Eine Seite für Hildburghausen

Ur- u. Frühgeschichte

 

Ur- und Frühgeschichtliches
zur Region um Hildburghausen  

1000 bis 5000 vor Christus

Mittelsteinzeit - Mesolithikum
nach der letzten Eiszeit wandern Sammler und Jäger in die Region. Fundplätze von Steingeräten sind an Rastplätzen u. a. in Henfstädt und Jüchsen (Lkrs. Schmalkalden-Meiningen) nachgewiesen worden.


5. bis 2. Jahrtausend v. Chr.
Jungsteinzeit - Neolithikum

Die Menschen werden nach der von ihnen hergestellten Keramik benannt und unterschieden in:

            Bandkeramiker,
            Schnurkeramiker,
            Glockenbecherleute. 

Bandkeramiker

nach bänderartiger Ornamentik der Tongefäße:

Bauernkultur, teilweise befestigte Dörfer, Pflanzenanbau (Weizen, Gerste, Emmer, Hülsenfrüchte), Viehwirtschaft (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine), Kultplätze mit Menschen- und Tieropfern, Hockerbestattung meist in kleinen Gräberfeldern (in der Region noch nicht nachgewiesen), steinerne Holzbearbeitungswerkzeuge. Wohnhäuser sind zumeist Pfostenhäuser mit Lehmwänden, Schilf- und Strohdeckung.

Um das Gleichberggebiet sind Siedlungen nachgewiesen (b. Römhild, Haina, Wolfmannshausen). 

Schnurkeramiker

verzierte Keramik mit Abdrücken gedrillter Schnüre:

2. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. – Ende der Jungsteinzeit; Viehzüchter- und Jägerkultur, intensiver Ackerbau. Beispielsweise b. Hildburghausen Fund einer vielkantig geschliffenen Steinaxt.

Glockenbecherleute

benannt nach strich- od. stempelverzierten, rötlich gefärbten Bechern, endneolithische Kulturgruppe:

Um 2000 – 1700 v. Chr. Übergang zur Bronzezeit. Funde: im Umland der Gleichberge. Arbeitsteilung zwischen Bauern und Handwerkern. 

1600 bis 1200 v. Chr.
Hügelgräber- oder mittlere Bronzezeit

Totenbestattung unter großen Erdhügeln mit Steineinbauten. Die Größe lässt auf soziale Unterschiede schließen. Fundstellen in Grub, zwischen Schwarza und Hasel im Vorland des Thüringer Waldes und im Gleichberggebiet.


REKONSTRUIERTER GRABHÜGEL
JÜCHSEN-RITTERSRAIN,
STEINSBURGMUSEUM.

 

Entwickelte Spinn- und Webtechnik. Bei Frauen bronzene Halskragen, Armspiralen und -ringe, Kolliers aus Bronzedrahtröllchen, Gewänder werden mit Radnadeln zusammengehalten. Bestattungsbeigaben bei Männern: Dolche, Beile aus Bronze. 


SCHMUCKSTÜCKE UND GRABBEIGABEN DER FRAUEN,
STEINSBURGMUSEUM


Ende 13. bis 8. Jahrhundert v. Chr.
Urnenfelderkultur

Benannt nach der Bestattungsweise. Leichenbrände werden in Urnen in Hügeln beigesetzt. Menschen aus dem südlichen Mitteleuropa dringen bis in die Mittelgebirge vor. Befestigte Höhensiedlungen entstehen.

 

MITTELEUROPÄISCHER MAUERTYP, FRONT MIT SENKRECHTEN PFOSTEN UND TROCKENMAUERWERK, WAAGERECHTE BALKEN ALS VERSTREBUNG, DAHINTER STEIN-ERDE-AUFSCHÜTTUNG. STEINSBURGMUSEUM.


Gleichberge sind erstmals mit Basaltmauern umwehrt. Gewandnadeln (Vasenkopf-, Eikopf-, Rollenkopfnadel), Arm- und Halsringe, Waffenfunde (Lanzen, lange Bronzemesser).

GEWAND UND SCHMUCKSTÜCKE  EINER WOHLHABENDEN FRAU, STEINSBURGMUSEUM.


700 bis 450 v. Chr.
Eisenzeit
Hallstattzeit
Aufsiedlung der nordalpinen Hallstattkultur.

Aus verschiedenen Gruppen der Urnenfelderkultur entstanden, mit mediterranen Einflüssen. Randzone der „antiken Welt“.  

1. Phase der Eisenzeit. Alte Weinstraße Königshofen – Herbstadt – Milz – Haina – St. Bernhard – Trostadt – Schleusingen – Suhl – Arnstadt ist nachgewiesen. Totenbestattung (Brandbestattung) findet unter Grabhügeln mit Grabbeigaben (vor allem Keramik) statt. Gräber bzw. Gräberfelder im Merzelbachwald (Südwest-Fuß des Großen Gleichbergs, ca. 120 Grabhügel, größte Hügelgräbernekropole Thüringens, zuletzt 1991/92 untersucht), Hellingen, Dingsleben, Henfstädt (vermutl. Grab einer Priesterin, Kopfschmuck aus Bronzeblech, griechisch beeinflusst), Bronzeschwert b. Römhild. Fibeln (federnde Gewandschließe) in vielfältigen schmückenden Formen. 15 Hügelgräber auf der Harraser Leite der Frankenschwelle (1955/56 werden 3 Hügelgräber archäologisch untersucht). Das sog. Brandgrab mit Urnen und Beigefäßen stammt aus dem 8. – 7. Jh. v. Chr., die beiden Körperbestattungen mit Eisengeräten und -waffen sowie Bronzeschmuck sind aus dem 5. – 4. Jh. v. Chr.


