zur Verfügung gestellt werden, also durchschnittlich 41 Mark je Familie. Die Freiwilligen-Spende der Thüringen-Aktion gegen Notkann entschieden Leid mindern.

1945
Die Sowjets halten Pferdeherden mit jeweils 100 Stück (Beutebestände) in der Flur Heßberg bis in die Gemarkung Birkenfelds, besonders auf den Werrawiesen.

Ab 4. November 1945
Wahl in den thüringischen Dörfern zur Bildung von Komitees der gegenseitigen Bauernhilfe (später VdgB Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe).

6. November 1945
Die Direktive Nr. 16 des Alliierten Kontrollrats bestimmt die einheitliche Bewaffnung für ganz Deutschland, in der es u. a. heißt: „Mit Ausnahme der Gendarmerie und der Grenzpolizei, die mit Karabinern ausgestattet werden können, wird die Polizei keine gänzlich automatischen Waffen oder andere Waffen zugeteilt bekommen als Pistolen, Revolver und Knüttel.“

10. November 1945
Die Fa. Kätsch KG wird als ehemaliger Rüstungsbetrieb unter Sequester gestellt und nach Enteignung 1946 als Präzisionswerk Hildburghausen unter sowjetischer Regie wiedereröffnet. Die Firma geht am 10.05.1947 in Landeseigentum über. Daraus entwickelt sich später dasSchrauben- und Normteilewerk.
Vorerst werden produziert: Aluminium-Feuerzeuge, Pferdehufstollen, Feuerzeugräder und Messingspindeln für Wasserhähne, ferner in der Holzabteilung Kisten, Türen, Fenster, Treppen, Dachkonstruktionen für Landwirtschaftsbauten.

1945
Das als Scheller-Stift erbaute Altenheim in der heutigen Dr.-Wilhelm-Külz-Straße wird als Isolierhaus des Kreiskrankenhauses umgebaut. 1970 kommt es zu einem Anbau und zur Einrichtung eines Zentrallabors, bei der Rekonstruktion und Erweiterungsbauten der Henneberg Kliniken GmbH wird das Gebäude eingelegt.

17. November 1945
Auf Befehl des sowjetischen Stadtkommandanten erfolgt die Neubildung der Freiwilligen Feuerwehr. Kommandant wird der städtische Arbeiter Willy Heumann. Es wird gefordert, die Feuerwehr umgehend auf den Personalstand vom 01.04.1939 zu bringen. Dem geht eine Anordnung des Landrats auf ausdrücklichen Befehl des russischen Kriegskommandanten voraus unter Androhung strengster Bestrafung bei Fernbleiben von angesetzten Übungen und Alarm, Pflicht für dreitägigen Lehrgang. Ehemalige Mitglieder der NSDAP, ihrer Gliederungen sowie Offiziere und Unteroffiziere (ausgenommen Rehabilitierte) werden nicht zugelassen.

 

An der Stadtmauer.
Das nach 1945 von der Sowjetarmee für den Fuhrpark genutzte Gelände wird zum Zeitpunkt LKW-Parkplatz der staatlichen Handelsorganisation HO, die in der Sachsenburg ihren Sitz hat. 1959/60 errichtet die Mittelschule II, die spätere Joseph-Meyer-Schule in Eigenleistung eine Kleinsportanlage mit einer 100-m-Laufbahn.
Postkarte VEB Volkskunstverlag Reichenbach i. V., 1958
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1945 – 1953
Renovierung der Christuskirche (bes. Deckensanierung, Instandsetzung des Dachs nach dem amerikanischen Beschuss).

20. November 1945

Der Alliierte Kontrollrat bestätigt den Plan zur Ausweisung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei, aus Ungarn und Polen in die vier Besatzungszonen. Bereits im Aug./Sept. (nach Potsdamer Beschlüssen) kommt es zum Terror gegen die deutsche Bevölkerung in den ehemaligen Ostgebieten, vor allem in der Tschechoslowakei. Viele Flüchtlinge/Vertriebene gelangen nach Thüringen (in alle Städte und Gemeinden des Kreises), bis 1948 sind es ca. 700.000 (23,4 % der thüringischen Gesamtbevölkerung), in der gesamten SBZ 4,3 Mio. Menschen.
Der Kreis Hildburghausen wird beauflagt, 8.000 sog. Ostumsiedler aufzunehmen.

1945 bis Frühjahr 1946
Im Waldabschnitt Lehmrangen (heute: OT Häselrieth) finden vermutlich wöchentlich und wahrscheinlich auch nahe des Runden Steinernen Tisches sowie am Quellbrünnleinsteich Erschießungen durch die GPU (politische Staatspolizei in Sowjetrussland) statt – zumeist nach Denunziationen durch Deutsche. Am 03.03.1948 werden acht (vier durch Schädelzertrümmerungen und vier durch Genickschuss) hingerichtete Bürger ausgegraben und am 04.03.1948 auf Beschluss des Amtsgerichts Hildburghausen zur Bestattung auf dem Häselriether Friedhof freigegeben. Anschließend lassen die Sowjets das Gelände mit Kettenfahrzeugen planieren.
Nach Ermittlungen handelt es sich um die Bürger Rudolf Baum, Max Friedrich (Poppenhausen), Hans Bulle (Fehrenbach), Broder Bansen, Louis Großmann, Bahnhofsvorsteher Müller (Hildburghausen), Erich Pasenau (Massenhausen), Hans Zapf (Häselrieth).
Die Verbrechen können auch nach Untersuchungen der Kreisstaatsanwaltschaft im Jahr 1990 nicht aufgeklärt werden. Einige Zeugen sind verstorben, andere schweigen noch heute.

1. Dezember 1945
Der Aufbau der Grenzpolizei als Teil der Landespolizei der Länder und Provinzen ist weitestgehend abgeschlossen. Deshalb gilt der 1. Dezember als ihr Gründungstag und wird später jährlich als Tag der Grenztruppen der DDR feierlich und agitatorisch begangen.

1945
Für das zurückliegende Jahr hat das sowjetische Komitee für Beutegut registriert, dass für 8.000.000.000 Reichsmark Güter in insgesamt 400.000 Eisenbahnwaggons in die Sowjetunion verbracht worden sind: Edelmetalle, Zahlungsmittel, Sach- und Kunstgegenstände, Bibliotheken, 450.000 Radios, 60.000 Klaviere ...

18. Dezember 1945
Mit Befehl Nr. 176 der SMAD werden in der SBZ die Konsumgenossenschaften wieder gegründet. Ende 1958 gibt es hier 1,8 Mio. Mitglieder, 17 Prozent des Einzelhandelsumsatzes werden erreicht.

Januar 1946
Das Technikum wird endgültig von der sowjetischen Besatzungsmacht geschlossen. Damit wird der Stadt ein wesentlicher Teil ihrer Entwicklung genommen.
Das Gebäude des Neuen Technikums in der Helenenstraße wird zeitweise bis 1956 Haupt- und Nebengebäude für Lehrzwecke, als Großhandelslager der Konsum-Genossenschaft, Fleischerei und Kfz-Werkstatt und als Kaserne der Sowjetarmee genutzt (ab 01.05.1953), seit 1957 als Berufsschule mit unterschiedlichen Berufsfeldern.

15. Januar 1946
Nach sowjetischer Anweisung werden Schulen und Krankenhäuser vorrangig mit Brennholz beliefert. Der Landrat meldet dem Landesamt für Volksbildung, dass keine Schule wegen mangelnden Brennmaterials geschlossen werden muss.

18. Januar 1946
Die Stadtbibliothek in der Schlossgasse 13/15 (Johann-Sebastian-Bach-Straße) nimmt auf Anweisung der sowjetischen Besatzung ihre Tätigkeit auf (Schließung seit April 1945). 1.100 Leser schreiben sich ein, 30.000 Entleihen werden getätigt. Die Bibliothek wird von Frau Sircolumb hauptamtlich geleitet. Die sowjetischen Besatzungsorgane lassen den Buchbestand säubern, 4.900 Bücher stehen noch zur Ausleihe bereit. Dabei werden nicht nur Literatur, Zeitungen und Zeitschriften mit nationalsozialistischem Gedankengut entfernt, sondern auch solche mit demokratischen Inhalten, die nicht in die Ideologie stalinistischer Prägung passen. – Von den „Säuberungsaktionen“ sind auch die Archive betroffen.

26. Januar 1946
Gemeinsame Kreiskonferenz von KPD und SPD zur Zwangsvereinigung zur SED in den Stadtsälen im Hirschplatz (heute: Puschkinplatz), Tage vorher findet die Funktionärskonferenz von KPD und SPD auf Stadtebene statt. Überall im Kreis kommt es zu Willensbekundungen der beiden Bruderparteien KPD und SPD. Der Kreisvorstand der SPD begrüßt ... eine endgültige Einigung und den Zusammenschluß der beiden sozialistischen Parteien, um dem wahren Sozialismus zum Endsieg zu verhelfen zum Wohle der schaffenden deutschen Menschen.
(Thüringer Volkszeitung, 21.01.1946)

Februar 1946
Offizieller Beginn der Arbeit des Diakonischen Hilfswerks in Hildburghausen. KR Superintendent Köhler unterstützt.
Schwester Hertha Kölling übernimmt die Kreisstellenarbeit.

