Eine Seite für Hildburghausen

1485 - 1547

 Hildburghausen – Teil des ernestinischen Sachsens

© Hans-Jürgen Salier,
Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen
Ines Schwamm

Zeit der Kurfürsten von Sachsen

(1485 bis 1547)

26. August 1485
Mit der Großen Wettinischen Landesteilung zu Leipzig und der Stiftung der Linien der Ernestiner und Albertiner fällt Hildburghausen an die kurfürstlichen Ernestiner.


Kurfürst Ernst erhält u. a. Thüringer Teile, fränkische und vogtländische Gebiete, Teile des Oster- und des Pleißnerlandes. – Stadt und Amt Hildburghausen gehören als Teil der Pflege Coburg zur ernestinischen Linie.

26. August 1486
Mit dem Tod des Kurfürsten Ernst von Sachsen folgt ihm sein Sohn Kurfürst Friedrich III. (der Weise) von Sachsen in der Herrschaft des Landes. Der kinderlose Kurfürst regiert mit seinem jüngeren Bruder Johann (der Beständige) von Sachsen. Der Kurfürst behält sich die letzte Entscheidung vor. Beide Herrscher führen in ihrem Land die Reformation ein.


1486
Heintz von Helriet (Heldritt) stiftet 50 Gulden für Arme des Spitals in Hildburghausen.

1486
Die Stadt erwirbt den Dörrhof (auch DürrhofDöringshofDürrenhofDornichhofbezeichnet; heute: Sophienthal, heute: OT von Steinfeld, Einheitsgemeinde Straufhain) von Hans v. Schaumberg. Zum Besitz gehören vier Acker Wiesen. Kurfürst Friedrich III. (der Weise) begnadet den Dörrhof mit der Freiheit, einen Hof zu besserer Bewirtung der umliegenden Felder und Wiesen zu errichten.

1493
Ausbau der Schule in Bürden.


Vor 1496

Das pergamentene Kopialbuch enthält u. a. die Ungeldsurkunde (1323) (auch Ungelt, Umgeld – eine Art Umsatzsteuer seit dem 13. Jahrhundert), die Begnadung mit dem Michaelismarkt (1331), die Einung Landgraf Wilhelms (1414), die Erbrechtsverleihung der Badstube (1420), ferner Kirchenurkunden; hinzu kommt die Stadtordnung von 1496 (52 Quartblätter).
1. Stadtordnung. Regelung der Bürgerrechte und -pflichten.

Die Stadtordnung wird jährlich zu Michaelis der Bürgerschaft verlesen.

Am Ende der Stadtordnung heißt es: „Soliche gepott haben meine herrn vom rath ernstlich geboten czu halten und wollen solch gebot hant haben und dem nach zu kommen gantz ein worden, die Buß on alle gnade von einem iyglichen czu nemen und keynem dy nach zu lassen darnach wisse sich meniglich czu richten und ob ymant vermeynt das meine herrn vom rathe die buße nicht nemen und das also hingehen lassen lissen so sind dy burgermeister des ernstlich von den zwolffern und achten geheysen worden Solich Buß on alle Gnade zu nemen wo aber die burgermeister die buß nicht nemen und eines hye und das andere dort verschonen wolten So wil ein erber rat obgedacht die selbige Buß von den burgermeistern nemen darnach habe sich meniglich zu richten und yder man hot sich vor schaden das ist meiner herrn ernstlich meynung.“

1496
In einer Kastenrechnung wird erstmals die Ottilienkapelle auf dem Questenberg (Häselriether Berg) erwähnt, obwohl sie schon lange bestanden haben muss: „1 fl. hat Oswald Roßteutscher seliger beschieden für die St. Ottilienkapelle uff dem Questenberg.“

Auf dem Questenberg (Häselriether Berg) erinnern nur noch wenige Steinreste an die spätmittelalterliche Ottilienkapelle, die als Wallfahrtskapelle bedeutsam gewesen und nach der Reformation eingegangen ist.
Am 19. Juli 2015 (s. dort) wird auf Initiative der Kirchgemeinde Häselrieth eine Schutzhütte geweiht.
Foto: Ines Schwamm, 2016

1496
Die in der Stadt gelegene und dem Kloster Veßra gehörende 
Mönchhofstatt (1388 abgebrannter Veßraer Mönchshof, nach Neuaufbau auch „das neue Haus“ und später „alte Münze“ genannt) geht für 110 Gulden nebst ewigen Zinsen und Land am Römersbach vom Veßraer Abt Petrus in städtisches Eigentum über (Hof des ehemaligen Brunnquellschen Hauses, heute: Obere Marktstraße 44).

1498
Zunftgesetze der Tuchmacher sind überliefert. Die Tuchherstellung spielt bis ins 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in Hildburghausen (bis zu 50 Tuchmachermeister). Der Höhepunkt ist im 16. Jahrhundert erreicht. Eine der Grundlagen ist die Schafzucht (um 1555 werden im Ratsgut ca. 300 Schafe gehalten, um 1700 etwa 1.000). Der Waldreichtum der Stadt (der Stadtwald reicht im Norden nahezu bis an die Stadtmauer heran) bietet gute Hutmöglichkeiten.

1499
Die den Aposteln Peter und Paul geweihte romanische Kapelle von Gerhardtsgereuth wird erwähnt.

1499 – 1525

Herzog Johann (der Beständige) residiert auf der Veste Coburg.

1499
Das Kloster Veilsdorf erwirbt durch Tausch mit der Pfarrei Hildburghausen ein Drittel des Schackendorfer Zehnten.

Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert
Kloster Veßra ist wegen widerstrebender Interessen und Kampf um seinen Besitz in Konflikte mit Grundherren und Städten verwickelt.

Themar befreit sich beispielsweise zwischen 1509 – 1514 von der Bevormundung des Klosters Veßra. Zersetzungserscheinungen sind sichtbar. 

Die hohen kulturellen Leistungen (Baukunst, Bildhauerei, im Bildungsbereich, Schreib- und Malkunst, wissenschaftliche Betätigung) sind vergangen. Verweltlichung, Sittenverfall, erschreckend niedriger Bildungsstand und schwindende Wirtschaftskraft lassen die Bedeutung des Klosters sinken.

