Eine Seite für Hildburghausen

1918 - 1933

Freistaat Meiningen und
Weimarer Republik

© Hans-Jürgen Salier
Salier Verlag Leipzig und Hildburghausen
Ines Schwamm 

(1918 – 1933)

15. November 1918
Die Verfassung des Freistaats Meiningen wird verkündet, der am 01.05.1920 im Freistaat Thüringen aufgeht.
Während der Freistaat Coburg nach einem Volksentscheid (30.11.1919) für einen Anschluss an Bayern votiert (Unterzeichnung des Staatsvertrags am 14.02.1920), wird der Freistaat Meiningen unter Vorbehalt Mitglied der thüringischen Gemeinschaft und geht dann im Land Thüringen(Freistaat Thüringen) auf.
(s. 01.05.1920)

Thüringen (Ausschnitt)
Atlas der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumentwicklung
Herausgegeben von J. Müller, Gotha (1942): Physische Karte, Karte 1918

 

Auch wenn am 13. August 1918 noch im behördlichen Postverkehr diese Fremdenverkehrswerbekarte verwendet worden ist, hat wohl kaum jemand in schwerer und armer Zeit die Absicht, seinen Urlaub in Hildburghausen zu verbringen. Und bald weht auch nicht mehr die Schwarz-Weiß-Rote-Reichsflagge über dem Bismarckturm.

30. November 1918
Im Reichswahlgesetz werden die thüringischen Staaten, der preußische Regierungsbezirk Erfurt (Provinz Sachsen) und der preußische Kreis Schmalkalden (Provinz Hessen-Nassau/Regierungs-Bezirk Kassel) zum Wahlkreis 36 zusammengefasst, ab 1920 Reichswahlkreis 12.

Um 20. Dezember 1918
Das 2. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 95 trifft in Hildburghausen ein.
Seit 06./07.08.1914 ist es bei den ersten Gefechten im Westen (z. B. bei Naumur) dabei, dann an der Ostfront (Sechserben, Adamsheide, Szidlack, in Nord- und Mittelpolen), an den westlichen Kriegsschauplätzen bei Verdun, in der Siegfriedstellung, in der Schlacht bei Arras, in der Schlacht in Flandern, bei Somme und Oise sowie vor Kriegsende an der Schelde. Nach dem Waffenstillstand tritt das Regiment den Rückmarsch über Brüssel, Löwen, Köln, Elberfeld, Hamm, Gütersloh, Mühlhausen an. Insgesamt fallen aus dem Regiment 3.600 Soldaten und Offiziere.

Schlosskaserne Hildburghausen vor 1918

Das Exerzierhaus links, auch als Reithalle genutzt, ist zur DDR-Zeit Viehhalle für den Schlachthof.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

21. Dezember 1918
Auf Initiative des Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrats und des Gewerkschaftskartells, August Wichtendahl, gründen 39 von 41 Teilnehmern den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, im November 1919 kommen die städtischen Arbeiter hinzu. Am 20.01.1919 schließt sich der Verband dem Gewerkschaftskartell an. Mitglieder des Verbands sind u. a. im Stadtrat, im Krankenhausausschuss, in der Arbeitslosenversicherung, im Konsumverein tätig.
Das Krankenpflegepersonal muss unter unsagbaren Arbeitsbedingungen Dienst verrichten. In der Schrift 25 Jahre Gewerkschaftskartell Hildburghausen 1907 – 1932 heißt es: „Betrug doch die Arbeitszeit im Wochendurchschnitt 158 Stunden (die vorgenannte Zahl „einhundertachtundfünfzig“ ist kein Schreibfehler, d. Verf.). Wer sich dem Krankenpflegeberuf widmete, für den war die Welt abgeschlossen ... Die Begriffe Haus und Familie waren ihm fremd. Nur einmal in der Woche sah er Weib und Kind. All die Sorgen und Nöte um Haus und Heim mußte die Frau und Kind tragen, tragen mit einem Wocheneinkommen von 12 bis 15 Mark. jahrzehntelang hatte das Pflegepersonal unter dieser leiblichen und seelischen Not gelitten.“
Nach schwierigen Verhandlungen in Weimar wird die Wochenarbeitszeit um 100 (!) Stunden verkürzt. Nach der Bildung des Landes Thüringen und durch eine reichsrichterliche Entscheidung kommen weitere Verkürzungen der Arbeitszeit hinzu.
Später schließen sich dem Verband die städtischen Gemeindearbeiter, die Gemeindearbeiter Häselrieths und die Straßenwärter an.
Die Organisation nennt sich Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe des Personen- und Warenverkehrs, Ortsgruppe Hildburghausen. Im Reich hat die Organisation ca. 700.000 Mitglieder.

17. Januar 1919
Arbeiter der Stadt und Soldaten der Hildburghäuser Garnison besetzen die Redaktionsräume desHildburghäuser Kreisblatts, weil die Lokalzeitung verhindern will, dass zu den bevorstehenden Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung am 19.01. ein Wahlaufruf der SPD mit Kandidatenvorschlägen veröffentlicht wird.

31. Januar 1919
Wegen der prekären Finanzlage der Stadt wird die Turmwärterstelle (Feueralarmierung) aufgehoben, der letzte Türmer ist der Buchbinder Louis Fischer, der auch seine Wohnung räumen muss und als Magistratsbote eingestellt wird. Die Sturmglocke auf dem Rathaus wird durch das im Rathaus befindliche Polizeirevier ausgelöst.

1919
Die Stadt erwirbt für die Stadtsparkasse das ehemals Bechmannsche Haus (heute: Altstadt-Passage, Obere Marktstraße) und nutzt anfangs das Erdgeschoss. Es erfolgt eine Trennung zwischen Kämmerei und Sparkasse, die eine eigene Verwaltung erhält. Die Geschäftszweige der Sparkasse werden erweitert (eine Bank- und eine Sparabteilung werden gegründet, bargeldloser Zahlungsverkehr, Kontokorrent- und Scheckverkehr kommen hinzu). Der bankmäßige Ausbau wird vorangetrieben und von der Bürgerschaft angenommen.

1919
Die Ortsgruppe des Deutschen Metallarbeiter-Verbands, Zahlstelle Hildburghausen, hat ca. 180 Mitglieder, u. a. aus der Fa. Leffler, der Fa. Gassenheimer, der Gasanstalt, später kommen weitere aus den Firmen Heinz und Kuss & Co. hinzu. Die Mitglieder aus den dazugehörenden Elektrizitätsfirmen (Kreiselektrizitätsverband) schließen sich am 01.04.1919 der selbstständigen Verwaltungsstelle Meiningen an. Die Metallarbeiter der Porzellanindustrie des Kreises unterstehen dem Gewerkschaftsverband der feinkeramischen Industrie.
Nachdem sich bereits zu Beginn des Jahrhunderts Angestellte gewerkschaftlich organisiert haben (z. B. Angestellte der A.O.K.K. schließen sich dem Verband der Büroangestellten an), erlebt der Zentralverband der Angestellten Ortsgruppe Hildburghausen einen nennenswerten Aufschwung.

1919
Die Inflation bricht offen aus (Höhepunkt: November 1923).

1919
Der sozialdemokratische Funktionär August Wichtendahl wird als Ernährungskommissar in das Ministerium nach Meiningen berufen (Bildung von Ernährungsbeiräten, Preisprüfungsstellen, Kommissionen zur Erfassung und Beschlagnahme von Kartoffeln und Getreide). Die Kommission trägt zur Minderung der Not im Land bei.

1919
Am Standort des AOK-Gebäudes in der Oberen Allee wird nach Abtragen des Stadtmauerturms, zuletzt ist dort eine Nagelschmiede untergebracht, das Bad der Sozialversicherung gebaut.

6. Juli 1919
Hildburghausen richtet das 1. Gausportfest aus, das unter den Bürgern der Stadt Begeisterung auslöst. Am 01.08. wird der BCH in Verein für Bewegungsspiele e.V. umbenannt.

29. Juli 1919
Aufruf des Magistrats der Stadt zur Schaffung einer öffentlichen Bibliothek. „Das wertvolle Kapital eines Volkes ist vielseitige Bildung und edle Gesittung. Wer diese Güter mehren will, der unterstütze unsere Arbeit.“

11. August 1919
Inkrafttreten der Verfassung der Weimarer Republik.

September 1919
In der Stadt kommt es zur Hetze gegen jüdische Einwohner.

1919
Der aus Hildburghausen stammende Bernhard August Bauer verlagert sein 1910 in Bremen gegründetes Farbenhaus in das Sächsische Haus am heutigen Goetheplatz. – Seit 1990 ist die Fa. Farben-Bauer im Besitz von Bernd Westhäuser.

1919
Der Obst- und Gartenbauverein pachtet Land von der Stadt, parzelliert es und richtet Kleingärten ein (51 Gärten mit 120 – 200 m², 1923 sind es 304 Gärten, 1924 = 450 Mitglieder). Mit den Gärten wird auch ein Teil der Nachkriegsnot der Menschen gemildert.

Herbst 1919
Neuer Intendant des Meininger Theaters wird der Literat, Dramaturg und Regisseur Dr. phil. Franz Ulbrich (ab 1924 Generalintendant in Weimar), der sich sehr für das Stadttheater Hildburhausen engagiert.
Von 1919 bis 1929/30 werden Stücke von 30 Autoren aufgeführt, jährlich 10 bis 20 Vorstellungen bei einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von 600.
Bedeutende deutsche Schauspieler treten auf, z. B. 1922/23 der sich später für die Nationalsozialisten und den Antisemitismus engagierende Veit Harlan (in Goethes Clavigo), Fritz Dietz (Kommunist, DEFA-Schauspieler und späterer Intendant des Meininger Theaters). Neben den Auftritten der Meininger kommen Gastspiele fremder Theatertruppen, Konzerte (vor allem Anrechtskonzerte seit 01.01.1919), Auftritte von Puppenbühnen und Balletttruppen, Programme der Schulen und der heimischen Chöre und Orchester hinzu. Zu bedeutenden musikalischen Höhepunkten gestalten sich die Konzerte der Landeskapelle unter der Stabführung des berühmten Dirigenten Heinz Bongartz (vom 16.10.1926 bis 1930 in Meiningen).

13. Oktober 1919
Das Gebäude des Kupferstechers Franz Doeleke, Georgstraße (heute: Polizeiinspektion, D.-Dr.-Moritz-Mitzenheim-Straße 22) wird vom Staat für die Taubstummenschule erworben.