Petra Hinske, die Kreisstellenleiterin der Diakonie in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts, schreibt in der von ihr redaktionell betreuten Festschrift „50 Jahre Diakonie – Kreisstelle für Diakonie in der Superintendentur Eisfeld-Hildburghausen“ über den Beginn der Arbeit:
Die Einrichtung der Kreisstelle Hildburghausen läßt sich nicht auf ein genaues Datum einordnen. Wahrscheinlich übernahm Schwester Hertha Kölling nach dem Besuch von Diakon Prenzler am 8. Februar 1946 in Hildburghausen offiziell die Kreisstellenarbeit, zusammen mit Pfr. Schauer. Vom Landeskirchenrat war vorgesehen, in jedem Pfarrbezirk einen „Vertrauensmann“ für das Hilfswerk zu bestellen. Mit seiner ganzen Autorität setzte sich Superintendent KR Köhler ebenfalls für die Hildburghäuser Hilfswerkarbeit ein.
Schwester Hertha hatte bereits 1945 als Gemeindeschwester mit Diakonisse Marie Knorr den Dienst aufgenommen, der sich in den nachfolgenden Jahren sehr intensiv den Erfordernissen dieser Zeit anpassen mußte. Überall wurden in Thüringen Werkstätten zur Selbstversorgung eingerichtet. So auch am 1. Mai 1948 im Evang. Gemeindehaus mit Herrn Gleim eine Schusterwerkstatt. Am 30.5.1951 mußte diese auf Grund staatlicher Bestimmungen geschlossen werden. Im Juli 1948 berichtete Diakon Prenzler schon von Widerständen gegen die Werkstätten seitens staatlicher Stellen.
Was gab es für eine Menge Arbeit, wenn vom Hauptbüro des Hilfswerkes in Eisenach Gummisohlen an die Kreisstellen ausgeliefert werden sollten und Absätze noch nicht lieferbar waren! 1949 gab es in Hildburghausen 781 Kunden in der Schusterwerkstatt.
Die Nöte dieser Zeit zu lindern, leiblich und seelisch, blieben bis zum Weggang von Schwester Hertha 1970 in der Kreisstellenarbeit vorrangig. Nicht zu vergessen sind die jährlichen Erntedankfestspenden und die Erträge aus „Korb der Barmherzigkeit“. Dadurch konnten auch das Evang. Altersheim und der Evang. Kindergarten weiterbestehen.

28. Februar 1946
Tagung der Kreissportreferenten des Landes Thüringen in Weimar zu den Organisationsbedingungen des kommunalen Sports im Land. Danach werden Sportausschüsse im Kreis und in einigen Kommunen gegründet. Neben der Bildung von Fußballmannschaften und der Organisierung des Punktspielbetriebs entwickeln sich in den Sportgemeinschaften der heutigen Stadt Hildburghausen auch andere Sportgruppen, z. B. Turnen, Schwimmen, Kegeln.

1946
Wegen der Schulversäumnisse im Zweiten Weltkrieg kommt es an der Oberschule Hildburghausen zu vier Abiturientenprüfungen (März, Juni, Okt., Dez.).

März bis Mai 1946
Demontage der Schmalspurbahn Hildburghausen – Lindenau/Friedrichshall auf Befehl der SMAD, schrittweise ab Streufdorf bis Hildburghausen, am 14.05. letzte Fahrt, Einstellung des Bahnbetriebs.
Die Bahn wird (nach Zeugenaussagen) über Brest-Litowsk nach Litauen transportiert und vermutlich nicht wieder aufgebaut.

1946
Gründung der Ortsvereinigung Hildburghausen der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), nachdem es bereits Ende Dez. 1945 zu einer Bürgermeisterversammlung in Hildburghausen kommt, in denen Vertreter der Gewerkschaft, der Parteien, Hauptmann Demidoff (Vertreter der SMAD), ferner Dr. Karl Hamann und Landrat Lotz die Notwendigkeit des Aufbaus einer Gegenseitigen Bauernhilfe erörtern. (1950) So soll u. a. auf dem Gelände der Nordeuma eine Werkstätte für reparaturbedürftige Maschinen für den Kreis eingerichtet werden.
In der Stadt werden insgesamt 280 ha landwirtschaftliche Nutzfläche von 154 Betrieben bewirtschaftet, 37 Betriebe haben mehr als 1 ha. Zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln werden vor allem ungenutzte landwirtschaftliche Flächen kultiviert.

Februar/März 1946

Mit Genehmigung der Besatzungsorgane wird eine Kreisstelle für Heimatforschung unter Leitung des Schuldirektors a. D. Otto Schön gebildet, die u. a. die Heimatkundlichen Lesebogen und eineHeimatkunde für den Kreis Hildburghausen herausgibt, ferner wird im Alten Technikum (Obere Marktstraße 44) eine heimatkundliche Bibliothek aufgebaut.

2. März 1946
Gründungsversammlung des Konsumvereins Hildburghausen u. Umgebung im Kaisersaal.
- In einer groß angelegten Kampagne bemühen sich die staatlichen Stellen, gegen Geschlechtskrankheiten vorzugehen.

In einem Beitrag der Thüringer Volkszeitung heißt es:
Der Grund hierfür ist nicht nur in fehlender oder mangelnder Sauberkeit zu suchen; er ist vor allen Dingen eine Folge der Zügellosigkeit und immer mehr um sich greifenden Demoralisierung der Jugend. Es ist allgemein bekannt, daß jede Kriegs- und Nachkriegszeit einen solchen moralischen und ethischen Niedergang mit sich bringt. Wir müssen versuchen, mit allen Mitteln gegen diese Entartung und Vergiftung unserer Jugend einzuschreiten. ... Auch in unserem Kreis hat diese Seuche verheerend um sich gegriffen. Das beweist die Zahl der Kranken, die in einem von Dr. Weber (Kreisarzt, d. Verf.) eingerichteten Isolierhaus, innerhalb des Gesundheitsamtes, untergebracht sind. 60 Patienten waren es insgesamt, davon wurden 20 bereits weggeschafft und in Arbeitslagern untergebracht. Von den übrigen 40 Patienten sind 30 Frauen im Alter von 15 bis 40 Jahren und 10 Männer. Dazu kommen die vielen, deren Krankheit noch nicht erkannt ist.

1946
Mit Flucht und Vertreibung verzehnfacht sich in Südthüringen die Zahl der Katholiken von etwa 7.000 auf 70.000. Im Mai 1946 schickt beispielsweise Meiningen seinen 2. Kaplan nach Hildburghausen. Im Kreis sind etwa 6.000 Katholiken angesiedelt worden. Der Seelsorgebezirk Eisfeld (Kaplan Hugo Popp) hat 33 Ortschaften mit 1.000 Katholiken, Themar (Dekan Adolf Jaksch aus Leitmeritz) besitzt einen Seelsorgebezirk mit 637 Katholiken in 17 Ortschaften, der Seelsorgebezirk Heldburg (Pater Romanus) 23 Ortschaften mit 600 Katholiken und 2.133 Katholiken in Hildburghausen (Pfarrer Adolf Goebel) in der Stadt und in 31 Ortschaften.

Die sowjetischen Besatzungsorgane verbieten, dass Pfarrbriefe versandt werden.

Seit 1946 besteht in Erfurt ein Fuldaer Generalvikariat, das ab 1953 ein Weihbischof führt.

7. März 1946
Gründung der Freien Deutschen Jugend (FDJ), Jugendorganisation der SED in der SBZ.

13. März 1946
Landarbeitertag und Kreiskonferenz der Gegenseitigen Bauernhilfe im Kaisersaal. Im Vordergrund steht die Sicherung der Volksernährung.

17. März 1946
Die 1. Sport-Delegiertentagung findet im Kaisersaal in Hildburghausen statt. Jeder Ort darf drei Delegierte (möglichst aus der FDJ) entsenden. Der Sportbetrieb darf anfangs nicht über die Kreisgrenzen hinausgehen. Sportamtsleiter in Hildburghausen ist August Gerau.

11. April 1946
In Hildburghausen und im Kreis wird in den Schulen, Institutionen, Betrieben, Kirchen und mit einer Großkundgebung der ersten Wiederkehr des Befreiungstags des Konzentrationslagers Buchenwald gedacht.
Im Stadttheater wird Goethes Iphigenie auf Tauris aufgeführt.

