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Glossar zur Chronik

Glossar zur Chronik und zu
den historischen Texten
 

Vorbemerkung
Seit Mitte der 90er Jahre hat der Autor Hans-Jürgen Salier ein DDR-Glossar mit Hunderten Stichworten zum besseren Verständnis und zum Erschließen seiner Texte erarbeitet, nicht immer im lupenreinen Lexikonstil, teils mit feuilletonistischen Elementen angereichert. Das hier vorliegende Glossar bezieht sich auf einzelne seiner Texte auf der Homepage
www.dunkelgraefinhbn.de.  

Abend

Himmelsrichtung – Westen (untergehende Sonne). 

Ablass

Kirchenmitglieder müssen gute Werke vollbringen od. vorgegebene Texte beten, damit zeitliche Sündenstrafen erlassen werden. Strafen sind von Gott bzw. von der Kirche verhängt, die zu Lebzeiten od. im Fegefeuer gebüßt werden müssen. Im späten Mittelalter wird der Ablasshandel im Wesentlichen von den finanziellen Interessen der Kirche bestimmt. Luthers Protest gegen den Ablasshandel trägt entscheidend zur Auslösung der Reformation bei. 

Abt/Äbtissin

Bezeichnung und Titel einer Mönchsgemeinschaft; Leiter/Leiterin einer Abtei, ist keinem Bischof unterstellt. 

Abtei

(1) Verwaltungs- und vermögensrechtlich selbstständiges Kloster mit meist (mindestens) 12 Regularkanonikern, wird von einem Abt od. einer Äbtissin geleitet.

(2) Haus mit Kapelle und Nebengebäuden des Abtes od. der Äbtissin innerhalb eines Klosters. 

Abschnittsbevollmächtigter
(ABV)
Das System ist 1952 nach sowjetischem Vorbild eingeführt worden. Der ABV ist ein Polizist der Volkspolizei der DDR, der für polizeiliche Aufgaben in einzelnen Straßen, Wohngebieten und Gemeinden zuständig war. Er war Ansprechpartner für die Bevölkerung, versah Streifendienst und war für die Aufnahme und Weiterleitung von Anzeigen zuständig. In seinen Bereich fiel die Kontrolle des Hausbuchs, auswärtiger Besucher und die Kontrolle der staatlich beauflagten Personen. Er gab Einschätzungen über Bewohner, so beispielsweise bei Westreisen, Genehmigungen für das Sperrgebiet u. ä. Es bestand damit aus dem dienstlichen Aufgabenbereich ein enger Kontakt zum MfS. Der ABV ist auch von Freiwilligen Helfern der VP unterstützt worden. Im Volksmund bzw. hinter vorgehaltener Hand werden sie auch mit Blockwart, Dorfsowjet oder anderen herabsetzenden Begriffen benannt.

Abwicklung

Auflösen von Behörden und DDR-Einrichtungen, Privatisierung von staatlichen Betrieben durch die am 01.03.1990 von der Modrow-Regierung gegründeten Treuhandanstalt, Dezentralisierung von Entscheidungsprozessen im Zuge der deutschen Vereinigung nach 1990, verbunden mit Umstrukturierungen und einem ungeheuerlichen Ausmaß an Entlassungen, teils von den Betroffenen von einem Gefühl sozialer Unsicherheit begleitet. 

Adjunktur

Nachgeordnete Dienststelle einer Superintendentur. 

Administrator

Verwalter, Bevollmächtigter. 

Agende

In der ev.-luth. Kirche Buch, das die Gottesdienstordnung regelt.

Agitation und Propaganda
(Agitprop)
Der Begriff fasst die massenpolitische Arbeit der SED, der Partei der Arbeiterklasse, zusammen. A. war bereits die in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts für die Parteiarbeit der KPD gebräuchliche Bezeichnung. Mit dem Kurzbegriff Agitprop wurden in der DDR verstärkt auch die Versuche bezeichnet, mit Hilfe von künstlerischen Ausdrucksformen die marxistisch-leninistische Weltanschauung sowie aktuelle Parteibeschlüsse zu verbreiten (Agitpropkunst). 

ahd.

Abk. für Althochdeutsch. Epoche der deutschen Sprache, um 750 – 1050. 

Aktivist

Die Aktivistenbewegung geht zurück auf den Bergmann Adolf Hennecke, der am 13.10.1948 seine Schichtnorm mit 387 Prozent erfüllte. Die Bewegung sollte durch Planüberfüllungen und sog. Neuerermethoden helfen, die Arbeits- und Lebensbedingungen in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. in der DDR zu verbessern. Im sozialistischen Wettbewerb wurden verdienstvolle Werktätige zum Beispiel mit dem Titel Aktivist der sozialistischen Arbeit geehrt. Allerdings wurde die Aktivistenbewegung nach der Euphorie in den Gründungsjahren der DDR später immer mehr zu einer lästigen Pflichterfüllung in den Betrieben. 

Aktuelle Kamera

Hauptnachrichtensendung des DDR-Fernsehens. Sendezeit: 19.30 – 20.00 Uhr. Die Aufbereitung der Sendungen war eine (satirische) Selbstentlarvung der SED und kann nur mit den Huldigungseiden im tiefsten Feudalismus verglichen werden. Im Mittelpunkt standen die grandiosen Erfolge des Sozialismus weltweit, der Arbeiterklasse, der Genossenschaftsbauern und der verbündeten Schichten: der Kampf der Erntekapitäne bei der verlustlosen Einbringung der Ernte, Kampf um die Planerfüllung oder der (obstrusen) Gegenpläne, die Heldentaten der Werktätigen bei Witterungsunbilden o. ä. und im politischen Kampf um die weitere Durchsetzung des Sozialismus, die glanzvollen und klugen Entscheidungen von Partei und Regierung, Berichte von Besuchen, Ministern usw. im Ausland oder in DDR-Betrieben, Misserfolge des kapitalistischen Systems und die menschenunwürdigen Lebensverhältnisse im sterbenden Kapitalismus, das Verlesen der Titel der Parteioberen, das minutenlange Abschreiten von Ehrenformationen, die Intonation der sog. Nationalhymne Auferstanden aus Ruinen ... Deutschland einig Vaterland – deren Text seit 1971 nicht mehr gesungen werden durfte – die Toasts bei den Staatsessen ... 

Albertiner

Nach Teilungsvertrag zu Leipzig am 26.08.1485 (Große wettinische Landesteilung in zwei getrennt bleibende Linien) werden die wettinischen (sächsischen) Gebiete nach ihren Stiftern Ernst und Albert benannt:
 

1. Ernestiner

                Kurfürstlich (herzogliche) Sachsen-Ernestinische (ältere) Linie, Regent ist Kurfürst Ernst v. Sachsen, Hauptstadt Wittenberg. 

2. Albertiner

                Herzoglich Sachsen-Albertinische (jüngere) Linie, Regent ist Herzog Albrecht v. Sachsen, Hauptstadt Dresden.

Allmende
(mhd. „was allen gemeinsam gehört“)
Gemeindeflur an Weide, Wald, Gewässern, Ödland – gehört der Dorfgemeinschaft. Entwickelt sich aus germanischen Siedlungsformen.
Grundherren schränken oft den Gemeinschaftsbesitz ein. Aufteilung und Überführung in Privateigentum erfolgt bei der Agrarreform (Bauernbefreiung) ab Mitte des 19. Jahrhunderts. 

Allod

Privateigentum an Grund und Boden (volleigen, frei veräußerlich und vererbbar). 

Alu-Chips

Ironische Bezeichnung für einen Teil des Hartgeldes der DDR (Kleingeld), das vorwiegend aus Aluminium bestanden hat. – So hat es auch Gerüchte gegeben, dass es (zum Materialwert) aufgekauft und in italienischen Knopffabriken mit Stoff überzogen worden ist. 

Amtmann

Seit dem Mittelalter Bezeichnung für einen Vorsteher eines landesherrlichen Amtsbezirks, auch für einen landesherrlichen Beamten.

Amtsschlosser

Landesherrlicher Steuereinnehmer (direkte Steuern) eines Amts. 

Andreas

Lostag – 30.11. Heiliger, Apostel, stammt aus Bethlehem, Bruder von Simon Petrus, gehört wie sein Bruder zu den ersten Jüngern Jesu, ist nach Johannes 1, 35 – 44 Jünger Johannes' des Täufers. Der Legende nach wird er am 30.11.60 gekreuzigt. 

Anschlag

Seit 15. Jahrhundert Bezeichnung von Steuern, werden an Hand eines Personenverzeichnisses erhoben (Matrikel) und lösen den Gemeinen Pfennig (Reichssteuer) ab dem 16. Jahrhundert ab. 

Antifaschistischer Schutzwall
(auch: Antiimperialistischer Schutzwall)
DDR-offizielle Bezeichnung der Berliner Mauer und der Grenzanlagen der DDR. In zynischer Weise wurde der Begriff von der SED-Propaganda verwendet, um die wahre Absicht des Mauerbaus zu verschleiern. Die moderne Grenze hatte militärisch kaum eine Funktion. Sie diente dazu, den Flüchtlingsstrom aus der DDR in die Bundesrepublik bzw. nach West-Berlin einzudämmen. 

Antisemitismus

a) Abneigung oder Feindschaft gegenüber den Juden;
b) politische Bewegung mit ausgeprägten judenfeindlichen Tendenzen.

Antragsteller

Bezeichnung für Bürger, die den Ausreiseantrag zum dauerhaften Verlassen der DDR, meist in die Bundesrepublik Deutschland, gestellt hatten. Diese Bürger und teils auch ihre Familien wurden gesellschaftlich ausgegrenzt und (wie in der Zeit des Nationalsozialismus) diskriminiert. Damit war mitunter auch der Verlust des Arbeitsplatzes verbunden, auch die Inhaftierung nach konstruierten Straftatbeständen. Die Staatssicherheit entschied über das weitere und meist Jahre währende Verfahren, so auch nach dem finanziellen Erlös bei einem Freikauf durch Bundesbehörden. Ein gigantischer Menschenhandel gegen Devisen entstand. Das Wohlwollen der Staatssicherheit ging oft auch mit dem Verlust des gesamten persönlichen Eigentums der Betroffenen ohne Entschädigung einher. 

Apanage

Regelmäßige finanzielle Zuwendung, vor allem an männliche Mitglieder regierender Häuser. In Deutschland seit dem 17. Jahrhundert üblich.

Apsis, Apside
(griech. Gewölbe)
Halbrunder, nischenartiger Raumabschluss, auch vieleckige Altarnische. Von der christlichen Kirchenbaukunst aus der römischen Baukunst übernommen. In Kirchen mitunter als Chorform verwendet. 

Arbeiter-und Bauern-Inspektion
(ABI)
Staatliches und gesellschaftliches Organ, das seit 1963 der SED bei der Kontrolle der Verwirklichung ihrer Beschlüsse, Direktiven und des Wirtschaftsplans (z. B. Fünfjahrplan) behilflich war. In den Betrieben, Genossenschaften und Einrichtungen wurden ABI-Kommissionen eingerichtet, in den Städten, Wohngebieten und Gemeinden die Volkskontrollausschüsse. Sie konnten durchaus dazu taugen, Missstände aufzudecken und auf kürzeren Dienstwegen zu beseitigen. Insgesamt war die ABI jedoch ein bürokratisches SED-Instrument und besaß mehr oder weniger eine Alibi-Funktion für die sozialistische Demokratie. 

Arbeiter-und-Bauern-Staat
Die von der SED beherrschte DDR bezeichnete den zweiten deutschen Teilstaat als erster Arbeiter-und-Bauern-Staat auf deutschem Boden. Dabei berief sie sich auf Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin. Lenin schrieb 1918 in Staat und Revolution. Nach Marx ist der Staat ein Organ der Klassenherrschaft, ein Organ der Unterdrückung der einen Klasse durch die andere, ist die Errichtung der „Ordnung“, die diese Unterdrückung sanktioniert und festigt, indem sie den Konflikt der Klassen dämpft. Der bürgerlich-demokratische Staat ist demnach ein Staat der Kapitalistenklasse, der in der Revolution zerschlagen und durch den neuen Staat, den Staat der Arbeiter (das als herrschende Klasse organisierte Proletariat), ersetzt werden. Der Arbeiter-und-Bauern-Staat sei eine Übergangsphase und existiere so lange, wie er für (nach Marx) die Diktatur des Proletariats gebraucht werde. Das Hauptziel bestehe darin, die klassenlose Gesellschaft, den Kommunismus, zu erreichen. 

Arier

(aus dem Sanskrit: „Edler“)
(1) Angehöriger frühgeschichtlicher Völker, die eine sog. arische Sprache sprechen (historisch nachweisbar 2. Jahrtausend v. Chr.), Zeit, in der Indoarier über den Hindukusch nach Nordindien eindringen. In der Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts werden die Begriffe Arier und arisch den Begriffen Indogermanen und indogermanisch gleichgesetzt.
(2) Die Begriffe Arier und arisch dringen in die Ideologie des Nationalsozialismus (Anthropologie und Rassenkunde) ein. Als A. werden in antisemitischer Einengung Angehörige der nordischen Rasse, Deutschblütige und Nichtjuden bezeichnet.

Arisierung

In der nationalsozialistischen Zeit Verdrängung der Juden aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben (Entjudung). Jegliche Berufs- oder Erwerbstätigkeit wird verhindert. Es wird wirtschaftlicher Druck ausgeübt vor allem zum Verkauf des Eigentums, die Juden werden enteignet oder zum Auswandern gezwungen, um sie anschließend auszuplündern bzw. ihr Vermögen in arische Hände zu überführen. Der NS-Staat geht zwischen 1933 – 1941 schrittweise den Weg, die Juden aus dem öffentlichen Leben auszuschalten und erlässt Judengesetze, 1942 Beschluss zur „Endlösung der Judenfrage“.

Artikel 1 der Verfassung der DDR

In der Verfassung vom 07.10.1974 heißt es:
Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.
 

Die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik ist Berlin.
Die Staatsflagge der Deutschen Demokratischen Republik besteht aus den Farben Schwarz-Rot-Gold und trägt auf beiden Seiten in der Mitte das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik.
Das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik besteht aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz, der im unteren Teil von einem schwarz-rot-goldenen Band umschlungen ist. 

Arrondissement

Hier: Französischer Verwaltungsbezirk, dem Département untergeordnet. 

Archidiakon
Erzdiakon. (s. Diakon) 

Arrondierung
Abrundung.

Augustiner

Mönchsorden. 1226 von Papst Alexander IV. aus italienischen Eremitengemeinschaften gebildet. Leben nach der Regel Augustinus (seit 8. Jh. nachweisbar). Augustinermönche sind in der Seelsorge, Ausbildung, Wissenschaft, Mission tätig (bedeutende Augustiner:
M. Luther, G. Mendel). 

Bann

Im Mittelalter: Königsbann – königliche Regierungsgewalt; Heerbann – Einberufung des Heeres; Friedensbann – König nimmt bestimmte Personen od. Sachen in seinen Schutz; Blutbann – peinliche Gerichtsbarkeit; Verordnungsbann – Befugnis zum Erlass von Rechtsnormen; Verwaltungsbann – Exekutivgewalt. Im kath. Kirchenrecht: Kirchenbann – Exkommunikation. 

Bannwein

Der Landesherr besitzt das Verkaufsmonopol für Wein. Die Untertanen dürfen erst ihren Wein verkaufen, wenn der Wein des Landesherrn verkauft ist.  

Barfüßerorden

Bezeichnung für Ordensgemeinschaften, deren Mitglieder barfüßig in Sandalen gehen (z. B. Franziskaner, reformierte Karmeliten). 

Bartholomäus

Einer der 12 Apostel (aus den Apostellisten bekannt). In der kath. Kirche gilt er als Heiliger.
Festtag: 24. August 

Bäth, Bete od. Bede

Seit 12. Jahrhundert eingeführte direkte in Geld zu entrichtende Vermögenssteuer, von den Landesherren festgesetzt. Seit 16. Jh. meist als feste Steuer. Hinzu kommen in Ausnahmesituationen außerordentliche Steuern, z. B. Türkensteuer. Landadel ist meist von Steuerzahlungen befreit, eine Landbete wird nur in Notzeiten erhoben.

Bauerbefreiung
Im 18./19. Jh. Prozess der Herauslösung der Bauern aus sämtlichen Herrschaftsbindungen, wie Leibeigenschaft, Erbuntertänigkeit, Auflösung der Grundherrschaft, Abschaffung des Zehnt.

Bausoldat
Auch „Spatentrupp“ genannt. Die Verweigerung des Militärdienstes wurde in der DDR oft mit langjährigen Haftstrafen geahndet. Möglich war jedoch seit 1964 die Verweigerung des Waffendienstes. In diesem Fall wurden die Wehrpflichtigen als Bausoldaten einberufen, die durch einen silbernen Spaten auf dem Schulterstück gekennzeichnet waren. Die Baukompanien dienten oft als billige Arbeitskräfte und wurden vor allem in Tagebauen, auf Abraumhalden, in Chemiebetrieben und bei der Bergung der Ernte eingesetzt. Die Trupps unterstanden der vollen militärischen Leitung der NVA-Kommandeure und sind schon deshalb keinesfalls mit dem Zivildienst in der Bundesrepublik Deutschland vergleichbar. Bausoldaten wurden oft auch nach ihrer Entlassung gesellschaftlich diskriminiert. 

Beichaise
Beiwagen der Postkutsche.

Beinhaus

Vom Mittelalter bis ins 19. Jh. Bezeichnung für einen Friedhofsbau zur Aufbewahrung der (zumeist ausgegrabenen) Gebeine.

Bekennende Kirche

Entstanden aus dem 1933 von dem evangelischen Theologen Martin Niemöller organisierten „Pfarrernotbund“. Kirchliche Opposition gegen die nationalsozialistisch geprägten Deutschen Christen bzw. gegen die Unterdrückung der Kirche durch den nationalsozialistischen Staat. Die theologischen Grundsätze der B. K. sind auf der Barmer Bekenntnissynode (1934) formuliert worden.