4. Januar 1920
Gemeinschaftsvertrag über den Zusammenschluss der thüringischen Staaten. 

Stadtkirche (Christuskirche) in den zwanziger Jahren.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

8. Februar 1920
Der Verein für Bewegungsspiele 06 e.V. und der Turnverein schließen sich mit ca. 400 Mitgliedern zum Verein für Leibesübungen e.V. zusammen, im März 1922 kommt es zur Trennung, der Verein nennt sich wieder VfL 06, während die Turner im Turnverein aufgehen.

13. bis 17. März 1920
Kapp-Lüttwitz-Putsch gegen die Reichsregierung und für eine Militärdiktatur. Arbeiter des Kreis Hildburghausen beteiligen sich am 15./16.03.1920 am Generalstreik gegen die Putschisten. Es werden Arbeiterwehren gebildet. Im Thüringer Hof sind die Gewehre der Arbeiter versteckt worden. Wichtendahl und weitere Bürger treten Major v. Buch entgegen, der zur Verstärkung Truppen aus Coburg anfordert. Wichtendahl wird für einige Tage inhaftiert.

1. April 1920
Inkrafttreten des Staatsvertrags zwischen dem Deutschen Reich und acht deutschen Eisenbahnländern, dass die Länderbahnen in das Eigentum des Reichs übergehen, Gründung der Deutschen Reichsbahn. Die Übernahme betrifft auch die Schmalspurbahn Hildburghausen – Lindenau/Friedrichshall. Ein einheitliches Kursnummernsystem wird eingeführt.

Bahnhöfe im Stadtgebiet

Seit 1858 Bahnhof der Werra-Eisenbahn Eisenach – Lichtenfels.
Hildburghausen. (Hn) Bahnhof Klasse III (1966) 372 m ü. NN, km 93,28 von Eisenach.
Seit 1888 bis 1946 Kleinbahn Hildburghausen – Heldburg – Lindenau/Friedrichshall.
. Hildburghausen. Bahnhof Klasse II.
. Wallrabs     Haltepunkt – unbesetzt   km 0,30 von Hildburghausen
. Leimrieth   Haltepunkt – unbesetzt   450,55 m ü. NN, km 3,50 von Hildburghausen

Bahnhof Hildburghausen, um 1920.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

Bahnhof Hildburghausen
mit Fußgängerüberweg zur Kleinbahn Hildburghausen – Heldburg – Lindenau/Friedrichshall.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1. April 1920
Trennung von Taubstummenschule und Lehrerseminar. Leiter der selbstständigen Einrichtung ist der Taubstummenlehrer Karl Beer.
(s. 18.02.1887, 1890)

23. April 1920

Auf Beschluss der Nationalversammlung wird das Reichsgesetz betreffend das Land Thüringen erlassen, mit Wirkung vom 01.05. die Freistaaten Weimar-Eisenach, Meiningen, Gotha, Altenburg, Schwarzburg-Sondershausen, Schwarzburg-Rudolstadt und der Volksstaat Reuß zum Land Thüringen vereinigt (sog. kleinthüringische Variante: ohne Freistaat Coburg, der durch Volksabstimmung vom 30.11.1919 zu Bayern kommt und ohne preußische Gebiete) Hauptstadt wird Weimar.
Thüringen hat eine Fläche von 11.758 km² und 1,6 Mio. Einwohner. Von der Einwohnerzahl her steht Thüringen an 6. Stelle der 18 Länder der Weimarer Republik.

1920
In Bürden wird unterhalb des Einbergs ein Sportplatz gebaut.

1920
Die Uhrenbauerfirma Saam aus Themar baut in die Kirche „St. Peter und Paul“ in Gerhardtsgereuth eine Turmuhr ein.

Ostern 1920

Die Nonneschule verliert mit der Angliederung an die Bürgerschule ihre Selbstständigkeit, sie geht nach 115-jährigem Bestehen 1923 ein.

1. Mai 1920
Der Freistaat Thüringen ist gegründet.
(s. auch 23.04.1910, 12.05.1920, 11.03.1921)
 

„Hotel Zollhof“, 1999 abgerissen, in der Coburger Straße, gegenüber dem Stadttheater, ist seit 1877 als gastronomische Einrichtung betrieben worden. Nach 1945 ist sie nicht wieder eröffnet worden. Zuletzt ist hier in der DDR die Produktionsgenossenschaft des Handwerks „Elegant“ untergebracht gewesen. Der „Zollhof“ ist deshalb so benannt worden, weil sich bis 1889 dort das Häuschen mit der Chausseegeldhebestelle für Chaussee- und Brückengeld befunden hat.



Sammlung Hans-Jürgen Salier

1920
Nach Beitritt der Kleinstaaten zum Land Thüringen wird die Thüringische Landeskirche auf Synodalbasis gegründet (ohne Schmalkalden und Schleusingen). Ihr Sitz ist in Eisenach. Im Oktober 1924 folgt eine Kirchenverfassung. 

12. Mai 1920
Vorläufige Verfassung des Landes Thüringen wird erlassen.
(s. 11.03.1921)

1920
Der 1907 gegründete Holzarbeiterverband (Ortsverwaltung Hildburghausen, Mitglied des Gewerkschaftskartells) hat, bedingt auch durch die Geschosskorb-Industrie während des Weltkriegs, den Mitgliederhöchststand von 350.

13. Juni 1920
Protestveranstaltung in der Gaststätte Thüringer Hof wegen einer Erhöhung der Beiträge zum Loskauf der Feuerwehrpflichtigen. Die Beiträge werden auf Anweisung des Staatsministeriums rückerstattet.
Der Protest hat auf alle Feuerwehren des ehemaligen Freistaats Meiningen und später auf das Land Thüringen Einfluss.

26. Juni 1920
Gründung der Ortsgruppe der Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund) in der Gastwirtschaft Kapelle. Referent: Schumann, Leipzig. Kommunisten in Hildburghausen haben in der Weimarer Republik auf die Bürger kaum Einfluss.

7. Juli 1920
Eröffnung Stadtbücherei im Gebäude der ehemaligen Bürgerschule (Obere Marktstraße 46/I.-Kant-Platz) mit einem Bestand von 1.500 Bänden. Benutzung mit Gebühr (Jahresgebühr für Mitglieder der Volkshochschule = 3,- M, Nichtmitglieder = 5,-).

September 1920
Der Gymnasialturnkranz Georgiana enthüllt am Römersbach ein Denkmal für 39 im Weltkrieg gefallene Mitglieder.

Denkmal des Gymnasialturnkranzes in den Römersbach-Anlagen,
das heute weitestgehend zerstört ist.  Die Tafel ist zu DDR-Zeiten entfernt worden.
Fotos: Gustav Meffert
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

1920
Zur Häselriether Kirchweih werden die drei neuen Glocken geweiht, gegossen in der Bochumer Gussstahlglockenfabrik.

Häselrieth um 1920.
Sammlung Hans-Jürgen Salier.

1920
Häselrieth erhält Elektrizität, ferner wird der Bernhardsbach für die Trinkwasserversorgung abgefangen.
Die Torflager in der Gemeindewaldung werden für die Verbesserung der Versorgung mit Brennmaterialien genutzt.

Der Bernhardsbach um 1920.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1920
Die heutige Rudolf-Breitscheid-Straße wird im Adressbuch als Heimstättenweg ausgewiesen Der überwiegende Teil der Häuser ist städtisch; die Arbeiter und Angestellten erhalten dort eine „Heimstätte“. Um 1950 wird sie in Rudolf-Breitscheid-Straße umbenannt.

1920
Ausgabe von vier Notgeldscheinen für Hildburghausen (1921) und eine Gemeinschaftsausgabe für Hildburghausen, Eisfeld, Themar, Römhild, Ummerstadt (1920).
Die Scheine haben einen unbedeutenden Geldwert, sind aber als Sammelobjekte beliebt. In Deutschland gibt es schätzungsweise 4.300 Emissionsorte.












 Vorder- und Rückseiten von 1921 emittierten Notgeldscheinen für Hildburghausen, teils mit lustigen Sprüchen gestaltet.



1. Januar 1921
Die Landeskirche geht in der „Thüringer evangelischen Kirche“ auf, gemeint ist die Evangelische Kirche des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Meiningen. Die „Thüringer ev. Kirche“ vereint im Laufe der Zeit die Landeskirchen der Staaten, die später die politische Einheit „Land Thüringen“ bildet.

1921

Die Spareinlagen der Stadtsparkasse belaufen sich auf 10 Mio. Mark bei 6.790 Sparbüchern.
 
16. Januar 1921
Zwei Festgottesdienste in Hildburghausen für die vom Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation gegossenen Gussstahlglocken, von denen die Christuskirche und die Neustädter Kirche je drei erhalten.
Man gedenkt der 64 im Ersten Weltkrieg gefallenen Kirchenmitglieder.
Stadtkirche (b, des, e):
. B-Glocke (52 Zentner, 188 cm Durchmesser) – Christusglocke 1920;
. Des-Glocke (31 Zentner, 157 cm Durchmesser) – Christus ist die Auferstehung und das Leben;
Gedächtnisglocke 1920 Unseren gefallenen Helden 1914 – 1918 – Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Freunde.
. E-Glocke (22 Zentner, 139 cm Durchmesser) – Lutherglocke 1920.
Zum Gedächtnis der Reformation 1517 – 1917 – Eine feste Burg ist unser Gott.
Neustädter Kirche (e, g, b):
. E-Glocke – Paulusglocke. Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark.
. mittlere G-Glocke – Petrusglocke . Herr, wohin sollen wir gehen, Du hast Worte ewigen Lebens
. kleine G-Glocke. – Johannesglocke. Gott ist die Liebe (gestiftet von Sophie Papendiek).
Da die Kirchgemeinden nach dem Krieg nicht in der Lage sind, sich wieder komplette Bronzegeläute zu beschaffen und die beiden vorhandenen Glocken für das neue Geläut mit Stahlgussglocken klanglich nicht harmonieren, werden sie verkauft: die 6-Uhr-Glocke (1781 aus Resten der 1779 beim großen Stadtbrand zerstörten Glocken neu gegossen, wird nach Dienstedt b. Stadtilm veräußert, die 1707 gegossene aus der Neustädter Kirche nach Großneundorf b. Gräfenthal).

Da in der Neustädter Kirche die Holzstatuen Petrus und Paulus der 1847 geschlossenen Hofkirche im ehemaligen Residenzschloss aufgestellt werden, gibt man vermutlich dem Gotteshaus den Namen „Apostelkirche“. Die Statuen sind in der Holzschnitzerwerkstatt von Hermann Blechschmidt, Eisfeld, gefertigt worden.