1946

Nach einer Direktive für den Sportbetrieb der FDJ vom 26.04.1946 findet am 29.04. ein Fußballvergleich zwischen Hildburghausen und der FDJ Heldburg statt, der von Hildburghausen mit 2 : 1 gewonnen wird. Das ist der Beginn eines organisierten Spielbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Punktspiele im Kreis beginnen am 07.07.1946.

18. April 1946
Das Thüringer Volk veröffentlicht die Namen der Opfer des Faschismus im Kreis, darunter aus Hildburghausen: Hermann Reinhardt, Martha Gerau sowie Adolf Rehbock mit Frau und Kind.

30. April 1946
Großkundgebung in Hildburghausen zur Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED am 21.04. in Gotha (20 Delegierte aus dem Kreis sind anwesend). Gegner der Vereinigung aus den sozialdemokratischen Reihen werden auch in Hildburghausen vor allem von den Sowjets nach Denunziationen durch Deutsche verfolgt.

- Nach einer großangelegten antikapitalistischen Kampagne auch im Kreis Hildburghausen unter Führung der gerade entstandenen SED, bei der die von der Einheitspartei gesteuerten Gewerkschaften einen bedeutenden Anteil haben, unterstehen bis Mitte 1946 die enteigneten Betriebe der sowjetischen Verwaltung in Thüringen: 1.220 Industrieunternehmen, 2.140 Handels- und Gewerbebetriebe und 6.640 Einzelvermögen in Thüringen. Nur 9 Prozent der eingezogenen Betriebe und Vermögen sind NSDAP- und Wehrmachtsobjekte. Seit Frühjahr 1946 erhalten die Sequesterkommissionen von der SMATh den Auftrag, die Betriebe auszuwählen, die in Landeseigentum überführt oder an die Alteigentümer bzw. an andere Privatpersonen gegeben werden. Ende 1948 besitzt das Land 6.492 industrielle Produktionsstätten. Großbetriebe bleiben in den Händen der Sowjets.

Mai 1946
Die Else-Köhler-Stiftung im sog. Hoheitshaus (Untere Allee/Puschkinplatz) nimmt ihre Tätigkeit auf.

1. Mai 1946
Adolf Goebel tritt seinen Dienst als Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde an (bis 01.10.1956). Der Seelsorgebezirk Hildburghausen umfasst neben der Stadt 31 Ortschaften, es werden 2.133 Katholiken betreut (31.12.1947 – 2.592; 01.09.1956 – 1.438). Insgesamt, bedingt durch Umsiedlung und Vertreibung, leben zum Zeitpunkt ca. 5.000 bis 6.000 Katholiken im Kreis. Allein im Zeitraum 01.10.1946 – 31.12.1949 sind 1.947 Katholiken auf der Suche nach Unterkunft und Arbeit in der katholischen Pfarrei Hildburghausen. Viele von ihnen übersiedeln dann in die Westzonen bzw. in die Bundesrepublik Deutschland. – Das Versenden von Pfarrbriefen wird von den russischen Besatzern verboten.

Mai 1946
Im Bombenschadensgebiet Hildburghausen laufen die Aufräumarbeiten und Kultivierungsmaßnahmen verstärkt an. Besonders herangezogen werden bei den Männern die Jahrgänge 1912 – 1929 und bei den Frauen 1919 – 1926.
Die Else-Köhler-Stiftung im Hoheitshaus (Untere Allee/Puschkinplatz) nimmt ihre Tätigkeit auf.
Else Köhler ist die Ehefrau des nachmaligen Meininger OKR Ernst Köhler, sie stirbt im Okt. 1945 bei der Geburt eines Kindes. K. greift den Plan seiner Frau auf, für Alte und Gebrechliche eine Feierabendstätte einzurichten. Die Einrichtung besteht bis 1988.

1946
Einstellung der Suppenfabrikation der Fa. Scheller wegen Rohstoffmangels (formell 1949).

3. Mai 1946
Proklamation des Reparations- und Demontagestopps der USA durch General Lucius D. Clay. Die Reparationslieferungen aus den Westzonen an die Sowjetunion werden eingestellt. Die SBZ wird weiterhin von den Sowjets ausgeplündert.

5. Mai 1946
Unter Leitung von Erich Mitzenheim führt der Volkschor mit der Landeskapelle Meiningen in der Christuskirche mit großem Erfolg Haydns Oratorium Die Schöpfung auf.

14. Mai 1946
Das Thüringer Volk schreibt:
In manchen Fällen hat es den Anschein, daß mehrere Kinder überhaupt nur deshalb in die Schule gehen, weil die Schulspeisung erfolgt. Deshalb ergeht an die Eltern die dringende Mahnung, ihre Kinder zum pünktlichen Schulbesuch zu erziehen. Denkt an die Zukunft eurer Kinder und tragt mit dazu bei, daß es allen zum Vorteil gereicht. Die neue demokratische Schule ist bemüht, alles für dein Kind zu tun. Hilf auch du mit!
Die landeseigene ehemalige Firma Kätsch erhält den Firmennamen Präzisionswerk Hildburghausen.

30. Mai 1946
Die erste Jugend- und Sportkonferenz in Hildburghausen findet im Gasthaus Zur Sonne, das künftig als Haus der Jugend und Sportler fungiert, statt.
Das Fußball-Spielfeld ist die alte Tongrube am Bad, nach Herrichtung (18.01.1948 erstes Spiel) die ehemaligen Hindenburg-Kampfbahn an der Schleusinger Straße. Zum Training wird u. a. die sog. Wabnitz-Halle genutzt.

2. bis 12. Juni 1946

Gesetz zur Demokratisierung der Schulen des Landes Thüringen.

12. Juni 1946
Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule in der SBZ, u. a. wird die 4-jährige Oberschule eingeführt. Der Tag wird künftig in der SBZ und später in der DDR als Tag des Lehrers begangen.

13. Juni 1946
Windbruchkatastrophe im Thüringer Wald, 1,5 Mio. Festmeter (fm) Holz sind gebrochen, Im Kreis 133.000 fm, Kreis Suhl 674.000 fm Holz. In den Folgejahren kommt es zu großen Insektenschäden (Nonne, Borkenkäfer).

30. Juni 1946
Die Sperrung der Demarkationslinie zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und den westlichen Zonen in Deutschland tritt in Kraft. Die Verordnung ist auf Verlangen der SMAD vom Kontrollrat erlassen worden (Kontrollratsdirektiven 43 und 49). Seit Oktober 1945 sind allein 1,6 Mio. Menschen aus den sowjetisch besetzten Gebieten über die Demarkationslinie in die britische Zone abgewandert. Der freie Reiseverkehr wird gesperrt, der Warenverkehr unterliegt der Genehmigungspflicht. Ein Interzonenpass für geschäftliche und familiäre Dringlichkeiten wird am 29.10.1946 eingeführt.

8. Juli 1946
† Hugo Rühle v. Lilienstern (Dr. med. und Dr. rer. nat. h.c.), Gefangenenlager Tscherepowez b. Moskau
* 09.08.1882, Bedheim
Militärarzt, Landarzt, Paläontologe

Hugo Rühle von Lilienstern

22. Juli 1946
In Thüringen werden die ersten Betriebsräte gewählt, so auch in der Firma Kätsch, aus dem sich die TEWA, später das Schrauben- und Normteilewerk entwickelt hat.

August 1946
Generalversammlung der Feuerwehr im Thüringer Hof. Man bekennt sich zur Freiwilligkeit. Trotzdem soll ein dritter Zug als Pflichtfeuerwehr gebildet werden, um den vollen Einsatz absolut zu sichern. Auch diejenigen werden eingereiht, die in der freiwilligen Wehr unpünktlich sind.

10. August 1946
Betriebsratswahl im Landratsamt. Alle sieben gewählten Betriebsräte sind Mitglieder der SED.

8. September 1946
Gemeindewahlen in Thüringen.

22. September 1946
Gemeindeverfassung des Landes Thüringen.

22. bis 30. September 1946
Der Kulturbund organisiert eine Kunst-, Kunstgewerbe- und Schulausstellung im Volkshaus am Schützenhof, sie wird von 4.400 Menschen besucht.

5. Oktober 1946
Das Thüringer Volk meldet unter der Überschrift
Gen. Dr. Zschaeck bleibt Bürgermeister! – Auf Vorschlag der stärksten Partei-Fraktion, der CDU, und im Einverständnis mit der SED und LDP wurde in Verbindung mit dem Landrat des Kreises von dem Herrn Kommandanten die Genehmigung erteilt, daß Genosse Dr. Zschaeck weiterhin als Bürgermeister der Stadt tätig sein wird. Dr. Hermann Zschaeck wird einstimmig gewählt.
Z. ist seit 13.03.1931 und auch zur Zeit des Nationalsozialismus Bürgermeister, wird von den Amerikanern und Sowjets als Bürgermeister bestätigt, er flüchtet später aus der SBZ.