16. Jahrhundert
Zu Heerfahrtsdiensten müssen seit alters her die Gemeinden Fußvolk und Heerfahrtswagen mit entsprechendem Zubehör und Ausrüstung stellen (Tuch zur Decke, Kasten, Stricke, Ketten, Nägel, Hufeisen). Jeder 5. oder 10. Mann muss mit Spieß und Harnisch ausgestattet werden. Die Ritterschaft stellt die Reiterei.

1500
In Häselrieth sind in der Schafhaltung 600 Tiere nachgewiesen. Die Zahl der Schafe der Ortsnachbarn darf die Zahl 520 nicht überschreiten, dem Pächter ist es gestattet, zusätzlich bis 80 Tiere halten.
Um 1485 hat Häselrieth 23 Amtslehen, 1 Ebenhardser Pfarrlehen, 1 St.-Lorenz-Lehen, 1 Freilehen der Gemeinde. Kurfürst Johann (d. Beständige) verkauft das Schäfereilehen für 100 Gulden an die Gemeinde. 32 Pfund Butter und 2 Käse erhält der Heldburger Schösser.

1500
Nach Teilung des Meierhofs in Wallrabs entstehen durch Teilung 12 1/2 kleinere Güter mit Wald, Wiesen, Feldern und Hutgerechtigkeit (Kloster Trostadt 2 1/2, wird dann Wilhelm v. Heßberg verkauft; Herren v. Heldritt 6 Güter, Pfarrei von Bürden 3/4 Gut; Vikarie Unserer lieben Frauen in Hildburghausen 2 3/4 Güter, Gotteskasten von Hildburghausen 1/2 Gut.

1504 
Der erhöhte Chorraum der Leimriether Kirche stammt aus der Zeit der Vorreformation.

1506
Das Pfersdorfer Dreiergeläute ist eines der ältesten in der Region und hat bis zum Zweiten Weltkrieg bestanden: 1. Goreis-Glocke von 1506, 2. Bronzeglocke von Lotter 1889, 3. Bronzeglocke von C. A. Ulrich 1888. Die Glocken von Lotter und Ulrich (2. und 3. Glocke) sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen und durch zwei Stahlglocken ersetzt worden. Die wertvolle „Goreis-Glocke“ trägt die Inschrift: „ave maria gracia + anno dni [domint] – 1506 – gos mich peter goreis. maria m[a]delena sant niclas patron dises gotz havs.“ („Sei gegrüßt. Maria voller Gnaden und Maria Magdalena, St. Niklas [Nikolaus] [für] dieses Gotteshaus“).

Peter Goreis (auch: Gareis) goss zwischen 1490 und 1510 seine Glocken in Augsburg und später in Schleusingen. In unserer Gegend stammen einige Glocken von ihm.

1507
Kaiser Maximilian ernennt den Landesherrn, Kurfürst Friedrich III. (der Weise), zum Reichsstatthalter. 1519 lehnt Friedrich III. die deutsche Kaiserkrone ab.


1511
Am Hildburghäuser Rathaus erfolgt der östliche Anbau. Im Obergeschoss sind die Ratsstuben und das Ratsarchiv untergebracht. Es besitzt ein massives Erdgeschoss, das Obergeschoss besteht aus Fachwerk.

6. Oktober 1513

Der Würzburger Fürstbischof Lorenz v. Bibra weiht die Vorgängerkirche der heutigen Weitersrodaer Dorf-Gottesstube (1792). Lorenz (1459 – 1518) war Schüler der Klosterschule des Klosters Veßra, Anhänger des Humanismus und dem Reformator Martin Luther sehr vertraut.

1513

Vier Artacker mit Bäumen am Questenberg (Häselriether Berg), ein Zehnt zu 20 Malter Getreide und 1 Fuder Heu kommen u. a. an den Hildburghäuser Marienaltar der St.-Lorenz-Kirche, weiterer Besitz an den St.-Nikolaus-Altar bzw. an den Gotteskasten.

Brief von Wilhelm Graf und Herr zu Henneberg an Bernhard von Hutten – 1516 Donnerstag nach Trinitatis 1516
Sammlung Hans-Jürgen Salier

 

1516
Im Stadtbuch heißt es zur Landwehr:
„Die schrenk im Holz. Die schrenk am Rittersberg, so wie Feltgeschrey oder auflauff wirdt, sal bewarn caspar leyser, carl claus gentzler, balthasar carl, claus beyer die sollin zu den genannten lauffen mit Irer wer so in das von einem bürgermeister befolhen wirt davon sal einer habn zu lon ein alts pfundt so offt er hinaus laufft. Die schrenk am gerßgereuter wege sollin bewaren Ekarus Hefner hans fuchs der gurttler lorenz esel sallin sich haben wie die mit den schrenk am Rittersperg so oft sie von einem bürgermeister geheyßen werden hinauß laufen der belohnung gewertig sein.“

(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen. 1908, S. 47)

1517
Im Stadtbuch II heißt es, dass die beiden Bürgermeister die Stadttore auf- und zuzuschließen haben, ferner werden Schrankenwächter und der entsprechende Standort erwähnt.

1518
In Coburg predigt Priester Balthasar Düring (* 1466, Königsberg/Franken – † 1529, Coburg) nur wenige Monate nach Veröffentlichung der Luther-Thesen eine evangelische Messe, D. hat Einfluss auf die gesamte Entwicklung der Reformation in der Pflege Coburg, so also auch in Hildburghausen.

Die entscheidenden Impulse für die Durchsetzung der Reformation in den ernestinischen Ländern gehen nach dem (historisch umstrittenen) Thesenanschlag Luthers am 31.10.1517 in Wittenberg von der Wittenberger Universität aus. Die großen Reformatoren Luther und Melanchthon nehmen auf die Einführung und Durchsetzung der Reformation in Hildburghausen direkten Einfluss.