. Die Holzstatuen Petrus und Paulus werden in der Neustädter Kirche aufgestellt.
- Mit der Glockenweihe erhalten die beiden Kirchen auch neue Namen:
Stadtkirche                         = Christuskirche
Neustädter Kirche             = Apostelkirche

Sachsenburg mit Stadtkirche (Christuskirche) Hildburghausen



Die Neustädter Kirche/Apostelkirche in der Neustadt.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

11. März 1921
Die Verfassung des Landes Thüringen wird erlassen.

1. April 1921 bis 30. Oktober 1931
Der Pferdehändler und Metzger Louis Clauer in der Unteren Braugasse ist Posthalter.

7. April 1921
Die zur Behebung der Wohnungsnot gegründete Kreisbaugenossenschaft Hildburghausen wird in das Genossenschaftsregister eingetragen. Insgesamt werden im Kreis ca. 200 Wohnungen und das Schulhaus in Unterneubrunn erbaut. Finanziert wird das Unternehmen von der Sparkasse.

1921
In Hildburghausen wird eine Ortsgruppe des katholischen Caritasverbandes gegründet.

Juli 1921
Die Weimarer Verfassung fordert im Artikel 143 für die Lehrerausbildung, dass sie nach den Grundsätzen gestaltet wird, die für die höhere Bildung allgemein gelten. Das bedeutet, dass das Abitur Voraussetzung für die Lehrerausbildung ist. Damit wird die Volksschullehrerausbildung in Seminaren, so auch in Hildburghausen allmählich eingestellt. Das bedeutet aber auch, dass immer weniger fähige junge Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen ein Lehrerstudium
ergreifen können.

Christusmedaillon am Nordportal der Christuskirche.
Foto: Bernhard Großmann

26. Juli 1921
Das Kreiskrankenhaus wird in das ehemalige Lazarett der 95er in der Schleusinger Straße (heute: Teil der Henneberg-Kliniken) verlegt. Von 1885 – 1926 ist der Geheime Sanitätsrat Dr. Richard Berthot (1856 – 1931) Chefarzt, im Amt folgt ihm Dr. Otto Wiemann (1891 – 1970).


Aufriss der Stadtkirche, seit 1921 Christuskirche. Zeichnung von Marie Louise Fischer.

1921
Sommersemester am Technikum mit 512 Studierenden.
Am 11.04. wird der katholische farbentragende Verein UNITAS des Technikums in die katholische Kirchengemeinde aufgenommen.

1921
Bürden erhält Anschluss an das Elektronetz.

31. Dezember 1921
In 210 Fabriken des Kreises sind 4.536 Beschäftigte tätig, in vier Porzellanwerken 848, in 4 Hohlglashütten 765 Beschäftigte. Ursachen für den Rückgang der Beschäftigtenzahlen sind u. a. der Weltkrieg und die Inflation.

4. Januar 1922
† Oskar Michaelis (Dr. jur.), Hildburghausen
* 02.02.1854, Eisfeld)
Jurist, Ehrenbürger
Er übernimmt 1844 die Anwaltspraxis seines Vaters, 1888 – 1896 Gemeinderatsmitglied, 1899 – 1905 Stellv. des Gemeinderats, 1906 – 1919 Vorsitzender des Gemeinderats, 02.04.1904 Titel Justizrat, 08.12.1919 Ehrenbürger der Stadt Hildburghausen.

24. Februar 1922
Thüringisches Einheitsschulgesetz unter dem Volksbildungsminister Max Greil (USPD/SPD) tritt in Kraft (G. ist ehemaliger Student des Technikums Hildburghausen).
Mit dem Notgesetz über den Aufbau des öffentlichen Schulwesens (23.04.1924) und weiterer nachfolgender Gesetze werden große Teile der „Greilschen Schulreform“ wieder beseitigt.
Zu einschneidenden Veränderungen kommt es beispielsweise am Gymnasium Georgianum. Die 9-stufige Schule wird dem Einheitsschulsystem angepasst und geteilt in jeweils 3-jährige Lehrgänge: Realunter- und -mittelschule, Oberschule. Die Schule verliert in den unteren Klassen den Charakter eines humanistischen Gymnasiums.

1. Juni 1922
Die Fabrikanten Kürschner und Langhammer sowie der Kaufmann Kuß kaufen die einst renommierte und im Besitz der Eisfelder Brauerei Zum Bergschlößchen befindliche Restauration Tivoli (s. auch um 1755) und gründen die Papier- und Metallwarenfabrik Kuß & Co. ohne Haftung in der Eisfelder Straße/Ecke Winzergasse (nach 1972 VEB Etikettenfabrik). Die Fa. stellt (Büroartikel, Musterklammern, Etiketten u. ä.) her.

1922
Die Fa. Mohr & Comp. in Häselrieth wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

8. Juli 1922
Der Meininger Landtag beschließt, die Lehrerseminare abzubauen, soweit sie nicht schon in andere Bildungseinrichtungen umgewandelt worden sind. Ab Ostern 1922 werden keine Seminaristen mehr aufgenommen, die Aufbauschule wird gegründet.
Mit der Aufbauschule wird ein verkürzter Lehrgang zur Erlangung der Hochschulreife angestrebt (vor allem Reduzierung der Stundentafel im altsprachlichen Bereich). Jährlich kommt eine neue Klassenstufe hinzu. Nach dem Volksschulbesuch folgt die sechsjährige Ausbildung an einer Aufbauschule (drei Jahre Mittelschule, drei Jahre Oberschule), die zur Reifeprüfung führt.
Aufbauschule und Lehrerseminar sind im Gebäude der heutigen Staatlichen Regelschule II in der Seminarstraße 2 untergebracht. Das Lehrerseminar wird 1927 geschlossen, an dem in ca. 130 Jahren etwa 2.000 Volksschullehrer ausgebildet worden sind.

1922
Alfons Schneider ist vom 01.04.1922 bis 01.02.1926 katholischer Pfarrer.

16. Juni 1922
Gesetz über die Neuabgrenzung der Kreise und Gemeinden (Kreiseinteilungsgesetz).
In der Anlage heißt es unter 5, dass der Kreis und die Hauptstadt den Namen Hildburghausen tragen, zur Grenze: „Heid, die Landesgrenze nach Bayern, die bisherige Grenze zwischen den Kreisen Meiningen und Hildburghausen, die Landesgrenze nach Preußen (Kreis Schleusingen), frühere Grenze zwischen den Gebieten Meiningen und Schwarzburg-Sondershausen (ausschließlich des Gemeindebezirks Neustadt a.R.), frühere Grenze zwischen den Gebieten Meiningen und Schwarzburg-Rudolstadt, die bisherige Grenze zwischen den Kreisen Hildburghausen und Sonneberg.“
In der Dorfzeitung wird kommentiert, dass am 03.01.1922 (nach dem Beschluss des Staatsministeriums vom 22.11.1921:
„5. Kreis Hildburghausen. Für diesen Kreis gilt bezüglich seines Bestandes, Leistungs- und Lebensfähigkeit dasselbe wie von Meiningen (zum Kreis Meiningen wird betont, dass er seit Jahrzehnten eine eigene Kommunalwirtschaft betreibt, seine Vermögensverhältnisse geordnet sind und von keiner Seite Schwierigkeiten zu erwarten seien. Seine Lebens- und Leistungsfähigkeit sei erwiesen, d. Verf.) Von ihm wird abzugliedern sein Neustadt a.R., das wirtschaftlich nach Nordthüringen weist; auch sind die Verkehrsverhältnisse nach zu seiner bisherigen Kreisstadt schlecht. Der Kreis Hildburghausen wird nach Abgang des Ortes Neustadt a.R. (1095 Einwohner) rund 57900 Einwohner zählen. Eine Finanzauseinandersetzung wird hier nicht nötig sein.”

1922
† Paul Mayser, Jena (Dr. med.)
* 1853
Nervenarzt, 2. Direktor der Irrenanstalt Hildburghausen von 1888 bis 1918
1883 – 1885 Habilitation (1883 über das Gehirn der Knochenfische) bei Forell und Privatdozent in Zürich. Leitet 30 Jahre die Anstalt und zeichnet für die rege Bautätigkeit, vor allem Bau der Außenhäuser, verantwortlich. Mit bedeutenden Wissenschaftlern seiner Zeit in Deutschland ist er eng verbunden, z. B. Bernhard v. Gudden (findet mit König Ludwig II. v. Bayern gemeinsam den Tod), August Forell, Franz Nißl. Gedenkstein auf dem Friedhof der „Anstalt“.
Veröffentlichungen:
u. a. eine Arbeit über das Fischgehirn
Die Herzoglich S. Meiningische Landes-Heil- und Pflegeanstalt zu Hildburghausen von 1866 bis 1910.

Oktober 1922
In der Landesnervenanstalt wird ein Fürsorgeheim für asoziale elternlose Jungen eingerichtet. Die Jungen kommen nach Einweisungen der Jugendämter bzw. der Gerichte aus dem gesamten Land Thüringen. Je Haus sind etwa 30 – 40 Jugendliche untergebracht. Bei strenger Führung stehen die berufliche und soziale Eingliederung im Mittelpunkt.

21. Oktober 1922
* Günther Deicke, Hildburghausen
† 14.06.2006, Mariánské Lázně (Marienbad – Tschechien, Kuraufenthalt)
Lyriker, Librettist, Lektor, Herausgeber, Redakteur

1922
In der Stadt werden acht Feuerlöschmeldestationen eingerichtet.

Oktober 1922
Denkmal für die 28 Gefallenen des Gymnasialsingkranzes im Weltkrieg wird auf dem Stadtberg errichtet.

1919 – 1923
Inflation

1. Januar      1918                1 Papiermark =   1,00 Goldmark
1. Januar      1919              10 Papiermark =   5,13 Goldmark
1. Dezember 1920          100 Papiermark =   6,38 Goldmark
1. Juli             1922       1.000 Papiermark=   9,50 Goldmark
1. Dezember 1922     10.000 Papiermark=   5,80 Goldmark
2. Juli            1923    100.000 Papiermark=  2,73 Goldmark
1. August       1923        1 Mio. Papiermark=   3,98 Goldmark
3. September 1923    10 Mio. Papiermark=   3,62 Goldmark
1. Oktober      1923   100 Mio. Papiermark=   1,35 Goldmark
15. Oktober    1923       1 Mrd. Papiermark=   1,12 Goldmark
19. Oktober    1923     10 Mrd. Papiermark=   1,23 Goldmark
1. November  1923     10 Mrd. Papiermark=   1,53 Goldmark
15. November 1923       1 Bill.  Papiermark=   1,72 Goldmark
ab 20. November 1923  1 Bill.  Papiermark=  1,00 Goldmark

Papiergeldumlauf in Deutschland:

1913              2,9 Mrd.
1921          122,5 Mrd.
1922                1,3 Bill.
1923      496.585 Trill.