Oktober 1946
Der Kreis Hildburghausen hat bis zum Zeitpunkt 11.000 Neubürger, davon haben 3.044 Arbeit, 2.400 sind Wohlfahrtsunterstützungsempfänger. Weiterhin sind noch 918 Westevakuierte (123 amerikanische, 633 englische und 162 französische Zone) im Kreis und 815 Berliner ansässig, die keine Zuzugsgenehmigung für Berlin haben, 452 Personen aus anderen sowjetisch besetzten Provinzen und Ländern.

1946
Bedingt durch den Wiederaufbau und die Umstrukturierung der Wirtschaft nehmen 361 Personen aus dem Kreis an Umschulungen teil.

20. Oktober 1946
Kreis- und Landtagswahlen in der SBZ und in Ostberlin
Ergebnisse Kreis Hildburghausen:
- Kreistag: 39.162 gültige Stimmen:
SED 39,66 %, LDP 30,40 %, CDU 23,89 %, VdgB 5,96 %;
- Landtag: 40.004 gültige Stimmen:
SED – 39,46 %, LDP 29,93 %, CDU 24,86 %, VdgB 5,75 %.
Die Ergebnisse der Wahlen in den nachfolgenden Jahren in der SBZ und DDR werden in der Chronik nicht dokumentiert, da die SED gemeinsam mit der sowjetischen Besatzungsmacht nichts unversucht lässt, die noch bestehenden bürgerlichen Parteien in ihrer Arbeit zu behindern, sie zu diskreditieren bzw. sie ideologisch gleichzuschalten. Ferner werden bis 1989 Wahlergebnisse systematisch gefälscht. Die ersten demokratischen Wahlen in der DDR finden am 18.03.1990 statt.

21. November 1946
Konstituierung des Thüringer Landtags.

1946
Der „Zollhof“, Coburger Straße 11, die Straße wird teilweise zur DDR-Zeit Wilhelm-Pieck-Straße genannt, geht in das Gemeindeeigentum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Hildburghausen über. Ab 1947 bis 1996 dient es u. a. im zweiten Stock als Gemeindehaus.

1. Dezember 1946
Die SMAD weist den Aufbau der Deutschen Grenzpolizei (DGP) in der SBZ an, sie untersteht bis zur Gründung der DDR der Deutschen Verwaltung des Innern. Die Angehörigen tragen dunkelblaue Uniformen. Daneben versehen sowjetische Soldaten den Grenzdienst. Zur Sichtverbesserung an der Demarkationslinie werden erste Schneisen geschlagen.

1946 bis 50er Jahre
Für viele männliche Jugendliche der SBZ/DDR (vor allem in den Ländern Sachsen und Thüringen) gibt es bei der Berufssuche in dieser Zeit oft nur zwei Alternativen: Dienst in den Bereitschaften der Deutschen Volkspolizei bzw. ab 1952 in der Kasernierten Volkspolizei oder Uranabbau bei der SAG (Sowjetische Aktien-Gesellschaft) oder ab 1954 bei der SDAG (Sowjetisch-Deutsche Aktien-Gesellschaft).

1946 – 1948
Evakuierte Berliner Tänzerinnen bilden in Hildburghausen unter dem Ballettmeister Kay Rüger ein Ballett Opera. Die Truppe tritt im Thüringer Raum auf. Ihr erster Auftritt ist am 10.12.1946.

15. Januar 1947
Mit einem einstimmigen Beschluss der Gemeindevertretung ist der 75-jährige Hermann Sonnefeld, Leiter des städtischen Wohlfahrtsamtes, als Leiter des Stadtmuseums gewählt worden. Bis zum Zeitpunkt ist das Museum, bedingt durch die Schäden wegen des US-amerikanischen Beschusses am 07.04.1945, durch umfassende Reparaturarbeiten, Neuausrichtung bzw. Gestaltung der Museumseinrichtung geschlossen. Der bisherige Museumsleiter Albert Buff ist von seiner Tätigkeit entbunden worden.

5. Januar 1947
Der 19-jährige Hildburghäuser Horst Fickelscher, Schüler einer Meisterklasse der Musikhochschule Weimar, gibt ein Konzert mit Werken von Bach, Beethoven und R. Schumann.

31. März 1947
Der aus dem oberschlesischen Beuthen stammende Dr. Felix Mletzko (CDU) wird Bürgermeister, Stellvertreter wird der in Hildburghausen gebürtige Ferdinand Berghof (SED).

März/April 1947 bzw. Nov./Dez. 1947
Mit dem Scheitern der Außenministerkonferenzen der vier Siegermächte in Moskau bzw. London und den Bemühungen der westlichen Besatzungsmächte, mit der Bizone und später der Trizone eine gewisse Staatlichkeit für die Westzonen zu etablieren, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den Sowjets und den Westmächten beträchtlich. Der stetig eskalierende Kalte Krieg und die zerstörerische Propaganda beherrschen Deutschland.

April 1947
Immer mehr Kleingartenparzellen entstehen zur Selbstversorgung der Bevölkerung. Im Kreis gibt es insgesamt 12.873 Kleingärten. Vor allem in den Landgemeinden erhalten Vertriebene Parzellen (100 – 300 m²).
Im Landkreis existieren 33 Laientheatergruppen, 19 Volkschöre, 13 Musikkapellen.

1. bis 31. Mai 1947
Kunstausstellung des Arbeitskreises bildender Künstler in Hildburghausen.

10. Mai 1947
Die ehemalige Fa. Kätsch KG (133 Beschäftigte) geht als 13. Betrieb des Kreises in thüringisches Landeseigentum über. Landrat Lotz übergibt dem Betriebsratsvorsitzenden Boxberger den Betrieb per Handschlag.

12. Mai 1947
Die Gemeindevertretung beschließt, pro Haushalt 1 Raummeter Holz zur Verfügung zu stellen, um die größte Not zu lindern. 3 fm Stockholz als 1 fm angerechnet.

15. Mai 1947
Lt. Befehl 74 der SMAD werden von der Kreissparkasse Hildburghausen 6.657.000 M an 28.194 Kleinsparer aus den Sparkonten ausgezahlt, an 316 Frauen, deren Männer sich in Kriegsgefangenschaft befinden 88.000 M.

21. Mai 1947
Lt. Befehl 304 der SMAD werden an ca. 5.729 antragstellende heimatvertriebene Neubürger des Kreises als einmalige finanzielle Beihilfe insgesamt 2.094.600 Mark ausgezahlt. Im Kreis werden die höchsten Beträge aller thüringischen Kreise ausgereicht.

24. Mai 1947
Kreistag, Parteien, Gewerkschaft, Massenorganisationen, die evangelisch-lutherische und die katholische Kirche teilt der Bevölkerung mit, dass in den nächsten Wochen 6.000 weitere „Umsiedler“ im Kreis eintreffen. Im Aufruf heißt es u. a.:
Helft alle mit, stellt jeden unbewohnten Raum zur Verfügung. Wir haben keine guten Zeiten, darum brauchen wir auch keine sog. „guten“ Stuben, die nicht bewohnt werden. Sucht nicht nach Ausreden und Ausflüchten – sucht vielmehr nach Möglichkeiten, selbst mitzuhelfen!
Betrachten wir diese Hilfe als einen Teil unserer persönlichen Wiedergutmachung den deutschen Brüdern und Schwestern gegenüber, denen der Hitler-Krieg die schwersten Wunden geschlagen hat.

25. Mai bis 1. Juni 1947
Der Kulturbund veranstaltet eine Kunst-, Kunstgewerbe- und Schrifttumsausstellung.

2. bis 12. Juni 1947
Gesetz zur Demokratisierung der Schule im Land Thüringen.
Es wird eine 4-jährige Oberschulzeit bis zum Ablegen des Abiturs (nach Abschluss der 8. Klasse) festgelegt, damit wird die noch bestehende Aufbauschule allmählich abgebaut, die letzten Reifeprüfungen erfolgen analog der Prüfungen der Oberschule in den Jahren 1947 und 1948.,
(s. 12.06.1946)

11. Juni 1947
Die Deutsche Wirtschaftskommission (DWK) wird gegründet (Befehl 138/47), sie ist die oberste Verwaltungsinstanz in der SBZ.

22. Juni 1947
Kurzfristige Wiedereröffnung des Stadtmuseums nach der kriegsbedingten Schließung im Rathaus. Arbeiten an der Konzeption des Museums und der Neugestaltung bis zur offiziellen Wiedereröffnung ziehen sich bis 1954 hin.

1. Juli 1947

In der Stadtbücherei wird ein Lesezimmer zur unentgeltlichen Benutzung eröffnet, in dem u. a. auch 37 Zeitschriften ausgelegt werden.