Nachdem die Leipziger Universität an die Albertiner gefallen ist, wird 1502 die Wittenberger Universität gegründet, die für die Ernestiner 1547 verloren geht. Am 15.08.1557 erhält die Universität Jena von Kaiser Ferdinand I. die Stiftungsurkunde. Jena ist fortan die Landesuniversität.

1518
Graf Albrecht v. Mansfeld, Statthalter der Pflege Coburg, lässt nördlich des Buchs, entlang des Dambachs, eine neue Landwehr errichten, die jährlich zu fegen (säubern), zu räumen und zu erhalten ist. Der Landesherr unterhält die Zollschranken und Planken. Die Bürger erhalten einen Anteil am geschlagenen Holz.
Der im Dienste des Landesherrn stehende Zentgraf will das gefällte Holz jedoch für sich in Anspruch nehmen, was ihm nach Besichtigung durch den Heldburger Amtsschosser streitig gemacht wird. Danach kommt es wiederholt zu Streitigkeiten zwischen dem Landesherrn bzw. dessen Verwaltung und den Bürgern.

1521
Herzog Johann genehmigt den Bau der Herrenmühle in Hildburghausen. Bedingung ist, dass die alte stadmul am Unteren Tor nicht wüst wird. Als Stadtgut müssen jährlich 5 Gulden Zins an das Amt Heldburg abgegeben werden. Das Wasser wird vom Feuerteich auch durch die Knappengasse nach dort (heute: Johann-Sebastian-Bach-Straße, gegenüber dem ehemaligen Logen- bzw. Bibliotheksgebäude) geleitet. Nach Anlegen der Grotte an der fürstlichen Terrasse (oberhalb des Parkplatzes an der Zetkinstraße) geht sie 1716 ein. Christian Neumann, letzter Müller der Herrenmühle, erhält die Konzession zum Bau der Wiesenmühle am Kehrweg (im 20. Jahrhundert Wäscherei).

Bis 1856 ist das Haus Amtseinnahme, dann im Besitz von Dr. med. Genßler, ab 1889 gehört es dem Lederhändler Karl Schüerholz, heute ist es Teil des Caritas-Heims.


Ab 1524/25

Der Reformator Dr. Nikolaus Kindt betreut in 24 Jahren die Pfarrei Eisfeld mit 20 Filialdörfern, die Pfarreien Stelzen, Wiedersbach und Hildburghausen. Er ist Teilnehmer der 1. Kirchenvisitation in den fränkischen Ortlanden (1528/29): in Königsberg/Franken, Heldburg, Hildburghausen, Rodach, Eisfeld, Neustadt, Sonneberg, Schalkau, Coburg.

1524
Schnell verbreiten sich die von Martin Luther 1517 in Wittenberg ausgelöste Reformation und das reformatorische Gedankengut. Kurfürst Friedrich III. (der Weise) führt in seinem Land die lutherische Gottesdienstordnung ein. Der Kurfürst fördert die Reformation maßgeblich und beschützt Luther, schließt sich aber selbst nicht der Reformation an.
Erster evangelischer Pfarrer in der Stadt wird Magister Johann Birnstil, der die katholische Messe in der
St.-Lorenz-Kirche abschafft.
Ohne größere Einflussnahme von außen entwickelt sich – wie in vielen anderen Orten der Region – die Reformation selbsttätig.

1524

Nach dem Walpurgisgebot wird vierteljährlich eine Feuerstättenbesichtigung durch Bau- und Viertelsmeister durchgeführt.


Ein Delinquent am Pranger.
Zeichnung von Georg Lilie, 1925

1525
Bauernkrieg
Die sächsische Stadt Hildburghausen ist nicht in die Kampfhandlungen einbezogen, obwohl der hennebergisch-fränkische Raum (auch Oberes Werragebiet) ein Zentrum des Aufstandsgeschehens ist. Vermutlich schließen sich einzelne Bürger dem 20.000 Mann starken Bildhäuser Haufen (bei Münnerstadt formiert) bzw. dem Werrahaufen an. Der Haufen Florian Geyers dringt bis ins Heldburger Gebiet ein.

Kursächsische Truppen des Ritters Arnold v. Falkenstein sichern das Land zwischen Hildburghausen, Veste Heldburg und Spanshügel b. Gompertshausen. Patrouillen kontrollieren die Landwehr. Insgesamt ziehen scharfe Kontrollen in den Städten und Dörfern ein, besonders betroffen sind das fahrende Volk, Bettler, Landstreicher. Die Kirchenburgen werden weiter befestigt und für bewaffnete Auseinandersetzungen vorbereitet.
- Ende Mai werden Schlösser und Herrensitze in Reurieth, Bedheim, Gleichamberg, Gompertshausen, Milz, Streufdorf geplündert, zerstört oder in Brand gesetzt.
- Kloster Trostadt wird eingenommen.
- Kloster Veilsdorf wird bis auf die Kirche niedergebrannt. Der letzte Veilsdorfer Abt Zollner wird aus Sicherheitsgründen auf die Veste Heldburg verbracht, das Kloster wird säkularisiert (Der geistliche Besitz wird in weltlichen umgewandelt); es entsteht eine fürstliche Domäne.
- Die hennebergische Burg Straufhain wird vermutlich in Brand gesteckt und zerstört.
- Am 15.05. erleiden die Bauern bei Frankenhausen in einer der entscheidendsten Schlachten des Bauernkriegs eine vernichtende Niederlage. Thomas Müntzer wird gefangen genommen und am 27.05. hingerichtet. Die fränkischen Bauern werden am 02.06. bei Königshofen an der Tauber niedergeschlagen.
Nach der Niederlage der Aufständischen zieht Kurfürst Johann nach Meiningen, das von 7.000 Mann des Bildhäuser Haufens besetzt ist. Nach Eroberung rückt er mit Heer und 800 Wagen – über Hildburghausen kommend – in Coburg ein. Er wählt 50 auf die Veste Coburg geflüchtete Ritter aus und entsendet sie dem Bischof v. Bamberg zu Hilfe. Der Würzburger Fürstbischof Konrad v. Thüngen unternimmt mit Graf Wilhelm v. Henneberg-Schleusingen einen zweimonatigen Strafzug in der Region, dem ca. 300 Menschen zum Opfer fallen. Auf dem Coburger Markt hält Kurfürst Johann vom 10. bis 13.06.1525 ein blutiges Strafgericht.