Der Wert eines Sparguthabens nimmt folgende Entwicklung:

Juni 1914                100.000,00 Mark
Juli  1920                   10.638,00 Mark
Juli  1922                          851,00 Mark
Nov. 1923                               0      Mark
Wochenlohn           Lebensmittelpreise in Mark

 

                            1 Pfd. Brot    1 Pfd. Butter  1 Pfd. Wurst

 

Aug. 1914           28,00 Mark            0,32              1,00
Dez. 1920         218,00 Mark            1,40           30,00
Dez. 1922    4.193,00 Mark       180,00       1.750,00  1.400,00
Juli 1923   292.500,00 Mark     7.300,00      8.000,00
30. Sept. 1923  141,4 Mio. Mark  2,2 Mio. 35 Mio.   80,0 Mio.

Postkarte der „Dorfzeitung“ zur Zeit der Hochinflation im November 1923, die mit 10 Milliarden Mark reichlich unterfrankiert ist. In dieser Inflationsphase hat der Tarif für eine Postkarte im Fernverkehr allerdings 40 Milliarden betragen. Die Geschäftsstelle des Blattes mahnt 170.000.000.000 Mark für den im Voraus zu entrichtenden Bezugspreis der Zeitung für November an.
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

 

1923
Privatbanken lehnen in der Zeit der Hochinflation eine Kreditgewährung weitestgehend ab, so konzentriert sich das Kreditgeschäft fast ausschließlich auf die Sparkasse, die zwar in der Inflation ebenfalls ihr gesamtes Vermögen verliert, aber in der Phase nach der Einführung derRentenmark und der Stabilisierung der Wirtschaft den Vertrauensbonus der Bevölkerung genießt.

16. Februar 1923 bis 1931
Dr. Max Schröer (SPD) ist Bürgermeister.
(s. 01.04.1931)

1923

Bedingt durch die Inflation erhöhen sich die Arbeitslosenzahlen drastisch. Vor allem Bürger, die im mitteldeutschen oder im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ihre Arbeit verlieren, kehren nach Hildburghausen zurück. Auch hiesige Unternehmer gehen pleite bzw. nehmen Entlassungen vor. Im Nov. 1923 hat Hildburghausen 350 Arbeitslose und 319 Kurzarbeiter.

24. März 1923
† Helene Freifrau v. Heldburg, Meiningen, Gemahlin Herzog Georgs II. v. Sachsen-Meiningen-Hildburghausen
* 30.05.1839, Naumburg/Saale, geborene Hermine Helene Maria Augusta Franz

Freifrau Helene von Heldburg (seit 1873)
Gemälde von Oskar Begas, 1870, in Meininger Museen
In Hildburghausen sind der Theaterplatz und die Straße zwischen Clara-Zetkin-Straße und Theaterplatz nach ihr benannt.

1. April 1923
Eingemeindungen der Dörfer Häselrieth, Wallrabs, Birkenfeld nach Hildburghausen.
Die vom Land Thüringen verfügten Eingemeindungen werden von großen Protesten der Gemeinden begleitet. In Häselrieth bildet sich beispielsweise am 14.07.1923 ein Heimatbund unter dem Vorsitz des Kaufmanns Franz Müller, bis der Landtag die Zwangsvereinigungen (17.07.1924) wieder aufhebt.
 

„Gruss aus Birkenfeld“. Ortsansicht und Stirnberg; Gasthaus „Zum Ostindischen Schiff“.
Verlag unbekannt, 1904 postalisch verwendet.

„Gruß aus Häselrieth“. Gasthaus zur Grünen Haselstaude.
Verlag E. Schmidt, Häselrieth, um 1910.

„Partie in Wallrabs“ mit dem Glockenbrunnen aus dem Jahr 1799.
Verlag Karl Kein, Hildburghausen, postalisch 1917 gelaufen.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1. April 1923
Mit dem Ende der Übergangszeit und der Integration der ehemaligen Länder und Gebiete in das Land Thüringen geht das Technikum auf das Land Thüringen über (lt. Landtagsbeschluss vom 04.08.1923), nachdem sich Anfang 1922 der Hildburghäuser Magistrat an den thüringischen Minister für Wirtschaft wendet, dass die Stadt nicht mehr in der Lage sei, das Technikum allein zu finanzieren. Nach Gesetz vom 29.03.1923 wird es am 01.04. vom Staat Thüringen übernommen (einschl. finanzieller Beteiligung der Stadt). Das Technikum erhält die Bezeichnung Technische Oberschule Hildburghausen – Staatliche höhere Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik.
Sie ist eine Oberschule im Sinne des (sozialistisch geprägten) Einheitsschulgesetzes vom 24.02.1922 und ist dem thüringischen Ministerium für Volksbildung unterstellt.
Zwei Abteilungen: Maschinenbau und Elektrotechnik. Die Schule nimmt zum Zeitpunkt eine führende Rolle im technischen Mittelschulwesen in Deutschland ein.

3. Juni 1923
Bei einer Demonstration des Jungdeutschen Ordens mit ca. 1.000 Teilnehmern provozieren die Kommunisten eine Straßenschlacht. Ca. 100 Kommunisten, meist von auswärts nach Hildburghausen angereist, stürmen das Restaurant Eskimo in der Unteren Marktstraße, dabei wird die Inneneinrichtung vernichtet. Das Ereignis führt zum Eskimo-Prozess.




Das Hotel-Restaurant „Eskimo“ in der Unteren Marktstraße.
Sammlung Hans-Jürgen Salier
1923 – 1934
In Bürden Bau der Dorfkanalisation, Wegebau, Neulandgewinnung. 

3. September 1923
† Rudolf Armin Human (Lic. theol. Dr. jur., Dr. phil., Dr. h.c.), Hildburghausen
* 09.11.1843, Schalkau
Superintendent, Kirchenrat, Mitglied bzw. Korrespondierendes Mitglied mehrerer deutscher und internationaler Akademien, Pädagoge, Geschichtswissenschaftler, Stadtchronist, Ehrenbürger


Superintendent Kirchenrat Dr. Hanspeter Wulff-Woesten charakterisiert Humans Lebenswerk in seiner 1999 erschienenen Schrift „Bedeutende Protestanten in Hildburghausen. Ein Beitrag zum Jubiläum‚ 675 Jahre Stadt Hildburghausen (1324 – 1999)‘“ mit den Worten:
„Er handelte zutiefst menschlich und war in Allem ‚human‘. Damit machte er seinem Namen alle Ehre. Human war ein scharfer philosophischer Denker, tiefer Theologe, frommer Christ, begabter Philologe, begehrter und gesuchter Seelsorger, guter Leiter und Organisator, sorgfältig recherchierender Historiker. ‚Glaube‘ und ‚Heimat‘ waren für ihn aufs Engste verbunden.“

Oktober 1923

Nach Bekanntwerden von Umsturzversuchen der Nationalsozialisten, die am 09.11. mit dem Marsch Hitlers auf die Feldherrenhalle in München den Höhepunkt finden, patrouillieren vor allem kommunistische Kräfte in einigen Städten des Kreises, in Hildburghausen im Stadtgebiet bis nach Steinfeld.

Herbst 1923 bis Frühjahr 1924
Die Weimarer Republik kämpft ums politische Überleben (Reichspräsident Ebert, SPD, verhängt vom 26.09.1923 – 28.02.1924 den militärischen Ausnahmezustand). Der Republik drohen Putschversuche der Nationalsozialisten und der Kommunisten.
Thüringen wird zum Tummelplatz der linken und rechten Extremisten. Am 16.10. kommen zur Minderheitsregierung Frölich-Greil drei moskauhörige Kommunisten hinzu (Korsch – Justizminister, Tenner – Wirtschaftsminister, Dr. Neubauer – Staatsrat).
Thüringen wird wie Sachsen von einer Einheitsfrontregierung gelenkt. Am 29.10. folgt der Reichswehreinmarsch in Thüringen. Die drohende Reichsexekution kann nur durch das kompromissbereite Verhalten der Sozialdemokraten abgewendet werden. Sie erkennen weitgehend, dass man mit der KPD nicht paktieren kann, dass sie von den Kommunisten instrumentalisiert werden. Am 12.11. scheiden die KPD-Minister aus der Regierung aus, am 07.12. tritt die Rumpfregierung Frölich-Greil zurück.
Eine Verbindungsstraße zwischen Schleusinger Straße und Waldstraße in Hildburghausen trägt den Namen Dr.-Theodor-Neubauer-Str. Das USPD/KPD-Mitglied Th. Neubauer (1890 – 1945, hingerichtet) ist 1923 Staatsrat für Volksbildung Thüringens. Wegen seiner radikalen kommunistischen Einstellung wird er als Lehrer (Studienrat) entlassen. Er bekämpft den Klassencharakter der bürgerlichen Schule, ist u. a. als Redakteur und Berufspolitiker tätig (1924 – 1933 Reichstagsmitglied), 1933 – 1939 Konzentrationslager, danach Aufbau der zentralen Widerstandsgruppe des ZK der KPD, Neubauer-Poser-Gruppe. Er gilt als einer der Vorkämpfer der sozialistischen Volksbildung der DDR.

1923

In der Häselriether Glashütte wird eine Fabrikation für Flaschenknöpfe aus Porzellan eingerichtet, die Glasproduktion wird jedoch nicht wieder reaktiviert.

16. Oktober 1923

Eingemeindungen von Heßberg und Weitersroda nach Hildburghausen.

20. Oktober 1923
Das Landratsamt kauft eine sog. Kreisautospritze (Motor-Anhängerspritze mit Motor-Zug- und Mannschaftswagen), sie wird im Spritzenhaus, in den unteren Räumen des Rathauses, stationiert.

1923

Nonnes Erben verkaufen die Dorfzeitung aus finanziellen Gründen an den Zeitungsverlag Vogel in Pößneck. Die Dorfzeitung erscheint nun als Thüringer Tageszeitung.
Der Titel wird in der Bundesrepublik Deutschland vom Vogel-Verlag an die Bundeslandsmannschaft Thüringenmit Sitz in Mainz (Bruno Knüpfer) verkauft. Nach der Einheit Deutschlands stellt das Blatt sein Erscheinen ein.