10. Juli 1947
Die Seuchengefahr ist trotz präventiver Maßnahmen nicht gebannt. Die amtierende Amtsärztin, Dr. Elise Pampe, erlässt einen Aufruf:
Typhusgefahr!
Nur abgekochtes Wasser trinken! Obst und Gemüse vor dem Essen sauber waschen; möglichst nur in gekochtem Zustand essen! Achtet auf Sauberkeit, wascht öfter die Hände! Während der Typhusgefahr ist das Baden in Teichen und Bächen, wenn sie verschmutzt sind, zu meiden! Vernichtet Fliegen, Ungeziefer, Ratten und Mäuse! Sie übertragen Typhusbazillen und andere Krankheitskeime auf Lebensmittel! Beseitigt Schutthaufen und Müll!
Die Typhusstation befindet sich in der Heil- und Pflegeanstalt.

Juli 1947
Die Dresdner Philharmonie unter Prof. Heinz Bongartz gibt im Stadttheater ein Konzert.

12. bis 27. Juli 1947
In der Turnhalle und im Volkshaus (ehemals Schützenhof) findet eine Ausstellung von Industrie und Handwerk des Kreises mit Beteiligung von ca. 90 Industrie- und 25 Handwerksbetrieben statt, darunter u. a. die Süßwarenfabrikation Rollwagen, das Bekleidungswerk Beyer & Pensky, die Holzwarenfabriken Schultze und Eckardt & Benz, das Manganesitwerk, die Druckereien Nonnes Erben und Gadow & Sohn, das Fahrradnetzewerk der Fa. Zapf, Meffert Fotos und Filme.

14. Juli 1947
Der Kreistag bestätigt den Kreisausschuss der VdgB. In 100 Ortsausschüssen sind 606 Bauern in den Leitungen tätig.

17. Juli 1947
Wegen der Teilung Deutschlands muss sich die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hildburghausen von Coburg trennen. Die Gemeinde Sonneberg – Eisfeld wird mit Hildburghausen als Stationsgemeinde gebildet.

31. Juli 1947
Nach Beschluss der Kreissportkonferenz darf der Sportbetrieb über die Kreisgrenzen hinaus ausgedehnt werden.

Juli 1947
Ab dem Zeitpunkt werden verstärkt an der Demarkationslinie auf SBZ-Gebiet Stacheldrahthindernisse an unübersichtlichen Stellen gebaut. An Straße und an Wegen zur Demarkationslinie werden Straßensperren errichtet. Ab 11.02.1948 werden verstärkt sowjetische Truppen als Grenzwächter eingesetzt, die erst zu Jahresbeginn 1952 wieder zurückgezogen werden.

1947
Ehemalige Mitglieder der Loge Carl zum Rautenkranz fordern gesetzliche Wiedergutmachung und beauftragen einen Rechtsanwalt, alle Schritte zu unternehmen, die erforderlich sind, um der Loge das ihr gehörige Eigentum, das ihr durch das Vorgehen der nazistischen Regierung verloren gegangen ist, wiederzubeschaffen. Das Ansinnen wird abgelehnt, weil lt. Präsidialabteilung der Thüringer Regierung das Logenverbot zu diesem Zeitpunkt noch immer besteht.

Das Logenverbot wird auch in der SBZ und in der DDR nie aufgehoben, weil das kommunistische Regime Angst vor der liberalen, humanitären und der Toleranz verschriebenen und auf lebendige Bruderschaft abzielenden Geisteshaltung ihrer Mitglieder hat. Lt. DDR-Lesart verfiel die Freimaurerei nach dem 2. Weltkrieg dem Antikommunismus und wurde ein Instrument reaktionärer imperialistischer Kräfte.

12. August 1947

Im Sägewerk des landeseigenen Betriebs Kätsch kommt es zu einem im Kesselhaus verursachten Brand.

17. August 1947
Auf Initiative des Kleinunternehmers Robert Klopf (Reinigung und Färberei), Otto Himmelreich und Wolfgang Heymann wird ein Kulturbund-Orchester mit Laien- und Berufsmusikern gegründet.

1. September 1947
Thüringens Ministerpräsident Paul flieht in die Amerikanische Besatzungszone, sein Nachfolger im Amt wird der Kommunist Werner Eggerath.

Herbst 1947
Bis zum Zeitpunkt sind die meisten Lehrer aus dem Schuldienst entlassen worden, weil sie Mitglieder der NSDAP od. anderer systemnaher nationalsozialistischer Vereinigungen waren. Vielfach werden in 8- bzw. 10-Monatskursen (Pädagogische Fachschulen in Erfurt, Hildburghausen, Gera, Keilhau) ausgebildete sog. Neulehrer eingesetzt.
Seit Jahresbeginn werden nach Ablegen des Abiturs Interessierte als Lehramtskandidaten eingesetzt, die nach eineinhalb Jahren sich der Vollprüfung als Lehrer unterziehen müssen. Erst um 1950 kommen wieder an Universitäten ausgebildete Lehrer in den Schuldienst, teilweise werden auch ehem. NSDAP-Mitglieder rehabilitiert.

22. bis 30. September 1947
Festwoche des Kulturbundes in Hildburghausen anlässlich des 1. Jahrestags der Gründung der Wirkungsgruppe.
Teil der Wirkungsgruppe ist eine Laienspielgruppe, die wiederholt Theaterstücke aufführt.

1947
Zur militärischen Grenzsicherung wird von amerikanischer Seite eingesetzt das 2. Armored Calvry Regiment (2nd ACR) (Hauptquartier/Stab in Nürnberg), das dem VII. US-Korps/Stuttgart der 7. US-Army in Europa untersteht. Von ihm wird die Demarkationslinie von der Rhön bis zur Tschechoslowakei überwacht. Ferner wird eingesetzt das 11. Armored Calvry Regiment 11th ACRmit seinem Hauptquartier/Stab in Fulda.

Oktober 1947
Gründung der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion, 1949 Umbenennung inGesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF).
Die DSF ist eine der größten Massenorganisationen der SBZ/DDR. Für viele Berufsgruppen ist es Pflicht, dieser Organisation beizutreten.

11. Oktober 1947

Bereich der Oberpostdirektion (OPD) 16 Erfurt (Umbenennung 01.10., vorher Reichspostdirektion) wird in Postleitbereiche 15 a und 15 b geteilt. Zum Postleitbereich 15 a gehören u. a. die Kreise Hildburghausen, Suhl, Meiningen, Schmalkalden.


 

Postleitgebiete 1947
Aus Manuskript: Hans-Jürgen Salier und Wolfram Grallert: Philatelie in Übersichten.
transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1990

22. Oktober 1947
Unter den 280 von den Sowjets in die UdSSR verbrachten Spezialisten mit ihren Familienangehörigen aus den Zeiss- und Schottwerken sind auch die beiden ehemaligen in Hildburghausen Studierenden Johannes Mahler und Gerhard Lenski.

28. Oktober 1947
Wiedereröffnung des Schülerheims in der Schleusinger Straße. Teile des Gebäudes werden bis 1950 von der sowjetischen Besatzung genutzt, dann Unterkunft der sog. Grenzpolizei. Die Schüler sind in dieser Zeit im Burghof und im Bahnhofshotel untergebracht.

28. Oktober 1947
Barmherzige Schwestern von der hl. Elisabeth haben eine katholische Schwesternstation in der Unteren Marktstraße in Hildburghausen gegründet. Das Provinzial-Mutterhaus Berlin-Tempelhof hat drei Schwestern in diese Station entsandt.

1947
Die Kreisstelle für Diakonie organisiert (zeitweise mit der Caritas) Kinderspeisungen, später werden auch ältere und einsame Menschen sowie bedürftige Familien und Behinderte versorgt, teilweise mehrere Versorgungsstellen (bis 1966). Ferner Kinderland-, später Kinderheimverschickung, Erholungsreisen für Alte, Frauen, Kinder.

1947
SMAD-Befehl. Mitglieder der ehemaligen NSDAP sowie ihrer Gliederungen, Unteroffiziere und Offiziere der Wehrmacht werden aus dem Dienst der Feuerwehr entlassen. Personen, die gegen die Sowjetunion gekämpft haben, dürfen nicht eingestellt werden.

1947
Dürrejahr mit verheerenden Folgen in der Land- und Forstwirtschaft.

29. Oktober 1947
Der private Reiseverkehr zwischen den drei westlichen Besatzungszonen und der SBZ wird durch Kontrollratsdirektiven geregelt. Einführung des „Kleinen Grenzverkehrs“, damit Bürger an der Zonengrenze ihrer Arbeit nachgehen können. Zur Sichtverbesserung für die Grenzbewachung werden Waldschneisen geschlagen.

25. November 1947
Anweisung der SMATh an das Landespolizeiamt, „... die gesamte Grenzpolizei an der Demarkationslinie, die Thüringen mit der englischen und amerikanischen Besatzungszone besitzt, aufzubauen ...“

1. Dezember 1947
Nach Weisung der SMAD werden in der SBZ wieder deutsche Männer unter Waffen gestellt.
Diese Maßnahme steht im Widerspruch zum Potsdamer Abkommen (02.08.1945) und zur Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrats. – Die Deutsche Grenzpolizei wird mit kasernierter Volkspolizei und Bereitschaftspolizei Teil der Deutschen Volkspolizei in der SBZ und untersteht dem Innenministerium. Personalstärke: 3.000 Mann. Sie ist eine Hilfseinheit sowjetischer Grenztruppen und der Seestreitkräfte. – An der Demarkationslinie werden in der SBZ erste Schneisen zur Sichtverbesserung geschlagen.