Benediktiner

Ältester Mönchsorden der röm.-kath. Kirche, benannt nach Benedikt v. Nursia, Begründer des abendländischen Mönchstums, der 529 auf dem Montecassino ein Kloster stiftet. B. leben nach den Benediktregeln (Regula Benedicti): Eigentumsverzicht, Keuschheit, Gehorsam, körperliche und geistige Arbeit, Ortsbeständigkeit.

Bereich Kommerzielle Koordinierung
(BKK oder KoKo)
Unter Mitwirkung des Ministeriums für Staatssicherheit wurde 1966 im Ministerium für Außenhandel der Bereich Kommerzielle Koordinierung eingerichtet. Mit verdeckten Geschäften (u. a. Waffen-, Kunst- und Antiquitätenhandel) sollten Devisen in die DDR geholt werden, um die Liquidität zu sichern. Weitere Ziele waren das Unterlaufen von Embargobestimmungen (z. B. für Computer- und Militärtechnik) durch Zwischenhändler im Ausland sowie Beschaffung und Transport geheimdienstlicher Informationen für das MfS. Zum Leiter wurde der Staatssekretär und MfS-Oberst Dr. Alexander Schalck-Golodkowski ernannt, der die KoKo zu einem undurchsichtigen Wirtschaftsimperium ausbaute, das völlig unkontrolliert vom Staat agieren konnte.

Bergfried
Hauptturm der mittelalterlichen Burg, meist frei im Burghof stehend. Kern der Verteidigung und letzter Fluchtpunkt, nicht zum Wohnen eingerichtet.

Berlin – Hauptstadt der DDR
Ost-Berlin, der sowjetische Sektor von 1945 bis 1990 in Berlin, war zwar das Verwaltungszentrum der SBZ bzw. der DDR, hat aber weder zur SBZ noch zur DDR gehört. De jure war Ost-Berlin ein Teil Berlins, das der Hoheit der Vier Mächte (Vereinigte Staaten, Sowjetunion, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland und Frankreich) unterstand. Ost-Berlin ist immer tiefer in die DDR integriert worden. Im September 1961 stellte der Staatsrat der DDR Ost-Berlin mit den Bezirken in der DDR gleich.
Der Begriff Hauptstadt der DDR, der bevorzugte Ausbau bzw. die Verbesserung der Infrastruktur, die bevorzugte Versorgung mit Lebensmitteln, mit Gebrauchs- und Luxusgütern brachte in der unterversorgten Provinz nicht nur Spott, sondern auch viel Ärger. Es entwickelte sich ein regelrechter Berlin-Tourismus. – Mit der auf dem X. Parlament der FDJ 1976 vorgeschlagenen FDJ-Initiative Berlin zum weiteren Ausbau der Hauptstadt als Zentrales Jugendobjekt wurde ein neuer Höhepunkt der Gigantomanie erreicht. Zwischen 1976 und 1981 erwirtschafteten 865 Jugendbrigaden aus der DDR in Berlin angeblich Leistungen im Wert von 6,75 Mrd. Mark. 

Berlin-Verbot

Offizielle de Maßnahme für Haftentlassene oder missliebige DDR-Bürger. Die Auflage, sich in einem bestimmten, meist über Jahre gehenden Zeitraum, nicht in Ost-Berlin aufhalten zu dürfen, ist im Personalausweis unter Sonstiges vom Pass- und Meldewesen der DDR eingetragen worden.
Für Ost-Berlin ist ein freier Zuzug nicht möglich gewesen. Zuzugswillige wurden einer besonderen Prüfung durch das MfS unterzogen.

Bettelorden

Franziskaner, Dominikaner – später Karmeliter und Augustiner, entstanden aus der mittelalterlichen Armutsbewegung, neue Ordenstypen. Besitzlosigkeit des Klosters. Lebensunterhalt wird durch eigene Arbeit od. Almosen bestritten. B. wirken vor allem in Städten. 

Bevölkerungsbedarf
Im System der DDR-Wirtschaft hatte jedes Kombinat (einem Konzern vergleichbar) den Auftrag, Konsumgüter für den Bevölkerungsbedarf zu produzieren. Die Vorgaben belaufen sich auf mindestens 5 Prozent der Gesamtproduktion und stellen für die betreffenden Betriebe oft erhebliche Belastungen dar. 

Bewaffnete Organe
Gesamtheit aller waffentragenden Einrichtungen und Institutionen der DDR, die rechtlich verbindlich handelten und Waffen gemäß ihrer Dienstvorschriften anwenden durften. Dazu gehörten: die NVA, die Grenztruppen, die Volkspolizei, das MfS, die Zollorgane, die Kampfgruppen, die Zivilverteidigung. Alle b. O. unterstanden dem Nationalen Verteidigungsrat, dessen Vorsitzender stets der SED-Generalsekretär war. 

Bezirk

Die bereits in der SBZ eingeleitete gesellschaftliche Umgestaltung nach sowjetischem Vorbild wurde zunehmend perfektioniert. Die vorwiegend exekutive Funktionen besitzenden Länder wurden 1952 zur weiteren Vervollkommnung der Unterdrückungsmechanismen aufgelöst und in 15 Verwaltungseinheiten aufgeteilt (14 Bezirke und Ost-Berlin, nach 1961 Hauptstadt der DDR genannt). Jeder Bezirk unterteilte sich in Kreise (insgesamt 217). Die Abschaffung der Länderstrukturen entsprach dem sozialistisch-zentralistischen Umbau der Gesellschaft.
Am 25.07.1952 fand die letzte Sitzung des Thüringer Landtags statt. Mit dem Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe im Land Thüringen wurden drei Bezirke gebildet (Erfurt, Gera, Suhl [kleinster DDR-Bezirk mit 3.876 km², 549.400 Ew.]). Die Kreisgrenzen wurden korrigiert. Historisch gewachsene Gebietsgrenzen wurden z. B. in der Folgezeit willkürlich zu Gunsten der Schaffung des Kreises Suhl verändert, um der Bezirksstadt Suhl ein entsprechendes Umfeld zu geben.
1990 wird im ehemaligen Gebiet der DDR die Länderstruktur wieder eingeführt. 

Bistum
    (s. Diözese)

Blockpartei

Politische Partei, die in real-sozialistischen Staaten neben der herrschenden kommunistischen SED steht und die mit weiteren Parteien im Parteienblock zusammengeschlossen ist, steht nicht in Konkurrenz zur staatstragenden Partei.
Im antifaschistisch-demokratischen Block (später: Demokratischer Block der Parteien und Massenorganisationen, der Teil der Nationalen Front gewesen ist) schließen sich am 14.07.1945 die Parteien KPD, SPD, CDU, LDP zusammen (17.08.1945 Bildung eines Landesparteienblocks in Thüringen), später kamen die weiteren von der SED initiierten Parteineugründungen hinzu: DBD, NDPD. Damit hatte die KPD – und nach der Vereinigung von KPD und SPD zur SED – die SED eine nahezu perfekte Kontrolle über die anderen in der SBZ und späteren DDR zugelassenen Parteien. Sie konnte damit mehr Bürger ins politische System integrieren und eine pluralistische Parteienstruktur vorgaukeln. Im Sprachgebrauch ist es üblich, dass alle Parteien – außer der SED – als Blockparteien bezeichnet werden.

Bruderländer
Länder des sozialistischen Weltsystems (im engeren Sinne die Staaten des RGW) unter der Hegemonie der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR oder Sowjetunion). Die Menschen in diesen Ländern empfanden meist diese Länder nicht als Bruderländer, sondern der Begriff reduzierte sich auf das Bündnis der regierenden (kommunistischen oder sozialistischen) Parteien.
Die Parteien und Staaten waren ähnlich strukturiert wie in der UdSSR. Da es sich meist um von der Sowjetunion besetzte Länder im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges handelte, verfolgte man nahezu identische Ziele. Ein Abweichen von der Generallinie wurde mit Isolation oder einer gnadenlosen Panzerpolitik geahndet. (DDR 1953, Ungarn 1956, ČSR 1968). Die Kader kamen meist aus der Sowjetunion, sie hatten die „Stalinschen Säuberungsaktionen“ überstanden und wurden von sowjetischen Beratern geführt.
In gleichem Sinne sprach man von Bruderparteien und vom Bruderbund. Von der DDR-Bevölkerung wurde die Sowjetunion meist als Großer Bruder bezeichnet, auch spöttisch, weil man die Namensnennung Sowjetunion umgehen wollte. 

Bund
Altes Zählmaß. Meist 20 Stück. 

Bürgerkomitee

Zeitweilige Zusammenschlüsse von Bürgern während der Friedlichen Revolution 1989/Jahresbeginn 1990, zur Verfolgung von Reformzielen. B. bildeten sich etwa zur Untersuchung von Vorfällen, zur Aufdeckung politischer Skandale, zur Bewachung von Objekten (z. B. der Staatssicherheit, um Aktenvernichtungen zu verhindern). B. bestanden häufig aus Personen, die sich vorher kaum oder gar nicht kannten und sich lediglich zu diesem Zweck zusammen fanden. Die B. respektierten die SED und ihre helfenden Organe zum Teil sehr stark. So verhinderten die kommunistische Unterwanderung und fehlende klare revolutionäre Ziele der B. eine deutliche Abrechnung mit dem SED-Regime und ihren Funktionären.

Bürgschaft

Hier: Bürgschaft für die Aufnahme in die SED. Die Aufnahme in die SED erfolgte mit dem 18. Lebensjahr. Hierzu war ein schriftlicher Antrag notwendig. Jedes künftige Mitglied musste ein Kandidatenjahr absolvieren. Der Kandidat der SED wurde von zwei Bürgen unterstützt, die schon langjährige Mitglieder der Partei der Arbeiterklasse waren und den Kandidaten gut kannten. Im folgenden Jahr hatte der Kandidat die Pflicht und das Recht, an den Parteiversammlungen ohne Stimmrecht teilzunehmen. Nach etwa einem Jahr stimmte die Parteigruppe darüber ab, ob der Kandidat als Mitglied aufgenommen, seine Kandidatenzeit verlängert oder abgelehnt wird. Die Aufnahme war auch davon abhängig, ob das vorgegebene Mitgliedsverhältnis der Partei stimmt: Arbeiter, Angestellte, Genossenschaftsbauern, Mitglieder der sozialistischen Intelligenz, Handwerker, Freiberufler. Arbeiter und Genossenschaftsbauern konnten ohne größere Probleme in die SED eintreten. Bei gewissen Berufsgruppen, wie Angehörigen der Intelligenz oder Freiberuflern gab es wegen des Prozentverhältnisses zu Problemen oder skurrile Verbiegungen zur sozialen Herkunft. – Die Schutzbehauptung mancher ehemaliger SED-Mitglieder, dass sie gezwungen worden seien, in die SED einzutreten, stimmt so nicht. Es gab keinen Bürger der DDR, der in die SED eintreten musste. Richtig ist, dass er als Parteiloser persönliche Nachteile bzw. keine nennenswerten Karrieremöglichkeiten hatte.

Cartouche
   (s. Kartusche) 

Casimiriana

Detaillierte Kirchenordnung, von Herzog Johann Casimir (gleichzeitig Bischof der Landeskirche) 1626 erlassen. Sie hat im Herzogtum Coburg im Wesentlichen bis ins 20. Jh. Gültigkeit. 

Chorherren

Ordensleute, die nicht nach einer Mönchsregel leben, sondern nach Richtlinien (Canones) der Kleriker. Entstehen nach der sog. Gregorianischen Reform (kirchliche Reformbewegung des 11. und 12. Jh., benannt nach Papst Gregor VII., zunächst gegen Simonie [Kauf od. Verkauf von geistlichen Ämtern] und Priesterehe gerichtet, greift z .B. Kaiserrechte bei der Papstwahl an, tritt für den päpstlichen Führungsanspruch ein, stärkere Abgrenzung von geistlicher und weltlicher Macht, päpstliches Primat über kirchliche Hierarchie).

civis

Im antiken Rom Bezeichnung für Vollbürger od. Halbbürger ohne Stimmrecht. Im Mittelalter Bezeichnung für Städtebürger. 

civitas
Zur römischen Zeit Stammesgemeinde mit Selbstverwaltung innerhalb der Provinz. Im Mittelalter Bezeichnung für (ummauerte) Städte. 

Dechant 
   (s. Dekan)

Dekan

Hier: Amtsbezeichnung für Geistliche in der röm.-kath. Kirche und in einigen ev.-luth. Landeskirchen, meist dem Kreispfarrer entsprechend (auch Superintendent).

Dekanat

Untergliederung eines Bistums; Amt des Dekans.

Dekret

Verfügung, Erlass, Entscheidung, Anordnung; behördliche od. richterliche Verfügung. 

Demarkationslinie
  (demarkieren = abgrenzen)
Durch Demarkationsvertrag festgelegte Grenzlinie zwischen Staaten oder Bürgerkriegsparteien. Ist als vorläufige Abgrenzungslinie zu sehen, um Hoheitsbefugnisse od. Einflusssphären zu schützen. D. gilt im völkerrechtlichen Sinne nicht als Staatsgrenze.

Deutsche Arbeitsfront (DAF)

Nationalsozialistische Organisation, die nach Zwangsauflösung der Gewerkschaften an deren Stelle getreten ist. Die DAF hat der NSDAP unterstanden. Die Mitgliedschaft ist formell freiwillig gewesen, auf Nichtmitglieder ist oft starker Druck ausgeübt worden. 1936 ca. 20 Millionen Mitglieder. Die DAF ist u. a. Trägerin der nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF).


Deutsche Christen

Kirchenpolitische Strömung, geprägt von verschwommenen Vorstellungen über Beziehungen zwischen Christentum, völkischer Ideen und rassistisch bestimmter Ablehnung des Alten Testaments. Die Kirchenbewegung Deutsche Christen (auch Thüringer D. C.), bereits 1927 gegründet, sieht im Nationalsozialismus ein Ergebnis des Heilshandelns Gottes. Die Glaubensbewegung Deutsche Christen, 1932 von dem Berliner Pfarrer Hossenfelder gegründet, will mit der Schaffung einer Reichskirche die Zersplitterung der Kirche mit dem Führerprinzip überwinden. Die Aufnahme von Nichtariern ist ausgeschlossen. Nachdem die NSDAP die Deutschen Christen nicht mehr für länger nützlich hält, zerfällt die Bewegung. Die einstigen Mitglieder halten in der NS-Zeit dieser Ideologie im Wesentlichen die Treue.


Deutsche Grenzpolizei

Am 01.12.1946 gebildet. Sie unterstand dem MdI und zeitweilig dem MfS. 1961 Umbenennung in Kommando Grenze und Angliederung an das Ministerium für Nationale Verteidigung als Teilstreitkraft der NVA, damit wurden die Grenztruppen der DDR geschaffen, 1973/74 wurden die polizeiähnlichen Strukturen endgültig aufgelöst. Hierbei handelte es sich um eine eigenständige Armee, die ausschließlich der DDR-Regierung unterstand und nicht Bestandteil der Truppen des Warschauer Vertrages war. Sie diente zur Sicherung der Außengrenzen – vor allem gegenüber der Bundesrepublik Deutschland. Sie hatte die Aufgabe, die Republikflucht von DDR-Bürgern zu verhindern. Die Grenztruppen verfügten vorwiegend über leichte Bewaffnung. 

Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF)
Die 1947 als Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion gegründete und 1949 in Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft umbenannte Massenorganisation war eine der größten mandatstragenden Massenorganisationen der SED (ca. 6 Mio. Mitglieder). Die Mitgliedschaft war in den Institutionen und Betrieben meist Pflicht, selbst in den Schulen traten die Klassen oft diskussionslos in die DSF ein, um die eigene Entwicklung nicht zu gefährden. Es wurde die unverbrüchliche Freundschaft der DDR zur Sowjetunion zelebriert. Die Parole lautete: Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen! (Hinter vorgehaltener Hand ersetzte man „siegen“ durch „siechen“). 

Deutscher Bund

Auf dem Wiener Kongress am 8. Juni 1815 gegründet. Zusammenschluss der souveränen deutschen Fürsten und Freien Städte zu einem unauflöslichem Bund von zunächst 41 – 1863 = 35 – Mitgliedern zur Erhaltung der inneren und äußeren Sicherheit. Als Folge des Deutsch-Deutschen Krieges (17.06. – 26.07.) löst sich der Deutsche Bund am 23.08.1866 in Augsburg auf. 

Devotionalien

Gebrauchsgegenstände der persönlichen Frömmigkeit (Heiligenbilder, Rosenkranz o. ä.). 

Diakon

Im Mittelalter Weihegrad, ein Weihegrad unter dem Priester. In der ev. Kirche Stellung als Gehilfe in der Inneren Mission (karitativ und seelsorgerisch) und in der Verwaltung tätig. 
 
Dialog   (griech.)

Von zwei oder mehreren Personen geführte Rede und Gegenrede, auch Zwiegespräch (Gegensatz: Monolog).
Hier: Einer der meistgebrauchten und missbrauchten Begriffe der Friedlichen Revolution. Die SED mit ihrem in der DDR-Verfassung verankerten Führungsanspruch nahm für sich in Anspruch, die Widersprüche der Gesellschaft zu kennen und auch die richtigen Lösungsmöglichkeiten parat zu haben. Wie dilettantisch sich das sozialistisch-kommunistische System mit all seinen Spielarten in der Geschichte präsentierte, zeigten die zurückliegenden Jahrzehnte, mündeten doch weltweit alle Sozialismusmodelle in zumeist gnadenlosen Diktaturen.
Nahezu jede „Aussprache“ wurde in der zusammenbrechenden DDR als D. bezeichnet, bis hin zur Rechtfertigung der SED-Funktionäre für ihr eigenes Tun. Bei den ersten Auseinandersetzungen der Protestierenden ließen sich manche Funktionäre (unter ihnen waren sicherlich auch ehrliche sozialismusgläubige Genossen) herab und versuchten im geübten Agitprop-Stil, die Menschen zu beeinflussen. Teils war es ein geschickter Schachzug von SED, SED-PDS und PDS, neue Leute ins Spiel zu bringen und die Volksseele mit Dialogen, Runden Tischen usw. im wahrsten Sinne des Wortes einzulullen. Damit konnte die SED einen geordneten Rückzug antreten und sich unter dem Deckmäntelchen der Demokratie alte und neue Pfründe sichern. Gipfel der Verlogenheit stellte sicherlich die Regierungszeit des ehemaligen Dresdner SED-Bezirkssekretärs Hans Modrow als Ministerpräsident der DDR dar. 