Mit der Niederlage der Bauern verschwindet das Bauerntum für Jahrhunderte weitestgehend aus dem politischen Leben der deutschen Nation.



Das Kurfürstentum Sachsen - Das Land der Reformation 

5. Mai 1525
† Kurfürst Friedrich III. (der Weise).

1526
Die Stadtmauer ist noch nicht restlos fertig: „Wer in der Stadt Gräben steigt, die Zäune zerbricht, oder Stiegen darüber macht, oder drinnen hütet oder die Erlen darinnen abhaut, der bußt 25 Schilling.“

Februar 1527

Ein kurfürstliches Mandat gegen die Wiedertäufer in der Pflege Coburg wird erlassen. Es werden Verfolgung und harte Strafbestimmungen gegen die „Schwärmer“, wie man sie nennt, angedroht.

1528
Nikolaus Jacoff (Jacob), letzter katholischer Pfarrer in Häselrieth, wird abgesetzt und gewaltsam vertrieben. Er soll in der kirchlichen Lehre ungeschickt gewesen sein und ein unordentliches Leben geführt haben. Sein Stellvertreter Johann Stapf, wird erster evangelischer Pfarrer, dann bis 1547 Michael Förster. Die Pfarrstelle wird danach zumeist mit ehemaligen Hildburghäuser Vikaren und Konrektoren besetzt.

1528
Der deutsche Humanist, Reformator und Luthergefährte Melanchthon setzt sich in einem Brief an den Stadtrat für den Studenten Heinrich Sell (latinisiert: Sellanus) ein. S. wird nach dem Studium Rektor der Lateinschule (1535 – 1550). Neben ihm sind ein Supremus (Konrektor), ein Kantor und ein Pädagogus (Organista, Infimus – Unterster der Hierarchie) tätig. Der Humanist führt mit seinen Schülern Schuldramen auf.

1528
Schaffung einer einheitlichen Schulaufsichtsbehörde. Hildburghausen gehört zur Superintendentur Eisfeld. In der Region gibt es vier Superintendenturen (Eisfeld, Coburg, Königsberg/Franken, Heldburg). Vikar Andreas Menser, Anhänger der Wiedertäufer, predigt gegen den evangelischen Pfarrer Birnstil und bringt damit vorübergehend Unruhe in die Bevölkerung.
Der Bürgermeister Oswald Gotwald schlägt mit einer Karbatsche (Riemenpeitsche) auf den Wiedertäufer ein und verhindert die Verbreitung aufrührerischer Schriften.
Die Städtebürger besitzen einen relativen Wohlstand. Strenge auf Ordnung und Sicherheit fixierte Gesetze und das stabile Zunftwesen verhindern Unruhen bzw. Aufstände.

Bürgerannahme und Bürgerrecht
Die Erteilung der Bürgerrechte ist für den neuen Stadtbürger ein feierlicher Akt. Es wird ein Eintrag ins Stadtbuch vorgenommen. Es muss sich um einen freien und unbescholtenen Bürger handeln. In den Statuten heißt es: „Wenn sich ein Fremder hier niederlassen und Hochzeit machen will, muß er, ob Mannes- oder Weibsperson seinen Geburtsbrief vorzeigen, auch des Bürgerrechts halber mit E. E. Rat Richtigkeit treffen, sonsten wird demselben der Kirchgang gesperrt.“

Human schreibt, dass in Hildburghausen die Person vom 14. bis 16. Jahrhundert im Durchschnitt 10 Gulden (fl.) zu zahlen hat. „Weil aber die Stadt ‚mit vielen Müßiggängern und Armen erfüllt wurde’, setzte Herzog Casimir a. 1622 für Eine Person 20 fl., für Eheleute 30 fl., für ein Kind 5 fl. fest, bis a. 1643 'wegen des zu Grunde verderbten Zustandes und großer Veränderung' auf die einstige Taxe zurückgegriffen wurde. Anfang des 19. Jahrh. zahlte die Person 50 fl., später selbst eine zeitlang 100 fl. Nachdem jedoch infolge der polizeilichen Beschränkungen der Eheschließung durch Reichsgesetz vom 4. Mai 1868 die einstigen obligatorischen Bürgergelder eingegangen, wurde die Gebühr für Bürgersöhne auf Mk. 10 und die für Auswärtige auf Mk. 20 festgesetzt, wofür Wahl- und Leseholzberechtigung erlangt wird. Während 1867 das Bürgergeld noch  2628 fl. ertrug, ergab es 1885 nur Mk. 40.- Städtische Beamte sind kraft ihres Amtes Bürger.“

(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums.

1886 und 1999, S. 336 f.)

1528
Bis zur Reformation wird die Schule Ratsschule genannt, weil der Rat das Vorschlagsrecht bei der Lehrereinstellung hat. Im Visitationsprotokoll heißt es:„So ein Schulmeister aufgenommen werden soll, daß ein Rath solchs mit Wißen des verordneten Superattendenten und Ires Pfarrers fürnehmen. Auch soll der Schulmeister kein Cantor aufnemen außer Wißen und Willen des Rath und Ires Pfarrers, uff daß sein Geschicklichkeit zuvor gehöret werde.“

1528
Ein neuer Schulmeister wird für die Mägdleinschule oder Teutsche Schule am Steinweg (Eisfelder Straße) angestellt. Die Vorstadtschule ist mit einem Schulmeister bestellt.