1923
Die Industrieschule – Kreiswaisenhaus – stellt ihren Betrieb ein.

15. November 1923
Zur Stabilisierung der Währung wird die Rentenmark (RM) eingeführt, Gesetz vom 13.10.1923. Dem weiteren Sozialabbau und der Arbeitslosigkeit wird damit gegengesteuert.

1. Januar 1924
Die Gesamtgemeinde Hildburghausen hat mit den Eingemeindungen ca. 10.000 Einwohner.

2. Januar 1924
Gemeinsame Sitzung der Vorstände des Hennebergisch altertumsforschenden Vereins und desVereins für Meininger Geschichte und Landeskunde im Hotel Englischer Hof in Hildburghausen. Eine Verschmelzung der Geschichtsvereine kommt aber vorerst nicht zustande. Initiator ist Dr. R. A. Human. (01.01.1935 Bildung des Hennebergisch-fränkischen Geschichtsvereins, eine 8-köpfige Kommission tagt am 21.12.1934 im Hotel Drei Rosen in Themar.)

10. Februar 1924
Wahlen zum Thüringer Landtag. Der bürgerliche parteienübergreifende Thüringer Ordnungsbund gegen SPD und KPD erreicht mit 35 Sitzen die Landtagsmehrheit, SPD – 17, KPD – 13, Völkische Liste – 7.

1. April 1924
Ausgemeindungen Heßbergs und Weitersrodas aus der Gesamtgemeinde Hildburghausen.

1924
Im Haus 1 der Irrenanstalt werden Werkstätten eingerichtet für die Berufsvorbereitung der sozialgefährdeten Jugendlichen sowie von Patienten (Tischler, Schuhmacher, Schneider, Buchbinder, Maler, Korbflechter).
(s. auch Okt. 1921).
Wegen der relativ lockeren Führung des Fürsorgeheims kommt es zu Spannungen mit der Stadt und der Bevölkerung. Das Heim wird am 01.04.1927 nach Blankenheim-Egendorf bei Weimar verlegt, die Beobachtungsstation verbleibt bis 01.10.1927 in Hildburghausen. U. a. ist der später in Weimar wohnende Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller Dr. Hans Malberg im Fürsorgeheim tätig. Er schreibt u. a. auch für die Dorfzeitung.

1924
Gymnasialbibliothek umfasst ca. 7.000 Bände. Herzog Friedrich stiftet 1812 aus der Schlossbibliothek 400 Bände, 1837 kommt ein Großteil der Bibliothek des Universalgelehrten Dr. Friedrich Sickler hinzu, 1838 die Büchersammlung des Veilsdorfer Pfarrers Oberländer, 1922 die Bibliothek des Gymnasialprofessors Bruno Bandke.

Ostern 1924
Das von der linken Regierung (1921 – Jahresbeginn 1924) eingeführte Einheitsschulsystem wird von der bürgerlichen Regierung weitgehend wieder beseitigt. Der Abbau des Gymnasiums wird gestoppt. Es kommt zu inhaltlichen und organisatorischen Veränderungen, vor allem werden die Neigungen und Begabungen der Schüler stärker gefördert, u. a. wird dem Deutsch-, dem Sport- und Spielunterricht, Gesang- und Musikunterricht größere Aufmerksamkeit geschenkt. Am Gymnasium wird ein Schülerorchester gegründet.

12. Mai 1924
Bankmäßige Geschäfte der Kreissparkasse werden der neugegründeten Kreisbank übertragen. Die Kreissparkasse wird weiter selbstständig betrieben (als Spar- und langfristiges Kreditinstitut). Beide Geld- und Kreditanstalten sind Einrichtungen des Kreises.

1924
Ein Aufruf des Ausschusses für das Heimatmuseum, unterzeichnet von den Pädagogen Heinrich Fischer, Armin Götz und Hermann Keidel, will die Bürger noch einmal für die weitere Ausgestaltung des Heimatmuseums mit Geschenken und Leihgaben aktivieren.

6. Juli 1924
Nach der Gründung des Roten Frontkämpferbunds (RFB) in Schnett wird die Ortsgruppe des RFB in Hildburghausen gegründet, er ist eine militante Schutz- und Wehrorganisation der KPD, Vorsitzender im Reich ist Ernst Thälmann. Der RFB wird 1929 verboten.
Die erste RFB-Gruppe im Deutschen Reich wird am 06.07. nach einer proletarischen Sonnenwendfeier und der Grundsteinlegung für ein Liebknecht-Luxemburg-Denkmal auf dem Simmersberg bei Schnett gegründet.

1924
In der Festschrift zur 600-Jahrfeier Hildburghausens heißt es zur Situation der Bürgerschule (Obere Marktstraße und 46): „... Leider hat sich immer noch nicht die schon lang gehegte Hoffnung, daß ein neues Schulgebäude als Ersatz für das bisherige, in vielen Beziehungen unzulängliche errichtet wird, verwirklichen lassen. Indessen ist wenigstens insofern eine gewisse Besserung eingetreten, als nach Aufhebung der Baugewerksabteilung des Technikums das so genannte alte Technikum (ehemals Brunnquellsches Haus, dann Bibliographisches Institut von Jos. Meyer) der Bürgerschule zugewiesen wurde. Sie muß es aber mit der Berufsschule und der Landwirtschaftlichen Winterschule teilen.“

Bertholdstor.
Adressentext: Zur Erinnerung an den Grafen Berthold VII. von Henneberg, dem Hildburghausen Stadtrechte und Ummauerung dankt – 1324 – 1924.
Hofkunstanstalt Löffler & Co., Greiz.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

 

Handkolorierte Anlasskarte zur 600-Jahrfeier der Stadt Hildburghausen im Jahr 1924.
Druck: F. W. Gadow & Sohn G.m.b.H. Hildburghausen.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

12. bis 21. Juli 1924
Festwoche zur 600-Jahrfeier der Erhebung Hildburghausens zur Stadt durch Graf Berthold IV. (VII.) v. Henneberg-Schleusingen.
Zum Auftakt werden die Stadtbücherei und das Heimatmuseum eröffnet.
Die Stadtbücherei wird in das oberste Stockwerk des Schlosses verlegt (später im unteren Stockwerk des östlichen Seitenflügels. Bibliothek des Bezirkslehrervereins und der unterhaltende Teil der Bibliothek der Technischen Oberschule werden in die Stadtbücherei übernommen). Im Heimatmuseum werden Nebenausstellungen gezeigt: Fränkische Kunst, Keramik, Kupferstecherei, Münzen.
- Übergabe des Bertholdstors zwischen Knappengasse und Obere Allee. Zu Ehren des Stadtgründers Berthold IV. (VII.) v. Henneberg-Schleusingen wird neben einem Halbschalenturm ein Mauerdurchbruch ausgeführt und Torgewände von Bürgerhausern aus der Oberen Marktstr. um 1780 eingefügt. Bei der Planung und Ausführung des Projekts ist der als Baumeister und Mundartdichter bekannt gewordene Bernhard Sendelbach maßgeblich beteiligt.
(s. auch 23.06.1967)
13.07. Eröffnung der Feierlichkeiten und historischer Festumzug.
18.07. – 28.07. Industrie- und Gewerbeausstellung auf dem Schützenhofgelände.
18.07. Grundsteinlegung zum Ehrenmal für die gefallenen Hildburghäuser auf dem Friedhof an der Schleusinger Straße.
19. – 21.07. Landwirtschaftsausstellung im Irrgarten (Schlosspark).

Der Festumzug zur 600-Jahrfeier der Stadt Hildburghausen mit Bildern zur Stadtgeschichte führt auch durch die Rosengasse.
Das zweite Haus rechts ist das zweitälteste in Hildburghausen.

1924
Im Jahr des Stadtjubiläums wird eine Medaille für die 3. Gewerbe- und Industrieausstellung (Bronze versilbert) und eine für die Jubiläumsausstellung FÜR HERVORRAGENDE LEISUNGEN als Ehrenpreis der Stadt Hildburghausen ediert, hergestellt von der Münzstätte Lauer in Nürnberg.

 

1924
Sommersemester. Die Weimarer Staatsregierung fordert die Umwandlung des Technikums in eine Höhere Technische Staatslehranstalt, Voraussetzung für die Aufnahme: Mittlere Reife, Studiendauer: 6 Semester. Die Schule nennt sich Staatliche Höhere Fachschule – Technische Oberschule.

26. bis 28. Juli 1924
54. Abgeordnetentag des Thüringer Feuerwehrverbandes in Hildburghausen.

10. August 1924
Im Geschäftsbericht der Vereinsbank e.G.m.b.H. (vom 10.08.1924) heißt es: „Der Umsatz unserer Genossenschaft betrug im Geschäftsjahr 1923 infolge der hemmungslosen Geldentwertung 680 000 Billionen gegen 3,8 Millarden M in 1922. Der Geschäftsgang war hierdurch während des ganzen Jahres überaus lebhaft, den vielfach an uns gestellten Kreditansprüchen konnten wir ausnahmslos gerecht werden; die Zahl unserer Mitglieder erhöhte sich wieder in erfreulicher Weise, sie stieg um 311 von 1960 auf 2271 Mitglieder am 1. Januar 1924 ...“
Der Vermögensstand der Vereinsbank e. G. beläuft sich auf 38.983.970.000.000.002 Mk., am 31.12.1924 307.132,96 Mk. 1924 beträgt nach Konsolidierung der Gesamtumsatz 18 Mio. Mk., und die Mitgliederzahl erhöht sich am Ende des Jahres auf 2.312. Nach weiteren wirtschaftlichen Problemen der Nachinflationsjahre entwickelt sich die auf gemeinwirtschaftlich-genossenschaftlicher Grundlage arbeitende Bank zu einem wichtigen Geldinstitut des Klein- und Mittelstands.

1924
Im Schlosspark wird an der Südostseite auf einem aufgeschütteten Hügel ein Denkmal für die im Weltkrieg Gefallenen der Hildburghäuser Garnison der 95er errichtet.




Denkmal im Schlosspark für die Gefallenen der Garnison der 95er.
Das Denkmal ist zur DDR-Zeit geschleift worden, weil es nicht dem Zeitgeist entsprach.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

28. August 1924
In Häselrieth wird die Friedhofskapelle geweiht. Als erste Leiche wird die Ehefrau des Kirchenrats Karl Liebermann eingesegnet.