Diaspora/ -gemeinde

Gebiet od. Gemeinde, in der die Angehörigen einer Konfession in der Minderheit sind. 

Diözese

In der röm.-kath. Kirche Amtsbezirk eines Bischofs. Zeitweise auch Bezeichnung in der ev.-luth. Kirche (z.B. ehem. Landdiözese Hildburghausen). 

Dohle

Hier: Verdeckte Rinne, Wasser od. Jauche abzuleiten, Kanal zur Ableitung der Kloake. 

Domäne (von lat. dominium = Herrschaftsgebiet)
Staatsgut, Staatsbesitz. 

Dominikaner

Zweiter mittelalterlicher Bettelorden, 1216 von dem Spanier Dominikus gegründet und von Papst Honorius bestätigt. Orden betätigt sich wissenschaftlich, viele Ordensmitglieder stellen die päpstlichen Hoftheologen. Berühmte D. sind Albertus Magnus, Thomas v. Aquin. 1232 wird der Orden von Papst Gregor IX. mit der Wahrnehmung der Inquisition beauftragt. D. werden als Domini canes (Spürhunde des Herrn) bezeichnet. Sie tragen weißen Habit, Kapuze und schwarzen Mantel. 

Dorfmeister

Amtsträger der bäuerlichen Gemeinde (Gemeinmeister, Bürgermeister, Bauermeister, Mahlmeister), werden von den Dorfgenossen gewählt und führen ein Jahr das Amt. Sie haben meist die Aufgabe der Rechnungsführung.
  
Dreifaltigkeitssonntag   (s. Trinitatis)

Drittes Reich

hier: Nach von A. Moeller in seinem 1923 erschienen Werk „Das dritte Reich“ zu einem politischen Schlagwort geworden. Er prophezeite nach dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (bis 1806, Erstes Reich), dem Bismarck-Reich (1871 – 1918/19, Zweites Reich) ein Deutsches Reich aus dem „Geist der Rassenseele“. Hitler hat den propagandistisch wirksamen Namen nur zeitweilig übernommen, trotzdem ist es zur allgemeinen Bezeichnung der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland geworden.

Duodezfürstentum

Spöttische Bezeichnung für einen deutschen Kleinstaat und deren Fürsten. 

Durchmusterung

Sternkatalog. Umfassende Bestandsaufnahme der Sterne mit Angaben zu Ort, Helligkeit, Spektraltyp.

Edikt

Amtlicher Erlass, Gesetz, Vorschrift. 

Eingabe

Eine der wenigen Möglichkeiten der Bevölkerung, Behördenentscheidungen anzufechten. Es gab keine Klagemöglichkeit vor einem Zivilgericht. E. wurden an die übergeordnete Stelle gerichtet und verloren sich regelmäßig in den Mühlen der sozialistischen Bürokratie. Beliebt waren daher die E., die direkt an den Staatsrat der DDR oder noch besser an dessen Vorsitzenden, Erich Honecker, geschickt wurden. So konnte es passieren, dass auf Anordnung von „ganz oben“ Entscheidungen revidiert wurden. Der beschwerdeführende Bürger hatte sich damit allerdings einen nicht zu unterschätzenden Feind geschaffen: den verantwortlichen Sachbearbeiter auf unterer Ebene. 

Einung
In der mittelalterlichen Rechtssprache:
1. eine beschworene Übereinkunft von durch Standesgenossen begründete Gemeinschaft (z. B.     Zunft, Gilde);
2. beschworene Verträge und Bündnisse (z. B. Landfrieden, städtische Rechtssatzungen).

Eiserner Vorhang

Hier: Von dem britischen Premier Winston Churchill 1946 geprägtes politisches Schlagwort zur Kennzeichnung der Maßnahmen und Methoden, mit denen die Sowjetunion und das unter ihrer Hegemonie entstehende sozialistische Lager versuchte, sich in der Zeit des Kalten Krieges gegenüber der westlichen Welt, insbesondere den NATO-Mitgliedsstaaten, abzuriegeln. – Die Formulierung geht auf den russisch-sowjetischen Autor Wassilij Rosanow (1918) und den Nationalsozialisten Joseph Goebbels (1945) zurück.

Epitaph

Zumeist an den inneren und äußeren Kirchenwänden angebrachtes Gedächtnismal für einen Verstorbenen, seit 14. Jh. – vor allem in der Zeit der Renaissance und im Barock – reich ausgebildet, oft mit Porträts versehen. 

Erbzins

Ewiger Zins, der für Güter an den Landesherrn zu zahlen ist, bei Lehnsübertragung (Tod, Verkauf, Tausch) meist 10 Prozent des Wertes.

Ernestiner   (s. Albertiner) 

Erweiterte Oberschule
(EOS)
Weiterführende Schule zum Erwerb des Abiturs nach dem Besuch einer zehnklassigen polytechnischen Oberschule (POS). Da die Plätze begrenzt waren, gab es verschiedene Hürden zu überwinden: Einen Notendurchschnitt von ca. 1,5 und einen Bewerberschlüssel, bei dem bei gleichem Notendurchschnitt Arbeiter- oder (Partei)arbeiterkinder und Offiziersanwärter bevorzugt berücksichtigt wurden. 

Exorzismus

Beschwörung, Austreibung von Dämonen, Geistern und Krankheitsdämonen.

Exquisit- und Delikatläden

Läden mit hochwertigeren Waren der Bekleidungs- und Nahrungsgüterindustrie. Die Waren stammten zumeist aus der DDR-Produktion und aus der Gestattungs-, also Lizenzproduktion, oder es waren Billigimporte aus dem sog. Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW). Die Waren wurden zu Wucherpreisen angeboten, in den Auslagen wurden die Preise nicht notiert. Ein Teil der Bevölkerung ignorierte diese Läden, die einerseits der Kaufkraftabschöpfung dienten und andererseits das ungenügende Warenangebot der desolaten DDR-Wirtschaft überspielen sollten. Zudem konnte die Preisbindung umgangen werden, indem höherwertige DDR-Produkte als Luxusgüter eingestuft wurden.
Delikatläden wurden anfangs auch als UWuBu (Ulbrichts Wucherbuden) bezeichnet.
 

Fahnenappell

Auszeichnungs- oder Eröffnungsfeier an Schulen, Berufsschulen, in Pionierlagern, paramilitärischen Einrichtungen und bei den bewaffneten Organen. Hier wurden Aufgaben und Ziele (z. B. des neuen Schuljahres) vorgestellt oder Ergebnisse ausgewertet und Auszeichnungen verliehen. Schüler mussten Pionier- oder FDJ-Kleidung tragen. Nach militärischem Vorbild wurde eine Fahne gehisst und teils auf die Fahne geschworen oder ein Gelöbnis gesprochen. 

Faschismus

Bezeichnung für extrem nationalistische, nach dem Führerprinzip organisierte antiliberale und antimarxistische Bewegungen und Herrschaftssysteme, sie sind in fast allen Staaten Europas nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. Der F. will das ganze Volk zu einer Gemeinschaft unter einer persönlichen Führerschaft bündeln (fascio [italienisch] = Bündel). Die erste faschistische Bewegung ist 1919 in Italien unter Benito Mussolini (Fasci Italiani di Combattimento) entstanden. Ausgelöst werden diese Bewegungen durch die sozialen und politischen Veränderungen, vor allem aus Furcht vor einer sozialen Revolution ähnlich der russischen Oktoberrevolution. In Deutschland: Nationalsozialismus unter Adolf Hitler.

Fastnachtshühner

Hühner, die zu Fastnacht abzuliefern (zu zinsen) waren. 

Fehde

Streit, kriegerische Auseinandersetzung zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen. Ritterfehden ufern im Spätmittelalter aus. Seit 11. Jh. Versuch der Eindämmung. Im sog. Ewigen Landfrieden von 1495 wird die F. absolut verboten und kriminalisiert. 

feindwärts – freundwärts

Offizielle Richtungsbezeichnung der Sperreinrichtungen an der DDR-Grenze.
- feindwärts = in Richtung Bundesrepublik Deutschland;
- freundwärts = in Richtung DDR-Inland. 

Fibel
(lat. fibula)
Hier: Vor- od. frühgeschichtliche, auch im Frühmittelalter verwendete metallene Nadel zum Zusammenstecken der Kleidung (meist bestehend aus Nadel, Bügel, Federn), dient zugleich auch als Schmuckstück.  

Filial

Tochtergemeinde.

Firma

Im Volksmund Bezeichnung für das Ministerium für Staatssicherheit oder für deren Offizielle und Inoffizielle Mitarbeiter. 

Fourage
(auch Furage)
Militärische Bezeichnung für Lebensmittel, Mundvorrat, Futter. 
 

Franziskaner
Mitglieder des Ordens der Minderen Brüder (von Papst Honorius III. 1223 bestätigt), die nach den Glaubensregeln des Franz v. Assissi leben. F. gehören zu den sog. Bettelorden und sind vor allem in der Seelsorge, in der Bildung, Wissenschaft und Mission tätig.
 

Freie Deutsche Jugend
(FDJ)
1946 gegründete mandatstragende sozialistische Massenorganisation für Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr, einziger in der SBZ und in der DDR zugelassener Jugendverband. Die FDJ wurde als Nachwuchsorganisation der SED (als Kampfreserve der Partei) bezeichnet. Sie hatte in der DDR ca. zwei Mio. Mitglieder. Ihre zentrale Aufgabe war, die Jugend politisch zu organisieren und sie ideologisch und fachlich zu erziehen. Sie betreute den DDR-Kinderverband, die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ (Junge Pioniere). 

Freies Wort
(FW)

Führende Tageszeitung in Südthüringen, erscheint heute in Südthüringen, ausgenommen im Altkreis Meiningen. Bis 04.12.1989 Organ der Bezirksleitung der SED, ab 05.12. bis 17.12. Tageszeitung der SED für den Bezirk Suhl, ab 18.12.1989 bis 15.01.1990 Sozialistische Tageszeitung für Südthüringen und ab 16.01.1990 Unabhängige Tageszeitung für Südthüringen. In der Bezirks- und in den Kreisredaktionen wurden kaum Redakteure ausgewechselt.
Die Zeitung entstand 1952 mit der Bezirksbildung unter dem Namen Das Freie Wort, am 09.03.1956 Umbenennung in Freies Wort. Das Blatt wird Anfang 1990 in sog. Volkseigentum überführt, vorher SED-Eigentum, und im April 1991 an die Neue PRESSE, Coburg verkauft. Seitdem gehört die Zeitung zur Verlagsgruppe des Süddeutschen Verlages München (70 Prozent) und der SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (30 Prozent). 

Freimaurer

Mitglieder einer internationalen Bruderschaft, die sich einer humanitären Geisteshaltung und der Toleranz verschrieben haben. Die spekulative (vergeistigte) Freimaurerei entsteht Anfang des 18. Jh. Symbolik und Riten gehen zurück auf die mittelalterlichen Dombauhütten. Im Mittelpunkt der modernen Freimaurerei steht die Arbeit am „Rauen Stein“ der eigenen Persönlichkeit. F. treffen sich in sog. Logen zur Tempelarbeit. Sie wird oft verfolgt und von Gegnern in die Nähe von Geheimorganisationen und Weltverschwörern gerückt. Bekannte Hildburghäuser Freimaurer sind: Herzog Friedrich, F. Rückert, C. L. Nonne, H. W. Rathke.

Freundschaft!

Gruß der FDJler (Jugendverband der SED, die Kampfreserve der Partei) bei der Eröffnung gesellschaftlicher Veranstaltungen ( z.B. Fahnenappell) und Schulstunden. Die Jungen Pioniere (Kinderorganisation der FDJ) grüßten bei gleichen Anlässen mit der Dialogformel: Für Frieden und Sozialismus: Seid bereit: Immer bereit!

Friedensgebet

Friedensgebete entwickelten sich im Spätsommer/Herbst 1989 in der DDR eigendynamisch zu Bürgerversammlungen in kirchlichen Räumen. Nach Begrüßung, Fürbittgebet, Lesung und Liedern (dem klassischen Friedensgebet) übernahmen meist Mitglieder eines Vorbereitungskreises die neuesten Informationen zur aktuellen politischen Entwicklung im Land, Nachrichten über Demonstrationen in anderen Städten, die aktuellen (wahren) Auswanderungszahlen etc. Auch schriftliche Veröffentlichungen des Neuen Forums und anderer Oppositionsgruppen wurden verlesen oder vervielfältigt verteilt. Anschließend (und oft war das der Hauptteil des F.) wurde am „offenen Mikrofon“ diskutiert. 
 

Fron

Bis zur Zeit der Bauernbefreiung (um 1850) Dienstleistungen abhängiger Personen an den Besitzer der Liegenschaft od. für den Landesherrn (z. B. Hand- und Spanndienste, Botendienste, Jagdfronen u.a.). Bis ins 14. Jh. wird die Fron oft durch Abgaben ersetzt.

Fundus

Hier: Gesamtheit der Ausstattungsmittel (Requisiten, Kostüme) eines Theaters. 

furagieren

Lebensmittel o. ä. in Empfang nehmen. 

Gaden

Einräumiges Haus od. mit nur einem Stockwerk, z. T. unterkellerte Vorratsräume, in der Region oft innerhalb der Kirchenburgen, Befestigungsanlagen o. ä.

Ganerbe
(ahd. Miterben)
Im Mittelalter Recht mehrerer naher Verwandter (meist Kinder), die ein Gesamtrecht an der Erbschaft haben und dieses ungeteilt nutzen, ohne einen persönlichen Anteil beanspruchen zu können. Das Ganerbrecht stammt aus dem germanischen Hauserbrecht. Mit dem Ganerbrecht soll auch die Teilung eines Reichs in Teilreiche verhindert werden, die Aufteilung in sog. Herrschaften ist möglich. 

Gau

(1) Siedlungsräume der Stämme bzw. deren Untergliederungen. Oft auch Herrschaftsbereiche der Unterkönige.
(2) In der NS-Zeit territoriale Organisationseinheiten der NSDAP (ab 1939), sog. Gauleiter unterstehen direkt Hitler bzw. dessen Stellvertretern (Reichskommissare, Reichsstatthalter, Oberpräsidenten, Landesminister). 

Genosse
Anrede zwischen Parteimitgliedern der SED in Verbindung mit der kollegialen Duz-Form. Auch Angehörige der bewaffneten Organe (z. B. alle Soldaten der NVA) redeten sich mit Genosse an, ungeachtet der Parteizugehörigkeit. Allerdings blieb es hier beim distanzierenden Sie wegen des Unterstellungverhältnisses von Genosse Soldat und Genosse Offizier.

Gerechtsame

In der älteren Rechtssprache Wort für Berechtigung, Privileg, rechtliche Eigenschaft.

Gesellschaft für Sport und Technik
(GST)
Paramilitärische (Jugend)Organisation in der DDR. Die am 4. August 1952 gegründete Gesellschaft trägt maßgeblich zur Militarisierung der DDR-Gesellschaft bei. Zielgruppe sind technisch und sportlich interessierte Jugendliche vor allem zur Vorbereitung auf den Wehrdienst. Zur Finanzierung werden Mittel (etwa 1 %) aus dem Verteidigungshaushalt entnommen. 1979 hat die GST etwa 530.000 Mitglieder, die in knapp 10.000 lokalen Sektionen tätig sind. Der Großteil der Mitglieder ist jedoch nicht an einem längeren Wehrdienst interessiert, sondern will Sportarten betreiben, die für sie ansonsten nicht oder unter Schwierigkeiten oder unter weitaus höheren finanziellen Belastungen durchführbar sind: Schießsport, Motorsport, Tauchsport, Segel- und Motorfliegen. Mit geringen finanziellen Mitteln ist der Erwerb entsprechender Berechtigungen möglich: Fahrerlaubnis (Führerschein) für Lkw, Pkw, Motorrad, Moped. – Die Grund- und Laufbahnausbildung (2 Jahre) dient zur Vorbereitung auf den Wehrdienst in Speziallaufbahnen oder als Offizier. Die GST führt mit der NVA, den Kampfgruppen der Arbeiterklasse u. a. militärischen Organen die gesetzlich vorgeschriebene militärische Ausbildung an den Schulen, Bildungseinrichtungen und in den Ausbildungsbetrieben durch, damit hat jeder Jugendliche während seiner Schul- und Ausbildungszeit Kontakt zur GST.

Die GST trat auch als Dachverband für technische Sportarten im internationalen Bereich auf:
- Deutscher Schützenverband der DDR
- Flug- und Fallschirmsportverband der DDR
- Militärischer Mehrkampfverband der DDR
- Radiosportverband der DDR
- Seesportverband der DDR
- Tauchsportverband der DDR 

Gestapo

Abkürzung für Geheime Staatspolizei, Geheimpolizei im nationalsozialistischen Deutschland. Seit dem Zweiten Weltkrieg auch Bezeichnung für die polizeiliche Terrorherrschaft in totalitären Staaten (Gestapomethoden).

Gotteskasten

Kasse zur Erhaltung der Kirche und deren Verwaltung sowie für die Armenpflege, wird zumeist von einem Laien geführt, der sich Kasten- oder Heiligenmeister nennt. G. verleiht auch Geld gegen Zinsen und verwaltet die kirchlichen Immobilien. 

Grenztruppen der DDR

( Deutsche Grenzpolizei) 

Gros

Altes Zählmaß, entspricht 12 Dutzend (= 144 Stück). 

Gült
(zu gelten)
Zins, Rente, historisch Grundrente in Naturalabgaben, später auch Grund- und Ertragssteuer.

Guter Ort

Im deutschen Sprachraum vielfach Bezeichnung für einen jüdischen Friedhof.