Landschulen in der Reformationszeit
Weiter gab es auch schon Dorfschulen an den Pfarrkirchen, wie z.B. bei uns in Bedheim, eine solche zur Unterweisung der Kinder im Lesen und Schreiben durch den Pfarrer bestand, dann unterbrochen und erst 1535 wieder fortgeführt wurde. Die Pfarrer aber zogen sich im niedern Klerus, dem Küster- und Kirchnerstand, Lehrermaterial selbst heran oder auf ‚Schriefscholen‘ oder auch lateinischen Schulen der Städte. Vorgebildete dienten mit ihrer Bildung dem Unterricht in den deutschen Schulen auch auf dem Land, mit den sog. Tafelbüchlein, Fibeln, worin das Alphabet, Vaterunser, der Glaube und die Gebote standen. Nach solchen Tafelbüchlein (Täfelchen von Holz mit Wachs überzogen) gestaltete dann auch Luther sein Enchiridion, der Kinder Handbüchlein, den kleinen Katechismus, in dem das 1., das ABC-Täfelein, das ABC und Syllabierübungen befaßte, das 2. das Vaterunser und den Glauben, das 3. Dankgebete und Sprüche; die Volksschule aber, die als planmäßig geordnete Anstalt mit täglich zwei oder mehr Stunden Unterricht allen Kindern des Volkes offen stand, wurde durch Dr. Martin Luther begründet, als er durch seine Sendschreiben an den christlichen Adel deutscher Nation und an die Ratsherren aller Stände deutschen Landes zur Anrichtung von Schulen aufrief und durch seine Katechismen wie durch seine Bibelübersetzung nicht nur religiös-sittliche Bildung auf nationaler Grundlage anbahnte, sondern auch durch seine Lehre vom allgemeinen Priestertum allgemeine Schulpflicht und mit der Volksbildung wahren Staatssozialismus verbreitete. Mit hohem Ernst im Geiste Luthers banden dann die Generalvisitationen Pfarrern und Küstern hart ein, Schule zu halten ... Indes ging es der Denkträgheit und Herzenshärtigkeit der Massen entsprechend doch nur langsam vorwärts, da die Gemeinden nur mit Widerstreben in die Anstellung von Küstern willigten, weil jeder Einzelne je nach Vermögen mit Umgangsbrot und Hausgroschen zum Unterhalt derselben beisteuern und Schulgeld ... zahlen sollte. Wie sich aber a. 1532 in 738 Ortschaften Thüringens nur 25 Kirchner als Schulmeister fanden, so wird es Jahrzehnte darnach auch noch nicht viel anders gewesen sein, da die Eltern immer mehr ihre Kinder nur widerwillig von der Arbeit hergaben, Viehhüten ihnen mehr galt als Schulbesuch und die Kinder selbst auch durch strenge Züchtigungen so von der Schule abgeschreckt wurden, daß besonders im Sommer oft kein Kind zur Schule kam.“

(Human: Chronik der Landdiözese Hildburghausen. 1922, S. 93 f.)

1528
Bau einer neuen Schule in Bürden (1830 repariert, 1847 Aufbau eines Oberstocks, 1906 abgebrannt).

14. Dezember 1528
1. kursächsische Kirchenvisitation in Hildburghausen (in den fränkischen Ortlanden vom 16.11.1528 bis 16.02.1529 nach landesherrlichem Mandat vom 06.09.1528).

Sofort nach Einführung der Reformation bzw. nach dem Bauernkrieg ordnet der Kurfürst an, die Pfarreien und die Kirchgemeinden zu überprüfen. Hierfür werden vor allem Geistliche und Juristen eingesetzt. Für die Stabilisierung der Macht ist es in jener Phase außerordentlich wichtig, eine Umstrukturierung der Kirche vorzunehmen und sie in Teilen neu zu organisieren. Damit steigt die Macht der Landesherrn, und der Aufbau eines moderneren Staatstyps sowie die endgültige Loslösung von der römischen Papstkirche kann weiter voranschreiten.

Zu den Visitationen werden die Patronatsherren, die Vertreter der Gemeinden und die Geistlichen selbst vorgeladen.
Die Visitationen werden direkt von Luther und Melanchthon beeinflusst. Die Stadt holt sich bei beiden Reformatoren in Kirchen- und Schulenangelegenheiten die Stadt Hildburghausen oft Rat.
Weltliche Visitatoren sind Ritter Hans v. Sternberg zu Callenberg, Kastner Paulus Bader und geistliche Visitatoren, der in Hildburghausen geborene Nikolaus Kindt und Balthasar Düring.

Ziel der Visitationen ist nicht die Einführung der Reformation, sondern ihre inhaltliche und materielle Ausgestaltung (Eignung der Pfarrer für den ev. Gottesdienst, Festlegen auf die Wittenberger Lehre, Überprüfung der Lebensweise der Geistlichen, Kontrolle der Ordnung und des Kirchenvermögens, Reduzierung des kirchlichen Gebäudebestandes und Überprüfung der Bausubstanz, Auflistung von Orden und Bruderschaften).
Direkten Einfluss übt die Visitation auf die Organisierung des Schulwesens aus. Schulmeister und Pfarrer erhalten u. a. erhebliche finanzielle Zulagen. – Bei der Rechenschaftslegung über christliches Leben spielen 18 Artikel des Visitationsbuches eine wichtige Rolle.

(Die katholische Bruderschaft Corpus Christi in Hildburghausen besitzt z. B. ein Kapital von ansehnlichen 1.129 Gulden.)

Bedeutende Missstände, größere geistliche und sittliche Verfehlungen werden in Hildburghausen nicht festgestellt.
. Die vermutlich älteste Kirche der Stadt, die Feldkirche an der Straße nach Wiedersbach, befindet sich in einem ruinösen Zustand. Dem Rat und den Kastenmeistern wird der Abriss empfohlen.
. Die Kirche Unser Lieben Frauen Capell auf dem Baumgarten ist ebenfalls 1528 eingegangen.