6./7. Dezember 1947
I. Deutscher Volkskongreß für Einheit und gerechten Frieden in Berlin als Antwort der sowjetisch gelenkten SED auf die Bildung der Bizone durch die USA und Großbritannien (01.01.1947) (mit Frankreich Trizone ab 08.04.1949). Der Volkskongress bildet als verfassungsgebende Körperschaft den Deutschen Volksrat (März 1948). Als Exekutivorgan besteht bereits dieDeutsche Wirtschaftskommission (DWK).


5. Februar 1948
Nach Aussagen von Wachleuten des ehemaligen nationalsozialistischen Arbeitserziehungslagers auf dem Großen Gleichberg bei Römhild entdeckt eine Kommission in einem Stollen die Skelette von ca. 70 ermordeten Menschen. Nach Bergung finden sie auf dem Hildburghäuser Ehrenfriedhof ihre letzte Ruhestätte (sowjetisches Ehrenmal). Vermutlich am 28.03.1945, bei Evakuierung des Lagers, oberhalb des Steinsburgmuseums gelegenmüssen die gehfähigen Gefangenen auf einen Marsch ins KZ Flossenbürg (ca. 500 Häftlinge), die verbleibenden 70 kranken Häftlinge werden in einen Stollen getrieben, der nach Verbarrikadierung gesprengt wird. Die auf dem Todesmarsch zwischen Gießübel und Kahlert umgekommenen Sowjetbürger werden ebenfalls auf dem Hildburghäuser Friedhof beigesetzt. An das Arbeitserziehungslager erinnert derWeg des Gedenkens am Großen Gleichberg.

13. Februar 1948
Nach Befehl 234 der SMAD hat die deutsche Verwaltung eine Verordnung erlassen, dass in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten ein Bevollmächtigter der Sozialversicherung eingesetzt werden muss.

17. Februar 1948
Eine amtliche Bekanntmachung wird durch den Landrat Faust erlassen, dass auf einen Sonderabschnitt der Lebensmittelkarten für Frauen 0,35 Liter Spirituosen abgegeben werden.

26. Februar 1948
Die Entnazifizierung in der SBZ wird beendet (Beginn: 14.10.1947).
Im April wird der Abschlussbericht des Kreises Hildburghausen veröffentlicht, in dem ausgesagt wird, dass 1.022 Pgs. (Parteigenossen) in (meist öffentlichen) 35 Sitzungen entnazifiziert worden sind. Die Kommission besteht aus Vertretern der zugelassenen Parteien (SED, CDU, LDP) bzw. Vertretern der sog. Massenorganisationen (FDGB, VdgB, FDJ, Demokratischer Frauenbund).

1. März 1948
Gesetz über die Gründung der Bank Deutscher Länder (am 20.06.1948 Währungsreform in den Westzonen).

3. März 1948
Anlässlich des 120. Jahrestages der Geschäftseröffnung des Bibliographischen Instituts in Hildburghausen wird in der Aula der Oberschule (Gymnasium) eine Gedenkfeier mit einem Festvortrag von Prof. Dr. Ernst Kaiser veranstaltet.

18. März 1948
Festlicher Abend mit Unterstützung des Meininger Theaterensembles zur 100-jährigen Wiederkehr der Märzrevolution 1848.

23. März 1946
Das Meininger Theater führt im Stadttheater Hildburghausen die Operette Die Fledermaus von Johann Strauß auf. Regelmäßige Theateraufführungen der Meininger folgen, ebenso Konzerte mit der Landeskapelle Meiningen.
Anmerkung
Der Autor Ingward Ullrich, Hildburghausen, hat in seinem repräsentativen Band Hildburghausen, erschienen 2003 im Verlag Frankenschwelle nahezu alle Theateraufführungen und Konzerte in einer umfassenden Zeitleiste erfasst. Im weiteren Verlauf des chronikalischen Textes werden nur außergewöhnliche Aktivitäten und Aufführungen erwähnt.

20. März 1948
Auszug der Sowjets aus dem Alliierten Kontrollrat, der damit arbeitsunfähig wird.

26. März 1948
Auf massiven Druck der SMAD und der SED beschließen die Landtage Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die Landesregierungen aufzufordern, den Schutz der Zonengrenze zu verstärken.

Frühjahr 1948
Die freigewordenen Räume der ehemaligen Aufbauschule (heute: Regelschule Joliot-Curie) wird für eine Kommunale Lehrwerkstatt – vor allem für die Metallberufe – zur Ausbildung von Jugendlichen genutzt, weiterhin wird eine Kommunale Berufsschule eingerichtet.

1. April 1948 bis 31. Dezember 1948
Das Postamt Hildburghausen führt den Sonderstempel (Handstempel) Einheit Deutschlands/1848 mahnt 1948. Am 06.10. finden in Hildburghausen und im Kreisgebiet Revolutionsfeiern statt.

1. April 1948
Neue verschärfte SMAD-Bestimmungen für den Interzonenverkehr treten in Kraft. An der Demarkationslinie werden bereits Mitte 1947 Straßensperren und Stacheldrahthindernisse errichtet.

5. Mai 1948
Die DWK beschließt, einen Ausschuss zum Schutz des Volkseigentums (ASV) zu gründen.

Joseph Haydns Die Schöpfung wird in der Christuskirche mit großem Erfolg aufgeführt (Volkschor, Kirchenchor Hildburghausen, Landeskapelle Meiningen).

17. April 1948
Nach Befehl der SMAD zum Abschluss der Sequestration gehen landeseigene Betriebe in Volkseigentum über.

1948
Die ersten sog. volkseigenen Wohnungen in der Thomas-Müntzer-Straße entstehen.

30. April 1948
Landrat Faust eröffnet die 3. Kunstausstellung des Kreises in der Landesheilanstalt.

1. Mai 1948
Im Evangelischen Gemeindeheim (heute: Dr.-Elise-Pampe-Heim, Obere Allee) wird eine Schusterwerkstatt zur Selbstversorgung des Diakonischen Hilfswerks eingerichtet, die am 30.05.1951 auf Anweisung staatlicher Stellen schließen muss. Allein 1949 hat die Werkstatt 781 Kunden.

1. Juni 1948
Die sich im Landeseigentum befindliche ehemalige Paul Kätsch KG in der Heimstraße wird in Volkseigentum überführt (Urkunde vom 01.06.1948, lt. Befehl 64 der SMAD). Der Betrieb wird Teil der VVB TEWA Chemnitz und nennt sich VEB TEWA – Schrauben- und Holzbearbeitungsfabrik Hildburghausen. Nach der anfänglichen Produktion von Elektrozubehörteilen aus Bakelit (Pressmasse aus Phenolharzen) und Porzellan wird die Herstellung von Schrauben und Drehteilen erhöht. Anfangs werden auch Drehteile für den VEB Carl Zeiss Jena produziert, der auch das Produktionsmaterial liefert und Automateneinrichter zur Verfügung stellt. Mit der Branchenbereinigung Ende 1951 wird der holzverarbeitende Teil dem VEB (K) Möbelwerk, Betriebsteil Kloster Veßra, angegliedert. Die Lehrlingsausbildung wird der örtlichen Wirtschaft zugewiesen. Von knapp 100 Mitarbeitern 1950 erhöht sich die Beschäftigtenzahl bis 1989 auf ca. 1.400 im Stammbetrieb Hildburghausen.

19. Juni 1948 bis Mai 1949
Berlin-Blockade durch die Sowjets, die SMAD erlässt die Verfügung (13.07.1948), dass für Einreisen in die SBZ eine Aufenthaltsgenehmigung vorhanden sein muss. Schikanen im Reiseverkehr erleben einen ersten Höhepunkt. Die sowjetzonalen Behörden erweisen sich dabei als Vollstrecker der sowjetischen Besatzungsmacht.

Juni 1948
Bildung der VP-Grenzbereitschaften, jeweils 3 – 4 Abteilungen. Bereitschaft Hildburghausen (Stab) im Neuen Technikum (Helenenstraße). Ihr unterstehen die Kommandanturen Heldburg, Hildburghausen und Eisfeld. In Grenzdörfern bestehen Grenzkommandos.
In Hildburghausen und Eisfeld Zusammenschluss musikalisch Tätiger in Laienorchestern des Kulturbunds.