Habit 
(lat. habitus)
Aussehen, Kleidung, auch Amtskleidung, Ordenstracht, auch Bezeichnung für wunderliche merkwürdige Kleidung. 

Handelsorganisation
(HO)
Staatliche Handelsorganisation der SBZ/DDR (1948 gegründet) für den volkseigenen Einzelhandel und das Gaststätten- und Hotelgewerbe. Die HO diente anfangs dazu, mit dem Verkauf von Lebensmitteln (ohne Lebensmittelmarken) und Mangelwaren („An Mangel hatte es nie gemangelt.“) zu erhöhten Preisen, den Schwarzmarkt zu bekämpfen und überflüssige Kaufkraft abzuschöpfen. Bereits 1950 erwirtschaften die 2.300 Läden 26 % des Einzelhandelsumsatzes, bis 1960 sind es 35.000 mit einem Umsatz von 37 %.
Neben der KONSUM-Genossenschaft ist die HO wichtigster Träger des Einzelhandels, sie unterstand dem Ministerium für Handel und Versorgung. 

Heckenmünze

(1) (nach altem Reichsrecht) Münzstätte, in der ungesetzliches und minderwertiges Geld geschlagen wird;
(2) für die in einer Heckenmünze geschlagene Münze. 

Helfer der Volkspolizei

Freiwillige, die die Volkspolizei in ihrer Arbeit unterstützten. Sie hatten eine bestimmte monatliche Stundenanzahl für polizeiliche Zwecke zur Verfügung zu stehen (Ordner bei Großveranstaltungen, Verkehrsregelung etc.). H. d. V. mussten mindestens 18 Jahre alt sein und unterstanden direkt dem zuständigen Abschnittsbevollmächtigten (ABV), der in einem bestimmten Ort oder Wohngebiet für Ordnung und Sicherheit sorgte und die polizeilichen Aufgaben wahrnahm. Da die ABV auch direkt das MfS über bestimmte Vorkommnisse informierten, gerieten die Polizeihelfer schnell in den Ruf von Polizeispitzeln. 

Heraldik

Lehre von der Wappenkunde. 

Herdsteuer
(auch Rauchpfennig)
Vorläufer (bis 19. Jh.) der heutigen Gebäudesteuer, die von einer Abgabe für die Feuerstätte je Haushalt ausgeht.

Hetze
Staatsfeindliche Hetze ist ein Allzweckterminus des DDR-Regimes für oppositionelle Äußerungen. Der § 106 des DDR-Strafgesetzbuches bezeichnet sie als eine staatsfeindliche Handlung. In den Dienstanordnungen des MfS (Sofortmaßnahmen zur Bekämpfung staatsfeindlicher Hetze) findet sich die Anleitung, wie Andersdenkende, die etwa Flugblätter („Hetzflugblätter“, „Hetzlosungen“) verteilten, mundtot zu machen sind. Diese Sofortmaßnahmen sollten nach Möglichkeit in „engem kameradschaftlichem Zusammenwirken“ mit der Volkspolizei passieren. 

Hintersasse

Freie oder Halbfreie, die in Abhängigkeit zu einem Grundherrn stehen (meist Häusler, Tagelöhner), auch Schutzverwandte in Städten, die auf dem Grund von Vollbürgern Häuser besitzen. H. haben meist nur geringere Rechte.

Hitlerjugend (HJ)

Jugendorganisation der NSDAP, 1926 als Bund deutscher Arbeiterjugend gegründet, bis 1933 Jugendabteilung der nationalsozialistischen Kampfverbände, per Gesetz 1936 zur zentralen, dem Elternhaus und der Schule gegenüber bevorzugten Organisation zur körperlich-geistigen und sittlichen Erziehung der Jugend, seit 1939 zur vormilitärischen Ertüchtigung. Ende 1938 ca. 8,7 Mio. Mitglieder.
Aufbau:
10- bis 14-jährige Jungen und Mädchen Deutsches Jungvolk bzw. Jungmädelbund
14- bis 18-jährige Jungen Hitlerjugend (im engeren Sinne) und Bund deutscher Mädel

Hofmarschall

Vorsteher über das gesamte fürstliche Hofwesen, mit Gerichtsbarkeit über das Hofgesinde. 

Hofschranze

Höfling, Hofbeamter. 

Hube, Hufe

Im Mittelalter Sammelbegriff für Hofstätte (Ackerland und Nutzungsrecht an der Allmende), entspricht in der Größenklasse meist einem halben Hof und wird zur Berechnung der Abgaben und Steuern herangezogen. Fläche schwankt beträchtlich, Fränkische Hufe meist 7,5 – 10 ha, in der Neuzeit meist 30 Morgen (7,5 ha). 

Hugenotten
(frz., im übertragenen Sinne Eidgenossen)
Nach Eindringen des Kalvinismus in Frankreich Bezeichnung für die französischen Protestanten (1559 Nationalsynode in Paris Confession Gallicana). Anhänger beim hohen Adel (z. B. Häuser Bourbon und Chátillon). Ihr Ringen um Anerkennung führt zu den blutigen sog. Hugenottenkriegen (8 Kriege zwischen 1562 und 1598), an denen sich auch die Auseinandersetzungen zwischen Zentral- und Partikulargewalt entzünden.
Einer der mörderischen Höhepunkte ist die sog. Bartholomäusnacht (Pariser Bluthochzeit – Heinrich v. Navarra mit Margarete v. Valois), Nacht zum 24.08.1572. Die Anerkennung als konfessionelle Gemeinschaft mit politischen und militärischen Sonderrechten (Edikt von Nantes, 1598) wird von Kardinal Richelieu im Edikt von Nimes (1629) aufgehoben. Ludwig XIV. zwingt 1685 die Hugenotten zur Unterwerfung. Erst die Französische Revolution sichert den französischen Reformierten endgültig mit der Assemblée Constituante (1791) die Glaubensfreiheit, nachdem bereits Ludwig XVI. ein Toleranzedikt erließ. (s. Refugié) 

Hut
(auch Hutung)
Aufsicht, Hüten des Viehs. Ertragsarme, extensiv genutzte Weide auf nichteingezäuntem Weideland od. Wald, meist auf geringwertigen Böden. Das Vieh kehrt täglich auf den Wirtschaftshof zurück. Hut ist teils auch Bezeichnung für reine Schafweide. 

Impost

Warensteuer. 

Infulierung

Ausstattung mit bischöflichen Insignien (z. B. Mitra). 

Inkunabel

Wiegendruck. Bezeichnung für ein vor 1500 entstandenes Druckerzeugnis bzw. Holzschnitt. 

Inoffizielle Mitarbeiter
(IM)
(MfS) 

Interim

Zwischenzeit, vorläufige Regelung, Übergangslösung (vor allem im politischen Bereich).

Intershopp

1962 gegründete staatliche Handelsorganisation, in deren Läden ausschließlich Westprodukte oder aus dem Bereich der Lizenz- oder Gestattungsproduktion für Devisen angeboten wurden. Anfangs gedacht als eine Einkaufsmöglichkeit für Besucher aus dem „westlichen Ausland“. Entwickelte sich aber ab 1974 (Entschärfung der Devisengesetze) zu einem Geschäft, in dem dringend benötigte Mangelware oder Luxusprodukte in der gewünschten Qualität von DDR-Bürgern erworben wurden, die über entsprechende D-Mark-Einkommen verfügten (anfänglich war der Besitz von Devisen in der DDR verboten). Solche Leute erregten freilich den „Neid der Besitzlosen“, und es kam vielfach zu Spekulationen über die Herkunft des „Westgeldes“ und damit auch zu Verleumdungen. Ab 16.04.1979 durfte der DDR-Bürger in den Intershops nicht mehr mit D-Mark zahlen, sondern musste seine Devisen innerhalb 24 Stunden bei der Staatsbank der DDR in Forumschecks im Verhältnis 1 : 1 umtauschen. Die Forumschecks waren Zahlungsmittel der „Forum Außenhandelsgesellschaft mbH“, die 1976 gegründete Tochterfirma des Bereichs „Kommerziale Koordinierung des DDR-Außenhandelsministeriums“. So konnte der Staat die Devisenbestände seiner Bürger schneller abschöpfen und für sich nutzbar machen. Dennoch: Die D-Mark wurde aufgrund der immer schlechteren Versorgungslage zur inoffiziellen Leitwährung in der DDR. 

Investitur 
(mittellat. zu lat. investire – einkleiden)
Nach röm.-kath. Kirchenrecht die Einweisung in ein Kirchenamt. 

Johannis
(-tag)
Benannt nach Johannes dem Täufer († um 28 n. Chr., vermutl. Machaerus/Palästina). Er gilt als Vorläufer Jesu, seine Taufpraxis ist Vorbild für die christliche Taufe. Auf Befehl des Königs Herodes wird J. enthauptet (29.08.). Festtag ist der 24.06. (*). Da der Tag kurz nach der Sommersonnenwende liegt, wird der Johannistag im Volksglauben durch Umtanzen und Überspringen des sog. Johannisfeuers gefeiert.

Junge Pioniere
(JP)
Nach der Schuleinführung wurden die Schüler klassen- oder jahrgangsweise in die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ aufgenommen (meist in einer Feierstunde am 13. Dezember, dem Gründungstag der Pionierorganisation). Die Jungen Pioniere (1. – 3./4. Schuljahr) bekamen als Zeichen ihrer Mitgliedschaft weiße Hemden und blaue Halstücher (Jungpioniere), die zu offiziellen Anlässen getragen wurden. Mit der 4. Schulklasse kam der Aufstieg zum Thälmann-Pionier (rotes Halstuch) und mit der achten Klasse schloss sich nahtlos die Aufnahme in die Freie Deutsche Jugend (FDJ oder „Blauhemden“) an. 

Junker

Bezeichnung
(1) für jungen Edelmann;
(2) für ostelbischen Großgrundbesitzer. 

Kammergut
Land- und forstwirtschaftlicher Grundbesitz bzw. nutzbare Hoheitsrechte, kommen später an den Staat.
 

Kampfesgrüße
Grußformel der Genossen, um ihren parteilichen Standpunkt zu verdeutlichen. Umgangssprachlich wurde sie meist satirisch verwendet, oft auch Mit sozialistischen K(r)ampfesgrüßen.

Kampfgruppen der Arbeiterklasse

Nach den revolutionären Ereignissen vom 17. Juni 1953 auf Politbüro-Beschluss gebildete paramilitärische Formationen aus Mitarbeitern von Betrieben, Kombinaten, staatlichen Organen und Einrichtungen. Sie sollten im Kriegs- oder Krisenfall Betriebe verteidigen und die Sicherheit in den Ortschaften gewährleisten. Die Kampfgruppen unterstanden dem MdI und hätten bei Bedarf auch den Kommandeuren der NVA unterstellt werden können. K. waren u. a. mit Schützenpanzerwagen und schweren Granatwerfern ausgerüstet. Am 13. August 1961 riegelten Kampfgruppenhundertschaften in Form einer lebenden Mauer die Grenze zu Westberlin ab. Im offiziellen DDR-Sprachgebrauch hieß es, dass es Aufgabe der K. ist, unter Führung der Partei der Arbeiterklasse im Zusammenwirken mit den bewaffneten Organen der DDR und fest an der Seite der Sowjetunion den Frieden zu verteidigen und die sozialistischen Errungenschaften zu schützen. – Im Herbst 1989 gab es in einigen Städten Versuche, mit Hilfe der Kampfgruppen die Demonstrationen einzudämmen – erfolglos, weil sie dort ihren eigenen Kollegen gegenüberstanden.
 

Kanoniker

Mitglied eines Stifts- od. Domkapitels, Chorherr, Domkapitulare. Amt heißt Kanonikat. 

Kapitel

Hier:
(1) Geistliche Körperschaft einer Dom- od. Stiftskirche od. eines Kirchenbezirks (Landkapitel);
(2) Versammlung eines (geistlichen) Ordens.

Kaplan
Ursprünglich Bezeichnung für Priester in einer fränkischen Hofkapelle, später allgemein für einen Priester in einer Kapelle. Heute Bezeichnung für einen den Gemeindepfarrer unterstützenden kath. Priester.

Kapuziner
  (lat. Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum, Abk. OFMCap)
Dritter selbstständiger Zweig des Ordens Franz v. Assisis (Franziskaner, Konventuale), entsteht im frühen 16. Jh. und zeichnet sich aus durch Armut und Eremitenleben, ab 1619 selbstständig, missionarisch tätiger Bettelorden.

Karmeliten
(lat. Ordo Fratrum Beatae Mariae Virginis de Monte Carmelo, Abk. Ocarm)
Unter Führung des franz. Kreuzfahrers Berthold († 1195) am Berg Karmel/Nord-Israel entsteht ein Bettelorden mit strengem Einsiedlerleben, 1226 durch Papst Honorius III. bestätigt. 1247 wird die Regel den Franziskanern und Dominikanern angeglichen. Gepflegt wird bes. die Marienverehrung.
Ende des 16. Jh. entsteht der Orden der Unbeschuhten Karmeliten.
Beide Orden sind vor allem in der Mission und in der Seelsorge tätig. Um 1800 wird der Orden nahezu zerschlagen und neu organisiert. Mitte des 15. Jh. gründet der Ordensgeneral Johannes Soreth die Karmelitinnen, zeitweise mehr als 1.300 Klöster.

Kartenschluss

Hier: Verkehrsbeziehung zwischen Postanstalten zwecks Austausch von Kartenschlüssen (Versandeinheit von Briefbeutel und Briefkarte, Briefverteilung). 

Kartusche
  (auch Cartouche)
Hier: Fläche zur Aufnahme von Inschriften, Wappen, Initialen u.ä. K. bestehen aus einem dekorierten Rahmen, sie werden in der Architektur, bei der Buchgestaltung, bei Epitaphien, im Kunstgewerbe verwendet (vorwiegend in der Renaissance und im Barock). 

Kastner
(auch Kästner)
Hier:
(1) Auf dem mittelalterlichen Fronhof der Aufseher über den Getreidespeicher;
(2) Verwalter der Kirchenkasse, Kirchensteuereinnehmer (z. B. des Gotteskastens). 

Katharina

Hl. Katharina v. Alexandria.
In der mittelalterlichen Frömmigkeit wird die historisch nicht verbürgte Gestalt (ein romanhafter Bericht des 6./7. Jh. stellt ihr Martyrium dar) zu den 14 Nothelfern gerechnet.
Festtag: 25.11., gleichzeitig Stichtag für das Ende der Vieh- und Bienenweide und letzter Termin für Festlichkeiten vor der Adventszeit. Symbole: Palme, Buch, Rad und Schwert.
Für die hl. Katharina gibt es in der ehem. St.-Lorenz-Kirche in Hildburghausen einen Altar. Sie ist die Schutzheilige der Buchdrucker, Müller, Gerber, Schuhmacher, Seiler, Töpfer, Jungfrauen, Bibliotheken, Schulen, Philosophen, Lehrer und Rechtsgelehrten.

Kemenate
(ahd. cheminata, v. mittellat. caminata, zu caminus Feuerstätte)
Eigtl. in den Palas einer Burg ein- od. angebautes heizbares Zimmer, im Mittelalter auch Bezeichnung für Wohntürme, auch für Frauengemach einer Burg. 

Kirchspiel
(auch Kirchensprengel genannt)
Pfarrbezirk, begrenztes Gebiet einer Pfarrei bzw. einer Gemeinde. 

Kirchensprengel
(s. Kirchspiel)

Kirchenvisitation
  (s. Visitation) 

kiesen

wählen, küren. 

Klassenfeind

Der Begriff leitet sich aus der Klassentheorie des Marxismus-Leninismus ab. Klassen sind Gruppen von Menschen, die sich in ihren ökonomischen und politischen Zielen im Klassenkampf gegenüberstehen: die Klasse der Besitzer materieller Mittel und die Klasse, die nur ihre Arbeitskraft besitzt, das Proletariat. – In der DDR ist dieser Begriff teils skurril verwendet worden. Nach der letzten Enteignungswelle und der Verstaatlichung mittelständischer Unternehmen gibt es nur noch befreundete Klassen und Schichten. Die kapitalistischen Staaten und ihre Regierungen sind als K., mitunter auch als Kapitalistenknechte, bezeichnet worden, aber auch DDR-Bürger, die die vorgegebene politische Meinung und Handlungsweise der SED nicht akzeptierten oder davon abwichen. 

Kleinplanet
  (Asteroid, Planetoid)
Um die Sonne umlaufender und im Wesentlichen aus Stein bestehender Himmelskörper mit einem Durchmesser von wenigen Metern bis etwa 1.000 km. Im Gegensatz zu Monden, die ähnliche Größen haben, laufen K. nicht um andere Planeten um. 

Kodex
  (lt. caudex, eigtl. abgeschlagener Baum, gespaltenes Holz für Schreibtafeln)
Hier: Gesetzbuch, alte Handschrift, Sammlung mehrerer inhaltlich zusammengehöriger Teile (z. B. Codex Eberhardi). 

Kollegialstift

Nach röm.-kath. Kirchenrecht Kirche, an denen für die Feier des Gottesdienstes ein Kollegium von Kanonikern zuständig ist (z. B. Kollegiatstift Römhild).

Kommende

Im kath. Kirchenrecht kirchliche Pfründe. Inhaber bezieht Einnahmen, ohne das betreffende Kirchenamt zu verwalten (s. Komtur/Komturei).

Komtur

Ordensritter, Leiter einer Komturei.

Komturei

Verwaltungsbezirk od. Ordenshaus eines geistlichen Ritterordens (s. Kommende, Komtur). 

Kondominat

Gebiet, das unter der Herrschaft mehrerer Staaten steht, im Mittelalter auch Verfügung mehrerer Herren über ein Besitztum (Ganerbschaft). 

Konfirmation
  (lt. confirmation – Befestigung, Bestärkung, auch Bestätigung)
In der ev. Kirche seit dem 16. Jh. feierliche gottesdienstähnliche Handlung, in der die Getauften mit dem 14. Lebensjahr eingesegnet werden, zur Abendmahlsfeier zugelassen und somit alle Rechte und Pflichten eines Kirchenmitglieds besitzen.
Konfirmieren (von lat. confirmare) wird z. B. des weiteren auch verwendet für festmachen, bestätigen (z. B. eines Vertrags). 