1529
Die Kirche in Häselrieth wird erstmals erwähnt, eine Kapelle existiert vermutlich seit Beginn des 13. Jahrhunderts.

19. Februar 1529

Brief der Visitatoren an Luther und Melanchthon mit der Bitte um einen Geistlichen für Hildburghausen. Es wird Bezug genommen auf die Grenzlage zur benachbarten Grafschaft Henneberg, die vermutlich genutzt wird, um den Grafen Wilhelm v. Henneberg und seinen Sohn Georg Ernst anzuregen, im Land ebenfalls die Reformation einzuführen. In dem Brief heißt es:
„Angesehen, daß dye stat Hilpurghausen ein ansehnlicher Fleck ist ... auch daß die stat gar an der grentz gegen der Hennebergischen Herschaft gelegen und hoch von noten sein wil, einen gelerten und verstendigen man, der auch eines guten wandels und lebens were, dahin zuverordnen.“


Fürstgraf Georg Ernst (1511 – 1583)
Letzter Graf von Henneberg und Stifter des 1577 gegründeten Gymnasiums in Schleusingen,
das noch heute seinen Namen trägt.
Postkarte: Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg, Schleusingen, um 1995

1529
Auf Martin Luthers Empfehlung kommt Magister Johannes Weybringer nach Hildburghausen. Auf der Schrift Der Prophet Daniel Deutsch bringt Luther 1529 für Weybringer eine Widmung an: „M Johanni Weybringer Suo hospiti M Luther“ (Die Schrift befindet sich im Besitz der Kirchgemeinde Hildburghausen).
Martin Luther bemüht sich persönlich um einen Pfarrer in Hildburghausen. Er schreibt an die Visitatoren (H. v. Sternberg, N. Kindt, J. Bader): „Gnad und Fried in Christo, Gestrenger, Vester, Würdigen, lieben Herren; Ich habe in Abwesen M. Philippi (Philipp Melanchthon, d. Verf.), so mit unsern gnädigsten Herren gen Speier auff den Reichstag gezogen, Euer Schrifft und Begehr gelesen, eines Pfarrers halben gen Hildburghausen zu fordern. Weiln aber der Both nicht hat mögen hier harren, habe ich in der Eyle nicht mögen mich erkundigen, welcher der tüglichste dazu wäre, weilen deren etzliche auff dem Land sind. Ich habe wohl M. Johann Froschel oder Michael Stiefel, so itzt nicht ferne von uns, gedacht darumb anzusprechen, weiß aber nicht, was ich erheben werde. Doch soll es an müglichem Fleiß nicht ermangeln, ob ich der einen, oder sonst einen Geschickten könnte auffbringen, welchen ich noch vor Ostern zu Euch gen Coburg schicken will mit Gottes Hülffe, den ihr alsdann zu versuchen oder anzunehmen habt. Es will allenthalben an Leuten gebrechen und was sich hie zu Wittenberg etwas erhalten kann, lässet sich ungern von dannen bringen. Euch zu dienen bin ich willig und bereit. Hiermit Gott befohlen, Amen. Montags nach Oculi 1529. Martinus Luther.“
(Zitiert nach Hönn: Sachsen-Coburgische Historia in zweyen Büchern. 1700)

Es gehen Gerüchte um, dass W. eine Ehefrau entführt habe und mit ihr zusammen lebe. Luther bestätigt, dass W. in Wittenberg rechtmäßig getraut worden sei. Die üblen Nachreden bleiben, vor allem weil er ein resoluter Prediger ist und kompromisslos straft.

Hans v. Sternberg schreibt 1530 klagend:
„Wie Ir denn viel hie sind, die (Bürger H., d. Verf.) wollten, wir wären schon all gestorben, oder sonst auf dem Galgen, auf daß man alles in den gemeinen Casten gebracht hätt und man unser loß würde, ob sie schon in einem ganzen Jahr kein Evangelium oder Gottes Wort würden horen. So sicher und kunstreich sind ihrer etlich! das erste Jahr wolten sie mich vor Lieb fressen, nun aber, da ich mit der Zeit ihre Sünd und Boßheit erlernet hab und zuweilen nach Gelegenheit des Worts Gottes solche straff und nicht gut heiß, damit mach ich mir ungnädige Leut, wie die Wahrheit alzeit thut.“

(Human: Chronik der Stadt Hildburghausen, der Diözese und des Herzogtums. –
1886 und 1999, S. 394)

Nach acht Jahren (1537) geht Weybringer nach Meeder, dann nach Schalkau, er stirbt 1572.
Zu Weybringers Zeiten wirken in der Stadt 5 Geistliche: 1 Pfarrer, 1 Prediger, 2 Vikare, 1 Kaplan.

1529
Nach Hildburghausen eingepfarrt sind die Gemeinden Leimrieth, Pfersdorf, Ebenhards. Die Pfarrei Veilsdorf ist ein Lehen der Stadtkirche.

1530
Wegen des Vordringens der Türken bis Wien (1529) geht die Angst im Reich um. 1531 wird eine Türkensteuer erhoben.

15. April 1530
Kurfürst Johann zieht mit Martin Luther und großem Gefolge in Coburg ein. In Augsburg findet der von Kaiser Karl V. einberufene Reichstag statt, bei dem über die durch die Reformation entstandenen Glaubensgegensätze verhandelt wird. Aus Sicherheitsgründen verbleibt der Reformator in Coburg.

Am 04.10.1530 reist er nach Wittenberg zurück.

Ob der Reformator Martin Luther während seines Aufenthalts auf der Veste Coburg in Leimrieth (heute: Stadtteil von Hildburghausen) gepredigt hat, wie oft im lokalen Schrifttum zu lesen ist, kann nicht bestätigt werden. Die dem heiligen Valentin 1524 geweihte Kirche wird im Volksmund auch „Lutherkirchlein“ genannt. Mit Luthers Predigt in Leimrieth hat sich auch Dr. Human beschäftigt. Die Forschungen zu diesem Thema sind bis heute noch nicht abgeschlossen.

1530
Das Schützenwesen in Hildburghausen wird erwähnt:

Dienstgeld der Embter.“ ... „Den zwei Torwarten das Gras im Schießgraben bis zur hohen Wart“. Die Hohe Wart ist ein starker Doppelturm in der heutigen Knappengasse. Der Schießgraben befindet sich nördlich der Stadt (heute: Parkplatz an der Kreuzung Schleusinger Straße). Der Damm zieht sich in 15 m Breite zwischen dem inneren und äußeren Wallgraben bis zur Hohen Wart hin. Bei Festlichkeiten werden auch Einladungen an auswärtige Schützengilden ausgesprochen.

Um 1530
Thomas v. Heßberg hält auf eigene Kosten einen evangelischen Pfarrer in Weitersroda. Kloster Veilsdorf will evangelische Messen in Bürden und Weitersroda verhindern.