1924
Max-Michaelis-Straße ist im Einwohner- und Geschäftshandbuch ausgewiesen, benannt nach dem Ehrenbürger Max Michaelis.
Im Dritten Reich wird die Straße in Horst-Wessel-Straße umbenannt, 1945 wieder in Max-Michaelis-Straße.

11. Oktober 1924 bis 9. Februar 1937
Die Werrabahn mit den Nebenbahnen wird der Reichsbahn-Gesellschaft unterstellt.

Vor 1925

„Singkranzdenkmal“ am Schulersberg für die 28 im Ersten Weltkrieg gefallenen Sangesbrüder.

 

1. Januar 1925
Da der reine Sparverkehr die Stadtsparkasse in Schwierigkeiten bringt, wird sie nach entsprechenden Beschlüssen als Sparbank der Stadt Hildburghausen weiter geführt.
Neben der Kreissparkasse bestehen noch acht selbstständige Stadt- und Gemeindesparkassen im Kreis. Landrat Dr. Ludwig Thein ist seit 1922 energisch bemüht, die einzelnen Sparkassen zu einem einheitlichen Institut zusammenzuführen, vor allem um die wirtschaftliche Not zu überwinden.

1925
Nach Versetzung von Prof. P. Zizmann, Direktor der Staatslehranstalt (Technikum), in den Ruhestand übernimmt Studiendirektor Dipl.-Ing. A. Ruhnke die Leitung.




Skizze und Kriegerdenkmal für die gefallenen Soldaten auf dem Zentralfriedhof Hildburghausen.
Ansichtskarte: Verlag H. Rubin & Co., Dresden-Blasewitz, um 1925
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1925
Berufsgruppenstatistik:
Gesamtbevölkerung des Kreises: 60.239 Einwohner (77,65 Ew. je km², Landesdurchschnitt: 137,26 Einwohner je km²).
Landwirtschaft (einschl. Gärtnerei, Tierzucht, Forstwirtschaft, Fischerei) = 47,5 %; Industrie (einschl. Bergbau, Baugewerbe) = 29,9 %; Handel, Verkehr, Gastwirtschaft = 6,6 %.
Von der Gesamtfläche des Kreises (77.573 ha) werden 69.374,3 ha (= 86,9 %) land- bzw. forstwirtschaftlich genutzt. Auf 106 Forstbetriebe mit 22.168,6 ha kommen 10.327 landwirtschaftliche Betriebe mit insges. 45.205,7 ha. (58,5 % Fläche des Kreises).

1925
Der berüchtigte Nationalsozialist und Gymnasiallehrer Fritz Hille gründet die Ortsgruppe der NSDAP.

Dezember 1925
Der Burghof wird durch A. Berger und J. Scheiflinger als Gesellschaftshaus eröffnet.


Burghofsaal
Foto: Rudolf Meffert
Sammlung: Ines Schwamm

22. Dezember 1925
Das Weimarer Ministerium für Volksbildung und Justiz beschließt die Wiedereinführung des Technikums.
(s. 01.04.1927).

Um 1925

Das inzwischen als Gesundheitsamt genutzte ehemalige Kreiskrankenhaus (s. 26.07.1921) in der heutigen Külzstraße erhält einen weiteren Anbau. Das Gebäude wird Tuberkulosefürsorgestelle (Dr. Elise Pampe).

1926
Anton Wehner ist vom 29.01.1926 bis 20.05.1931 katholischer Pfarrer.

1926
Im Arbeiterturnverein Freie Turnerschaft gründet sich eine Gruppe Fußballspielender mit der Bezeichnung Schwarz-Gelb Hildburghausen.

6./7. September 1926
Die Kampfbahn (Sportanlage für Fußball und Leichtathletik) an der Schleusinger Straße wird von Bürgermeister Dr. Max Schröer (SPD) eingeweiht, sie wird auch Hindenburg-Kampfbahn genannt. Auf einem Schlackeplatz wird eine Tennisanlage mit zwei Feldern angelegt.
Der Sportplatz wird Anfang der 70er Jahre Bestandteil des Geländes der Grenztruppen der DDR. Für Trainingszwecke wird ein Platz hinter der Gasanstalt (heutiges Gelände Berufsbildungszentrum, Landratsamt) genutzt.

Fahrkarte der Ingenieurverbindung „Rhenania“ der Staatlichen Ingenieurschule Hildburghausen für das Stiftungsfest am 24. Mai 1926 mit Sonderzug zum Stiftungsfest in Heldburg. Am Pfingstmontag begann die Fahrt um 8.16 Uhr und die Rückfahrt nach Hildburghausen erfolgte um 22.04 Uhr.
Sammlung Eckhard Dubhorn, Gelnhausen

1. September 1926
Die Staatliche Ingenieurschule Hildburghausen wird in die Reichsliste der Schulen aufgenommen, deren Abgangszeugnisse für die Einstellung zum Höheren Dienst berechtigen.

1926
Der Gedichtband Mir sölln euch grüß – Gedichte in Hildburghäuser Mundart“ von Arthur Schmid (1898 – 1952) erscheint.

Ein ungewöhnlicher Blick vom Haus des ehemaligen Konditormeisters Karl Lammert (vormals Café Hoffmann) zur Unteren Marktstraße mit dem Rathausturm (links) und der Stadtkirche (Christuskirche) in den zwanziger Jahren. Sehr deutlich sieht man die beim Wiederaufbau zurückgesetzten Häuser nach dem Großbrand von 1887.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

1926
Dr. Otto Wiemann gründet die chirurgisch-gynäkologische Abteilung des Kreiskrankenhauses. Das Gebäude wird saniert, und eine Röntgeneinrichtung wird eingebaut.

1927
Die Stadt- und Kreisbibliothek wird als Modellbücherei für die volkstümlichen Büchereien anerkannt. Sie wird Eigentum der Stadt und ist dem Reichsleihverkehr angeschlossen. Die Einrichtung verfügt über einen Bestand von 4.000 Bänden für knapp 600 Leser.

2. April 1927
Gesamtes Postgrundstück geht für den Kaufpreis von 113.000,- RM aus dem Besitz der Lefflerschen Erben in den Besitz der Deutschen Reichspost über.

1927
Die fünf Amtsgerichtsbezirke des Kreises erhalten mit Staatsbeihilfen Lafettenspritzen und Vorspannfahrzeuge.

1927
Schließung des Lehrerseminars in der heutigen Geschwister-Scholl-Straße. Die beiden Gebäude werden von der Aufbauschule genutzt.

1. April 1927 bis 1934
Auf Beschluss des Landtags des Freistaats Thüringen wird neben der 6-semestrigen (höheren) Staatlichen Technischen Oberschule ein 4-semestriger (mittlere) Maschinenbauschule zur Ausbildung von Betriebsfachleuten eingerichtet. Die zusammengefassten Schulen tragen den Namen Thüringische Technische Staatslehranstalten Hildburghausen.

In einigen wichtigen Städten Deutschlands, Europas und in Übersee entstehen im Laufe der Zeit Stammtische ehemaliger Studierender und ihrer Verbindungen des Technikums Hildburghausen. Ihr Motto ist meist „Einigkeit macht stark!“ Die abgebildete Karte aus dem Jahr 1928 stammt vom Stammtisch Düsseldorf.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

 

27. Oktober 1927
Das städtische Krematorium südlich der Kapelle mit einem unterirdischen Gang auf dem Zentralfriedhof in Hildburghausen wird geweiht. Es handelt sich um die 81. deutsche und 16. thüringische Einäscherungsstätte. Es ist von dem drei Tage vorher verstorbenen Unternehmer Fritz Löffler gestiftet und erbaut worden. Die Stilllegung der Anlage, die vorerst auf Kohlebasis betrieben und später auf Stadtgas umgestellt wird, erfolgt aus technischen Gründen Ende 1992.

Pfingsten 1928

Einweihung der Gedächtnisbrücke (zwischen Helenenstraße und Schlosspark) für die 1914 – 1918 gefallenen Kommilitonen des Technikums. Besondere Verdienste erwerben sich Architekt Hugo Goller, Oberingenieur Hermann Ochsendorf und Studienrat Ing. Schumann. Die finanziellen Mittel für den Brückenbau werden von den Ehemaligen erbracht. An der Schlossparkseite ist die Mahnung eingemeißelt:
„Die Technik diene nicht der Versklavung des Menschen, sondern mache den Menschen frei und gut und diene ihm!“

1928
Die in Hildburghausen ansässige Discontogesellschaft wird geschlossen. Die Sparkasse wirbt um deren Konten. Insgesamt nimmt die Sparkasse eine äußerst ungesunde geschäftliche Entwicklung, dem Kreditgeschäft fehlen die entsprechenden Sicherheiten. Nach der deutschen Bankenkrise 1931 erlebt die Sparkasse Hildburghausen allergrößte Verluste. Gegen den Bürgermeister und die Vorstandsmitglieder wird ein Dienststrafverfahren eingeleitet. Mit einer gezielten Sanierungspolitik kann sich das seit 1933 wieder in Stadtsparkasse umbenannte Institut bis 1938 konsolidieren (Herstellung der Liquidität, Bilanzbereinigung, Rentabilitätssicherung).

Max Salier al. „Fidelio“, Vater von Hans-Jürgen Salier,
Mitglied der Ingenieurverbindung Saxo-Thuringia“.
Verlag Gustav Meffert Hildburghausen, 1928

11. Dezember 1928
Unter Führung von Bürgermeister Dr. Schröer formiert sich der Protest gegen den Abbau der Landeskapelle Meiningen, in Hildburghausen etabliert sich ein Schutzbund zur Erhaltung der Landeskapelle. Die Proteste weiten sich deutschlandweit aus, die Kapelle bleibt erhalten.

1928
Das Finanz- und Zollamt in der Schleusinger Straße wird eingeweiht, nach dem Zweiten Weltkrieg ist es kurzzeitig amerikanische und sowjetische Kommandantur, 1949 Einrichtung als Poliklinik.

1. März 1929
Gründung und Bestätigung der Satzung des Feuerwehrlöschzweckverbands des Amtsgerichtsbezirks Hildburghausen (Stadt Hildburghausen, Adelhausen, Bedheim, Birkenfeld, Bürden, Ebenhards, Eishausen, Häselrieth, Heßberg, Hetschbach, Leimrieth, Massenhausen, Pfersdorf, Roth, Schackendorf, Veilsdorf, Kloster Veilsdorf, Wallrabs, Weitersroda, Zeilfeld).