Konfession

Allgem. Bezeichnung für Glaubensrichtung (christliche Bekenntnisgruppe). Seit Reformation Bekenntnisschrift. 

Kongregation

(1) In alten Mönchsorden Zusammenschluss mehrerer selbstständiger Klöster mit einem Oberen (einheitliche Interpretation der Ordensregel);
(2) Ordensgemeinschaft, deren Mitglieder nur einfache Gelübde ablegen. 

Konkordat

Abkommen zwischen dem Staat und der röm.-kath. Kirche. 

Konsistorium

In der ev. Kirche oberste Verwaltungsbehörde einer Landeskirche. Bis Mitte des 19. Jh. Vollzugsorgan des landesherrlichen Kirchenregiments, dann Eigenständigkeit. 

Konspiration 
Politisch-operative Konspiration. Im Stasi-Jargon Bezeichnung für getarntes Vorgehen in geheimdienstlichem Sinne. Aus dem Untergrundkampf der Bolschewisten und des ersten sowjetrussischen Geheimdienstes Tscheka wurde die Legende um die konspirative Tätigkeit der Soldaten der unsichtbaren Front gestrickt und eine angebliche tschekistische Tradition kultiviert.
Konspirative Wohnungen oder Objekte dienten als geheime Treffpunkte zwischen den Inoffiziellen Mitarbeitern und ihren Führungsoffizieren. 

KONSUM

Handelsgenossenschaft, die aus der 1845 gegründeten ersten deutschen Konsumgenossenschaft hervorging. Nach deren Enteignung im Nazireich mit Befehl Nr. 176 der SMAD am 18.12.1945 wieder gegründet. Die Mitglieder der KONSUM-Genossenschaft erhielten bei ihren Einkäufen in den KONSUM-Verkaufsstellen Umsatzwertmarken, auf die ein jährlicher Rabatt gewährt wurde. Neben der HO war der K. der wichtigste Einzelhandelsträger und im Gastgewerbe in der DDR, besonders in ländlichen Regionen. In den 60er Jahren haben die Konsumgenossenschaften in der DDR 3,8 Mio. Mitglieder und wickeln mehr als 30 % des Handels ab.

Kontingent

Hier: Die von einem Land zur Verfügung gestellten Truppenteile bzw. Menge an Truppen. 

Kontribution

Urspr. Bezeichnung für jede Steuer, seit dem 15. Jh. für die zu militärischen Zwecken verwendete direkte Steuer, z. B. zum Unterhalt der Besatzungstruppen od. von einem besiegten Land geforderte Geldsummen. 

Konvent

Einrichtung der ev. Landeskirchen zur übergemeindlichen Zusammenkunft von Pfarrern (Superintendentur bzw. Dekan – Pfarrkonvent, Sprengelbereich – Ephoralkonvent, Landesebene – Generalkonvent). In der röm.-kath. Kirche und in Klöstern Versammlung der stimmberechtigten Klosterangehörigen.

Konventualer

Stimmberechtigtes Mitglied eines Konvents des Mönchs- od. Bettelordens. 

Korporationswald

Wald der Körperschaft. Verband von Besitzern von Waldgrundstücken, Anteile am Gesamtbesitz bestehen nur ideell. 

Kreisplankommission

Fachabteilung des Rates des Kreises für die Ausarbeitung der kreislichen Planentwürfe. Zuständig für die Organisation und Koordination der Planauflagen in den Betrieben des Kreises. Die Planentwürfe wurden weiter gegeben an die Bezirksplankommission, die wiederum die bezirklichen Planentwürfe für die Fünf- oder Siebenjahrpläne und die Jahresplanung der Volkswirtschaft ausarbeitete. K. hatten ihre Planentwürfe zuerst der SED-Kreisleitung zur Beschlussfassung vorzulegen, bevor sie an den Rat des Kreises weiter geleitet wurden. 

Kurantmünze

Umlaufmünzen, die den Kleinverkehr beherrschen. Materialwert sollte dem aufgeprägten Geldwert entsprechen.

Kürass

Lederpanzer (später aus Metall), der Brust und Rücken schützt, Brustharnisch der Kürassiere (schwere Kavallerie).

Kuratel

Unter Pflegschaft, Vormundschaft, Aufsicht, Kontrolle stehen. 

Kuratie

Seelsorgebezirk eines Kuraten (Kurat - wie ein Pfarrer eingesetzter Seelsorger). 

Kurfürsten

Die 7 zur Wahl des Römischen Königs berechtigten Fürsten seit Ende des 12. Jh.
Zu den Kurfürsten zählen:
. Archi-Cancellarius per Germaniam – Erzkanzler für Deutschland (Erzbischof v. Mainz)
. Archi-Cancellarius per Galliam et Regnum Arelatne – Erzkanzler für Burgund (Erzbischof v. Trier)
. Archi-Cancellarius per Italiam – Erzkanzler für Italien Oberitalien, ausgen. Venedig, Vatikanstaat - (Erzbischof v. Köln)
. Archi-Mareschallus – Erzmarschall (Herzog v. Sachsen-Wittenberg. Nach der Großen wettinischen Landesteilung 1485 in die Ernestiner und die Albertiner verbleibt die Kurwürde zunächst bei den Ernestinern, 1547 kommt sie an die Albertiner.)
. Archi-Camerarius – Erzkämmerer (Markgraf v. Brandenburg)
. Archi-Dapifer – Erztruchseß (Pfalzgraf bei Rhein, seit 1623 der Herzog v. Bayern)
. Archi-Pincerna – Erzmundschenk (seit Kaiser Heinrich V. der Böhmische König)
1648 kommt hinzu:
Archi-Thesaurarius - Erzschatzmeister (Pfalzgraf b. Rhein)
(Die eigentlichen Erzämter sind die vier Kurämter des Marschalls, des Kämmerers, des Truchsess und des Mundschenks) 

Landkapitel  (s. Kapitel)

Landwehr

Hier: Germanische Form der Grenzbefestigung, meist aus Wall, Graben und Hecke bestehend. L. werden bis ins späte Mittelalter angelegt. 

Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft
(LPG)
LPG-Typen
Es bildeten sich in der DDR drei Typen von LPG heraus (nach unterschiedlichem Umfang des genossenschaftlichen Eigentums).
Typ I: Ackerland wurde zur gemeinsamen Nutzung eingebracht. Wiesen, Weiden, Wald und die Viehwirtschaft blieben zur individuellen Nutzung. Die Mitglieder waren zur Bewirtschaftung der Flächen verpflichtet. Die Mitgliederversammlung konnte beschließen, Zugtiere, Maschinen und Geräte gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen. In der Anfangsphase der LPG-Gründungen handelte es sich um solche des Typs I.
Typ II: Neben dem Ackerland wurden das Grünland sowie die Zugtiere und die Feldwirtschaftsmaschinen in die LPG eingebracht und entsprechend mit dem ehemaligen Besitzer verrechnet und beim späteren Übergang zum Typ III gutgeschrieben. Größere Bauern konnten ihren Viehbestand in eine genossenschaftliche Viehhaltung einbringen. – Es gab nur eine geringe Zahl an LPG dieses Typs.
Typ III: Alle land-, forst- und wasserwirtschaftlichen Flächen sowie die Zug-, Zucht- und Nutztiere und die landwirtschaftlichen Geräte sowie Gebäude wurden eingebracht. Der Typ entsprach im Wesentlichen den sowjetischen Kollektivwirtschaften. Zur individuellen Nutzung konnten nach Beschluss der Mitgliederversammlung 0,5 ha bereitgestellt werden. 


Laubtaler 
(Lorbeertaler)
In Deutschland Bezeichnung für die in Frankreich von 1726 – 1790 geprägte Silbermünze zu 6 Livres (écu de six livres). Vor der Graumannschen Reform (1750, Graumann ist Generalmünzdirektor unter Friedrich II.). Der Laubtaler ist in Preußen ein Hauptzahlungsmittel. 

Laurentius (Lorenz)

Heiliger, † 258 in Rom, begleitet seinen Lehrer Sixtus zur Hinrichtung. Der gibt L. den Auftrag, die Habe an Arme zu verteilen. L. führt den Befehl gegen den Willen des Kaisers Valerian aus, der befiehlt, ihn auf dem Rost zum Tod zu bringen. 330 lässt Konstantin über dem Grab die Kirche San Lorenzo fuori le Mura, eine der 7 Hauptkirchen Roms, errichten. Laurentius wird mit Rost, Buch und Kreuzstab dargestellt.
Fest: 10.08. L. ist Schutzheiliger der Stadt Hildburghausen. Nach ihm wird u. a. die Hauptkirche der Stadt, die 1779 abgebrannte St.-Lorenz-Kirche benannt. Das Caritas-Alten- und Pflegeheim ist auch nach ihm benannt.
L. gilt auch als Beschützer der Bierbrauer, Glaser, Wirte, der Schüler, Studenten, auch der Feuerwehr, Köche und Kohlebrenner. 

Legationsrat

Eine Rangstufe des diplomatischen Dienstes. 

Lehenskonnex

Lehensabhängigkeit. 

Leibeigenschaft

Umfassende Form einer rechtlichen und persönlichen Abhängigkeit eines Bauern von einem Grundherrn. Sie war erblich und bedeutete Frondienstpflichten, Erbuntertänigkeit, Abgabenpflichtigkeit sowie Unterordnung unter die grundherrliche Gerichtsbarkeit. – Es gibt historisch unterschiedliche Entwicklungsetappen, regionale Besonderheiten und Formen. 

Leibgedinge

Altenteil für die Witwe. 

Lichtmess
(auch Mariä L., Mariä Reinigung), 02.02.
Das Ereignis geht auf den biblischen Text Lukas 2, 22 - 39 zurück. Volkstümliche Bezeichnung für das Fest der Darstellung des Herrn, ist abgeleitet von der Kerzenweihe und Lichtprozession der Tagesliturgie. Im bäuerlichen Leben des Mittelalters ist L. Ende bzw. Beginn des neuen Arbeitsjahrs, ferner Zahltag und Zeitpunkt des Beginns der Feldarbeit. 

Los- od. Festtage
Nach volkstümlicher Überlieferung bestimmte Tage eines Jahres, die bedeutend für eine Wettervorhersage sind bzw. günstig oder ungünstig für den Beginn bzw. die Ausführung bestimmter Tätigkeiten. In der nachfolgenden Übersicht werden nur die Tage erfasst, die in der Chronik erwähnt werden:

Fabian und Sebastian               20.01. (s. dort)
Lichtmess                               02.02. (s. dort)
Simon                                    18.02. (s. dort)
Petri Stuhlfeier                        22.02. (s. dort)
Walburga                               25.02. (s. auch Walpurgis)
Philippi, Jacobi                        01.05. (s. dort)
Walpurgis                               01.05. (s. dort)
Johannis                                 24.06. (s. dort)
Siebenschläfer                         27.06. (s. dort)
Peter und Paul                         29.06. (s. dort)
Laurentius                              10.08. (s. dort)
Bartholomäus                          24.08. (s. dort)
Michaelis                                29.09. (s. dort)
Martini od. Martinstag               11.11. (s. dort)
Katharina                                25.11. (s. dort)
Andreas                                  30.11. (s. dort)
Heilige Zwölf Nächte              zwischen Weihnachten und Drei-Königs-Tag 

Malefizperson

Person, die eine Missetat, ein Verbrechen begangen hat. In Zusammensetzungen wird das Wort Malefiz als Verstärkung gebraucht.

Mandat

Auftrag.
(1) Wahlauftrag (Amt und Auftrag des Abgeordneten),
(2) Amt eines gewählten Abgeordneten,
(3) treuhänderisch von einem Staat verwaltetes Gebiet,
(4) Erlass, Auftrag an einen Untergebenen.

Mandel

Altes Zählmaß, 15 Stück (vor allem Zählmaß für Eier). 

Marodeur

Soldatensprachlich für einen plündernden Nachzügler einer militärischen Truppe. 

Martini
  (auch Martinstag)
Tag des hl. Martin v. Tours (* um 316 in Sabara, Ungarn / † um 400). Martini ist Beginn des Wirtschaftsjahrs und wird mit dem Martinsschmaus (Martinsgans) gefeiert, Volksfeiertag in den Niederlanden, in Flandern und Luxemburg. Am Vorabend werden Umzüge von Kindern und Erwachsenen veranstaltet und das Martinsfeuer abgebrannt. 

Massenorganisationen

Vereinigungen von Bürgern. In der DDR waren M. wichtige Elemente der politischen Organisation der sozialistischen Gesellschaft. Sie standen immer unter der Führung und dem Einfluss der SED. Einige der wichtigsten M.: FDGB, FDJ, DFD, DSF, Kulturbund, DTSB, VdgB. Die größten M. waren wie Parteien organisiert, standen auf den Einheitslisten der Nationalen Front und bekamen Mandate in den sog. Volksvertretungen.

Matrikel

Öffentliches (amtliches) Verzeichnis über Personen.
(1) Liste der an einer Hochschuleinrichtung eingetragenen Studierenden (Immatrikulierte);
(2) Kirchen- od. Pfarrbücher mit Tauf-, Firmungs-, Konfirmations-, Eheschließungs-, Sterberegistern.

Mediatisieren
  (lat. mediatus – mittelbar)
Entzug od. Verlust der staatsrechtlichen Souveränität. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation werden beispielsweise 1803 und 1806 reichsunmittelbare Stände aufgehoben und einem anderen Landesherrn unterstellt. 

Meister vom Stuhl

Der in freier Wahl gewählte Vorsitzende einer Freimaurerloge (auch Logenmeister genannt). Die Meister vom Stuhl wählen auf dem Großlogentag den Großmeister und dessen Mitarbeiter für die Führung der Großloge. (s. Freimaurer) 

Mennoniten

Nach Menno Simons (1496 – 1561) benannte Anhänger einer nach 1535 entstandenen Reformationsbewegung (Täufergruppe); M. vertreten ein kalvinistisch geprägtes Christentum, die die Kindtaufe ablehnen und die sittliche Heiligung betonen. Sie verweigern konsequent den Kriegsdienst und die Eidesleistung. 

mhd.

Abk. für Mittelhochdeutsch. Epoche der deutschen Sprache, um 1050 – 1350.

Michael

Alttestamentarische Engelsgestalt (Höchster der Fürsten). Als Anführer der himmlischen Heerscharen bekämpft er den Satan. Die kath. Kirche verehrt ihn als Erzengel. Festtag: 29.09. Der hl. Michael gilt auch als Beschützer der christlichen Kirchen, Patron und Beschützer der Fechter, Soldaten, Bäcker, Maler und Käsehändler. 

Michaelishühner

Hühner, die am Michaelistag (29.09.) abzuliefern (zu zinsen) waren.

Ministeriale

Angehöriger des mittelalterlichen Dienstadels, eigtl. Oberschicht unfreier Dienstmannen im Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdienst, zuerst in den geistlichen Herrschaften. Ab 14. Jh. erhalten sie zumeist die Erblichkeit ihrer Lehen, Stand erlischt und ist Teil des niederen Adels. 

Ministerium für Staatssicherheit
(MfS)
Inlands- und Auslandsgeheimdienst, abwertend auch SSD genannt. Das MfS hatte polizeiliche und staatsanwaltliche Befugnisse, Überwachungs- und Repressionsorgan der DDR, Ermittlungsbehörde für politische Straftaten.
Gegründet auf Beschluss der Volkskammer am 08.02.1950 zum Schutz der DDR und vor Anschlägen westlicher Geheimdienste. Über die Jahre verlagerte sich das Hauptaugenmerk der Stasi von ihrer Spionagefunktion (vor allem gegen das westliche Ausland: Spionage, Einmischung in die Staatspolitik, dubiose Wirtschaftsgeschäfte) auf die Geheimdiensttätigkeit nach innen, gegen das eigene Volk. Das MfS war gleichsam Geheimdienst und Geheimpolizei, die immer und überall präsent war. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern, den sog. Tschekisten, beschäftigte das MfS unzählige IM (Inoffizielle Mitarbeiter), die als Spitzel Berichte z. B. über Arbeitskollegen, Sportkameraden, Mitglieder in Kulturgruppen und sogar Familienangehörige anfertigten. Das MfS gehörte zu den bewaffneten Organen und war außerdem verantwortlich für die Passkontrollen an den Grenzübergängen der DDR (Die Passkontrolleinheiten trugen zwar die Uniformen der Grenztruppen, waren aber dem MfS unterstellt, ähnlich verhielt es sich mit dem Zoll an den GÜST). Gegen unerwünschte Aktivitäten von DDR-Bürgern (Umweltschutz- und Menschenrechtsgruppen, politische Dissidenten, Antikriegsbewegung, Homosexuelle, bestimmte Religionsgruppen, sog. asoziale Elemente wie Punker oder Rocker) ging die Stasi häufig mit brutalsten Mitteln vor: Verhaftungen, körperliche Gewalt, Lüge, Unterschieben von Straftaten etc.

Die Staatssicherheit nannte sich selbst Schild und Schwert der Partei. Der gesamte Apparat war von der SED kontrolliert, der Oberbefehl lag bei ihr. Die Kreis- und Bezirksdienststellen des MfS hielten engsten Kontakt zu den Kreis- oder Bezirksleitungen der SED. Wenn heute das MfS zu Recht als eine staatsterroristische und kriminelle Vereinigung angesehen und über die zahllosen Verbrechen dieser menschenverachtenden Organisation geredet wird, so sollte immer beachtet werden, woher die Befehle kamen, wer den Staatsicherheitsdienst zum eigenen Machterhalt nutzte. Es war die SED. 

Mitra

Kopfbedeckung hoher geistlicher Würdenträger, Bischofsmütze. 

Mittag

Himmelsrichtung - Süden, Höchststand der Sonne.

Mitternacht

Himmelsrichtung – Norden. 

Model

Negativform zum Ausformen anderer Stoffe.

monastisch

mönchisch, klösterlich.

morganatisch

Standesungleiche Ehe, nicht standesgemäß.