27. Mai 1531
Nach dem Augsburger Reichstagsabschied (1530), der die Protestanten zur Rückkehr in die katholische Kirche auffordert, wird in Schmalkalden zur Abwehr der Reichsexekution und zur Verteidigung des evangelischen Glaubens unter Führung Kursachsens und Hessens die Bundesurkunde für den Schmalkaldischen Bund geschlossen.
Führer: Kurfürst Johann – nach seinem Tod am 16.08.1532 sein Sohn Johann Friedrich (der Großmütige), Landgraf Philipp v. Hessen. Bei Gründung gehören dazu die Herzöge v. Braunschweig-Grubenhagen und Braunschweig-Lüneburg, die Grafen v. Anhalt-Bernburg und Mansfeld, ferner 11 Städte. 1536 treten die meisten protestantischen Reichsstände bei. Der Schmalkaldische Bund wird das Zentrum der antihabsburgischen Kräfte.

1. Juni 1532
Kurfürst Johann erlässt eine Instruktion zur Sequestrierung des Klosterbesitzes. Die Klosterliegenschaften werden verkauft oder in Kammergüter umgewandelt. Aus den Klosterherrschaften entstehen kursächsische Ämter, z. B. Mönchröden, Sonnefeld (kommt 1735 an Hildburghausen), Veilsdorf (zum Amt Hildburghausen).

1532
Lt. Stadtbuch 
II dingt die Stadt eine Hebamme: „Uff heut Freitagk Luciä A. 1532 haben die Bürgmeister Michael Buffler und heintz neumann gedinget Anna ebern zu einer Weheammin und ir Lohn soll seyn wie volgt Nemblichen zween Gulden an Geldt funff claffter holz sol man Ir fur die Thur faren 4 Achtel Korn von einem iglichen weip 27 pf. hat versprochen solchen dienst Ir leben lank dieweyl sie vermuglich und einem rath gefellig auszurichten und sich nit an einen andern dienst zu begeben.“

16. August 1532
† Kurfürst Johann (der Beständige).

1532 – 1547
Kurfürst Johann Friedrich I. (der Großmütige) v. Sachsen (* 30.06.1503 – † 03.03.1554) regiert mit Halbbruder Herzog Johann Ernst das Land, unter Vorbehalt seiner Oberhoheit.

Am 17.09.1541 kommt es zur Teilung der ernestinischen Erblande.

16. Jahrhundert
Die Lateinschule entwickelt sich zum Träger des Theaterlebens in Hildburghausen. Das sogenannte Schuldrama, teilweise von Schulmeistern verfasste und von Schülern gespielte Stücke nach antiken und biblischen Stoffen, bereichert die Kultur der Stadt und hat erzieherischen und bildenden Einfluss auf die Schüler (u. a. Verbesserung der Lateinkenntnisse, Erfassen der Bildungsstoffe, selbstbewusstes Auftreten, Sprachgewandtheit der Schüler).

1534/35

2. Generalvisitation. Zur Vereinheitlichung der Gottesdienstordnung (nach der Coburger Kirchenordnung) wird verfügt: „Der Kirchen Ceremonien halb ist verordent worden, daß sich der Pfarrer zu Hilperhausen in seiner Pfarr-Kirchen nach der Kirchen-Ordnung zu Coburg, als der Hauptstadt des Orts Landes zu Francken zu halten.“

1535
Der Friedhof um die St.-Lorenz-Kirche wird nach der 2. Kirchenvisitation aufgehoben, ein neuer wird östlich (außerhalb) der Stadtmauer, heutige Coburger Straße (besteht bis 1820), angelegt. Vermutlich am Standort des späteren Orangeriegebäudes (heute: Stadtverwaltung) befindet sich vor Verlegung des Friedhofs das Beinhaus.

1535
Zwischen Häselrieth und dem hennebergisch-schleusingischen Ort Gerstungsgereuth (Gerhardtsgereuth) kommt es zu Regelungen der Fischerei im Dambach.

1536
Der „muller in der stadmul heinz stang (gibt) im jar 12 fl., sol das wasser des prawhauses und verbhaus zu feuer geschrei unverhindert lassen und alles das eher mit der handt wie mulrecht ist machen kann sol ehr machen unverlohnt dazu gibt man ihm 4 claffter holz die sol er selbst scheiten lassen uff anwießen des holtzförsters“.

1536
Am Montag nach dem Palmsonntag erlässt Kurfürst Johann Friedrich erneut eine Verordnung gegen die Wiedertäufer.

1537
Im Hildburghäuser Stadtwald, am Hähnleinsbrunnen, befindet sich ein Grenzstein, der die Grenze zwischen der sächsischen Pflege Coburg und der Grafschaft Henneberg-Schleusingen markiert.

1538
Die Totenmühle wird von Wilhelm Dod gegründet (mit Henneberger und Heßberger Lehen). Der Zentgraf darf die Mühle nicht mit Steuer belegen, der Büttel darf nur bis zum Gartenstock gehen, und die männlichen Insassen werden nicht zum Militär eingezogen.

1539
Gottesdienste werden im ganzen Land nach der u. a. von Justus Jonas erarbeiteten sächsischen Agende gehalten, die auch nach 1544 in Henneberg-Römhild Eingang findet.

1540
Barthel Bischoff wird das Bürgerrecht entzogen, weil er „4 – 500 fl. verspielt, sind weib und kind hunger und kummer leiden lassen, derhalben auch seinem weib ein gutlicher und schriftlicher abschied geben worden, gen fulde zu ihrer Mutter und Freundschaft zu ziehen.“ (Nach: Stadtbuch 
II).