Die Gedächtnisbrücke am Neuen Technikum in der Helenenstraße im Jahr 1929.
Das Foto ist Vorlage für eine Ansichtskarte des Vogel Verlages, der seit 1923 Eigentümer der „Dorfzeitung“ ist.
Sammlung Hans-Jürgen Salier.

5. Juli 1929
† Hans Meyer (Prof. Dr.), Leipzig
* 22.03.1858, Hildburghausen, Sohn von Herrmann Julius Meyer und Enkel von Carl Joseph Meyer
Geograf, Forschungsreisender, Schriftsteller, Teilhaber des Bibliographischen Instituts (ab 1884)

23. Januar 1930
Landesregierung erstmals unter Beteiligung der NSDAP. Das Innen- und Volksbildungsministerium wird von Wilhelm Frick geleitet, Staatsrat ist der Nationalsozialist Marschler. Das politische Leben radikalisiert sich in der Frick-Ära (April 1931 Rücktritt). Das Land wird zu einem Experimentierfeld der Nationalsozialisten, vor allem zum Aufbau eines NSDAP-freundlichen Verwaltungsapparats.

Um 1930. Blick vom Häselriether Berg auf Hildburghausen, im Vordergrund der Bahnhof. Der Berg ist im Gegensatz zu heute nur gering bewaldet gewesen, da durch das Glaswerk am Häselriether Gries (bis 380 Beschäftigte) es zu einem großen Umweltschaden gekommen ist. Als Entfärbungsmittel bei Glas ist das hochgradig giftige Arsen eingesetzt worden. Die entwichenen Dämpfe haben im Laufe vieler Jahre das Baumsterben verursacht.

Der Häselriether Berg von Hildburghausen gesehen.
Fotos: Rudolf Meffert.
Sammlung Hans-Jürgen Salier

 

12. Juli 1930
Der Österreicher Adolf Hitler, Chef der NSDAP, soll zum Gendarmeriekommissar von Hildburghausen ernannt werden, das geschieht auf Initiative des ersten nationalsozialistischen Staatsministers im Deutschen Reich, Wilhelm Frick, Innenminister und Minister für Volksbildung des Landes Thüringen. Mit der Ernennung ist automatisch die Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft verbunden. Vermutlich verweigert der Landrat, Dr. Ludwig Thein, seine Unterschrift. Die Urkunde wird Hitler zum NSDAP-Gauparteitag in Gera gegen Empfangsbestätigung ausgehändigt. Die Angelegenheit wird nicht öffentlich gemacht. Seine „eigentliche Einbürgerung“ geschieht mit der Ernennung zum Regierungsrat beim Landeskultur- und Vermessungsamt in Baunschweig. Hitler wird zum Sachbearbeiter bei der Braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin ernannt. Der nationalsozialistische Innenminister Dietrich Klagges inszeniert die Angelegenheit, H. leistet dort seinen Diensteid.
(s. 15.03.1932)


Entlang der Kleinbahnschienen von Hildburghausen – Lindenau/Friedrichshall geht es am 13. Juli 1930 zum Katerbummel ins vier Kilometer entfernte Leimrieth, dem beliebten „Bierort“ einzelner studentischer Verbindungen des Technikums Hildburghausen.
Foto: Rudolf Meffert

30./31. August 1930
26. Bundesveranstaltung und Briefmarkenschau des Thüringer Briefmarkensammlerbunds in Hildburghausen mit Unterstützung der Gruppen aus Eisfeld und Römhild. Im Ergebnis der Veranstaltung wird eine philatelistische Kreisgruppe gebildet. Besonderen Einfluss hat Geheimrat Peter Mavrogordato, Pierato b. Römhild, Ehrenmitglied des Thüringer Briefmarkensammlerbunds.


Hindenburg-Parade 1930

 


 


Um 1930
Erste Häuser am nordöstlichen Stadtrand werden errichtet, anfangs Saarstraße benannt, nach 1945 Am Stadtrand.

Oktober 1930
Die KPD organisiert den sog. Fehrenbacher Hungermarsch nach Hildburghausen zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz. (14.03.1931  2. Hungermarsch).
200 von 254 Haushaltungen in Fehrenbach müssen von Fürsorge leben. Der Einfluss der Kommunisten nimmt in Fehrenbach u.a. Waldorten weiter zu.

Um 1930
Zum Landzustellbezirk des Postamts Hildburghausen gehören: Adelhausen, Belvedere, Birkenfeld, Ebenhards, Ebenrettersmühle, Eichertsmühle, Eishausen, Finkenmühle, Friedrichsanfang, Glashütte, Häselrieth, Heßberg, Höppelsmühle, Leimrieth, Massenhausen, Meierei b. Steinfeld, Pfersdorf, Schleifmühle, Sophienthal, Steinfeld, Teckenmühle, Wallrabs, Weitersroda, Zeilfeld.
Posthilfsstellen bestehen in Adelhausen, Eishausen, Steinfeld, Zeilfeld und Telegrafenhilfsstellen in Ebenhards, Häselrieth, Heßberg, Leimrieth. Reurieth (mit Siegritz und Trostadt) besitzt eine Poststelle. 

Stadtplan um 1930

1930
In der Stadt existieren gleichzeitig 8 Hotels und 29 Gaststätten.

Wohnhaus mit Atelier und Ladengeschäft des Fotografen Rudolf Meffert, Rosengasse 7, um 1930.

Der tatendurstige Fotograf und Unternehmer Rudolf Meffert hat im Laufe seines Lebens mit seinen Arbeiten wesentlich die Geschichte Hildburghausens dokumentiert, auch die beiden sozialistischen Diktaturen. Markenzeichen des sportlichen Fotokünstlers sind sicherlich seine Knickerbocker gewesen, und so manches Verkehrsgeländer umlief er nicht immer ordnungsgemäß, sondern nahm es mit einer eleganten Fechterflanke.

Fotos: Foto-Meffert, Sammlung Ines Schwamm

Nach 1930
Eine Verbindungsstraße zwischen Schleusinger Straße bis Waldstraße wird nach dem Gründer des Technikums Wilhelm-Rathke-Straße benannt.

Nach 1930
Hinter dem Hotel „Hohenzollern“ (später Bahnhofshotel) wird eine wettkampfgerechte Tennisanlage mit zwei Plätzen eingerichtet (Tennisclub „Rot-Weiß“, der 50 Mitglieder hat und in Thüringen und Franken sportlich erfolgreich ist). Der Turnverein 1848 erbaut hinter der sog. „Wabnitz-Halle“ eine weitere Tennisanlage, die nach 1957 weiter ausgebaut wird.

1930 – 1945
Aus dem Zeitraum steht im Bereich der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Hildburghausen kaum archivarisches Material zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen sind vermutlich die Akten privat vom Gemeindeleiter Franz Otto aufbewahrt worden und sind kriegsbedingt verloren gegangen.

27. Februar 1931
Auf dem Hildburghäuser Bahnhof stoßen zwei Güterzüge zusammen, 23 Wagen und zwei Maschinen werden beschädigt, Heizer und Lokführer erleiden leichte Verletzungen.

März 1931
Beginn der allgemeinen Landverkraftung der Deutschen Reichspost im Kreis. Nicht an der Werrabahn bzw. an den Zweigbahnen liegende Postorte werden mit Kraftwagen versorgt (Postsendungen und Personentransport).
Folgende Poststellen werden werktags zweimal und sonntags einmal befahren:
Birkenfeld, Heßberg, Bürden, Weitersroda, Sophienthal, Steinfeld, Eishausen, Massenhausen, Adelhausen, Stressenhausen, Bedheim, Simmershausen, Gleicherwiesen, Roth, Linden, Gleichamberg, Zeilfeld, Pfersdorf, Leimrieth.

25. März 1931
† Hugo Petters, Füssen (am 28.03. in Hildburghausen beigesetzt)
* 09.06.1843, Weimar
Kupfer- und Stahlstecher, Chef „Kartographisches Institut Hugo Petters“

28. März 1931
Die SPD und die Gewerkschaften organisieren im Kaisersaal mit Berliner SPD-Reichstagsabgeordneten eine gut besuchte öffentliche Versammlung gegen die Nationalsozialisten.

1. April 1931
Nach 8-jähriger Amtsführung scheidet der sozialdemokratische Bürgermeister Dr. Schröer aus dem Amt, der Stadtrat versagt ihm am 19.01. die Wiederwahl. Am 13.03. wird Dr. Hans Zschaeck, der bisherige Bürgermeister Themars und zu Beginn von Schröers Amtszeit Beigeordneter, zum Bürgermeister gewählt. Damit erlischt die Aufsicht des Landrats über die Stadtverwaltung, verursacht wegen der desolaten Haushaltslage der Stadt.

19. März 1931
Die neu errichtete Landwirtschaftskammer des Kreises hält ihre erste Sitzung ab.

18. Mai 1931
Die Kirchgemeinde Hildburghausen erwirbt für 19.000 Mark das Sendelbachsche Haus in der Oberen Allee, das als evangelisches Gemeindeheim genutzt wird, seit 1973 „Dr.-Elise-Pampe-Heim“, benannt nach der Lungenfachärztin und couragierten Landessynodalen Dr. Elise Pampe (06.11.1893 – 20.10.1973).

Das Restaurant Sendelbach um 1910 mit seiner beliebten Gartenwirtschaft (seit 1823) in der Oberen Allee hat eine lange historische Entwicklung zurückgelegt, ehe es 1923 an die Riebeck-Brauerei Heßberg verkauft worden ist und von ihr 1931 an die evang.-lutherische Kirchgemeinde Hildburghausen als Gemeindeheim.
Sammlung Hans-Jürgen Salier 

Juli 1931
Nothilfe-Werkgemeinschaft (Wernofeh) zur Arbeitsbeschaffung wird in den armen Waldgemeinden Fehrenbach, Heubach, Schnett gegründet. Der Verein hat seinen Sitz zunächst in Hildburghausen, dann in Heubach.

3. Oktober 1931
Der Stadtrat protestiert gegen die Bemühungen (seit ca. 1920), zwischen Königshofen – Rodach (über Römhild) eine Eisenbahnstrecke einzurichten: „Von allen Sprechern wurde übereinstimmend festgestellt, daß die Durchführung der von Coburg projektierten Bahnlinie für die Stadt Hildburghausen wirtschaftlich von schwerstem Nachteil sein müsse!“

11. Oktober 1931
Ganz Südthüringen befindet sich im Zeppelin-Fieber. Das legendäre Luftschiff Graf Zeppelin (D-LZ 127) unternimmt eine Landungsfahrt von Friedrichshafen nach Meiningen, erreicht um 10.27 Uhr das Werratal bei Eisfeld und fährt anschließend über Hildburghausen und Themar. Das 235 m lange Luftschiff landet um 11.00 Uhr auf dem Meininger Flugplatz auf dem Rohrer Berg, ab 12.00 Uhr beginnt der Aufstieg zur Rückfahrt.