Morgen

(1) Flächenmaß;
(2) Himmelsrichtung - Osten (aufgehende Sonne) 

Münzfuß

Gesetzlicher Maßstab, wonach der Staat od. Münzberechtigte seine Münzen ausprägt. Für Silberwährung in Deutschlan. ist beispielsweise die Gewichtseinheit bis 1857 die Kölnische Mark = 16 Lot = 233,856 g. 14-Taler-Fuß bedeutet, dass aus 233,856 g Feinsilber 14 Taler geschlagen werden. 

Nachbar

Der mit allen Rechten ausgestattete Bewohner eines Dorfes (Dorfgenosse, Gemeindegenosse). 

Nationale Front der DDR
(NF)
Seit 1973 Umbenennung des als Nationale Front des demokratischen Deutschland auf Initiative des Deutschen Volksrats am 07.10.1947 gegründeten Zusammenschlusses der politischen Parteien und Massenorganisationen der SBZ/DDR unter der Hegemonie und damit Führung der SED. Alle Wahlen wurden von der NF getragen. Die Kandidaten der Parteien und Massenorganisationen wurden mit der SED nach entsprechenden Vorgaben festgelegt und erschienen auf den Einheitslisten der NF. Somit wählte man sie entweder im Block oder lehnte alle ab, dann mussten jedoch alle Namen einzeln durchgestrichen werden. Diese Möglichkeit war aber den Wählern in der DDR nicht bekannt gewesen. So hieß es auch im Volksmund nicht: Wir gehen wählen, sondern Wir gehen Zettel falten.
Parteien: SED, LDPD, CDU, DBD, NDPD.
Mandatstragende Massenorganisationen: DFD, FDJ, FDGB, KB, VdgB.
Die neben der SED in der Nationalen Front zusammengeschlossenen Parteien wurden auch als Blockparteien bezeichnet, ironisch Blockflöten. 

Nationaler Verteidigungsrat
(NVR)
Am 10.02.1960 gebildete Notstandsregierung (Vorsitzender und 12 Mitglieder) im Wartestand, durch die Volkskammer gewählt, später durch den Staatsrat berufen. Er hätte im Verteidigungsfall die gesamten Kompetenzen und den Oberbefehl über alle bewaffneten Organe auf sich vereinigt. Wie bei allen Organen und Quasi-Organen lag die eigentliche Befehlsgewalt jedoch immer bei der SED-Führung. Der ZK-Vorsitzende und -Generalsekretär war automatisch Vorsitzender des NVR (seit 1971 Erich Honecker). Der spektakulärste Befehl des NVR hatte in der Nacht vom 12. zum 13. Aug. 1961 die Abriegelung der innerdeutschen Grenze und den Bau der Mauer zur Folge. 

NAW

Nationales Aufbauwerk.
Zumeist unentgeltlich geleistete Arbeit in der DDR (später VMI = Volkswirtschaftliche Masseninitiative).

Nationalsozialismus

In Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg aufgekommene extrem nationalistische und rassistische Bewegung und die darauf basierende faschistische Herrschaft von 1933 – 1945.

Neues Forum
(NF)
Wichtigste DDR-Oppositionsbewegung im Herbst 1989, die nach Verfolgung und Unterdrückung am 08.11.1989 vom DDR-Innenministerium anerkannt wurde. Das NF war am 12.09.1989 mit einem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit getreten. Es wollte keine Partei, sondern eine politische Plattform für die ganze DDR sein. Das NF wünschte sich einen reformfreudigen sozialistischen Rechtsstaat und ging anfangs von der Zweistaatlichkeit Deutschlands aus.

Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet
(NSW)
Im DDR-Sprachgebrauch bedeutete das Abgrenzung von den Staaten des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, engl. Comecon), also Staaten, die sich nicht an sozialistischen Wirtschaftsprinzipien orientierten. An Stelle des NSW wurde auch das Akronym NSA (Nichtsozialistisches Ausland) gebraucht. Ironisch ist der Begriff NSW auch verwendet worden als nicht-sozialistischer Westen.

Niederlage

Hier: Speicher. 

Nießbrauch

Nutzungsrecht (Nieß = Ertrag, Brauch = Verwendung). Nicht übertragbares und vererbbares Recht einer Person auf Gebrauch und Nutzung fremder beweglicher od. unbeweglicher Sachen, auch von Rechten od. eines Vermögens, ohne dass die Substanz geschmälert wird. 

Oppidum

Urspr. lat. Bezeichnung für altitalienische Burgen und stadtähnliche Siedlungen (durch Mauer und Graben befestigt), nach Cäsar Bezeichnung für keltische Stadtanlagen. 

Orden

In der kath. Kirche klösterliche Gemeinschaft. Mitglieder legen die drei Gelübde ab (Gehorsam, Armut, Keuschheit). Sie unterstehen einem Oberen und leben nach einer gemeinsamen Lebensordnung.

Ordination

Hier: Weihe, Einsetzen eines Geistlichen in sein Amt. Im evangelischen Kirchenrecht Bezeichnung für die Berufung zum Predigt-Amt und zur Sakramentsverwaltung.

Ortslande
(auch Ortslande)
Ort v. mhd. Spitze, ein Gebiet, das wie eine Spitze in ein anderes Territorium hineinragt.

Palas

Hauptwohn- od. Saalbau einer Burganlage. 

Palmsonntag
  (lat. Dominica in Palmis)
In den christlichen Liturgien Sonntag vor Ostern, Beginn der Karwoche. P. hat seinen Namen von der Palmenprozession (erstmals 4. Jh. in Jerusalem, Nachvollzug des Einzugs Jesu, der eine Palmenweihe vorausgeht. Die geweihten Palmenzweige gelten als Schutzmittel. In der ev. Kirche wird der P. Palmarum genannt. 

Parnes

Jüdischer Gemeindevorsteher

Parochie

Kirchspiel, Amtsbezirk eines Pfarrers. 

Parochialnexus

Verbindung, Verflechtung zwischen Kirchspielen.


Parteilehrjahr
Meist monatliche Schulungsreihe der SED-Genossen für ihre ideologische Ausrichtung nach jährlich zentral vorgegebenem Programm. Nichtgenossen als staatliche Leiter oder auch bestimmte Berufsgruppen, z. B. Pädagogen, mussten an diesen Veranstaltungen teilnehmen, mit denen u. a. wertvolle Arbeits- oder Freizeit sinnlos vergeudet wurde. Das P. entwickelte sich zu ungeliebten „Festspielen der Heuchelei“. Prämienvergaben, Urlaubsplätze, Personalbeurteilungen sind oftmals von den Aktivitäten der Werktätigen abhängig gewesen. Zudem organisierte die Einheitsgewerkschaft FDGB die Schule der sozialistischen Arbeit, um die Nichtgenossen politisch-ideologisch zu beeinflussen und einen festen Klassenstandpunkt herauszubilden („sozialistisch arbeiten, lernen und leben“). 

Parteisekretär

Wahlfunktion innerhalb der SED. Vorsitzende der Parteigruppen (in kleinen Betrieben, Einrichtungen etc.) über die Grundeinheiten bis hinauf zu den hauptamtlichen Parteisekretären (in Großbetrieben, Kombinaten) und 1. Sekretären der regionalen Parteileitungen. Höchster Parteisekretär war der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED. 

Passkontrolleinheit
(PKE)
P. an den Grenzübergangsstellen (GÜST) unterstanden dem Ministerium für Staatssicherheit und nicht den Grenztruppen der DDR, die Bestandteil der Nationalen Volksarmee waren. Sie trugen jedoch die gleichen Uniformen wie die Grenztruppen.

Patrimonialgericht

Gutsgerichtsbarkeit. Der Grundherr übt die Gerichtsbarkeit über seine Grundhörigen aus. In der Zeit der Bauernbefreiung (in Preußen 1807, in Sachsen-Meiningen-Hildburghausen in der Zeit der 48er Revolution) wird das P. in der Region aufgehoben.

Patronat  
(lat. patrocinium)
Schutz- und Schirmherrschaft. Rechtsstellung des Stifters einer christlichen Kirche od. seines Nachfolgers (Vorschlags- od. Ernennungsrecht sowie Unterhaltspflicht für die Pfarrstelle). 

Peter und Paul

Am 29. Juni 258 werden die Gebeine der Apostel Petrus und Paulus nach dem Vatikan gebracht. Seit  dem 4. Jh. wird dieser Tag als Todestag der beiden Apostel gefeiert. 

Petition

Bittschrift od. Eingabe an den Landesherrn, an eine Behörde, an das Parlament (Petitionsrecht - verfassungsmäßig garantiertes Recht). Historischer Vorläufer des Petitionsrechts ist das Recht der Stände, dem Landesherrn Beschwerden vorzutragen. 

Petri Stuhlfeier

Thronfest des Apostels Petrus. In der kath. Kirche wird das Fest zur Erinnerung an den Amtsantritt Petrus' in Rom gefeiert (18. Jan. und 22. Febr., seit 1960 nur am 22. Febr.). 

 

Pfahlbrüder
Ausbürger. Seit 1200 Bezeichnung für Menschen, die das Bürgerrecht einer Stadt besitzen, aber nicht innerhalb der Umwehrung der Stadt wohnen.

Pfarrpfründe

Einkommen durch ein Kirchenamt, oftmals das örtliche Kirchenvermögen (Grundbesitz, Kapital), das zur Unterhaltung des bzw. der Geistlichen dient.

Pflege

Im Mittelalter einem grundherrlichen Beamten übergebener Bezirk. Hier: Pflege Coburg. 

Philippi

Lostag – 1. Mai. Benannt nach dem Apostel Philippus. Gerichtstag. 

Plan

In der sozialistischen Volkswirtschaft (Planwirtschaft) die verbindliche, in ihren Zielen von den SED-Parteitagen festgelegte und durch Beschluss der Volkskammer zum Gesetz erhobene Richtlinie für die Entwicklung der gesamten Wirtschaft in einem bestimmten Zeitabschnitt (z. B. Fünfjahrplan). Der Plan enthält genaue Angaben über Ziele und Art der Realisierung. Für den einzelnen Arbeiter oder die Brigaden und Abteilungen bedeutete der Plan die Einhaltung bestimmter Normen (Planauflage), die aus dem Volkswirtschaftsplan extrahiert wurden. Neben der Produktionsleistung enthielt der Plan auch exakte Aufgaben zur Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens in den Betrieben und zur Weiterbildung der Werktätigen. In den Betrieben wurden sog. Gegenpläne aufgestellt, die die vorfristige Erfüllung des Planes vorschrieben (Planübererfüllung). Der Gegenplan war aber genauso verbindlich wie der Plan selbst und musste natürlich mit den Zulieferern und der gesamten Produktionskette abgestimmt werden. Aber auch zur Kaschierung unerfüllter Pläne wurden Gegenpläne aufgestellt. Der Tag der vorfristigen Erfüllung des Planes wurde in den Betrieben als „Plansilvester“ gefeiert. Auf die Leitungen war der Druck zur Erfüllung des Planes und der Planauflagen so groß, dass häufig frisierte Zahlen (doppelte Abrechnung der Produktion etc.) nach oben gemeldet wurden. – Sarkastisch konnte man auch sagen, dass die Lehre von Marx, Engels und Lenin auf viele Betriebe der DDR passte, die Produktionsweise, die Maschinen und Geräte standen diesen Zeiten noch sehr nahe. 

Politbüro
(Politisches Büro)
(Zentralkomitee der SED) 


Politinformation

Regelmäßige Informations- und Schulungsveranstaltungen für Schüler und Studenten, für Mitglieder der bewaffneten Organe, in Institutionen, Betrieben, Verwaltungen und gesellschaftlichen Einrichtungen zur politisch-ideologischen „Ausrichtung“ der Teilnehmer. Von den Beteiligten spöttisch auch als Rotlichtbestrahlung bezeichnet. 

Polytechnische Oberschule
(POS)
(offizielle Bezeichnung: Zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule)
Die 1959 entstehende allgemeine Form des DDR-Schulsystems umfasste 10 Klassen, entstanden aus der achtjährigen Grundschule und der zehnjährigen Mittelschule. Die zehnjährige Gemeinschaftsschule ist ohne innere oder äußere Differenzierung gewesen. Die Klassenverbände sind über den Zeitraum selten verändert worden. Der Schulabschluss erfolgte mit Abschlussprüfung, der zur Aufnahme einer Lehre und zum Fachschulstudium berechtigte. Pädagogische Grundlage war das Konzept des polytechnischen Unterrichts („Unterrichtstag in der Produktion“). Theoretisch-durchdringendes und praktisch-umgestaltendes Tun sollten sich verbinden. Ziel war es, den Schülern die „Liebe zur Arbeit“ nahe zu bringen und das fächerübergreifende Lernen zu entwickeln. 

Postregal 
(s. Regalien)

Prämonstratenser

Kath. Orden, benannt nach erstem Kloster in Prémontré/Frankreich, Ordensgründer ist Norbert v. Xanten.
Keine Vereinigung von Mönchen, sondern von regulierten Kanonikern. Grundlage des Lebens ist die Augustinusregel mit eigenen Statuten. Gemeinsames Leben, Armut. Bis 1224 untersteht der Prämonstratenser-Orden dem Kloster Unserer Lieben Frauen in Magdeburg (Zentrum der Ostsiedlung, Ostmission), ab diesem Zeitpunkt dem Mutterkloster Prémontré und im Gesamtverband der Zirkarie (regionale Einteilung) Ilfeld (Abt von Ilfeld ist Ordensvisitator). Tochtergründungen von Kloster Veßra sind Griffenthal in Kärnten, Frauenwald und Trostadt.

Pranger
(prangen – niederdeutsch drücken)
Dem Verurteilten wird als Strafe ein Halseisen, eine Schandgeige o. ä. angelegt. Damit wird er zur Schau gestellt und dem öffentlichen Spott preisgegeben. (Am Fuß des Treppenturms am Hildburghäuser Rathaus befindet sich eine Steinbank, die als Pranger gedient hat. Darüber befinden sich Haken zum Festketten des Delinquenten.) Die Prangerstrafe ist ein Zeugnis der städtischen Gerichtsbarkeit. 

Präzeptor
  (auch Praeceptor, Präceptor)
Veraltet für Lehrer, Erzieher, im 19. Jh. teilweise Bezeichnung von Lehrern an höheren Stellen. 

Prior

Der Erste, Obere. Bez. aus dem kath. Ordenswesen:
(1) der Zweitobere einer Abtei;
(2) Oberer eines selbstständigen Mönchsklosters, das nicht Abtei ist;
(3) Oberer eines Klosters verschiedener Orden. 

Primogenitur

Erb- und Nachfolgerecht des (zumeist) erstgeborenen Sohnes zum Schutz des ungeteilten Besitzes. Ist seit dem 14. Jh. für die Erbfolge bestimmend.

Proklamation

Erklärung, Bekanntmachung, Verkündigung, Aufruf (an die Bevölkerung), gemeinsame Erklärung verschiedener Staaten.

Probst

In der kath. Kirche Würdenträger eines Domkapitels (Dompropst) od. Kollegiatkapitels (Stiftspropst), in der luth. Kirche (bes. in Skandinavien) mit den Aufgaben eines Superintendenten betraut, auch Bezeichnung in einigen Landeskirchen Deutschlands für Träger eines besonderen geistlichen Amts. 

Propstei

Amt, Amtssitz od. Wohnung eines Propstes. 

Protektion

Schutz, Förderung, Gönnerschaft, Schirmherrschaft.
 

Protokollarische Rangfolge der DDR
Vom Staatsrat der DDR am 15.01.1987 letztmalig beschlossen:
                . der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED
                . der Vorsitzende des Staatsrates der DDR
                . der Vorsitzende des Ministerrates der DDR
                . der Präsident der Volkskammer der DDR
. die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros und Sekretäre des ZK der SED
                . die Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR
                . der Präsident des Nationalrates der Nationalen Front der DDR
                . die Vorsitzenden der weiteren Parteien der DDR
                . die Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR
                . die Mitglieder und Kandidaten des ZK der SED
                . die Mitglieder des Ministerrates (also die Minister)

An 17. Stelle folgten die 1. Sekretäre der Bezirksleitungen der SED, darauf die Vorsitzenden der Räte der Bezirke. Angehörige der P. R. wurden als „führende Repräsentanten“ und „offizielle Persönlichkeiten“ bezeichnet. Die Reihenfolge war die Grundlage für die Platzierung und die namentliche Nennung in Presse, Rundfunk und Fernsehen, auch wenn die Aufzählung der Protokollspitze oft länger geriet als die eigentliche Nachricht über das Ereignis. Auslassungen in der P. R. deuteten auf personelle Veränderungen hin und wurden eher registriert als die Aufzählung selbst. 

Rat ...
(Rat der Gemeinde, Rat der Stadt, Rat des Kreises, Rat des Bezirkes)
Exekutivorgane und Verwaltungsapparate der gewählten Volksvertretungen (Gemeinde-, Stadtverordnetenversammlung, Kreistag, Bezirkstag). Die Räte wurden von den Volksvertretungen für eine Legislaturperiode gewählt. Rat ist diesem Fall ein Begriff aus der Arbeiterbewegung (Räterepublik) und entspricht dem russischen Begriff Sowjet. Rat der Stadt ist deshalb nicht zu verwechseln mit den heute zu wählenden Stadträten. Legislativorgan in der DDR war die Stadtverordnetenversammlung.

Raubritter

Mit dem Niedergang der militärischen Bedeutung des Rittertums im Spätmittelalter verarmen große Teile der Ritterschaft. Mit Raub, Erpressung und Störung des Landfriedens bemühen sie sich, ihren sozialen Status zu erhalten. Teils schließt man sich seit dem 14. Jh. in Ritterbünden zusammen, die eine ernste Gefahr für die öffentliche Ordnung und die Sicherheit in den Territorien werden. Die Reichsgewalt geht gegen solche Bündnisse oft mit brachialer Gewalt vor. 

Rayon

Hier: Bezirk. 

Reichstagsabschied
(auch Reichsabschied) 
Gesamtheit der Beschlüsse des Reichstags (Vertrag zwischen dem Kaiser und den Reichsständen). 