17. September 1541
Teilung der ernestinischen Erblande
Coburg wird herzogliche Residenz unter Herzog Johann Ernst.

1541

Bau eines neuen Schulhauses durch Zimmermann Hans Schlund und Steinmetz Hans Schwartz aus Heßberg neben der St.-Lorenz-Kirche. Insgesamt bessern sich die schulischen Verhältnisse nach der Reformation (konkret nach den Visitationen). Die einstige Ratsschule nahe der St.-Lorenz-Kirche wird von Chronisten als luft- und lichtleer beschrieben, ebenso die Vorstadtschule am Steinweg (nahe der späteren Gaststätte Weißer Schwan am Goetheplatz). Nach 1535 bekommt der Schulmeister 43 fl. und neben der Schule eine Wohnung. Fremde Schüler müssen im Quartal 18 Pfennig Schulgeld bezahlen.
Für die Zeit bedeutende Pädagogen führen bis ins 18. Jahrhundert hinein die Ratsschule (Heinrich Sell, Ehrhard Montanus, Johann Trentfuß, Jodocu Raab, Parthenius, M. H. Reinhard u. a.).

Neben der Ratsschule und der Mägdeleinschule gibt es noch einfache deutsche Schulen, an denen beispielsweise kein Latein gelehrt wird, die neben einfachsten Kenntnissen und Fertigkeiten (Buchstabieren, Lesen und Schreiben einfacher Texte), einfache Rechenoperationen und Singen vermitteln. Das Lehr- und Übungsbuch ist im Wesentlichen der Lutherische Katechismus. Die Vermittlung einer christlichen Lebenseinstellung steht im Vordergrund. Diese Schule kann auch von Mädchen besucht werden.

1541
Der Turm der St.-Lorenz-Kirche in Hildburghausen wird um ein Stockwerk erhöht.

1542 – 1553
Kurfürst Johann Friedrich I. überlässt seinem Halbbruder, Herzog Johann Ernst (* 10.05.1521 – † 08.02.1553), unter Vorbehalt die Oberhoheit über die Pflege Coburg (Städte und Ämter Coburg, Eisfeld, Heldburg, Hildburghausen, Königsberg, Neuhaus, Rodach, Sonneberg, Ummerstadt, Amt Veilsdorf und Klöster Sonnefeld und Mönchröden).

Nach seinem Tod fällt die Pflege Coburg an die ernestinische Hauptlinie unter Kurfürst Johann Friedrich I. (der Großmütige) zurück, einen führenden Fürsten des Schmalkaldischen Bundes und Befehlshaber des Bundesheeres im Schmalkaldischen Krieg. Er verliert nach der entscheidenden Schlacht bei Mühlberg (24.04.1547), der Gefangennahme durch Truppen Kaiser Karls V. und der Wittenberger Kapitulation (19.05.1547) die Kurwürde. Sie geht an Herzog Moritz (albertinische Linie), ebenso ein Großteil seiner ernestinischen Besitzungen. Während seiner fünfjährigen Reichsgefangenschaft, die freiwillig von dem Maler Lucas Cranach d. Ä. geteilt wird, regieren seine Söhne, Herzog Johann Friedrich II. (der Mittlere) und Herzog Johann Wilhelm. Von 1552 –1554 ist er wieder Herzog des ernestinischen Sachsens.

1542
Das diesseitsbezogene Lebensgefühl der Renaissance, das gesellige und freizügigere Leben will Herzog Johann Ernst per per Verordnung einschränken: „... bei den Tänzen mit Jungfrauen oder Frauen sich des unverschämten Umdrehens, Aufhebens, Herumschwenkens, vielfältiges Drückens und Umfassens, unziemlichen Laufens und Abstoßens, auch schändlicher Gebärden und Geschreies zu enthalten“ ... jeder sollte „ehrbarlich mit zugedeckter Scham seinen Tanz vollbringen“

Trotz Androhung und Vollstreckung empfindlicher finanzieller-, körperlicher- und Gefängnisstrafen sowie weiterer Erlasse bis zum Ende des 17. Jahrhundert bleiben die Verordnungen ohne größere Wirkung.

1542
In der Stadtchronik werden steile steinerne Brücken über die Werra erwähnt (nahe der Oberen und Unteren Vorstadt).

1543
Die Stadtmauer mit 24 Wehrtürmen und hölzernen Wehrgängen ist vermutlich endgültig fertig gestellt. Die Mauer ist durchschnittlich 8 m hoch und 1 m stark. Sie umfasst ein Areal von 12 ha. Zwei ca. 35 bis 40 m hohe Tortürme stehen am jeweiligen Ausgangspunkt der Oberen Marktstraße, das Eisfelder Tor (Höhe Volksbank), und der Unteren Marktstraße das Römhilder Tor.
Um die Stadtmauer führt ein breiter und bis zu 5 m tiefer Graben. Der Stadtgraben wird bereits im 18. Jahrhundert großenteils verfüllt, die Tortürme werden im 19. Jahrhundert abgebrochen.
Die Beete an der Stadtmauer im Süden werden erwähnt, der Zwinger wird den Stadtdienern zur Grasnutzung überlassen. Wer bei Tag oder Nacht auf der Mauer angetroffen wird od. Aas an die Mauer wirft, wird mit 5 Groschen bestraft.

Tonlithographie von Rimmer 1882.
Hier etwa, am Ende des linken Hauses, hat das Römhilder Tor gestanden, das in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts eingelegt worden ist.
Sammlung Bastian Salier

1544
Graf Wilhelm IV. v. Henneberg und dessen Sohn Georg Ernst (Mitregent seit 1543) führen in der Grafschaft Henneberg-Schleusingen, zu der auch Gerhardtsgereuth und Neuendambach gehören, die Reformation ein.
Besondere Verdienste erwirbt sich der Reformator Dr. Johann Forster (1496 – 1558) in der Zeit von Okt. 1543 bis 1547/48. Er ist ein enger Freund und Mitarbeiter Luthers. Forster kann sich auf die Landstände berufen, die auf die Freigabe der Reformation drängen. Als Generalsuperintendent (bis 1546) organisiert er turnusmäßig Visitationen.

1545
Der Herzog v. Braunschweig lässt in Häselrieth für 95 Gulden 7 Mann für den Militärdienst ausheben, sie werden eingekleidet und mit einem Handgeld ausgestattet.

 

 

Lernen ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, gefährlich.
(Konfuzius
551 v. Chr. – 479 v. Chr.
chinesischer Philosoph)
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