21. Juni 1948
In Hildburghausen wird in den Stadtsälen die FDJ-Sportgemeinschaft Vorwärts Hildburghausengegründet.

24. Juni 1948
Währungsreform in der sowjetische Besatzungszone (Befehl 111/1948 der SMAD vom 23.06.1948). Bargeldtausch bis 70 M = 1 : 1, darüber 10 : 1. Bargeld od. Spareinlagen einer Familie über 5.000 RM werden nur bei Nachweis des „rechtmäßigen Erwerbs“ umgewertet, Umtausch gegen Vorlage der Lebensmittelkarten für den laufenden Monat. Bargeld von Unternehmen und Organisationen wird im Verhältnis 10 : 1 umgewertet, private Spareinlagen bis 100 M im Verhältnis 1 : 1, Salden bis 1.000 M die ersten 100 M 1 : 1, die weiteren 5 : 1, über 1.000 bis 5.000 M die ersten 1.000 (wie bei Salden bis 1.000 M) der Rest 10 : 1. Bei Konten über 5.000 M muss wie bei Bargeld der rechtmäßige Erwerb nachgewiesen werden.
Die Anleihen der Landesregierungen unterliegen nicht der Umwertung.


Mit der separaten Währungsreform der westlichen Alliierten in ihren Besatzungszonen am 21. Juni 1948 und der Einführung der D-Mark kommt es in der Sowjetischen Besatzungszone drei Tage später ebenfalls zur Währungsreform.

 

Die kursgültigen Postwertzeichen behalten in der SBZ bis zum 31. Juli 1948 zu einem Zehntel Frankaturkraft. In der Abbildung ist ein Einschreibbrief zu sehen. An Stelle von 0,84 Reichsmark muss jetzt der zehnfache Wert, als 8,40 RM, frankiert werden.


 Einschreibbrief (mit Behelfs-R-Zettel) Hildburghausen – Kloster Veilsdorf mit Bezirkshandstempel. Die untere 12-Pfennig-Marke hat in Streufdorf den „innerbetrieblichen Bezirksstempel 16 Streufdorf b. Hildburghausen“ bekommen, rückseitig ist der Ankunftsstempel „Veilsdorf (Werra)“ vom 30.06.1848 abgeschlagen worden. Auf der Adressseite rechts unterhalb der Postwertzeichen ist der philatelistische Prüferstempel „v. Heintze“ angebracht (Prof. Dr.-Ing. Jobst Frhr. v. Heintze) im „Bund philatelistischer Prüfer e.V.“.

In der postgeschichtlichen Schriftenreihe des Bezirksarbeitskreises Postgeschichte/Forschungsgemeinschaft „Thüringen“ (Heft 5), Leiter und Redaktion sowie Gestaltung der Schriftenreihe: Hans-Jürgen Salier, veröffentlichte Jobst v. Heintze 1985, seine Forschungsergebnisse in „Die Bezirksstempelaufdruckmarken der OPD 16 (Erfurt).

Postwertzeichen werden mit dem 1893 eingeführten innerbetrieblichen Bezirks-Stempel, z. B. 16 Hildburghausenüberstempelt. Folgende Postorte aus dem heutigen Kreisgebiet haben eigene Postwertzeichen, die 17 Tage (bis 10.07.1948) gültig sind: Eisfeld, Hildburghausen, Schleusingen, Streufdorf, Themar, Unterneubrunn.

1948
Mit Befehl 124 der SMAD wird angeordnet, in der Zeit vom 25. – 28.07.1948 in Umlauf befindliche Reichs- und Rentenmarkscheine mit aufgeklebten Kupons in Deutsche Markumzutauschen. Die Umwandlung der Deutschen Emissions- und Girobank ist im Juni 1948 vollzogen worden.
Der Umtausch erfolgt im Verhältnis 10 : 1 Mark pro Kopf der Bevölkerung, ein Vorzugsumtausch von 1 : 1 bis zu einer Höhe von 70 M. Für Spareinlagen, Konten und Kredite der Betriebe gibt es differenzierte Umwertungsverhältnisse. Übersteigende Beträge werden dem bestehenden oder einzurichtenden Sparkonto gutgeschrieben. Den Gutschriften müssen die Lebensmittelkartenabschnitte für Juli 1948 beigefügt werden.

21. August 1948

Wegen der Borkenkäfergefahr wird der Kreis zum Hauptnotstandsgebiet erklärt.

1948/49
Die Klassen der Oberschule Hildburghausen (ehem. Gymnasium) werden in einen sprachlichen (A-Klassen) und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig (B-Klassen) geteilt.

15. September 1948
† Adolf Geuther, Hildburghausen
* 01.09.1865, Eisfeld
Studienrat, Musikpädagoge, Musikdirektor, Ehrenbürger (1924)

18. September 1948
Das Theater der Deutschen Volksbühne Hildburghausen eröffnet mit Kleists Lustspiel Der zerbrochene Krug im Stadttheater seine erste Spielzeit mit einem eigenständigen Theaterensemble. Besondere Verdienste erwirbt sich der Unternehmer und Kulturbund-Vorsitzende Robert Klopf, Inhaber einer Textil-Reinigungsfirma. Das Ensemble bespielt auch die Städte und Dörfer des Kreises (neben Greiz existieren im Land Thüringen zwei Volksbühnentheater.)
Im Eröffnungsprospekt heißt es, dass dem berechtigten Anspruch des schaffenden Volkes in Stadt und Land nach lebendiger Anteilnahme an dem Kulturschaffen der Zeit und dem großen Kulturgut der Menschheit Rechnung zu tragen ist. Auf dem Boden demokratischer Erneuerung ist im Geiste echter Humanität und wahrer sozialer Gesinnung in allen Kreisen unseres Volkes das Verständnis für Kunst und Kultur sowie für den Zusammenhang des Kulturschaffens mit dem gesellschaftlichen und geistigen Leben der Zeit zu wecken.
Diesem hohen Anspruch dient Robert Klopf unermüdlich in mehr als drei Jahrzehnten für die Kultur und auch für den Sport der Kreisstadt und des Kreises.
Mit dem Theatergesetz vom 11.04.1949 und der Konzentration der Bühnen auf die traditionellen Theaterstädte wird das Ensemble, das sich inzwischen Theater der Deutschen Volksbühne Südthüringen nennt, aufgelöst. Hildburghausen wird ab 1949 wieder vom Meininger Theater bespielt. Die Mitglieder des aufgelösten Ensembles und des technischen Personals machen anschließend alle eine erfolgreiche Laufbahn an deutschen Bühnen, u. a. zwei Schauspieler bei Brecht an der Berliner Volksbühne im berühmten „Brecht-Ensemble“.

Innerhalb der Deutschen Volksbühne Thüringen wird ein Landesverband der Thüringer Volkschöre gegründet mit ca. 25.000 Mitgliedern. Robert Klopf und Erich Mitzenheim rufen zu einer Organisation der Volkschöre im Kreis auf, dem sich insgesamt 50 Chöre anschließen. Kreischormeister ab 1949 ist Erich Mitzenheim, Gastwirt des Thüringer Hofs. Teilweise werden auch Laienspielgruppen gegründet. Im Kreis entsteht ein Netz an Laientheatern.

1. Oktober 1948
In Ostberlin konstituiert sich der Deutsche Sportausschuss, es werdenBetriebssportgemeinschaften (BSG) propagiert. Trägerorganisationen sind die FDJ und der FDGB. Damit kann sich auch der Sportverkehr über die gesamte Sowjetzone ausdehnen.

3. Oktober 1948
† Alois Wolfmüller, Oberstdorf/Allgäu
* 24.04.1864, Landsberg/Lech
Techniker, Erfinder, Industrieller
1888/89 Studium am Technikum. W. gilt als Erfinder des Motorrads (1. Vorführung am 06.06.1894 auf der Münchner Rennbahn am Schyrenplatz). Ein Exemplar steht im Deutschen Museum in München. Besondere Verdienste erwirbt sich der Industrielle im Flugmotorenbau und Gleit-Segelflugzeugbau.

11. Oktober 1948
Eröffnung der Kreisvolkshochschule, die bereits 1949 im Kreis über 2.400 Hörer verzeichnet. Bis 1953 werden 2 Unterrichtsräume in der ehemaligen Seminarschule genutzt, aber auch im Gebäude der Oberschule.

7. November 1948
Die drei Konsumgenossenschaften Hildburghausen, Themar, Heubach werden vereinigt, im Januar 1949 werden der Aufsichtsrat (Vorsitzender: Karl Hesse) und der Vorstand (Vorsitzender: Joseph Kindler) gewählt.

10. November 1948
Die Deutsche Wirtschaftskommission beschließt auf Vorschlag der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), die Maschinenausleihstellen und Maschinenhöfe der Landwirtschaft in sog.Maschinen-Ausleih-Stationen (MAS) zusammenzulegen. Ab Januar 1949 nehmen die MAS innerhalb der VdgB ihre Tätigkeit auf, in Folge werden die örtlichen MAS aus den VdgB ausgegliedert und von der Kreisverwaltung geleitet und von der Maschinen-Ausleih-StationKarolinenburg/Hildburghausen übernommen.