Refugié

Flüchtling. Hier: Aus dem absolutistischen Frankreich geflüchteter Hugenotte. 

Regalien

Im ausgehenden 11. Jh. Bezeichnung für die vom König stammenden Hoheitsrechte, die zur Nutzung vergeben werden können. Im späteren Mittelalter gibt es auch niedere Regalien, die zur wirtschaftlichen Nutzung vergeben werden, z.B. vergibt der Kaiser die Ausübung des Postregals an die Grafen/ Fürsten v. Thurn und Taxis. Mit weiterer Schwächung der Zentralgewalt können die erstarkenden Fürsten immer mehr Regalien an sich binden, um sie zur Festigung ihrer eigenen Macht einzusetzen (Münz- und Zollhoheit usw.). Dem Regalrecht stand die Pflicht gegenüber, eine ordnungsmäßige Handhabung zu garantieren. 

Regulativ

Hier: Verfügung, Vorschrift, Verordnung. 

Reichsexekution

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ist die
Reichsexekutionsordnung geregelt durch die Durchführung von Urteilen des Reichskammergerichts, z.B. bei Landfriedensbruch (ein oder mehrere Reichskreise werden aufgeboten, um die Ordnung wieder herzustellen); im Deutschen Reich Bezeichnung für die vom Kaiser auf Beschluss des Bundesrats gegen ein Mitglied auszuführende Zwangsmaßnahmen, das Pflichten verletzt hat.


Reisekader

Personen aus dem Staats- und Parteiapparat oder aus dem öffentlichen Leben (Sportler, Künstler oder Wissenschaftler) sowie der Wirtschaft, die per Auftrag in das NSW reisen durften. Die Überprüfung erfolgte durch die Hauptabteilung XIX des MfS (Verkehr, Post- und Nachrichtenwesen), zu deren Aufgabenstellung auch die Aufklärung und Bestätigung von Kadern gehörte. Nach einer solchen Reise mussten die R. umfassend Bericht erstatten. Trotz genauester Überprüfung kehrte so mancher nicht wieder in die DDR zurück. 

Remise

Wagen-, Geräte-, (auch) Abstellschuppen. 

Rentamt

Seit dem späten Mittelalter Behörde der landesherrlichen Finanzverwaltung (z. B. Einkünfte aus Domänen). 

Rentmeister

Verwalter eines grundherrlichen Vermögens.  

Reparationen

Hier: Kriegsentschädigungen, Wiedergutmachungsleistungen. 

Republikflucht

Von den DDR-Behörden nicht genehmigte Ausreise aus der DDR. Während andere Länder ihre Grenzen vor illegalen Einwanderern schützen, war das Grenzregime der DDR komplett darauf ausgerichtet, Fluchtversuche von DDR-Bürgern ins westliche Ausland zu verhindern. Viele Fluchtwillige bezahlten den Versuch, die innerdeutsche Grenze, die gleichzeitig die Einfluss-Sphären der beiden Weltmächte trennte, mit ihrem Leben. Der Versuch der Republikflucht zog grundsätzlich mehrjährige Haftstrafen nach sich. Oft wurden die Verurteilten von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft, was zur Folge hatte, dass sich das DDR-Regime mit Menschenhandel, dem Verkauf ihrer eigenen Staatsbürger, dringend benötigte Devisen beschaffte.
Es zeigt die Verzweiflung vieler Menschen, die etwa wegen eines abgelehnten Ausreiseantrags gesellschaftlich ausgegrenzt waren, dass sie trotz des Wissens um das brutale Grenzregime lebensgefährliche Aktionen unternahmen, um dem SED-Staat zu entkommen. Das geschah bisweilen auf recht spektakuläre Weise mit dem Eigenbau von Heißluftballons, Fluggeräten, sogar mit U-Booten und Panzerfahrzeugen. Andere Möglichkeiten der Flucht boten sich zuweilen über das sozialistische Ausland oder über westliche Fluchthilfe-Organisationen. Vom 13. August 1961 bis 9. November 1989 gelang rund 40.100 Menschen die Flucht in die Bundesrepublik Deutschland.

Residenzstadt

Stadt, in der ein Staatsoberhaupt (König od. Fürst) eines Staates seinen Wohnsitz und seine Hofhaltung hat, die oberen Gerichte und die Staatsverwaltung eingerichtet sind.

Reskript

Hier: Erlass, Verfügung, Entscheid.

Revenue

Einkommen, Einkünfte.

R
evers
(1) Rück- od. Kehrseite einer Münze od. Medaille.
(2) schriftliche Erklärung, bei der sich der/die Unterzeichner zu einem bestimmten Handeln oder Unterlassen verpflichten; Verpflichtungsschein. 

Rezess

Abmachung, Vertrag. Zumeist Vertrag zwischen dem Landesherrn und den Landständen, auch Verträge im Privatrecht. 

Ritter

Die Anfänge des Rittertums reichen bis ins Frankenreich zurück. Im Mittelalter muss die Ritterwürde (Eques) persönlich auf dem Schlachtfeld od. an den Höfen erworben werden, sie ist nicht erblich. Seit dem 11. Jh. leisten berittene und voll gerüstete Adlige (Freie od. Vasallen), ab dem 12. Jh. auch unfreie Ministerialen den Waffendienst zu Pferd, der ihnen die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg bietet. Sie setzen die Lehnsfähigkeit durch, und auf der Grundlage erhaltener Lehen können sie selbst Herrschaftsrechte ausüben. Sie residieren in festen Häusern (Burgen) und entwickeln adlige Lebensformen. Höhepunkt der gesellschaftlichen Geltung erlangt das Rittertum in der Stauferzeit, es entwickelt sich eine ritterliche Kultur (Minne, Turnier). Das Rittertum wird zum Sinnbild des adligen Lebens.
Seit Mitte des 13. Jh. entwickelt sich das Rittertum zu einem eigenen Stand. Im Spätmittelalter versteht man unter einem Ritter den Angehörigen des niederen Adels. Als Ritterschaft bzw. Reichsritterschaft bilden sie einen eigenen Stand, der bis ins 19. Jh. z.B. auch in den Landtagen Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Meiningen-Hildburghausen vertreten ist. (s. auch Raubritter)

Ritus

Handlungsablauf, Zeremoniell (Ritual). Religiöse Zielsetzung mit genau festgelegten Regeln, die deshalb als identisch und wiederholbar erscheinen. 

Romanik

Kunststil 950 bis 1250, folgt auf die karolingische Kunst und wird von der Gotik abgelöst.  

Sakrament

Eine bestimmte, göttliche Gnaden vermittelnde Handlung in der kath. und ev. Kirche (z. B. Taufe, Abendmahl). 

Sakristei

Kirchenzimmer, Nebenraum in der Kirche für den Geistlichen und die gottesdienstlichen Geräte. 

Säkularisation

Einziehung und Nutzung kirchlichen Eigentums/Landes durch weltliche Gewalten, z. B. in Deutschland zur Zeit der Reformation, der napoléonischen Fremdherrschaft. 

Säkularisierung

U. a. Verweltlichung. Lösen von Einzelpersönlichkeiten, Gruppen des Staates aus den Bindungen an die Kirche. 

Schandgeige
  (s. Pranger)

Scheidemütze
Kleinmünze zum Ausgleichen kleiner Beträge, die mit vollwertigen größeren Kurantmünzen nicht bezahlt werden können. Sie werden meist unterwertig hergestellt, Materialwert entspr. also nicht dem Nennwert. Die Differenz zwischen Materialwert und dem Nennwert ist der sog. Schlagschatz. 

Schiedung

Trennung, Auseinandersetzung.

Schock

Altes Zählmaß, 5 Dutzend (60 Stück).

Scholarchat

Scholarch: Direktor einer höheren Schule od. ein die Aufsicht über mehrere Schulen führender Beamter, oft ist es ein Geistlicher. Das Amt heißt Scholarchat.

Schosser
(auch Schösser).   (s. Amtsschosser)

Spezereien

Veraltete Bezeichnung für Gewürz(ware), Lebensmittel. 

Schrot und Korn

Schrot – Bez. für das Raugewicht (R. – Gewicht der Münze, ergibt sich aus dem Feingewicht und der Zugabe an unedlem Metall) und die Stückelung entspr. der Anzahl auf die raue Mark. Korn – Feinheit beim Edelmetallgehalt der Münze.

Schultheiß
(auch Schulze o. ä.)
Grundherrlicher Amtsträger der Gemeinde, später wird der Sch. von der Gemeinde gewählt. Amtsträger der bäuerlichen Gemeinde ist der Dorfmeister. (s. dort) 

Schwärmer 
(s. Wiedertäufer)


Sebastian

Römischer Offizier und Märtyrer der Diokletianischen Verfolgung in Rom. Im Mittelalter wird er als Pestpatron verehrt, aber auch als Beschützer der Jäger, Schützen und Steinmetzen. In der Bildenden Kunst wird er von Pfeilen durchbohrt dargestellt.
Festtag: 20. Jan. 
 

SED-Kreisleitung/SED-Bezirksleitung
Regionalleitungen der Partei. Sie waren die zentralen Schaltstellen in den Provinzen. Von hier aus wurden die Volksvertretungen und Räte angeleitet. Die 1. Sekretäre der Leitungen herrschten teilweise wie kleine Landesfürsten und besaßen absolute Weisungsbefugnis. Für den gewieften DDR-Bürger war es durchaus von großer Wichtigkeit, gute Beziehungen zu einem Mitglied der jeweiligen Kreis- oder gar Bezirksleitung zu unterhalten, um eigene Probleme (meist der Versorgung) schneller lösen zu können. 

Seelengerät od. Seelgerät

Vermögen (auch Vermögensteil), das der Kirche od. den Bedürftigen zum Heil der eigenen Seele gestiftet wird, in jüngerer Zeit Messestiftung. 

Sendgericht
  (abgeleitet von Send, zu griechisch sýnodos – Zusammenkunft, Versammlung)
Kirchliches Sittengericht, bildet sich vor 800 aus der Richterfunktion des Bischofs bei Visitationen heraus, teils bis Ende des 18. Jh. in Deutschland wirksam. Ab 900 ist nur der Laie sendgerichtspflichtig. Gerichtsort (Sendort) ist die Kirche, Gerichtsbezirk ist der Kirchensprengel, Ge-richtsbarkeitsträger (Sendherr) ist der Bischof. Später überlässt der Bischof das S. dem Archidiakon und dessen Offizial. Von der Sendgerichtsbarkeit sind hohe Stände und schwere Vergehen ausgenommen. 

Separation

Flurbereinigung. Auflösung der genossenschaftlichen Wirtschaftsweise in der Landwirtschaft im 18./19. Jh. 

Sequestierung od. Sequestration

Hier: Zwangsverwaltung durch den Landesherrn.


Sicherheitspartnerschaft

Unter dem Eindruck der brutalen Niederschlagung oppositioneller Gruppen im Sept. und Okt. 1989 in Leipzig, Dresden u. a. Städten durch bewaffnete Kräfte (besonders Mitarbeiter der Staatssicherheit und der Volkspolizei) waren die Bürgerbewegungen, vor allem des Neuen Forums, daran interessiert, dass die Protestveranstaltungen nicht zur Gewalt eskalierten. Demonstrationen oder Veranstaltungen wurden bei der Polizei angemeldet, die Demonstranten stellten Ordnungskräfte. Beispielsweise stadtbekannte gewaltbereite Personen oder Provokateure (teils aus dem Bereich der Staatssicherheit) wurden ausgegrenzt. Vor allem die Volkspolizei zeigte sich kompromissbereit. Die blutige Niederschlagung der Revolution konnte vor allem durch das besonnene Auftreten der oppositionellen Kräfte im Zusammenspiel mit der Polizei verhindert werden, zumal es für die bewaffneten Kräfte der DDR keine klare Befehlslage gab und sich die befehlsgebende SED nahezu selbst paralysiert hatte. 

Siebenschläfer

Legende, dass sieben christliche Brüder bei der Verfolgung unter dem römischen Kaiser Decius (um 200 – 251) sich in eine Höhle bei Ephesus (heute: Türkei) flüchten und dort eingemauert werden. Nach einem 200-jährigen Schlaf kommt es zur leiblichen Auferstehung. Festtag: 27. Juni.

Simon

Heiliger, einer der 4 Brüder Jesu (Herrenbrüder: Jakobus, Joseph, Judas, Simon), wird 62/63 Bischof v. Jerusalem. Der Legende nach wird er mit 120 Jahren gekreuzigt. Festtag in der röm.-kath. Kirche: 18.02. 

Sölde, Selde

Kleinbauernanwesen, kleinste landwirtschaftliche Einheit, meist auf Grundbesitz eines Hofes errichtet. Seldner sind auf den Gütern meist Hilfsarbeiter, geben Zins wie Vollerwerbsbauern, besitzen wenig Feld, Wiese, Garten, können aber durch Zukauf den Grundbesitz vergrößern.

Sozialistischer Wettbewerb
Er soll die Werktätigen zur allseitigen Erfüllung des Volkswirtschaftsplans anregen, zur Steigerung der Arbeitsproduktivität beitragen und die Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern. Angeblich gäbe es im Sozialismus keine Konkurrenz mehr, es herrsche ein kameradschaftlicher Wettbewerb Gleichgesinnter, denen die Produktionsmittel als Volkseigentum gehören. Der Wettbewerb wurde von der Partei und den Gewerkschaften zwischen Brigaden und Betrieben organisiert. Für die Werktätigen waren zumeist nur die Höhe der Prämien interessant, nicht aber die ideologischen Phrasen.

Sprengel

Kirchliche Pfarrei od. Diözese, weltlich z. B. Amtsbezirk. 

Staatsbürgerkunde
Unterrichtsfach in der DDR, 9. und 10. Klasse, ab 1969 von Klassen 7 bis 10 sowie bis Klasse 12 an den Erweiterten Oberschulen und berufsbildenden Schulen. Zu den Schwerpunktinhalten gehören Einführung in die Marxistische Philosophie, in die Politische Ökonomie des Kapitalismus und des Sozialismus sowie in den Wissenschaftlichen Sozialismus. Das Fach ist Teil des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems der DDR und dient maßgeblich zur Herausbildung des „Klassenstandpunktes“ und zur Liebe zum Arbeiter-und-Bauern-Staat. Das Unterrichtsfach leistete Wesentliches zur Vorbereitung auf den Wehrunterricht. Der Sieg des Sozialismus/Kommunismus über den Kapitalismus wurde als Gesetzmäßigkeit dargestellt. 

Staatsrat

Nach dem Tod von Wilhelm Pieck, dem 1. Präsidenten der DDR, im Jahre 1960, wurde das Präsidentenamt abgeschafft und der Staatsrat als kollektives Staatsoberhaupt nach dem Vorbild des sowjetischen Staatsmodells eingeführt. Der Vorsitzende des Staatsrates war der oberste staatliche Repräsentant der DDR. In der DDR war es Walter Ulbricht.

Städteexpress od. Städteschnellverkehr

Schnellzüge der Deutschen Reichsbahn, die morgens von den Provinzstädten über die Bezirksstädte nach Berlin, Hauptstadt der DDR, und abends wieder zurück fuhren. Die Züge wurden auch „Bonzenschleudern“ genannt, weil darin häufig leitende Kader (Betriebsdirektoren, Parteisekretäre usw.) zum Rapport in ihre übergeordneten Dienststellen fuhren. Der S. war daher auch ein Ausdruck des Zentralismus in allen Bereichen der Gesellschaft und der Ost-Berlin-Lastigkeit des Systems. 

Stasi
       ( MfS)

Stiege

Hier: Altes Zählmaß, 20 Stück. 

Stift

Im kath. Kirchenrecht ein mit einer Stiftung dotiertes Kollegium von kanonisch lebenden Klerikern, sog. Stiftsherrn od. Kanoniker. Stift und Stiftsherren besitzen besondere Vorrechte. Zu den Stiften gehören auch Klostergründungen, z.B. Chorherrnstift Veßra.
Frauenklöster werden während der Reformation oft in Damenstifte umgewandelt. Bezeichnung Stift geht auch auf geistliche Fürstentümer über, z. B. Hochstift, ein Erzbistum wird als Erzstift bezeichnet, ein geistliches Kurfürstentum als Kurstift. 

Subskribent

Unterzeichner, der sich zur Abnahme eines noch nicht erschienenen Buches od. Werkes, zumeist zu einem niedrigeren Preis, verpflichtet.

Superintendent

In dt. ev. Landeskirchen Bez. für den aufsichtsführenden Amtsträger (Leitungs- und Verwaltungsaufgaben) eines Kirchenkreises, die nicht immer mit den politischen Grenzen identisch ist. 

Sukzession

Rechtsnachfolge, Thronfolge. 

Syndikus

Hier: (angestellter) Rechtsbeistand einer Körperschaft.

Synode

Hier: Versammlung ev. Christen (Geistliche und Laien) als Trägerin der kirchlichen Selbstverwaltung. Das ev. Kirchenrecht unterscheidet in Kreis- und Landessynode sowie Synode übergeordneter Kirchenverbände (EKD – Ev. Kirche in Deutschland). 

Terminei

Hofstatt, Kloster-Niederlage (Aufbewahrungsort für Waren aus Abgaben).

Tingierung
In der Heraldik Bezeichnung für das Färben von Wappenbildern bzw. -schilden (heraldische Tinkturen, Wappenfarben).

 Titelfolge des Adels
- Kaiser – Imperator, Kaiserin – Imperatrix
- König – Rex, Königin – Regina
- Kurfürst bzw. für die Angehörigen des Hauses Habsburg: Erzherzog
- Herzog – Dux; Herzogin – Ducissa,
                Herzogtum – Ducatus
- Fürst – Princeps, Fürstin – Principissa,
                Fürstentum – Principatus
- Graf – Comes; Gräfin – Comitessa,
                Grafschaft – Comitatus (Markgraf, Pfalzgraf, Landgraf, Burggraf)
- Freiherr – Liber Baro (Anrede: Baron),
                Freifrau – Baronissa (Anrede: Baronesse)
- Ritter – Eques (s. dort)
- Herr - Dynastes od. Dominus (vereinzelt auch Supremus Dominus – Oberster Herr und
                Nobilis Dominus – Edler Herr) 

Trinitatis

Dreifaltigkeitssonntag. 1. Sonntag nach Pfingsten. In der ev. Kirche werden die Sonntage nach T. (vom Dreifaltigkeitssonntag bis zum 1. Advent) gezählt. Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit. Christen glauben an die Dreiheit der Personen (Vater, Sohn, Heiliger Geist).