Der Zeppelin über dem Rathaus Hildburghausen ist keine „Angeberkarte“, wie sie von vielen Städten im Zeppelinfieber jener Zeit hergestellt wurden, um zu dokumentieren, wir waren auch dabei. Mitunter war es auch nur ein Gack eines Papierwarenhändlers zur Steigerung des Umsatzes. – Bei der Abbildung handelt es sich um die Landungsfahrt des LZ 127 Graf Zeppelin am 11. Oktober 1931, der aus Friedrichshafen am Bodensee kommend, nach Meiningen auf den Rohrer Berg fuhr. Das Jahrhundertspektakel für den Südthüringer Raum zog 100.000 begeisterte Menschen an. Die Abbildung auf Seite 125 des Bandes „Hildburghausen unterm Hakenkreuz“ (Römhild/Salier) zeigt die Landungsfahrt vom 2. Juli 1939 des LZ 130 Graf Zeppelin II, die als „Meiningen-Fahrt“ bezeichnet wird und mehr oder weniger nationalsozialistischen Propaganda- und Spionagezwecken gedient hat.
Sammlung Ines Schwamm

 

 

15. November 1931
Pfarrer Köhler weiht auf dem Markt Hildburghausen ein von der Jugend selbstgebautes Segelflugzeug mit dem Namen Der Dunkelgraf.

Sammlung Ines Schwamm

1931
Georg Ramsperger ist vom 20.05.1931 bis 19.02.1941 Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde.

1931
Die Weltwirtschaftskrise zeigt auch in Hildburghausen deutliche Auswirkungen. Das Hildburghäuser Kreisblatt resümiert am 31.12.1931: „Durch die Stadtverwaltung konnten mit Unterstützung der opferbereiten Einwohnerschaft auch in diesem Jahre an hilfsbedürftige Einwohner unserer Stadt Weihnachtsgaben verabreicht werden. Es wurden über 400 Familien bedacht. Zur Verteilung gelangten ca. 500 Ztr. Briketts, 150 Ztr. Kartoffeln und Gabenscheine zum Verkauf von Lebensmitteln usw. für etwa 3200 M. Aus den Spenden der Einwohnerschaft konnten über 120 Familien mit Kleidungsstücken, Schuhwerk und Wäsche versorgt werden. Im Kaisersaal werden 52 Personen (meist ältere Einwohner) gespeist; die Speisung an den hiesigen Schulen wird für 102 Kinder durchgeführt, und bei der hiesigen Abteilung der Landespolizei erhalten durch Spenden der Polizeibeamten 28 Kinder ein warmes Mittagessen. Trotz der allgemeinen großen Not hat die Einwohnerschaft große Opfer gebracht, damit dieses Hilfswerk durchgeführt werden konnte.“

15. März 1932
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags unter dem Sozialdemokraten Dr. Hermann Brill befragt Hitler zur Hildburghäuser „Köpenickiade“ (Ernennung Hitlers zum Polizeikommissar zur Legitimierung der Einbürgerung), welche Rolle der nationalsozialistische thüringische Staatsminister Frick gespielt habe. Hitler, der zwei Tage zuvor beim 1. Wahlgang für das Reichspräsidentenamt 11.341.000 Stimmen auf sich vereinigen kann, erscheint im Plenarsaal des Weimarer Fürstenhauses mit „großem“ Gefolge: mit Goebbels, Heß, v. Schirach, Gauleiter Sauckel u. a. Nazibonzen.

6. Juni 1932
Der Berliner Pfarrer Joachim Hossenfelder gründet mit Gleichgesinnten die nach dem Führerprinzip orientierte protestantische Glaubensbewegung „Deutsche Christen“ (DC) als innerevangelische Kirchenpartei für das Deutsche Reich. In ihren Richtlinien heißt es:
Wir sehen in Rasse, Volkstum und Nation uns von Gott geschenkte und anvertraute Lebensordnungen […] Daher ist der Rassenvermischung entgegenzutreten. […] Insbesondere ist die Eheschließung zwischen Deutschen und Juden zu verbieten.“

Die DC will eine „Reichskirche“ schaffen und die „Judenchristen“ aus der Kirche ausschließen. Unter „Judenchristen“ werden die zum Christentum übergetretenen, Also getauften , Juden verstanden. Diese „Entjudung“ bedeutet aber auch, dass eine Abkehr vom Alten Testament erfolgt, es zu einer gewissen Reduktion kommt und auch das Neue Testament in Teilen umgedeutet wird. Die DC fordern die „Reinhaltung der germanischen Rasse“ durch den „Schutz vor Untüchtigen“ und „Minderwertigen“. Zudem soll der „volksfeindliche“ Marxismus vernichtet werden.
Besonders aktiv werden die Deutschen Christen in Thüringen, Hitlers „nationalsozialistischer Trutzburg“.

1934 bildet sich die Bekennende Kirche heraus, die die Deutschen Christen als Häretiker betrachtet und aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen hat, weil sie eine Lehre vertreten, die im Widerspruch zu einer vorherrschenden Auffassung steht. Die Bekennende Kirche hat sich als die wahre evangelische Kirche verstanden. Führende Mitglieder sind gewesen: Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, Helmut Gollwitzer und Martin Niemöller.

In der thüringischen Kirche ist der führende Bekenntnispfarrer der aus Hildburghausen stammende spätere Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen D. Dr. Moritz Mitzenheim.
Im folgenden Dritten Reich geht der Bruch auch mitten durch die Hildburghäuser Gemeinde. Hermann Thürmer hat sich zu den Deutschen Christen (Pfarrer der Christuskirche) bekannt, Ernst Köhler (Apostelkirche) zur Bekennenden Kirche.

Ein bedeutender Vertreter der Bekennenden Kirche ist der am 24. März 1902 in Birkenfeld (heute: Stadtteil von Hildburghausen) geborene Theologe Herbert Werner († 16.05.1992, Waldsolms). W. ist Verfolgter des Naziregimes und Universitätslehrer.

17. März 1932
† Hermann Meyer, Leipzig
* 11.01.1871, Hildburghausen, Enkel J. Meyers, im Gebäude des heutigen Kindergartens in der Rückertstraße, das Gebäude wird nach Wegzug des Bibliographischen Instituts von Herzog Georg II. für seine Söhne erworben).
Forschungsreisender, Schriftsteller, Teilhaber des Bibliographischen Instituts
1895 – 1897, 1898 – 1900 Expeditionen nach Brasilien; Gründung von Siedlungskolonien für deutsche Auswanderer in Rio Grande do Sul. Seit 1903 Teilhaber des Bibliographischen Instituts. Er schreibt zahlreiche Bücher und Aufsätze zu seinen Forschungsreisen.

26. Juli 1932
Nach dem Rücktritt der Baum-Regierung und Auflösung des Thüringer Landtags kommt es beim Wahlkampf zum Landtag. Gleichzeitig findet der Wahlkampf zum Reichstag (31.07.) statt. Hitler besucht bei seiner Wahlkampftournee Hildburghausen, dem sog. Deutschlandflug. Hier findet er ein begeistertes Publikum.
Die NSDAP-Landesregierung (26.08.) unter dem aus Haßfurt stammenden Gauleiter Fritz Sauckel (am 16.10.1946 nach dem Nürnberger Kriegsverbrecherprozess als einer der Hauptkriegsverbrecher gehenkt) macht Thüringen zur Hochburg des Nationalsozialismus. Die Nazis werden unterstützt vom Thüringer Landbund und der Deutschnationalen Volkspartei. Sämtliche Ressorts der Landesregierung werden von Nationalsozialisten übernommen.












Propagandarede auf der Hindenburg-Kampfbahn an der Schleusinger Straße

Rudolf Meffert dokumentiert (Auswahl) den Besuch Adolf Hitlers am 26. Juli 1932 auf seiner Reichstags-Wahlkampf-Tournee „Deutschlandflug“. Zeitzeugen berichten, dass der Marktplatz in seiner Geschichte noch nie so viele begeisterte Menschen gesehen hat. Niemand ist zum Jubeln hin kommandiert worden. Die abgebildeten Fotokarten sind meist als Postkarte verwendet worden.

August 1932
Beim Schwimmbadbau in Hilldburghausen entdecken Dr. Hugo Rühle v. Lilienstern und Hugo Wildfeuer im Chirotheriumsandstein eine 14 m² große Fährtenplatte (Proterosaurier, Cotylosaurier, Chirotherium barthii u. a.) von internationaler Bedeutung, die ins Paläontologische Museum Bedheim kommt und gemeinsam mit dem Bedheimer Ernst Frischmann präpariert wird. Die Platte enthält 150 Einzelfährten, dabei sind mindestens 10 von bis dahin unbekannten Reptiliengattungen.


Der Anarchosyndikalist, Autor und Organisator der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) und Chemiker Dr. phil. Gerhard Wartenberg (01.02.1904, Tannroda, Thüringen – 22.12.1942, † KZ Sachsenhausen) veröffentlichte im Herbst 1932 im Verlag „Der Syndikalist“, Berlin, unter dem Pseudonym H. W. Gerhard den Titel „Über Hildburghausen ins dritte Reich! – Nationalsozialismus und Arbeiterklasse“. Bereits vor dem Machtantritt sah W. die Gefahr der Nationalsozialisten, wie das Titelbild auch verdeutlicht. In der Schrift warnt er vor Massenmord sowie Gewaltherrschaft und kritisiert die antifaschistischen Kräfte wegen der meist kampflosen Tolerierung der kalten und heißen Machtergreifung. In der zweiten Auflage heißt es auf Seite 28: „Eine faschistische Regierung muss sofort im Augenblick ihrer Entstehung gestürzt werden, sonst setzt sie sich fest, erobert den Staat und errichtet ein diktatorisches Regime, wie wir das in Italien und in vielen anderen Ländern sehen.“


1932
Die ersten Juden wandern aus, Familie Siegmund Levi (Eisfelder Straße 15), nach Israel.


Die Entdeckung, dass es so einfach nicht ist, wie man gedacht hat, ist als Gewinn anzusehen.
(Carl Friedrich von Weizsäcker
1912 – 2007
deutscher Physiker, Philosoph und Friedensforscher)
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