17. November 1948
Der Würzburger Bischof Dr. Julius August Döpfner (1913 – 1976, seit 1958 Kardinal) spendet in Hildburghausen, Themar, Heldburg und Eisfeld das Sakrament der Firmung. – Döpfner stärkt im Zeitraum bis 1957 die katholische Minderheit in Thüringen und baut in Südthüringen ein funktionierendes Seelsorgenetz auf.

Döpfner ist 1948 der mit 35 Jahren jüngste Bischof Europas und 1957 jüngster Kardinal der römisch-katholischen Kirche.

Kruzifix und Taufstein in der katholischen Pfarrkirche „St. Leopold“ Hildburghausen
in den sechziger Jahren

26. November 1948
Die Betriebsräte in der SBZ werden abgeschafft, dafür werden Betriebsgewerkschaftsleitungen(BGL) eingesetzt.


31. Dezember 1948
Gemäß Befehl 124 der SMAD und durch Beschluss der DWK wird das unter Sequester gestellte Vermögen von 24 Personen aus Hildburghausen enteignet und unter Volkseigentum gestellt.

1949
Hildburghausen zählt 7.802 Einwohner (01.12.1945 – 7.359). In Folge des Zweiten Weltkriegs (Umsiedlung, Evakuierung, Vertreibung) kommen noch 1.739 Neubürger hinzu.

1949
Im Kreis kommt ein Arzt auf 1.658 Einwohner.

22. Februar 1949
Die Oberschule Hildburghausen erhält den Namen Geschwister-Scholl-Oberschule.
(s. 08.10.1991)

März 1949
Gründung des Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetriebs (VEAB) mit Erfassungs- und Lagerstellen in Hildburghausen, Heldburg, Themar, Brünn.
Der VEAB (umgangssprachlich: die VEAB) ist verantwortlich für die Erfassung, Qualitätseinstufung sowie den Aufkauf landwirtschaftlicher Produkte. Er schließt Verträge mit den Erzeugern und den Weiterverarbeitungsbetrieben bzw. dem Handel ab. Seit 1960 bieten die LPG dem VEAB direkt die Produkte an. Der VEAB stellt andererseits den LPG Zuchtvieh und Futtermittel zur Verfügung.

9. März 1949

Mit der Verordnung über Organisation und Aufgaben der MAS werden die MAS reorganisiert.Die Verwaltung der MAS wird als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet, die MAS Karolinenburg/Hildburghausen (heute: Teilgrundstück der Landesnervenklinik) hat anfangs zwei Stützpunkte (Karolinenburg und Streufdorf). Die Arbeit in Hildburghausen beginnt mit 25 Beschäftigten sowie einem bescheidenen Maschinenpark, der vor allem aus den enteigneten Gütern Bockstadt, Heßberg und Massenhausen stammt. Die Arbeit beginnt in einer umgebauten offenen Feldscheune.
Später kommen weitere Außenstellen hinzu: Brünn, Heldburg, Römhild sowie Schalkau und Oberlind (Kreis Sonneberg). Der Einzugsbereich hat dann 91 Gemeinden.

März 1949
Der Fleischermeister H. Biedermann wird wegen angeblicher Fleischschieberei (45 dt Fleisch, 5 dt Fett) von der Großen Strafkammer Meiningens bei Anwesenheit von 500 Besuchern zu 8 Jahren Zuchthaus, 50.000 DM Geldstrafe, 10 Jahren Berufsverbot und Einziehung des Vermögens verurteilt.

1. April 1949
Mit Befehl 199 der SMAD wird der Deutschen Post die Beförderung und der Vertrieb aller fortlaufend erscheinenden Presseerzeugnisse übertragen, der neue BetriebszweigPostzeitungsvertrieb (PZV) entsteht.

17. April 1949
Volkstümliches Konzert unter dem Dirigat von Robert Hanell (1925 – 2009). Der bekannte Dirigent und Komponist wird u. a. 1965 Chef des Großen Rundfunksinfonieorchesters Berlin.

April 1949
Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands hat Neuwahlen. Vorsitzender wird Robert Klopf, die Sektion Musik betreut Kurt Wiegand, Chorgesang Erich Mitzenheim, Bildende Kunst Werner Knackmuß, Literatur Gerhard Dallügge (Eisfeld), Geisteswissenschaften Prof. Dr. Ernst Kaiser.

15./16. Mai 1949
Wahlen zum 3. Volkskongreß für Einheit und gerechten Frieden
Mit einem riesigen propagandistischen Aufwand der SED werden die Wahlen betrieben. Trotz zu befürchtender Repressalien stimmen viele Bürger dagegen:

Hildburghausen             1.996 (39,7 %)

Birkenfeld                          122 (40,4 %)

Bürden                                 44 (18,2 %)

Ebenhards                           75 (27,1 %)

Häselrieth                          331 (34,3 %)

Leimrieth                             58 (29,6 %)

Pfersdorf                             77 (32,5 %)

Wallrabs                            172 (34,3 %)

Weitersroda                        53 (21,3 %) 

An der Zonengrenze bei Adelhausen und Lempertshausen kommt es am 14.05. um 20 Uhr zu einer SED-inszenierten Großkundgebung, um angeblich den unerschütterlichen Willen für Einheit, Frieden und Freiheit unseres Vaterlandes zu bekunden.
 

23. Mai 1949
Das feierlich verkündete Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland tritt am 24.05.1949 in Kraft. In den ersten beiden Sätzen der Präambel des Grundgesetzes wird deutlich, dass die Wiedervereinigung Deutschlands oberstes Ziel ist.

1. Juni 1949
Der VEB Kraftverkehr Hildburghausen wird gegründet (Beginn mit zwei gebrauchten Kraftwagen). 

Der Betrieb hat – ausgenommen wenige Fahrzeuge einiger Kleinunternehmer im Personen- und Transportverkehr – bis 1990 im Kreis das Beförderungsmonopol, allein 1978 werden 6 Mio. Personen transportiert, 90 Gütertransportfahrzeuge sind im Einsatz.


19. Juni 1949
Zur Entwicklung der „Friedenswirtschaft“ und der besseren Versorgung der Bevölkerung mit sog. Massenbedarfsgütern ordnet die DWK die Förderung des Handwerks an. Handwerksbetriebe und ihre Aufgaben werden definiert. Im Juli 1949 weist die Handwerkskammer Thüringen (seit 01.06.1949, Sitz Erfurt) an, die Handwerksbetriebe zu erfassen, die mehr als 10 Beschäftigte haben, aus der Handwerksrolle zu löschen.

29. Juni 1949
Nach Anordnung der DWK erfolgt der Umtausch der vor dem 09.05.1945 (in Thüringen bis zum Bankenschluss) bei den geschlossenen Geldinstituten entstandenen Uraltguthaben in der Zeit vom 01.07. bis 31.12.1950. Vorerst werden nur Anträge auf die zu erteilenden Guthaben angenommen.

1. Halbjahr 1949
An der Demarkationslinie Thüringens werden 256.272 Personen gestellt bzw. festgenommen.

1. Juli 1949
Eine Festwoche des sowjetischen Films wird durchgeführt.

3. Juli 1949
Internationaler Genossenschaftstag. Die Konsumgenossenschaft des Kreises lädt zu einem Kinderfest und einen Bunten Abend, um 13 Uhr Umzug. Besonderheit: Jedes Kind erhält ein Brötchen, ein halbes Pfund Kirschen und ein Eis. Am Abend wird eine große Tombola veranstaltet. Gewinne sind u. a. Töpfe, Eimer, Schüsseln, Haushaltsgegenstände, der Hauptpreis ist ein Kochherd.

4. Juli 1949
Kreistagssitzung, eine Stellungnahme zur Schaffung der Nationalen Front wird abgegeben.

Juli 1949
Die Sportgemeinschaft Vorwärts organisiert im Schwimmbad ein publikumswirksames Schwimmfest. Hildburghausen ist zu jener Zeit in Thüringen eine der Hochburgen des Sportschwimmens, Teilnehmer an Ostzonenmeisterschaften sind z. B. Werner Matthäus (später ASK Vorwärts Rostock), Herbert und Hans Geisthardt.

1949

Im ehemaligen Finanz- und Zollamt in der Schleusinger Straße wird die Poliklinik eingerichtet.

8. August 1949
Eröffnung des Paket- und Päckchenverkehrs aus der SBZ in die Bundesrepublik.

1949
Wegen der langen Trockenheit gibt der Tiefbrunnen in Häselrieth kein Wasser mehr. Er muss tiefer gebohrt werden. In den Wallrabser Glockenbrunnen wird eine Motorpumpe eingebaut, damit alle Haushalte 3-mal täglich 1 Stunde mit Wasser versorgt werden können.

 
Lernen ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, gefährlich.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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