Tschekist

Im Anklang an die 1917 von F. E. Dzierzynski geschaffene und 1922 aufgelöste sowjetrussische Staatssicherheitsorganisation Tscheka (russ.: Wserossiskaja Tschreswytschainaja Kommissija po borbe s kontrrevoluzijej, sabotashem i spekulazijej = Allrussische Außerordentliche Kommission für den Kampf gegen Konterrevolution, Sabotage und Spekulantentum), die wegen ihres menschenverachtenden „roten Terrors“ unrühmlich in die Geschichte eingegangen ist. Die Stasi-Aktivisten sehen in der Tscheka ihr „revolutionäres Vorbild" und bezeichnen sich als Tschekisten. Die Aufgaben des sowjetrussischen Geheimdienstes werden 1922 unter dem Namen GPU dem Innenministerium unterstellt. 

Tumulus 
(lat.)
Hügel, meist in der Bedeutung als Grabhügel. 

Türkensteuer

Sondersteuer, die zur Führung der Türkenkriege erhoben wird. 

Urbar/Urbarium

Güter- und Abgabenverzeichnis großer Grundherrschaften. U. haben rechtliche Beweiskraft, später Kataster- und Grundbücher. 

Verweser

Verwalter eines Amts. Stellvertretender Verwalter für einen aus verschiedenen Gründen nicht amtierenden Inhaber eines Amtes, einer Herrschaft usw. 

Vikar
(lat. vicarius – der Stellvertreter)
In der kath. Kirche Vertreter einer kirchlichen Amtsperson. Nach den ev. Kirchenverfassungen für alle kirchlichen Ämter V. möglich, auch Frauen. 

Vikariat

Amt eines Vikars. 

Viertelsmeister

Seit dem 13. Jh. werden Städte aus verwaltungstechnischen Gründen in Stadtviertel eingeteilt (z. B. für die Einteilung der Wache, später allgemeine Verwaltungseinheit, z.B. Polizei-, Steuer-, Wahlbezirk), für die ein Viertelsmeister zuständig ist. 

Visitation

Kirchliche Überprüfung zu glaubens-, sitten- und ordnungsgemäßem Verhalten der Geistlichen, zum Zustand der kirchlichen Bauwerke, zur Erhaltung von Schulen, Lehre und Sitte, Prüfung der finanziellen Situation, Behebung von Mängeln, Klärung von Personalfragen usw. In der röm.-kath. Kirche visitiert der Diözesanbischof mindestens alle 5 Jahre seine Diözese. 1526, zur Zeit der Reformation, werden in Kursachsen die ersten Visitationen durchgeführt. V. und die Durchsetzung mit dem landesherrlichen Beamtentum tragen entscheidend zur Einhaltung neuer Kirchenordnungen und des ev. Kirchenrechts bei. 

volkseigen

Dem Volk gehörend, Eigentum des Volkes (auch sozialistisches Eigentum). 99 % der Arbeiter waren in volkseigenen Betrieben (VEB) beschäftigt und stellten 96 % der gesamten Erzeugnisse her, die ebenfalls als volkseigen bezeichnet wurden. Die volkseigenen Betriebe arbeiteten auf Grundlage des Plans (Planwirtschaft). Auch Einrichtungen wie Schulen, Museen, Theater, Sportplätze zählten zum Volkseigentum. Real gesehen kann „volkseigen“ jedoch mit „staatlich“ gleichgesetzt werden, da es nach marxistisch-leninistischer Anschauung keine Trennung zwischen Staat und Volk gab. Problematisch war jedoch der Umgang mit den volkseigenen Produktionsmitteln, da sie ja allen, also faktisch niemandem, gehörten, herrschte in den Köpfen eine stark ausgeprägte Selbstbedienungsmentalität. Mangelnde Motivation, fehlendes Verantwortungsbewusstsein und Verschwendung trugen ihr Übriges zum Niedergang der DDR-Wirtschaft bei. 

Volkspolizei
(VP)
Die VP war ein bewaffnetes Organ zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Ihr waren alle klassischen Polizeiaufgaben zugeordnet, wie Aufklärung, Untersuchung und Vorbeugung von Straftaten, Ahndung von Ordnungswidrigkeiten, Beseitigung von Gefahren und Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Straßenverkehr etc., Einhaltung der Pass- und Meldebestimmungen. Zur V. gehörten auf Kreis-, Bezirks- und zentraler Ebene: Schutz-, Kriminal-, Verkehrspolizei, Pass- und Meldewesen, Transport- und Bereitschaftspolizei (spezielle Einsätze, auch gegen Demonstrationen). Die Volkspolizisten oder „VoPos“ (auch: Vopos), wie sie gemeinhin genannt wurden, zeigten dem Bürger meist recht offensiv, wer die Staatsgewalt in den Händen hielt. Freundliches Verhalten und deeskalierende Zurückhaltung definierten die „VoPos“ nur selten zu ihrem Aufgabenbereich. Scheinbar gingen sie von dem Grundsatz aus, dass jeder Bürger zur Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit werden könne und damit einen potenziellen Feind darstellt.
In der teils oberflächlichen und undifferenzierten Berichterstattung in der Bundesrepublik und im Sprachgebrauch der Bevölkerung werden oft alle „Uniformierten“ der DDR als „Vopos“ bezeichnet. 

Walpurgis

Nacht zum 1. Mai. Nach altem Volksglauben fliegen die Hexen zu ihren Tanzplätzen (Blocksberg) und können Menschen, Vieh und Äckern Schaden zufügen.
Benannt nach der hl. Walburga (* um 710 in Wessex, † 25.02.779, Heidenheim b. Gunzenhausen), einer Verwandten des hl. Bonifatius, der sie nach Deutschland ruft. Sie wird 761 Äbtissin im Doppelkloster Heidenheim. W. gilt als Beschützerin der Wöchnerinnen vor Hexen.
Festtag: 25.02. 

Weichbild

Im mittelalterlichen Rechtsgebrauch der Ort, an dem das Stadtrecht gegolten hat. Heute im Sinne des Einzugsbereichs, Bannmeile, Siedlungsgebiet der Stadt. 

Warschauer Vertrag
(auch: Warschauer Pakt)
Am 14.05.1955 geschlossenes Bündnis zwischen den sozialistischen Staaten Osteuropas unter der Führung der UdSSR. Der Vertrag koordinierte die Sicherheits-, Militär- und Außenpolitik der sog. Ostblockstaaten. Der W. kann als Reaktion auf die Pariser Verträge, die eine Remilitarisierung Westdeutschlands vorsahen, gewertet werden. Der Pakt bedeutete das militärische Gegengewicht zur NATO. Mit der Teilung Europas in zwei Blöcke ging die Errichtung des Eisernen Vorhangs, die latente Bedrohung des Kalten Krieges und das Wettrüsten einher, bei dem die Warschauer Vertragsstaaten schließlich technologisch und finanziell ins Hintertreffen gerieten.

Wenden

Ursprünglich deutsche Bezeichnung für Slawen.

Wettiner

Altes deutsches Adelsgeschlecht. Im sächsisch-thüringischen Grenzraum beheimatete Adelsdynastie, seit Beginn des 12. Jh. nach der Burg Wettin an der Saale (961 erstmals urkundlich nachgewiesen) benannt. 1423 erhalten die W. das Herzogtum Sachsen-Wittenberg mit der Kurwürde. 1485 Teilung in Albertinische und Ernestinische Linie (s. Albertiner).
Die H. Fürsten/Herzöge sind Ernestiner (1680 – 1826), ebenso die ab 1826 bis 1918 regierenden Herzöge von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen.

Wiederkaufsrecht

Recht auf Rückkauf innerhalb einer bestimmten Frist, wird meist im Kaufvertrag ausgewiesen, bei Grundstücken oft auf 30 Jahre befristet, bei Gegenständen 3 Jahre. 

Wiedertäufer
(Täufer, auch abwertend Schwärmer)
Anhänger der Erwachsenentaufe. W. sind uneinheitlich organisiert. Es entwickelt sich eine Nebenbewegung der Reformation mit teils eigenständigen theologischen Ansätzen, die konsequent unterdrückt wird. Die radikalen Kreise um Thomas Müntzer diskreditieren in der Öffentlichkeit das täuferische Anliegen, da die Wiedertaufe durch sozialrevolutionäre Zielsetzungen überlagert wird und die Durchsetzung der Reformation gefährdet ist.  
Wittum (mhd. wideme „Brautgabe“)
Im fränkischen Recht vom Bräutigam zu erbringende Vermögensleistung für die Braut. Anfangs nur bewegliches Gut, in fränkischer Zeit auch Immobilien. W. fällt bei Auflösung der Ehe an den Mannesstamm zurück. Im Mittelalter entfällt das Rückgaberecht, Wittum dient zur Witwenversorgung und verbleibt bei der Frau. 

Wüstung

Bezeichnung für aufgegebene Siedlung (Ortswüstung) oder Wirtschaftsfläche (Flurwüstung) infolge größerer Bevölkerungsverluste durch Seuchen, kriegerische Handlungen, wirtschaftliche Schwachpunkte (vor allem durch fehlende Verkehrsanbindungen), politische Zwangmaßnahmen, Wassermangel u. ä. 

Zehnt

Seit 5. Jh. Abgabe der christlichen Landbevölkerung an die röm.-kath. Kirche zum Unterhalt des Klerus. Ab 818/19 erhalten auch weltliche Grundherren als Inhaber von Eigenkirchen 10. Teil des Ertrags von Feldfrüchten und Vieh, seit dem 13. Jh. auch Geldleistungen (insges. gibt es beim Zehnt sehr viele Unterscheidungen). Z. ist Holschuld. Ihn gibt es bis zur Französischen Revolution bzw. bis zur Bauernbefreiung um 1848. 

Zensur
Offiziell gab es in der DDR keine Zensur. Ein wichtiges Kontrollinstrument der Medien war die staatliche Lizenzpflicht. Das Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrates der DDR vergab Lizenzen für alle Druckerzeugnisse. Ohne eine solche Lizenz konnte keine Zeitung oder ein Buch herausgegeben oder vertrieben werden. Lizenznehmer und Chefredakteur waren für ihr Presseerzeugnis auch politisch verantwortlich. Papier, Farbe sowie Satz- und Druckkapazitäten waren aufs Schärfste kontingentiert. Mehr als 90 Prozent der Druckereien der DDR gehörten der ZENTRAG, waren also Eigentum der SED. Bei der staatlichen Zuteilung an Material wurden die SED-Zeitungen bevorzugt.
In der Verfassung der DDR wurde die (angebliche) Pressefreiheit im Artikel 27 innerhalb „aller geltenden Rechte“ festgeschrieben. In der Neufassung von 1968 heißt es u. a.: „Jeder Bürger der DDR hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.“
Die Verfassung bot aber viele Möglichkeiten, die Freiheit von Presse, Hörfunk und Fernsehen einzuschränken, dazu gehörten beispielsweise Angriffe gegen die Führungsrolle der SED und den demokratischen Zentralismus oder die nach DDR-Interpretation weit auslegbaren Begriffe wie Kriegshetze und Kriegspropaganda, faschistische Propaganda, Völker- und Rassenhetze, staatsfeindliche Hetze, öffentliche Herabwürdigung u. a. Einem SED-Bonzen ordentlich die Meinung zu sagen oder ihn nach anderer Auslegung „öffentlich herabzuwürdigen“, konnte durchaus schon eine Freiheitsstrafe einbringen.
Bei vielen Demonstrationen und Veranstaltungen der sich bildenden demokratischen Vereinigungen wurde in der Zeit der Friedlichen Revolution immer wieder die Pressefreiheit als Bürgerrecht eingeklagt, vor allem wurde in der Region die Unabhängigkeit der SED-Blätter Freies Wort (Organ der Bezirksleitung Suhl der SED) und Neues Deutschland (SED-Zentralorgan) gefordert.
In § 106 des Strafgesetzbuches der DDR heißt es: „Wer mit dem Ziel, die sozialistische Staats- oder Gesellschaftsordnung der Deutschen Demokratischen Republik zu schädigen oder gegen sie aufzuwiegeln, Schriften, Gegenstände oder Symbole, die die staatlichen, politischen, ökonomischen oder anderen gesellschaftlichen Verhältnisse der Deutschen Demokratischen Republik diskriminieren, einführt, herstellt, verbreitet oder anbringt, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bestraft.“ – Die Autoren waren somit Gefangene des Systems und es bedurfte keiner „offiziellen“ Zensur. Jede oppositionelle Äußerung konnte zur strafrechtlichen Verfolgung führen. Wenn nicht in jedem Falle der Paragraf volle Anwendung fand, geschah das bei bekannten Journalisten oder Schriftstellern aus Angst vor internationalen Protesten. Man machte sich die Autoren auch ökonomisch gefügig, indem man ihre Arbeiten nicht mehr oder nur in geringer Auflage druckte.
Es sollte daher bei den Zitaten aus diesen Quellen bedacht werden, dass es sich um SED-Zeitungen und bis zum Januar 1990 immerhin noch um „Sozialistische Tageszeitungen“ handelte, denn eine Pressefreiheit gab es in dem Staat, der sich demokratisch nannte, bis Ende 1989 nie. Die Redakteure waren oft bis hin zum Wortlaut weisungsgebunden. So spielte die Selbstzensur, die so genannte „Schere im Kopf“, bei vielen Journalisten bis zum Zusammenbruch der DDR eine erhebliche Rolle. Die Kontrolle der Partei über die Medien begann bereits im staatlich reglementierten Berufszugang in Form eines Journalistik-Studiums an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Die Mitgliedschaft im Journalistenverband der DDR (VDJ) war obligatorisch, und ein Ausschluss bedeutete gleichsam ein Berufsverbot.
Nach der marxistisch-leninistischen Theorie des Journalismus wurden den Medien drei Rollen zugeschrieben: Propagandist (der kommunistischen Ideologie), Agitator (der SED-Politik) und Organisator (der geplanten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung). Und dieser Methodik lagen die allgemeinen Prinzipien des gesamten DDR-Agitations- und Propagandaapparates zugrunde: Parteilichkeit, Wissenschaftlichkeit (im Sinne der marxistisch-leninistischen Paradigmen) und Volksverbundenheit. Für den Schreibenden war es immer eine Frage, wie diese „allmächtigen Forderungen“ geschickt unterlaufen werden konnten. Der DDR-Bürger übte sich immer mehr darin, auch „zwischen den Zeilen“ zu lesen.
Allerdings setzten mit Beginn der Friedlichen Revolution auch in den Redaktionen sehr starke Umdenkprozesse ein, die einerseits zu Unsicherheiten und Verwirrungen bei den Journalisten führten, andererseits eine bisher nie gekannte Freiheit der Berichterstattung und Meinungsäußerung zur Folge hatten, da die politischen Abhängigkeiten in der Auflösung begriffen und neue wirtschaftliche Abhängigkeiten noch nicht vorhanden waren. Diese Prozesse lassen sich jedoch zeitlich kaum fassen und einordnen, da sie sehr stark von den einzelnen Persönlichkeiten und Hierarchien in den Redaktionen abhängig waren. 

Zent

Im Hoch- und Spätmittelalter Gerichtsbezirk unterhalb der Grafschaft. Der Landesherr setzt Zentgrafen ein. Das Zentgericht ist vorwiegend Kriminalgericht. 

Zeughaus

Gebäude, in dem Waffen und Kriegsgerät deponiert wird (Arsenal).

Zinsgut

Im Mittelalter jedes Grundstück, das ein Landesherr gegen Zins od. Frondienste bzw. sonstige Leistungen zur dinglichen Leihe ausgibt. Oft wird daraus Untereigentum od. freieigenes Eigentum des Inhabers. 

Zisterzienser

Benediktinischer Reform-Orden, gegründet 1098 in Citeaux bei Dijon in Frankreich. Nach 1119 beschlossenen Regeln sollen Mönche hart arbeiten und in Askese leben. Z. beteiligen sich beim fränkischen Landesausbau, bes. aber bei der deutschen Ostsiedlung, großer Grundbesitz. Mitunter rücksichtsloses Vorgehen gegen bäuerliche Besitzrechte. Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung nimmt Bernhard v. Clairvaux, Orden wird deshalb auch als Bernhardiner bezeichnet. 

Zunft 
  (aus dem ahd., eigtl. „was sich fügt“)
Von der Obrigkeit anerkannte Vereinigung von Handwerkern und Händlern (Gilden) u. ä. Gruppen. Ziel ist es, den Mitgliedern die Ausübung des gemeinsamen Gewerbes zu ermöglichen. Klare hierarchische Ordnung ist innerhalb der Zünfte festgeschrieben. Zunftordnungen regeln wirtschaftliche und organisatorische Fragen. Zunftwesen ist bes. in den Städten ausgeprägt, die Zünfte und deren Mitglieder üben zumeist auch politischen Einfluss in der Kommune aus. Zünfte behindern vor allem ab Beginn des 19. Jh. die Entwicklung der Industrialisierung. Das Zunftwesen in Europa wird im 19. Jh. allmählich abgeschafft (Das ist bes. auf die Ausstrahlungskraft der Französischen Revolution zurückzuführen, die Gewerbefreiheit wird eingeführt, in Preußen z. B. bereits 1810/11, im Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen 1863). Heute stehen die Innungen für freiwillige berufliche Zusammenschlüsse der selbstständigen Handwerker.  

Zunftlade

Truhe zur Aufbewahrung der Zunftunterlagen, Verzeichnis mit den Namen der zur Zunft gehörenden Meister. Das Behältnis ist meist selbst ein meisterliches Stück der Handwerkskunst.

Kaum jemand will hören, was er nicht hören will.
(Dick Carvett
* 1936
US-amerikanischer Talkmaster)
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