GENTILARISTOKRATIN (PRIESTERIN?) MIT REICHEM BRONZESCHMUCK,
FUND BEI HENFSTÄDT-STRICK, 6. JAHRHUNDERT V. U. ZEIT, STEINSBURGMUSEUM.


500 v. Chr.
La-
Tène-Zeit
Wiederbesiedlung der Steinsburg (am Ende der Späthallstattzeit) auf dem Kleinen Gleichberg und Befestigung. Ein regionales Herrschaftszentrum im Kontaktgebiet zwischen Kelten und Germanen entwickelt sich.



TYP STEINSBURG, JE ZWEI AUSSEN- UND BINNENMAUERN, AUS BASALTBLÖCKEN, DAZWISCHEN BAUSCHUTT, STEINSBURGMUSEUM.

Siedlungen: Widderstatt bei Jüchsen und bei Haina. Die Siedlungen bestehen aus Wohnstallhäusern, eingetieften Hütten, Speichern, Vorratsgruben.


FUNDE LANDWIRTSCHAFTLICHER GERÄTE WIE GABELN, SENSEN, SICHELMESSER, SENSENRINGE UND PFLUGSCHAREISEN, STEINSBURGMUSEUM.

Stadtähnliche Anlagen zumeist auf Bergen sind politische, wirtschaftliche, militärische, kultische Stammeszentren. Der Stamm auf der Steinsburg ist namentlich nicht bekannt. Die Eisenmetallurgie steht in hoher Blüte. Hohes kunsthandwerkliches Können (Vogelkopffibeln), vermutlich Glasherstellung in der Region. Ein reger Tauschhandel mit benachbarten Stämmen findet statt, evtl. auch Münzprägungen bei einzelnen keltischen Stämmen nach griechischem und römischem Vorbild. Über Münzherstellung in der Region ist jedoch nichts bekannt.
 


MODELL EINER SIEDLUNG, STEINSBURGMUSEUM


Aus der Zeit um 400 v. Chr. wird im August 1915 bei Schachtungsarbeiten für einen Brunnen am Stadtberg Hildburghausen (Wallrabs) ein Flachgrab mit Skelett, Bekleidungsresten, einer eisernen Fibel und Grabbeigaben (Lanzenspitze) gefunden. 

2. bis 1. Jh. v. Chr.

Größte Ausdehnung der Steinsburg. Oppidum – ovale Befestigung mit 3 gewaltigen Mauerringen, Außenmauer 3 km Länge, 66 ha Fläche.

v. Chr.

Die keltische Macht nimmt ab. Römer unterwerfen keltische Stämme, ferner dringen germanische Stämme vor. Siedler verlassen den Südthüringer Raum. 

n. Chr. (Römische Kaiserzeit)

Einzelfunde sind bekannt (Henfstädt, Sülzdorf, Römhild, Trostadt).

Spärliche Besiedlung durch germanische Bevölkerung.
Germanische Siedlung bei Henfstädt (Verarbeitung von Bronze). Münzschatz von Trostadt deutet auf Kontakte mit Römern hin.  

-    Der alexandrinische Astronom, Mathematiker und Geograf Claudius Ptolomaeus (um 83 bis 161) nennt in seiner Erdbeschreibung vermutl. die Gleichberge "Bikourgion" – Doppelbergburg. 

-    Menschen wandern ab. Alemannische und andere Bevölkerungsreste sind vorhanden, vermutlich siedeln auch Thüringer südlich des Rennsteigs.

Ein germanischer Stamm der Thüringer wird erstmals im 4. Jh. erwähnt. Das Kerngebiet des Königreichs der Thüringer reicht von der Unteren Saale bis ins Thüringer Becken.

3./4. Jahrhundert

Erstmals nachweisbare Volksbezeichnungen: Franken – 257, Sachsen – 285, Thüringen – 380. In der Hildburghäuser Flur wird aus der Zeit des römischen Kaisers Licinius (seit 308, 325 hingerichtet) eine Münze gefunden. Die Siedler haben vermutlich eine enge Bindung zum etwa 100 – 120 km entfernt liegenden römischen Wetterau-Limes-Gebiet. 

5. Jahrhundert
Anfang bis Mitte
Gründung eines Thüringer Königreichs.

1. Oktober 531

Das Reich der Thüringer unter König Hermenefried (auch Herminafrid) wird von Franken und verbündeten Sachsen (vermutl. b. Burgscheidungen) unter Theuderich erobert und als fränkische Provinz (Francia Orientalis) regiert.
Das Land südlich des Rennsteigs, so auch das Gebiet des heutigen Landkreises Hildburghausen, wird die fränkische Provinz Grabfeldgau.

6. Jahrhundert

Aus der Zeit ist in der Streufdorfer Flur ein Fund einer thüringischen Zangenfibel bekannt.

Auf dem Kleinen Gleichberg befindet sich vermutl. ein dem germanischen Gott Wotan geweihtes Heiligtum, das in der Zeit der Christianisierung durch die Michaelsverehrung verdrängt wird (St.-Michaels-Kapelle).
Vereinzelt siedeln heimatvertriebene Slawen. Siedlungsnamen und Grabfunde deuten darauf hin.

FRÜHLATÈNEZEITLICHE BRONZEFIBEL DER STEINSBURG

Es ist ein eigener grillenhafter Zug, dass wir durch Schweigen das Geschehene für uns und andere zu vernichten glauben!
(Johann Wolfgang von Goethe
1749 – 1832
deutscher Dichter, Naturwissenschaftler, Staatsmann)
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